WAS DÜRFEN WIR HOFFEN?
ANTWORTEN EINFORDERN • DEN SCHMERZ DES LEBENS ERTRAGEN • WAS IST WIRKLICHKEIT?
DAVID GOODING JOHN LENNOX
David Gooding | John Lennox
WAS DÜRFEN WIR HOFFEN?
Antworten einfordern – Den Schmerz des Lebens ertragen – Was ist Wirklichkeit?
Best.-Nr. 271 728
ISBN 978-3-86353-728-9
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
Sammelband – Titel der englischen Originale: Claiming to Answer
How One Person Became the Response to our Deepest Questions
Book 5, The Quest for Reality and Significance
Copyright © Myrtlefield Trust, 2018
Suffering Life’s Pain
Facing the Problems of Moral and Natural Evil
Book 6, The Quest for Reality and Significance
Copyright © Myrtlefield Trust, 2018
Finding Ultimate Reality
In Search of the Best Answers to the Biggest Questions
Book 2, The Quest for Reality and Significance
Copyright © Myrtlefield Trust, 2018
Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet:
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R. Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.
Außerdem wurden verwendet:
Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ), Zürcher Bibel (ZÜ), Neue Genfer Übersetzung (NGÜ).
1. Auflage
© 2021 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de
Übersetzung: Christiane Henrich
Satz und Umschlaggestaltung: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg
Umschlagmotiv: © Myrtlefield Trust/Frank Gutbrod
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
Printed in Germany

TEIL I: ANTWORTEN EINFORDERN
Wie eine Person zur Antwort auf unsere existenziellen Fragen wurde

I .1 FÜHREN ALLE RELIGIONEN
ZUM SELBEN ZIEL?
Ohne ihre Lehren und Überzeugungen, die sie von anderen Religionen unterscheiden, würde eine Religion nicht länger als Religion existieren. Zudem muss man die Freiheit haben, das, was man ernsthaft für wahr hält, ehrlich zu verbreiten (vorausgesetzt, man tut dies mit friedlichen Mitteln); und sowohl die Wahrheit als auch die Logik erfordern es, dass man frei behaupten darf, dass etwas, was dieser Wahrheit widerspricht, nicht wahr ist.
EINLEITUNG
Mehr oder weniger Religion?
Wenn jemand behaupten würde, dass Religion das Heilmittel für die Fehler und Versäumnisse der Menschheit und das Gegenmittel für moralische Verwirrung, Zynismus und Nihilismus ist, unter denen die Welt leidet, dann muss diese Behauptung vielen Leuten gelinde gesagt problematisch erscheinen, wenn nicht sogar ganz und gar unglaubwürdig. Schaut euch die Geschichte der Religionen an, sagen sie. Religion ist die Ursache für endlose Kriege, Not und Blutvergießen gewesen. Und ist es nicht das Aufeinanderprallen der Weltreligionen, das gegenwärtig international Konflikte und Terrorismus schürt? Tatsache ist, dass die Christenheit in den Kreuzzügen Armeen aufstellte und mit ihnen Muslime, Türken und Juden im Streit um heilige Ländereien und Stätten abschlachtete. Der Katholizismus folterte und verbrannte in den Autodafés der spanischen Inquisition sowohl Juden als auch Protestanten; und in anderen Ländern bekämpften Protestanten wiederum katholische Armeen und richteten katholische „Häretiker“ hin. Noch immer bekämpfen Hindus und Muslime einander im Streit um den Besitz heiliger Stätten. Und stellt nicht die Streitfrage, wem der Tempelberg in Jerusalem gehört, noch immer eine Bedrohung für den Weltfrieden dar? All dem könnten wir noch hinzufügen, dass im 20. Jahrhundert im Osten wie im Westen säkulare Ideologien mit dem Absolutismus eines praktisch religiösen und messianischen Eifers betrieben und durchgesetzt wurden –mit dem Ergebnis, dass große Volkswirtschaften ruiniert wurden und viele Millionen Menschen ihr Leben ließen. Ganz gewiss, sagen viele, brauchen wir weniger Religion, nicht mehr.
Andere sind sich da nicht so sicher. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Atheismus, Naturalismus und Säkularismus nicht dazu fähig sind, eine feste Grundlage oder eine adäquate Begründung für private und öffentliche Moral zu liefern. Instinktiv fühlen sie, dass Religion mit ihrer spirituellen
Dimension eine Basis für Glauben, Hoffnung und Mut liefern könnte, die stark genug ist, um im Privaten und Öffentlichen Selbstlosigkeit, Uneigennützigkeit und Moralität zu fördern, die für den Zusammenhalt von Familien und der Gesellschaft so nötig sind. Zumindest könnte Religion dies schaffen, meinen sie, falls (aber es ist ein sehr großes „Falls“) alle Religionen dazu bewegt werden könnten, sich nicht länger gegenseitig zu bekämpfen und sich stattdessen zusammen für das Gemeinwohl einzusetzen.
So weit, so gut; und im Lichte von Christi Verbot, sein Reich und seine Wahrheit mit Gewalt zu verteidigen oder zu verbreiten (siehe Joh 18,36-37), werden sich Christen in Grund und Boden schämen allein bei dem Gedanken, dass Menschen im Namen Christi Krieg gegen andere Religionen führen oder anderen das christliche Evangelium gewaltsam aufzwingen.30
Ein typisches Argument für gegenseitige Toleranz
Aber nun kommt ein weiteres Argument ins Spiel, und es lautet wie folgt:
1. Die Betonung der Unterschiede zwischen den verschiedenen Religionen war und ist dafür verantwortlich, dass Feindseligkeit und Hass zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens geschürt wird.
2. Diese Betonung der Unterschiede zwischen Religionen ist unsinnig, da alle Religionen im Wesentlichen dasselbe Ziel verfolgen. Sie mögen vielleicht unterschiedlichen Wegen folgen, aber es sind Wege, die auf denselben Berg führen, und sie alle haben denselben Gipfel zum Ziel und werden diesen schließlich erreichen.
3. Es ist daher die Pflicht aller Religionen und religiösen Menschen, sich auf die Tatsache zu einigen (und diese zu verkündigen), dass alle Religionen zum selben Gott führen, dass alle dasselbe Ziel anstreben und dass ihre Unterschiede von untergeordneter Bedeutung sind. Daher können und sollten alle für das Gemeinwohl zusammenarbeiten.
30 Eine ausführlichere Diskussion von Christi Verbot finden Sie in Bd. 2, Was können wir wissen?, in Kap. 8, Die Wahrheit auf der Anklagebank, 241–256.
Dieses dreifache Argument ist zweifellos attraktiv, aber seine Stichhaltigkeit hängt von der Wahrheit der Annahmen ab, die dort enthalten sind:
1. dass das von allen Religionen angestrebte Hauptziel ein gutes Verhalten der Menschen untereinander ist;
2. dass sich alle Religionen darüber einig sind, dass dies ihr Hauptziel ist; und
3. dass alle Religionen akzeptieren, dass die Lehren und Überzeugungen, die sie von den anderen unterscheiden, von untergeordneter Bedeutung sind.
Annahme 1 ist plausibel, weil alle hochentwickelten Religionen versuchen, die Menschen zu lehren, einen bestimmten Moralkodex zu befolgen, und diese Moralkodizes haben recht viel gemeinsam: Sie legen beispielsweise Wert auf einen freundlichen Umgang mit kleinen Kindern und älteren Menschen, Almosen für die Armen, die Fürsorge für Waisen und Kranke, einen respektvollen Umgang miteinander, Ehrlichkeit im Geschäftsleben, Wahrheitsliebe, Selbstlosigkeit, gutes staatsbürgerliches Verhalten usw.
Trotzdem darf man nicht vergessen, dass nicht bei allen Religionen die Moral im Zentrum steht. Die antiken klassischen Religionen Griechenlands und Roms verehrten Götter und Göttinnen, deren Verhalten in ihren Mythen noch viel unmoralischer dargestellt wurde als das Verhalten der Leute, die sie verehrten. In der klassischen Antike war es nicht die Aufgabe der Religion, die Menschen ernsthafte Ethik zu lehren, sondern der Philosophie.
Ebenso geht es beim Ahnen- oder Geisterkult, der auch heute noch sogar in wissenschaftlich und technologisch fortschrittlichen Nationen praktiziert wird, nicht allein (oder vielleicht nicht hauptsächlich) darum, der verstorbenen Verwandten im liebevollen Respekt zu gedenken, sondern größtenteils darum, die Geister durch entsprechende Riten in der Geisterwelt zu bannen und zu verhindern, dass sie diese verlassen und Unruhe stiften, indem sie die Häuser ihrer lebenden Nachkommen heimsuchen. Und andernorts bringen Leute (was wir selbst schon gesehen haben) den Göttern Opfer und Gaben dar, um sie zu bewegen, ihnen Erfolg in der Fußballlotterie zu schenken, oder um sie zu bestechen, damit sie ihnen gewogen sind und sich dann gleichzeitig von ihren Geschäftskonkurrenten abwenden.
Aber lassen wir das beiseite und kehren wieder zu der Beobachtung zurück, dass es hochentwickelten Religionen ein ernsthaftes Anliegen ist, die Menschen zu lehren und zu ermutigen, sich gut gegenüber ihren Mitmenschen zu verhalten. Aber was folgt daraus?
Annahme 2 geht davon aus, dass alle diese hochentwickelten Religionen darin übereinstimmen, dass es ihr Hauptziel ist, Menschen zu ermutigen, sich gut gegenüber dem anderen zu verhalten und ihre Pflicht gegenüber der Gesellschaft zu erfüllen. Aber diese Annahme ist nicht richtig. Die Religionen selbst würden ihr nicht zustimmen, und das zu Recht. Religion ist nicht einfach nur eine Moralphilosophie. Auch wenn es wahrer Religion darum geht, wie es das christliche Neue Testament ausdrückt, „Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen“ (Jak 1,27), ist Religion mehr als das. Bei Religion geht es in der Hauptsache um Gott bzw. die Götter und das Verhältnis des Menschen zu ihm bzw. zu ihnen. Auch einem Atheisten kann es ein ernsthaftes und aufrichtiges Anliegen sein, für das Gute seiner Mitmenschen zu leben und zu arbeiten, und bei den meisten Atheisten, so vermuten wir, ist das auch so. Aber die Einstellung eines Atheisten gegenüber Gott ist ernsthaft fehlgeleitet. Lassen Sie uns diesen Punkt mithilfe einer Analogie veranschaulichen.
In vergangenen Jahrhunderten wurden die Weltmeere von unzähligen Piratenschiffen befahren. Auf einigen dieser Schiffe verhielten sich die Piraten untereinander zweifellos sehr gut und befolgten strenge Regeln, damit die von ihnen gemachte Beute auch gerecht aufgeteilt wurde. In diesem Sinne dürften sie wohl mit dem erreichten Standard ihrer Moral sehr zufrieden gewesen sein. Aber man darf nicht die grundlegende Tatsache außer Acht lassen, dass sie Piraten waren, die sich gegen die rechtmäßige Regierung ihres Landes auflehnten! Hätte ihre Regierung sie gefasst, hätte ihnen ihr hervorragendes moralisches Verhalten untereinander keinesfalls den Galgen erspart!
Wenn es ein höchstes Wesen gibt, einen Schöpfer, dem wir unser Leben und jeden Atemzug verdanken, ist es unsere erste Pflicht ihm gegenüber, ihn zu „lieben mit [unserem] ganzen Herzen und mit [unserer] ganzen Seele und mit [unserer] ganzen Kraft“, wie es die jüdische Bibel ausdrückt (siehe 5Mo 6,5), und zweitens unseren „Nächsten [zu] lieben wie [uns] selbst“ (3Mo 19,18). Das zweite Gebot hängt eng mit dem ersten zusammen, so sehr, dass das Neue Testament argumentiert: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat“ (1Jo 4,20). Aber das heißt nicht, dass es, solange ich nur meinen
Bruder gut behandle, egal ist, ob ich Gott ignoriere, seine Autorität ablehne, ihm meine Liebe, meinen Gehorsam und meine Treue verweigere und seine Existenz leugne. Und wenn ich Gott so behandelt habe, wird es, wenn er mich am Ende zur Rechenschaft zieht, keine Entschuldigung sein, wenn ich dann vorbringe, dass ich mich doch gegenüber meinen Mitmenschen gut verhalten habe.
Annahme 3 – dass alle Religionen bereit wären zu akzeptieren, dass die Lehren und Überzeugungen, die sie voneinander unterscheiden, von untergeordneter Bedeutung sind – ist eine Beleidigung der Intelligenz und Integrität ihrer Anhänger. Außerdem grenzt sie ans Absurde. Ohne ihre Lehren und Überzeugungen, die sie von anderen Religionen unterscheiden, würde eine Religion nicht länger als Religion existieren. Zudem muss man die Freiheit haben, das, was man ernsthaft für wahr hält, ehrlich zu verbreiten (vorausgesetzt, man tut dies mit friedlichen Mitteln); und sowohl die Wahrheit als auch die Logik erfordern es, dass man frei behaupten darf, dass etwas, was dieser Wahrheit widerspricht, nicht wahr ist. Keine Religion wird akzeptieren, dass ihre Lehren bloß eine Form von Pragmatismus sind, bei dem es am Ende egal ist, ob sie wahr sind oder nicht.
Wenn es ein höchstes Wesen gibt, einen Schöpfer, dem wir unser Leben und jeden Atemzug verdanken, ist es unsere erste Pflicht ihm gegenüber, ihn zu „lieben mit unserem ganzen Herzen und mit unserer ganzen Seele und mit unserer ganzen
Kraft ..."
Ebenso hat keine Religion das Recht, Anstoß daran zu nehmen, wenn andere die Wahrheit ihrer Überzeugungen infrage stellen. Religionen, die die Macht des Staates benutzen, um allen zu verbieten, öffentlich die Wahrheit ihrer Lehren infrage zu stellen, zeigen damit bloß die Schwäche dieser Lehren auf. Ein solches Infragestellen zieht keinesfalls die Ernsthaftigkeit jener in Zweifel, die diese Lehren glauben, aber in keinem Lebensbereich würde sich eine verantwortungsbewusste Person damit zufriedengeben, Ernsthaftigkeit als Garantie für Wahrheit oder Sicherheit zu akzeptieren. Beispielsweise haben alle Formen von medizinischen Praktiken per Definition dasselbe Ziel, nämlich die Heilung von Kranken. Aber nicht alle Arzneimittel sind gleich wirksam oder gleich sicher. Manche sind auch giftig. Wir sollten so klug sein, den Inhalt einer Flasche nicht einfach so zu schlucken, nur weil auf dem Etikett das Wort „Medizin“ steht. Was die Medizin betrifft, glauben wir alle an die Objektivität von Wahrheit. Ebenso können wir es uns nicht leisten, eine Religion allein deshalb für wahr zu halten, nur weil sie sich selbst als „Religion“ deklariert.
Die Fakten
Unsere Aufgabe ist es nun, eine ehrliche Antwort auf die Frage zu finden, mit der dieses Kapitel überschrieben ist: „Führen alle Religionen zum selben Ziel?“ Zu diesem Zweck werden wir fünf große Religionen betrachten: Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam. Wir werden betrachten, was sie im Zusammenhang mit Themen glauben und lehren, die für alle Religionen von fundamentaler Bedeutung sind.31
WAS DIE HAUPTRELIGIONEN MIT „GOTT“ MEINEN
Hindu-Religion
Die Ansichten der Hindu-Philosophie zu diesem Thema werden wir im dritten Teil dieses Buches betrachten.32 Hier werden wir uns nun mit der Hindu-Religion beschäftigen.
Manche behaupten, die ursprüngliche Hindu-Religion sei monotheistisch gewesen. Sicherlich glaubt der volkstümliche Hinduismus noch immer an ein höchstes Wesen mit dem Namen Brahman, der (bzw. das) größtenteils unergründbar ist. Aber daneben glauben Hindus an buchstäblich Tausende von Göttern und Göttinnen, unter ihnen Ganesha, den Elefantengott, und diese verehren sie eher als Brahman. Es gibt zahlreiche Tempel für all die anderen Götter und Göttinnen; Tempel für Brahman jedoch sind selten oder existieren praktisch gar nicht. Natürlich kann niemand alle diese Gottheiten verehren. Die Leute konzentrieren sich auf einen oder mehrere von ihnen, denen sie sich besonders verpflichtet fühlen. Die volkstümliche Hindu-Religion vertritt, wie auch der philosophische Hinduismus, die Lehre des Pantheismus, dass jeder und alles mit Gott identisch ist.33 Diese Lehre ist jedoch mit großen Schwierigkeiten behaftet, wie wir an der folgenden Aussage von Sri Ramakrishna sehen:
31 Wir sind uns natürlich bewusst, dass es auf der Welt noch viele andere Religionen gibt, aber ein Überblick über sie alle wäre in diesem Kapitel unmöglich und würde auf jeden Fall einfach nur denselben Punkt demonstrieren: dass sich die Weltreligionen über fundamentale Fragen nicht einig sind. Schüler und Studenten sollten jedoch selbst die Richtigkeit unserer Darstellung anhand von detaillierten Abhandlungen und Nachschlagewerken überprüfen.
32 Siehe Teil 3, Kap. 1 – „Der indische pantheistische Monismus“ in Was ist Wirklichkeit?
33 Siehe die Diskussion des Pantheismus in Kap. 1 und 2 im dritten Teil: Was ist Wirklichkeit?
Gott allein ist, und er ist es, der dieses Universum geworden ist ... „Als Schlange beiße ich, als Heiler heile ich.“ Gott ist der unwissende Mensch und Gott ist der erleuchtete Mensch. Gott als unwissender Mensch bleibt verblendet. Als Guru wiederum schenkt er Gott im Unwissenden Erleuchtung.34
Ravi Zacharias hebt die Auswirkungen dieser Lehre auf andere Religionen hervor:
Somit ergibt sich die Frage: Als Buddha die Veden [die heiligen Schriften des Hinduismus] verwarf, war er da Gott in Unwissenheit oder in Erleuchtung? Als Mohammed den Monotheismus und den Weg der Unterwerfung unter Allah postulierte, war er da Gott in Unwissenheit oder Gott in Erleuchtung? So muss man endlos fragen, wenn alles, was existiert, Gott ist.35
Die Lehre impliziert auch zwingend, dass das Böse ebenso wie das Gute Gott ist. Auf solche Ansichten reagieren Judentum, Christentum und Islam entsetzt.
Buddhismus
Der ursprüngliche Buddhismus ist ein Ableger des Hinduismus. Strenggenommen ist er keine Religion: Er beschäftigt sich nicht mit irgendeinem Gott (und glaubt auch nicht unbedingt an einen). Er ist eine Philosophie, die ihren Anhängern eine Sammlung von Lehren („Die drei Pitaka“ / „Pali-Kanon“) und eine Reihe von psychologischen Disziplinen anbietet, die das Ziel haben, sie von der Tyrannei der Begierde zu befreien und sie zu einem Lebensstil zu führen, der frei von Unruhe, Stress und Angst ist, und auch zu friedlichen Beziehungen zu ihren Mitmenschen.
Der Mahayana-Buddhismus (das heißt der volkstümliche Buddhismus): Diese Form des Buddhismus, von der es viele Varianten gibt, wird stark vom Hinduismus beeinflusst und glaubt folglich an eine Vielzahl von Gottheiten.
34 Isherwood, Vedanta for Modern Man, 222
35 Jesus – der einzig wahre Gott?, 202
Judentum, Christentum und Islam
Da diese Religionen grundsätzlich an Gott glauben, müssen sie die Missachtung (bzw. Leugnung) der Existenz Gottes durch den ursprünglichen Buddhismus als eine Form der grundlegenden Sünde der Menschheit betrachten. Da sie zudem monotheistisch sind, werden Judentum, Christentum und Islam niemals mit der Verehrung von Tausenden von Göttern im Hinduismus und Mahayana-Buddhismus einverstanden sein. Sie betrachten es als schwere Sünde, die Einzigartigkeit des einen wahren Gottes zu kompromittieren.
WAS DIE HAUPTRELIGIONEN
ÜBER DIE MATERIELLE WELT LEHREN
Judentum, Christentum und Islam (jeweilige Hauptrichtung)
Alle drei glauben, dass die materielle Schöpfung gut war, als sie der Schöpfer geschaffen hat, und dass unsere physischen Körper ebenso im Wesentlichen gut sind, bewusst und absichtlich gestaltet und erschaffen von dem einen wahren Gott. Auch wenn sie durch die Sünde verdorben und Vergänglichkeit und Tod unterworfen sind, werden sie eines Tages auferstehen und verherrlicht werden.
Hinduismus und Mahayana-Buddhismus
Diese beiden Religionen lehren genau das Gegenteil. Sie lehren, dass die materielle Welt und unsere physischen Körper nicht die direkte Schöpfung der höchsten Gottheit gewesen seien, auch wenn sie von ihr (bzw. ihm) ausgegangen seien. Sie seien die Schöpfung einer geringeren Gottheit oder einer geringeren Form der höchsten Gottheit gewesen, und Materie sei lästig, wenn nicht sogar ausgesprochen böse. Dementsprechend sei es für die Menschen weise, so weit wie möglich dem Makel ihrer physischen Körper zu entfliehen und nach einem höheren Pfad der Spiritualität zu streben, bis sie am Ende völlig frei von Materie seien, den Zustand von Moksha erreichten, ins Nirvana einträten und eins würden mit der reinen Weltseele.
Alle drei monotheistischen Religionen betrachten diese Abwertung des menschlichen Körpers praktisch als Beleidigung des Schöpfers. Das Christentum meint zudem, dass dies absolut unvereinbar sei mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes, seiner körperlichen Auferstehung und Himmelfahrt und schließlich mit der Auferstehung und Verherrlichung der Körper
der Menschen seines Volkes und der Erlösung und Wiederherstellung der ganzen Schöpfung.
Schon jetzt wird deutlich, dass wir es hier nicht mit kleineren Unterschieden, sondern mit zwei grundsätzlich unvereinbaren Weltanschauungen zu tun haben.
WELCHE ANTWORT HABEN DIE HAUPTRELIGIONEN
AUF DAS PROBLEM DER SCHULD?
Das Problem
Wie wir bereits festgestellt haben, ist es richtig, dass alle hochentwickelten Religionen mehr oder weniger dasselbe lehren, wenn es um die Grundprinzipien der Moral geht. Vergleichen Sie z. B. die „Fünf Silas“ des Buddhismus mit den Zehn Geboten des Judentums. Mit einem Wort: Alle Religionen lehren, dass wir gut sein sollen. Unser menschliches Dilemma ist jedoch, dass wir nicht gut sind. Wir haben gegen Gott gesündigt, seine Gesetze gebrochen und müssen die Strafe dafür tragen. Wir haben gegen unsere Mitmenschen gesündigt und ihnen Schaden zugefügt. Wir haben gegen uns selbst gesündigt, und wenn wir tatsächlich Gottes Geschöpfe sind, ist das Sündigen gegen unsere Mitgeschöpfe und uns selbst auch eine schwere Sünde gegen den Schöpfer.
Ob unser Gewissen noch funktioniert und unsere Schuld wahrnimmt, oder ob es aufgehört hat zu funktionieren und sie nicht mehr wahrnimmt –das Ergebnis ist: Wir alle, und das ist eine objektive Tatsache, sind schuldig. Wenn wir wieder Frieden mit unserem Schöpfer auf solider Grundlage haben wollen, müssen wir von unserer Schuld befreit werden. Daher muss jede Religion, die diese Bezeichnung verdient, irgendeine Antwort auf das Problem der Schuld haben.
Aber welche? Es ergibt offensichtlich keinen Sinn, wenn man Menschen einfach sagt, ihre Sünden und die Schuld aus ihrer Vergangenheit seien nicht wichtig und könnten getrost vergessen werden. Denn letztendlich würde das heißen, dass die Leute, gegen die sie gesündigt haben, nicht wichtig sind, der Schaden, den sie angerichtet haben, nicht wichtig ist und das Gewissen bloß eine mentale Schwäche ist, die man ungestraft unterdrücken kann. Aber das wird niemals die Sicht Gottes sein.
Es kann auch keinen Gedanken daran geben, dass wir bei Gott für unsere Sünden irgendwie Wiedergutmachung leisten könnten. Selbst wenn wir
unsere Pflicht perfekt erfüllten und unserem Gott mit ganzem Herzen und Geist, ganzer Seele und Kraft dienten, hätten wir immer noch nichts, was wir Gott zur Wiedergutmachung anbieten könnten.
Jeder Mensch braucht daher dringend eine Antwort auf dieses Problem, die seinen eigenen moralischen Maßstäben und seinem Gerechtigkeitsgefühl gerecht wird, aber auch – und vor allem – Gottes Maßstäben. Eine Lösung, die ihm aber gleichzeitig auch Vergebung bringen und ihn in gerechter Weise von den Ketten der begangenen Schuld befreien kann. Was sagen die großen Religionen dazu?
Die Lehre von Karma, Reinkarnation und Seelenwanderung
Der Weg für den Umgang mit Schuld, der von östlichen pantheistischen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus dargelegt wird, ist die Lehre vom Karma. Diese besagt, dass jede böse Tat oder Sünde einer Person verdientermaßen eine unvermeidliche Menge an Leid einbringt. Es ist das Prinzip: „Was du säst, wirst du ernten.“ Zudem kann das Leid erst dann enden, wenn der volle Anteil erlitten worden oder abbezahlt worden ist, der durch das Gesetz des Karmas bestimmt wird.
In diesem Kontext ist die Idee der Vergebung irrelevant. Sie ergibt hier einfach keinen Sinn, und folglich gibt es bei einigen Formen des Buddhismus so etwas wie Vergebung gar nicht. Das Gesetz des Karmas wird als unpersönliches Prinzip verstanden, wie z. B. das Gesetz der Schwerkraft. Sünde ist hier also nicht wie die Sünde gegen das Gesetz eines persönlichen Schöpfergottes, der aus Gnade heraus die Schuld der Sünde vergeben kann. Das unpersönliche Gesetz des Karmas schreibt vor, dass der einzige Weg für einen Menschen, von den Konsequenzen seiner Sünde befreit zu werden, das Erleiden der notwendigen Menge an Leid ist, das er durch seine Sünde verdient. Er kann dabei keine Hilfe von außen erwarten. „Niemand kann den anderen reinwaschen.“36
Weiter sagt das Gesetz des Karmas, dass dann, wenn ein Mensch stirbt und seine Seele seinen Körper verlässt und dieser bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend gelitten hat, um das Gesetz des Karmas zufriedenzustellen, seine Seele zur Erde zurückkehren und in einem anderen menschlichen Körper reinkarniert werden muss. (Die Lehre der Seelenwanderung besagt, dass ein Mensch, der sich zu Lebzeiten sehr schlecht verhalten hat, vielleicht auch im Körper eines wilden Tieres reinkarniert werden kann.) Dieser Kreislauf muss so lange wiederholt werden (wenn nötig viele Male), bis der Mensch
36 Zaehner, The Concise Encyclopaedia of Living Faiths, 265
genug gelitten hat, um sein ganzes Karma abzuarbeiten, und so dann davon befreit werden kann, immer und immer wieder reinkarniert zu werden.
Aber sehen Sie, was das bedeutet. Wenn ein Kind mit einer Behinderung geboren wird, wird die Lehre der Reinkarnation sagen, dass dies so ist, weil das Kind (oder seine Seele) in einer vorherigen Inkarnation gesündigt und bis zum Zeitpunkt seines Todes nicht genug gelitten hat, um sein Karma abzuarbeiten. Daher musste es reinkarniert werden, damit es weiter leiden konnte. Niemand kann jedoch sagen, welche Sünden es waren, die es in seiner vorherigen Inkarnation begangen hatte und für die es jetzt leidet, oder wie viele Reinkarnationen es bereits durchgemacht hat, in denen es noch immer nicht genug gelitten hat, um sein Karma abzuarbeiten. Welche Hoffnung hat es daher, dass es in dieser gegenwärtigen Inkarnation nicht weiter sündigen und so endlose weitere Inkarnationen erforderlich machen wird? Außerdem wäre es nicht wirklich hilfreich, das Leiden des Kindes zu lindern, denn das würde ja die Menge des Leids verringern, welches das Kind durchmachen muss, um sein Karma zu erfüllen.
In den Augen vieler ist dies eine sehr grausame Lehre. Sie hat zudem die logische Folge, dass ein Mann, der sich von Kindheit an einer hervorragenden Gesundheit und an Wohlstand erfreuen konnte, gemäß dieser Lehre behaupten kann, er verdiene diesen Wohlstand, weil er sein vorheriges Leben besser gelebt habe als das Kind, sogar wenn sein gegenwärtiger Wohlstand durch betrügerische Finanzgeschäfte erzielt wurde. Weiter hat diese Lehre zweifellos dazu beigetragen, das Kastensystem zu untermauern und zu rechtfertigen.
Judentum, Christentum und Islam lehnen diese Lehre daher entschieden ab. Sie bestreiten, dass es eine Strafe für die Sünden einer vorherigen Inkarnation ist, in diese Welt hineingeboren zu werden. So etwas zu unterstellen, ist ganz gewiss eine Beleidigung des Lebens selbst und eine Verleumdung des Schöpfers. Als Christus einen Mann traf, der von Geburt an blind war, und gefragt wurde: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“, antwortete Jesus einfühlsam: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern ...“ (Joh 9,1-3).
Judentum, Christentum und Islam bestreiten, dass es eine Strafe für die Sünden einer vorherigen Inkarnation ist, in diese Welt hineingeboren zu werden.
Wenn sich eine Frau durch Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern mit AIDS ansteckt, wird sich vielleicht auch ihr Neugeborenes infizieren und infolge dessen in seinem kurzen Leben viel leiden müssen. In diesem Sinne leiden dann Kinder wirklich als Folge der Sünde ihrer Vorfahren.
Aber weder Judentum noch Christentum noch Islam werden sagen, dass dies der Fehler des Kindes sei, weil es in einer früheren Inkarnation gesündigt habe.
DIE FRAGE DER ERLÖSUNG
IN DEN DREI MONOTHEISTISCHEN RELIGIONEN
Unsere kurze Übersicht bis hierhin hat einige der grundlegenden Unterschiede zwischen Judentum, Christentum und Islam auf der einen Seite und den anderen großen Weltreligionen auf der anderen Seite aufgezeigt. Aber es ist kein Geheimnis, dass diese drei monotheistischen Religionen sich nicht immer einig sind, insbesondere bei einer Frage, die bei ihnen jeweils im Mittelpunkt steht. Wenn wir also ihre besonderen Merkmale verstehen wollen, müssen wir nun untersuchen, was dieser grundlegende Unterschied ist.
Aber lassen Sie uns am Anfang hervorheben, was sie gemeinsam haben. Zunächst einmal sind alle drei monotheistisch, das heißt, sie glauben an einen einzigen wahren Gott, dem sie die Schöpfung der Welt und der Menschheit zuschreiben.
Die Christen erkennen gerne an, wie viel sie dem Judentum zu verdanken haben. Sie akzeptieren das Alte Testament als das inspirierte Wort Gottes –welches die Juden Tanach nennen, ein Akronym für die hebräischen Wörter Torah (Gesetz), Nebiim (Propheten) und Ketubim (Schriften). Außerdem ist das christliche Neue Testament ein jüdisches Buch, und vor allem war der, den die Christen als Messias, den Sohn Gottes und Erlöser verehren, ein Jude. Christen glauben sogar, dass er derjenige war, dessen Kommen die Propheten des Alten Testaments vorhersagten.
Das heilige Buch des Islam, der Koran, gebietet den Muslimen, den Taurat, den Zabūr und den Indschīl zu ehren, das heißt die fünf Bücher Mose, die Psalmen Davids und das Evangelium von Jesus (Koran, Sure 10. 94; 5. 44–46; 4. 163). Der Koran glaubt an die jungfräuliche Geburt Jesu (Sure 3. 45–47; 19. 16–21), akzeptiert, dass Jesus der Messias ist (Sure 3. 45), dass er in gewissem Sinne das Wort Gottes ist (Sure 4. 171) und dass er der Geist oder die Seele Gottes ist (Sure 4. 171), und er glaubt, dass Jesus nun im Himmel lebt (Sure 4. 157–158).37
37 Wie bei jedem Vergleich von Religionen müssen wir darauf achten, dass wir verstehen, wie die Anhänger eines Glaubens sowohl ihre eigenen Begriffe definieren als auch jene des anderen Glaubens, mit dem sie behaupten, übereinzustimmen.
Aber wenn es um die Frage geht, wie und zu welchen Bedingungen der Mensch von der Schuld der Sünde befreit werden und Frieden mit Gott haben kann, widersprechen sowohl das Judentum als auch der Islam dem Christentum entschieden.
Die christliche Lehre von der Erlösung
Das christliche Evangelium stellt Jesus nicht nur als Propheten, Lehrer oder Messias dar, sondern auch als Retter und Erlöser. Die klassische Botschaft des Evangeliums lautet wie folgt:
Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, durch das ihr auch gerettet werdet ...: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften. (1Kor 15,1-4)
Nach dem Christentum hängt also die Erlösung von Christus ab. Christi Tod am Kreuz war das von Gott bestimmte Opfer für die Sünden der Welt: Er war „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Joh 1,29). Seine Auferstehung und Himmelfahrt waren Gottes Weg zu bestätigen, dass das Opfer von Christus die Strafe bezahlt hat, die Gottes Gerechtigkeit für die menschliche Sünde bestimmt hat, und dass Gott infolgedessen mit voller Berechtigung in Gerechtigkeit alle begnadigen und annehmen kann, die in echter Reue ihr Vertrauen in Jesus setzen (Röm 3,23-28; 4,24-25). Das heißt, Menschen erlangen Vergebung und Rettung nicht durch ihr eigenes Leiden (wie im Hinduismus), sondern durch das Leiden Christi an ihrer statt; nicht auf Grundlage von verdienstvollen Werken (wie in so vielen Religionen), sondern auf Grundlage des Erlösungswerks, das Christus für sie durch seinen Tod und seine Auferstehung vollbracht hat (1Petr 3,18; Tit 3,3-7; Eph 2,1-10). Der daraus resultierende Frieden und die Zuversicht, die dies uns im Hinblick auf das Endgericht schenkt, werden dann wie folgt ausgedrückt:
... sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an –; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um
vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male ohne Beziehung zur Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten. (Hebr 9,26-28)
Oder wie der christliche Apostel Paulus sagt:
Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren – noch zum damaligen Zeitpunkt –, für Gottlose gestorben. Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen mag vielleicht jemand auch zu sterben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden. Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. (Röm 5,6-11)
Die islamische Lehre von der Erlösung
•
Ihr Unterschied zum Christentum
Der Islam verneint die Göttlichkeit von Jesus Christus. Zwar betrachtet er ihn als Messias, als das Wort und den Geist Gottes, aber er bestreitet, dass er der Mensch gewordene Gott ist. Außerdem bestreitet der Islam, dass Jesus am Kreuz gestorben ist (auch wenn er glaubt, dass Johannes der Täufer nach dem Neuem Testament Jesus offiziell als Lamm Gottes ankündigte, welches die Sünde der Welt wegnehmen werde; Joh 1,29). Im letzten Moment, so lehrt der Koran, bevor Jesus gekreuzigt werden sollte, sei er von Gott lebendig in den Himmel entrückt worden, und jemand anderes – vielleicht Barabbas oder jemand, der ihm ähnlich sah, niemand kann sicher sagen, wer – habe seinen Platz eingenommen (siehe Sure 4. 156–158).
• Die eigene Lehre des Islams von der Erlösung
Der Islam lehrt die Realität von Himmel (z. B. Sure 2. 59; 7. 40) und Hölle (z. B. Sure 81. 12; 82. 14–16; 83. 16; 85. 10) und betont die Notwendigkeit, an