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Petra Schwarzkopf

und weitere Geschichten mit Max und Mia


Petra Schwarzkopf Das Huhn von Thun und weitere Geschichten mit Max und Mia Best.-Nr. 271 655 ISBN 978-3-86353-655-8 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg Es wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Schlachter-Übersetzung Version 2000, © 2003 Genfer Bibelgesellschaft 1. Auflage © 2020 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de Satz, Umschlaggestaltung und Stickerbogen: Raphaela Klautke Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg Umschlagmotive: © Freepik.com (Musiknoten), © Freepik.com/brgfx (Huhn) Druck: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany


Inhalt Die wichtigsten Personen . . . . . . . . . . . . . . . Das Seepferdchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Riesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Abkürzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beim Zahnarzt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Diebin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Huhn von Thun . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Blöken der Lämmer . . . . . . . . . . . . . . . . Am Strand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beim Friseur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fußball und Eishockey . . . . . . . . . . . . . . . . . Hausmeisterkunst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abenteuer Spielplatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der platte Reifen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typisch deutsch! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Strafe muss sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Männerwochenende . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Hilferuf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Warum schweigt Gott? . . . . . . . . . . . . . . . . Tränen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ich bin ein König! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weihnachtsprogramm . . . . . . . . . . . . . . . . . Weihnachtsmann oder Weihnachtskind? . . . . . . Streit an der Krippe . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weihnachtsengel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Müllabfuhr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Das Seepferdchen

Max steht zitternd am Beckenrand und wartet auf das Zeichen der Lehrerin. Er will heute sein Seepferchen machen. Mia, seine Zwillingsschwester, hat längst ihr Bronzeabzeichen. Sie kann schon einen Startsprung und schafft acht Bahnen. Mia hatte nie Angst vor dem Wasser, sagt Mama. Max schon. Er hat auch als Baby geschrien, wenn er gebadet werden sollte. „Na, Max? Bist du bereit?“, fragt Frau Bauer, seine Klassenlehrerin. Sie unterrichtet Sport, und dieses Halbjahr ist Schwimmen dran. Die Nichtschwimmer der Klasse üben mit Herrn Möhrel im flachen Wasser den richtigen Beinschlag. „Froschbeine! Ihr müsst Froschbeine machen!“, schreit er ständig und rührt das Wasser mit den Füßen der Schüler um. Die restlichen 15 Augenpaare seiner Klassenkameraden richten sich alle auf Max. Max guckt schnell weg. Er schaut auf das Wasser zu seinen Füßen. Es sieht eisigkalt aus. Und es ist ganz schön weit weg. Der Rand ist echt hoch. 11


„Ich glaub, ich muss noch mal aufs Klo“, antwortet Max der Lehrerin. „Na, dann geh! Aber langsam, damit du nicht ausrutschst!“, erlaubt Frau Bauer und hebt ihre Trillerpfeife an den Mund. Ein kurzer, heller Pfiff ertönt. Die Schwimmkinder stellen sich in zwei Reihen auf. Nacheinander springen sie von den Startblöcken ins Becken. Max hört es noch platschen, als er die Tür zu den Duschen öffnet. Max seufzt. Er hat doch Angst. Das Schwimmen alleine wäre gar nicht so schwer. Die eine Bahn schafft er eigentlich ganz gut. Auch das Tauchen hat er schon erledigt. Den Ring hochzuholen war easy. Aber der war auch nicht so weit weg wie der Boden ganz hinten im Schwimmerbecken. Wenn nur das Springen in das tiefe, kalte Wasser nicht wäre ... brrr! Max schüttelt sich. „He, Max!“, ruft Till in die Dusche. „Frau Bauer sagt, du sollst noch mal warm duschen und dann ganz kurz kalt.“ „Ist gut, mach ich!“, ruft Max zurück. Kurz darauf steht er wieder da, wo er am Anfang der Geschichte schon einmal stand. Ob Mama jetzt wohl an ihn denkt? „So, los jetzt, Max!“, kommandiert Frau Bauer. „Ich weiß, du kannst das!“ Auch der Schwimmmeister, Herr Jüger, zwinkert ihm aufmunternd zu. Er ist nett. Da kneift der Junge die Augen zu und macht einfach einen Schritt nach vorn. Er fällt nach unten und plumpst ins Nasse. Es spritzt bis auf den Startblock. Sofort hat er die Ohren und die Nase voller Wasser. In den Mund kommt nichts, denn den 12


kann man ja zumachen. Es ist ganz still unter Wasser. Max hört Herrn Möhrel nicht mehr rufen. Dunkel ist es auch, aber nur, weil er die Augen zuhat. Er öffnet sie, und jetzt ist es viel heller. Das Wasser ist zwar kalt, aber nicht so kalt, wie Max gedacht hat. Er beginnt sich zu bewegen und fühlt, dass er nach oben steigt wie ein Korken. Plopp! Schon ist sein Kopf über Wasser. Max schüttelt seine kurzen Haare und beginnt wieder zu atmen. Geschafft! „Froschbeine! Mach doch Froschbeine! Theo, hast du noch nie einen Frosch gesehen?!“, hört er es aus dem Nichtschwimmerbecken schallen. Der Rest ist einfach und macht sogar Spaß. Max genießt es, dass das Wasser ihn trägt. Er gleitet richtig und atmet sogar ab und zu ins Wasser aus, wie Herr Möhrel es letzte Woche erklärt hat. Dafür muss man das Gesicht auf das Wasser legen. Max fühlt sich, als würde er fliegen. Er fliegt wie eine Rakete. Nur noch ein paar Schwimmzüge, und schon kann er den Rand greifen. Alle Kinder klatschen, als Max am anderen Ende der Bahn anschlägt. Erleichtert und stolz taucht er kurz noch einmal ab. Dann klettert er die Leiter hoch und setzt sich zu den anderen auf die Wärmebank. „Herzlichen Glückwunsch, Max!“, sagt Frau Bauer. „Ich wusste, dass du es schaffst, sonst hätte ich es dich gar nicht erst versuchen lassen! Das hast du prima gemacht.“ Die Lehrerin notiert etwas auf ihrer Liste. „So, wie du schwimmst, können wir bald mit dem Bronzeabzeichen anfangen“, verspricht sie. „Und alle, die heute ihr Seepferdchen geschafft haben, bringen bitte morgen früh 13


drei Euro mit. Dann bekommt ihr eure Abzeichen und eine Urkunde.“ Max grinst froh. Da wird Mama aber staunen, und Papa auch! Auch Gott weiß genau, was er uns zutrauen kann! Außerdem hat er versprochen, immer bei uns zu sein und uns zu helfen.

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Riesen

Mias kleiner Cousin Peter ist heute zum ersten Mal mit in der Gemeinde der Himmelmaiers. Normalerweise ist er ziemlich wild und kaum zu bändigen. Es ist gut, dass er bald in den Kindergarten kommen soll. Heute aber ist der kleine Junge ganz still. Wie erstarrt sitzt er neben seinem Onkel und seiner Tante. Was ist nur los? Hat er etwa Angst, weil er den großen Saal nicht kennt, oder jagen ihm die vielen fremden Leute einen Schrecken ein? Vielleicht ist ihm die Musik zu laut? Mia weiß es nicht. Immer wieder muss sie zu Peter hinschauen, der gebannt auf eine der vorderen Reihen blickt. Was gibt es dort nur zu sehen? So rätselt sie und bekommt fast nichts vom ersten Teil des Gottesdienstes mit. Auch in der Kinderstunde bleibt Peter stumm, aber das wissen nur wir. Mia sitzt in der Gruppe für die Schulkinder, die schon lesen und schreiben können. Es ist so spannend, dass sie Peter und sein seltsames Benehmen völlig vergisst. Erst als sie nach dem Gottesdienst wieder mit den Erwachsenen im großen Saal zusammentreffen, erinnert sie sich 15


und sucht mit den Augen nach ihrem Cousin. Ach, da ist er ja! Gerade will sie ihn rufen, da läuft er auf Stephen zu. Stephen spielt Basketball. Mit seinen zwei Metern und fünf ist er der Größte in der ganzen Gemeinde – auch wenn er sitzt. Heute hat Stephen ausnahmsweise in der ersten Reihe gesessen. Jetzt steht er, und Peter muss den Kopf ganz schön weit nach hinten beugen, um zu ihm aufsehen zu können. Mia schlendert zu den beiden herüber. „Hallo, kleiner Mann“, hört sie den großen Sportler sagen. „Hallo!“, antwortet Peter leise. Schüchtern, aber neugierig guckt er an dem Basketballer hoch. Dann atmet er tief ein und stößt eine Frage hervor. „Du bist groß, ne?!“ Stephen grinst und hockt sich hin. Nun ist sein Kopf nicht mehr ganz so hoch oben in der Luft. „Ja“, nickt er lächelnd. „Das bin ich wohl.“ Peter schaut Hilfe suchend zu seinem Vater, aber der schlürft an einem der Bistrotische einen Kaffee und sieht die Blicke seines Sohnes nicht. „Mhm“, meint Mias Cousin und kaut auf seiner Unterlippe. Als er genug nachgedacht hat, kommt die nächste Frage. „Du bist größer als mein Papa, ne?!“ „Ich denke schon“, antwortet Stephen, nachdem er zum Bistrotisch geguckt hat. Er fragt sich, was in dem Kopf des Dreijährigen wohl vorgeht. Peter braucht wieder eine Denkpause und betrachtet seine Fußspitzen. Dann nimmt der Kleine allen Mut zusammen und blickt dem Riesen mutig ins Gesicht. 16


„Bist du Gott?!“, flüstert er ehrfürchtig. Stephen grunzt. Er hält sich schnell seine riesige Hand vor den Mund, um das Lachen dahinter zu verstecken. „Nein“, antwortet er dann wieder ernst. „Weißt du, Gott ist noch viel größer als ich!“ Gott ist nicht nur größer, sondern auch mächtiger als unsere Eltern und als der größte Basketballspieler. Doch wie groß und mächtig ist er genau? Vielleicht ist unser Bild von Gott manchmal genauso witzig und falsch wie Peters Vorstellung ...?

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