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ADAM RAMSEY

Vom KOPF ins HERZ und UMGEKEHRT

Wie die Wahrheit über Gott Ihr Leben verändert

Adam Ramsey

Vom Kopf ins Herz und umgekehrt

Wie die Wahrheit über Gott Ihr Leben verändert

Best.-Nr. 271632

ISBN 978-3-86353-632-9

Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Titel des englischen Originals: Truth on Fire © Adam Ramsey, 2021

Published by The Good Book Company www.thegoodbook.co.uk

Es wurde folgende Bibelübersetzung verwendet:

Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.

1. Auflage

© 2023 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de

Satz und Umschlaggestaltung:

Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Umschlagmotiv: © Shutterstock.com/hvostik

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gerne kontaktieren: info@cv-dillenburg.de

Einführung: Den Ofen bauen, die Flamme entzünden . . 13

1. Gott ist anders: Die Erfahrung des Staunens .

2. Gott ist souverän: Die Erfahrung der Gewissheit . .

3. Gott ist unübertroffen: Die

4. Gott ist nie weit weg: Die Erfahrung des Mutes .

5. Gott ist allheilig und allwissend: Die

6. Gott ist gut: Die Erfahrung des Vertrauens im Leid .

7. Gott ist Liebe:

8. Gott kommt nie zu spät: Die Erfahrung der Geduld . . 120

9. Gott ist barmherzig: Die Erfahrung der Sanftmut .

10. Gott ist gerecht: Die Erfahrung der prophetischen Fürsprache

11. Gott ist glücklich: Die Erfahrung der Begeisterung

12. Gott ist siegreich: Die Erfahrung der Hoffnung

Schlussfolgerung: Reformation und Wiederbelebung

Für die Liberti Church: Jesus ist mit uns. Schritt für Schritt gehen wir voran.

Einführung Den Ofen bauen, die Flamme

entzünden

„Der Sinn der Theologie liegt im Lobpreis. Wir lernen, um zu loben.“

Ich möchte, dass die Wahrheit, an die ich glaube, in meinem Leben Feuer fängt. Ich nehme an, Sie wollen das auch. Und ich vermute auch, dass Sie sich möglicherweise nicht an diesem Punkt befinden, wenn Sie dieses Buch aufschlagen. Vielleicht spüren Sie eine Diskrepanz zwischen dem, was Sie über Gott denken, und dem, was Sie mit ihm erleben? Eine Kluft zwischen dem Leben aus dem Verstand und dem Leben aus dem Herzen?

Vielleicht gehören Sie zu einer Gemeinde, die Wert auf eine solide Bibellehre und ein vom Verstand kontrolliertes Leben legt. Sie haben eine Reihe wunderbarer Bibelkreise erlebt und vielleicht sogar mit Freunden über systematische Theologie diskutiert, aber Sie haben das nagende Gefühl, dass da etwas fehlt. Die Lehre ist doch fundiert und solide, warum fühlt sich Ihr Christsein dann so ausgedörrt an? Sie können biblische Antworten formulieren und lieben deren Wahrheit. Aber die Wahrheit ist wie das Foto eines Vaters, der weit weg lebt, obwohl Sie sich eigentlich nach seiner Umarmung sehnen. Tief in Ihrem Inneren wünschen Sie sich, dass Sie den Gott, über den Sie so viel gelernt haben, noch intensiver erleben. Ist es falsch, mehr zu wollen?

Oder vielleicht sind Sie in einer Gemeinde beheimatet, in der Gotteserfahrungen und ein vom Herzen kontrolliertes Leben im Vordergrund stehen. Sie sind an den meisten Sonntagen anwesend und in ein, zwei Diensten aktiv, bei denen Sie Gottes Gegenwart wirklich spüren. Aber manchmal sind Sie sich nicht sicher, ob Sie ein biblisches Grundgerüst haben, das Ihre sehr reale Liebe zu Christus unterstützt. Sie haben das Gefühl, dass Sie den Gott, den Sie lieben, ein bisschen besser, ein bisschen mehr kennen sollten. Ist es falsch, mehr zu wollen?

Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Nein. Eine der großen Tragödien der heutigen Generation von Christen ist die Scheidung zwischen theologischem und erfahrungsorientiertem Christentum. Auf der einen Seite gibt es Gemeinden, die sich der theologischen Genauigkeit verschrieben haben, das Wort Gottes kennen und Taufe und Abendmahl hochhalten. Diese Gruppe ist im Allgemeinen bekannt für auslegende Predigten, systematische Theologie und längst verstorbene Glaubensväter, die eine Menge Bücher geschrieben haben. Wir nennen diese Gruppe „Die Denker“. Auf der anderen Seite stehen Gemeinden, die sich dafür einsetzen, Gotteserfahrungen zu kultivieren, den Heiligen Geist in persönlicher Gemeinschaft zu erfahren und durch herzliche gemeinsame Gottesdienste unser Gefühl anzusprechen. Dieses Team verehrt Leidenschaft, kulturelle Relevanz und alles, was den pragmatischen Test besteht: „Es funktioniert.“ Wir nennen dieses Team „Die Fühler“. Die Denker sehen die Fühler oft als gedankenlos, und die Fühler halten die Denker für leblos. Und meistens haben beide völlig recht.

Was wäre, wenn wir uns nicht zwischen einem intelligenten und einem leidenschaftlichen Glauben entscheiden müssten? Schließlich ist ein scharfer Verstand mit einem kalten Herzen ein

ebenso großer Fehlschlag wie ein Herz, das radikal für Unsinn brennt. Das Leben des Verstandes und das Leben des Herzens sollten eigentlich nicht miteinander versöhnt werden müssen, denn sie waren schon immer dazu bestimmt, Freunde zu sein. Gott will, dass wir einen christlichen Glauben pflegen, der sich radikal für theologische Klarheit einsetzt, und zwar so, dass das Leben des Herzens nicht geschmälert, sondern sogar gestärkt wird. Dabei wird Ihnen dieses Buch helfen.

MEINE GESCHICHTE: DEKONSTRUKTION, REKONSTRUKTION

Ich bin in erlebnisorientierten Gemeinden aufgewachsen, die alle von Lachen, Unbeschwertheit und einem Gefühl der Lebendigkeit durchdrungen waren. Unsere wöchentlichen Gottesdienste waren immer positiv und aufbauend. Wir hatten spät in der Nacht und früh am Morgen Gebetstreffen, bei denen die besonders Engagierten unter uns zusammenkamen, um eine tiefere Erfahrung mit Gott zu machen. Evangelisation hatte eine hohe Priorität. Veranstaltungen waren gut organisiert. Und die gemeinsame Anbetung hatte oft eine starke emotionale Wirkung. Aber je älter ich wurde, desto mehr fiel mir etwas auf: Die Bibel war zwar präsent, aber nicht zentral. Wichtige Lehren wurden aktiv vermieden. Im besten Fall wurde das Evangelium manchmal am Ende einer Predigt angesprochen, aber es hatte keine wirklichen Auswirkungen auf das tägliche christliche Leben. Unsere Emotionen wurden angerührt, aber unser Verstand wurde vernachlässigt aus Angst, wir könnten uns der großen Sünde der „Langeweile“ schuldig machen. Die Menschen wurden sonntags

unterhalten, aber nicht in die Lage versetzt, gut mit Leid oder Enttäuschungen umzugehen, weil sie ein Gottesbild hatten, das nicht mit der Realität übereinstimmte. Und immer, wenn eine Gemeinde eine hohe Meinung von sich selbst und eine niedrige Meinung von Gott hat, wird sie zu einer Brutstätte der Heuchelei. Ich habe das nirgendwo besser gesehen als im Spiegel.

Ich begann, mit der Heiligen Schrift zu ringen, insbesondere mit den Teilen, über die ich noch nie eine Predigt gehört hatte. Worte wie Souveränität und Erwählung, Sühne und Vorsehung waren wie Wegweiser in einem neuen Land, das ich unbedingt erkunden wollte. Ich beschloss, alle meine Karten auf den Tisch zu legen – alles, was ich über Gott zu wissen glaubte – und alles durch den Filter der Bibel zu drücken, um zu sehen, was auf der anderen Seite herauskommen würde. Ich schlug Gottes Wort mit neuem Appetit auf. Ich las die Gemeindeväter aus dem 4. und 5. Jahrhundert (wie Athanasius und Augustinus), die Reformatoren aus dem 16. Jahrhundert (wie Martin Luther und Johannes Calvin) und die Puritaner aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ich ließ mich sogar auf eine epische Schlacht von Argumenten und Gegenargumenten in den Büchern und Online-Predigten des Predigers John Piper (21. Jahrhundert) ein – wovon er natürlich nichts ahnte; trotzdem schaffte er es, diese Schlacht zu gewinnen. Und so geschah Folgendes: Als mein geistiges Bild von Gott immer umfassender wurde, entdeckte ich, dass auch mein Wunsch nach Heiligkeit, meine Dankbarkeit für die Gnade, meine Freude am Gottesdienst und meine Kühnheit in der Mission zunahmen. Aber während meiner persönlichen theologischen Reformation wuchs auch noch etwas anderes – ein geistiges Unkraut, das unauffällig neben der Frucht keimte: Stolz. Eine intellektuelle Unverfrorenheit, die sich daran erfreute, einfach recht zu haben.

Jetzt, da ich mehr über die biblischen Fakten wusste, wurde es viel zu leicht, mich mit einem genaueren Verständnis von Gott zu begnügen – auf Kosten einer von Freude durchdrungenen, von Augenblick zu Augenblick währenden Gemeinschaft mit Gott. Glücklicherweise machten mich meine Frau und mein Pastor darauf aufmerksam, als diese Haltung noch in den Kinderschuhen steckte. „Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut“, sagte der Apostel Paulus (1. Korinther 8,1). Durch Gottes Gnade lernte ich den ersten Teil dieses Verses schon zu Beginn meiner theologischen Entdeckungen, auch wenn es noch viele Jahre dauern sollte, bis der zweite Teil in meinem Leben deutlicher wurde. Einige Jahre vergingen, und unsere Familie zog von Australien nach Seattle um, als ich gebeten wurde, in einer Gemeinde namens Mars Hill junge Menschen die Bibel zu lehren. Zu diesem Zeitpunkt galt sie als eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden in den Vereinigten Staaten und wurde von einem der damals bekanntesten Prediger der Welt geleitet. Die Inhalte waren biblisch, gehaltvoll und fundiert, und jedes Jahr ließen sich Tausende taufen. Doch noch bevor uns die vielen anderen Probleme in Mars Hill offensichtlich wurden, die schließlich zum Zusammenbruch führten, waren einige der ersten Fragen, die meine Frau und ich über unsere neue theologische Heimat stellten, folgende: Warum fehlt in unseren Gottesdiensten die Freude? Warum haben die Gebete nicht mehr Inbrunst als ein Jazz-Radiomoderator, der die Spätschicht übernimmt? Wie kommt es, dass so viele Menschen zwar biblische Theologie artikulieren können, aber gleichzeitig jede Art von bedeutender Vertrautheit mit dem Gott vermissen lassen, auf den ihre Theologie verweist?

Theologie für Kopf und Herz

In der ersten Hälfte meines christlichen Lebens wurden zwar meine Gefühle angesprochen, nicht aber mein Verstand. In der zweiten Hälfte war mein Verstand beschäftigt, nicht aber meine Gefühle. Nachdem ich Zeit in beiden Lagern verbracht hatte, wurde ich dieser Unterscheidung überdrüssig. Ich wollte beides. Ich wollte die Wahrheit nicht nur für den Kopf, sondern auch fürs Herz.

Und das ist genau das, was Gott für mich und auch für Sie will. Hat Jesus nicht gesagt, das wichtigste Gebot im ganzen Universum sei, dass wir eine Liebe zu Gott entwickeln, die unser ganzes Herz und unseren ganzen Verstand umfasst (Markus 12,28-30)?

Warum geben wir uns dann so oft mit dem einen oder dem anderen zufrieden? Ganz einfach: Wir haben Angst.

Einige von uns haben Angst vor einem theologisch robusten christlichen Glauben, der nur unseren Verstand anspricht, weil wir die kalte Lieblosigkeit derer erlebt haben, die lieber argumentieren als anzubeten und lieber streiten als sich zu begeistern. Natürlich schrecken wir vor denen zurück, die die Theologie zu einer Waffe machen. Christen, die zwar die Lehren der Gnade formulieren können, dabei aber selbst kein bisschen gnädig sind – die die Rechtfertigungslehre in allen Details verstehen, aber ein Leben ohne Freude führen –, sind im besten Fall verwirrend. Im schlimmsten Fall können sie ihren Brüdern und Schwestern in Christus großen Schaden zufügen.

Andere von uns haben Angst vor einem erfahrungsorientierten christlichen Glauben, der nur die Emotionen anspricht, weil wir den Schaden gesehen haben, der entsteht, wenn geistliche Erfahrung von biblischer Bildung getrennt wird. Wir haben genug von

einem aufgeblasenen Talkshow-Christentum, das so authentisch wirkt wie das aufgezeichnete Gelächter in einer 90er-Jahre-Sitcom. Wir haben gesehen, wie inhaltsleer es ist, wenn wir die Anbetungszeit anbeten und Glauben an den Glauben haben. Wir wollen die Wahrheit, das Echte, die Realität Gottes, wie er sich durch sein Wort offenbart hat.

Es ist an der Zeit, unsere Ängste hinter uns zu lassen und zu erkennen, wie wir beides haben können – statt uns zwischen Denken und Erfahrungen entscheiden zu müssen. Wenn das richtige Denken der Ofen ist, dann ist die richtige Erfahrung die Flamme. Wir brauchen beides. Ohne Ofen laufen unsere geistlichen Erfahrungen Amok und lassen viele Brandopfer zurück. Ohne Flamme wird unsere großartige Theologie zu einer netten Dekoration herabgewürdigt, die sinnlos und leblos in der Ecke unseres Lebens steht. Wir können uns also nicht mit dem einen ohne das andere zufriedengeben. Der Prediger Antonius von Padua aus dem 13. Jahrhundert, der mit der theologischen Unterweisung der Anhänger von Franz von Assisi betraut war, begann jeden seiner Lehrstunden mit dem Satz: „Welchen Wert hat das Lernen, das nicht zur Liebe wird?“1 Unser Ziel muss immer beides sein.

In einer der berühmtesten Szenen der beliebten Fernsehserie Friday Night Lights feuert Coach Taylor sein Highschool-Footballteam mit einem Spruch an, der zum Kultmotto der Serie wurde: „Klare Augen, erfüllte Herzen, wir können nicht verlieren.“ Beschreibt dies nicht die Art von christlichem Glauben, nach der wir uns tief im Innersten alle sehnen? Ist dieses Sowohl-als-Auch von Kopf und Herz nicht genau das, wofür Paulus betet, wenn er aus einer Gefängniszelle schreibt: „Und um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überreich

werde in Erkenntnis und aller Einsicht“ (Philipper 1,9)? Sagt Petrus nicht das Gleiche? „Endlich aber seid alle ... barmherzig, demütig“ (1. Petrus 3,8). Wenn das das normale Christsein ist, warum sollten wir uns dann mit weniger zufrieden geben? Hier kommt eine gute Nachricht: Wir müssen uns nicht zwischen theologischer Präzision und glühender Leidenschaft entscheiden. Gott möchte, dass wir sowohl tote Orthodoxie als auch leidenschaftliche Unwissenheit ablehnen.

Klare Augen. Erfülltes Herz. Wir können nicht verlieren.

Richtiges Denken. Richtiges Fühlen. Dafür sind wir gemacht. Eine Wahrheit, die wir im Kopf UND im Herzen tragen. Darum geht es in diesem Buch.

Ein Weg nach vorn

A. W. Tozer eröffnet sein klassisches Werk Das Wesen Gottes mit der Aussage: „Was uns in den Sinn kommt, wenn wir an Gott denken, ist das Wichtigste an uns.“2

Jeder Christ sollte genau wissen wollen, wie der Gott, den er liebt, wirklich ist. Auf diese Weise wird klares theologisches Denken für mich wie ein Foto meiner Frau: Es offenbart mir die Schönheit dessen, den ich liebe. Eine solide Lehre ist wichtig, weil sie uns die Eigenschaften des Gottes zeigt, den wir anbeten. Wie die Autorin Jen Wilkin sagt, ist biblische Bildung wichtig, denn: „Das Herz kann nicht lieben, was der Verstand nicht kennt.“3 Jedes Kapitel dieses Buches wird sich auf ein bestimmtes Attribut oder eine Eigenschaft Gottes konzentrieren. In den ersten Kapiteln geht es um einige seiner ausschließlichen Eigenschaften, d. h. um die Dinge, die nur auf ihn allein zutreffen (wie seine

Transzendenz und Allmacht). Die restlichen Kapitel konzentrieren sich auf einige der vermittelbaren Eigenschaften Gottes, d. h. auf die Merkmale Gottes, die sich zunehmend auch in unserem eigenen Leben widerspiegeln können (z. B. Liebe, Sanftmut und Freude), wenn wir mit Jesus unterwegs sind.

Neben der Hervorhebung der verschiedenen Eigenschaften Gottes werden wir auch sehen, wie diese Eigenschaften in Jesus Christus personifiziert werden. Wenn Jesus wirklich „der Glanz der Herrlichkeit Gottes und das genaue Abbild seines Wesens“ (Hebräer 1,3) ist, dann können wir erwarten, dass sich die Eigenschaften Gottes im Leben Jesu gestochen scharf zeigen. Jesus ist keine unscharfe Kopie des Wesens Gottes. Er ist genauso wie Gott. Das, was uns am Wesen Gottes vielleicht unklar ist, rückt Jesus in den Fokus. Wir können lernen, wie Gott ist, indem wir erfahren, wie Jesus, der Gott-Mensch, ist.

Schließlich besteht unser Ziel nicht nur darin, unseren Verstand mit wahrem Wissen über Gott zu füttern (so wichtig das auch ist), sondern auch darin, dass dieses Wissen unser Herz und unsere alltäglichen Erfahrungen mit Gott neu formt.

Deshalb endet jedes Kapitel mit einer Handvoll Fragen, die zum persönlichen Nachdenken oder zur Diskussion in Gruppen genutzt werden können. Gute Theologie ist wichtig, aber sie ist nicht unser Endziel. Sie ist dazu da, uns eine tiefere Erfahrung desjenigen zu ermöglichen, für den wir geschaffen wurden. Sie ist der Raketentreibstoff für unsere Anbetung.

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Nachfolge wären sowohl ein intelligenter als auch ein leidenschaftlicher Glaube Realität. Stellen Sie sich Gemeinden vor, die sowohl für eine hohe Wertschätzung der Heiligen Schrift als auch für eine hohe Wertschätzung des Heiligen Geistes (der sie ja geschrieben hat) bekannt sind.

Meine Hoffnung ist es, auf den Seiten dieses Buches ein biblisches Porträt von Gott zu zeichnen, damit wir ihn gemeinsam betrachten können, bis unsere Herzen zu singen beginnen. Ihn so zu betrachten, dass unser tägliches Erleben verwandelt wird durch ein vertieftes Bewusstsein dafür, wer es ist, zu dem wir beten, wer es ist, der bei uns ist, und wer es ist, von dem wir geliebt werden. Wir wollen intensiver über unseren Gott nachdenken, um ihn intensiver zu genießen. Wir lassen zu, dass die Wahrheit Gottes unser Herz entzündet.

1

Gott ist anders: Die Erfahrung des Staunens

„Wenn es um Gott geht, sind wir letztlich wie Ameisen, die über ein iPad krabbeln: in Kontakt mit etwas, das wir kaum verstehen.“

Es war später Nachmittag, und nach zehn Tagen Predigttätigkeit im ländlichen Sambia saßen wir zu fünft in einem kleinen Boot, das ruhig über das seichte Wasser zum Flussufer glitt. Wir hatten gehofft, einen Blick auf einheimische Wildtiere zu erhaschen, doch damit hatten wir nicht gerechnet: Direkt vor uns stand ein ausgewachsener afrikanischer Elefant, der sich hinter ein paar dünnen Bäumen ungefähr so auffällig versteckte wie ein Las-Vegas-Werbeplakat in einer Amisch-Siedlung. Unser Guide stellte den Motor ab, und eine nervöse Stille legte sich über die Gruppe, während langsam die Flut kam. Wir saßen regungslos da, wagten kaum zu atmen, nur wenige Meter entfernt von einer ungezähmten Kraft, die noch nie einen Meister gefunden hatte. Wir waren voller Ehrfurcht. Plötzlich knackten die dünnen Bäume, die uns vom Elefanten trennten, und beugten sich nach vorne, als dieser schwergewichtige Champion Afrikas sich über sie hinweg ins seichte Wasser direkt auf uns zu bewegte. Ein paar Schritte weiter, und er wäre zu uns ins Boot gestiegen. Alle schnappten nach Luft. Jemand fluchte. Der Guide steuerte das Boot schnell zurück in sichere Entfernung, und wir sahen uns

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