Glücklich leben
35 Psalm-Ins PI rat I onen aus dem Buch
„Glückl I ch + dank B ar“
Werner Schlittenhardt, Jg.1952, aus Keltern, Baden. Seit 1981 verheiratet, Vater von drei Kindern und Opa von drei Enkeln. Von 1971–1974 theologische Ausbildung am Theologischen Seminar in Adelshofen. Danach für verschiedene Missionswerke in Asien sowie in Westeuropa tätig. Von 2005–2018 Gemeindediakon der Evang. Kirchengemeinde Linkenheim, Baden. Seit Mai 2018 im aktiven Ruhestand.

Werner Schlittenhardt Glücklich leben
35 Psalm-Inspirationen aus dem Buch „Glücklich + dankbar“
Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Außerdem wurde verwendet: Elberfelder Bibel 2006 © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM-Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen. (ELB)
Best.-Nr. 271 624
ISBN 978-3-86353-624-4
© 2022 Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg, www.cv-dillenburg.de Satz und Umschlaggestaltung: CV Dillenburg Druck: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany
Psalm 1,1.2
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen ... sondern hat Lust am Gesetz des Herrn.
Glücklich (Wohl dem …)
Egal, wo wir wohnen, egal, wie jung oder wie alt wir sind, nach Glück sehnen wir uns alle. Und diese sehnsucht wird auch dadurch geweckt, dass wir häufig mit Glücksangeboten in Berührung kommen. Manchmal sind es ganze Wellen von Glücksangeboten, die in schriftlicher, visueller und auch akustischer Form unsere Sinne benebeln. Und geben wir es ehrlich zu: Wir sind anfällig dafür. Ein älterer Mann, den ich über zwei Jahre betreute, war immer besonders angetan, wenn er Briefe öffnete, die ihm eine große monatliche Zusatzrente versprachen. Ich konnte ihn kaum davon überzeugen, dass die Aussichten, hier etwas zu gewinnen, höchst unwahrscheinlich waren.
Nun, auch in der Bibel geht es um das Glück und um das Wohl des Menschen. Die 150 Psalmen beginnen genau mit diesem Thema: „Wohl dem“ heißt es gleich zu Anfang. In anderen Übersetzungen wird „wohl dem“ mit „glücklich ist“ übersetzt.
Der Ausdruck „wohl dem“ in Psalm 1 sagt mir: Wer das befolgt, was hier steht, der ist in Gottes Augen ein glücklicher Mensch. Ja, es ist ein
Unterschied, ob ich in meinen eigenen und in den augen der menschen ein glücklicher mensch bin oder in Gottes Augen. In der Bibel geht es immer wieder darum, dass ich in Gottes Augen ein glücklich zu preisender Mensch bin. Und das bin ich dort, wo ich das Handeln Gottes ganz persönlich in meinem Leben erfahre. In Psalm 32,2 heißt es z. B.: „Wohl dem Menschen (glücklich ist der Mensch), dem der Herr die Schuld nicht zurechnet.“ Damit wird ebenfalls unterstrichen, dass Gottes Handeln an uns zu unserem Glück und Wohlergehen beiträgt. Hinzu kommt: Wer das befolgt, was nach dem „Wohl dem“ steht, dem wird es auch wohlergehen. Für dieses Wohlergehen wäre der Rat gottloser Menschen ein großes Verhängnis, denn bei dem Rat, von dem hier die Rede ist, geht es nicht um Nebensächlichkeiten, sondern um Lebensführung, Lebensziele und die wichtigen Fragen des Lebens. Und da brauchen wir nicht in erster Linie menschlichen, sondern göttlichen Rat. Deshalb ist uns sein Wort gegeben, damit wir die Weichen richtig stellen und gute Entscheidungen treffen. Und sein Wort ist uns gegeben, damit unser Herz tief beglückt wird und wir Frucht bringen in unserem Denken und Tun. Ja, ganz gewiss, in Gottes Augen glücklich zu sein bedeutet, am Wort Gottes zu hängen wie ein Kind an der Brust der Mutter oder zu sein wie ein Baum, der seine Wurzeln nach dem Wasser streckt. Dann sind wir in Gottes augen glückliche menschen, und es wird uns wohlergehen.
Psalm 2,4
Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.
Unumstößlich
„Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott.“ Dieser Schriftzug war Teil einer Buskampagne im Jahr 2009. Mit dieser Kampagne wollten atheistische und antireligiöse Menschen öffentlich Stellung beziehen und Mut machen, sich vom „märchenhaften Gottesglauben“ zu befreien. Der Bus war in vielen Städten in England und Deutschland unterwegs. Einer der großen Befürworter dieser Gedanken ist Richard Dawkins. Sein Buch Der Gotteswahn wurde in atheistischen Kreisen sehr gelobt. Doch egal, wie stark er gegen die Existenz Gottes auch argumentierte, selbst bei seiner Buchvorstellung im Internet findet sich folgender Kommentar: „Einen tatsächlichen Beweis der Nichtexistenz Gottes zu führen, an dem keine berechtigten Zweifel mehr angebracht wären, ist bislang niemandem gelungen. Auch wenn er selbst felsenfest davon überzeugt sein mag, und wenn noch so viele ihm folgen mögen: Auch Richard Dawkins ist dies mit Der Gotteswahn nicht gelungen.“
Ich finde es sehr seltsam, wenn Menschen behaupten: Gott gibt es nicht. Immerhin haben
unzählige Menschen von Gott geschrieben, dass sie seine Stimme gehört, dass sie zu ihm gebetet und ihn erlebt haben. Zumindest muss ein Mensch anerkennen, dass es Gott in dem Sinn „gibt“, wie es auch andere Gestalten in der Literatur und Weltgeschichte „gibt“, ob sie nun real existieren oder nicht.
Tausendfach wird in der Bibel erwähnt, dass Gott sprach und handelte. Und das von vielen verschiedenen Autoren über mehrere hundert Jahre hinweg. Die ganze Schöpfung wird ihm zugeschrieben. Adam und Eva haben laut Überlieferung ihren Ursprung bei Gott. Ebenso die Zehn Gebote und viele unserer Feiertage. Das, was in der Bibel über Gott berichtet wird, kann von Milliarden Menschen in Hunderten von Sprachen nachgelesen und bedacht werden.
Einzig die Frage, wie ich mich zu diesen Berichten, Beschreibungen und Bildern persönlich stelle, das ist offen. Jedoch ist dies keine Wissens, sondern immer eine Glaubensfrage.
Wenn sich nun der Psalmbeter Gott lachend und regierend im Himmel vorstellt, dann will er damit sagen: „Menschlein, stoße ihn doch von seinem Thron. Könige, Intellektuelle, Vereinigungen, Nationen, andere Religionen, stoßt ihn doch vom Thron herunter! Doch wie wollt ihr es anstellen?“ Denn jeder dieser Versuche gleicht doch einem Menschen, der mit einer Steinschleuder ein Flugzeug vom Himmel abschießen will, das hoch oben und unerreichbar vorbeifliegt. Ja, Gott lacht, weil keiner ihn von seinem Thron stoßen kann. Er
lacht, weil keiner seine geheimen Pläne kennt und er immer am längeren Hebel sitzt. Und eines ist in der Menschheitsgeschichte klar und deutlich: Gott hat bisher noch jeden Atheisten, Gottesleugner und Spötter überlebt. Und er wird es auch weiterhin, egal, wie vehement die Angriffe auch sein werden.
sollten wir da als Christen nicht auch gelassener und selbstbewusster sein, wenn uns Spötter und Gottesleugner begegnen und angreifen? Sollten wir uns nicht öfters den lachenden Gott vorstellen, der am längeren Hebel sitzt?
PSALM 5,4
Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.
Frühaufsteher werden
Gott will, dass wir ihn als ersten Adressaten aufsuchen und ihm unser Herz ausschütten. Er will, dass wir ihn miteinbeziehen in das, was wir erleben und was auf uns zukommt. Er soll unsere erste adresse sein …
• in der Frühe, wenn die Jugendzeit beginnt;
• in der Frühe, wenn der Tag anbricht;
• in der Frühe, wenn die Sorgen anklopfen;
• in der Frühe, wenn ich neue Aufgaben übertragen bekomme;
• in der Frühe, wenn ich vor einem Problem stehe und um eine Lösung ringe;
• in der Frühe, wenn ich mit meinem Partner zusammen das Leben neu gestalten will;
• in der Frühe, wenn das erste Kind sich ankündigt;
• in der Frühe, wenn sich eine chronische Krankheit meldet;
• in der Frühe, wenn ich den Arbeitsplatz wechsle;
• in der Frühe, wenn ein lieber Mensch von mir geht und Trauer Einzug hält;
• in der Frühe, wenn auch bei mir die Kraft schwindet;
• in der Frühe, wenn ich weiß: Jetzt geht es bald weiter in eine andere und bessere Welt.
Je früher wir uns in diesen und anderen Phasen an Gott wenden und unsere Stimme an sein Ohr und Herz dringt, umso mehr kann er an uns handeln und uns in all diesen Bereichen gute Wege führen. Warten wir also nicht, bis sich etwas verschlechtert oder dramatisch zuspitzt. Werden wir Frühaufsteher, wenn es darum geht, dem Herrn unsere Lage und unsere Anliegen zu bringen. Er freut sich auf uns, und dann dürfen wir darauf gespannt sein, welchen Rat und welche Hilfe er für uns bereithält.
PSALM 6,3
Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach.
Ich darf schwach sein
Es kostet Überwindung, aber es ist befreiend, wenn wir unsere Schwachheit vor den Herrn bringen. Denn nur dort, wo wir schwach sind, kann er uns mit seiner Gnade berühren. Nur dort lernen wir seine Hilfe und Stärke so richtig zu schätzen. Wenn ich derzeit mein Leben anschaue, dann will ich bekennen und beten:
• Herr, ich bin schwach, sei mir gnädig.
• Ich bin schwach – meine Lunge schafft nicht mehr das, was sie vor zehn Jahren noch geschafft hat. Einen Berg kann ich schon lange nicht mehr erklimmen.
• Ich bin schwach – seit Jahren gibt es so gut wie keine Nacht, in der ich mehr als vier Stunden am Stück schlafen kann.
• Ich bin schwach – ich kann nicht das Arbeitspensum schaffen, das viele andere gleichaltrige Menschen schaffen.
• Ich bin schwach – wie schnell werden mir Nebensächlichkeiten zur Hauptsache und die Hauptsache zur Nebensache.
• Ich bin schwach – mich auf einen anderen Menschen einzulassen und viel Zeit mit ihm zu verbringen fällt mir immer wieder schwer.
• Ich bin schwach – mein Gehör hat nachgelassen, meine Augenstärke ebenso.
• Ich bin schwach – der Gang zum Arzt und die Einnahme von Medikamenten sind mir schon zur Gewohnheit geworden.
• Ich bin schwach – es fällt mir schwer, meine 92jährige Mutter zu ermutigen und ihr eine Hilfe zu sein.
• Ich bin schwach – oft nehme ich mir nur wenig Zeit zum Gebet und zum Lesen deines kostbaren Wortes.
Gebet: Herr, du kennst das alles und noch viel mehr. Sei mir gnädig und lass mich erkennen, dass letztlich nicht die Schwachheit zählt, sondern deine Gnade, die alle morgen neu ist.