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Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist, der euch beruft; er wird es auch tun.

1. Thessalonicher 5,23-24

www.fsc.org MIX

Papier aus verantwortungsvollen Quellen FSC® C083411 ®

Partow, Donna: Gott will mich

Ein Kurs für Frauen, die im Glauben wachsen wollen

Best.-Nr. 271 595

ISBN 978-3-86353-595-7

7. Auflage 2021

© Copyright 1996, Donna Partow

Originally published in English under the title: Becoming a Vessel that God can use Published by Bethany House Publishers, 11400 Hampshire, Minneapolis MN 55438, USA All Rights reserved. Translated into German by permission.

© Copyright 2001 der deutschen Ausgabe: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Übersetzung: Irmgard Grunwald, Pulheim

Satz: Enns Schrift & Bild, Bielefeld

Umschlaggestaltung: Daria Meyer, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Druck: CPI Books GmbH, Leck

Printed in Germany

Inhalt

ERSTE WOCHE: VERSTEHEN

Erster Tag: Muss ich vollkommen sein? ...........................8

Zweiter Tag: Wo ist denn mein Platz? .............................12

Dritter Tag: Du bist gemeint, Gideon! ............................18

Vierter Tag: Scheinbar aussichtslose Bewerber ....................22

Fünfter Tag: Unvollkommene bitte vortreten! ....................27

ZWEITE WOCHE: ABHÄNGIGKEIT

Erster Tag: Gottvertrauen ........................................32

Zweiter Tag: Was ist an Rahab so Besonderes? ....................36

Dritter Tag: Rahab hatte völliges Gottvertrauen ..................39

Vierter Tag: Sie können mit Gott rechnen; Er wird Sie nie hinauswerfen .....................................44

Fünfter Tag: Gott kann Sie gebrauchen, egal wie Ihre Vergangenheit aussieht .............................48

DRITTE WOCHE: WISSEN

Erster Tag: Die Hoheit unseres Gottes ............................56

Zweiter Tag: Gott benötigt uns nicht ............................. 60

Dritter Tag: Die Sehnsucht unseres Gottes .......................64

Vierter Tag: Gott offenbart sich durch sein Wort .................67

Fünfter Tag: Bewahren Sie Gottes Wort in Ihrem Herzen! ........72

VIERTE WOCHE: SELBSTANNAHME

Erster Tag: Sie sind ein Tongefäß .................................80

Zweiter Tag: Hadern Sie mit Ihrem Schöpfer? ....................83

Dritter Tag: Sie sind ein neuer Mensch geworden .................88

Vierter Tag: Gott wird Sie ganz umkrempeln .....................92

Fünfter Tag: Verstehen Sie, wer Sie in Christus sind? .............96

FÜNFTE WOCHE: SELBSTVERLEUGNUNG

Erster Tag: Christus, unser Vorbild ................................102

Zweiter Tag: Leben wie Christus ..................................107

Dritter Tag: Den Stolz auf die Vergangenheit loslassen ............112

Vierter Tag: Den Schmerz der Vergangenheit loslassen ...........116

Fünfter Tag: Die Hoffnungen auf die Zukunft loslassen ...........120

SECHSTE WOCHE: REINIGUNG

Erster Tag: Die Putzkolonne: Gottes Leute ........................126

Zweiter Tag: Die Putzlappen: Gebet und Nachdenken ............131

Dritter Tag: Der Reinigungsprozess: Prüfungen ....................135

Vierter Tag: Die reinigende Kraft der Stille .......................140

Fünfter Tag: Die reinigende Wirkung geistlicher Züchtigung ......145

SIEBTE WOCHE: AUFTANKEN

Erster Tag: Erfüllt mit lebendigem Wasser ........................150

Zweiter Tag: Erfüllt mit Liebe und Freude ........................155

Dritter Tag: Erfüllt mit Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte .........................................160

Vierter Tag: Erfüllt mit Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung .166

Fünfter Tag: Nehmen Sie sich Zeit zum Auftanken! ..............171

ACHTE WOCHE: AUF GOTTES STIMME ACHTEN

Erster Tag: Gott spricht zu seinem Volk ...........................178

Zweiter Tag: Gott spricht durch einen Esel .......................183

Dritter Tag: Gott spricht durch sein Wort ........................187

Vierter Tag: Gott spricht durch sein Wort durch uns ..............190

Fünfter Tag: Gott spricht zu uns, wenn wir beten .................194

NEUNTE WOCHE: DIENEN

Erster Tag: Gehen Sie mit Gott! ..................................200

Zweiter Tag: Die grobe Richtung .................................204

Dritter Tag: Zum Handeln bereit .................................209

Vierter Tag: Greifen Sie Gott nicht vor! ..........................213

Fünfter Tag: Seien Sie auf Überraschungen gefasst! ...............217

ZEHNTE WOCHE: FREUDE ERFAHREN

Erster Tag: Woher kommt die Freude? ............................222

Zweiter Tag: Die Freude am Dienst und die Gefahr zerschlagener Hoffnungen ........................................227

Dritter Tag: Die Freude am Dienst (zweiter Teil) ..................232

Vierter Tag: In Christus bleiben ..................................237

Fünfter Tag: Die Freude, die vor uns liegt .........................241

Anmerkungen für Gruppenleiterinnen ...........................245

Erste Woche: Verstehen

Schwerpunkt der Woche:

wie und warum Gott unvollkommene Werkzeuge gebraucht

Leitvers der Woche:

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR.

Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Jesaja 55,8-9

Erster Tag

Muss ich vollkommen sein?

Wenn Sie ein Buch suchen von einer Christin, die im Moment ziemlich bekannt ist, von einer idealen christlichen Ehefrau, die in mehr als zwanzig Jahren nie mit ihrem Mann gestritten hat ...

Wenn Sie Tipps bekommen möchten von einer liebevollen Mutter, die nie laut wird, die vollkommen wohlerzogene Kinder hat und die ihre Wohnung immer hygienisch sauber und fleckenlos rein hält –ich meine so eine Frau, deren hausfrauliche Fähigkeiten selbst Frau Saubermann erröten ließen ...

Wenn Sie Worte der Weisheit lesen möchten von einer Frau, deren Schrankfächer alle etikettiert sind, die nicht nur ihre eigene Garderobe selbst schneidert, sondern auch sagenhafte selbst gebastelte Geschenke für jede Gelegenheit bereithält; eine Frau, die morgens beim ersten Hahnenschrei aufsteht, fünf Kilometer joggen geht und noch rechtzeitig nach Hause kommt, um ihr Brot von Grund auf selber zu backen – und das alles, bevor ihr Mann zur Arbeit geht ...

Wenn Sie vertrauliche Ratschläge von einer Frau bekommen möchten, die überall beliebt ist und von jedem bewundert wird, der sie kennen lernt ...

Wenn Sie in die Fußstapfen einer Frau treten möchten, die seit fünfundzwanzig Jahren Hauskreise leitet und bereits vierhundert Frauen zum Herrn geführt hat ...

Dann beeilen Sie sich, zögern Sie nicht länger und legen Sie dieses Buch sofort weg! Sie müssen mich dann wohl mit irgendeiner anderen christlichen Autorin verwechselt haben!

Wenn Sie andererseits bereit sind, das Buch einer Frau zu lesen, die dafür bekannt ist, dass sie schon tausendmal alles vermasselt hat, einer Frau, deren Erfolgsquote bei höchstens 2 % liegt; wenn Sie bereit sind, Ihre Zeit mit einer Frau zu verbringen, die außerdem auch bekannt dafür ist, dass sie ihr Geschirr mehrere Tage ungespült stehen

Erste Woche: Verstehen

lässt, und die, sogar während sie diese Zeilen schreibt, ihre fünfjährige Tochter beobachtet, wie sie gerade mit Möbelpolitur die Fenster putzt, dann nehmen Sie sich eine Tasse Kaffee und setzen Sie sich. Ich glaube, wir können einiges miteinander erleben.

Durch dieses Buch lernen Sie nicht, wie Sie so werden können wie ich. Sie erfahren auch nichts darüber, wie ich zu weisen Erkenntnissen gekommen bin und wie ich Ihnen die „zehn todsicheren Schritte zur Super-Geistlichkeit“ nahe bringen könnte. Ich schreibe dieses Buch nämlich gar nicht, weil ich mich selbst als leuchtendes Beispiel hinstellen möchte für ein Werkzeug in Gottes Hand – weit gefehlt. Ich schreibe dieses Buch, weil es ein so schwieriger und schmerzhafter Prozess war, ein Werkzeug in Gottes Hand zu werden; noch viel schwieriger und schmerzhafter, als ich es mir jemals vorgestellt hatte. Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich anderen dienen. Ich möchte Sie trösten mit dem Trost, den ich erfahren haben.

Ich möchte, dass Sie diese fantastische Wahrheit begreifen können: Gott kann so unvollkommene Werkzeuge wie Sie und mich gebrauchen. Tatsächlich findet er oft Gefallen daran, die unwahrscheinlichsten Leute auszusuchen, um seine Ziele in dieser Welt zu erreichen. Jeder um Sie herum kann Sie für die aussichtsloseste Bewerberin halten, aber glücklicherweise arbeitet Gott selbst als seine eigene Personalabteilung. Egal, wer Sie sind, wenn Sie Ihr Leben Gott übergeben, dann können Sie ein Werkzeug in Gottes Hand werden.

Ich bitte Sie dringend, dass Sie sich während der nächsten zehn Wochen täglich die Zeit nehmen, sich auf Ihre Beziehung zu Ihrem himmlischen Vater zu konzentrieren. Sie werden nur ungefähr 20 bis 30 Minuten am Tag benötigen, und zwar an fünf Tagen in der Woche. Einmal in der Woche sollten Sie sich mit einer kleinen Gruppe von Frauen treffen, um die Fragen zu jeder Lektion durchzugehen, um zu beten, um einander zu ermutigen und um sich gegenseitig bei der Stange zu halten. Das Auswendiglernen des jeweiligen Wochenverses sollte einen besonderen Stellenwert besitzen. Zur Erleichterung finden Sie Karten mit Bibelversen zum Ausschneiden im Anhang. Stecken Sie diese Karten in Ihre Geldbörse und schauen Sie sie an, wenn Sie unterwegs sind. Sie können sich auch zusätzlich noch Karten machen und sie an deutlich sichtbaren Stellen aufhängen – z. B. an die Kühlschranktür oder über die Spüle oder im Badezimmer über das Waschbecken.

Ich hoffe, dass diese täglichen Bibelarbeiten einen hohen Stellenwert in Ihrem Alltag bekommen. Der Hausputz kann warten; jemand anders kann in der Zwischenzeit mal Plätzchen backen; und all Ihre Lieblingssendungen im Fernsehen werden auch noch da sein, wenn dieses Buch zu Ende ist. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass auch hektische Zeiten kommen können; und dann kann es schwierig werden, täglich einen Abschnitt durchzuarbeiten. In solchen Fällen schlage ich vor, dass Sie sich jeweils auf den ersten Tag konzentrieren, denn hier wird das Wochenthema vorgestellt, und dann auf den fünften Tag. Hier wird noch einmal alles zusammengefasst. So, wie es Ihre Zeit zulässt, können Sie dann die übrigen Tage ergänzend durcharbeiten, um das Ganze noch besser zu verstehen. Um es noch einmal zu wiederholen: das Beste ist in jedem Fall, jeden Tag einen Abschnitt zu bearbeiten und nicht morgens vor dem wöchentlichen Gruppentreffen alles auf einmal zu pauken.

Das Durcharbeiten dieses Buches wird Sie natürlich nicht vollkommen machen, und es wird auch nicht unbedingt einfach werden, aber ich verspreche Ihnen: Sie werden zu einem tieferen Verständnis dessen gelangen, was es bedeutet, ein Werkzeug in Gottes Hand zu werden; mit allen Kosten und Mühen, mit allen Möglichkeiten und Freuden, die damit verbunden sind.

1.Müssen Sie vollkommen sein, um ein Werkzeug in Gottes Hand zu werden? Wie wichtig ist die Meinung anderer Leute über Ihre Fähigkeiten?

2.In welcher Art und Weise hat Gott Sie bereits gebraucht, um indas Leben anderer Menschen hineinzusprechen? Schreiben Sie die Namen derer auf, die Ihnen in den Sinn kommen, und danken Sie Gott für das Vorrecht, ein Werkzeug in seiner Hand zu sein.

Erste Woche: Verstehen

3.Schreiben Sie ein Gebet auf, in dem Sie sich dem Herrn gegenüber verpflichten, dieses Buch durchzuarbeiten, um besser zu verstehen, was es bedeutet, ein Werkzeug in seiner Hand zu sein.

4.Schneiden Sie die Kärtchen mit den Bibelversen aus und fangen Sie an!

5.Wenn Sie dieses Buch nicht als Teil einer Gruppe durcharbeiten, dann suchen Sie sich eine Freundin, mit der Sie sich darüber austauschen können. Setzen Sie eine Zeit fest, zu der Sie sich jede Woche treffen, um zu beten, sich gegenseitig zu ermutigen und einander bei der Stange zu halten.

6.Was war für Sie im heutigen Abschnitt besonders wichtig?

Zur Wiederholung:

Sie müssen nicht vollkommen sein, um ein Werkzeug in Gottes Hand zu werden.

Je mehr Sie jetzt einsetzen an Zeit, Gebet und Hingabe, umso mehr geistliches Wachstum können Sie erwarten.

Zweiter Tag

Wo ist denn mein Platz?

Fragen Sie sich manchmal, wo Ihr Platz in Gottes großartigem Plan ist? Fragen Sie sich manchmal, ob es für Sie wirklich einen Platz gibt? Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an Timotheus: „In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet.“ (2. Timotheus 2,20-21) Wenn Sie darüber nachdenken, was für ein Gefäß Sie sind, dann kommen Ihnen vielleicht Worte wie „angeschlagen“, „gesprungen“, „zerbrochen“ oder „schmutzig“ in den Sinn. Vielleicht fühlen Sie sich wie ein verstaubter alter Becher, der auf dem Regal vergessen wurde, oder wie ein hässlicher Wassereimer, den jemand am Straßenrand liegen gelassen hat. Vielleicht sehen Sie sich aber auch als Kristallvase – aus der Ferne sehen Sie glänzend aus und alle Welt bewundert Sie, aber beim näheren Hinsehen entdeckt man Risse von oben bis unten. Diese Vase könnte beim besten Willen kein Wasser halten und schon gar nicht könnte sie einem anderen Lebewesen das Lebenswasser bringen.

Vielleicht haben Sie dieses Buch zur Hand genommen mit dem Gedanken: Ich weiß doch gar nicht, wozu ich gut bin. Wie kann Gott mich gebrauchen, wenn ich selbst noch nicht einmal weiß, wofür ich zu gebrauchen bin? Wenn es Ihnen so geht, dann sind Sie nicht allein mit diesem Gefühl. Als ich zum ersten Mal diese Bibelarbeiten mit einer Frauengruppe gemacht habe, kam sehr bald heraus, dass viele Frauen unsicher waren, was für ein „Gefäß“ sie sein könnten. Sie wussten nicht, wie oder wo Gott sie gebrauchen könnte. Manche dieser Frauen suchten eigentlich ein Seminar über Geistesgaben. Auch zu diesem Thema gibt es gute Bücher und Seminarangebote,doch dieses Buch gehört nicht dazu. Wissen Sie, warum? Ganz einfach deshalb:

Erste Woche: Verstehen

Wenn Sie nicht in dem Bewusstsein leben, ein Werkzeug in Gottes Hand zu sein, dann würde das Entdecken Ihrer Geistesgaben nicht den tatsächlichen Schwachpunkt in Ihrem Leben beseitigen. Der Wendepunkt ist nämlich genau dann in Sicht, wenn Sie verstehen, wie und warum Gott durch so schwache menschliche Gefäße wirkt, wie wir es sind. Wenn Sie einmal diese beiden Dinge verstanden haben, dann wird Gott Sie auf erstaunliche Weise gebrauchen können – so wie Sie es durch hundert Seminare über Geistesgaben nicht erfahren hätten. Wenn Sie einmal die Wahrheit erfasst haben, dass Gottes Gedanken nicht wie Ihre Gedanken sind und Ihre Wege nicht wie seine Wege, dann verspreche ich Ihnen, dass er Sie zu einem Gefäß machen wird, das er gebrauchen kann. (Danach können Sie ein Seminar über Geistesgaben besuchen oder ein Buch dazu lesen, und Sie haben viel mehr davon.)

Als ich Christ wurde, hatte ich eine sehr genaue Vorstellung davon, welche Gaben ich hatte und wie ich für Gott nützlich sein könnte. Meine Einstellung war: Gott hat so viel für mich getan, nun will ich auch etwas für ihn tun. Also seht mal alle her, wie ich arbeite! Unglücklicherweise konzentrierte ich mich auf mich selbst und auf die tollen Dinge, die ich für Gott erreichen wollte, und ich sah nicht auf Gott und die tollen Dinge, die er durch mich erreichen wollte. Der Unterschied zwischen diesen beiden Motivationen zum Dienst für den Herrn ist der zentrale Punkt dieses Buches. Jahrelang fragte ich mich: Warum gebraucht Gott alle anderen? Was mache ich denn falsch? In der Tiefe meines Herzens sehnte ich mich danach, ein Werkzeug zu werden, durch das Gott wirken konnte. Ich sehnte mich danach, etwas Bedeutendes für Gott zu tun. Ich fragte mich, warum er manche Frauen so eindrucksvoll gebrauchte, um anderen zu dienen, während ich mir völlig unwirksam vorkam. Nicht, als ob ich nichts versuchte. Weit gefehlt. Wenn ich etwas habe, dann ist es eine überschäumende Energie und ein starker Wille. Ich stürzte mich also auf jede Möglichkeit, dem Herrn zu dienen, die sich nur bot. Ich hielt Kinder-Bibelwochen für Drei- bis Vierjährige. Ich backte Kuchen und Plätzchen für den Nachbarschaftskreis. Ich versuchte es sogar mit selbst gemachten Puddingförmchen – sie wurden nicht besonders ansehnlich. Ich lud Neulinge in der Gemeinde zu mir nach Hause ein – als Beitrag zum „Gastfreundschafts-Programm“.

Ich plante wilde und verrückte Gemeindepartys. (Nun ja, wild und verrückt für unsere Gemeinde!)

Meine Erfahrungen als Sonntagsschullehrerin reichten von der Gruppe der Kindergartenkinder bis zu den Jugendlichen. Dann wurde ich Jugendleiterin, und das ging weit über den Sonntagmorgen hinaus. Ich lud die Jugendlichen und ihre Eltern zu mir nach Hause ein. Ich traf mich während der Woche einzeln mit ihnen. Ich entwarf maßgeschneiderte Bibelarbeiten, die zur ihrer jeweiligen aktuellen Lebenssituation passten. Ich besuchte sie in ihrem Job. (Es war nicht weiter schwer, sie alle zu finden; Jugendliche arbeiten immer im Einkaufszentrum.) Ich nutzte alle meine Beziehungen, damit sie Jobs bekamen. Ich stellte sie sogar selbst an für Arbeiten in Haus und Garten. Ich nahm sie mit zu christlichen Rockkonzerten und ging mit ihnen im Regen zelten. (Diese letzte Erfahrung sollten Sie unter allen Umständen vermeiden.)

Ich wurde ehrenamtliche Leiterin des Missionskreises. Ich las Dutzende von Büchern über das Wie und Warum, über Geschichte und Zukunft der Mission. Mein Mann und ich nahmen an missionarischen Essen teil; wir hatten Missionare bei uns zu Hause und wir unterstützten monatlich einige Missionare. (Das tun wir immer noch!) Gewissenhaft schrieb ich regelmäßig einem Dutzend Missionarsfamilien und es gelang mir sogar, einige Jugendliche davon zu überzeugen, als „Kurzzeitler“ in die Mission zu gehen.

Wöchentlich beherbergten mein Mann und ich fast zehn Jahre lang kleine Bibel-Hauskreise bei uns zu Hause. Wir beteiligten uns an GroßEvangelisationen in unserer Stadt und versuchten selbst, Mini-Evangelisten zu sein. Ich lernte den „Heilsplan“ und alle wichtigen Bibelstellen auswendig. Jeden Tag sprach ich auf die eine oder andere Weise Nachbarn und Arbeitskollegen an. Ich sprach über die wesentlichen Punkte des Christentums mit einem apologetischen Eifer, der seinesgleichen suchte. Begeistert pries ich die Freuden des Christenlebens. (Nicht, dass ich so begeistert lebte, wie ich davon sprach ...) Ich lud unzählige Menschen zur Gemeinde oder zu Missionsveranstaltungen ein oder irgendwohin, wo ich meinte, dass „Gott schon wirken könnte“.

Ein anderes meiner Lieblingsprojekte war meine Familie. Ich habe eine Mama, einen Papa und sieben ältere Brüder und Schwestern, die ihrerseits eine ganze Kompanie an Ehepartnern und Freunden, Nichten und Neffen, Schwägerinnen und Schwäger und was weiß ich

Erste Woche: Verstehen

nicht noch alles mitbrachten. Ich verbrachte zahllose Stunden im Gebetskampf für sie. Ich plante und überlegte; ich benutzte Menschen und Gelegenheiten für meine Ziele. Mehrere Male imitierte ich den Heiligen Geist auf bemerkenswerte Weise, indem ich vor ihnen mein Zeugnis gab und sie fast ins Himmelreich geschleift hätte. Und schließlich ließ der Herr Gnade walten über meiner Familie – er ließ mich in einen anderen Bundesstaat umziehen.

Nun, das ist noch nicht mal die Hälfte. Wie Sie sehen, fehlte es mir nicht an Eifer. (Mein Taktgefühl war allerdings immer kärglich bemessen.) Aber ganz gleich wie sehr ich mich auch bemühte, nur selten schien es so, dass Gott mich wirklich im Leben anderer Menschen gebrauchen wollte. Doch, es gab bisweilen vereinzelt einen Durchbruch. Gelegentlich hatte es den Anschein, als ob irgendetwas, das ich gesagt oder getan hatte, eine Wirkung zeigte. Aber im Verhältnis zu den enormen Anstrengungen, die ich unternahm, waren die Rückmeldungen trostlos.

Tatsächlich war es normalerweise so, dass Gott nicht durch mich wirkte, sondern obwohl ich mich abrackerte. Ich fühlte mich frustriert und erschöpft. Ich hatte meine Kräfte in tausend verschiedene Richtungen verpulvert, aber ich sah nur wenig Frucht. Die einzig greifbaren Ergebnisse meiner Arbeit waren die Bitterkeit, die mich umgab, und die Spur von verwirrten, frustrierten und oft ärgerlichen Leuten, die ich hinterließ.

Da hörte ich auf.

Ich hörte auf mit Arbeitskreisen und Bibelstunden, mit Sonntagsschule und Missionsgesellschaft. Ich hörte auf, Kuchen zu backen und Grußkarten zu verschicken. Ich hörte mit dem ganzen Wirbel auf. Seltsam genug – es schien keinen zu stören. Da hörte ich ganz auf, in die Gemeinde zu gehen. Tatsächlich hörte ich auf zu leben. Punkt. Natürlich atmete ich noch und auch mein Herz schlug noch. Aber in Wahrheit hatte ich mich vom Leben ganz zurückgezogen: Ich hatte mich selbst völlig von allem und jedem abgeschnitten. Ich hatte nicht gedacht, dass es so wehtun würde. Aber ich hatte mich geirrt. Die Stunden, die vorher mit Betriebsamkeit gefüllt waren, wie fruchtlos auch immer, waren nun voller Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. Es war klar, dieser neue Ansatz funktionierte auch nicht. So kam ich auf eine neue Idee. Ich beschloss, in der Bibel zu forschen. Ich war ent-

schlossen aufzudecken, was die Helden der Bibel gemeinsam haben. Was war es, das sie so großartig machte, dass der allmächtige Gott sie „anstellte“, um seine Arbeit hier unten auf der Erde zu erledigen?

Wissen Sie, was ich entdeckte? Ich entdeckte eine Ansammlung der Leute, die man sich am allerwenigsten vorstellen kann. Von Hausfrauen und Propheten bis hin zu Prostituierten und Mördern war Gott in der Lage, durch jeden zu wirken, der fest davon überzeugt war, dass Gott unvollkommene Menschen gebrauchen kann und wird. Als ich schrittweise meine eigenen Vorstellungen los ließ und mich Gott zur Verfügung stellte – als zerbrochenes, unvollkommenes Gefäß, das ich nun einmal bin –, da begann er durch mein Leben zu wirken. Dieses Buch, das Sie in Händen halten, ist eine der Früchte dieses Prozesses.

Möchten Sie ein Werkzeug in Gottes Hand sein? Lassen Sie Ihre Pläne los, große Dinge für Gott zu tun, und klammern Sie sich an die Wahrheit, dass Gott imstande ist, durch ein unvollkommenes Gefäß wie Sie zu wirken. Dieses Bibelstudium kann Sie durch diesen Prozess hindurchführen. Es beginnt mit dem Verstehen dessen, wer Gott wirklich ist und wer Sie sind als sein Geschöpf. Wenn Sie Gott dienen möchten, müssen Sie den Zweck, zu dem Gott Sie geschaffen hat, akzeptieren, selbst wenn dies nicht das Leben ist, das Sie selbst für sich erträumen. Es ist erforderlich, sich selbst zu verleugnen und Gott Ihr Leben reinigen und neu erfüllen zu lassen. Dann, und nur dann, werden Sie anderen dienen können. Während Sie lernen, ein formbares Gefäß, ein brauchbares Werkzeug in der Hand Gottes zu werden, werden Sie erfahren, dass Dienst für den Herrn keine Last mehr ist, keine Liste von Dingen, die Sie tun müssen. Dienst bedeutet vielmehr einfach, nur auf Gottes Stimme zu hören und dann zu folgen, wohin er Sie führt.

Am Ende dieses Buches finden Sie eine Zusammenfassung der „fünf Voraussetzungen, um ein Werkzeug in Gottes Hand zu werden“. Ich möchte Sie auffordern, häufig dort nachzuschlagen, während Sie dieses Buch durcharbeiten. Lassen Sie diese Grundsätze tief in Ihre Seele eindringen. Auf diese Art wird das Herzstück dieser Bibelarbeit in den kommenden Jahren in Ihnen fortdauern – und ist es nicht genau das, was Sie erwarten, wenn Sie ein solches Buch durcharbeiten? Wann immer Sie merken, dass Sie sich irgendwie von Gott entfernt haben, können Sie innehalten und sich noch einmal die „fünf Voraussetzungen“ ins Gedächtnis rufen, um festzustellen, wo Sie aus dem Tritt geraten sind.

Erste Woche: Verstehen

1.Stellen Sie sich vor, was für ein Gefäß Sie sind. Beschreiben Sie, was Sie vor Ihrem inneren Auge sehen.

2.Was ist wichtiger: Ihre Geistesgaben zu entdecken oder denjenigen, der die Geistesgaben zuteilt? Warum?

3.Entweder Sie vollbringen etwas für Gott oder Sie lassen Gott seine Werke durch Sie vollbringen – wo liegt der Unterschied?

4.Welcher der oben genannten Ansätze entspricht am besten Ihrem bisherigen Leben als Christ?

5. Was war für Sie im heutigen Abschnitt besonders wichtig?

Zur Wiederholung:

Es ist viel wichtiger zu verstehen, was Gott durch Ihr Leben wirken will, als zu überlegen, was Sie für ihn vollbringen können. Wenn wir verstehen, wie und warum Gott durch solch unvollkommene Werkzeuge wirkt, wie wir es sind, dann besitzen wir einen Schlüssel zum wirksamen Dienst.

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