Thomas Gelfert
TesTamenT7
Das Erbe der verschollenen Stadt
Thomas Gelfert
Testament7: Das Erbe der verschollenen Stadt
Best.-Nr. 271588
ISBN 978-3-86353-588-9
Die Bibelstellen wurden zitiert nach:
NeÜ bibel.heute
© 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft
1. Auflage
© 2025 Christliche Verlagsgesellschaft mbH
Am Güterbahnhof 26 | 35683 Dillenburg info@cv-dillenburg.de
Umschlaggestaltung: Thomas Gelfert
Satz und Illustration: Thomas Gelfert
Umschlagmotiv: © Thomas Gelfert
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
Printed in Germany
Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gern kontaktieren: info@cv-dillenburg.de.


Drei endlos lange Monate waren vergangen, seit Pauls Vater diese mysteriöse Andeutung gemacht hatte –irgendetwas mit der alten Höhle der Archivare in Villstein. Doch weder Paul noch seine Freunde durften wieder dorthin zurück. In gewisser Weise kam ihnen das gerade recht, denn die Schulzeit ging ihrem Ende entgegen. Die Abiturprüfungen standen vor der Tür.
Paul brütete gerade über einigen Differentialrechnungen, als jemand an seine Tür klopfte. „Nee, nicht jetzt!“, brummte er.
„Das wird dich bestimmt interessieren“, antwortete sein Vater und öffnete die Tür einen Spalt.
„Keine Zeit!“, murmelte Paul und zeichnete eine Kurve in ein vereinfachtes Koordinatensystem.
Sein Vater stand still im Türrahmen und beobachtete ihn eine Weile. Da klingelte sein Handy. „Ja? ... Okay, gut. Danke für die Info. Nein, Alexis, das wird wohl heute nichts mehr.
Mein Sohn ...“
Paul sprang auf. „Sagtest du Alexis?“
Sein Vater grinste, dabei sprach er amüsiert weiter ins Handy. „Vielleicht wird es doch etwas. Ich melde mich gleich noch mal. Bis dann!“
„Wenn das Alexis war ...“, überlegte Paul aufgeregt, „... ist er denn endlich so weit?“
Pauls Vater lachte. „Sag mal, hast du in den letzten Wochen auch ein bisschen gelernt oder nur an die Höhle gedacht?“
Während sein Vater es sich auf der Couch bequem machte, kratzte sich Paul verlegen am Kopf und setzte sich neben ihn. „Na ja, von beidem ... etwas?“

„Paul, als ich euch damals – das muss jetzt schon wie lange her sein, fast drei Monate? – mitteilte, dass alles vorbereitet sei, war tatsächlich alles bereit für euch. Dachte ich jedenfalls. Alexis hatte die letzten Monate bereits hart daran gearbeitet, einige ... Details ... in die Tat umzusetzen, die wir uns überlegt hatten. Ein Dutzend Leute wuselte in der alten Höhle der Archivare herum. Dann gab es noch diesen Zwischenfall ...“
„Welchen Zwischenfall?“
„... und letztlich dauerte es doch noch ein wenig länger.“
„Warum so geheimnisvoll, Dad? Was haben die dort gemacht? Was ist los?“
Sein Vater stand auf, ging zwei Schritte zur Tür und blickte über die Schulter. „Willst du deine Freunde nicht auch einladen? Ich erwarte euch dort.“
„Einladen, wohin?“
„Na, dreimal darfst du raten!“, antwortete sein Vater lachend und verließ das Zimmer.
Für einen Moment saß Paul völlig verwirrt da und wusste nicht, was er davon halten sollte. Doch dann gab er sich einen Ruck und schrieb eine WhatsApp an seine Freunde: „Treffpunkt HdA – in 30 min!“
Zur vereinbarten Zeit trafen Paul, Samuel, Sarah und Dominik auf einen sichtlich amüsierten Markus, der lässig auf der großen Treppe des alten Rathauses saß und genüsslich einen Coffee to go schlürfte.
„Hey, Leute!“, rief Dominik fröhlich und klatschte seine Freunde ab. „Was geht?“
„Das wüsste ich auch gern“, antwortete Sarah und umarmte ihre Freunde zur Begrüßung.
Paul hob die Schultern. „Ich habe keine Ahnung. Mein Dad hat nur so seltsame Andeutungen gemacht. Alexis hat irgendwas damit zu tun.“
„Alexis? Der Elektronik- und Technikexperte, den wir auf Zypern kennengelernt haben?“, erkundigte sich Samuel.

„Genau der!“, antwortete Markus, stand auf und begrüßte die vier neugierigen Ankömmlinge. „Ihr seid sicher schon neugierig, warum ich euch hergebeten habe.“
„Neugierig?“, fragte Dominik. „Neugierig ist gar kein Ausdruck. Ich hoffe, dass endlich mal wieder was Interessantes passiert.“
Sarah lachte. „Die anstehenden Prüfungen sind wohl nicht interessant genug?“
„Nee!“ Dominik schüttelte den Kopf. „Die nerven einfach nur.“
Markus ging die Treppe hinauf und winkte Paul und seine Freunde zu sich. „Ich bin euch ja noch eine Überraschung schuldig.“
„Seit drei Monaten!“, maulte Samuel.
„Ja. Leider hatten wir ein kleines technisches Problem, das aber inzwischen behoben ist. Also kommt, folgt mir!“
Mit einer Mischung aus Neugier und Spannung gingen sie mit Markus ins alte Rathaus. Er führte sie durch die Empfangshalle, an der Theke vorbei und blieb vor einer altbekannten Tür stehen.
„Hm ...“, murmelte Samuel. „Seit wann befindet sich an dieser Tür ein elektronisches Schloss?“
„Gut beobachtet, Samuel“, sagte Markus und drückte den Daumen auf eine kleine Glasscheibe, die daraufhin zu leuchten begann. Dann piepte es einmal, und auf dem Display über der kleinen Scheibe war zu lesen: „ID-Scan erfolgreich!“
„Wow!“, staunte Paul. „Ein Fingerabdruck-Scanner?“
Markus nickte, öffnete die Tür und ging voran. Paul und seine Freunde folgten ihm die alte Wendeltreppe hinab in den Keller. Sie betraten den nach Vergangenheit riechenden Lagerraum, liefen durch die hohen Regalreihen mit Dutzenden Schriften und erreichten bald das Atrium. Markus schob ein Regal von der Wand und gab so den geheimen Zugangsweg zur Höhle der Archivare frei.

„Aber das kennen wir doch schon!“, sagte Dominik und winkte ab. „Hinter dem Regal beginnt ein geheimer Gang, der durch eine Tür versperrt ist. Zwar waren wir lange nicht hier unten, aber an den Code an der Tür kann ich mich noch erinnern.“ Gerade wollte er die Hand ans Codeschloss legen, als er plötzlich zögerte. „Nanu?“
Samuel wollte ihm zu Hilfe kommen. „Doch vergessen?“
Aber dann erkannte er das Problem. „Oh! Na, so wird das natürlich nichts.“
Markus klärte sie auf: „Wir haben eine neue Sicherheitstür einbauen lassen. Sie lässt sich nur mit einer Kombination aus Fingerabdruck, Zahlencode und Iris-Scan öffnen.“
Kopfschüttelnd zupfte Paul am Ärmel der Jacke seines Vaters. „Du, sag mal, wozu diese ganzen Sicherheitsmaßnahmen?“
„Genau“, pflichtete Sarah ihm bei, „ist doch nur eine alte Höhle.“
Wieder legte Markus den Daumen auf die kleine Glasscheibe neben der Tür, tippte einen Zahlencode ein und guckte in eine kleine rote Linse. „Nicht ganz!“ Sofort ertönte ein Piepton, dann hörten sie ein leises, schabendes, metallisches Geräusch, und ein Ruck ging durch die Tür. „Tretet ein!“, sagte Markus und drückte die dicke, schwere Stahltür auf.
„Das ist ja fast wie in Fort Knox!“, staunte Samuel. Sie folgten Markus einige Schritte durch den Gang und blieben abrupt stehen.
„WHAT?“, platzte es aus Paul heraus.
Dominik hauchte: „Ach, du meine Güte!“, während Sarah die Hand auf den Mund legte und große Augen bekam.
„Krass, Alter!“, freute sich Samuel und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Also, hier wird‘s mir gefallen!“ Voller Neugier sprang er vom Felsvorsprung herunter und verschwand hinter einer langen Reihe von Computerkonsolen.
„Was ... ist das hier?“, fragte Sarah halblaut. Sprachlos stand sie da und traute ihren Augen nicht.

„Willkommen im neuen Hauptquartier!“, antwortete Markus und machte eine Handbewegung über die ganze Höhle hinweg.
Paul konnte es kaum fassen und kletterte langsam hinab. „Diese vielen Computerkonsolen, da hinten sehe ich ein Labor, Samuel scheint hinter einer Mini-Serverfarm verschwunden zu sein. Das erinnert glatt an ...“
„... eine Kontrollzentrale der NASA“, vollendete Dominik den Satz staunend.
„Darf ich mich ein wenig umsehen?“, fragte Paul unsicher.
„Aber ja!“, antwortete sein Vater. „Fühl dich ganz wie ... zu Hause!“
Paul holte tief Luft, kletterte tiefer hinab und befand sich inmitten einer kreisrunden Computeranlage. „Was macht ihr da?“, fragte er einen jungen Mann, der gerade eine endlose Zahlenreihe eintippte.
„Sekunde!“
Paul räusperte sich. „Äh, sorry! Wollte nicht stören.“
Doch da hieb der junge Mann mit Schwung auf die ENTERTaste und rief laut: „HEUREKA!“
„Ich hab’s?“, übersetzte Paul für sich selbst leise.
Der junge Mann sah auf und schmunzelte. „So ist es!“ Er stand auf und gab Paul die Hand. „Ich bin übrigens Connor, Analytiker.“
„Paul!“, antwortete er kurz.
„Ja, ich weiß. Weiß doch jeder hier!“, sagte er und lachte.
„Und was genau analysierst du da?“
Connor setzte sich wieder hin und öffnete eine Datei mit der Abbildung einer alten Tonscherbe.
Auf den ersten Blick konnte Paul nichts Interessantes erkennen. Dann klickte Connor einige Male, und plötzlich wurden
Textfragmente sichtbar.
„Wow! Du untersuchst alte archäologische Funde auf Inschriften mit ... irgendeiner Art Image Processing.“

Anerkennend nickte Connor. „Du kennst dich damit aus?“
Paul winkte ab. „Na ja, nicht wirklich. Ich hatte mich mal daran versucht ... mit Photoshop, weißt du? Doch das hab ich schnell wieder aufgegeben. Aber ... sagtest du nicht, du bist Analytiker?“
„Ja, richtig“, bestätigte Connor. „Ich habe viele Funde gründlich analysiert und eine Scanner-Methode entwickelt, um einfache Kratzer und Beschädigungen von echter Schrift zu unterscheiden – und zwar weitgehend automatisch.“
„Das erleichtert uns die Arbeit erheblich“, ergänzte Markus, der auf der Anhöhe hockte und Paul nach oben winkte. „Komm, ich will dir noch etwas zeigen!“
Überall surrte und piepste es leise vor sich hin, während ein
Dutzend Leute durch die Höhle huschte und fieberhaft an irgendetwas arbeitete.
Langsam durchquerten sie einen schmalen Gang und blieben vor einer großen Vitrine stehen. „Erkennst du das wieder?“, fragte Markus seinen Sohn.
„Na logo! Das sind doch alles Dinge, die wir gefunden haben. Da unten, die große Truhe, in der wir das Buch der Wahrheit entdeckt haben. Hier oben die kleine Rätselschatulle. Warum stellt ihr das hier aus?“
„Das soll uns stets daran erinnern, wofür wir arbeiten und was wir schon erreicht haben.“
Paul runzelte die Stirn. „Wollten wir diese Stücke nicht einem Museum übergeben?“
„Haben wir ja“, erklärte Markus.
„Hey, Leute, kommt mal her!“, rief Dominik und winkte die anderen zu sich. „Sagt mal, irre ich, oder haben wir das Ding hier schon mal woanders gesehen?“
„Nein, Dominik. Du irrst nicht“, sagte Markus lächelnd. „Das ist ein ...“
„... 3Dxprint T7!“, japste Samuel. „Wahnsinn! Wo habt ihr den denn her? Davon gibt’s doch nur ganz wenige.“

Sarah schüttelte ungläubig den Kopf. „Sollten wir dieses technische ... Monster kennen?“
Paul kratzte sich am Kopf. „Hm ... wenn ich nicht irre, befindet sich so ein 3D-Drucker in Schottland auf dieser Insel, wo wir den kauzigen Mönch getroffen haben.“
„Du meinst die Insel Mull“, ergänzte Pauls Vater. „Damit hast du vollkommen recht. Wir erfuhren, dass das Kloster seine Forschungsarbeit beenden wollte und den Drucker zum Verkauf anbot. Als Márkos Wind davon bekam, schlug er sofort zu.“
„Das heißt also, wir drucken jetzt unsere eigenen Artefakte?“, überlegte Dominik laut.
„Ja und nein“, antwortete Markus. „Wir stellen beispielsweise Kopien her, die wir dann Museen zur Ausstellung übergeben. Wenn mit diesen Ausstellungsstücken einmal etwas passieren sollte, bleiben die Originale dennoch erhalten.“
„Ah, jetzt verstehe ich!“, sagte Paul grinsend. „Deshalb befinden sich die Originale in der Vitrine da vorn. Alles klar!“
Während Samuel und Sarah beobachteten, wie gerade ein topfähnliches Objekt gedruckt wurde, schlenderte Paul weiter durch die Reihen mit Bildschirmen und blinkenden und piepsenden Anzeigen. Da erreichte er einen großen runden, selbstleuchtenden Tisch, der sich in der Mitte der Höhle befand. Direkt über ihm schwebte eine kupferfarbene Kuppel, die mit allerlei altertümlichen Verzierungen versehen war. Sie diente offenbar als überdimensionale Lampe.
Als Paul sich gerade hinsetzen wollte, hörte er eine Stimme von der gegenüberliegenden Seite des Tisches. „Hi! Du musst Paul sein.“ Er hatte gar nicht bemerkt, dass auf der anderen Seite eine junge Frau stand und damit beschäftigt war, auf ihrer Seite des Tisches herumzutippen.
„Äh, ja, genau.“ Paul blinzelte, legte den Kopf zur Seite und versuchte, diese Frau einzuordnen. Aber es gelang ihm nicht. Sie war ihm völlig unbekannt. „Und du bist ...?“

„Mein Name ist Avila. Ich komme aus Israel.“
Paul musterte den perfekt gebundenen, schmalen Zopf, der ihre schwarz-blonden Haare über eine matte dunkelgrüne Lederjacke führte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie ihn mit ihren stahlgrauen Augen scannte. Fast wie ein Roboter. Paul schauderte und kam sich auf einmal ganz klein vor.
„Hat’s dir die Sprache verschlagen?“, fragte Avila grinsend und kam langsam auf Paul zu. „Meinen Informationen zufolge bist du eigentlich nie um einen kecken Spruch verlegen.“
„Ach, ja?“, murmelte Paul irritiert.
„Hab ich gehört.“
„Ah, wunderbar!“ Gerade kam Alexis zum Tisch und umarmte Avila und Paul herzlich. „Wie ich sehe, hast du unser Ass im Ärmel bereits kennengelernt.“
„Unser Ass?“ Paul schüttelte verwirrt den Kopf.
„Vielleicht erzählt sie es dir mal. Im Moment würde ich dich bitten mitzukommen.“ Alexis führte Paul einige Schritte weiter zu einer Wand mit mehreren riesigen Bildschirmen.
Sarah, Dominik und Samuel kamen auch gerade dazu und riefen gleichzeitig: „Na, hallo! Professor Cardiff!“
Auf den Bildschirmen waren mehrere Personen zu erkennen, die Paul und seinen Freunden wohlbekannt waren.
„Ist das eine Video-Liveschaltung?“, fragte Samuel interessiert nach.
Avila nahm ein Tablet zur Hand, tippte auf das Display und sagte: „Jepp. In diesem Moment sind uns Professor Cardiff aus Schottland, Márkos Klerides aus Zypern und Ahmed alZahyyid aus Ägypten live zugeschaltet.“
„Oha“, staunte Sarah, „dann ist das wohl die erste inoffizielle Videokonferenz des Ordens der Archivare.“
„Nicht inoffiziell!“, korrigierte Markus lächelnd und nickte Márkos zu.
Paul und seine Freunde verstanden nicht. Erwartungsvoll blickten sie ihn an.

„Márkos“, begann Pauls Vater und wandte sich den Großbildschirmen zu, „lass uns beginnen!“
Das Bild von Márkos wurde vergrößert, und man konnte deutlich sehen, wie alt er geworden war.
„Liebe Freunde!“, sagte er langsam. Paul konnte erkennen, dass ihm das Sprechen offenbar schwerfiel. „Noch immer denke ich voller Freude daran zurück, dass ihr mir meine
Familie zurückgebracht habt.“
In diesem Moment trat die Archivarin Clara Goldstein Zyper-Mayer ins Bild und winkte. „Hallo, Kinder!“
„Hey, wir sind doch keine Kinder mehr!“, protestierte Dominik und zog eine beleidigte Schnute.
Samuel grinste und tätschelte seinem Freund den Kopf.
„Alles gut, mein Großer!“
Der alte Mann fuhr fort: „Wie ihr wisst, bin oder, besser gesagt, war ich der letzte Überrest des Ordens. Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich alt geworden und möchte nun ...“, er atmete tief durch, „... den Posten des Ratsherrn abgeben.“
Paul machte große Augen und flüsterte: „Aber wer ...?“
„Um es kurz zu machen“, fuhr der alte Mann fort, „habe ich mich dazu entschlossen, jemanden zu fragen, ob er die Rolle des Ratsherrn, also des ersten Vorsitzenden des neuen Ordens der Archivare, übernehmen möchte.“
Gespannt warteten alle darauf zu erfahren, wen Márkos auswählen würde.
„Er ist mir ein geschätzter Glaubensbruder, ein engagierter Wissenschaftler und Forscher ...“
„Mann, nun sag schon, wer es ist!“, zischte Dominik ungeduldig.
„... und herausragender Archäologe. Ich kenne niemanden, der mit mehr Herzblut auf der Suche nach den sieben Testamenten unterwegs ist. Und ...“, dabei guckte er speziell Paul und seine Freunde an und lächelte, „... ich kenne auch niemanden, der ein besseres Team an seiner Seite hätte. Lieber

Markus Steinbach, Vater des berühmten Paul und Sohn des emeritierten Geologie-Professors Joseph Steinbach. Hiermit frage ich dich: Willst du den Vorsitz über den neuen Orden der Archivare übernehmen und deine Verantwortung als Christ und Wissenschaftler für Geschichte und Archäologie wahrnehmen, um der Menschheit einen unschätzbar großen Dienst zu erweisen?“
Paul drehte sich zu seinem Vater um und sah ihn gespannt an.
„Ja! Sehr gern!“, antwortete Markus mit Tränen in den Augen. „Es wird mir eine Freude sein, den Orden wiederaufzubauen und die biblische Geschichte für die Nachwelt zu erhalten. Es ist eine große Aufgabe. Aber zum Glück ...“, dabei blickte er Paul, Samuel, Dominik und Sarah der Reihe nach an, „... kann ich auf tatkräftige Unterstützung bauen.“ Schließlich machte er eine umfassende Handbewegung und sah quer durch die Höhle in viele aufgeregte und fröhliche Gesichter. „Wir alle sind Teil von etwas Wichtigem, etwas Großartigem. Wir haben die Aufgabe, überall auf der Welt biblische Artefakte zu suchen, zu bewahren und der Menschheit den Weg zum Schöpfer dieser Erde zu weisen. Natürlich hat jeder Christ die Aufgabe, von Jesus zu erzählen. Aber wir tragen eine große Verantwortung, indem wir die biblische Geschichte durch wissenschaftliche Funde und Erkenntnisse untermauern und zum Teil sogar handfest beweisen. Allein sind wir machtlos. Doch als großes Team sind wir in der Lage, etwas zu bewegen. Wir alle sind der neue Orden der Archivare! Mit Gottes Hilfe!“
Spontan klatschten alle großen Beifall und beglückwünschten sich gegenseitig. Manche umarmten sich sogar.
„Als erste Amtshandlung möchte ich zwei Ratsmitglieder einsetzen, die den Orden mit mir gemeinsam leiten. Lieber Professor Jeremiah Cardiff, würden Sie mir zur Seite stehen?“
Im Videobild war dem Professor seine Freude deutlich anzumerken, als er sagte: „Aber ja, selbstverständlich, mein lieber

Markus. Aber nur, wenn du endlich damit aufhörst, mich zu siezen. Wir sind ja gewissermaßen gleichwertige Kollegen.“
„Natürlich!“, antwortete Markus schmunzelnd. Dann drehte er sich um und suchte den Raum mit den Augen ab. „Wo ist er nur schon wieder?“, überlegte er laut und rief: „Hey, wo bist du?“
„Wer denn?“, fragte Dominik neugierig.
„Hier!“, rief jemand aus einer Ecke der Höhle. „Er meint vermutlich mich.“ Langsam trat ein älterer Herr aus dem Dunkel ins Licht.
„Opa!“, rief Paul erfreut, lief ihm entgegen und umarmte ihn.
„Was machst du denn hier?“
„Wie du weißt“, begann Pauls Vater zu erklären, „suchte Joseph, also dein Opa, schon lange vor uns nach den sieben Testamenten. Er weiß Dinge, von denen wir noch nicht einmal etwas ahnen. Deshalb schien es mir eine gute Idee zu sein, ihn in den Orden zu rufen – als zweites Ratsmitglied.“
Erwartungsvoll blickten alle auf Joseph Steinbach. „Also, ich weiß nicht. Ich bin doch schon ziemlich alt.“
„Aber nicht dumm!“, sagte Paul vehement. „Ich halte es für eine gute Idee. Was meint ihr?“, fragte er in die Runde. Alle nickten und stimmten zu.
„Also, wenn ihr meint?! Gut, dann akzeptiere ich.“
Paul und seine Freunde klatschten erneut Beifall.
Dann hob Markus die Hand und bat um Ruhe. „Der Orden der Archivare besteht natürlich nicht nur aus seinem Rat, sondern vor allem aus den vielen fleißigen und mutigen Ordensmitgliedern. Ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass Márkos‘ Sohn Nikos einen Standort auf Zypern leiten wird. Ahmed al-Zahyyid wird unseren Außenposten in Ägypten leiten. Professor Cardiff verantwortet den Standort in Schottland.“
„Das heißt, das alte Hauptquartier unter seinem Schloss wird wiederaufgebaut?“, fragte Paul ganz euphorisch.
„Hey“, frohlockte Samuel, „das wäre eine super Idee. Ich hab mich damals sofort heimisch gefühlt – irgendwie.“

„So machen wir es!“, antwortete das Videobild von Professor Cardiff. „Ich hoffe, ihr kommt zur Einweihung bei uns vorbei. Hailey freut sich schon, euch endlich wiederzusehen.“
„Aber gern!“, freute sich Sarah.
„Für euch habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht“, sagte Markus und winkte Avila zu sich. „Es steht außer Frage, dass ihr einen wichtigen Beitrag bei der Beschaffung der sechs Testamente geleistet habt. Und soweit ich weiß, gibt es da draußen in der Welt noch viel mehr zu entdecken. Das Buch der Wahrheit birgt viele Rätsel, die ich noch nicht entschlüsseln konnte. Aus diesem Grund ernenne ich euch vier zu den ersten Agenten des Ordens. Eure Ermittlungsarbeit, euer Geschick und euer Mut haben uns alle inspiriert und dies alles hier erst ermöglicht. Herzlichen Glückwunsch!“ Avila übergab ihm vier Ausweise mit einem modernisierten Logo des Ordens. Markus überreichte jedem der vier einen Ausweis. „Agent Paul, Agentin Sarah, Agent Dominik und Agent Samuel. Ihr gehört ab sofort zur ersten Linie der Entdecker biblischer Geheimnisse, die unsere Erde noch birgt. Damit ihr ab sofort Zugang zu allen gesicherten Bereichen des Ordens habt, ist für jeden von euch ein eigenes Benutzerprotokoll installiert worden.“ Er nahm einen kleinen Kasten mit einer großen roten Linse und einem kleinen Glasfeld von Avila entgegen. „Jetzt guckt ihr der Reihe nach in diesen roten Iris-Scanner, legt anschließend euren Daumen auf das Touchpad, also dieses Glasfeld, und gebt zum Schluss einen vierstelligen Code ein.“
„Wow!“, meinte Dominik glucksend. „Ich fühl mich gerade wie James Bond.“
Avila schmunzelte und winkte jemanden herbei. „Es wird noch besser!“
Der Helfer stellte einen gepanzerten Koffer auf dem Tisch ab und atmete tief durch. „Ganz schön schwer.“
„Leg deinen Daumen auf das kleine Touchpad des Koffers, Paul!“

Paul gehorchte und drückte seinen Daumen auf das kleine Glasfeld. Daraufhin leuchtete das Feld kurz auf, dann hörte man ein Klacken, und die Verriegelung des Koffers schnappte auf. „Ah, ich verstehe. Mit dem Fingerabdruck können also auch gesicherte Objekte geöffnet werden. Cool!“ Markus öffnete den Koffer und erklärte sichtlich begeistert: „Ein Agent braucht natürlich auch seine Ausrüstung. Zunächst wäre da eine Uhr zu nennen.“ Er holte der Reihe nach vier Uhren heraus, überreichte sie und sagte: „Das sind natürlich keine normalen Uhren. Selbst eine Smartwatch würde neben diesen Uhren verblassen. Sie enthalten einige Sensoren, einen kleinen Laser, um beispielsweise Infrarotsensoren zu stören oder auch ein kleines Feuer zu entfachen. Er ist relativ schwach, kann aber sehr nützlich sein. Natürlich könnt ihr mit der Uhr auch kommunizieren – und zwar mit einer gesicherten Verbindung. Und nebenbei birgt sie noch einige weitere Gimmicks, die ich euch aber später erkläre.“
„Krass!“, platzte es aus Dominik heraus. „Kommt jetzt noch Q um die Ecke und führt uns ein Auto mit Raketenwerfern vor?“
Paul und Samuel mussten herzlich lachen. „Mensch, Dom! Du hast eindeutig zu viel ferngesehen.“
Anschließend teilte Markus neue Handys aus. „Diese neuen Handys ersetzen eure bisherigen. Sie sind wesentlich leistungsfähiger und können mit Satelliten Verbindung aufnehmen, wenn kein Handynetz verfügbar ist. Außerdem reagieren sie nun auch auf euren Fingerabdruck. Die Handys haben außerdem einen Scanner eingebaut, der mit Connors Software arbeitet. Wann immer ihr etwas Interessantes findet und damit scannt, wisst ihr sofort, ob nützliche Informationen zu erkennen sind, und die Daten werden automatisch an uns übertragen.“
In der Zwischenzeit griff Samuel neugierig in den Koffer und holte einen Gürtel heraus. „Interessant!“, murmelte er. „Ein Gürtel.“

„Das ist eine Spezialanfertigung für euch. In der Schnalle des Gürtels befindet sich ein dünnes, aber enorm stabiles Seil. Es ist 30 Meter lang und trägt etwa 100 kg.“
Inzwischen hatte sich Sarah auch einen dieser Gürtel genommen und ihn näher untersucht. „Cooles Teil, hier befindet sich eine Minitasche an der Seite, mit Minitaschenlampe, Taschenmesser und noch anderem Kram.“
„Kann’s kaum erwarten, den Gürtel einzusetzen“, sagte Dominik voller Tatendrang und legte ihn an.
In diesem Moment begannen einige Meter entfernt zwei Leute, heftig miteinander zu diskutieren.
„Nein, du übertreibst!“, sagte ein junger Mann zu einer Frau, die neben ihm saß und wild gestikulierte.
„Gibt es ein Problem?“, rief Markus und ging auf die beiden zu.
„Ja!“ – „Nein!“, riefen beide gleichzeitig.
„Also, was? Kelsey, was ist los?“
Kelsey erklärte: „Es gibt eine Anomalie in einem unserer Netzwerkknoten. Ich wollte es untersuchen, aber mein geschätzter Kollege Dennis hält mich für paranoid.“
„Es war ja auch nur eine kleine Spannungsspitze“, entgegnete der. „Es gibt keinen Grund zur Panik! Ich habe keine Lust, mich deswegen weiter zu streiten.“ Verärgert stand er auf und verschwand in Richtung Serverfarm.
Doch damit wollte sich Kelsey offenbar nicht zufriedengeben. Sofort sprang sie auf und wollte hinterher. Doch Markus stoppte sie. „Hey! Nun mal langsam. Was genau hast du entdeckt?“
Die Technikerin holte einmal tief Luft und ließ sich wieder auf ihren Stuhl sinken. Dann rief sie auf ihrem Computer eine Übersicht auf, die mehrere Linien und Balken enthielt, und zeigte mit dem Finger auf einen bestimmten Bereich. „Hier. Diese Spannungsspitze wurde automatisch aufgezeichnet. Sie wäre nicht weiter schlimm, wenn sie nicht gerade an einem

unserer Transfernetzwerkknoten aufgetreten wäre, die die Verbindung zur Außenwelt darstellen.“
„Klingt nach einem Sicherheitsproblem“, murmelte Samuel. Plötzlich ging ein lauter Alarm los.
„Was? Was ist denn jetzt los?“, fragte Sarah erschrocken und hielt sich die Ohren zu.
Sofort wandte sich Kelsey wieder ihrem Bildschirm zu, tippte hektisch einige Kommandos und bekam einen Schreck. „Wir werden angegriffen!“
