271551

Page 1


Islam oder

Chr I stentum: Ist Jesus

w I rkl IC h Gott?

Eine Gegenüberstellung

Nabeel Qureshi

Bestseller-Autor von „Allah gesucht– Jesus gefunden“

Papier aus verantwortungsvollen Quellen FSC® C083411

Nabeel Qureshi

Islam oder Christentum: Ist Jesus wirklich Gott?

Eine Gegenüberstellung

Titel des amerikanischen Originals: No God But One: Allah or Jesus?

© 2016 by Nabeel Qureshi

Published by arrangement with The Zondervan Corporation L.L.C., a subsidiary of HarperCollins Christian Publishing, Inc.

Best.-Nr. 271 551

ISBN 978-3-86353-551-3

Es wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Revidierte Elberfelder Bibel, © 1985/1991/2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

Außerdem wurden verwendet: bibel.heute, © 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg (NeÜ).

Neue Genfer Übersetzung NT + PS, © Genfer Bibelgesellschaft, 1032 Romanuel-sur-Lausanne, Schweiz, Erste Auflage 2011 (NGÜ).

Koranzitate nach www.koran-auf-deutsch.de

2. Auflage 2021

© 2017 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de

Satz und Umschlaggestaltung: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg Umschlagmotive: © Shutterstock.com/Apostrophe (Kreuz) und Shutterstock.com/Redberry (Hintergrund)

CPI Books GmbH, Leck

Printed in Germany

Dieses Buch ist David Wood gewidmet, einem wunderbaren und ziemlich verrückten Freund.

11. Fragen zu Jesus als Gott und Mensch

12. Libyens bester Freund

Teil 4: Koran oder Bibel?

Zwei unterschiedliche heilige Schriften

13. Das Verbrennen heiliger Schriften

15. Fragen zu den Texten

16. Die erste Verbrennung

Teil 5: Dschihad oder Kreuzzüge?

Zwei unterschiedliche heilige Kriege

17. Der erste Kreuzzug

18. Vergleich der Überlieferungen über die Religionsgründer

Frage II: Können wir wissen, ob der Islam oder das Christentum wahr ist?

Teil 6: Starb Jesus am Kreuz?

21. Die Argumente dafür Übereinstimmende Aufzeichnungen

22. Die islamischen Einwände Er erschien ihnen nur gleich (einem Gekreuzigten) .

23. Die Beurteilung der islamischen Einwände Der Koran und der historische Jesus

24. Fazit Jesus starb am Kreuz

Teil 7: Stand Jesus von den Toten auf?

25. Die Argumente dafür

Die beste Erklärung der Tatsachen

26. Die islamischen Einwände

Alles die Schuld von Paulus

27. Die Beurteilung der islamischen Einwände

Paulus und die Jünger aus einer angemessenen

Perspektive

28. Fazit

Jesus ist von den Toten auferstanden .

Teil 8: Erhob Jesus den Anspruch, Gott zu sein?

29. Die Argumente dafür

Jesus war schon immer Gott .

30. Die islamischen Einwände

Hat Jesus wirklich gesagt: „Ich bin Gott“?

31. Die Beurteilung der islamischen Einwände

Den Kontext

Zwischenbilanz zu Frage II:

Bewertung der Argumente für das Christentum und der islamischen Versuche, die Ursprünge des Christentums zu erklären

Teil 9: War Muhammad ein Prophet Gottes?

33. Die Argumente dafür Das

34. Die Einwände

Die Gegenbeweise nicht vergessen

35. Die Beurteilung der Einwände

Die Hadithe vs. die historische Wissenschaft

36. Fazit

Das Dilemma des historischen Muhammad

Teil 10: Ist der Koran das Wort Gottes?

37. Die Argumente dafür

Es gibt kein vergleichbares Buch

38. Die Einwände

Wieso ist das ein Wunder?

39. Die Beurteilung der Einwände

Was für eine Art von Buch ist der Koran?

40. Fazit

Es gibt keinen zwingenden Grund, den Koran für das Wort Gottes zu halten

Fazit zu Frage II: Islam oder Christentum? Die Beweislage ist eindeutig

DanKsaGUnG

Viel Herzblut und zahlreiche Arbeitsstunden wurden in dieses Buch investiert. Mein ausdrücklicher Dank gilt dem Team von Zondervan, das mir bei allen Schwierigkeiten immer hilfsbereit zur Seite stand. Besonders möchte ich Madison Trammel danken, der immer da war, wenn ich ihn brauchte, Jesse Hillman, der mit Weitblick die richtige Strategie verfolgte, Brian Phipps, dessen Geduld keine Grenzen kannte, und Stan Gundry, dessen kreative Planung dieses Buch Realität werden ließ. Auch meinem treuen Freund Mark Sweeny möchte ich danken, dessen Weisheit und Einsicht mir zugutekamen. Mein Dank gebührt auch all denen, die mir halfen, dieses Buch zu verbessern: Richard Zetter, Richard Shumack, Matthew Thomas, John Njoroge, Shawn Hart und Betsy Duncan. Ich muss auch meiner geliebten Frau Michelle danken, die mir immer eine liebevolle Ermutigung war und die Zeit tapfer ertrug, in der ich wegen der schriftstellerischen Arbeit nicht bei ihr sein konnte. Dank gebührt auch meiner hübschen Tochter Ayah, die mitten in dieses Buchprojekt hineingeboren wurde und Farbe und Freude in mein Leben gebracht hat. Und zu guter Letzt möchte ich Gott dem Herrn danken. Er hat mir den Antrieb und die Mittel gegeben, die nötig waren, um mich in diese Arbeit zu vertiefen. Ich bete darum, dass dies alles zu seiner Verherrlichung und zum Segen seines Volkes dient. Amen.

Frage I

Was sInD DIe UnterschIeDe

zWIschen

Islam UnD chrIstentUm?

Was sind die Unterschiede zwischen Islam und Christentum?

Im August 2005 machte ich die schmerzhafteste Erfahrung meines Lebens: Ich konnte nicht mehr länger an den Islam glauben. Ich sah keinen anderen Ausweg mehr und musste mich, nachdem ich mich jahrelang vehement gewehrt hatte, endlich doch geschlagen geben.

Als Kind war ich in der Liebe zum Islam erzogen worden. Mit Freude lernte ich ganze Kapitel des Korans auswendig und sagte sie in meinen täglichen Gebeten auf. Jedes Jahr freute ich mich auf das Fasten im Ramadan mit meiner Familie. Ich war begeistert von den frühmorgendlichen Gebeten und den gemeinschaftlichen Abendessen. Jedes Eid-Fest im Kreise meiner erweiterten Familie sehnte ich voller Erwartung herbei. In meinem Leben drehte sich alles um den Islam, und ich war stolz auf mein islamisches Erbe.

Ironischerweise war es gerade mein Vertrauen in den Islam, das meinen Glauben zum Einsturz brachte.

Kurz nach Beginn meines Studiums im Jahr 2001 versuchte ich, einen christlichen Freund an meiner Universität von der Wahrheit des Islams zu überzeugen. Aufgrund von Aussagen, die ich in den Moscheen und von muslimischen Autoritätspersonen gehört hatte, argumentierte ich, dass islamische Lehren nachweislich wahr seien, christliche Lehren hingegen nachweislich falsch. Seine Antworten veranlassten mich, der Sache auf den Grund zu gehen, und diese Nachforschungen dauerten schließlich vier Jahre. Immer wieder entdeckte ich dabei, dass die christliche Lehren nicht zu erschüttern waren, wenn sie historisch überprüft werden konnten. Die Argumente gegen das Christentum, auf die ich mich mein ganzes Leben lang verlassen hatte, erwiesen sich als fehlerhaft und unhaltbar, und das Christentum ließ sich nicht widerlegen.

Was sind die Unterschiede zwischen Islam und Christentum?

Was dann geschah, erschütterte meine Welt und traf mich bis ins Mark. Mein Freund verwendete dieselben kritischen Maßstäbe, die ich an die christlichen Lehren angesetzt hatte, und wandte sie auf den Islam an. Unter dem Gewicht seiner konsequenten Überprüfung zerbröckelten die Fundamente des Islams.

Im Sommer 2005 wurde mir bewusst, dass ich nicht länger an die Schahada glaubte, die muslimische Proklamation: „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad ist sein Gesandter.“ Die Proklamation der Schahada ist die Mindestanforderung an einen Muslim, und ich glaubte einfach nicht mehr daran. Ich hätte sie verzweifelt gern geglaubt, weil alles, was ich liebte, im Islam zu finden war: meine Familie, meine Freunde, meine Kultur, meine Traditionen, mein Erbe. Dem Islam den Rücken zu kehren bedeutete, alles zu opfern, was ich kannte, und die Menschen maßlos zu enttäuschen, die ich am meisten liebte.

Andererseits wirkte das Christentum gar nicht anziehend auf mich. Ich hatte keine christlichen Familienangehörigen, nur drei christliche Freunde. Meine einzigen Erfahrungen beim Besuch von Kirchen hatten einen schlechten Nachgeschmack bei mir hinterlassen. Ich dachte, Weihnachten und Ostern seien heidnische Traditionen, und ich konnte mir mich überhaupt nicht als Christ vorstellen. Ich wollte nicht an das Christentum glauben.

Aber ich merkte, es war zu spät: Ich glaubte schon, dass das Christentum wahr ist, und ich konnte kein Muslim mehr sein, weil ich die Schahada nicht mehr mit aufrichtiger Überzeugung aufsagen konnte. Es ist eine Sache, zwingende Beweise gefunden zu haben, und eine ganz andere, im Glauben aufgrund dieser Beweise zu handeln, besonders wenn der Preis dafür so unerträglich hoch ist.

Am 24. August 2005, als ich nicht länger widerstehen konnte, ging ich vor Jesus auf die Knie und bekannte meinen

Was sind die Unterschiede zwischen Islam und Christentum?

Glauben an ihn. Bald darauf war meine Familie am Boden zerstört, und das nächste Jahr meines Lebens war bei Weitem das schwerste, das ich je ertragen musste. Schon einige Wochen später erhielt ich meine erste Morddrohung. Jetzt, mehr als zehn Jahre später, bekomme ich immer noch gelegentlich Morddrohungen, meine alten Freunde habe ich nie zurückgewonnen und meine Familie ist nie wieder dieselbe geworden. Jeden Tag spüre ich schmerzlich die negativen Auswirkungen meiner Entscheidung.

Wenn ich also Leute sagen höre, dass Islam und Christentum im Grunde dasselbe seien, kann ich mein ungläubiges Erstaunen manchmal kaum unterdrücken. Sind Islam und Christentum dasselbe? Meine Eltern meinen das sicher nicht, und auch niemand von den dutzenden Freunden, die ich verloren habe. Dieses Klischee ist ein Schlag ins Gesicht für die Hunderttausenden von Konvertiten, die den Islam verlassen haben, um zum Christentum überzutreten, und umgekehrt.

Diese Religionen sind nicht nur unterschiedlich, sondern ihre Unterschiede haben noch viel größere Auswirkungen, als ich mir das bei meiner Bekehrung vorgestellt hatte. Ich wusste, dass sich die historischen Lehren der beiden Religionen unterscheiden. Aber Lehren existieren nicht in einem luftleeren Raum. Sie beeinflussen aktiv unsere Weltsicht, die wiederum Einfluss darauf hat, wer wir sind.

Zum Beispiel hat der Gott im muslimischen Verständnis, den wir Allah nennen, andere Eigenschaften als der Gott im christlichen Verständnis. Am offensichtlichsten ist natürlich, dass Allah kein dreieiner Gott ist, während der christliche Gott in drei Personen existiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Vorstellung von der Persönlichkeit Gottes ist im Islam und im Christentum so unterschiedlich, dass das christliche Grundaxiom, „Jesus ist Gott“, vom Durchschnittsmuslim als Gotteslästerung angesehen wird. Obwohl beide Religionen lehren,

Was sind die Unterschiede zwischen Islam und Christentum?

dass es nur einen Gott gibt, zeigt sich bei der Betrachtung der Persönlichkeit Gottes schnell, dass sie eindeutig nicht übereinstimmen.

Und wie Gott unserer Meinung nach ist, hat einen gewaltigen Einfluss auf unsere Sicht der Welt, die er geschaffen hat. Warum hat Gott die Menschen geschaffen: um in inniger Gemeinschaft mit ihnen zu leben oder um sie auf die Probe zu stellen? Was denkt er über sie: Sind sie seine Diener oder seine Kinder? Wie sollen wir nach seinem Willen leben und was ist dabei der Schwerpunkt: die Liebe oder das Gesetz? Was sagt er uns im Hinblick auf das Leben nach dem Tod: Sollen wir ängstlich auf ein unbekanntes Urteil warten oder freudig seiner Gnade vertrauen? Das islamische und das christliche Gottesbild führen zu unterschiedlichen Antworten. Doch unsere Antwort auf diese Fragen entscheidet darüber, wie wir uns, andere Leute und die Welt um uns herum sehen.

Sowohl Muslime als auch Christen glauben, dass es nur einen einzigen Gott gibt – aber ist es Allah oder ist es Jesus? Aus persönlicher Erfahrung und in aller Aufrichtigkeit kann ich Ihnen sagen: Unsere Antwort auf diese Frage hat die Kraft, uns zu verändern.

scharIa oDer evanGelIUm?

Zwei unterschiedliche lösungen

Der WeG zUm leben

Als junger Student war ich stolz darauf, inmitten des großen Chores unterschiedlicher religiöser Ansichten an meiner Universität eine Stimme für den Islam zu sein. Es war schön, dass es verschiedene Ansichten gab, denn das Umfeld lud zum kritischen Denken ein. Wenn wir unsere Ideen und Ansichten darlegten, konnten die anderen unsere Gesichtspunkte anzweifeln oder auch etwas Neues dabei lernen. Und unser aller Geist wurde durch dieses kritische Engagement geschärft. Toleranz bedeutete, immer die Menschen zu akzeptieren, ohne immer ihre Ideen zu akzeptieren.

So passierte es, dass, während ich die liebgewonnenen Glaubensüberzeugungen eines Kommilitonen herausforderte, die allerbeste Freundschaft entstand. David Wood war mit mir im Debattierclub an der Old Dominion University, und als ich sah, dass er in der Bibel las, nutzte ich die Gelegenheit sofort, um die Zuverlässigkeit und genaue Überlieferung der Bibel infrage zu stellen. Aufgrund unserer gemeinsamen Leidenschaft für Gott und die Wahrheit verstanden wir uns sofort, obwohl unsere gegensätzlichen Meinungen stark aufeinander prallten. Wir waren über grundsätzliche Themen immer so unterschiedlicher Meinung, dass wir uns oft zu denselben Vorlesungen anmeldeten, nur damit wir hinten im Hörsaal sitzen und diskutieren konnten.

Aber als sich der Kreis vergrößerte und andere Standpunkte in die Diskussion hineingetragen wurden, war eine interessante Entwicklung zu beobachten. Es begann, als eine agnostische

Scharia oder Evangelium?

Mitstudentin namens Marie zufällig eine unserer Diskussionen mitbekam und sich einschaltete. David und ich fanden uns plötzlich auf derselben Seite wieder und verteidigten unsere gemeinsamen Positionen gegen die neue Gesprächsteilnehmerin.

Dasselbe geschah, als ein buddhistischer Freund namens Zach uns erklärte, warum er Buddhist war: David und ich waren aus denselben Gründen anderer Meinung als er. Wenn wir uns mit Leuten unterhielten, die andere Weltauffassungen hatten, brachten die Diskussionen die Ähnlichkeiten zwischen dem Islam und dem Christentum zum Vorschein.

Ohne Frage stehen sich der Islam und das Christentum innerhalb des breiteren religiösen Spektrums relativ nahe. Sie sind beide monotheistisch, stellen die zwei größten Glaubensgemeinschaften der Welt dar und haben viele Gemeinsamkeiten. Beide lehren einen ewigen, allmächtigen, allwissenden Gott, der der souveräne Herrscher des Universums ist. Es ist der Gott, der die Menschheit aus einem Mann und einer Frau geschaffen hat, doch die Menschheit hat sich von ihm abgewandt. Beide lehren, dass es eine Auferstehung und ein Endgericht geben wird. Bis dahin ist es äußerst wichtig für uns, Gott zu suchen und ihm nachzufolgen.

Die Ähnlichkeiten zwischen dem Islam und dem Christentum gehen jedoch noch tiefer und über die vordergründigen Kennzeichen des Monotheismus hinaus: Beide erheben für sich den Anspruch, von Abraham abzustammen; beide lehren, dass Gott Menschen und Engel als Boten gesandt hat, um die Menschen zu ihm zurückzuführen; beide lehren, dass Gott göttliche Schriften eingegeben hat, um die Menschen zu leiten; beide lehren, dass Satan ein Betrüger ist, der Unachtsame in die Irre führt; und beide lehren, dass sich Gläubige selbstlos umeinander kümmern und den Ungläubigen die Wahrheit verkünden sollen.

Am meisten überrascht vielleicht, dass Jesus in beiden Religionen verehrt wird. Sowohl der Islam als auch das Christentum

Kapitel 1: Der Weg zum Leben

lehren, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde und dass er der größte Wundertäter war, der je gelebt hat. In der Bibel und im Koran heißt es, dass Jesus Aussätzige rein machte, Blinde heilte und sogar Tote auferweckte. Ja, beide Bücher lehren sogar, dass Jesus der Messias ist, und Muslime warten, wie die Christen, auf seine Wiederkunft.

Es steht also außer Frage, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum gibt. Es wäre nicht objektiv, diese Tatsache aus den Augen zu verlieren, insbesondere da die Palette der Weltanschauungen – vom Atheismus bis hin zum Pantheismus – sehr breit gefächert ist, wie David und ich an unserer Universität feststellten.

Der WeG zUm leben: eIn Gesetz oDer eIne Person?

Doch die vielen Ähnlichkeiten bedeuten nicht, dass die Unterschiede unerheblich sind. Menschen und Schimpansen haben zu 95 Prozent die gleiche DNA, aber die übrigen fünf Prozent sind unglaublich wichtig! So verhält es sich auch mit dem Islam und dem Christentum. Sie haben viel DNA gemeinsam und doch ein ganz unterschiedliches Erscheinungsbild.

Bei der Kernbotschaft der jeweiligen Religion kommt der Unterschied am meisten zum Tragen. Im Islam ist der Weg zum Paradies die Scharia, ein Gesetzeskodex, durch dessen Befolgung man sich die Gunst und das Wohlgefallen Allahs verdient. Scharia heißt wörtlich übersetzt „der Weg“. In der christlichen Botschaft, dem Evangelium, ist Jesus der Weg zum ewigen Leben. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben! Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Joh 14,6). Im Islam ist die Scharia der Weg, im Christentum ist es Jesus.

Wie kann es sein, dass in einer Religion der Weg zum Leben ein Gesetz ist und in der anderen eine Person? Um das zu verstehen, müssen wir die Scharia mit dem Evangelium vergleichen.

kapitel 2

verGleIch von scharIa UnD evanGelIUm

DIe IslamIsche WeltanschaUUnG

Das Wort Islam bedeutet „Unterwerfung“, und genau das ist die Botschaft des Islams: Die Menschen sollten sich alle dem souveränen Willen Gottes unterwerfen. Allah, der das Universum geschaffen und alles vorherbestimmt hat, hat die Menschheit zu dem ausdrücklichen Zweck geschaffen, ihn anzubeten (Koran 51,56). Um die Menschheit zu leiten, hat Allah Propheten zu allen Menschen geschickt, um sie aus der Unwissenheit herauszuführen (Koran 4,163-165).

Hier muss man anmerken, dass ein Prophet im Islam nicht dasselbe ist wie in der Bibel. Propheten haben im Islam einen höheren Status als alle anderen Menschen, da sie von Gott ausgewählt wurden, um die Menschheit zu führen. Der Koran bezeichnet mit dem Begriff einen von Gott auserwählten Führer, nicht unbedingt jemanden, der prophezeit.

Adam wird als erster Prophet angesehen. Aber im Koran werden auch Noah, Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, Hiob, Mose, Jona, Aaron, Salomo, David und natürlich Jesus genannt (z. B. Koran 4,163). Da sich alle diese Leute Allah unterworfen hatten, praktizierten sie die Unterwerfung (d. h. den Islam). Somit werden sie als Menschen angesehen, die sich unterwerfen (d. h. Muslime). Auch alle diejenigen, die diesen Propheten nachfolgten, indem sie sich Allah unterwarfen, werden als Muslime angesehen, selbst wenn sie Jahrhunderte oder Jahrtausende vor der Zeit Muhammads lebten.

Kapitel 2: Vergleich von Scharia und Evangelium

Allah offenbarte dem jeweiligen Propheten seine Führung so, wie die Menschen es brauchten und es ertragen konnten. Das Volk von Mose zum Beispiel musste sich gegen den Pharao auflehnen, deshalb offenbarte Allah das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Aber die Nachfolger Jesu sollten friedlich sein, deshalb lehrte Allah sie, „die andere Wange hinzuhalten“. So empfingen Mose und Jesus und auch andere Propheten göttliche Schriften. Engel diktierten ihnen die Offenbarung Allahs, die in Form von Thora, Indschil (Evangelium) und anderen Büchern niedergeschrieben wurde (z. B. Koran 5,46).

Tragischerweise folgten die Menschen nicht treu den Propheten, die Allah zu ihnen gesandt hatte. Deshalb schickte Allah in seiner Barmherzigkeit Muhammad und offenbarte ihm den Koran. Somit gab Allah der Menschheit die endgültige, vollkommene Religion (Koran 5,3). Der Islam ist demnach die Krönung von Judentum, Christentum und allen anderen Weltreligionen, die ursprünglich mit der islamischen Lehre übereinstimmten. Alle Menschen, die nach dem Auftreten Muhammads weiterhin diesen Religionen anhängen, sind entweder irregeleitet oder rebellisch. Am Tag des Gerichts wird keine andere Religion akzeptiert werden als nur die Religion des Islams (Koran 3,81-85).

Der Tag des Gerichts ist die Hauptmotivation, um dem Islam nachzufolgen. Der Koran betont, dass alle Menschen an diesem Tag von Allah für ihre Sünden zur Rechenschaft gezogen werden (Koran 6,164; 17,15; 35,18; 39,7; 53,38). Dieses Verständnis ist tief in der muslimischen Seele verwurzelt: Auch wenn Gott vielleicht gnädig ist und uns von unseren Sünden freispricht, so kann doch niemand für uns eintreten. Muslime müssen das bestmögliche Leben führen, um sich dem Himmel zu nahen, und zu ihrer Errettung auf Gottes gnädiges Urteil hoffen.

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.