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Die biblische Lehre von

ISRAEL

in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Originaltitel:

What the Bible Teaches About Israel: Past, Present and Future. An Abridged Version of Israelology: The Missing Link in Systematic Theology © 2019 by Ariel Ministries USA P.O. Box 792506, San Antonio, TX 78379-2507 www.ariel.org

Die biblische Lehre von Israel in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Arnold G. Fruchtenbaum

1. Auflage 2024

© 2024 Ariel Ministries Deutschland Christlicher Medienvertrieb Hagedorn Postfach 30 04 30, 40404 Düsseldorf www.cmv-duesseldorf.de info@cmv-duesseldorf.de

Revision: Christiane Jurik, M.A. Übersetzung: Lars Kilian Satz und Cover Design: Susanne Martin Druck: AALEXX Druck Produktion ISBN 978-3-96190-116-6

Die Bibelzitate entstammen der Revidierten Elberfelder Bibel [RELB] (© 1985/1991 R. Brockhaus Verlag). Allerdings wurde [entsprechend dem engl. Original] das Wort Christus durch Messias ersetzt, der Name Jesus durch die hebräische Namensform Jeschua.

Wenn im Englischen der Name Jehovah verwendet wurde, haben wir ihn in durch Herr (in Kapitälchen) bzw. durch Jahwe ersetzt. Des Weiteren sprechen wir im Deutschen – übereinstimmend mit dem Bibeltext – meistens von der Gemeinde, nicht von „Kirche“ (es sei denn, der Kontext legt dies nahe).

Gelegentlicher Zugriff auf Fußnoten der RELB wurde nicht gesondert gekennzeichnet.

Außerdem wurde der Text gelegentlich an die vom Autor verwendete Bibelausgabe (American Standard Version [ASV], 1901) angepasst und wörtlich aus dem Englischen übersetzt. Dies haben wir i.d.R. durch [eckige Klammern] gekennzeichnet. Des Weiteren wurde der Bibeltext an die Neue deutsche Rechtschreibung angepasst.

Aufgrund unterschiedlicher Verszählung im Deutschen und Englischen weichen die Stellenangaben der dt. Ausgabe hier und da vom engl. Original dieses Buches ab. Offenkundig falsche Stellenangaben bei Zitaten wurden stillschweigend korrigiert.

Es sei darauf hingewiesen, dass „Nichtjuden“, „Heiden“ und „Nationen“ i.d.R. als Synonyme verwendet werden.

Bei der Transkription hebräischer Worte folgen wir nicht immer dem Englischen; wir haben eine möglichst einfache Umschrift gewählt, um keine unnötigen Leseprobleme hervorzurufen. Wer Hebräisch beherrscht, kann problemlos das fragliche Wort erkennen; alle anderen erhalten eine Vorstellung von der Aussprache, ohne unnötig verwirrt zu werden.

Quellenangaben: Quellen, die lediglich unter ihrem engl. Titel genannt werden, liegen unseres Wissens nicht auf Deutsch vor.

Der Einfachheit halber beschränken wir uns bei der Anrede auf das Maskulinum (z.B. „der Einzelne wird errettet“). Es versteht sich von selbst, dass das Femininum genauso eingeschlossen ist.

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Publikation darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Herausgebers übersetzt, reproduziert, verteilt oder in jedweder Form und durch jedwedes Mittel (einschließlich Fotokopie, Aufzeichnung oder elektronischer oder mechanischer Methoden) übertragen werden. Ausgenommen sind kurze Zitate in Rezensionen und gewisse andere nicht-kommerzielle Verwendungen, die vom Urheberrecht eingeräumt werden. Für Genehmigungen wende man sich an den deutschen Herausgeber oder direkt ans amerikanische Hauptquartier (Ariel Ministries, P.O. Box 792507, San Antonio, TX 78279-2507, USA; www.ariel.org)

Dieser Band ist gewidmet an Dr. Charles Caldwell Ryrie,

der mich das Studium der Systematischen Theologie lieben gelehrt und mir gezeigt hat, wie ein Fach, das ich für langweilig gehalten hatte, zur interessantesten aller biblischen Studien werden konnte. Doch nicht nur, dass er im Lehrsaal die Tiefe seines biblischen Wissens mit mir geteilt und seine reiche theologische Kenntnis an mich weitergegeben hat; er hat mir auch aufrichtig eine ausgeglichene geistliche Lebensführung gezeigt, indem ich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Hörsaales beobachten durfte, wie sein eigenes Alltagsleben mit seiner Lehre übereinstimmte. Für mich wurde er zum Vorbild eines Mannes, der auslebte, was er predigte und lehrte. Meine Schuld ihm gegenüber ist groß, und voller Zuneigung ist ihm diese theologische Abhandlung gewidmet.

c.

e.

g.

3. Der Davidsbund 88

4. Der Neue Bund 90

5. Zusammenfassung: Die bedingungslosen Bundesschlüsse mit Israel 93

C. Israels bedingter Bund 94

1. Der Mosaische Bund 94

2. Das Gesetz Moses 96

a. Zweck und Absichten des Gesetzes 97

b. Beschneidung 100

c. Der Sabbat 100

3. Zusammenfassung: Der Mosaische Bund und das Gesetz 107

D. Der Überrest Israels 108 Israel in der Gegenwart 111

A. Der Plan Gottes bezüglich der Aufrichtung Seines Reiches 111

1. Das universelle bzw. ewige Königreich 114

2. Das geistliche Königreich 115

3. Das theokratische Königreich 116

4. Das Messianische bzw. Tausendjährige Reich (Das Millennium) 116

5. Das Geheimnis des Reiches Gottes 117

6. Zusammenfassung: Der Plan von Gottes Reich 120

B. Die Ablehnung der Messianität Jeschuas 123

1. Matthäus 12,22-45 125

2. Johannes 11,1-57 129

3. Lukas 19,41-44 131

4. Matthäus 23,1-36 131

5. Das zweite Zeichen Jonas 133

6. Ergebnisse und Konsequenzen der Ablehnung 133

C. Die bedingungslosen Bundesschlüsse 137

1. Der Abrahamsbund 138

2. Der Landbund 140

3. Der Davidsbund 142

4. Der Neue Bund 142

5. Die Gemeinde und die bedingungslosen Bundesschlüsse 143

6. Die nichtjüdische Verpflichtung 146

7. Zweck und Absicht der Rettung von Nichtjuden 146

D. Der Mosaische Bund und das Gesetz Moses 149

1. Die Einheitlichkeit vom Gesetz Moses 15,

2. Das Gesetz Moses ist unwirksam gemacht worden 152

3. Das Gesetz des Messias 160

4. Das Prinzip der Freiheit 161

5. Der Sabbat 162

a. Gehört der Sabbat zur Schöpfungsordnung? 163

b. Der ewige Bestand des Sabbats 165

c. Das Gesetz Moses ist außer Kraft gesetzt 167

d. Die Aufteilung in zeremonielle, bürgerliche und moralische Gebote 167

e. Ist das Sabbatgesetz moralisch oder zeremoniell? 169

f. Schlussfolgerung 170

g. Der Sabbat im Neuen Testament 175

h. Sonntag 182

E. Israel und die Gemeinde 189

1. Die Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde 190

a. Die Geburt der Gemeinde 190

b. Voraussetzungen für die Errichtung der Gemeinde 191

c. Der Geheimnis-Charakter der Gemeinde 192

d. Das Konzept des einen neuen Menschen 193

e. Drei klar voneinander abgegrenzte Gruppen 193

f. Die Gemeinde wird niemals „Israel“ genannt 193

2. Die Verwendung des Wortes Israel im Neuen Testament 194

3. Das Israel Gottes aus Galater 6,16 198

4. Messianisch-jüdische Identität: Zwei falsche Konzepte 207

a. „Nichtjüdische Gläubige sind geistliche Juden“ 207

b. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden“ 219

c. Schlussfolgerung 221

F. Israel heute 222

1. Die zwei internationalen erneuten Sammlungen 223

2. Tabelle: Die zwei erneuten Sammlungen 227

G. Römer 9,1 – 11,24: Der Überrest und der Ölbaum 228

1. Petrus 2,1-10 228

Römer 9,1 – 11,24 231

a. Einleitung 232

b. Die Theologie der Ablehnung Israels – Römer 9,1-29 234

c. Die Erklärung der Ablehnung Israels –Römer 9,30 – 10,21 243

d. Der Trost der Ablehnung Israels – Römer 11,1-24 251

H. Messianische Juden 258

1. Definitionen 261

a. Jüdische Identität: Wer ist ein Jude? 261

b. Heidnische Identität: Wer ist ein Heide? 264

c. Christliche Identität: Wer ist ein Christ? 265

d. Messianisch-jüdische Identität 266

2. Die messianisch-jüdischen Kennzeichen

268

a. Der Abrahamsbund 268

b. Die Lehre vom Überrest 270

c. Die Lehre vom Ölbaum 270

d. Die Lehre vom Israel Gottes 271

e. Schlussfolgerung 272

3. Die kennzeichnende Praxis messianisch-jüdischer Identität 272

I. Die messianisch-jüdischen neutestamentlichen Schriften 277

Israel in der Zukunft 281

A. Israel und das Zeitalter der Gemeinde 281

B. Israel und die Trübsal 283

1. Absichten der Trübsal 284

2. Israel und der Beginn der Trübsal 285

3. Israel in der Trübsal 287

a. Die Zeit der Bedrängnis für Jakob 287

b. Allgemeine Schilderung 287

c. Die Abschnitte über den Tag des Herrn 288

d. Weltweiter Antisemitismus und Verfolgung der Juden 288

e. Israel und Satan 290

f. Das Ergebnis 290

g. Israel und Michael 291

h. Die vier Gruppen der Juden 291

i. Die Zufluchtsstadt 292

4. Der Überrest Israels 295

a. Der Überrest Israels während der Trübsal 295

b. Der gläubige Überrest 295

C. Israel und das Zweite Kommen 298

1. Die Grundlage für das Zweite Kommen des Messias 298

2. Die nationale Wiedergeburt Israels und Römer 11,25-36 301

a. Das Bekenntnis der nationalen Sünde Israels 301

b. Römer 11,25-36 303

c. Das Flehen um die Rückkehr des Messias 306

3. Der Überrest Israels 308

4. Das Gericht über die Heidenvölker 309

5. Die Auferstehung der Heiligen des Alten Testaments 311

D. Israel und das Messianische Reich 311

1. Die Grundlage für den Glauben an das Messianische Reich 311

2. Die vier Facetten der finalen Wiederherstellung Israels 314

a. Die Wiedergeburt Israels 314

b. Die erneute Sammlung Israels 317

c. Die Inbesitznahme des Landes 319

d. Die erneute Aufrichtung vom Thron Davids

3. Weitere Charakteristika der finalen Wiederherstellung Israels

a. Wiedervereint als Nation

b. Das Zentrum nichtjüdischer Aufmerksamkeit

c. Israel über die Nichtjuden 328

d. Gerechtigkeit, Heiligkeit, Frieden, Sicherheit, Freude und Wonne

4. Der tausendjährige Berg des Hauses des Herrn

5. Der tausendjährige Tempel

6. Das tausendjährige System der Priesterschaft und der Opfer

7. Der tausendjährige Strom

8. Das tausendjährige Israel 335

9. Das tausendjährige Jerusalem

10. Der Überrest Israels

E. Israel und die Ewigkeit

A. Die symbolischen Darstellungen Israels

1. Der Sohn Gottes

2. Der Schatz Gottes

3. Das Königreich von Priestern

4. Der Weinberg des Herrn

5. Der Ton und der Töpfer

6. Der Knecht des Herrn

7. Die Herde Gottes

8. Das Erbteil Gottes

9. Die Gemahlin des Herrn 353

10. Zusammenfassung: Die symbolischen Darstellungen Israels

B. Antisemitismus

1. Die Ursache für Antisemitismus 362

2. Antisemitismus und der Abrahamsbund

C. Israelologie und Systematische Theologie

1. Bibliologie: Die Lehre von der Heiligen Schrift

a. Wörtliche Prophetie plus wörtliche Erfüllung: Pschat

b. Wörtlich plus typisch: Remez

c. Wörtlich plus Anwendung: Drasch

d. Summation: Sod

e. Schlussfolgerung

2. Eigentliche Theologie: Die Lehre von Gott

3. Christologie: Die Lehre vom Sohn

4. Pneumatologie: Die Lehre vom Heiligen Geist

5. Eigentliche Angelologie: Die Lehre von den heiligen Engeln 376

6. Satanologie: Die Lehre von Satan 377

7. Dämonologie: Die Lehre von den gefallenen Engeln 377

8. Anthropologie: Die Lehre vom Menschen 377

9. Hamartiologie: Die Lehre von der Sünde 377

10. Soteriologie: Die Lehre vom Heil 378

11. Ekklesiologie: Die Lehre von der Gemeinde 381

12. Eschatologie: Die Lehre von den letzten Dingen 386 Zusammenfassung: Der Einfluss der Israelologie auf die übrigen Teilbereiche der Systematischen Theologie

Tabellen, Diagramme, Karten und Bilder

TABELLEN

Tabelle 1 Eine Systematische Theologie einschließlich der Lehre von Israel 25

Tabelle 2 Überblick zu den acht Bundesschlüssen der Bibel 57

Tabelle 3 Die Auserwählung Israels 74

Tabelle 4 Die vier bedingungslosen Bundesschlüsse mit Israel 92

Tabelle 5 Die Facetten der bedingungslosen Bundesschlüsse mit Israel 92

Tabelle 6 Wie der Abrahamsbund im Land-, Davids- und Neuen Bund weiterentwickelt wird 93

Tabelle 7 Die Facetten, Absichten und Beschneidung des Mosaischen Bundes 107

Tabelle 8 Die fünf Facetten im Plan von Gottes Reich 122

Tabelle 9 Zusammenfassung: Die zwei erneuten internationalen Sammlungen 227

Tabelle 10 Die symbolischen Darstellungen Israels in der Bibel 360

Tabelle 11 Wie Israelologie die übrigen Teilbereiche der Systematischen Theologie beeinflusst 387

DIAGRAMME

Diagramm 1 Die bedingungslosen Bundesschlüsse 62

Diagramm 2 Die Bundesschlüsse und die Heilszeiten 63

Diagramm 3 Verbindung der Gleichnisse mit dem Geheimnis des Reiches Gottes 120

Diagramm 4 Die fünf Facetten im Plan von Gottes Reich 122

Diagramm 5 Der chronologische Ablauf endzeitlicher Ereignisse 283

KARTEN

Karte 1 Lokalisation der Zufluchtsstadt im heutigen Jordanien 294

Karte 2 Das tausendjährige Jerusalem und der Strom, dessen Quelle im Tempelbereich liegt

Karte 3 Israel im Messianischen Reich 340

BILDER

Bild 1 Der tausendjährige Tempel 330

Bild 2 Der Altar vor dem tausendjährigen Tempel gemäß der Schilderung in Hesekiel 43 333

Einleitung

Das Thema „Israel“ gehört zu den Hauptstreitpunkten der heutigen evangelikalen Theologie – und zwar sowohl unter Arminianern als auch unter Calvinisten. Die Haltung eines Theologen zu Israel legt fest, ob er Bundes-Theologe oder Dispensationalist ist – und auch, welchem Zweig der Bundes-Theologie er folgt: Postmillennialismus, Amillennialismus oder Prämillenialismus. Für eine angemessene Systematische Theologie ist die Israel-Frage von zentraler Bedeutung. Paulus’ Sendschreiben an die Römer enthält die erste Systematische Theologie der Kirchengeschichte; und in der Mitte seines Briefes erörtert der Apostel dieses Thema, indem er Israel ganze drei von sechzehn Kapiteln widmet (Röm 9 – 11). Indes gibt es zwar heute viele Systematische Theologien, die sämtliche Bereiche biblischer Wahrheit klassifiziert haben; aber bisher hat noch keine von ihnen die Israelologie als Bestandteil ihres Systems entwickelt. Ziel des vorliegenden Werkes ist es, diese Lücke zu schließen.

A. Die Absichten dieses Werkes

Die hier vorliegende gekürzte Fassung basiert auf der ausführlicheren Dissertation des Autors unter dem Titel Israelologie: Fehlendes Bindeglied der Systematischen Theologie (im Original veröffentlicht bei Ariel Ministries, USA).1 Sie beabsichtigt die Identifizierung und Systematisierung der Lehre von Israel in vier protestantisch-konservativen/evangelikalen Systematischen

1 Originaltitel: Israelology: The Missing Link in Systematic Theology

Theologien. Das beinhaltet eine Identifizierung und Zusammenfassung der fraglichen vier Lehrmeinungen sowie der jeweiligen Systematischen Theologie, auf welcher sie aufgebaut sind. Außerdem soll gezeigt werden, wo die Israelologie in den Rahmen einer vollumfänglichen Systematischen Theologie hineinpasst. Darum geht es in Teil 1 unseres Buches. In Teil 2 entwickelt und systematisiert der Autor eine Israel-Theologie innerhalb von und in Übereinstimmung mit der von ihm übernommenen Systematischen Theologie: dem klassischen Dispensationalismus.

Diese zwei Absichten schließen folgende Ziele mit ein:

1. Zusammenfassung der Bundes-Theologie des Prä-, Post- und Amillennialismus in Bezug auf die Israelologie;

2. Zusammenfassung des Dispensationalismus in Bezug auf die Israelologie;

3. Entwicklung einer Israelologie auf der Grundlage dispensationalistischer Prinzipien in jenen Bereichen, wo die Quellen noch nichts zur Verfügung gestellt haben – dieser Punkt wird nach Hoffnung des Verfassers einen Hauptbeitrag zur fraglichen Denkschule leisten;

4. Feststellung der Tatsache, wie ein theologisches System zu AntiSemitismus, Pro-Semitismus oder Gleichgültigkeit gegenüber diesem Thema führen kann.

B. Begriffsdefinitionen

Da diese gesamte Studie fortwährend gewisse Schlüsselbegriffe heranzieht, sollte deren Definition einen Bestandteil der Einleitung bilden. Die im vorliegenden Kapitel gebotenenen Deutungen der Ausdrücke dienen als Arbeitsdefinitionen für alle nachfolgenden Kapitel.

Systematische Theologie

Der verstorbene Theologe Lewis Sperry Chafer definierte diesen Begriff als „Wissenschaft, die einem menschlich ersonnenen Schema bzw. einer von Menschen entworfenen Ordnung lehrmäßiger Entwicklung folgt und behauptet, die gesamte Wahrheit über Gott und Sein Universum

aus jedweder möglichen Quelle in ihr System einzubinden“.2 Entwickelt werden Systematische Theologien für gewöhnlich durch „das Sammeln, systematische Anordnen, Vergleichen, Darstellen und Verteidigen sämtlicher Fakten betreffs Gott und Seiner Werke aus jedweder möglichen Quelle“.3

Israelologie

Bezieht sich auf ein Teilgebiet der Systematischen Theologie, das sämtliche theologischen Lehren betreffs des Volkes Israel berücksichtigt.

Israel

Das vorliegende Werk betrachtet „Israel“ theologisch als Bezugnahme auf sämtliche Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs (auch bekannt als die Juden, das jüdische Volk, Israeliten, Hebräer usw.).4 Der Begriff beschränkt sich nicht auf den heutigen politischen Nationalstaat im Nahen Osten (der nur einen Teil des Ganzen bildet); auch ist er nicht allein auf diejenigen eingegrenzt, die der Religion des Judentums anhängen.

Hermeneutik

Lässt sich als „die Wissenschaft und Kunst der Bibelauslegung“ definieren.5 Diese Wissenschaft lehrt „die Prinzipien, Gesetze und Methoden der Interpretation“.6

Dispensationalismus

Das vorliegende Werk folgt Charles C. Ryries Definition dieses Begriffs:

Dispensationalismus ist jenes System der Theologie, welches … die Welt als einen von Gott geführten Haushalt betrachtet. In dieser Haushalt-Welt dispensiert7 oder verwaltet Gott deren Angelegenheiten gemäß Seinem eigenen Willen und in unterschiedlichen Offenbarungsstadien innerhalb des Ablaufs der Zeit. Diese

2 Lewis Sperry Chafer, Systematic Theology, 8 Bde. (Dallas, TX: Dallas Seminary Press, 1947), Bd. 1, S. 5.

3 Ebd., S. 6.

4 Ebd., Bd. 7, S. 205-206.

5 Bernard Ramm, Protestant Biblical Interpretation (Boston, MA: W. A. Wilde, 1956), S. 1.

6 Louis Berkhof, Principles of Biblical Interpretation (L. Berkhof, 1950; hrsg. als Nachdruck, Grand Rapids, MI: Baker Book House, 1958), S. 11.

7 D.h. verteilt (Anm. d. Übers.)

unterschiedlichen Stadien markieren die klar voneinander unterscheidbaren Haushaltungen in der Ausführung Seiner Gesamtabsicht; und diese Haushaltungen sind die Dispensationen8.9

In diesem System gibt es normalerweise (jedoch nicht immer) sieben solcher Dispensationen: das Zeitalter der Unschuld bzw. Freiheit, das Zeitalter des Gewissens bzw. der Selbstbestimmung, das Zeitalter der bürgerlichen Regierung, das Zeitalter der Verheißung bzw. Regentschaft der Patriarchen, das Zeitalter des Gesetzes, das Zeitalter der Gnade und das Zeitalter des Reiches bzw. das Millennium10.

Bundes-Theologie

Laut Darstellung dieses theologischen Systems „wird die ganze Heilige Schrift von zwei Bünden abgedeckt: (1) dem Bund der Werke; und (2) dem Bund der Gnade“.11 Ein solches System der Theologie gründet demnach auf den zwei Bünden der Werke und der Gnade „als beherrschenden Kategorien für das Verständnis der gesamten Bibel“.12

Das Millennium bzw. das Tausendjährige [Friedens-]Reich

Das Fremdwort „Millennium“ bedeutet „tausend Jahre“. Laut dem verstorbenen Theologen Dr. John F. Walvoord (ehemaliger Präsident des Dallas Theological Seminary) wird dieser tausendjährige Zeitraum „oft mit den vielen Verheißungen des Alten Testaments über ein kommendes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens auf der Erde gleichgesetzt, in welchem die Juden die Führer sein und in welchem alle Nationen große Segnungen sowohl geistlicher als auch ökonomischer Art empfangen werden“.13 Das vorliegende Werk bezeichnet diese Zeit auch als das Messianische Reich.

Prämillennialismus

Dieses System der Theologie „hält an der Lehre fest, dass das Zweite Kommen Christi dem Tausendjährigen Reich vorausgeht“.14 Es lehrt, „dass

8 Auch Heilszeiten genannt (Anm. d. Übers.).

9 Charles C. Ryrie, Dispensationalism Today (Chicago, IL: Moody Press, 1965), S. 31.

10 Auch das Tausendjährige [Friedens-]Reich genannt (Anm. d. Übers.).

11 George N. M. Collins, Stichwort „Covenant Theology“, in Baker’s Dictionary of Theology (Grand Rapids, MI: Baker Book House, 1960), S. 144.

12 Ryrie, Dispensationalism Today, S. 177.

13 John F. Walvoord, The Millennial Kingdom (Findlay, OH: Dunham, 1959), S. 4.

14 Charles L. Feinberg, Premillennialism or Amillennialism? (New York, NY: American Board of Missions to the Jews, 1961), S. 1.

Christus in der Folgezeit Seines Zweiten Kommens für tausend Jahre auf Erden regieren wird. Als Begriff leitet Prämillennialismus seine Bedeutung von dem Glauben ab, dass sich das Zweite Kommen Christi vor [Lat. prä-] diesem Tausendjährigen Reich [Millennium] ereignen wird.“15 Alle Dispensationalisten folgen dieser Haltung, wohingegen nur ein Bruchteil der Bundes-Theologen diese Sichtweise vertritt.

Postmillennialismus

Dieses System der Theologie „lehrt, dass das Zweite Kommen Christi auf die tausend Jahre des Friedens und der Gerechtigkeit folgen wird“.16 Der Name spiegelt die Lehre, dass der Messias nach [Lat. post-] dem Millennium zurückkehren werde. Laut Walvoord vertritt der Postmillennialismus, „dass das gegenwärtige Zeitalter mit einer Periode großen geistlichen Segens enden wird; sie entspricht den tausendjährigen Verheißungen, die durch die Predigt des Evangeliums erreicht werden“.17 Die ganze Welt werde noch vor der Rückkehr des Messias christianisiert und zur Unterwerfung unter das Evangelium gebracht. Diese Sichtweise wird von einem Bruchteil der Bundes-Theologen vertreten.

Amillennialismus

Dieses theologische System „verwirft jegliche Vorstellung einer tausendjährigen Zeitspanne sowohl vor als auch nach der Rückkehr Christi“.18 Seine Lehre besagt: „Das einzige von der Gemeinde zu erwartende sichtbare Kommen Christi auf diese Erde geschieht zum Gericht, und darauf folgt die Ewigkeit.“19 Man bezeichnet es als amillennialistisch [a- = Verneinung], weil es die Lehre eines Tausendjährigen Reiches ablehnt. Die meisten Bundes-Theologen heutzutage sind Amillennialisten.

15 Walvoord, a.a.O., S. 5.

16 Charles C. Ryrie, The Basis of the Premillennial Faith (New York, NY: Loizeaux Brothers, 1953), S. 13.

17 Walvoord, a.a.O., S. 7.

18 Feinberg, a.a.O., S. 1.

19 Oswald T. Allis, Prophecy and the Church (Oswald T. Allis, 1945; hrsg. als Nachdruck, Nutley, NJ: Presbyterian & Reformed Publishing Co., 1974), S. 2.

C. Einordnung der Israelologie in die Systematische Theologie

Die in ihrer logischen Reihenfolge aufgeführten Hauptbereiche einer Systematischen Theologie, wie man sie in sämtlichen Systematischen Theologien antrifft, sind folgende:

Bibliologie

Eigentliche Theologie

Christologie

Pneumatologie

Angelologie

Satanologie

Dämonologie

Anthropologie

Hamartiologie

Soteriologie

Ekklesiologie

Eschatologie

Die Lehre von der Bibel

Die Lehre von Gott, der Trinität, dem Vater

Die Lehre vom Sohn

Die Lehre vom Heiligen Geist

Die Lehre von den Engeln

Die Lehre von Satan

Die Lehre von den Dämonen

Die Lehre vom Menschen

Die Lehre von der Sünde

Die Lehre vom Heil bzw. der Errettung

Die Lehre von der Gemeinde

Die Lehre von den letzten Dingen

All diese Kategorien wird man in jedem Werk der Systematischen Theologie vorfinden, und jedes Element wird dort vollständig entwickelt und systematisiert (wenn auch nicht immer in der oben angeführten Reihenfolge). Man wird jedoch feststellen, dass die Israelologie als weiterer Hauptbereich fehlt. Was davon überhaupt existiert, wird in sämtlichen Systematischen Theologien nur teilweise entwickelt. In der Bundes-Theologie ist diese Entwicklung minimal. Im Dispensationalismus wird das Thema lediglich im zukünftigen Aspekt vollständig aufgerollt, nicht jedoch in seinen Aspekten der Vergangenheit und Gegenwart.

Logischerweise muss Israelologie unmittelbar vor der Ekklesiologie eingeordnet werden und derselben Entwicklung folgen. Sowohl Israel als auch die Gemeinde sind ein Volk Gottes; historisch gesehen jedoch geht Israel der Gemeinde voraus. Wie Ekklesiologie in ihren Aspekten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ausgearbeitet worden ist, muss das auch mit der Israelologie geschehen. Erst dann ist die Systematische Theologie wirklich vollständig.

Eine wahrhaft vollständige Systematische Theologie

Bibliologie

Eigentliche Theologie

Christologie

Pneumatologie

Angelologie

Satanologie

Dämonologie

Anthropologie

Hamartiologie

Soteriologie

Israelologie

Ekklesiologie

Eschatologie

Die Lehre von der Bibel

Die Lehre von Gott, der Trinität, dem Vater

Die Lehre vom Sohn

Die Lehre vom Heiligen Geist

Die Lehre von den Engeln

Die Lehre von Satan

Die Lehre von den Dämonen

Die Lehre vom Menschen

Die Lehre von der Sünde

Die Lehre vom Heil bzw. der Errettung

Die Lehre von Israel

Die Lehre von der Gemeinde

Die Lehre von den letzten Dingen

Tabelle 1: Eine Systematische Theologie einschließlich der Lehre von Israel

Teil 2

Eine Israelologie für den Dispensationalismus

Einleitung

Teil 1 dieser Studie hat uns einen Überblick zur Israelologie in den drei Schulen der Bundes-Theologie verschafft, die allesamt auf dem Bund der Gnade basieren – eine Tatsache, welche die Befürworter dieser Denkschulen zur Anwendung einer allegorischen Hermeneutik und zur Gleichsetzung der Gemeinde mit Israel zwingt. Dadurch wird die Entwicklung einer ausgewachsenen Israelologie eingeschränkt. Es sind nicht alle drei Schulen gleichermaßen schuldig; sie unterscheiden sich nämlich darin, in welchem Ausmaß sie allegorische Hermeneutik anwenden und an welchem Punkt bei ihnen Israel zur Gemeinde wird. Unter den drei

Theologien ist die Israelologie im Bundes-Amillennialismus am wenigsten ausgeprägt, während sie im Bundes-Prämillennialismus die umfassendste Ausprägung aufweist. Der Bundes-Postmillennialismus fällt ziemlich genau in die Mitte. Hinsichtlich Darreichung einer klar erkennbaren Israelologie indessen haben sich alle drei als inadäquat erwiesen. Demzufolge hat uns die Suche nach einer vollständig entwickelten Lehre von Israel zum Dispensationalismus geführt.

Weil nur er sowohl eine konsequente Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde vornimmt als auch auf der konsequenten Anwendung einer wörtlichen bzw. einfachen Hermeneutik beharrt, räumt allein er die Möglichkeit einer voll entwickelten Israelologie als eigenständigem Bereich der Systematischen Theologie ein. Doch vor Veröffentlichung der ursprünglichen Doktorarbeit des Autors unter dem Titel Israelologie: Fehlendes Bindeglied der Systematischen Theologie (1989 [in engl. Sprache]) hatte diese Schule darin versagt.

A. Die Defizite des Dispensationalismus

Der Dispensationalismus ist nicht an einen „Bund der Gnade“, sondern lediglich an den Text der Heiligen Schrift gekettet; darum lässt er zu, dass die Gemeinde wirklich die Gemeinde und Israel tatsächlich Israel ist. Unter den theologischen Systemen bietet er als einziges eine Grundlage für eine vollwertige Israelologie. Dass er eine solche allerdings dermaßen lange nicht hervorgebracht hat, hat zu einiger Verwirrung und Inkonsequenz geführt. Nachfolgend etliche Einzelheiten dazu.

Betreffs Israel in der Vergangenheit liegt eine Hauptschwäche des Dispensationalismus im Fehlen einer klaren Abgrenzung zwischen den physischen und den geistlichen Segnungen und Verheißungen der jüdischen Bundesschlüsse, was seinerseits ein Scheitern im Verständnis der nichtjüdischen Rolle bei und Teilhabe an den geistlichen Segnungen dieser Bünde zur Folge hat. Das ist die Wurzel hinter der von einigen Dispensationalisten vertretenen Ansicht, es gebe eigentlich zwei neue Bünde, nicht nur einen. Im Großen und Ganzen jedoch ist „Israel in der Vergangenheit“ immerhin der am zweitbesten entwickelte Bereich des Dispensationalismus.

Sein schwächstes Gebiet ist Israel in der Gegenwart; in ihm wird die beharrliche Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde nicht völlig konsequent angewandt. Weil Dispensationalisten davon ausgehen, Gottes Plan für Israel könne niemals zeitgleich mit Seinem Plan für die Gemeinde operieren, messen einige dem heutigen Israel keinerlei prophetische Bedeutung bei (obwohl die Mehrheit das tut). Selbst sie äußern manchmal, Messias-gläubige Juden verlören ihre jüdische Identität, sobald sie Teil der Gemeinde werden. Eine solche Aussage ist jedoch unvereinbar mit den fundamentalen Grundprinzipien dieser Lehre. – Eine weitere Unstimmigkeit betrifft die Sabbatgesetze. Obwohl Dispensationalisten anerkennen, dass diese Gesetze nicht mehr länger anwendbar sind, beharren einige von ihnen auf einer verpflichtenden Einhaltung des Sonntags. Trotz seiner sehr klaren Aussagen über die Existenz eines jüdischen Überrestes in unseren Tagen fehlt es dem Dispensationalismus an Übereinstimmung betreffs der Beziehung dieses Überrestes zur Gesamtheit bzw. dem Gemeinwesen Israels. Eindeutig fehlt die Erkenntnis, dass der Überrest immer ein Teil Israels und nicht etwa davon geschieden ist; dass es durchaus möglich ist, gleichzeitig ein Teil Israels und auch ein Teil der Gemeinde zu sein. Dies wiederum führt zu Verwirrung auf weiteren Gebieten. So beharren Dispensationalisten zwar darauf, dass der Abrahamsbund wahrlich sowohl ewig als auch bedingungslos ist und dass die Beschneidung das Bundeszeichen darstellt. Darin enthalten ist nun der folgende klare

Hinweis: Während für Nichtjuden keinerlei Beschneidungspflicht besteht, ist die Beschneidung für Juden sehr wohl verpflichtend. Doch sogar Dispensationalisten erheben den Aufschrei „Galatertum!“, wenn jüdische Gläubige ihre Söhne am achten Tag rituell beschneiden lassen. –Ein weiteres Beispiel für Verwirrung und Inkonsequenz betrifft die Frage messianisch-jüdischer Gemeinden, die einen im Wesentlichen eher jüdischen als nichtjüdischen Anbetungs- und Gottesdienststil formulieren. Sogar einige Dispensationalisten behaupten, allen anderen Nationalitäten seien ethnische Gemeinden erlaubt; jedoch sei es jüdischen Gläubigen verboten, ethnisch-jüdische Gemeinden zu haben. Auch mangelt es an Interesse daran, ob jüdische Gläubige denn noch jüdisch sein und ihre jüdische Identität praktizieren dürfen.

Nochmals: Dieser Bereich ist die größte Schwäche des Dispensationalismus und am wenigsten entwickelt. Hinsichtlich jüdischer Fragen für die Gegenwart klingen viele Dispensationalisten genau wie Bundes-Theologen!

Israel in der Zukunft ist im Dispensationalismus als Teilbereich der Israelologie am weitesten entwickelt; für ihn ist dieses theologische System auch am bekanntesten. Deswegen ruft der Begriff Dispensationalismus in den Gedanken vieler Zeitgenossen eher das Konzept von Prophetie als das eines Systems der Theologie hervor. Auch hier gibt es Schwächen, die von der Israelologie aufgelöst werden können. Erstens: Der Dispensationalismus vertritt die Vor-Entrückung; doch ist nicht immer ganz klar, wann vor der Trübsal diese Entrückung stattfinden wird. Das Resultat: Viele lehrten und lehren lediglich aufgrund von Mutmaßungen, mit ihr werde die Trübsal beginnen. Dies ist jedoch gar nicht der Fall; die Trübsal ist ein Teil von Gottes Heilsplan für Israel, nicht für die Gemeinde. Ihr Beginn steht irgendwie in Beziehung zu Israel; die meisten Dispensationalisten jedoch reden nicht klar darüber, wie diese Beziehung aussieht.

Ein zweites Gebiet, auf dem Verwirrung besteht, ist die Beziehung zwischen der nationalen Errettung Israels und dem Zweiten Kommen. Es mangelt an Verständnis dessen, worin eigentlich die Grundlage oder Vorbedingung für dieses Zweite Kommen besteht. Dies wiederum führt zu mangelndem Interesse daran, ob diese nationale Errettung vor oder nach dem Zweiten Kommen stattfindet. Das ist auch der Grund für das Auftreten von Fragen betreffs eines Sondergerichtes über Israel, in welchem entschieden werde, wer gerettet ist und wer nicht. Und doch lehrt der Dispensationalismus, dass ganz Israel gerettet werden wird.

Nur eine eigenständig entwickelte, nicht mit Ekklesiologie und Eschatologie verschmolzene Israelologie kann diese Probleme lösen und diese Fragen beantworten.

B. Lösungsvorschlag

Die Absicht dieses Kapitels besteht nun darin, eine vollständig entwickelte Israelologie zu präsentieren: eine Israelologie für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Neben diesen drei Hauptkategorien werden wir der Vollständigkeit halber noch weitere Bestandteile hinzufügen. Das unter den Überschriften „Israel in der Vergangenheit“ bzw. „Israel in der Zukunft“ zu findende Material war im Großen und Ganzen schon immer Bestandteil des Dispensationalismus; allerdings ist es nicht immer systematisiert worden – und wenn doch, dann nicht zwingend in der hier vorgelegten Ordnung. Das Material unter dem Titel „Israel in der Gegenwart“ wurde größtenteils vom Autor erarbeitet; der Endabschnitt zu weiteren relevanten Themen ist praktisch ausschließlich dessen eigene Entwicklung.

Hauptziel dieses Kapitels ist eine Systematisierung der Israelologie. An zweiter Stelle geht es um eine Besprechung solcher Fragen, die für die Israelologie relevant sind, jedoch im Dispensationalismus bisher aus den oben genannten zwei Gründen noch nicht ausgearbeitet wurden. Während jeder relevante Sachverhalt zumindest erwähnt wird, erhält nicht jeder dieselbe Aufmerksamkeit. Die vom Dispensationalismus bereits entwickelten Bereiche werden lediglich zusammenfassend besprochen (so etwa die Bundesschlüsse und und der Plan der Aufrichtung von Gottes Reich). Der an weiteren Einzelheiten interessierte Leser möge bitte auf die erweiterte Version dieses Werkes zurückgreifen. Detailliert ausgearbeitet werden hier die bisher noch nicht entwickelten Bereiche, insbesondere hinsichtlich „Israel in der Gegenwart“.

Israel in der Vergangenheit

A. Die Auserwählung Israels

Der Umgang mit dem Konzept des Auserwähltseins erfordert zwingend eine Unterscheidung zwischen individueller und nationaler Erwählung. Erstere ist soteriologisch und resultiert in der Errettung des Einzelnen. Diese Art Erwählung gilt für Juden und Nichtjuden gleichermaßen; jeder Mensch, der jemals geglaubt hat – sei er nun Jude oder nicht –, war Gegenstand der individuellen Auserwählung Gottes. Der Israelologie jedoch geht es um nationale Erwählung, weil nur Israel als auserwähltes Volk bezeichnet wird. Diese Erwählung garantiert nicht die Errettung jedes einzelnen Menschen innerhalb der Nation (was allein der individuellen Auserwählung möglich ist). Genausowenig gewährleistet sie die physische Errettung eines jeden Mitglieds der Nation. Es besteht indes voll und ganz die Garantie, dass vollbracht wird, was Gott bei Erwählung der Nation beabsichtigt hat, und dass die auserwählte Nation immer als klar erkennbares Gebilde überleben wird. Gewährleistet ist somit die physische Errettung der Nation und im Falle Israels sogar das nationale Heil. Israels Erwähltsein bildet die Grundlage für seinen Status als auserwähltes Volk.

1. Die Tatsache der Auserwählung Israels

Mehr als die vier ersten Bücher der Bibel betont 5. Mose das Erwähltsein Israels. Die früheste Bezugnahme darauf findet sich in 5. Mose 4,37: Und weil er deine Väter geliebt [hat, darum hat er {ihren Samen} nach ihnen erwählt, und darum] hat er dich mit seinem Angesicht, mit seiner großen Kraft aus Ägypten herausgeführt. In diesem Vers wirft Mose drei Punkte auf.

Erstens: Grundlage für Gottes Auserwählung war Seine Liebe zu den Vätern Abraham, Isaak und Jakob, mit denen Er einen Bund schloss. Zweitens: Auf dieser Grundlage hat Gott ihren Samen nach ihnen erwählt – d.h. Er suchte sich Israel als Sein Volk aus. Drittens: Auf Grundlage dieser Erwählung hat Er Israel aus Ägypten erlöst.

Später wird in 5. Mose 7,6-8 gesagt:

6Denn du bist dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt, dass du ihm als Eigentumsvolk gehörst aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind. 7Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der Herr sich euch zugeneigt und euch erwählt – ihr seid ja das geringste unter allen Völkern –, 8sondern wegen der Liebe des Herrn zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen, hat der Herr euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Sklavenhaus, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

In Vers 6 wird Israels Erwählung ganz klar benannt. Es wird zu einem heiligen Volk erklärt – nicht etwa aufgrund irgendeiner angeborenen Gerechtigkeit (wie 5. Mose 9,4-6 klarmacht), sondern weil Gott es erwählt hat. Genau wie der Begriff Heiligung bedeutet auch Heiligkeit ein „Absondern“. Durch Gottes Erwählung Israels wurde das Volk von allen übrigen Nationen abgesondert, um ein heiliges Volk zu sein. Darüberhinaus wurde es auch ausgesucht, Gottes Eigentum zu sein – und zwar jenseits und oberhalb von allen übrigen Völkern auf dem Angesicht der Erde. Diese Aussage trennt Nation und Volk Israel ganz klar von allen weiteren Nationen; somit ist allein Israel die auserwählte Nation.

Die Vorstellung von Israel als einer Nation, die ein besonderes Eigentum Gottes darstellt, wird zweimal bestätigt. Zum ersten Mal geschieht dies in 5. Mose 14,2: Denn ein heiliges Volk bist du dem Herrn, deinem Gott. Und dich hat der Herr erwählt, ihm ein Eigentumsvolk zu sein aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind. Israels Status als heiliges Volk fußt auf der Tatsache, dass Gott es als Sein Eigentumsvolk aus allen anderen Völkern auf dem Erdboden erwählt hat. Israel wird zu einem von Gott erwählten Volk erklärt, ja, zu dem auserwählten Volk. – Zum zweiten Mal wird dies in 5. Mose 26,18 bestätigt: Und der Herr hat dich heute sagen lassen, dass du ihm ein Eigentumsvolk sein willst, wie er zu dir geredet hat, und dass du alle seine Gebote bewahren willst. Eben weil Israel ein Eigentumsvolk Gottes ist, sollte es Seine Gebote halten. Gleiches wird in 2. Mose 19,6 klargemacht: Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst.

Zurück zu 5. Mose 7: Mose erklärt nun genauer die Grundlage für Israels Erwählung, und zwar sowohl im Negativen als auch im Positiven. Negativ

gesprochen (V. 7) hat Gott das Volk Israel nicht aufgrund von dessen Größe ausgesucht; das genaue Gegenteil traf zu. Positiv gesprochen (V. 8) hat Er es aus zwei Gründen ausgesucht: Erstens weil Er Israel trotz dessen kleiner Größe liebhatte; und zweitens hat Gott eine Bundesbeziehung mit den Vätern (d.h. den drei Patriarchen). Darum muss Er den Eid halten, den Er ihnen geschworen hat. Genau aus diesem Grund hat Er beim Auszug das Volk Israel befreit. Dessen Erwählung ist eng verflochten mit den Bündnissen, die im nächsten Abschnitt diskutiert werden sollen. Noch einmal später wird in 5. Mose 10,15-16 gesagt:

15Doch nur deinen Vätern hat der Herr sich zugeneigt, sie zu lieben. Und er hat ihre[n Samen] nach ihnen, nämlich euch, aus allen Völkern erwählt, so wie es heute ist. 16So beschneidet denn die Vorhaut eures Herzens und verhärtet euren Nacken nicht mehr!

Vers 15 befasst sich mit dem Konzept einer nationalen Auserwählung Israels. Grundlage dafür ist Gottes Liebe zu den Vätern. Wegen dieser Beziehung hat Gott ihren Samen, ihre Nachkommen nach ihnen auserwählt. Der Same ist der Same Abrahams, Isaaks und Jakobs, d.h. das jüdische Volk. Nochmals: Sie waren die Auserwählten jenseits aller Völker. Das macht Israel auf einzigartige Weise zu einem auserwählten Volk, wie das auf keine andere Nation dieser Welt zutrifft. Dennoch garantiert nationale Erwählung nicht die Errettung jedes einzelnen Mitglieds dieser Nation. Deshalb werden in Vers 16 einzelne Glieder des auserwählten Volkes aufgefordert, die Vorhaut ihrer Herzen zu beschneiden. Während die Beschneidung des Fleisches ein Zeichen der Mitgliedschaft im auserwählten Volk ist, ist die Beschneidung des Herzens ein Zeichen individueller Errettung.

2. Die Gründe und Absichten der Auserwählung Israels

Während Israel auf Grundlage von Gottes Liebe auserwählt wurde, gab es auch Ziele und Gründe dafür. Eine Schlüsselabsicht wird gleich zu Anbeginn der Offenbarung Gottes am Berg Sinai in 2. Mose 19,6 genannt: Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Israels Status als heilige Nation gründete auf dessen Erwählung. Eine ihrer Absichten bestand darin, dass es ein Königreich von Priestern sein sollte. Während Israel einen eigenen Priesterstamm hatte (nämlich Levi), sollte auch das Volk als Ganzes eine Priesterschaft bilden. Die historische Funktion eines Priesters war es, den Menschen vor Gott zu repräsentieren. Durch den Stamm Levi wurde Israel vor Gott vertreten; seinerseits sollte es vor Gott die nichtjüdischen Nationen vertreten. Dies war vielleicht

der Hauptzweck für das nationale Erwähltsein Israels, und alle weiteren Gründe sind ihm untergeordnet.

Ein zweiter Grund für diese Erwählung bestand darin, dass die Nation zum Empfänger und Verzeichner der Offenbarung Gottes werden sollte. Aus genau dieser Ursache empfing Israel das Gesetz Moses (5Mo 4,5-8; 6,6-9; Röm 3,1-2).

Einen dritten Grund bildete das Ziel, die Lehre des einen wahren Gottes zu verbreiten, wie es in Jesaja 43,10-12 heißt:

10Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und mir glaubt und einseht, dass ich es bin. Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir wird keiner sein. 11Ich, ich bin der Herr, und außer mir gibt es keinen Retter. 12Ich habe verkündigt und gerettet und hören lassen, und kein fremder Gott war unter euch. Und ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr: Ich bin Gott.

In diesem Abschnitt wurde Israel erwählt, den heidnischen Nationen zwei Dinge zu verkünden: Erstens dass Jahwe, der Gott Israels, der einzige Gott ist; und zweitens ist Er der einzige Retter oder Heiland – und alle, die Rettung suchen, müssen sie in Ihm finden.

Ein vierter Grund für Israels Auserwählung war, den Messias hervorzubringen (Röm 9,5; Hebr 2,16-17; 7,13-14).

3. Zusammenfassung: Die Auserwählung Israels

Bibelstellen

Absichten

Die Auserwählung Israels

5Mo 4,37; 7,6-8; 10,15-16

- ein Königreich von Priestern zu sein (2Mo 19,6)

- Empfänger der Offenbarung Gottes zu sein (5Mo 4,5-6; 6,6-9)

- Gott den nichtjüdischen Nationen zu verkünden (Jes 43,10-12)

- den Messias hervorzubringen (Hebr 2,16-17)

Tabelle 3: Die Auserwählung Israels

C. Israels bedingter Bund

Während die vier vorigen Bündnisse bedingungslos waren, hat Gott mit Israel auch einen einzelnen Bund geschlossen, der vorbehaltlich und bedingt war: den Mosaischen Bund. Zur Erinnerung: Bei einem bedingten Bund handelt es sich um ein zweiseitiges Bündnis. Es lässt sich als Angebot Gottes an den Menschen definieren und basiert auf der Formel: „Wenn ihr … werdet“. Dadurch verspricht Er die Gewährung besonderer Segensgaben an den Menschen – vorausgesetzt, der Mensch erfüllt bestimmte, im Bund enthaltene Bedingungen. Versagt der Mensch darin, resultiert das oft in Strafe. In diesem Fall musste man den Bedingungen entsprechen, bevor man die Verheißung Gottes erleben konnte.

Schlüsselbestimmung des Mosaischen Bundes war das Gesetz Moses mit seinen 613 Geboten. Es ist wichtig, dass man begreift: Dieser Bund unterschied sich auf bedeutsame Weise vom Abrahamsbund und den übrigen bedingungslosen Bundesschlüssen. Er war insofern vorbehaltlich, als die von Gott verheißenen Segnungen ganz direkt mit Israels Gehorsam gegenüber dem mosaischen Gesetz in Verbindung standen. Waren die Israeliten gehorsam, würde Gott sie segnen; waren sie jedoch ungehorsam, würde Gott sie bestrafen.

In den folgenden Absätzen wird der Mosaische Bund gemeinsam mit dem Gesetz Moses studiert.

1. Der Mosaische Bund

Dieser Bundesschluss enthält höchst ausführliche und detaillierte Informationen; der biblische Bericht darüber erstreckt sich von 2. Mose 20,1 bis 5. Mose 28,68. Die in diesem Pakt involvierten Parteien sind Gott und Israel. Geschlossen wurde er mit Israel, und Mose agierte als dessen Repräsentant. Das wird in 2. Mose 19,3-8 klar zum Ausdruck gebracht:

3Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berg aus zu: So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Söhnen Israel mitteilen: 4Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. 5Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde. 6Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst. 7Darauf ging Mose hin, rief die Ältesten des Volkes zusammen und legte ihnen all diese Worte vor, die

ihm der Herr geboten hatte. 8Da antwortete das ganze Volk gemeinsam und sagte: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun! Und Mose brachte dem Herrn die Worte des Volkes zurück.

Durch Blut wurde der Mosaische Bund ratifiziert und durch die SchechinaHerrlichkeit unterzeichnet und versiegelt – d.h. durch die sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes (2Mo 24,1-11).

Schlüsselbestimmung bei diesem Bündnis war das Gesetz Moses, das insgesamt 613 Gebote enthielt. Als bedingter Bund bot er Segnungen für Gehorsam und Flüche für Ungehorsam. Diese vorbehaltliche Wesensart wird in 2. Mose 15,26 dargelegt:

Und er sprach: Wenn du willig auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen recht ist, seinen Geboten gehorchst und all seine Ordnungen hältst, dann werde ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der Herr, der dich heilt.

Auch zum Zeitpunkt des eigentlichen Bundesschlusses in 2. Mose 19,3-8 kommt die an Bedinungen geknüpfte Beschaffenheit zum Ausdruck.

Schlüsselelement vom gesamten Gesetz Moses war das Blutopfer, was in 3. Mose 17,11 hervorgehoben wird: Denn das Leben des Fleisches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gegeben, Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch das Leben in ihm. Es gab fünf unterschiedliche Arten von Opfern (3Mo 1 – 7). Das Blut des Tieres deckte die Sünde nur zu, nahm sie jedoch nicht weg (Hebr 10,1-4). Indes bot es sehr wohl Sündenvergebung und Wiederherstellung der Gemeinschaft.

Einer der Bestimmungen im Bund mit Noah wurde durch den mit Mose eine Einschränkung auferlegt: Es war Israel nicht mehr länger erlaubt, alle Tiere ohne Ausnahme zu verzehren. Der Mosaische Bund verordnete, was die Juden essen durften. Nahrung aus dem Meer musste sowohl Flossen als auch Schuppen haben; Landtiere mussten sowohl Wiederkäuer als auch Paarhufer sein; alle Raubvögel waren untersagt; und mit Ausnahme gewisser Heuschreckenarten waren keine Insekten zugelassen. Der Bund legte auch ausführlich dar, welche Verbrechen die Todesstrafe nach sich zogen (Ehebruch, Götzendienst, Verfluchen Gottes, Verfluchen der Eltern usw.). Beschneidung wurde jetzt mehr als ein bloßes Zeichen jüdischer Identität, wie das beim Abrahamsbund galt. Sie signalisierte ab sofort eine Unterwerfung unter das Gesetz und verpflichtete die Juden, das gesamte Gesetz einzuhalten. Nichtjüdische Proselyten zum mosaischen Judentum mussten sich beschneiden lassen. Der Sabbat war das Zeichen des Bundes mit Mose, wie der Regenbogen für den mit Noah und die Beschneidung für den mit Abraham stand.

Der Mosaische Bund war Basis für die Heilszeit des Gesetzes – der einzige jüdische Bund, der an Bedingungen geknüpft war.

2. Das Gesetz Moses

Dieses Gesetz wurde Israel gegeben, nicht den Nationen oder der Gemeinde. 5. Mose 4,7-8 bringt das ganz klar zum Ausdruck:

7Denn wo gibt es eine große Nation, die einen Gott hätte, der ihr so nahe wäre wie der Herr, unser Gott, in allem, worin wir zu ihm rufen? 8Und wo gibt es eine große Nation, die so gerechte Ordnungen und Rechtsbestimmungen hätte wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege?

Psalm 147,19-20 bestätigt erneut, dass das Gesetz an Israel übergeben wurde:

19Er verkündete Jakob sein Wort, Israel seine Ordnungen und seine Rechtsbestimmungen. 20So handelte er an keiner Nation, und seine Rechtsbestimmungen, die haben sie nicht gekannt. Halleluja!

Maleachi 3,22 spricht dieselbe Tatsache aus:

22Haltet im Gedächtnis das Gesetz meines Knechtes Mose, das ich ihm am Horeb für ganz Israel in Form von Ordnungen und Rechtsbestimmungen geboten habe.

Wie bereits oben gesagt: Inhalt des Mosaischen Bundes war das Gesetz Moses, welches insgesamt 613 spezifische Einzelgebote enthielt. Sie werden oft in unterschiedlichen Kategorien angeordnet. Das rabbinische Judentum sortiert sie nach positiven und negativen Geboten. Unter Christen gibt es eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Klassifikationssysteme, wobei allerdings zwei vorherrschen. Das erste System umfasst zwei Kategorien; eine enthält die Zehn Gebote und scheidet sie von den übrigen 603. Eine gängigere Aufspaltung ist jene in moralische, zeremonielle und rechtliche bzw. bürgerliche Gesetze (wobei keine völlige Übereinstimmung darüber besteht, welches Gebot denn nun wohin gehört). Das Gesetz Moses selber dagegen teilt sich nie in diese Kategorien, sondern sieht sich vielmehr als eine einzige Einheit. Auch die Propheten Israels betrachteten das Gesetz so. Während die oben angeführten Aufteilungen für das Studium der unterschiedlichen Arten von Geboten durchaus hilfreich sind, darf man nicht annehmen, dass es sich dabei irgendwie um biblische Kategorien handle.

Dem ist ganz und gar nicht so! Das Gesetz Moses ist eine einzige Einheit, und die gesamte auf Mose folgende Heilige Schrift behandelt es dementsprechend.

a. Zweck und Absichten des Gesetzes

Hier soll kategorisch gesagt werden: Der Dispensationalismus hat niemals geglaubt und glaubt auch heute nicht, dass das Gesetz Moses jemals ein Mittel des Heils gewesen sei. Dieses Konzept wird abgelehnt, weil die Errettung ja dann durch Werke erfolgen würde. Errettung geschah und geschieht schon immer aus Gnade durch Glauben. Während sich der Inhalt des Glaubens (abhängig von der fortschreitenden Offenbarung) im Laufe der Zeitalter geändert hat, wandelt sich das Mittel der Errettung niemals. Das Gesetz wurde gar nicht als Heilsmittel gegeben (Röm 3,20.28; Gal 2,16; 3,11.21). Verliehen wurde es einem Volk, das bereits aus Ägypten erlöst worden war – und nicht etwa mit dem Ziel, sie zu erlösen. Indes erwähnen die beiden Testamente mindestens neun Absichten vom Gesetz Moses. Die erste war die Offenbarung der Heiligkeit Gottes sowie des von ihm verlangten Gerechtigkeitsmaßstabs, damit eine angemessene Beziehung zu Ihm möglich ist (3Mo 19,1-2.37; 11,44; 1Petr 1,15-16). Das Gesetz selber war heilig und gerecht und gut (Röm 7,12).

Die zweite Absicht des Gesetzes war die Bereitstellung einer Verhaltensregel für die Heiligen des Alten Testaments. Römer 3,28 beispielsweise macht klar, dass kein Mensch durch die Werke des Gesetzes gerechtfertigt wurde; das Gesetz war niemals ein Mittel der Errettung. Es hatte stets andere Absichten. In diesem Fall lieferte es die Lebensregel für den Gläubigen im AT (3Mo 11,44-45; 19,2; 20,7-8.26); für ihn war dieses Gesetz das Zentrum seines geistlichen Lebens und seine Freude (Ps 119; man beachte v.a. V. 77.97.103-104.159).

Die dritte Absicht war, Israel Anlässe zur individuellen sowie gemeinsamen Anbetung im Gottesdienst bereitzustellen. Die sieben heiligen Feste Israels (3Mo 23) sind ein Beispiel dafür.60

Die vierte Absicht war, die Juden als abgesondertes Volk zu bewahren (3Mo 11,44-45; 5Mo 7,6; 14,1-2). Das war der spezifische Grund für viele der Gebote (z.B. die Speise- u. Kleidungsgesetze usw.). Die Juden sollten auf vielfältige Weise von allen anderen Menschen verschieden sein – etwa in ihren Gebräuchen des Gottesdienstes (3Mo 1 – 7; 16; 23), der Ernährung (3Mo 11,1-47), des Geschlechtsverkehrs (3Mos 12), der Bekleidung

60 Wer des Englischen mächtig ist, sei für eine ausführliche Analyse der heiligen Zeiten Israels auf folgende Publikation des Autors verwiesen: The Feasts and Fasts of Israel: Their Historic and Prophetic Significance (San Antonio, TX: Ariel Ministries, 2019) (bei Übersetzung dieses Buches leider nicht auf Deutsch verfügbar).

(3Mo 19,19) und sogar darin, wie sie ihre Bärte schnitten (3Mo 19,27). Weitere Passagen zu diesem Punkt beinhalten 2. Mose 19,5-8 und 31,13. Die fünfte Absicht wird in Epheser 2,11-16 genannt. Eine detailliertere Auslegung dieses Abschnitts werden wir unter „Israel in der Gegenwart“ vorlegen. Wichtig für den jetzigen Zusammenhang ist die Feststellung, dass das Gesetz Moses als Zwischenwand der Umzäunung diente. Die vier bedingungslosen Bundesschlüsse sind jüdische Bünde; Gottes Segnungen sowohl physischer als auch geistlicher Art werden durch diese vier Bünde vermittelt (d.h. durch die in Vers 12 erwähnten Bündnisse der Verheißung). Aufgrund der jüdischen Wesensart dieser bedingungslosen Bünde wurde auch ein bedingter Bund hinzugefügt: der mit Mose, welcher das mosaische Gesetz enthielt (d.h. das Gesetz der Gebote in Satzungen aus Vers 15). Die Absicht des Gesetzes war also, zu einer Zwischenwand der Umzäunung zu werden und die Nichtjuden als Nichtjuden daran zu hindern, sich der geistlichen jüdischen Segnungen der bedingungslosen Bündnisse zu erfreuen. Aufgrund dieser Absicht waren Heiden sowohl dem Gemeinwesen bzw. Bürgerrecht Israels entfremdet als auch Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung. Für sie bestand im Zeitalter des Gesetzes nur ein einziger Weg zum Genuss der geistlichen Segnungen aus den jüdischen Bünden: Sie mussten die Verpflichtung des Gesetzes auf sich nehmen, sich dem Ritus der Beschneidung unterziehen und so leben, wie das für jeden Juden verpflichtend war. Nichtjuden konnten sich der jüdisch-geistlichen Segnungen nicht erfreuen, es sei denn, sie bekehrten sich zum mosaischen Judentum.

Die sechste Absicht vom Gesetz Moses war die Offenbarung der Sünde; das wird von drei Abschnitten im Römerbrief dargelegt. An erster Stelle steht Römer 3,19-20: Dort betont Paulus, dass es durchs Gesetz keine Rechtfertigung gibt – durch dieses Mittel kann kein jüdischer Mensch gerechtfertigt werden. Warum ist das Gesetz kein Weg der Rechtfertigung? Das Gesetz bestand, um Sündenerkenntnis zu vermitteln; um zu offenbaren, was Sünde denn eigentlich genau ist. Als zweites ist Römer 5,20 zu nennen. Dort heißt es im Grunde, dass das Gesetz gegeben wurde, damit Übertretungen ganz klar und deutlich werden. Wie weiß man überhaupt, dass man gesündigt hat? Man weiß es, weil das Gesetz sehr detailliert ausführte, was erlaubt war und was nicht. Das Gesetz mit seinen 613 Geboten offenbarte die Sünde. Drittens ist noch Römer 7,7 zu erwähnen. Paulus betont erneut die Tatsache, dass das Gesetz gegeben wurde, damit Sünde erkannt werden sollte. Er selber war sich seines sündigen Zustands bewusst geworden, indem er in das Gesetz hineingeschaut und erkannt hatte, dass er auf dieser Grundlage versagte.

Die siebte Absicht war, dass man noch mehr sündigen sollte. In Römer 4,15 steht: Denn das Gesetz bewirkt Zorn; aber wo kein Gesetz ist, da ist auch

keine Übertretung. Im bereits zuvor erwähnten Text aus Römer 5,20 fügt er hinzu: Das Gesetz aber kam daneben hinzu, damit die Übertretung zunehme. Wo aber die Sünde zugenommen hat, ist die Gnade überreich geworden. Das von Paulus hier vermittelte Bild ist: Das Gesetz kam, um noch mehr Sünde zu bewirken und das Sündigen zu steigern. Wie funktioniert das? Paulus erklärt es in Römer 7,7-13 und 1. Korinther 15,56. Im letztgenannten Text heißt es: Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. Im Grunde lehrt Paulus, dass die Sündernatur eine Operationsbasis braucht; als solche verwendet sie das Gesetz. Paulus sagt: „Wo es kein Gesetz gibt, gibt es auch keine Übertretung.“ Damit meint er natürlich nicht, dass es vor der Gesetzgebung noch keine Sünde gegeben hätte. Der Begriff „Übertretung“ steht für eine ganz bestimmte Art der Sünde; er bezeichnet den Verstoß gegen ein bestimmtes Gebot. Die Menschen waren schon Sünder, bevor das Gesetz gegeben wurde; bis dahin waren sie jedoch keine Übertreter des Gesetzes. Sobald das Gesetz da war, hatte die Sündernatur eine Handlungsgrundlage und brachte den Einzelnen dazu, gegen diese Gebote zu verstoßen und umso mehr zu sündigen.

Die achte Absicht war, dem Sünder aufzuzeigen: Von sich aus konnte er gar nichts tun, um Gott zu gefallen; auch besaß er nicht die Fähigkeit, das Gesetz vollkommen einzuhalten oder die Gerechtigkeit des Gesetzes zu erreichen (Röm 7,14-25).

Dies führte zur neunten Absicht: den Menschen zum Glauben zu treiben, wie es in Römer 8,1-4 und Galater 3,24-25 steht. Der Endzweck des Gesetzes bestand also darin, den Menschen zum rettenden Glauben an den Messias Jeschua zu bringen.

Die Absichten vom Gesetz Moses lassen sich folgendermaßen kategorisieren:

1. In Bezug auf Gott:

(a) Seine Heiligkeit zu offenbaren

(b) Seine gerechten Maßstäbe zu offenbaren

2. In Bezug auf Israel:

(a) Israel als abgesondertes Volk zu bewahren

(b) eine Lebensregel für den Heiligen des Alten Testaments zu liefern

(c) individuelle und gemeinschaftliche Anbetung und Gottesdienst zu ermöglichen

3. In Bezug auf Heiden (= Nichtjuden): als Zwischenwand der Umzäunung zu dienen und sie dadurch als Fremdlinge gegenüber den bedingungslosen jüdischen Bünden zu halten, damit sie nicht als Heiden an den geistlich-jüdischen Segnungen Anteil nehmen konnten, sondern nur als Proselyten zum mosaischen Judentum

4. In Bezug auf Sünde:

(a) zu offenbaren und zu zeigen, was Sünde ist

(b) den Menschen dazu zu bringen, noch mehr zu sündigen

(c) zu zeigen, dass niemand die Gerechtigkeit des Gesetzes aus eigener Kraft erreichen kann

(d) zum Glauben zu treiben

b. Beschneidung

Unter dem Abrahamsbund war Beschneidung vorgeschrieben; dies galt jedoch auch unter dem Mosaischen Bund (3Mo 12,3), obwohl die Bedeutung nicht die gleiche war. Unter dem Abrahamsbund war sie ausschließlich für Juden verpflichtend und bildete ein Zeichen ihrer jüdischen Identität. Unter dem Gesetz Moses war sie sowohl für Juden als auch für Heiden verpflichtend und ein Mittel der Unterwerfung unter das Gesetz. Sie verpflichtete den Beschnittenen, das ganze Gesetz einzuhalten. So steht es in Galater 5,3: Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.

c. Der Sabbat

Ganz, wie der Regenbogen ein Zeichen des Noah-Bundes und die Beschneidung das Zeichen des Abrahamsbundes ist, so ist der Sabbat das Zeichen des Bundes mit Mose. Die Einhaltung des Sabbats beginnt eindeutig mit Mose und geht ihm nicht etwa voraus. Vor seiner Zeit gibt es keinen Befehl an irgendjemanden, den Sabbat zu halten; genausowenig lesen wir irgendwo die Aufzeichnung, dass jemand zwischen Adam und Mose ihn eingehalten hätte. Erstmals finden wir ihn in 2. Mose 16,2330; dort taucht der Begriff zum ersten Mal auf. Mit anderen Worten ist dies demnach das erstmalige Auftreten sowohl des Ausdrucks als auch des Konzepts. Da er vor dieser Zeit noch gar nicht bekannt war, wird die volle Form verwendet: shabbathon shabbath qodesh (eine Sabbatfeier, ein heiliger Sabbat). Die hebräische Wortwurzel bedeutet „innehalten“, „aufhören“ oder „ruhen“. Im Hebräischen fehlt vor dem Begriff der bestimmte Artikel; das kann (grammatisch gesehen) darauf hindeuten, dass der Sabbat bis zu dieser Zeit noch unbekannt war. Wortwörtlich lautet der Text: „Morgen ist eine Ruhe eines heiligen Sabbats.“ Viele Menschen waren jedoch ungehorsam und gingen am Sabbat dennoch hinaus, um Manna aufzulesen; auch diese Tatsache deutet darauf hin, dass sie nicht daran gewöhnt waren, an diesem Tag einfach auszuruhen. Das spezifische Verbot an diesem Punkt bestand darin, am Sabbattag kein Manna aufzulesen.

In Bezug auf den Sabbat unter dem Gesetz Moses sollten vier Dinge beachtet werden. Erstens: Um den Sabbat heilig zu halten, musste man die Arbeit einstellen. Zweitens: Die Betonung des Sabbats liegt nicht auf einem Tag des Gottesdienstes bzw. der Anbetung, sondern auf einem Tag der Ruhe. Drittens: Der Sabbat war ein Zeichen. Viertens: In der Einhaltung des Sabbats waren besondere zeremonielle Aspekte enthalten. Diese vier Punkte sollen auf den folgenden Seiten ausführlicher untersucht werden.

(1) Einstellen der Arbeit

Als Verordnung war der Sabbat in 2. Mose 20,8-11 als Bestandteil der Zehn Gebote verkörpert. Dieses Gebot beginnt mit dem Wort „Denke an…“; die Israeliten hatten ja in Kapitel 16 desselben Buches bereits ein Sabbatgebot bekommen. Der zweite Bericht über die Zehn Gebote in 5. Mose 5,12 äußert: Beachte den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. Anstatt des Gedenkens geht es jetzt um das Beachten, weil der Sabbat zuvor in Deuteronomium nicht erwähnt worden war. Die Israeliten sollten den Tag heilig halten – d.h. sie sollten den Sabbat als einen besonderen Tag beachten, der von allen übrigen Tagen geschieden und Gott geweiht war. Das Hauptelement dabei, ihn als einen heiligen Tag einzuhalten, war ein Einstellen der Arbeit; und dieses Element betraf sämtliche Familienmitglieder, Dienstboten und Haustiere.

(2) Ein Ruhetag

Die Betonung des Sabbats liegt nicht auf einem Tag gemeinsamen Gottesdienstes, sondern auf einem Tag der Ruhe. In 2. Mose 20,11 heißt es: Denn in sechs Tagen hat der Herr den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn. Weil Gott am siebten Tag ruhte, soll Israel nun gemäß diesem Vers am siebten Tag ruhen. Erst jetzt wird der Begriff „Sabbat“ mit dem siebten Tag aus 1. Mose 2,2-3 identifiziert; das fragliche Wort wurde nämlich im dortigen Bericht gar nicht verwendet.61 Dies deutet nicht an, dass der siebte Tag in Genesis 2,2-3 bereits für die Menschheit abgesondert wurde. Lexikalische Studien zeigen: Das hebräische `al-ken (von der RELB mit darum übersetzt) bedeutet, dass der gegenwärtige Befehl auf einem früheren Ereignis basiert. Es bedeutet jedoch nicht, dass der Befehl selber zuvor schon in Kraft war. Die Konstruktion verbindet kausativ62 ein Ereignis der Vergangenheit mit einer etwas späteren Situation.

61 Als Substantiv tritt das Wort an genannter Stelle nicht auf, wohl aber als Verb. Durch die spätere Auslegung unter „Israel in der Gegenwart“ wird erst deutlich, dass der Autor hier ausschließlich von der substantivischen Verwendung spricht (Anm. d. Übers.).

62 D.h. veranlassend (Anm. d. Übers.).

Als das Sabbatgebot in weiteren Teilen vom Gesetz Moses weiterentwickelt wurde, war mit dem „Ruhen“ an diesem Tag größtenteils eine Reihe von Verboten gemeint: kein Einsammeln des Mannas (2Mo 16,23-30); kein Reisen (2Mo 16,29); kein Entzünden eines Feuers (2Mo 35,3); und kein Holzsammeln (4Mo 15,32). Außerhalb des Gesetzes gehörte zu weiteren Verboten am Sabbat: kein Lastentragen (Jer 17,21), kein Warenverkehr (Am 8,5); und kein Handel auf dem Markt (Neh 10,32; 13,15.19). Über gemeinsamen Gottesdienst wurde nichts gesagt.

Im Gesetz Moses war der Sabbat ein Tag der Ruhe und des Innehaltens, nicht ein Tag gemeinsamer Anbetung. Die Synagogengottesdienste am Sabbat, wie wir sie im Neuen Testament finden, hatten ihren Ursprung in der babylonischen Gefangenschaft und nicht etwa im Gesetz Moses. Zwar war er kein Tag absoluter Inaktivität; sehr wohl jedoch sollte er ein Tag der Ruhe und Erfrischung von der üblichen Arbeit an den anderen sechs Tagen sein. Die Ruhe mag an sich ein Akt der Anbetung gewesen sein; doch gemeinsamer Gottesdienst am Sabbat war kein Faktor in den hebräischen Schriften.

In Verbindung mit dem Sabbat stößt man häufig auf den Ausdruck „eine heilige Versammlung“. Manchmal wird er als Grundlage für die Lehre herangezogen, der Sabbat sei für alle ein Tag des Gottesdienstes gewesen. Allerdings wird dieser Begriff praktisch ausschließlich im Zusammenhang mit Priesterschaft und Opfern verwendet. Der gemeinschaftliche Beiklang bezieht sich auf die Priester. Ort dieses gemeinsamen Gottesdienstes ist die Stiftshütte bzw. der Tempel; ihr Zweck ist die Darbringung von Opfern. Da allein die Priesterschaft diese Arbeit verrichten konnte, bezog sich die heilige Versammlung nur auf sie. Der Begriff findet sich insgesamt 19 Mal, sämtlich in drei Büchern des Pentateuch: Exodus, Levitikus und Numeri. Elf dieser Bezugnahmen fallen in ein einziges Kapitel: 3. Mose 23. Sechs weitere sind in 4. Mose 28 – 29 zu finden.

Zweimal stößt man in 2. Mose 12,16 auf den Ausdruck: Und am ersten Tag sollt ihr eine heilige Versammlung halten und ebenso am siebten Tag eine heilige Versammlung. An diesen Tagen darf keinerlei Arbeit getan werden; nur was von jeder Seele gegessen wird, das allein darf von euch zubereitet werden. Der erste und siebte Tag beim Fest der ungesäuerten Brote sollte eine heilige Versammlung sein. Dazu gehörte, sich der Arbeit zu enthalten. Während an vorliegender Stelle keine Opfer erwähnt werden, findet man sie zum selben Anlass an späterer Stelle genannt.

Die dritte Erwähnung liest man in 3. Mose 23,2: Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Die Feste des Herrn, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, meine Feste sind diese…. Dieser Vers verkündet, dass die fraglichen Feste oder „heiligen Zeiten“ heilige Versammlungen sein sollen. Wie das Kapitel zeigt, stehen sie sämtlich mit Opfern in Verbindung.

Zum vierten Mal kommt der Begriff in 3. Mose 23,3 vor: Sechs Tage soll man Arbeit tun; aber am siebten Tag ist ein ganz feierlicher Sabbat, eine heilige Versammlung. Keinerlei Arbeit dürft ihr tun; es ist ein Sabbat für den Herrn in all euren Wohnsitzen. Dies ist eine Bezugnahme auf den Sabbat als heilige Versammlung; und es war ein Tag, an dem die täglichen Opfer für die Priesterschaft verdoppelt wurden, zudem ein Tag der Ruhe für ganz Israel. Die Formulierung in all euren Wohnsitzen zeigt, dass es hier nicht um einen Tag gemeinschaftlichen Gottesdienstes ging, sondern um einen Tag, an dem man zuhause blieb. Zwar mag das gottesdienstliche Anbetung in der Familie mit einschließen – jedoch nicht als große Gemeinschaft.

An fünfter Stelle steht Kapitel 23,4: Dies sind die Feste des Herrn, heilige Versammlungen, die ihr ausrufen sollt zu ihrer bestimmten Zeit. Es handelt sich um eine Wiederholung von Vers 2: Die vorgeschriebenen Feste oder „heiligen Zeiten“ sind heilige Versammlungen.

Ein sechstes und siebtes Mal kommt der Begriff in den Versen 7-8 desselben Kapitels vor:

7Am ersten Tag soll für euch eine heilige Versammlung sein, keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun. 8Und ihr sollt dem Herrn sieben Tage lang ein Feueropfer darbringen. Am siebten Tag ist eine heilige Versammlung, keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun.

Diese Passage ist eine weitere Bezugnahme auf den ersten und siebten Tag vom Fest der ungesäuerten Brote, dem wir bereits in Exodus begegnet sind. An beiden Tagen ist Arbeit untersagt; außerdem war es eine Zeit, dem Herrn sieben Tage lang ein Feueropfer zu opfern. Es benötigte eine Versammlung der Priester, um diese Opfer darzubringen.

Zum achten Mal kommt der Begriff in 3. Mose 23,21 vor: Und ihr sollt an eben diesem Tag einen Ruf ergehen lassen – eine heilige Versammlung soll euch sein. Keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun: eine ewige Ordnung in all euren Wohnsitzen für eure Generationen. Diese heilige Versammlung bezieht sich auf das Wochenfest (Pfingsten). Auch hier sollte dies ein Ruhetag sein. Die vorigen Verse (17-20) zeigen: Es handelt sich um einen Tag voller Opfer, für welche die Priesterschaft sich versammeln musste.

Der neunte Bezug ist in Vers 24 des Kapitels zu finden: Rede zu den Söhnen Israel: Im siebten Monat, am Ersten des Monats, soll euch Ruhe sein, eine Erinnerung durch Lärmblasen, eine heilige Versammlung. Dieser Vers spricht vom Fest des Lärmblasens – eine heilige Versammlung, wobei keine Arbeit erlaubt ist; und die Priesterschaft musste Gott ein Opfer opfern, das mit Feuer verbrannt wurde (V. 25).

Die zehnte Erwähnung steht in 23,27: Doch am Zehnten dieses siebten Monats, da ist der Versöhnungstag. Eine heilige Versammlung soll er für euch

sein, und ihr sollt eure Seelen erniedrigen und sollt dem Herrn ein Feueropfer darbringen. Hier geht es um den Versöhnungstag; er ist eine heilige Versammlung, denn keine Arbeit war zugelassen. An diesem Tag sollten die Israeliten Gott ein Opfer im Feuer opfern.

Die elfte und zwölfte Erwähnung ist in 3. Mose 23,35-36 zu finden:

35Am ersten Tag soll eine heilige Versammlung sein, keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun. 36Sieben Tage sollt ihr dem Herrn ein Feueropfer darbringen. Am achten Tag soll für euch eine heilige Versammlung sein, und ihr sollt dem Herrn ein Feueropfer darbringen: es ist eine Festversammlung, keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun.

Die heiligen Versammlungen beziehen sich auf den ersten und achten Tag des Laubhüttenfestes; sie sind heilige Versammlungen, weil an diesen Tagen keinerlei Arbeit erlaubt war. Zweimal wird verkündet: Ihr sollt dem Herrn ein Feueropfer darbringen.

Die dreizehnte Erwähnung ist in 3. Mose 23,37 zu lesen: Das sind die Feste des Herrn, die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen, um dem Herrn Feueropfer darzubringen: Brandopfer und Speisopfer, Schlachtopfer und Trankopfer, die Gebühr des Tages an seinem Tag. Es handelt sich um eine Wiederholung der Aussagen von Vers 2 und 4: Die verordneten Feste sind heilige Versammlungen. Ausdrücklich wird gesagt: Ihr Zweck besteht darin, Opfer darzubringen – ein priesterliches Werk.

Die verbleibenden sechs Passagen finden wir in zwei Kapiteln des 4. Buch Mose (nämlich Kapitel 28 – 29); sie befassen sich mit den Sonderopfern, die anlässlich der verordneten Feiertage oder „heiligen Zeiten“ aus 3. Mose 23 darzubringen waren.

An vierzehnter und fünfzehnter Stelle sind 4. Mose 28,18.25 zu nennen: Am ersten Tag soll eine heilige Versammlung sein; keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun. … Und am siebten Tag sollt ihr eine heilige Versammlung halten; keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun. Hier haben wir eine weitere Bezugnahme auf den ersten und siebten Tag vom Fest der Ungesäuerten Brote. Die zwischen den beiden zitierten Versen liegenden Zeilen (V. 19-24) führen die Opfer und Gaben für diesen Anlass detailliert aus.

Vers 26 im selben Kapitel enthält die sechzehnte Erwähnung: Und am Tag der Erstlinge, wenn ihr dem Herrn ein neues Speisopfer darbringt, an eurem Wochenfest, sollt ihr eine heilige Versammlung halten; keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun. Es geht also um das Fest der Erstlingsfrüchte, wobei die nachfolgenden Verse (27-31) detailliert die Opfer und Gaben für diesen Anlass aufzählen.

Die siebzehnte Stelle ist 4. Mose 29,1: Und im siebten Monat, am Ersten des Monats, sollt ihr eine heilige Versammlung halten; keinerlei Dienstarbeit

sollt ihr tun; ein Tag des Hornblasens soll es für euch sein. Es geht um das Fest des Lärmblasens; um eine heilige Versammlung handelt es sich, weil die Folgeverse (2-6) die Opfer und Gaben dieses Festes darlegen.

Vers 7 im selben Kapitel liefert die achtzehnte Erwähnung: Und am Zehnten dieses siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten, und ihr sollt eure Seelen demütigen; keinerlei Arbeit sollt ihr tun. Gesprochen wird hier vom Versöhnungstag; die besonderen Opfer für diesen Anlass werden dann in den Versen 8-11 ausgeführt.

Die neunzehnte Stelle schließlich steht in 4. Mose 29,12: Und am fünfzehnten Tag des siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten; keinerlei Dienstarbeit sollt ihr tun, und ihr sollt dem Herrn ein Fest sieben Tage lang feiern. Diese letzte Erwähnung bezieht sich auf das Laubhüttenfest, dessen Sonderopfer in den Versen 13-38 detailliert aufgezählt werden.

Wir schließen: Der Begriff „heilige Versammlung“ bezieht sich immer auf eine Zusammenkunft der Priester zwecks Ausführung besonderer Opfer; und der Sabbat war einer dieser Anlässe. Er war nicht etwa eine Zeit des gemeinschaftlichen Gottesdienstes für ganz Israel. Die einzig mögliche Schriftstelle für einen Versuch der Untermauerung gemeinsamen Gottesdienstes am Sabbattag ist also 3. Mose 23,3. Dort wird der Sabbat als heilige Versammlung bezeichnet und hat mit gemeinschaftlichen priesterlichen Opfern zu tun. Während für familiäre Versammlungen durchaus eine Relevanz besteht, ging es dabei nicht um Handlungen der gemeinsamen gottesdienstlichen Anbetung.

Dr. Louis Goldberg vom Moody Bible Institute hat diese Wahrheit mit folgenden Worten ausgedrückt: „Am Sabbat sollte es absolute Ruhe (physisch) sowie heilige Versammlung (geistliche Erfrischung) vor dem Herrn geben.“63 Sogar 3. Mose 23,3 bemerkt hinsichtlich des Sabbats, er sei ein Sabbat für den Herrn in allen euren Wohnsitzen. Nochmals: Die Betonung liegt darauf, dass man zuhause bleibt (2Mo 16,29) und als Familie ausruht, anstatt sich zum gemeinsamen Gottesdienst zu versammeln. Wie Goldberg ebenfalls aufzeigt, sollte die Ruhe „geistliche Erneuerung beinhalten“.64 Der Begriff „heilige Versammlung“ hob hervor, dass die Priester bei solchen Gelegenheiten besondere Opfer darbringen sollten.

Nur zu drei Anlässen verpflichtete das Gesetz Moses zum gemeinschaftlichen Gottesdienst (Passah-, Wochen- und Laubhüttenfest). Lediglich zur Beachtung dieser heiligen Zeiten sollten die Israeliten dorthin wandern, wo auch immer die Stiftshütte bzw. später der Tempel stand (Silo, Jerusalem).

63 Louis A. Goldberg, Leviticus: A Study Guide Commentary (Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1980), S. 116. 64 Ebd., S. 117.

Der Gang zu Stiftshütte oder Tempel auf wöchentlicher Basis wäre angesichts der erforderlichen Reisedauer zu biblischer Zeit physisch unmöglich gewesen. Die Strafe für Entheiligung des Sabbats war der Tod; und um den Sabbat zu entheiligen, musste man ihn wie jeden anderen Tag betrachten. Darum durften die Israeliten an ihm keine mühevolle Arbeit verrichten, sondern sollten daheimbleiben und ausruhen (2Mo 16,29).

(3) Das Zeichen

Der Sabbat war ein Zeichen – nämlich Zeichen des Mosaischen Bundes, wie in 2. Mose 31,12-17 nachzulesen ist. Nun wird er auch ´oth genannt: ein Zeichen für die Heiligung Israels durch Gott. Er ist ein Zeichen dafür, dass Gott nach sechs Tagen die Arbeit einstellte; so wird den Juden befohlen, nach sechs Tagen ebenfalls ihre Arbeit einzustellen. Die Strafe für das Versagen darin ist der Tod. Insbesondere ist der Sabbat ein zwischen Gott und Israel bestehendes Zeichen dafür, dass Israel geheiligt und von allen übrigen Nationen abgesondert worden ist. Gemäß dieser Passage ist der Sabbat in Beziehung zu Israel demnach ein Gedenken an die Schöpfung und ein Zeichen für Israels Bundesbeziehung, die am Berg Sinai begann.

Auch war er ein Zeichen dafür, dass Gott Israel aus dem Land Ägypten gebracht hatte. Somit war er ein Zeichen des Exodus, wie es in 5. Mose 5,12-15 steht. In Ägypten war Israel ein Sklave gewesen; Gott hatte es mit starker Hand und ausgestrecktem Arm hinausgeführt. Der Sabbat soll eingehalten werden als Zeichen und Denkmal der Erlebnisse beim Auszug. Hesekiel 20,12.20 betont dieselbe Tatsache; im Kontext beider Verse geht es um das einprägende Wiederholen dessen, wie Gott Israel aus Ägypten gerettet hat. Demnach war der Sabbat bei Hesekiel immer noch ein Zeichen für Israels Absonderung, ein Denkmal an den Auszug und ein Zeichen dafür, dass der Herr der Gott Israels ist.

Weil der Sabbat ein Zeichen für den Bund mit Mose war (genau wie die Beschneidung für den mit Abraham), ist ganz offensichtlich: Er kann nur mit Israel in Verbindung gebracht werden, weil allein Israel am Sinai abgesondert wurde und allein Israel aus dem Land Ägypten erlöst worden ist. Niemals hat Gott die Gemeinde als Gesamtheit aus Ägypten erlöst; genausowenig hat eine bestimmte Gruppierung (wie etwa die SiebentenTags-Adventisten) den Exodus erlebt. Im Kontext vom Gesetz Moses können der Sabbat und seine Begründungen nur mit der jüdischen Nation in Beziehung gebracht werden. Die im Gesetz Moses genannten Gründe für Einhaltung des Sabbats umschlossen eine Erinnerung an die Schöpfung; eine Erinnerung an den Exodus; ein Zeichen für Israels Heiligung bzw. Absonderung als Nation; und ein Zeichen des Mosaischen Bundes. Als Thema der Einhaltung wird nicht ein einzelnes Ereignis genannt, sondern gleich mehrere. Weil der Sabbat ein Zeichen des Bundes mit Mose ist,

bleibt er solange in Kraft, wie dieser Bund währt. Wenn es eine Zeit gibt, da der Bund an sein Ende gelangt, wäre das Zeichen nicht mehr länger verpflichtend. Mit diesem Thema befassen wir uns später noch.

(4) Zeremonielle Aspekte

Die Einhaltung des Sabbats beinhaltete besondere zeremonielle Aspekte. Neben seiner Absonderung als Tag der Ruhe und einer heiligen Versammlung in all ihren Wohnsitzen gehörte zu weiteren Geboten das Auflegen neuer Schaubrote (3Mo 24,8) sowie eine Verdopplung der täglichen Opfer (4Mo 28,9).

3. Zusammenfassung:

Der Mosaische Bund und das Gesetz

Der Mosaische Bund (2Mo 20,1 – 5Mo 28,68)

Facetten

- bedingt/vorbehaltlich („Wenn ihr…werdet“)

- involvierte Parteien: Gott und Israel

- ausgeschlossen sind nichtjüdische Nationen (5Mo 4,7-8)

Absicht - die Heiligkeit Gottes zu offenbaren

- eine Lebensregel für den alttestamentlichen Heiligen zu bilden

- Anlässe für den gemeinsamen Gottesdienst zu liefern

- das jüdische Volk abgesondert zu halten

- als Zwischenwand der Umzäunung zu dienen

- Sünde zu offenbaren

- Sünde zu vermehren (Röm 5,20)

- dem Sünder zu zeigen, dass er aus eigener Kraft nichts tun kann, um Gott zu gefallen

- zum Glauben zu treiben

Beschneidung - ein Zeichen jüdischer Identität

- Zeichen der Unterwerfung unter das Gesetz

Tabelle 7: Die Facetten, Absichten und Beschneidung des Mosaischen Bundes

D. Der Überrest Israels

Die Lehre vom Überrest besagt: Innerhalb der jüdischen Nation gibt es immer einige Glaubende; und alle Gläubigen Israels bilden gemeinsam den Überrest. An einem beliebigen Zeitpunkt der Geschichte mag dieser Überrest groß oder klein sein; doch niemals gibt es eine Zeit, wo er gar nicht existiert. Wohlgemerkt besteht er ausschließlich aus Gläubigen; hingegen sind nicht alle Gläubigen ein Teil von ihm. Es handelt sich nämlich um einen jüdischen Überrest, der sich folglich nur aus jüdischen Gläubigen zusammensetzt. Außerdem ist dieser Überrest stets Bestandteil der Nation Israel und nicht als eigenständiges Gebilde von ihr abgelöst. Zwar ist er klar abgegrenzt, dies jedoch innerhalb der Nation.

Das Konzept vom Überrest Israels galt für die Geschichte der Nation von allem Anfang an, sobald das Volk sich zu mehren begann. Als Lehre nimmt die Theologie vom Überrest ihren Anfang bei den Propheten, und ihre Weiterentwicklung setzt sich bis ins Neue Testament fort. Erhoben hat sich die Lehre aufgrund von einem historischen Ereignis rund um den Propheten Elia. Wegen Israels Götzendienst und Anbetung Baals sandte Gott als Züchtigung eine Trockenheit über die Nation – eine Trockenheit, die Elia in 1. Könige 17 ankündigte. Sie war dermaßen hart, dass der Prophet mit der Zeit das Land Israel verlassen und seinen Unterhalt in Phönizien suchen musste. In 1. Könige 18 kehrte er in seine Heimat zurück und forderte die Propheten Baals zu einem Gottes-Duell heraus, um ein für alle Mal festzustellen, wer der wahre Gott ist. Baal vermochte sein Opfer nicht zu verzehren; der Gott Israels jedoch verzehrte das Seine. Darum wurden die Baalspropheten erschlagen und die Dürre gebrochen. In Kapitel 19 allerdings wurde Elias Sieg ihm sauer, als Isebel sein Leben bedrohte. Elia fasste ihre Handlungsweise so auf, dass Israel den Baalsdienst nicht von sich stoßen würde; so floh er aus Israel nach Juda. Depremiert zog er in die Wüste Negev und bat im Gebet um den Tod. Stattdessen wurde er zweimal durch einen Engel gespeist und setzte seine Reise zum Berg Sinai fort. Dort erlebte er eine einzigartige Begegnung mit Gott: Als Er Elia nach dem Grund seines Kommens zum Sinai befragte (wo doch der Mosaische Bund geschlossen worden war), antwortete der Prophet in 1. Könige 19,10:

10Ich habe sehr geeifert für den Herrn, den Gott der Heerscharen. Deinen Bund haben die Söhne Israel verlassen, haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht! Und ich allein bin übriggeblieben, ich allein, und nun trachten sie danach, auch mir das Leben zu nehmen.

Eine schwere Anklage gegen Israel durch einen Propheten, der gelitten und gekämpft hatte, um die Nation zur Buße zu bringen – aber ohne Gelingen! Sollte diese Art Anklage zutreffen, verlangte sie Züchtigung durch Gott. Dessen Antwort und Handlungsweise ist in den Versen 11-13a verzeichnet:

11Da sprach er: Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr ging vorüber. Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erdbeben; der Herr aber war nicht in dem Erdbeben. 12Und nach dem Erdbeben ein Feuer, der Herr aber war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Wehens. 13aUnd es geschah, als Elia das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit seinem Mantel, ging hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle.

Gottes Antwort: Er sandte drei lärmende Dinge, die Seine Gegenwart nicht enthielten. Danach sandte er eine vierte, stille Sache, die Seine Gegenwart enthielt: den Ton eines leisen Wehens. Weil dieses Wehen die Gegenwart Gottes enthielt, verhüllte Elia sein Gesicht mit seinem Mantel. Das war eine höchst natürliche und übliche Reaktion für jeden Juden, der es für möglich hielt, dass er sich gerade in der Gegenwart Gottes befand. Dann fragte Gott den Propheten erneut, warum er zum Berg Sinai gekommen sei (V. 13b), und Elia brachte nochmals dieselbe Anklage gegen Israel vor (V. 14). Gottes Antwort darauf ist in den Versen 15-18 nachzulesen:

15Geh, kehre auf deinem Weg durch die Wüste zurück nach Damaskus! Und wenn du dort angekommen bist, dann salbe Hasael zum König über Aram! 16Und Jehu, den Sohn des Nimschi, sollst du zum König über Israel salben; und Elisa, den Sohn Schafats, von Abel-Mehola, sollst du zum Propheten an deiner Stelle salben! 17Und es soll geschehen: Wer dem Schwert Hasaels entkommt, den wird Jehu töten; und wer dem Schwert Jehus entkommt, den wird Elisa töten. 18Aber ich werde 7 . 000 in Israel übriglassen, alle die Knie, die sich nicht vor dem Baal gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat.

Die hier vorliegende Parallele zu den Versen 11-13 sollte man nicht versäumen. Als Reaktion auf Elias zweite Anklage gegen Israel sandte Gott erneut drei lärmende Dinge; und obwohl sie von Ihm ausgesandt wurden, war Seine Gegenwart nicht in ihnen. An erster Stelle stand Hasael, König von Aram; er entspricht dem Wind. Ganz, wie der Wind die Berge zerriss, wurde Israel von Hasael zerschlagen und zerrissen (2Kö 8,7-15; 10,32-33; 13,3.22-25), bis er den Besitz des Landes beträchtlich reduziert hatte. – Jehu entspricht dem Erdbeben. Wie dieses den Berg spaltete, verursachte Jehu einen Bürgerkrieg, der sowohl das Geschlecht Ahabs als auch königliche

Glieder des Hauses Juda vernichtete (2Kö 9,1 – 10,36). – Elisa entspricht dem Feuer. Ganz, wie das Feuer gegen den Berg brannte, brannte Elisa gegen Israel; und wo er auch hinkam, nicht selten folgte ihm der Tod (2Kö 2,23-24). Gott hatte wahrhaftig alle drei lärmenden Dinge gesandt; Seine Gegenwart jedoch war nicht in ihnen. Dann teilte Gott dem Elia mit, dass er nicht als einziger Getreuer übriggeblieben war; Gott hatte noch siebentausend weitere Menschen. Diese siebentausend waren der Überrest jener Tage; und ihre Zahl war (verglichen mit der gesamten Nation) eher klein. Dieser Überrest entspricht dem Ton des leisen Wehens. Im Gegensatz zu Hasael, Jehu und Elisa ist er die stille Sache – so still, dass Elia nicht einmal auch nur um die Existenz dieser siebentausend Menschen wusste. Gottes Gegenwart jedoch war in diesem Überrest.

Mit diesem historischen Bericht der siebentausend Gläubigen in den Tagen Elias begann also die Lehre vom Überrest Israels; die Heilige Schrift beschäftigt sich damit hinsichtlich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Im vorliegenden Abschnitt geht es uns nur um den Vergangenheitsaspekt.

Der Prophet Jesaja kleidete das Konzept vom Überrest in theologische Begriffe. Hauptsächlich zu finden ist es in jener Sektion des Buches, welche die Kapitel 7 – 12 enthält (häufig „das Buch Immanuels“ genannt, weil der Name im hebräischen Text dreimal zu finden ist [7,14; 8,8.10]). Aufbauend auf dem Kontrast zwischen Getöse und Stille weist Jesaja 8,5-8 auf folgendes hin: Der Nicht-Überrest neigt dazu, sein Vertrauen auf das Tosende zu setzen (nämlich die assyrische Armee). Der Überrest dagegen besitzt eine stille Zuversicht auf den Gott Israels und den, der kommen soll: Immanuel. Letztendlich wird das Tosende den Nicht-Überrest vernichten; Immanuel jedoch wird die Gläubigen retten (Jes 8,9-11). Somit wird Er zum Teilungspunkt zwischen dem Überrest und dem Nicht-Überrest: Für ersteren erweist sich Immanuel als Heiligtum, für letzteren jedoch als Stein des Anstoßes und Fels des Strauchelns (V. 14-15). Der Überrest vertraut auf das Gesetz und die Propheten (V. 16); darum wartet er auf den Herrn (V. 17). So wichtig war die Lehre vom Überrest für Jesaja, dass er einem seiner Söhne den Namen Schear-Jaschuv gab, d.h. „ein Rest kehrt um“ (Jes 7,3). Mit dieser Namensgebung blickte der Prophet voraus auf die zukünftige endgültige Errettung des Überrestes (Jes 10,20-23). Bis dahin ist es Gott, der den Überrest schützt und dessen Überleben garantiert (Jes 46,3-4). In anderen relevanten Abschnitten der vorliegenden Arbeit wird über die Lehre vom Überrest noch mehr zu sagen sein.

Israel in der Gegenwart

Wie bereits im vorigen Kapitel aufgezeigt, war die Gegenwart Israels bisher der schwächste Bereich des Dispensationalismus. Das ist traurig, weil allein er dank seiner konsequenten Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde eine ausgewachsene theologische Entwicklung dieses Themas zulassen kann. Deren Fehlen hat zu einer Menge theologischer Verwirrung unter Dispensationalisten geführt, wenn es um die Juden und die Rolle von jüdischen Gläubigen heutzutage geht. Das Ergebnis: Beim Umgang mit gegenwärtigen jüdischen Themen klingen viele Dispensationalisten wie Bundes-Theologen.

A. Der Plan Gottes zur Aufrichtung Seines Reiches

Der Plan Gottes bezüglich der Aufrichtung seines Reiches durchdringt alles und umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Technisch kann dessen Betrachtung unter jeder beliebigen dieser drei Kategorien eingeordnet werden. Für die Absichten der Israelologie befassen wir uns damit unter „Israel in der Gegenwart“; schließlich ist dieses Thema das Bindeglied zwischen den beiden anderen. Diese Stelle eignet sich genauso gut wie jede andere, um den Plan vom Königreich Gottes zu erläutern. Wie in den vorigen Kapiteln zu sehen war, anerkennen alle vier theologischen Systeme, dass der Plan von Gottes Reich mehr als nur eine Facette hat. Alle sehen zumindest zwei Facetten darin: eine gegenwärtige und eine zukünftige Form dieses Reiches. Unglücklicherweise wollen viele Dispensationalisten die verschiedenen Facetten dadurch erklären, dass sie zwischen den Begriffen

„Reich Gottes“ und „Reich der Himmel“ einen Unterschied machen. BundesTheologen greifen diese Unterscheidung zu Recht an; es handelt sich nämlich um austauschbare Begriffe, wie jedes Parallelstudium der synoptischen Evangelien klar beweist. Solch eine vergleichende Betrachtung enthüllt sehr rasch: An genau derselben Stelle, wo Markus und Lukas vom „Reich Gottes“ reden, verwendet Matthäus „Reich der Himmel“. Diesen Begriff wählte er, weil er sein Evangelium für Juden niederschrieb. Jüdische Menschen achteten (und achten) sehr sensibel darauf, den Namen Gottes (JHWH) nicht zu missbrauchen; daher meiden sie die Verwendung dieses Eigennamens, wann immer sie schreiben oder sprechen. Unter allen Umständen ersetzen sie JHWH durch Ausdrücke wie z.B. HaSchem (der Name), Adonai (Herr) oder Adoschem (Herr des Namens). Gleiches gilt auch für den Begriff „Gott“. Ein gängiger Ersatz ist Schamajim (Himmel). Da Matthäus an Juden schreibt und sich deren Sensibilität bewusst ist, verwendet er Reich der Himmel, damit der Text für jüdische Leser leichter annehmbar wird. Markus dagegen schreibt für Römer und Lukas für Griechen; weil sie nicht mit derartigen Empfindsamkeiten umgehen müssen, können sie vom Reich Gottes sprechen. Was Matthäus mit dem Reich der Himmel meint, unterscheidet sich nicht von dem, was Markus und Lukas mit dem Reich Gottes meinen. Beide Begriffe sind gleichbedeutend und austauschbar. Die von Bundes-Theologen vorgebrachte Kritik gegen jedwede Unterscheidung ist daher korrekt.

Aus zwei Gründen allerdings übertreibt die Bundes-Theologie ihre diesbezügliche Kritik am Dispensationalismus. Erstens nehmen nicht alle Dispensationalisten eine solche Unterscheidung vor. Entweder ist den Bundes-Theologen diese Tatsache nicht bewusst – oder sie ignorieren sie wissentlich und willentlich. Zweitens wollen Bundes-Theologen diese Unterscheidung gern so relevant für das heilszeitliche System machen, dass sie häufig andeuten: Wenn man nur deren Existenz widerlege, habe man das gesamte theologische System zerstört.

Hier soll nun mit aller Klarheit gesagt werden: Es besteht keine Notwendigkeit, zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Himmel zu unterscheiden. Die Ansicht des vorliegenden Werkes lautet, dass darin gar kein Unterschied besteht; die Begriffe sind synonym und lassen sich gegeneinander austauschen. Von allen Dispensationalisten anerkannt wird indes die Tatsache, dass der Plan von Gottes Reich mehr als eine Facette aufweist. Bundes-Theologen stimmen dem zu. Allerdings sind sie untereinander uneins, wie viele Facetten es denn nun gibt und wie die Wesensart einer jeden aussieht. Ihre Folgerungen bestimmen ihre Sichtweise auf das Millennium; darum sind sie letzten Endes Post-, A- oder Prämillennialisten. Unter Dispensationalisten herrscht wesentlich größere Übereinstimmung hinsichtlich der Anzahl von Facetten in Gottes Reich sowie der Wesensart einer jeden.

Bevor wir uns mit den Einzelfacetten vom Reich Gottes befassen, ist eine Arbeitsdefinition angebracht. Eine gute Begriffsbestimmung lautet: Das Reich Gottes ist Gottes Herrschaft – die Sphäre, über welche der souveräne Gott regiert. Es mag in verschiedenen Aspekten im Plan der Aufrichtung seines Reiches gewisse Abstufungen in der Autorität geben; die grundlegende Bedeutung jedoch besagt: Gott regiert! J. Dwight Pentecost, Professor am Dallas Theological Seminary, fügt hinzu: „Es gibt drei miteinander in Wechselbeziehung stehende Vorstellungen, die bei Aufrichtung eines biblischen Konzepts für diesen Begriff zu berücksichtigen sind.“65 An erster Stelle steht das Herrschaftsrecht, d.h. „jene Autorität oder Macht, die dem Regenten über ein Königreich gewährt wird“.66 An zweiter Stelle steht das Herrschaftsgebiet, d.h. jener Bereich, „in welchem die herrschende Autorität ausgeübt wird“. Sie „involviert eher die Untertanen des Inhabers der Autorität als die Autorität selber“.67 An dritter Stelle steht die Realität der Herrschaft, d.h. „die eigentliche Ausübung königlicher Autorität“; denn „getrennt von der praktischen Ausübung jener Autorität kann es kein tatsächliches Königreich geben“.68 Pentecost schließt mit der Folgerung, das biblische Königreichs-Konzept beinhalte „das Recht der Herrschaft; ein Reich, in welchem herrschende Autorität ausgeübt wird; und die Realität der tatsächlichen Ausübung dieser Autorität“.69 Zwei Aspekte vom Reich Gottes müssen bedacht werden: der ewige und der zeitliche. Die Beziehung dieser beiden Aspekte besteht darin, dass der erstgenannte „eine irdische Manifestation der universellen Souveränität Gottes ist“; somit ist der zeitliche „ein Reich, in welchem Gott die Angelegenheiten der Menschen regiert, sodass das Reich als sowohl geistlich als auch materiell wahrgenommen wird“.70

Renald E. Showers zitiert zunächst 1. Chronika 29,11-12 und zeigt, dass das Konzept vom Reich Gottes von Gottes Souveränität abgeleitet ist; dann sagt er:

In diesem Gebet verkündet David mindestens drei bedeutsame Fakten über Gott. Erstens hat er die souveräne Herrschaftsmacht bzw. -autorität inne. Zweitens gibt es Untertanen (alles, was im himmlischen und im irdischen Bereich ist), über die er seine souveräne Herrschaft ausüben kann. Drittens übt er seine Herrschaft über diese Untertanen auch tatsächlich aus. Alle drei

65 J. Dwight Pentecost, Thy Kingdom Come (Wheaton, IL: Victor Books, 1990), S. 12.

66 Ebd.

67 Ebd., S. 13.

68 Ebd., S. 14.

69 Ebd.

70 Ebd., S. 12.

Faktoren sind notwendige Voraussetzungen für die Existenz eines Königreiches.71

Die Schrift offenbart viel über den Plan vom Reich Gottes; und manchmal scheinen diesbezügliche Aussagen einander zu widersprechen. Showers verweist auf drei solche Gebiete. Erstens bestehen Unterschiede hinsichtlich der Zeitangaben; schließlich gibt es Passagen, die das Reich als sowohl gegenwärtig als auch zukünftig bezeichnen. Zweitens bestehen Unterschiede hinsichtlich der Ausdehnung; schließlich spricht die Bibel von diesem Reich sowohl als universell als auch rein irdisch. Drittens bestehen Unterschiede hinsichtlich der Herrschaftsausübung: „Manchmal heißt es, dass Gott seine Herrschaft über das Universum bzw. einen Teil davon direkt ausübt. … Im Gegensatz dazu beschreiben andere Schriftstellen, wie Gott seine Herrschaft über sein Reich indirekt ausübt, genauer gesagt durch einen menschlichen Mittler, und nur über die Erde.“72 Daraufhin liefert Showers die nachfolgende Zusammenfassung:

Es gibt also drei bedeutsame Unterscheidungen in der biblischen Lehre vom Reich Gottes: eine Unterscheidung im zeitlichen Rahmen (das Reich Gottes gibt es schon seit sehr langer Zeit, aber es hat auch noch nicht begonnen); eine Unterscheidung in der Ausdehnung (das Reich Gottes ist allumfassend und erstreckt sich doch nur auf die Erde); und eine Unterscheidung in der Herrschaftsform (Gott übt seine Herrschaft direkt über das ganze Universum bzw. einen Teilbereich davon aus, gleichzeitig erstreckt sich seine Herrschaft nur auf die Erde und wird von einem menschlichen Mittler ausgeübt).73

Alle derartigen scheinbaren Widersprüche verschwinden jedoch, sobald man klar realisiert, dass der Plan von Gottes Reich fünf Facetten aufweist.

1. Das universelle bzw. ewige Königreich

Die erste Facette im Plan der Aufrichtung von Gottes Reich heißt „das universelle Reich“ oder „das ewige Reich“. Sie bezieht sich auf Gottes Herrschaft in Vorhersehung, in Souveränität sowie darin, dass Er stets die Kontrolle hat. Nichts geschieht jemals außerhalb Seines Willens. Geschehnisse

71 Renald E. Showers, Es gibt wirklich einen Unterschied (Übers.: Tatjana Meffle; CMV Hagedorn [Düsseldorf]/CLKV Pfäffikon, 2011), S. 160.

72 Ebd., S. 162-163 (Hervorhebungen nicht übernommen).

73 Ebd., S. 164 (Hervorhebungen nicht übernommen).

mögen sich aufgrund des richtungsweisenden bzw. verfügenden Willens Gottes zutragen, oder sie mögen sich aufgrund Seines zulassenden Willens ereignen. Entscheidend dabei ist: Gott hat stets die Kontrolle.

Ihre zwei Namen hat diese Facette bekommen, um die in ihr enthaltenen zwei unterschiedlichen Aspekte zu betonen. Das Wort „ewig“ hebt die Zeitlosigkeit hervor: die Tatsache, dass Gott stets die Kontrolle hat – und zwar in alle Ewigkeit. Das Wort „universell“ hebt Sphäre und Umfang hervor: Ganz egal, wo irgendetwas existiert – alles ist innerhalb vom souveränen Willen und der Kontrolle Gottes. Dies beinhaltet auch das Reich der Engel.

Pentecost zählt vier Charakteristika dieser Facette vom Reich Gottes auf und sagt, es sei zeitlos, universell, vorhersehend und wundersam.74

Die erste Facette im Plan von Gottes Reich betont Seine ewige, souveräne Herrschaft überall über Seine gesamte Schöpfung. Gesprochen wird davon in 1. Chronika 29,11-12; Psalm 10,16; 29,10; 74,12; 90,1-6; 93,1-5; 103,1922; 145,1-21; 148,8; Sprüche 21,1; Jeremia 10,10; Klagelieder 5,19; Daniel 4,14.22.29; 6,28; Apostelgeschichte 17,24 u.a. Es handelt sich um jenes Reich, das der Gläubige bei seinem Tod betritt (1Kor 15,50; 2Tim 4,18). Die Heilszeiten sind die Auswirkung dieses Reiches in der Menschheitsgeschichte.

2. Das geistliche Königreich

Die zweite Facette im Plan von Gottes Reich heißt „das geistliche Königreich“. Es besteht aus all jenen Menschen aller Zeiten, welche die Neugeburt durch den Heiligen Geist erfahren haben. Von Adam bis in unsere Tage und solange Menschen auf Erden geboren werden, wird das geistliche Reich existieren. Jeder einzelne Mensch seit Adam, der durch den Glauben mittels des Wirkens des Heiligen Geistes wiedergeboren worden ist, gehört zu diesem Reich. Von diesem Reich Gottes sprach Jeschua gegenüber Nikodemus, als er sagte, wenn jemand nicht von Neuem geboren werde, könne er nicht ins Reich Gottes eingehen.

Das geistliche Reich ist Gottes Herrschaft im Herzen des Gläubigen. In den Augen einiger Bundes-Amillenialisten stellt dies den gesamten Plan Gottes bezüglich seines Reiches auf der Erde dar; für Dispensationalisten dagegen ist es nur eine seiner Facetten. Sie leugnen nicht die Tatsache von Gottes Herrschaft in den Herzen der Heiligen. Sie weigern sich schlicht, jede Bibelstelle zum Reich Gottes in diese Einzelfacette hineinzuzwingen, wenn das einfach nicht passt. Man findet diese Facette in Matthäus 6,33; 19,16.23-24; Johannes 3,3-5; Apostelgeschichte 8,12; 20,25; 1. Korinther 4,20; Kolosser 1,13-14; 4,11; 1. Thessalonicher 2,12 u.a.

74 Pentecost, a.a.O., S. 19.

Im gegenwärtigen Zeitalter zwischen Apostelgeschichte 2 und der Entrückung sind das geistliche Königreich und die Gemeinde gleichbedeutend. Allerdings existierte es schon vor Anfang der Gemeinde und wird auch noch weiterexistieren, nachdem die Gemeinde in der Entrückung weggenommen worden ist.

3. Das theokratische Königreich

Die dritte Facette im Plan von Gottes Reich wird „das theokratische Reich“ genannt. Sie bezieht sich auf Gottes Herrschaft mittels und durch eine Theokratie über eine Nation: Israel. Das theokratische Reich war Gottes Herrschaft über Israel. Errichtet wurde sie durch Mose. Mit der Gesetzgebung wurden die Fundamente Israels als theokratisches Reich gelegt.

Geschichtlich nahm es zwei Formen an. Zuerst hatte es mediatorische Gestalt. Von Mose bis Samuel herrschte Gott durch Vermittler; es handelte sich um Mose, Josua und danach die Richter, von denen Samuel der letzte war. Darauf folgte die monarchische Gestalt. Von David bis Zedekia als dem letzten König herrschte Gott durch diese Regenten. Samuel markierte den Übergang zwischen den beiden Formen des theokratischen Reiches; er war nicht nur der letzte Richter, sondern salbte auch David. David seinerseits begann eine Dynastie, die bis zu Zedekia fortwährend den Thron innehatte.

Während der letzten monarchisch geprägten Stadien des theokratischen Reiches ging es mit dessen Qualität bergab. Mit diesem Niedergang begannen die Propheten, eine zukünftige, eine bessere Form des Reiches Gottes anzukündigen; dabei sollte es sich um das Messianische Reich handeln.

Das theokratische Königreich in seiner mediatorischen und monarchischen Form fand mit der Zerstörung Jerusalems durch Babylon ein Ende. Zu diesem Zeitpunkt begann die Zeit der Nationen, welche bis heute währt. Die alttestamentliche Geschichte von 2. Mose 19 bis 2. Chronika 36 ist eine Historie des theokratischen Königreiches.

4. Das Messianische bzw. Tausendjährige Reich (Das Millennium)

Die vierte Facette im Plan von Gottes Reich erhält ebenfalls zwei bzw. sogar drei Namen: „das Messianische Reich“ oder „das Tausendjährige [Friedens-] Reich“ (bzw. mit dem Fremdwort „das Millennium“). Ersterer Name betont: Dieses Reich wird ganz direkt vom Messias persönlich regiert werden. Letzterer Name hebt hervor, wie lange es dauern wird: eintausend Jahre.

Es wird sich dabei um ein irdisches, wörtliches Königreich handeln; und Jeschua wird es vom Thron Davids aus beherrschen. Verwurzelt ist es im Davidsbund: Als Gott diesen schloss, versprach Er David ein ewiges Haus, ein ewiges Reich, einen ewigen Thron und einen ewigen Nachkommen. Diese vierte Facette im Plan von Gottes Reich (eben das Messianische Reich) war ein Hauptgebiet alttestamentlicher Prophetie. Es war jenes Reich, von dem Johannes der Täufer verkündete, es sei nahegekommen; jenes Reich, das Jeschua dem jüdischen Volk anbot; jenes Reich, das abgelehnt wurde. Als Ergebnis dieser Ablehnung des Messianischen Reiches wurde es gegenüber jener Generation widerrufen oder von ihr „weggenommen“. Aus menschlicher Perspektive bedeutete dies: Das Messianische Reich wurde „vertagt“ und sollte zu jener Zeit noch nicht aufgerichtet werden. Aus göttlicher Perspektive war die Ablehnung ein Teil von Gottes Plan sowie jenes Mittel, durch welches der Messias als Sühnung sterben und wodurch das Evangelium auf die Nationen ausgedehnt werden sollte (Jes 49,1-13). Das Messianische Königreich wird der jüdischen Generation in der Großen Trübsal erneut angeboten werden – und diese Generation wird es annehmen. Von dieser Facette wird unter „Israel in der Zukunft“ mehr zu sagen sein. In der Zwischenzeit sollte die fünfte Facette im Plan von Gottes Reich in Kraft treten.

5. Das Geheimnis des Reiches Gottes

Die fünfte Facette im Plan von Gottes Reich heißt „das Geheimnis des Reiches Gottes“. Abgeleitet wird der Name aus Matthäus 13: Dort führte Jeschua infolge der Ablehnung Seiner Messianität diese Facette als die Geheimnisse des Reiches ein (Mt 13,11). Was ein göttliches Geheimnis ist, definiert Paulus in Epheser 3,3-5.9 und Kolosser 1,26-27: nämlich eine göttliche Wahrheit, die in den hebräischen Schriften nicht offenbart wurde, im Neuen Testament jedoch offenbart worden ist. In Paulus’ Worten handelt es sich um ein Geheimnis, das im Alten Testament den Söhnen der Menschen nicht zu erkennen gegeben wurde (Eph 3,5), weil es in Gott, der alle Dinge geschaffen hat, verborgen war (Eph 3,9) und von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war (Kol 1,26). In neutestamentlicher Zeit ist es jetzt Gottes heiligen Aposteln und Propheten (Eph 3,5) und Heiligen (Kol 1,26) geoffenbart worden, um für jedermann ans Licht zu bringen, was der Plan des seit Zeitaltern in Gott verborgenen Geheimnisses ist. Kurz: Das Geheimnis des Reiches Gottes ist die einzige Facette des Programms von Gottes Reich, welche in den hebräischen Schriften nicht offenbart wurde.

Nachdem das jüdische Volk Jeschua als seinen Messias verworfen hatte, wurde das Angebot des Messianischen Reiches widerrufen, und die fünfte Facette des Programms von Gottes Reich (eben das Geheimnis des Reiches Gottes) wurde in Kraft gesetzt. Die Gleichnisse zu dessen Schilderung in Matthäus 13 offenbaren: Diese Facette von Gottes Reich deckt das Zeitalter zwischen den zwei Kommen des Messias ab. Spezifischer gesagt: Sie beginnt mit der Ablehnung von Jeschuas Messianität in Matthäus 12 – 13 und währt bis zu deren Annahme durch Israel unmittelbar vor dem Zweiten Kommen. Das vielleicht beste einzelne Wort zur Definition des Geheimnis des Reiches Gottes lautet „Christenheit“. Es schildert die Zustände auf dieser Erde, während der König von ihr abwesend und im Himmel ist. Die Geheimnisse des Reiches setzen Wahrheiten mit der ewigen Absicht Gottes hinsichtlich Seines ewigen Reichs in Beziehung.

Die neun Gleichnisse aus Matthäus 13,1-53, Markus 4,1-34 und Lukas 8,4-18 schildern die Auswirkung des Geheimnis des Reiches Gottes im gegenwärtigen Zeitalter. Das erste Gleichnis (Mt 13,3-9.1923; der Sämann) lehrt: Charakterisiert wird das Zeitalter des Geheimnis des Reiches Gottes durch die Aussaat vom Samen des Evangeliums unter dem Widerstand von Welt, Fleisch und Teufel. Es ist gekennzeichnet von unterschiedlichen Reaktionen auf den ausgebrachten Samen. Das Verstehen des ersten Gleichnisses bildet den Schlüssel zum Verständnis der darauffolgenden Gleichnisse (Mk 4,13); darum wird dessen Deutung durch Jeschua selber detailliert dargelegt.

Das zweite Gleichnis (Mk 4,26-29; die von selbst aufwachsende Saat) lehrt: Der im ersten Gleichnis ausgebrachte Same wird von selbst zum Leben erwachen; er besitzt eine innere Energie, sodass er auf unerklärliche Weise wiedergebären und ewiges Leben im Gläubigen hervorbringen wird.

Das dritte Gleichnis (Mt 13,24-30.36-43; das Unkraut im Weizen) lehrt: Die wahre Aussaat aus dem ersten Gleichnis wird durch eine falsche Gegen-Aussaat imitiert, sodass sich als Ergebnis der zweifachen Aussaat eine (Seite an Seite stattfindende) Entwicklung vollzieht. Erst das Gericht am Ende vom Zeitalter des Geheimnis des Reiches Gottes wird die beiden voneinander trennen; das Gute wird ins Messianische Reich hineingebracht, das Schlechte wird ausgeschlossen. Dies ist dasselbe wie das Gericht über die Schafe und die Böcke in Matthäus 25,31-46.

Das vierte Gleichnis (Mt 13,31-32; das Senfkorn) lehrt: Das Geheimnis des Reiches Gottes wird äußerlich riesenhafte Ausmaße annehmen. Es weist ein abnormes äußeres Wachstum auf, bis es zu einem regelrechten Ungetüm wird, das dann seinerseits einen Ruheort für Vögel bildet. Gemäß dem ersten Gleichnis stehen die Vögel für Agenten Satans und sind

demnach ein negatives Element. Unter dem Schirm der Christenheit würde es alle möglichen Gruppen (wie etwa Kulte) geben, die zwar den Namen des Messias verwenden, jedoch Seine Göttlichkeit leugnen.

Das fünfte Gleichnis (Mt 13,33; der Sauerteig) lehrt: Markiert wird das Geheimnis des Reiches Gottes durch innere lehrmäßige Verderbtheit. Wenn das Wort Frau in der Bibel symbolisch verwendet wird, steht es für ein falsches religiöses System, das in geistlicher Unzucht resultiert (Offb 2,20; 17,1-18). Wann immer der Begriff Sauerteig symbolisch vorkommt, steht er stets für Sünde (1Kor 5,6-8) und häufig für die spezifische Sünde falscher Lehre (Mt 16,6.11-12). Die im Gleichnis erwähnten drei Maß Mehl, unter denen der Sauerteig verborgen ist, verweisen auf die Tatsache, dass sich die Christenheit zu drei Hauptrichtungen entwickeln würde: römisch-katholisch, östlich-orthodox und protestantisch. Alle drei weisen in höherem oder geringerem Maße falsche Lehre auf.

Das sechste Gleichnis (Mt 13,44; der Schatz im Acker) befasst sich mit dem alttestamentlichen Symbol für Israel (2Mo 19,5; 5Mo 14,2; Ps 135,4) und lehrt: Trotz der zwei vorigen Probleme wird der Herr einen Überrest aus Israel gewinnen; es wird Juden geben, die zum rettenden Glauben kommen.

Das siebte Gleichnis (Mt 13,45-46; die kostbare Perle) enthält zwar keine klare Aussage dazu, wofür dieses Kleinod steht; der Andeutung nach jedoch symbolisiert es die Nichtjuden. Zwei Gründe lassen sich für diese Deutung nennen. Erstens: Es bietet den folgerichtigen Kontrast zu den Juden im vorigen Gleichnis – schließlich beinhaltet das Geheimnis des Reiches Gottes ja sowohl Juden als auch Nichtjuden. Zweitens: Ursprung der Perle ist das Meer, ein gängiges Symbol für die heidnische Welt (Dan 7,2-3; Offb 17,1.15). Dies bedeutet also, dass auch viele Heiden zum rettenden Glauben gelangen.

Das achte Gleichnis (Mt 13,47-50; das Fischernetz) lehrt: Das Zeitalter vom Geheimnis des Reiches Gottes endet mit dem Gericht über die Nationen (symbolisiert durch das Meer). Die Gerechten werden ins Messianische Königreich hineingebracht, die Ungerechten indessen werden ausgeschlossen. Später wird dieses Gericht in Matthäus 25,31-46 ausführlicher geschildert.

Das neunte Gleichnis (Mt 13,51-52; der Hausherr) lehrt: Einige Aspekte des Geheimnis des Reiches haben Ähnlichkeiten mit den übrigen Facetten von Gottes Plan für die Aufrichtung seines Reiches. Andere dagegen sind neu und zuvor in der hebräischen Bibel noch nie beschrieben worden.

Das Geheimnis des Reiches Gottes muss klar von den anderen Facetten unterschieden werden. Zum Ersten: Es unterscheidet sich vom ewigen Reich, denn es ist zeitlich begrenzt durch das Erste und Zweite Kommen oder – spezifischer – durch die jüdische Verwerfung des Messias auf der einen und die jüdischen Annahme des Messias auf der anderen Seite. Zum Zweiten: Es ist auch nicht dasselbe wie das theokratische Reich, weil es sich nicht auf eine einzige Nation (Israel) beschränkt, sondern sowohl Juden als auch Nichtjuden einschließt. Zum Dritten: Es ist nicht dasselbe wie das geistliche Reich; das umfasst nämlich ausschließlich Gläubige, während es im Geheimnis des Reiches Gottes sowohl Gläubige als auch Ungläubige gibt. Zum Vierten: Es unterscheidet sich vom Messianischen Reich, weil das kein Geheimnis war, sondern vielmehr Gegenstand vieler Offenbarungen auf den Seiten der hebräischen Heiligen Schrift. Auch regiert der Messias das Geheimnis des Reiches Gottes nicht physisch und sichtbar auf der Erde. Fünftens: Es ist nicht dasselbe wie die Gemeinde. Die ist zwar in dessen Umfang enthalten; es ist jedoch weit umfassender als die Gemeinde an sich. „Christenheit“ ist der beste Einzelbegriff zur Definition dessen, was das Geheimnis des Reiches Gottes ist. Da dessen Zeitspanne sich von der Verwerfung des Königs bis zur Annahme des Königs in den Schlusstagen der Trübsal erstreckt, gehört das Zeitalter der Gemeinde (von Apostelgeschichte 2 bis zur Entrückung) ganz offensichtlich zum Geheimnis des Reiches Gottes. Allerdings umfasst es auch sowohl die Zeit zwischen Matthäus 13 und Apostelgeschichte 2 als auch die Große Trübsal.

Diagramm 3: Verbindung der Gleichnisse mit dem Geheimnis des Reiches Gottes

6. Zusammenfassung:

Der Plan von Gottes Reich

Es gibt keinen Unterschied zwischen den Begriffen Reich Gottes und Reich der Himmel. Sie sind auswechselbar und gleichbedeutend. Gottes Plan zur Aufrichtung seines Reiches hat fünf Facetten. Während sich jede davon durch ein unterschiedliches Maß an Autorität charakterisieren lässt, bleibt Gott stets der Herrschende. Ein Königreich beinhaltet das Recht auf die Herrschaft, das Reich der Herrschaft und die Realität (oder das Autoritätsniveau) der Herrschaft. Gottes Reich ist jene Sphäre, über die Gott herrscht. Es enthält sowohl ewige als auch zeitliche Elemente, wodurch es sowohl geistlich als auch materiell ist.

Die fünf Facetten lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Facette vom Programm von Gottes Reich

Universelles/ewiges Reich

Geistliches Reich

Theokratisches Reich

Messianisches/ Tausendjähriges Reich

Definition

Dies ist die zeit- und grenzenlose Realität von Gottes Souveränität und Willen (sei der nun richtungsweisend oder zulassend).

Dies besteht aus all jenen, welche die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist erlebt haben – angefangen bei Adam und so lange, wie Menschen auf dieser Erde geboren werden. Obwohl gegenwärtig die Gemeinde und das geistliche Reich gleichbedeutend sind, existierte letzteres bereits vor der Gemeinde und wird auch nach der Entrückung noch weiterbestehen.

Dies ist Gottes Herrschaft über eine Einzelnation: Israel. Mit Mose aufgerichtet, durchlief es zwei Formen: mediatorisch (Richter) und monarchisch (Könige). Als es mit der Qualität des Reiches bergab ging, verkündeten die Propheten eine künftige, bessere Form: das Messianische Reich. Das theokratische Reich endete mit der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier; damit begann die bis zum heutigen Tag andauernde Zeit der Nationen.

Dieses Reich wird für eine Dauer von 1.000 Jahren durch den Messias vom Thron Davids aus regiert werden. Beim Ersten Kommen Jeschuas wurde es dem jüdischen Volk angeboten, jedoch abgelehnt. Infolgedessen wurde das Angebot widerrufen, von der Generation in Jeschuas Tagen weggenommen und auf eine spätere Zeit vertagt; dann wird es der jüdischen Generation der Trübsal erneut angeboten, welche es annehmen wird.

Geheimnis des Reiches Gottes

Nach Ablehnung des Messianischen Reiches wurde das Geheimnis des Reiches Gottes in Kraft gesetzt. Davon abgedeckt wird das Zeitalter zwischen dem Ersten und dem Zweiten Kommen des Messias. „Christenheit“ (definiert als alle möglichen Gruppen einschließlich von Kulten und Einzelpersonen, seien sie nun wahrhaft Gläubige oder nicht, die jedoch den Namen des Messias verwenden oder beanspruchen) ist wahrscheinlich das beste Wort zur Schilderung der Zustände auf Erden, während der König abwesend ist. Dieses Reich beinhaltet die Gemeinde, ist jedoch viel weiter gefasst als sie. Es währt bis an das Ende der Großen Trübsal.

8:

Eine Darstellung der fünf Facetten im Plan von Gottes Reich in Form eines Diagramms hilft beim Verständnis ihrer Wesensart und Absicht:

4: Die fünf Facetten im Plan von Gottes Reich

Tabelle
Die fünf Facetten im Plan von Gottes Reich
Diagramm

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