Liebe und Geduld
10 Frauen des Glaubens
1. Auflage 2026
© by Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen
Satz, Layout: Christliche Schriftenverbreitung
Umschlag: ideegrafik
ISBN 978-3-98838-110-1
Bestell-Nr. 260110
www.csv-verlag.de
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Deutschland




Vorwort
In diesem Buch stellen wir zehn Frauen Gottes aus der Geschichte der christlichen Kirche vor.
Sie alle waren von Liebe und Geduld geprägt – Eigenschaften, die sie in ihren vielfältigen Herausforderungen dringend brauchten: als Personen auf der Fahndungsliste der Nazis, als Sklavin im Amphitheater, im tiefen südamerikanischen Dschungel, im Kriegsgefangenenlager, mitten unter taiwanesischen Straßengangs, über 75 Jahre an einer Schule in Afrika oder als kranke Ehefrau eines ständig abwesenden Predigers.
Diese Biografien machen deutlich, dass es nicht auf spektakuläre Leistungen, Bekanntheit oder einen großen Wirkungskreis ankommt. Gott achtet vor allem darauf, dass wir unsere Aufgaben in Liebe und Geduld zu seiner Ehre erfüllen.
„Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles“ (1. Korinther 13,4–7).
Blandina

Eine eiserne Märtyrerin
(um 150–177 in Lyon)
Blandina wird um 150 n. Chr. in Lugdunum (dem heutigen Lyon) geboren, das zur römischen Provinz Gallien gehört. Sie besitzt keine römische Staatsbürgerschaft, stammt aus einfachen Verhältnissen und arbeitet als Sklavin in einer christlichen Familie. Früh bekehrt sie sich zu Jesus Christus. Sie ist klein, zierlich und körperlich schwach. Doch bei ihr zeigt sich die Wahrheit, dass Gottes Kraft in Schwachheit vollbracht wird (2. Korinther 12,9).
Zu Blandinas Zeit regiert der römische Kaiser Marc Aurel (161–180 n. Chr.). Christen werden während seiner Herrschaft nicht systematisch verfolgt, doch können sie angezeigt werden, wenn sie sich weigern, den heidnischen Göttern zu opfern. Sie werden dann verhaftet und oft gefoltert. Wer seinem Glauben abschwört, wird freigelassen; wer sich weigert, muss mit der Todesstrafe rechnen. In verschiedenen Regionen des Römischen Reiches kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Christen. In Lyon spitzt sich Lage dramatisch zu.

Büste des Marc Aurel in der Glyptothek München
Verfolgung in Lyon
Die Menschen in der französischen Stadt sind aufgebracht, weil die Christen ihre Götter nicht verehren und sogar deren Existenz leugnen. Die Christen werden darum sozial ausgegrenzt und zunehmend bedrängt. Zunächst wird ihnen der Zutritt zu den beliebten Thermen verwehrt. Bald darauf dürfen sie sich überhaupt nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Schließlich werden diejenigen verhaftet, die ihren Glauben offen und mutig bekennen. Blandina wird zusammen mit der Familie festgenommen, bei der sie arbeitet. Als sie abgeführt wird, brüllt der mitgelaufene Pöbel sie an, schlägt und beraubt sie. Doch sie erträgt alles mit großer Gelassenheit, denn der „Geist der Herrlichkeit“ (1. Petrus 4,14) ruht auf ihr.
Die junge Christin wird zusammen mit einigen anderen Christen zum Marktplatz gebracht. Hauptmann und Stadträte verhören sie dort vor dem ganzen Volk. Danach werden sie ins Gefängnis geworfen, wo sie bleiben sollen, bis der Statthalter das Urteil spricht. In dem Kerker gibt es weder genug zu essen noch sanitäre Anlagen. Deshalb bringen Christen immer wieder Nahrung und Hilfe zu ihren eingesperrten Glaubensgeschwistern. Dabei riskieren sie, gefangen genommen, gefoltert oder sogar getötet zu werden.
Da ganze Haushalte verhaftet werden, landen auch einige ungläubige Sklaven im Gefängnis. Während sie die Folterungen miterleben, beschuldigen einige von ihnen die Christen der gröbsten Sünden (Inzest, Kannibalismus und andere Abscheulichkeiten). Mit diesen infamen Vorwürfen wollen sie
sich selbst die Freiheit sichern. In kurzer Zeit verbreiten sich diese Gerüchte unter der Bevölkerung, und die Stimmung kippt endgültig. Christen dürfen von nun an ihre Glaubensgeschwister in den Gefängnissen nicht mehr besuchen und viele von ihnen werden selbst inhaftiert.
Das Leiden der Blandina
Blandina ist so schwach, dass ihre inhaftierte Herrin befürchtet, sie werde schon unter dem geringsten Druck zusammenbrechen. Doch anstatt im Glauben wankend zu werden, legt Blandina furchtlos Zeugnis ab und erträgt die Folterungen mit einer Kraft, die nur von Gott kommen kann. Einmal wird sie den ganzen Tag lang auf jede nur erdenkliche Weise gequält. Abends gestehen die erschöpften Folterknechte, dass ihnen keine neue Grausamkeit mehr einfällt, die sie ihr antun könnten. Sie wundern sich, dass Blandina noch lebt, während viele andere schon nach einer einzigen Folter gestorben sind. Noch erstaunlicher aber ist, dass sie innerlich ungebrochen ist und selbst im größten Leiden schlicht und eindringlich bekennt: „Ich bin eine Christin, und bei uns geschieht nichts Böses.“
Ihre Tapferkeit ermutigt viele Mitgefangenen, ebenfalls für das Evangelium zu leiden. Trotzdem verleugnen etwa zehn Christen ihren Glauben, um den Qualen zu entkommen. Doch das hilft ihnen nicht: Sie werden wegen anderer angeblicher Vergehen angeklagt und am Ende trotzdem hingerichtet.
Im Amphitheater
Weil Blandina nicht abschwören will, wird sie ins Amphitheater geführt und dort vor den Augen der gaffenden Menge mit Ruten gegeißelt, deren Spitzen mit Metallsplittern versehen sind. Jeder Hieb reißt tiefe, klaffende Wunden in ihre Haut. Nach dieser grausamen Tortur bindet man sie mit ausgestreckten Armen an einen Pfahl und setzt sie den Raubkatzen vor. Doch die wilden Tiere schleichen lediglich um sie herum, ohne sie zu verletzen. Schließlich wird Blandina losgebunden und zurück ins Gefängnis gebracht.
In den folgenden Tagen wird sie immer wieder aus dem Gefängnis geholt, damit sie das Leiden und Sterben ihrer Mitchristen sieht. Wird sie das dazu bringen, ihren Glauben zu verleugnen? Nein, denn sie lebt nach dem Wort des Herrn Jesus: „Fürchte nichts von dem, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage. Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“ (Offenbarung 2,10).
Der letzte Tag
Am letzten Tag der Gladiatorenkämpfe und grausamen Schauspiele wird Blandina in die Arena geführt, begleitet von einem etwa fünfzehnjährigen Christen namens Pontikus. Man will die beiden dazu bringen, den Göttern zu huldigen. Doch die jungen Menschen bleiben unbeirrt und schenken

Das Amphitheater von Lyon entstand wohl im zweiten Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts n. Chr. und gehört damit zu den ältesten Amphitheatern außerhalb des heutigen Italien.

den Götzenbildern keine Beachtung. Dies versetzt die Menge in rasende Wut. Die Peiniger versuchen, sie auf jede erdenkliche Weise in die Knie zu zwingen, doch sie erreichen nichts. Pontikus, den seine Glaubensschwester Blandina immer wieder ermutigt, bleibt bis zum Tod treu. Auch er hat tief verinnerlicht, was sich die Christen immer wieder zurufen: „Furcht ist nicht, wo die Liebe des Vaters ist. Leid ist nicht, wo die Herrlichkeit Christi ist!”
Nun ist Blandina an der Reihe. Diejenige, die vorher anderen Mut zugesprochen hat, muss nun selbst den letzten, schweren Weg gehen. Blandina wird auf einen glühenden Rost gelegt und erleidet dabei schwerste Brandwunden. Schließlich wird sie in ein Fischernetz gewickelt und einem wilden Stier vorgeworfen. Das Tier schleudert sie mehrmals in die Höhe, doch Blandina nimmt dies nicht mehr wahr, da sie schon bewusstlos ist. Am Ende durchschneidet ein römischer Soldat mit dem Schwert ihre Kehle.
Keine Bestattung
Als zusätzliche Demütigung werden die Leichen öffentlich zur Schau gestellt und von Soldaten tagelang bewacht. Danach werden die Körper verbrannt und die Asche in die nahe vorbeifließende Rhône gestreut. Die Menschen glauben, dadurch eine Auferstehung der Christen unmöglich zu machen. Sie sagen: „Nicht einmal diese Hoffnung wollen wir ihnen lassen! Denn der Auferstehungsglaube ist es, der sie dazu brachte, eine neue, fremde Religion bei uns einzuführen. Die-

ser Glaube machte sie stark, alle Martern zu verachten und ohne zu zögern, ja mit Jubel in den Tod zu gehen. Nun wollen wir einmal sehen, ob sie wirklich von den Toten auferstehen und ob ihr Gott sie unseren Händen entreißen wird!“
Doch der Tag der Auferstehung wird kommen, und der Tod, der hier scheinbar so viele Triumphe gefeiert hat, wird für immer besiegt sein. „Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anzieht und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anzieht, dann wird das Wort erfüllt, das geschrieben steht: ‚Verschlungen ist der Tod in Sieg.‘“ „Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?” Der Stachel des Todes ist die Sünde und die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns durch unseren Herrn Jesus Christus den Sieg gibt! (1. Korinther 15,54–57). Dann wird Blandina die Krone des Lebens erhalten, denn sie hat ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod (vgl. Offenbarung 2,10; 12,11). Obwohl Blandina schon lange gestorben ist, redet sie durch ihren Glauben und Mut noch immer zu uns.
Gerrid Setzer