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Der wundersame Rabe des kleinen Ilja

und 11 andere

Lagerfeuer-Geschichten

1. Auflage 2023

© Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen

Illustrationen: Rahel Dreher

Gestaltung und Satz: Sophia Greeb, Brockhaus

Gesamtherstellung: Brockhaus in Dillenburg

ISBN: 978-3-89287-435-5

www.csv-verlag.de

Geschichte

1. Tikaanis Wettlauf

2. Fu-Kwei auf der Suche nach dem Glück

3. Yussuf in geheimer Mission

4. Pablo, der singende Schuhputzer

5. Einsatz in Boston

6. Mr. Brown und seine Botschaft

7. Gustavo und sein großer Wunsch

8. Kate und die Brücke vom Honey Creek

9. Zwei kleine Bücher und ihre große Wirkung

10. Rettendes Wasser

11. Grady Clark in tödlicher Gefahr

12. Der wundersame Rabe des kleinen Ilja

12 Geschichten, 12 Orte auf der Welt

Kontinent Land

Ort

Nordamerika Kanada Inuvik

Asien China Yichang

Asien Libanon Jounieh

Südamerika Equador Quito

Nordamerika Massachusetts (USA) Boston

Nordamerika Britisch Kolumbien (Kanada) Kamloops

Südamerika Brasilien Rio de Janeiro

Nordamerika Iowa (USA) Boone County

Europa Deutschland Gießen

Nordamerika Utah/Arizona (USA) Navaho Mountain

Nordamerika Grönland Kap Farvel

Europa Russland Kabardino-Balkarien

LagerfeuerGeschichte 1

Kanada ...

... ist mit seinen fast 10 Millionen Quadratkilometern (in Bezug auf die Fläche) das zweitgrößte Land der Erde und erstreckt sich von der Grenze zur USA im Süden bis zum nördlichen Polarkreis. Die ca. 38 Millionen Einwohner leben zum größten Teil in den Städten, das weite Land ist nur dünn besiedelt. Die Hauptstadt Ottawa liegt im Südosten in der Nähe der großen Seenplatte, die aus fünf großen Seen besteht. Das Land ist in drei Territorien (Yukon, Northwest Territories und Nunavut) und zehn Provinzen aufgeteilt.

Im Norden Kanadas leben die Inuit, die Ureinwohner dieses großen Gebiets. Der Begriff „Inuit“ bedeutet „Menschen“ und sie haben sich diese Bezeichnung selber gegeben. Früher lebten sie in familiären Gruppen in Camps mit Hütten, zogen durch die Gegend und ernährten sich von der Jagd auf Robben, Walrosse, Wale, Bären und vom Fischfang. Heute wohnen alle in festen Siedlungen. Als die ersten christlichen Missionare in diese nördlichen Regionen kamen, taten sich die Ureinwohner zunächst schwer, ihre heidnische Religion und die traditionellen Bräuche abzulegen. Heute bekennen sich die meisten von ihnen zum christlichen Glauben, doch noch immer besteht die Gefahr, dass die Botschaft der Bibel mit heidnischen Elementen vermischt wird. Bitte bete mit, dass dies nicht geschieht, sondern dass die gute Botschaft klar verkündigt wird, damit Menschen errettet werden können.

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Tikaanis Wettlauf

Ä

ngstlich duckt sich Tikaani hinter einen Felsvorsprung und schaut gebannt zu den beiden Männern, die in einigen Metern Entfernung miteinander reden. Längst hat er sie erkannt, obwohl sie in die andere Richtung schauen und er ihre Gesichter deshalb nicht sehen kann.

Was hat das zu bedeuten? Was sprechen hier der alte Schamane Desna und der böse Händler Anuun miteinander ab? Angestrengt versucht Tikaani, die Ohren zu spitzen und zu lauschen, was die beiden reden, aber so sehr er sich auch bemüht, kann er nur einige Gesprächsfetzen verstehen. Allerdings fällt mehr als einmal der Name des Missionars William Anderson und das genügt, um bei dem Inuitjungen Verdacht zu erregen. Er weiß genau, wie sehr Desna den Missionar hasst, weil er fürchtet, seinen Einfluss und seine Macht über die anderen Angehörigen des Inuitstammes zu verlieren.

Sehr genau erinnert er sich an den Tag, als der Missionar ihr kleines Inuitdorf im Polargebiet im Norden Kanadas zum ersten Mal besucht hatte. Der freundliche Mann tat allen Einwohnern des Dorfes Gutes, verkündete ihnen die frohe Botschaft von Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Und das nicht nur an diesem Tag, sondern er kam seitdem regelmäßig jede Woche zu ihnen und erzählte den Menschen hier immer wieder voller Freude von seinem Gott.

Unvergesslich sind für Tikaani die Worte Andersons, die er an einem für Inuitverhältnisse recht warmen Sommerabend zu ihnen sprach. Er wandte sich dabei besonders an die Kinder und sagte:

„Liebe Jungen und Mädchen, heute möchte ich euch zwei Bibelverse aus dem Neuen Testament vorlesen. Der erste steht in 1. Timotheus 2 Verse 3 und 4: ,Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Die zweite Stelle steht in Titus 3 Verse 4 bis 6: Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns [...] durch Jesus Christus, unseren Heiland.‘“

Der Missionar blickte in die Runde und erklärte:

„Diese beiden Bibelverse, lieber Junge, liebes Mädchen, zeigen dir etwas ganz Wunderbares! Der große Gott, der die ganze Welt geschaffen hat, hat dich lieb! Und

zwar so sehr, dass es niemand gibt, der dich mehr liebt als er. Und er möchte deshalb, dass du errettet wirst! Weil Jesus Christus, Gottes Sohn, am Kreuz auf Golgatha gestorben ist und für die Sünden aller Menschen, die an ihn glauben, bestraft wurde, deshalb möchte dieser große Gott nun für dich ein Heiland-Gott sein. Das Wort ,Heiland‘ bedeutet ,Retter‘. Das Wort Heiland-Gott drückt Gottes Liebe zu allen Menschen aus. Es ist seine Barmherzigkeit und Gnade, die er jetzt allen Menschen zeigen möchte. Doch er zwingt uns diese Liebe nicht auf, sondern er möchte, dass wir seine Liebe freiwillig erwidern. Jeder Mensch, der die Vergebung der Sünden durch seinen Sohn Jesus Christus für sich persönlich in Anspruch nimmt, bekommt das neue, ewige Leben. Und der Heilige Geist Gottes wohnt ab diesem Zeitpunkt in einem solchen Menschen.“

Tikaani ist von dieser Ansprache sehr beeindruckt gewesen und hatte sich einige Tage später entschieden, den Herrn Jesus Christus anzunehmen und ein Kind Gottes zu werden. Auch seine Eltern und mehrere andere Angehörige seines Stammes folgten seitdem dem Herrn Jesus nach. Doch Desna, der Schamane, war dem Missionar von Beginn an feindlich gesonnen und je mehr Angehörige des Stamms sich der Gruppe um den Missionar anschlossen, desto größer wurde seine Feindschaft.

Genau daran denkt Tikaani jetzt, als er die beiden Männer belauscht. „Wenn der Schamane Desna und

der schlechte Anuun miteinander über den Missionar sprechen, dann müssen sie etwas Böses im Sinn haben“, überlegt Tikaani. Geschmeidig wie ein Polarluchs schleicht er sich näher an die beiden Männer heran, drückt sich dicht an den Felsen und kann jetzt ihre Worte deutlicher vernehmen.

„In Ordnung, Desna“, sagt Anuun gerade mit hämischem Unterton. „Ich werde ein Zusammentreffen mit ihm abmachen und dafür sorgen, dass er einem Unfall zum Opfer fällt. Keinem Menschen wird das auffallen!“ Er lacht kurz und hässlich.

„Gut“, antwortet Desna. „Ich habe herausgefunden, dass Anderson mit seinem Schlitten morgen hier vorbeifährt. Er kommt aus südlicher Richtung und müsste aktuell noch einige Kilometer von unserem Dorf entfernt sein.“

„Nun, ich werde gleich mit einem Freund zusammen essen und dann mache ich mich sofort auf den Weg“, verspricht Anuun.

„Wenn du zurückkehrst und deinen Auftrag erfolgreich ausgeführt hast, wartet auf dich eine gute Belohnung“, sagt Desna, bevor sie sich trennen und in verschiedene Richtungen ihres Weges gehen.

Tikaani, der die ganze Zeit regungslos und still in seinem Versteck ausgeharrt hat, ist den Tränen nah. Am

liebsten wäre er aufgesprungen und hätte den Missionar verteidigt! Doch das hätte diesem zum einen bestimmt nicht geholfen und zum anderen hätte er sich nur selber in Gefahr gebracht, wenn die beiden wüssten, dass er nun ihren hässlichen Plan kannte.

„Was soll ich nur tun?“, überlegt er fieberhaft. „William Anderson muss unbedingt gewarnt werden! Wenn bloß Vater zu Hause wäre!“

Aber dieser ist mit anderen Männern aus dem Dorf mit dem Hundegespann zur Jagd gefahren.

„Hätte ich doch nur Vaters Hunde!“, seufzt Tikaani ungeduldig. „Dann könnte ich jetzt anschirren und losfahren, um den Missionar zu warnen, solange Anuun mit Essen beschäftigt ist. Mit einem Vorsprung würde ich das locker schaffen. Einen zweiten Schlitten haben wir ja“, überlegt er weiter. „Aber Vater hat nur Timber und Amka zurückgelassen. Die beiden alten, schwächeren Hunde sind nicht mehr schnell und ausdauernd genug, um den kräftigen Hunden Anuuns zu entkommen. Außerdem sind sie nur zu zweit.“

So sehr Tikaani auch nachsinnt, die Lage erscheint ihm aussichtslos. Aber es gibt trotzdem einen Weg für ihn: Beten! William Anderson hat immer wieder berichtet, wie wichtig das Gebet ist.

Tikaani erinnert sich plötzlich an einen Bibelvers, den er einmal mit mehreren anderen Kindern bei dem

Missionar gelernt hat: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er ist besorgt für euch (1. Petrus 5,7). Genau das will er jetzt tun, seine große Sorge an Gott abgeben und von ihm Hilfe erbitten. Treu kniet er sich in den Schnee, faltet seine Hände und bittet den großen und gütigen Gott, der ihn so sehr liebt, um Hilfe und Wegweisung. Danach fühlt er sich etwas besser und läuft nach Hause.

Plötzlich durchzuckt ihn wie ein Blitz eine Idee! „Natürlich, so könnte es gehen! Mit Gottes Hilfe wird mir dieser Plan gelingen!“ Ihm ist eingefallen, dass Inuithunde so erzogen sind, dass sie ihr Futter erst bekommen, wenn sie den Schlitten erfolgreich gezogen haben. Daher wird Anuun seine Hunde vor einer Fahrt nicht füttern.

„Satte Hunde werden faul und träge, deshalb werde ich seine Hunde reichlich füttern. Und dann fahre ich mit unserem zweiten kleinen Schlitten, gezogen von Timber und Amka, los, um Anderson zu warnen!“

Nun geht alles ganz schnell. Tikaani rennt sofort in die Fleischkammer und deckt sich reichlich mit Hundefutter ein. Dann schleicht er sich zu dem Platz etwas abseits von Anuuns Haus, wo Anuuns Hunde angebunden sind und auf ihren Einsatz warten. Nachdem er geprüft hat, ob „die Luft rein ist“, nähert er sich vorsichtig den Hunden, die leise zu knurren anfangen,

aber glücklicherweise nicht laut anschlagen. Schnell wirft er ihnen die Leckerbissen zu, die er mitgebracht hat, und sieht mit Freude, wie sich die Hunde gierig darauf stürzen und alles in kürzester Zeit verschlingen. Dann schleicht sich Tikaani davon. Geschickt und schnell spannt er Timber und Amka vor den zweiten Schlitten seines Vaters. Wie gut, dass die beiden heute noch nicht gefüttert worden sind!

Tikaani nimmt noch ein Bündel weiterer Hundefutterrationen mit, schnalzt dann zur Abfahrt mit der Zunge und der Schlitten setzt sich in Bewegung.

„Timber und Amka, nun müsst ihr beweisen, wozu ihr noch fähig seid!“, redet er den Tieren gut zu. „Es geht um Leben und Tod! Vorwärts!“, kommandiert er laut und bald fliegt der Schlitten pfeilschnell über die weiße Schneefläche, vorbei an den Häusern und Hütten der anderen Stammesangehörigen, vorbei an Anuuns Handelsposten, seinem Hundeplatz und weiter nach Süden, dem Missionar entgegen.

Als er zurückschaut, sieht er, dass Annun in diesem Moment aus seinem Haus tritt und in seine Richtung hinüberschaut.

„Jetzt hat er mich gesehen“, durchfährt es ihn, „nun wird es einen heißen Kampf geben. Denn bestimmt begreift Annun, dass ich seinem bösen Plan gefährlich werden kann.“ Tikaanis Gedanken wirbeln wild

durcheinander. Was wird geschehen, wenn ihn der Händler einholt? Kalte Angst schnürt ihm die Kehle zu, aber Tikaani fällt wieder der Bibelvers ein, der ihm neuen Mut gibt: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er ist besorgt für euch (1. Petrus 5,7). Er fleht seinen Gott an, bittet um Bewahrung und um Gelingen seines riskanten Vorhabens.

Nachdrücklich treibt er die Tiere immer wieder zu schnellerer Gangart an. Bisher halten sie auch gut mit. Schon bald sieht er vor sich die gefährliche Schlucht, durch die sie hindurchfahren müssen. Wahrscheinlich ist das der Ort, an dem Anuun den Missionar in eine Falle locken will. Ein teuflischer Plan! Wie gut ist dieses Gelände für einen gemeinen Überfall geeignet, denkt Tikaani schaudernd. Um sich abzulenken, spricht er in voller Fahrt laut aus: „Der Schamane und der Händler sind zwar mächtige Leute, aber mein Gott kann alles und ist stärker!“

Entschlossen wirft er den Kopf zurück und treibt die Tiere in unvermindertem Tempo auf die Schlucht zu. Dann schaut er sich wieder um. Ein schwarzer Punkt ist in der Ferne erkennbar, nach mehrfachem Hinsehen stellt er fest, dass sich dieser in seine Richtung bewegt. Das ist der Händler! Er wird alles versuchen, um ihn einzuholen! Der Abstand der beiden verkürzt sich zusehens. Klar, Anuun hat sechs Hunde vor seinem Schlitten angeschirrt und er selber nur zwei! Auch wenn Tikaani selber ein deutlich geringeres Körperge-

wicht hat und sein Schlitten kleiner und leichter ist, hat der Händler unter dem Strich einen deutlichen Vorteil.

Mittlerweile ist dieser so nahe an ihn herangekommen, dass Tikaani die Hunde und den Schlitten deutlich erkennen kann. Aus der Ferne kann er die lauten Rufe Anuuns hören, der ihm mit keifender Stimme immer wieder zuruft: „Anhalten, Junge, hast du gehört? Anhalten!“

Tikaani antwortet nicht und treibt im Gegenteil seine Hunde zu noch schnellerer Gangart an. Mit höchster Geschwindigkeit fährt er gerade in die Schlucht hinein. Er weiß genau, dass kurz dahinter eine kleine Siedlung liegt. Wenn er bis dahin seinen Vorsprung verteidigen kann, hat er es geschafft.

Aber noch ist es nicht so weit! Der Händler kommt bedrohlich näher und Tikaani kann jetzt hören, wie er in voller Fahrt immer wieder unbarmherzig mit seiner Peitsche knallt und über seine Hunde schimpft, die heute einen besonders faulen Tag erwischt hätten. Trotz der ernsten Situation muss er verschmitzt lächeln! Die Idee, die Hunde des Verfolgers zu füttern, war wohl nicht ganz schlecht gewesen! Aber nun müssen seine beiden Hunde und er, Tikaani, weiterhin tapfer sein und nicht aufgeben.

Noch einmal ruft er seinen Hunden aufmunternd zu: „Timber und Amka, ihr seid tolle Kämpfer, weiter so, weiter so!“

Nun kann er vor sich schon das Ende der Schlucht erkennen, der Blick auf die freie, helle Schneelandschaft dahinter bringt auch seine erschöpften Hunde dazu, nochmals das Tempo anzuziehen.

Als sie den Ausgang der Schlucht erreichen, stellt Tikaani erfreut fest, dass es dem Händler nicht gelungen ist, den Abstand zu ihm noch weiter zu verkürzen. Seine Hunde scheinen immer mehr ihren Dienst zu verweigern und als Tikaani beim nächsten Mal zurückschaut, sieht er, dass Anuun seinen Schlitten herumlenkt und die Verfolgung aufgibt!

Erleichtert atmet Tikaani auf und schickt ein Dankgebet zu seinem Gott, der wunderbar geholfen und bewahrt hat. Nach kurzer Zeit hat er (in mittlerweile gemächlicher Fahrt) die kleine Siedlung erreicht. Ob William Anderson wirklich hier ist? Da sieht er schon von weitem den Schlitten des Missionars vor einem Haus stehen. Erschöpft, aber überglücklich tritt Tikaani dort ein.

Anderson ist äußerst verwundert, Tikaani zu sehen. Dieser erzählt ihm sofort aufgeregt die ganze Geschichte.

Gespannt lauscht der Missionar seinen Schilderungen und sagt dann: „Ich kenne Anuun und seine schlechten Absichten nur zu gut und weiß auch, dass der Schamane Desna besonders gefährlich ist, weil er

leider in Verbindung mit bösen, satanischen Mächten lebt! Ach, wie wichtig wäre es, dass diese beiden bereit wären, den Herrn Jesus anzunehmen!“ Anderson seufzt auf. „Aber ich bin sehr gerührt und erfreut über deine Liebe zu mir, mein lieber Freund Tikaani! Du warst sehr mutig und hast mir das Leben gerettet!

Dafür bin ich dir sehr, sehr dankbar! Gott segne dich, mein Junge!“

Tikaani strahlt, so sehr freut er sich über das Lob und die Dankbarkeit seines großen Freundes.

„Aber eins habe ich noch nicht verstanden“, fährt Anderson anschließend fort. „Wie hast du es geschafft, mit den beiden offensichtlich schon alten Hunden das Rennen gegen den Händler Anuun zu gewinnen, dessen Tiere in der ganzen Gegend als die besten Läufer bekannt sind, noch dazu, da er sechs Tiere angespannt hatte, du aber nur zwei?

Tikaani lächelt verschmitzt: „Bevor ich meine Fahrt begann, habe ich seine Hunde mit dem erlesensten Futter aus der Fleischkammer meines Vaters gefüttert, meine Hunde aber ließ ich hungern.“

„Du hast Anuuns Hundegespann gefüttert?!“ Ungläubig starrt der Missionar seinen jungen Freund an. Erst nach einem kurzen Moment geht ihm ein Licht auf: „Ah, jetzt kapiere ich! Inuithunde werden faul, wenn sie gefressen haben. Nur der Hunger treibt

sie an, schnell zu laufen, weil sie wissen, dass sie anschließend Futter bekommen. Junge, du bist ein helles Köpfchen!“

Doch Tikaani schüttelt den Kopf: „Nein, Herr Anderson, ich hatte zuerst keine Idee, dann kam ich darauf, zu beten, damit Gott mir zeigt, was ich tun soll. Ich bin überzeugt, dass er mir diese Idee in mein Herz gab!“

„Das ist schön, Tikaani“, sagt Anderson froh. „Bitte lerne daraus für dein ganzes Leben! Frage zukünftig bei jeder Entscheidung immer zuerst nach Gottes Willen und wenn er ihn dir gezeigt hat, dann führe ihn auch genauso aus. Dann wird dein Lebensweg gesegnet sein und du wirst deinem Gott viel Freude machen!“ Er umarmt Tikaani und sagt dann forsch: „So, nun wollen wir deinen Hunden ihr hochverdientes Futter geben und auch wir beide werden uns stärken. Dann fahren wir auf einem anderen, sicheren Weg zurück zu deinem Dorf!“

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