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STEFAN DRÜEKE / AREND REMMERS

WIDERSPRÜCHE IN DER BIBEL?

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STEFAN DRÜEKE AREND REMMERS

WIDERSPRÜCHE IN DER BIBEL?

Christliche Schriftenverbreitung Postfach 100153, 42490 Hückeswagen

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1. Auflage 2016 © by Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen Umschlaggestaltung: Jürgen Benner, Ideegrafik Kreativagentur UG Druck: ISBN 978-3-89287-406-5

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Inhalt I. Vorwort..........................................................................................13 Warum ist dieses Thema so wichtig, dass darüber ein Buch ­verfasst wurde?................................................................................14 Grundsätzliche Erwägungen..........................................................14 Genauigkeit der Überlieferung der Bibel.....................................15 II. Antworten auf 131 Fragen........................................................18 1. Gibt es zwei Schöpfungsberichte?..........................................18 1.1. Wurden die Menschen vor den Pflanzen erschaffen?....20 1.2. Steht die Erschaffung des Menschen in Kapitel 2,7 im Widerspruch zu Kapitel 1,27?....................................21 1.3. Wurden die Menschen vor den Tieren erschaffen?.....21 1.4. Lassen sich Evolutionstheorie und Schöpfung kombinieren?.....................................................................22 Noch ein wichtiger Hinweis: Der Textzusammenhang........23 2. Was sind die Folgen für Adam, wenn er von dem Baum der E ­ rkenntnis des Guten und Bösen isst?................24 3. Fressen Schlangen Staub?........................................................25 4. Hatte die Schlange vor dem Sündenfall Beine?...................27 5. Widersprüche im Sintflutbericht?..........................................28 5.1. War Japhet der älteste Sohn Noahs?..............................28 5.2. Wie viele reine Tiere nahm Noah mit in die Arche?.......29 5.3. Wie lange sollten die Menschen nach der Sintflut ­leben?..................................................................................31 6. Wann fand die Sprachverwirrung statt?...............................34 7. War Tarah 205 oder 145 Jahre alt, als er starb?.....................37 8. In welcher Stadt wurde Abram von Gott berufen? ............39 9. Welcher Name ist wirklich älter: Hebron oder Kirjat-Arba? ..............................................................................41

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10. Wie heißen die Frauen Esaus?................................................42 11. An wen wurde Joseph verkauft? ...........................................43 12. Wer brachte Joseph nach Ägypten? ......................................45 13. Wann fanden die Brüder Josephs das Geld in ihren Säcken? ......................................................................................46 14. Wie viele Menschen kamen aus dem Haus Jakobs nach Ägypten?....................................................................................47 15. Widersprüche bei den 10 Plagen?..........................................49 15.1. Wie konnten die ägyptischen Zauberer die ­erste ­ Plage nachmachen, wenn doch schon Mose alles ­vorhandene Wasser in Blut verwandelt hatte?.............50 15.2. Starb das Vieh in Ägypten dreimal? .............................51 16. Kann man Gott sehen oder nicht? .........................................53 17. Ist der Hase ein Wiederkäuer?................................................56 18. Warum bezeichnet die Bibel Fledermäuse und Insekten als Vögel?...................................................................58 19. Besitzen Heuschrecken nur vier Füße?..................................59 20. Rechenfehler in 4. Mose 3?......................................................60 21. Bereut Gott sein Tun oder nicht? ...........................................61 22. Starben 24.000 oder 23.000 Israeliten?...................................63 23. Hat Josua die Stadt Jerusalem erobert?.................................65 24. Zählfehler in Josua 15 und 19?................................................66 25. Kaufte Abraham oder Jakob eine Grabstätte in Sichem? ..............................................................68 26. War Samuel vom Stamm Levi oder Ephraim? ....................70 27. Hatte Isai sieben oder acht Söhne? ........................................71 28. Kannte Saul David oder kannte er ihn nicht? .....................72 29. War Abjathar oder Ahimelech Hoherpriester, als David die Schaubrote aß?........................................................74 30. Vor welchem König verstellte David sich?...........................76

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31. Wer hat Saul getötet?................................................................77 32. Wann brachte David die Bundeslade nach Jerusalem?.......78 33. Hatte Michal Kinder oder nicht?............................................80 34. Wie viele Soldaten nahm David in der Schlacht gegen Hadadeser gefangen?...............................................................81 35. Wie viele Wagenkämpfer der Syrer starben in der Schlacht mit David?.................................................................82 36. Wie viele Kinder hatte Absalom?...........................................83 37. Wer tötete Goliath?...................................................................84 38. Wie viele Männer erschlug Jaschobam auf einmal?............86 39. Ließ Gott oder Satan David die Volkszählung ­durchführen?.............................................................................87 40. Wie viele Kämpfer wurden in Israel und Juda gefunden?..................................................................................88 41. Wie lange dauerte die Hungersnot?......................................89 42. Wie viele Pferdestände besaß Salomo?.................................90 43. Wie viele Aufseher hatte Salomo für den Bau des Tempels berufen?......................................................................91 44. Die Kreiszahl Pi.........................................................................93 45. Wie viel Liter enthält das Waschbecken beim Tempel?......94 46. Wer war die Mutter Abijas?.....................................................95 47. Wie lange regierte Baesa?........................................................96 48. Regierte Omri sechs oder zwölf Jahre?.................................97 49. Wie alt war Ahasja, als er König von Jerusalem wurde?.....98 50. Rechenfehler in Esra 1?..........................................................100 51. Wie viele Juden kehrten aus Babel zurück?........................101 52. Saß Jojakims Sohn auf dem Thron Davids?........................105 53. Wie alt war Jojakin, als er den Thron be­stieg, und wie ­lange regierte dieser König?.................................................107

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54. Ist Gott ein Gott der Rache oder der Liebe?........................108 55. Kann ein Mensch einen anderen Menschen erlösen?.......111 56. Wie kann eine Kugel Enden bzw. Ecken besitzen?...........113 57. Kann Jesus Christus den Thron Davids erben, auch wenn er ein Nachkomme Jojakims ist?...............................115 58. War Nebukadnezar der Vater oder Großvater Belsazars?.................................................................................118 59. Widersprüche in den Geschlechtsregistern des Herrn Jesus? ...........................................................................119 59.1. Eine allgemeine Antwort...............................................119 59.2. Welcher Sohn Davids befindet sich in der Abstammungslinie des Herrn Jesus?...........................121 59.3. Wer war der Vater von Ussija?......................................121 59.4. Wer war der Vater von Jekonja?....................................121 59.5. War Jekonja oder Neri der Vater von Schealtiel?........122 59.6. Wie hieß der Vater Serubbabels und welcher seiner Söhne war ein Vorfahre von Jesus Christus?..............122 59.7. Wer war der Vater Josephs?...........................................123 59.8. Wie viele Generationen gab es zwischen dem babylonischen Exil und Jesus Christus?......................124 59.9. War Kenan oder Arpaksad der Vater von Schelach (Sala)?...............................................................126 60. War das Leben des Herrn Jesus nach seiner Geburt in Gefahr?.....................................................................................127 61. Kannte Johannes der Täufer den Herrn Jesus oder nicht?........................................................................................129 62. Wo war der Herr Jesus drei Tage nach seiner Taufe?........130 63. Wie hieß der 10. Jünger?........................................................132 64. Als Johannes der Täufer Jesus Christus taufte, wusste er wirklich, wen er taufte? ......................................134 65. Hat Jesus Christus Petrus und Andreas am See von Galiläa oder am Jordanufer getroffen?................................135

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66. Kam der Hauptmann persönlich zu Jesus Christus, um ihn zu bitten, seinen Knecht zu heilen?........................136 67. Wie viele Besessene wurden geheilt?..................................137 68. Wer saß am Zollhaus: Matthäus oder Levi?.......................138 69. War die Tochter von Jairus tot oder nicht?.........................139 70. Durften die Jünger einen Stab tragen?................................141 71. Hat Jesus Christus im Verborgenen geredet?.....................142 72. Fehlerhafte Pflanzenkunde in der Bibel? – Das Senfkorn...143 73. Wie reagierten die Jünger, als der Herr Jesus über das Wasser ging?.....................................................................146 74. Wodurch erfuhr Petrus, dass Jesus der Christus ist?........147 75. Hat Herodes gedacht, dass Jesus der aus den Toten ­auferstandene Johannes der Täufer war?............................148 76. Wie viele Blinde wurden geheilt?........................................149 77. Reinigte Jesus Christus den Tempel morgens oder abends?.....................................................................................151 78. Verdorrte der Feigenbaum sofort?.......................................153 79. Auf wie vielen Eseln ritt Jesus Christus nach Jerusalem?....154 80. Was sagt der Herr Jesus über sein eigenes Zeugnis?........155 81. Die Salbung in Bethanien......................................................156 82. Wie oft krähte der Hahn, als Petrus den Herrn Jesus ­verleugnete?............................................................................158 83. Wie oft entfernte sich Jesus Christus im Garten ­Gethsemane von seinen Jüngern, um zu beten?................160 84. Was sind die Worte der drei Gebete des Herrn Jesus in Gethsemane?.......................................................................161 85. Wollte Jesus Christus, dass Gott ihn vor der Kreuzigung bewahren sollte?...............................................163 86. Hat Judas den Herrn Jesus geküsst, obwohl das im ­Johannes-Evangelium nicht erwähnt wird?.......................166

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87. Wie starb Judas?......................................................................168 88. Wer kaufte den Acker vom Verräterlohn?..........................169 89. Warum heißt dieser Acker Blutacker?.................................170 90. Wer trug das Kreuz?...............................................................171 91. Widersprüche während der Kreuzigung?..........................172 91.1. Wo war der Herr Jesus zur 6. Stunde?.........................172 91.2. Widersprüche bei der Aufschrift am Kreuz?..............173 91.3. Haben beide Verbrecher den Herrn Jesus am Kreuz verspottet?............................................................174 91.4. Wann war Jesus Christus im Paradies?........................175 91.5. In welcher Sprache rief Jesus Christus am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich ­verlassen“?.............................................................175 91.6. Wann zerriss der Vorhang?...........................................177 91.7. Was waren die letzten Worte des Herrn Jesus am Kreuz?........................................................................179 91.8. Was genau sagte der Hauptmann, als Jesus Christus starb?.................................................................180 92. Widersprüchliche Angaben über die Zeit im Grab?.........182 92.1. War der Herr Jesus tatsächlich drei Tage und drei Nächte im Grab?.....................................................182 92.2. Ist der Leib des Herrn Jesus nach den jüdischen ­Bestattungsriten gesalbt worden, bevor man ihn bestattete und wann kauften die Frauen die ­Gewürzsalben? ...............................................................184 93. Widersprüchliche Angaben über die Auferstehung?........186 93.1. Besuchten die Frauen während der Morgen­ dämmerung oder erst bei Sonnenaufgang das Grab?..........................................................................186 93.2. Wo war der große Stein, als die Frauen zum Grab gingen?...................................................................................186 93.3. Zu welchem Zweck gingen die Frauen zum Grab?.................................................................................186

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93.4. Hat jemand den Frauen gesagt, was mit dem Leib Jesu geschah?..........................................................189 93.5. Wann traf Maria von Magdala zum ersten Mal den auferstandenen Herrn und wie reagierte sie? ....190 94. Wie vielen Jüngern erschien Jesus Christus nach seiner Auferstehung?.........................................................................191 95. Was für Anweisungen gab der Herr Jesus seinen Aposteln?.................................................................................192 96. Wann gingen die Apostel zurück nach Galiläa?................193 97. War der Herr Jesus wirklich der Einzige, der in den ­Himmel hinaufgestiegen ist?................................................195 98. Sitzt oder steht der Herr Jesus nach seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes?.......................................196 99. Wer hörte die Stimme, als Paulus auf dem Weg nach ­Damaskus war?.......................................................................198 100. Wer fiel alles zu Boden, als Paulus das Licht sah?.............199 101. Hat Paulus sofort erfahren, was Gott für einen Auftrag für ihn hatte?.............................................................201 102. Rechtfertigung aus Glauben oder aus Werken?.................202 103. Wer wird wessen Last tragen?..............................................204 104. Ist das Gesetz nützlich?..........................................................205 105. Sündigen alle Menschen?......................................................206 106. Welcher Weg führt zu Gott?..................................................208 III. Bibelstellenverzeichnis.........................................................210 IV. Stichwortverzeichnis.............................................................214

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I. Vorwort „Widersprüche in der Bibel“ ist ein Thema, das Menschen seit jeher beschäftigt hat. Die einen wollen damit die Unvollkommenheit dieses Buches beweisen; andere sind beim Lesen der Bibel manchmal zunächst einfach verwirrt, wenn sie Beschreibungen lesen, die einander zu widersprechen scheinen. Schon in der Antike gab es Menschen, die sich die Aufgabe stellten, Fehler in der Bibel aufzuspüren. Bis heute hat diese Suche nicht aufgehört. Das Internet listet auf zahllosen Homepages Widersprüche auf, die es in der Bibel geben soll. Bis heute ist das Suchen von Widersprüchen in der Bibel ein Werkzeug der historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung. Doch unterschiedliche Aussagen müssen nicht zwingend widersprüchlich sein. Sie können sich auch ergänzen oder das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten. Und das bestätigen die in diesem Buch gegebenen Antworten auf die gängigsten im Internet oder schriftlich veröffentlichten „Irrtümer“, „Fehler“ oder „Widersprüche“, die es in der Bibel geben soll. Die Rubriken sind vielfältig. Dabei handelt es sich um „Rechenfehler“, „Zählfehler“, „naturwissenschaftliche Fehler“, „geschichtliche Fehler“ und „inhaltliche Widersprüche“. Sie alle werden in diesem Buch behandelt. Allerdings ist dieses Buch nicht in Rubriken eingeteilt, sondern die Fragen werden in chronologischer Reihenfolge der Bibel behandelt. Am Schluss befindet sich ein Stichwort- und Bibelstellenverzeichnis, so dass auch darüber die Antworten gefunden werden können. Natürlich wissen die Autoren bei einigen Antwortmöglichkeiten nicht, ob die Handlungen exakt so abgelaufen sind, wie sie sie beschrieben haben. Niemand von uns war dabei. Und manchmal gibt es auch mehrere Antwortmöglichkeiten. Aber es ist so, dass schon eine einzige plausible Erklärung für einen vermeintlichen Widerspruch genügt, um zu beweisen, dass es diesen Widerspruch nicht zwingend geben muss.1 1 Siehe dazu John Nelson Darby, „Collected Writings“ 6, S. 85.

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Warum ist dieses Thema überhaupt so wichtig, dass darüber ein Buch verfasst wurde? Die Bibel wird heute zunehmend als ein Buch menschlichen Ursprungs betrachtet. Man sieht darin antike Glaubenszeugnisse, aber nicht mehr. Doch Paulus schreibt: „Und darum danken auch wir Gott unablässig dafür, dass ihr, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes empfingt, es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort, das auch in euch, den Glaubenden, wirkt“ (1. Thessalonicher 2,13). Der hier niedergelegte Grundsatz gilt nicht nur für die Worte und Schriften des Apostels Paulus, sondern für alle 66 Bücher der Heiligen Schrift, der Bibel.

Grundsätzliche Erwägungen Die Zahlenangaben im Alten Testament machen manchen große Schwierigkeiten. Doch viele Schwierigkeiten verschwinden, wenn man genau liest. So heißt es in 1. Korinther 10,8, dass „an einem Tag“ 23.000 Israeliten starben, während in 4. Mose 25,9 von 24.000 Israeliten gesprochen wird. Der vermeintliche Widerspruch ist schnell gelöst: Insgesamt waren es 24.000, aber es starben nicht alle an „einem Tag“. Auch die Tatsachen, • dass in der Bibel Enkel manchmal Söhne genannt werden (Daniel 5,18) und • Onkel, Vettern und Neffen als Brüder bezeichnet werden (1. Mose 13,8; 2. Chronika 36,10) und • das erste Kind aus der Ehe einer Witwe mit ihrem Schwager nicht nach dem Namen des natürlichen Vaters, sondern dem des Verstorbenen benannt werden musste (5. Mose 25,5.6), erschweren oft das Verständnis der Familienbeziehungen. Manchmal werden auch Nachkommen übersprungen. So fehlen zum Beispiel im Geschlechtsregister des Herrn Jesus nach der Linie Josephs, seines rechtlichen Vaters, die Namen der gott14

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losen Könige Ahasja, Joas, Amazja sowie Joahas (Matthäus 1). Im Geschlechtsregister des Herrn nach der Linie Marias, seiner Mutter, steht jedoch der Name Kenan als Vater Salas und Sohn Arpaksads (Lukas 3,36), der in 1. Mose 10,24 fehlt. Diese Einzelheiten zeigen, dass es leicht ist, vermeintliche Widersprüche aufzuspüren, weil wir die Hintergründe und die vorhandenen Lücken nicht kennen. Für einen Juden waren diese nicht bedeutsam, solange sein Geschlechtsregister offiziell anerkannt war (vgl. Esra 2,62). Ein wichtiger Grundsatz beim Lesen des Wortes Gottes ist das sehr genaue Studium des jeweiligen Zusammenhangs – was natürlich eine gute Bibelübersetzung voraussetzt2, wie das soeben erwähnte Beispiel zeigt. Manchmal besteht zwischen zwei einander scheinbar widersprechenden Bibelstellen nur ein kleiner Unterschied in der Wortwahl, der aber für die Erklärung wichtig ist, wie z. B. bei der bekannten Frage, ob die Jünger bei ihrer Aussendung einen Stab mitnehmen durften oder nicht (Matthäus 10,9.10; Markus 6,8; Lukas 9,3).

Genauigkeit der Überlieferung der Bibel Angesichts der genauen Überlieferung des hebräischen Alten Testaments ist nicht davon auszugehen, dass sich bei der Überlieferung viele Fehler in den Text eingeschlichen haben. Der Apostel Paulus schreibt in Römer 3,2 über das Volk Israel: „Denn zuerst einmal sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden.“ Dieses ihnen anvertraute kostbare Gut versuchten die Israeliten so gut wie irgend möglich zu erhalten und zu bewahren. Der einzige Weg dazu war die genaue Zählung aller Worte und Buchstaben, wenn der Bibeltext abgeschrieben wurde. Dies erfolgte insbesondere im Blick auf die Tora (= Gesetz, Weisung, d. h. die 5 Bücher Mose) mit einer Genauigkeit, die nicht zu überbieten war. Zwar geht die theologische Wissenschaft jetzt allgemein davon aus, dass der heutige hebräische Text des Alten Testaments erst um 100 n. Chr. durch „Standardi2 Wir haben deswegen durchgängig die „Elberfelder Übersetzung“, Edition CSV Hückeswagen, 7. Auflage 2015, verwendet.

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sierung“ entstand und die Masoreten (= Überlieferer) erst mehrere Jahrhunderte später die Zählung der Verse, Wörter und Buchstaben der Tora und anderer Teile des Alten Testaments vornahmen3. Doch der Herr Jesus sagte bereits lange vorher in Matthäus 5,18: „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.“ Wenn Er von Buchstaben und Teilen davon sprach, so war das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Juden die ihnen „anvertrauten“ heiligen Schriften schon damals in der beschriebenen Genauigkeit bewahrt haben. Trotz dieser bekannten Tatsachen hatten viele Bibelwissenschaftler bis zur Entdeckung der Schriftrollen am Toten Meer seit 1947 Zweifel an der Zuverlässigkeit des überlieferten Textes des Alten Testaments. Sie ließen sich nicht von der Meinung abbringen, der jahrtausendelange handschriftliche Überlieferungsprozess hätte zu vielen Abschreibfehlern führen müssen. Dieses Argument wurde durch die Entdeckungen in Qumran widerlegt. Bereits 1955 schrieb der amerikanische Forscher F. W. Albright: „Die größte textliche Überraschung der Funde von Qumran war wahrscheinlich die Tatsache, dass die meisten der Rollen und Fragmente einen Konsonantentext enthalten, der von dem Text der entsprechenden Passagen in unserer masoretischen Bibel praktisch nicht zu unterscheiden ist“4. Der Orientalist und Bibelwissenschaftler H. Stegemann stellte zusammenfassend fest, dass die Handschriften den jüdischen 3 So kann man etwa in einer hebräischen Bibel bei 3. Mose 11,42 zu dem Buchstaben Waw (hier = o) im Wort gachon (‚Bauch‘) die masoretische Anmerkung lesen: „Dies ist die Hälfte [= Mitte] der Tora im Blick auf die Buchstaben“, und bei 3. Mose 10,16, dass das Wort „suchte“ (hebräisch darasch) das mittlere Wort der Tora ist. Siehe E. Würthwein: Der Text des Alten Testaments, Stuttgart 41973: 17, 21. Wann diese Zählungen zum ersten Mal durchgeführt wurden, ist nicht bekannt. Aber in der ältesten bekannten vollständigen Bibel, dem Codex Leningradensis, kommen sie schon vor. Wenn der Herr Jesus in Matthäus 5,18 von den kleinsten Buchstaben (Jota, Strichlein) spricht, kann das darauf hindeuten, dass in jener Zeit schon einzelne Buchstaben überprüft bzw. gezählt wurden. 4 F. W. Albright: New Light on Early Recensions of the Hebrew Bible, Cambridge, Mass./USA 1975: 34.

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Abschreibern ein Berufszeugnis ausstellen, „wie es vorzüglicher nicht sein könnte: Nur für ganz wenige, ziemlich belanglose Kleinigkeiten lassen sich Ungenauigkeiten oder gar Irrtümer feststellen. Den Bibeltext, wie wir ihn aus dem Mittelalter kennen, gab es ebenso auch schon tausend Jahre zuvor“5.

5 H. Stegemann: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus, Freiburg 1993: 124.

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II. Antworten auf 131 Fragen 1. Gibt es zwei Schöpfungsberichte? „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1,1). „Dies ist die Geschichte des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden, an dem Tag, als Gott der Herr Erde und Himmel machte“ (1. Mose 2,4). Der Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel ist nicht durch zwei verschiedene, sich scheinbar widersprechende Berichte, sondern nur durch einen einzigen dokumentiert. Erst die moderne bibelkritische Theologie hat daraus zwei Berichte gemacht, die aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen sollen. Ein späterer Endredakteur hätte demnach diese Berichte zusammengefasst, dabei aber die inneren Widersprüche zwischen diesen beiden Berichten nicht behoben oder durch Unachtsamkeit eingebaut. Als Hauptbegründung wird der Wechsel der Gottesnamen Elohim und Jahwe in diesen Abschnitten angeführt. In dem folgenden Abschnitt wird dieses Argument in den „beiden“ Schöpfungsberichten untersucht. Danach wird die Frage beantwortet werden, ob es sich wirklich um zwei verschiedene Schöpfungsberichte handelt. Doch nennen wir sie hier der Einfachheit halber Teil 1 und Teil 2. Dabei hat Teil 1 den Text von 1. Mose 1,1-2,3 zum Inhalt und Teil 2 den Text 1. Mose 2,4-25. Ein Auszählen von Elohim (alleinstehend), Jahwe (alleinstehend) und die Kombination Jahwe-Elohim im hebräischen Text bringt folgendes Ergebnis: Text

Anzahl Elohim

Anzahl Jahwe

Anzahl Jahwe-Elohim

1. Mose 1,1-2,3

35

0

0

1. Mose 2,4-25

11

0

11

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In der Tat, ein beeindruckendes Ergebnis. Teil 1 benutzt tatsächlich ausschließlich den Gottesnamen Elohim, während Teil 2 ausschließlich Jahwe-Elohim als den Namen Gottes verwendet – allerdings kein einziges Mal nur den Namen Jahwe. Von einem Gegensatz kann also gar keine Rede sein, weil in 1. Mose 2,4-25 stets Elohim mit Jahwe verbunden ist. Ist die unterschiedliche Verwendung der Gottesnamen nun ein Beweis für zwei verschiedene Schöpfungsgeschichten, die einfach abgeschrieben und zusammengefasst wurden? Natürlich nicht, denn es müsste dazu noch gezeigt werden, dass keine andere plausible Begründung für den Namenswechsel von Elohim und Elohim-Jahwe existiert. Bei einem sorgfältigen Vergleich von 1. Mose 1,1-2,3 mit 1. Mose 2,4-25 wurde festgestellt, dass dem Menschen im ersten Teil gerade einmal 17% des Textes gewidmet ist, ungefähr so viel wie den Tieren und den Pflanzen6. Lediglich durch die Verse 27 und 28 wird der Mensch von den Pflanzen und Tieren unterschieden. Das vorherrschende Thema in 1. Mose 1,1-2,3 ist die Schöpfung im Allgemeinen und Gott stellt sich hier als der allmächtige Schöpfer-Gott vor, eben als Elohim. In Teil 2 sieht das ganz anders aus. Der Mensch nimmt ungefähr 74% der Textmenge ein7, und die Tiere wie auch der Garten Eden werden in die Beziehung zum Menschen gesetzt. Dort geht es also um das Geschöpf Mensch und was Gott für ihn gemacht hat. Deshalb offenbart sich Gott dort nicht nur als der souveräne, allmächtige Gott (Elohim), sondern stellt sich auch in seiner persönlichen Beziehung zum Menschen vor, nämlich als Jahwe. Der Kontext gibt also ebenfalls eine Begründung – und nach unserer Überzeugung eine viel plausiblere – für den Namenswechsel Elohim und Jahwe. Der zweite Teil ist demnach eine lupenartige Vergrößerung des sechsten Schöpfungstags. 6 Nach einer Computerauswertung besteht 1. Mose 1,1-2,3 aus insgesamt 403 hebräischen Wörtern. Davon entfallen etwa 60 Wörter auf die Schöpfung der Pflanzen (15%), 91 Wörter auf die Erschaffung der gesamten Tierwelt (23%) und 68 Wörter auf den Menschen (17%). 7 Nach einer Computerauswertung besteht 1. Mose 2,4-25 aus 253 hebräischen Wörtern. Davon entfallen etwa 186 auf die Beschreibung des Menschen.

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Die beiden Berichte ergänzen sich. Diese Art der Beschreibung ist ein hebräisches Stilmittel, das öfter in der Bibel auftritt. Nach einem allgemeinen Überblick wird das Wichtigste herausgenommen und noch einmal ausführlich beschrieben. So eine Vorgehensweise findet sich öfter in der altorientalischen Literatur und wird auch heute praktiziert. Der erste Bericht schließt in 1. Mose 2,38, nachdem ein kurzer Überblick über die Entstehung der Welt gegeben wurde. Der zweite Bericht beginnt dann erst mit dem 6. Schöpfungstag9. Weitere oft gehörte Argumente für scheinbar zwei verschiedene Schöpfungsberichte sollen hier kurz behandelt werden:

1.1. Wurden die Menschen vor den Pflanzen erschaffen? „Und Gott der Herr bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten, und dorthin setzte er den Menschen, den er gebildet hatte“ (1. Mose 2,7.8). Diese Verse könnten den Eindruck erwecken, als hätte Gott den Menschen vor den Pflanzen erschaffen, was damit natürlich im Widerspruch zu Teil 1 stünde. Dort wurden die Pflanzen am 3. und der Mensch am 6. Schöpfungstag gebildet. In den obigen Versen steht aber gar nicht, dass Gott den Menschen vor den Pflanzen erschuf. Die Erschaffung der Pflanzen wird ja gar nicht erwähnt, sondern Gott schuf den Menschen und gestaltete anschließend mit den Pflanzen, die Er vorher erschaffen hatte, den Garten Eden. Der Mensch wird in den Garten gesetzt, um diese Schöpfung Gottes zu pflegen. 8 Vielleicht endet der erste Bericht auch in 1. Mose 2,4a: „Dies ist die Geschichte, des Himmels und der Erde.“ Die Verseinteilung kam ja erst im 16. Jh. auf. 9 Vielleicht bezieht sich der Ausdruck „an dem Tag“ auf den 6. Schöpfungstag oder er bedeutet allgemeiner: „zurzeit“ oder „als“.

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