Skip to main content

256403

Page 1

1. Auflage 2017 © 2017 by CLV ∙ Christliche Literatur-Verbreitung Ravensberger Bleiche 6 ∙ 33649 Bielefeld Autor: Markus Finkel Cover, Satz und Layout: Christian Schumacher Illustrationen: Konrad Albert, Andreas Alt, J. Angermeier, Claus Becker, Markus Finkel, J. Lenz, Melanie Schumacher Herausgeber: Soulsaver e.V. Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Bestell-Nr. 256403 ISBN 978-3-86699-403-4

2


Inhalt Rock ’n’ Roll Suicide –––––––––––––––––––––––––––––––– 6

Leonard Cohen Der größte Poet unter den Musikern–––––11 Nick Menza Ex-Drummer von Megadeth erlitt auf der Bühne einen tödlichen Herzinfarkt –––––––––––13 Prince Kiss me in the Purple Rain ––––––––––––––––––––16 Keith Emerson Musik-Pionier an den Tasten –––––––––––21 David Bowie Der Blackstar verlässt die Villa des Ormen––25 Natalie Cole Unforgettable im Pink Cadillac ––––––––––––30 Lemmy Kilmister Der letzte wahre Rock ’n’ Roller ist tot! –35 Scott Weiland Verlorener Kampf gegen die Sucht ––––––39 Joe Cocker Erfinder der Luftgitarre –––––––––––––––––––44 Lou Reed Ein Todeszwerg, ein Perverser, ein großer Künstler––––––––––––––––––––––––––––––––48 Amy Winehouse Das Leben war nicht Droge genug –––––53 Nate Dogg The Prodigal Son? ––––––––––––––––––––––––57 Dennis Hopper Psychopath im Film und im wirklichen Leben –––––––––––––––––––––––––––––––––60

Pete Steele / Type O Negative Metaller mit Rambo-Allüren –––––––––––––––––––––––––––––––––––64

Alexander McQueen Tod eines Teufelskerls –––––––––––––68 Michael Jackson Erinnerungen an den King of Pop––––––72 3


Richard Wright von Pink Floyd Der Mann an den psychedelischen Keyboards ––––––––––––––––––––––––76 Heath Ledger Vom Sunnyboy zum Psychopathen –––––––80 Syd Barrett von Pink Floyd ––––––––––––––––––––––––––83 George Harrison Ein Genie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ––––––––––––––––––––––––86

Ian Dury Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll is all my Brain and Body need, … ––––––––––––––––––––––––90 William S. Burroughs Botschafter aus dem All ––––––––––95 Tupac Shakur Got off Track ––––––––––––––––––––––––––99 Rory Gallagher Ein Leben für den Blues ––––––––––––––104 Kurt Cobain It’s better to burn out than to fade away. –109 Frank Zappa Multitalentierter Musik-Freak –––––––––––113 River Phoenix Der tragische Held der Generation X ––––119 Freddie Mercury The Show Must Go On ––––––––––––––122 Miles Davis Der gröÃ&#x;te aller Jazzer? –––––––––––––––––126 Andy Warhol Der Erfinder der Pop Art ––––––––––––––131 Bob Marley Superstar und Volksheld aus Jamaika –––––134 John Lennon All You Need Is Love? ––––––––––––––––––138 John Bonham Brachialer Urwucht-Trommler ––––––––––143 Bon Scott Ein Schotte als Frontmann bei der bekanntesten australischen Band ––––––––––––––––––148 Sid Vicious Extrem kurze Karriere als Punker –––––––––152 Jim Morrison Break on Through to the Other Side –––––156 4


Janis Joplin Live Fast, Love Hard, Die Young –––––––––160 Jimi Hendrix Voodoo-Meister an den Saiten ––––––––––165 Brian Jones von den Rolling Stones –––––––––––––––––169 Vorletzte Gedanken ––––––––––––––––––––––––––––––172 Der Weg zurück ist der Weg nach vorn –––––––––––––178 Liste der verstorbenen Musiker (unvollständig) ––––––181

»Denn was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sein Leben verliert?« Die Bibel – Evangelium des Matthäus Kapitel 16, Vers 26

5


Rock ’n’ Roll Suicide avid Bowie ist tot. Lemmy, Prince, Lou Reed, Joe Cocker, Keith Emerson, Nick Menza und viele andere sind tot. Unsterbliche Mythen – als Menschen aber durchaus sterblich. Es wird auch noch Mick Jagger, Keith Richards, Iggy Pop, Ozzy Osbourne oder Udo Lindenberg und alle anderen fast schon mumifizierten Rocker treffen. Am Tod kommt keiner vorbei. Die vielen Millionen Dollar konnten den Krebs von David Bowie nicht besiegen. Manche starben jung, allen voran Sid Vicious und dann die ehrenwerten Mitglieder des Club 27 , manche wurden alt – und einige leben noch. Wie denkt Mick Jagger ßber den Tod seines Freundes David Bowie? Und vor allem: Was denkt er, was nach dem Tod kommt? Die einst glitzernden, glimmernden Stars wollten uns immer weismachen, dass die Jugend niemals endet. Und sie versuchen es nach wie vor, hßpfen mit aller Kraft, die sie noch haben, auf der Bßhne umher und verbreiten ihre zweifelhaften Botschaften. Sie haben letztendlich entschie-

D

6


den, welches Leben sie leben wollen. Bowie sang einst ‌ you’re a Rock ’n’ Roll Suicide und lieĂ&#x; sein Alter Ego Ziggy Stardust theatralisch sterben, um mit einer neuen Identität wieder aufzuerstehen. Doch das war mehr als ein Inszenario, der Rock ’n’ Roll Suicide eines Rock- oder Popmusikers ist die persĂśnliche Entscheidung zu einem Lebensstil ohne Gott, denn wer sich fĂźr Sex, Drogen und laute, rhythmische Musik entscheidet, der hat seine eigenen GĂśtter gewählt. Es ist sehr auffällig, dass bestimmte Charaktere entscheidenden Erfolg aufweisen kĂśnnen: Menschen, die charakterliche und soziale Versager sind, bringen ihr Innenleben auf die BĂźhne und werden bejubelt, weil auch wir Versager sind, aber das längst nicht so konsequent ausleben wie ein Kurt Cobain, eine Janis Joplin, eine Amy Winehouse oder ein Scott Weiland. Stopp mal, wer ist oder war Scott Weiland? Doch, doch, wir kennen ihn, jeder, der auch nur ein bisschen am Zeitgeist haftet, kennt ihn: Er war der Sänger von den Stone Temple Pilots , und deren grĂśĂ&#x;te Hits hat jeder schon irgendwann mal gehĂśrt. YouTube mal – und du wirst sehen bzw. hĂśren! Scott Weiland ist ein tragisches Beispiel dafĂźr, dass solche Rockstars einen sehr hohen Preis zahlen mĂźssen fĂźr das, 7


was sie tun. Scott war eigentlich ein netter Kerl, wenn er nüchtern war, ein Vater und Ehemann. Doch die Drogen und der permanente Druck des Erfolgreichseins zerstörten diesen Mann, sein Leben und seine Familie. Seinen immerwährenden Kampf gegen die finsteren Seiten der Sucht verlor er schließlich und starb im Alter von 48 Jahren an einer Überdosis irgendwelcher Gifte. Seine Ex-Frau Mary Forsberg Weiland veröffentlichte mit den gemeinsamen Kindern Noah (15) und Lucy (13) einen Nachruf auf den verstorbenen Musiker, hier einige Auszüge: Der 3. Dezember ist nicht der Tag, an dem Scott Weiland starb. Es ist der offizielle Tag, an dem die Öffentlichkeit um ihn trauert, und es war der letzte Tag, an dem er vor ein Mikrofon gestellt werden konnte, des finanziellen Vorteils und der Freude anderer wegen … was unsere Kinder am 3. Dezember wirklich verloren haben, war die Hoffnung. Weiland sei nie der abstinente, liebende Familienvater gewesen, als der er in den Medien dargestellt wurde. Keineswegs wollte sie sein musikalisches Talent infrage stellen, aber der Schmerz überwiegt: Was ihr nicht sehen wolltet, war ein paranoider Mann, der seine eigenen Songtexte vergaß und während seiner 15-jährigen Zeit als Vater nur ein paar Mal mit seinen 8


Kindern zusammen fotografiert wurde ‌ Scott Weiland sei sehr talentiert gewesen, aber auch extrem abhängig. Drogensucht sei jedoch nicht Voraussetzung, um musikalisch erfolgreich zu sein. Viele Stars mßssten sich eigentlich in medizinische oder psychiatrische Behandlung begeben, weil sie in Todesgefahr schweben. Stattdessen stehen sie auf der Bßhne, und das Publikum fordert noch brachialere SelbstzerstÜrungsakte und kann den Hals nicht vollkriegen von den kaputten Typen, die sie sich selbst nicht trauen zu sein. Scott Weiland hat dieses dumme Idiotenkarussell nie durchschaut. Er dachte mit Sicherheit, bis zuletzt cool zu sein. Doch wenn man seine erbärmlichen letzten Auftritte mit den Wildabouts sieht, konnte einem dieser Mann einfach nur leidtun. Und was sagte Amy Winehouse zu dem Ganzen? They tried to make me go to rehab – I said no, no, no. Jetzt lebt sie nicht mehr. Willkommen bei unserem Totentanz.

9


10


Leonard Cohen: Der grĂśĂ&#x;te Poet unter den Musikern iner der bedeutendsten Songschreiber unserer Zeit (laut New York Times) ist gestorben. In einem denkbar hohen Alter fĂźr dieses Genre (mit 82 Jahren ist er verschieden) verlieĂ&#x; der Poet, Singer und Songwriter diese Erde. I’m ready, my Lord – anscheinend gut vorbereitet auf den Tod, begab sich der KĂźnstler auf die Reise, von der die meisten Menschen nicht wissen, wo sie hingeht. Cohen war immer religiĂśs. Er war ein Frauenheld (was fĂźr ihn wohl keinen Widerspruch zur Religion darstellte) und liebte das Leben, wie er es empfand. Aus diesem Fundus generierte er seine Lyrik, die später zu Songtexten wurde. Seine auĂ&#x;ergewĂśhnlich anspruchsvollen und zugleich verwirrenden Texte kĂśnnen sich mit denen von Bob Dylan messen. Beide sind Meister der Poe-

E

11


LEONARD COHEN

sie und der Doppeldeutigkeit, und das ist Kunst: Etwas zu sagen, ohne etwas zu sagen! Seine Musik war wie seine Texte: dĂźster, melancholisch, unbestimmbar. Seine Stimme klang oftmals so, als wĂźrde sie direkt aus dem Grabe gehaucht. Und doch der unglaubliche Erfolg, obschon Leonard Cohen in Ăźber 50 Jahren denselben sonoren Gitarrensound beibehielt, der fĂźr die einen so gähnend langweilig und fĂźr die anderen so faszinierend mystisch rĂźberkommt. Wer dabei einmal dem Bann seiner Musik verfallen war, den lieĂ&#x; diese nicht mehr los. Menschen, die Cohen verehren, hĂśren auch seine Seelenverwandten Tom Waits und Nick Cave und berauschen sich an der Wehmut des eigenen Daseins. You Want It Darker ist Cohens Abgesang an das Leben. Angeblich war er bereit, abzutreten, doch sein Leben steht im Gegensatz dazu, denn ein religiĂśser Mensch bestimmt immer seine eigene Moral und entscheidet Ăźber Gut und BĂśse, ein gläubiger Mensch jedoch folgt den Wegen Gottes, die er vorgibt. Leonard Cohens Hit Hallelujah war und ist kein Lobgesang zu Gottes Ehre, sondern eine Glorifizierung der eigenen Sexualität und eine Ode an den eigenen Lebensstil. Also letztendlich ein Faustschlag in das Gesicht des lebendigen Gottes. War Cohen wirklich bereit fĂźr die unvermeidbare letzte Reise? 12


Nick Menza: Ex-Drummer von Megadeth erlitt auf der Bßhne einen tÜdlichen Herzinfarkt reizehn Tage vor seinem Tod gab Nick Menza sein letztes Interview. Am 21. Mai 2016 erlitt der ehemalige Megadeth-Drummer auf einer Bßhne in Los Angeles einen tÜdlichen Herzinfarkt. Beim dritten Song kollabierte er und konnte nicht wiederbelebt werden. Im letzten Interview sprach der 51-Jährige ßber seine Karriere. Von 1990 bis 1997 trommelte er bei Megadeth , dabei sei er kÜrperlich sehr beansprucht worden. Bei durchschnittlich dreihundert Konzerten im Jahr und einem Stil, der

D

13


NICK MENZA

einem alles abverlangt, wundert das nicht. Seine Urlaube zu Hause verglich Menza mit einem Kriegsheimkehrer, dem eine posttraumatische StĂśrung zu schaffen macht. Das Touren selbst machte ihm nichts aus, solange keine Drogen im Spiel waren. Nick Menza war einer der beliebtesten Drummer der Metal-Gemeinde. Mit Megadeth spielte er vier Alben ein. Bis zu seinem Tod spielte er bei der Band OHM, einer Jazz-RockFormation, die vorwiegend in kleineren Clubs spielte und von dem Ex-Megadeth-Gitarristen Chris Poland gegrĂźndet wurde. Bei Megadeth musste er 1998 aussteigen, weil ihm ein Knie zu schaffen machte und er somit das mĂśrderische Tempo nicht liefern konnte. 2004 wollte die Band ihn noch mal als Tour-Drummer verpflichten, doch er brachte seine alten Leistungen nicht mehr. Kurz nach Nick Menzas Tod twitterte Dave Mustaine, der Frontmann von Megadeth: Sagt mir, dass das nicht wahr ist! Ich wachte um vier Uhr morgens auf und musste erfahren, dass Nick Menza bei einem Auftritt gestorben ist. Menza lebte seit 8 Jahren konsequent ohne Drogen. FrĂźher hatte er es wohl Ăśfter mal krachen lassen, und wahrscheinlich braucht man die eine oder andere Substanz, um den Mega-Wahnsinn bei Megadeth aushalten zu 14


kĂśnnen. Tatsache ist jedoch, dass er nicht an den Folgen eines Drogenmissbrauchs gestorben ist. Der Club The Baked Potato , in dem Menza sein tragisches Ende fand, kondolierte auf seiner Facebook-Seite und bat darum, fĂźr 15


seine Familie zu beten und diese nach dem tragischen Verlust zu unterstützen. Nick hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Dave Mustaine kündigte nur 24 Stunden nach dem Tod seines Freundes an, ein Benefizkonzert zu geben, um Menzas Familie in diesen schweren Zeiten, ohne Ehemann und Vater, zu unterstützen. Sehr freundliche Metaller! Und ja, man kann beten für die Lebenden, für den Toten ist das zu spät. Nur Gott allein weiß, wo dieser Mann seine Ewigkeit verbringen wird.

Prince: Kiss me in the Purple Rain er schrillste und bunteste Paradiesvogel der Popwelt hat die Showbühne für immer verlassen. Am 21. April 2016 wurde Prince Rogers Nelson – der Welt besser bekannt als Prince – tot aufgefunden in einem Aufzug in seinen Paisley Park Studios. Das Multitalent wurde 1958 im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota geboren. Bereits sehr früh fruchtete seine enorme Begabung. Mit 17 zog er von zu Hause aus, arbeitete für zwei Studios, spielte Keyboards,

D

16


Bass, Schlagzeug und Gitarre und sang. Mit 19 bekam er einen 100.000-Dollar-Vertrag von Warner Bros., die ihm bei der Gestaltung seines DebĂźts vĂśllig freie Hand lieĂ&#x;en. Der Durchbruch gelang dem jungen Prince 1982 mit der Scheibe 1999 – einige Singles wurden ausgekoppelt, darunter die Hits 1999 , Little Red Corvette und Delirious . Beständig liefen sie im Radio, und auch als Video waren sie zu sehen und zu hĂśren – denn das MTV-Zeitalter hatte eben erst begonnen. Prince war nicht nur Musiker, er war auch ein vorzĂźglicher Tänzer und Choreograf. Man kĂśnnte meinen, MTV wurde nur fĂźr Prince erfunden. Sein Faible fĂźr Selbstdarstellung kam ihm sehr gelegen. Und der Erfolg wurde grĂśĂ&#x;er: Mit Purple Rain als Film und Platte wurde er zum Superstar. Zu diesem Zeitpunkt konnten nur Michael Jackson und Madonna mit dem 1,57 Meter kleinen Mann aus Minnesota mithalten. Purple Rain wurde schätzungsweise 100 Millionen Mal als Schallplatte verkauft. FĂźr seine Darstellungen im Film bekam er sogar einen Oscar. Ein weiterer Film inklusive Soundtrack folgte. Er schrieb Megahits fĂźr andere KĂźnstler, so u. a. das Lied Nothing Compares 2 U , das SinĂŠad O’Connor Ăźber Nacht berĂźhmt machte. Seine eigenen Songs landeten regelmäĂ&#x;ig in den Charts auf guten Positionen, und somit 17


PRINCE

verkaufte er weltweit seine Musik. 1987 wurden die Paisley Park Studios in Chanhassen (Minnesota) erĂśffnet. Der Paradiesvogel baute sich einen goldenen Käfig. Unschwer zu erahnen, dass das Anwesen im Inneren vor Luxus und bester und modernster Tontechnik sowie den edelsten Instrumenten nur so protzte. 1992 erhielt er einen neuen Vertrag von Warner: 100 Millionen Dollar fĂźr sechs neue Alben, das gab es noch niemals zuvor in der Geschichte der Musik. Kurz darauf legte der erfolgreiche KĂźnstler seinen Namen Prince ab und ersetzte ihn durch ein unaussprechliches und unschreibbares Symbol. Der Plattenfirma schmeckte das gar nicht, und so entstand ein jahrelanger Streit zwischen der Firma und ihrem besten Star. TAFKAP (The Artist Formerly Known As Prince), wie er jetzt in der Ă–ffentlichkeit genannt wurde, ging es nicht um den Namen, sondern um die Urheberrechte an seiner eigenen Musik. Er kommentierte das folgendermaĂ&#x;en: Wenn einem die eigenen Master nicht gehĂśren, gehĂśrt man dem Master. 1996 grĂźndete er sein eigenes Plattenlabel. 1999 endete der Vertrag mit Warner. Prince nannte sich wieder Prince und vertrieb bis ins Jahr 2004 seine Musik nur exklusiv via Internet. Obwohl er später wieder diverse Plattenverträge einging, suchte er bis zu seinem Ableben immer nach alternativen 18


Vertriebsmöglichkeiten, und so machte er es seinen Fans äußerst schwer, seine veröffentlichten Werke komplett zu erwerben. 39 Studioalben spielte der kleine große Mann ein. Prince war ein Musik-Maniac, seit Mitte der 1980er19


PRINCE

Jahre schrieb er unentwegt einen neuen Song nach dem anderen. Insider behaupten, der größte Schatz liege im Tresor in Paisley Park: Über tausend aufgenommene, aber nicht veröffentlichte Lieder sollen dort schlummern. Ein unglaublich hoher und nicht berechenbarer Wert würde dies darstellen, ähnlich wie bei dem Maler Picasso, dessen nichtverkauftes Œuvre auf weit über 4 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde. Die Zeit wird es erweisen, doch das nützt Prince alles nichts mehr, denn er ist tot. Seit 2001 zählte sich der Musiker zu den Zeugen Jehovas. Was er sich davon versprach, wird wohl ein Geheimnis bleiben, denn – und das muss gesagt werden – der Gott von Prince war der Sex, man hört es eindeutig in seiner Musik – und seine Videos waren immer mit einer scharfen Prise Erotik gewürzt. Und auch die Texte sprechen von seiner größten Leidenschaft. In allen Bereichen ließ sich der Prinz des Musikbusiness das Zepter nicht aus der Hand nehmen. Der Kontrollfreak erarbeitete sich die perfekte Freiheit, wie er meinte. Er erkämpfte sich seine eigenen Urheberrechte, residierte in einem bewachten Palast, wie es sich für einen Monarchen geziemt, für seine künstlerische Freiheit war er bekannt, und seine Sexualität lebte er freizügig aus. Wer so lebt, ist 20


sein eigener Gott und mĂśchte mit dem lebendigen und wahren SchĂśpfer nichts zu schaffen haben.

Keith Emerson: Musik-Pionier an den Tasten eith Emerson war ein Mann, der Rockgeschichte geschrieben hat. Mit der Formation Emerson, Lake & Palmer (ELP) erfand er den Progressive Rock , dessen Wurzeln bereits bei der Gruppe The Nice zu finden sind, in der der Keyboarder, Pianist und Komponist bereits ab 1967 Jazz, Blues und Rock mit klassischen Elementen vermischte. Am 2. November 1944 wurde Keith Emerson in Todmorden, West Yorkshire (England) geboren. Bereits mit 14 Jahren war der Junge in seiner Heimatstadt fßr sein Klavierspiel bekannt. Später verdingte er sich als Pianist in verschiedenen Formationen und sammelte Erfahrungen bei Live-Auftritten. Seine musikalischen

K

21


KEITH EMERSON

EinflĂźsse aus dieser Zeit waren eine Mischung aus Jazz und Klassik. Mit The Nice kam der Erfolg. Emersons bevorzugtes Instrument war die Hammond-Orgel. Damit interpretierte er Bernstein, Bach und Sibelius auf seine persĂśnliche Art. Bald kam ein Moog-Synthesizer zum Equipment hinzu, und er wurde der erste Musiker, der ihn auf Tourneen einsetzte. The Nice hatte nur 3 Jahre Bestand. Nach der AuflĂśsung grĂźndete Keith Emerson mit Greg Lake und Carl Palmer die Formation ELP. Mit diesem Trio feierten die Musiker ihre grĂśĂ&#x;ten Erfolge. Greg Lake kam von King Crimson , und Carl Palmer trommelte zuvor bei Atomic Rooster . Der Bassist Lake Ăźbernahm auch den Gesang bei der Band. Einer ihrer grĂśĂ&#x;ten Hits war Lucky Man , aber eigentlich eher untypisch fĂźr ihren sonstigen Sound, der sehr geprägt war von Emersons monumentalen Keyboard- und Synthesizer-Klängen. Eine Adaption von Mussorgskis Bilder einer Ausstellung als Pictures at an Exhibition sorgte beim Isle of White Festival 1970 fĂźr Furore. Zwischen 1970 und 1977 verĂśffentlichten ELP sechs Alben, die mit Platin ausgezeichnet wurden. Sie spielten vor groĂ&#x;en Zuschauermengen und tourten 1977 mit einem 80-kĂśpfigen Symphonieorchester. 1979 trennten sich die drei Musiker. Keith Emerson versuchte sich in verschiedenen 22


Bandprojekten und lieferte Filmmusik. 1984 entstand die Formation Emerson, Lake & Powell . Da Carl Palmer vertraglich gebunden war, spielte Cozy Powell das Schlagzeug. Doch nach kurzer Zeit trennten sie sich, da die Chemie zwischen Emerson und Lake nicht mehr funktionierte. Das war auch der Grund, 23


KEITH EMERSON

warum die Vereinigungen der nachfolgenden Jahre vereitelt wurden. Emerson grßndete die kurzlebige Band The Three und spielte ein Soloalbum ein. Erst 1992 fand sich die Originalbesetzung von ELP wieder zusammen und hielt immerhin bis 1998. Zwei Studioalben und mehrere Konzerttourneen konnten jedoch den vormaligen Erfolg nicht herstellen. Zudem begann bei der Welttournee 1993 Emersons Dilemma. Er verletzte sich an der rechten Hand, woraus die chronische Krankheit Fokale Dystonie entstand. Ab diesem Zeitpunkt musste er mehrfach Konzerte absagen und sich einigen Operationen unterziehen. Wenn Keith Emerson auch zwischen 2000 und 2010 seine rechte Hand fßr Auftritte nutzen konnte, so war dies vielleicht der Anlass fßr seinen Selbstmord. Am 10. März 2016 erschoss er sich im Alter von 71 Jahren. Dieses tragische Ende hätte vielleicht nicht stattgefunden, wenn der Musiker in seiner Verzweiflung zu Gott geschrien hätte, der auch heute noch ruft: Kommt her zu mir alle, die ihr mßhselig und beladen seid, so will ich euch erquicken. Nehmt auf mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmßtig und von Herzen demßtig, so werdet ihr Ruhe finden fßr eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. – Die Bibel, Evangelium des Matthäus, Kapitel 11, Verse 28-30. 24


David Bowie: Der Blackstar verlässt die Villa des Ormen in Vollmond verdeckt die Sonne, eine kaltblaue, dßstere Atmosphäre auf einem fremden Planeten. Ein toter Raumfahrer liegt in einem geschlossenen Anzug an einem Hang. Ein vernebelter, eisiger Jazz mit orientalischen Elementen untermalt die Szenerie. Ein alter Mann mit einem Gesicht wie das einer Echse beginnt einen vibrierenden Sprechgesang. Er singt von einer Villa des Ormen, vom Tag der Exekution, von knienden Frauen und starrenden Augen. Die Augen des Mannes sind mit einer Binde bedeckt. Anstatt der Augen haften zwei schwarze KnÜpfe am Stoff. In einem Schuppen im Hintergrund sieht man grotesk zuckende freie OberkÜrper zweier Tänzer . Eine Frau mit einem Tierschwanz Üffnet dem toten Astronauten den Helm und findet einen edelsteinbesetzten

E

25


D AV I D B O W I E

Totenschädel. Mimik und Gestik des Sängers sind äuĂ&#x;erst kontrolliert, aber immer an der Grenze des Unerträglichen. Die Musik verändert sich, sie wirkt ruhiger und dennoch bedrohlich, der Sprechgesang wird zum richtigen Gesang, und der Sänger ist nun ohne Augenbinde. Er singt, dass er der Blackstar ist. Er hält ein schwarzes Buch in der Hand, das an eine Bibel erinnert. Auf dem Cover ist ein schwarzer Stern: ein Pentagramm, ein DrudenfuĂ&#x;. Der Hexenmeister hält es beschwĂśrend hoch und zeigt es in alle Richtungen. Dann sieht man den Protagonisten vor einer dreieckigen Wand in der Mitte stehen. Er singt davon, dass er uns nach Hause bringen will, währenddessen sieht man zombieartige Wesen wie Vogelscheuchen an Holzbalken hängen, es sind drei an der Zahl, und deshalb erinnert es eher an eine Kreuzigung. Der Schamane streckt ihnen sein Buch entgegen, und sie winden sich zitternd. Die Musik kehrt zum anfänglichen Thema zurĂźck, doch die Szene ist eine neue: Frauen stehen in einem Kreis, sie wippen zuckend auf und ab. Der Schädel mit den Edelsteinen wird auf den RĂźcken einer Frau gelegt, die in der Mitte des Kreises im Staub kniet. Dann verschwimmen die Bilder. Es erinnert an eine Opferszene. Eine Art Dämon macht sich an den Vogelscheuchen zu schaffen. Ein Kreuz wird fĂźr den Bruchteil 26


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
256403 by Fontis-Shop - Issuu