Klaus Güntzschel
Das Herz der Väter Ein Plädoyer für das Vatersein – lesbar für Väter und Söhne
Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld
Der Autor leitet zusammen mit seiner Frau Ute und einer weiteren Familie im Norden Brandenburgs ein christliches Freizeitgelände, den »Reiherhals«. Hier finden Kinder- und Jugendfreizeiten statt. Auch Familienfreizeiten werden angeboten, und es besteht die Möglichkeit, Urlaub zu machen. Das gesamte Programm ist zu finden unter www.reiherhals.de.
1. Auflage 2016 © 2016 by CLV · Christliche Literatur-Verbreitung Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld Internet: www.clv.de Satz: EDV- und Typoservice Dörwald, Steinhagen Umschlag: Lucian Binder, Marienheide Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Bestell-Nr. 256352 ISBN 978-3-86699-352-5
FĂźr meine Kinder Frieder und Prisca Sebastian und Lisa Hanna und Corni Jule und Alex RĂźdiger und Walter
Inhalt
1 Vorab – bitte trotzdem lesen
9
2 »Das Herz der Väter«
12
3 »Mein Sohn«
16
4 »Höre«
20
5 Vorsicht!
23
6 »Wenn du ihn suchst«
26
7 Die fremde Frau
29
8 Vertrauen und Verstand
33
9 »Sei nicht weise in deinen Augen«
39
10 »Ehre den HERRN von deinem Vermögen und von den Erstlingen all deines Ertrags«
43
11 »Liebe sie«
47
12 Eine Frage der Liebe
50
13 »Denn sie ist dein Leben«
64
14 »Behüte dein Herz«
68
15 Schon wieder die fremde Frau
72
16 Die eigene Frau
75
17 »Die böse Frau«
78
18 »Viele Erschlagene hat sie niedergestreckt«
81
19 »Ich liebe, die mich lieben«
85
20 »Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang«
89
21 Anhang für Söhne
92
22 Danke, Vater!
95
•• 1 •• Vorab – bitte trotzdem lesen
E
s ist über vierzig Jahre her, dass ich mit meinem Vater von Zeit zu Zeit Spaziergänge unternahm. Wenn seine Hand, die für mich als Kind einfach eine gewaltige Größe hatte, meine kleine Hand in sich vergrub, dann ging es mir gut. Seine Hände, die die Kälte Russlands während des Zweiten Weltkriegs gespürt hatten, waren warm genug, um seinen fünf Kindern ein überaus guter Vater zu sein. Wir gingen auf unserem Lieblingsweg, einem Höhenweg zwischen Ammerbach und Nennsdorf, zwei kleinen und unbedeutenden Nestern ganz in der Nähe meiner Heimatstadt Jena. Kam eine Bank, machten wir eine kleine Pause und Vater erzählte mir Dinge, die ihm wichtig geworden waren. Einige der Bank-Botschaften haben mich bis heute begleitet. Vater war Frührentner, er hatte bereits einen Herzinfarkt – und nun hatte er Zeit, mit mir spazieren zu gehen. Ich war nicht immer begeistert, aber heute denke ich gern daran zurück – zugegeben, etwas verklärt. Inzwischen bin ich selbst sechsfacher Vater. Und dankbar dafür, bisher noch keinen Herzinfarkt erlitten zu haben, bin ich ebenso mit meinen Kindern spazieren gegangen (auch sie waren nicht immer begeistert) wie mein Vater mit seinen Kindern. Wieder hat eine große Hand viele kleine Hände geführt und dabei geholfen, dass kleine Hände große Hände werden.
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Warum nun dieses Buch? In Deutschland und Europa sind wir in einem bisher nicht gekannten Maß dabei, uns gesellschaftlich zu demontieren. Wir leugnen mit der Gendertheorie die Verschiedenheit von Mann und Frau, und wir greifen die Ehe als alternativlose Lebensform im Zusammenleben von Mann und Frau an. Es findet ein erdrutschartiges Aufgeben unserer christlichen Werte statt. Familie wird nur noch dann wichtig, wenn man feststellt, dass die Rentenkassen wackeln. Nebenbei bemerkt führt das Aufgeben des Familienmodells (Vater, Mutter, Kinder) bei den öffentlichen Kassen zu massiven zusätzlichen Kosten. Zum Beispiel müssen manche Sozialämter heute Fachkräfte wie z. B. Sozialpädagogen losschicken, um Müttern zu zeigen, wie sie auf dem Spielplatz mit ihrem Kind spielen sollen. Ein Tiefpunkt in meinen bescheidenen Beobachtungen war dann die Bemerkung eines unserer Kinder, dass ein Schulkamerad sich zu Weihnachten einen »Vater« wünschte, der mindestens ein Vierteljahr bei der Familie bleibt. Da dachte ich: Haben diese Kinder in der Zwischenzeit nicht sehr bescheidene Wünsche entwickelt? Einen Vater für ein Vierteljahr? Was tun wir unseren Kindern an, wenn wir gesellschaftliche Modelle entwickeln, die auf die Vaterrolle komplett verzichten? Viele Väter haben aufgrund fehlender Vorbilder außerdem überhaupt keine Ahnung mehr davon, was es heißt, wirklich Vater zu sein. »Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage« (Maleachi 3,24). Mit diesen Worten endet das Alte Testament, der erste Teil der Bibel. Früher fand ich diesen Appell als Ende des Alten Tes•• 10 ••
taments ungewöhnlich oder zumindest überraschend! Hätte Gott da nicht Wichtigeres, Grundsätzlicheres schreiben lassen können? Heute verstehe ich es ein wenig besser. Bücher wie Vaterseelenallein deuten an, dass dieses jahrtausendealte Bibelwort hochaktuell ist. Wir lassen die Väter aussterben, und wo es noch Väter gibt, da sind ihre Herzen nicht mehr bei ihren Kindern. Die Folge ist schlicht, dass es einem solchen Land schlecht geht und Kinderpsychologen wie z. B. Dr. M. Winterhoff sich fragen, warum unsere Kinder zu Tyrannen werden. In diesem Buch möchte ich dich als Vater (oder als zukünftigen Vater oder Großvater oder geistlichen Vater) mitnehmen auf einen »Spaziergang« – auf einen Spaziergang, den ein Vater mit seinem Sohn unternommen hat. Dieser Spaziergang fand vor etwa fast dreitausend Jahren statt, und du und ich, wir haben das außerordentliche Privileg, lauschen zu dürfen, Zeuge zu sein und von dem Gespräch zu profitieren. Das Grandiose dabei ist, dass dieser Vater von Gott als der weiseste Mann bezeichnet wird, der je auf der Erde gelebt hat. Er hat also etwas zu sagen. Aber bevor wir unseren »Lauschangriff« starten, will ich mit dir über den bereits erwähnten letzten Vers des Alten Testaments nachdenken.
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•• 2 •• »Das Herz der Väter«
»Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.« Maleachi 3,24
G
ott hat in der Zeit des Alten Testaments des Öfteren Menschen zu seinem Volk gesandt, um ihnen wichtige Botschaften zu übermitteln. Er nannte diese Menschen Propheten. In den weitaus meisten Fällen glaubte das Volk den Botschaften dieser Männer nicht. Oft war man so verärgert, dass man diese Botschafter mundtot machte oder sie sogar buchstäblich tötete. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Der letzte Prophet in der Zeit des Alten Testaments, den Gott seinem Volk Israel schickt, heißt Maleachi – sein Name bedeutet schlicht: »Bote«. Seine Botschaft ist klar und deutlich: • • • •
Gott wirft dem Volk vor, ihn zu verachten. Gott warnt vor Ehescheidung. Gott warnt vor Egoismus. Gott zeigt eine Lösung, wie man in gottloser Zeit gottesfürchtig leben kann. • Zum Schluss zeigt Gott eine Lösung für das Generationenproblem.
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Mit dem oben genannten Vers beendet der Prophet seine Botschaft, und genau mit diesem Vers beendet Gott sein jahrhundertelanges Reden zu seinem Volk. Gott wird nun vierhundert Jahre schweigen – um dann seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde zu senden. »Und er« – wie können wir unsere Probleme lösen, die uns zu erdrücken scheinen? Die einfache Antwort lautet: Nur mit Gott! »Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern wenden« – keine Seminare oder Gender-Kompetenzzentren vermögen das zu tun, kein Cocktail aus eigener Kraft und zwei Schluck »Positivem Denken«. Nein, wir müssen verstehen, dass wir Gott existenziell brauchen. Ohne ihn können wir nicht einen einzigen vernünftigen Gedanken denken, nicht eine einzige vernünftige Tat tun. Als seine Geschöpfe müssen wir ihn suchen und ihm unsere ganze Hilflosigkeit und Armut bekennen. »Das Herz der Väter« – erstaunlicherweise beginnt Gott damit, das Herz der Väter zu verändern. Seltsam, nicht wahr? Ist es nicht die Jugend, die sich ändern muss, die völlig »durchgeknallt« ist? Ja, es scheint so, beim ersten Hinsehen. Aber Gott weiß, dass das Problem tiefer liegt: Es liegt im Herzen der Väter. Es liegt in einer Generation, die versagt hat, die sich selbst gelebt hat und nur allzu oft ihre Kinder auf dem Altar ihres Egos und ihrer Selbstverwirklichung geopfert hat. Dieses Buch ist ein Plädoyer für das Vatersein. Männer haben ja heutzutage oft ein Identifikationsproblem. Seit dem Erstarken des Feminismus müssen sie sich fast dafür »entschuldigen«, Mann zu sein. Und über diese Demontage des Man•• 13 ••
nes haben wir in der Gesellschaft auch die Väter verloren. Kinder wurden »vaterseelenallein«. Können nicht auch zwei Frauen ein Kind erziehen? Nein, können sie nicht – genauso wenig, wie es zwei Männer können. Vater und Mutter in ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer besonderen Prägung sind unverzichtbare Voraussetzungen dafür, dass unsere Kinder zu Persönlichkeiten heranreifen, wie Gott sie will. Dieses Buch möchte also Männer ermutigen, sich einer herausfordernden, aber auch sehr erfüllenden Aufgabe zu stellen. Vatersein ist nicht nur Stress, sondern eben auch Genuss! Es gibt nicht nur Mutterglück, sondern auch Vaterglück! Beispiel: Als meine Kinder klein waren, fragten sie regelmäßig, wenn ich von Reisen nach Hause kam: »Was hast du mir mitgebracht?« Das ist natürlich und normal. Ich wusste also, dass sie sich momentan noch mehr für ihr eigenes Glück interessieren als für das des anderen. Als die Kinder dann größer wurden, änderten sich die Fragen. Sie lauteten dann auch mal: »Wie war es? Hattest du eine gute Zeit? Hast du Gottes Hilfe erlebt?« Oha, dachte ich, das sind neue Töne! Herrlich! Aus Kindern werden Freunde – Menschen, die mir etwas geben. Heute weiß ich, dass meine Kinder mir weit mehr an Freude zurückgeben, als sie mich Schweiß gekostet haben – das meine ich mit Vaterglück. Lukas, der Schreiber des Lukasevangeliums, kommt in seinem ersten Kapitel auf den letzten Vers des Alten Testaments zurück. Er schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Und er gibt uns eine sehr wichtige Information, eine Zielvorgabe: »Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft Elias, um die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekeh•• 14 ••
ren und Ungehorsame zur Einsicht von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten« (Lukas 1,16-17). Treffend formuliert er zwei Ziele von Vaterschaft: Zunächst sollen wir Väter unseren Söhnen den Weg zum Himmel zeigen. Und zweitens sollen wir »dem Herrn ein zugerüstetes Volk bereiten«. Was für eine herausfordernde und verantwortungsvolle Aufgabe – Väter (und auch Mütter) rüsten die nächste Generation zu für Gott! Wenn wir das doch mehr im Herzen hätten! Fazit: Als Erstes müssen wir unser Herz als Väter wiederentdecken, unser Vatersein wieder nach biblischem Muster definieren. Und als Zweites muss sich dann unser Vaterherz unseren Kindern zuneigen. Dann nehmen wir unsere Kinder als etwas ungemein Wertvolles wahr, als ein göttliches Geschenk, statt sie vor oder – wie jetzt in den Niederlanden angedacht – nach der Geburt zu töten, weil wir meinen, ihre Behinderung schränke unsere »Lebensqualität« ein. Unsere Kinder haben das Recht, besonders in den ersten sechs Jahren ihres Lebens von uns als Vater und Mutter betreut, umsorgt, gelehrt und geliebt zu werden. Ja, sie können erwarten, dass wir Zeit haben, mit ihnen spazieren zu gehen …
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•• 3 •• »Mein Sohn«
»Frömmigkeit ist der Entschluss, die Abhängigkeit von Gott als Glück zu bezeichnen.« Hermann Bezzel
»Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.« Sprüche 1,7
I
ch weiß nicht, wie es dir geht, wenn du die Bibel liest. Mir geht es so, dass ich ab und zu Worte und Sätze entdecke, an denen ich hängen bleibe – ich nenne sie gern »Verse mit Widerhaken«. Du stockst, hörst auf weiterzulesen, bleibst einfach an diesem Vers hängen. Herrlich! So ging es mir mit Maleachi 3,24 und mit manchen anderen Versen. Der Spaziergang, den ich mit dir in diesem Buch nachspazieren will, ist auch so ein Widerhaken – zugegeben, einer von der etwas größeren Art. Es handelt sich nicht nur um einen Vers, sondern um mehrere Kapitel: um die Kapitel 1 bis 9 aus dem Buch der Sprüche. Ich habe diese Kapitel ein paarmal gelesen, und dann entdeckte ich: Ja, das ist es – Salomo, dieser weise Mann, redet immer wieder seinen »Sohn« an: »mein Sohn«. Und dann erzählt er seinem Sohn, was wichtig ist, wie das Leben funktioniert, was der tiefe Sinn des Lebens ist. Er zeigt ihm Gefahren auf, erzählt auch von früher, von seinem Vater (das •• 16 ••
scheinen Väter gern zu machen, von früher zu erzählen …). Überraschend war für mich, wie offen die beiden über Sexualität reden: über die Freuden der Sexualität, aber auch darüber – und das nimmt auf ihrem Spaziergang einen verhältnismäßig weiten Raum ein –, wie zerstörerisch ein falscher Gebrauch dieser göttlichen Erfindung ist. Salomo, kann es sein, dass du ein Mann unserer Zeit bist und bestens über unsere sexualisierte Welt Bescheid weißt? Die Kapitel 1 bis 9 der Sprüche Salomos werden von einem Vers eingerahmt, der für diese Kapitel als Überschrift und Motto dienen könnte: »Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis« (Sprüche 1,7). »Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang« (Sprüche 9,10). Kann man christliche Erziehung besser zusammenfassen als in diesen beiden Sätzen? Das große Ziel eines christlichen Vaters ist es, sein Kind die Furcht des HERRN zu lehren und sie ihm vorzuleben. Furcht bedeutet hier nicht Angst oder Panik, sondern Furcht bedeutet hier das Wissen um einen Gott und die Ehrfurcht vor einem Gott, der über mir steht – ein Gott, der die Sterne geschaffen hat (gehe einfach mal mit deinem Sohn in einer sternenklaren Nacht hinaus auf den Balkon, und dann schaut euch die Sterne an – genial!), ein Gott, der Vater und Sohn geschaffen hat und dem diese beiden deshalb auch verantwortlich sind. Amos schreibt: »Sucht den HERRN und lebt« (Amos 5,6), und David schreibt in •• 17 ••
den Psalmen: »Ihr, die ihr Gott sucht, es lebe euer Herz!« (Psalm 69,33b). Beides – suchen und leben – hängt organisch zusammen, bildet eine Einheit: Dein Sohn kann nicht wirklich leben, wenn er den Herrn nicht gefunden hat – deshalb fasst Salomo, dieser weise Mann, seinen ausgedehnten Spaziergang in diesen beiden Versen zusammen. Und Amos, er fährt dann auch mit den Sternen fort: »… sucht den, der das Siebengestirn und den Orion gemacht hat und den Todesschatten in Morgen verwandelt und den Tag zur Nacht verfinstert, der die Wasser des Meeres ruft und sie über die Fläche der Erde ausgießt: HERR ist sein Name« (Amos 5,8-9). Kann man es besser auf den Punkt bringen? Salomo zeigt mit diesen beiden Versen in den Kapiteln 1 und 9 den Kern unserer Bemühungen als Väter und Mütter. Und dieser Kern ist ein Leben in der Gottesfurcht, ein Leben im Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort. Die Betonung liegt auf »Leben«, denn unser Leben redet lauter als unsere Worte. Auf meiner ersten Rumänien-Reise lernte ich, dass das rumänische Wort für »Kinder« copii lautet (was an unser deutsches Wort »Kopie« erinnert). So reizend, wie es ist, wenn unsere Kinder unsere abstehenden Ohren erben (?), so ernüchternd ist es, wenn wir entdecken, dass sie unsere »Kopien« sind. Sie ahmen das nach oder kopieren das, was wir (oft so unvollkommen und fehlerhaft) tun, und tun weniger das, was wir ihnen oft mit gut gemeinten Worten sagen. Wir können unsere Kinder genau dann getrost in das »Leben« entlassen, wenn sie – auch gerade durch uns Väter – gelernt haben, in der Furcht Gottes zu leben; wenn sie gelernt •• 18 ••
haben, als Persönlichkeiten vor Gott zu stehen und ihr Leben unter seiner Autorität zu leben. Dann sind sie nicht »vaterseelenallein«, sondern dann haben sie in ihrer Kindheit einen menschlichen Vater gehabt und können nach ihrer Bekehrung mehr und mehr lernen, mit ihrem göttlichen Vater zu leben. Salomos Herz musste in dieser Beziehung nicht zu seinem Sohn gewendet werden. Salomo sagte ihm auf seinem »Spaziergang« in diesen neun Kapiteln das, was wichtig ist. Folgen wir seinem Beispiel. Dann haben wir die Chance, eine ganze Generation zu prägen, und können dem Herrn ein zugerüstetes Volk bereiten.
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•• 4 •• »Höre«
»Wenn wir Gottes Wort hören und Gottes Werke tun, dann wird unser ganzes Leben ein nie endendes Erntedankfest.« Friedrich von Bodelschwingh
»Höre, mein Sohn, die Unterweisung deines Vaters, und verlass nicht die Belehrung deiner Mutter!« Sprüche 1,8
H
öre« – das hat mit Kommunikation zu tun. Wir haben Zeiten, wo das Smartphone in der Schublade liegt, der Fernseher ausgeschaltet ist (oder das Haus bereits verlassen hat) und Zeit zum Reden ist. Finden in unserer Familie noch gemeinsame Mahlzeiten statt, wo wir miteinander reden? Oder Familienandachten, in denen wir gemeinsam und mit Gott reden? Kommunikation muss gelernt und vielleicht wieder neu eingeübt werden.
»Höre« – Salomo hatte als König sehr wahrscheinlich ein volles Programm. Für den Vormittag hatte sich die Königin von Scheba angekündigt, am Nachmittag muss er noch auf der Tempelbaustelle vorbeischauen. Wenn jemand Stress hatte, dann Salomo. Aber in seinem Terminkalender könnte gestanden haben: »Wöchentlich Gespräch mit dem Sohn.« Der König hatte Zeit eingeplant – Zeit für etwas so »Unwichtiges« wie mit seinem Sohn spazieren zu gehen. •• 20 ••
Wie sollen dein Sohn und deine Tochter etwas von dir hören, wenn du keine Zeit einplanst? Und wenn du doch Zeit eingeplant hast, weißt du dann, worüber du heute reden willst? Hast du einen Plan? Weißt du selbst, was wichtig ist? Was »hörst« du gerade von Gott? Worüber redest du gerade mit Gott? Dein privater verborgener Umgang mit deinem himmlischen Herrn wird die Qualität deines Spaziergangs mit deinem Sohn bestimmen. »Höre« – Söhne und Töchter haben das Privileg, zu hören. Sie dürfen und sollen zunächst lernen und zuhören. Gönnen wir ihnen diese Lernzeit und die Unbeschwertheit, noch keine Verantwortung tragen zu müssen! Wie viele Scheidungskinder zum Beispiel werden dieser unbeschwerten Zeit beraubt und zerbrechen an der vermeintlichen Verantwortung, eine Schuld am Zerbrechen der elterlichen Beziehung zu haben! Nein, das biblische Muster kennt einen Vater und eine Mutter, die Verantwortung für ihr Kind tragen – und nicht umgekehrt. »Höre« – Salomo erwähnt an dieser Stelle Vater und Mutter. Vor dreißig Jahren war es durchaus noch unüblich, zu meinen, man könne auf einen Teil dieses göttlichen Teams verzichten. Dass man es heute tut, ist ein Zeichen geistiger Zwergwüchsigkeit und blinder Arroganz. Der Schöpfer hat Väter und Mütter mit unterschiedlichen Begabungen und Aufgaben gegeben. Ändern wir diese Ordnung und verachten wir das Geschenk, müssen wir die Folgen tragen, die schon jetzt unübersehbar sind. Noch etwas – manche Erziehungspsychologen würden an dieser Stelle schreiben: »Setzt euch als Familie mit den Kin•• 21 ••
dern ab und zu ein bisschen zusammen und lernt voneinander; begegnet euch auf Augenhöhe.« – Salomo begegnet seinem Sohn in der Erziehungsphase durchaus nicht auf Augenhöhe, sondern er ist sein Vater und sein Lehrer. Und er hat einen Sohn, der weiß, dass es gut ist, zuzuhören. Fazit: Väter müssen hören und gehört haben, bevor sie reden können. Fange heute an, wieder neu auf Gott zu hören. Speise deine Kinder nicht mit frommen Phrasen ab. Erspare ihnen abgestandene geistliche Konserven ohne Herz. Präsentiere ihnen Wasser aus frischem Quell! Und – wo es hier ja um Bänke geht – auch die Küchenbank tut’s manchmal!
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•• 5 •• Vorsicht!
»Das Halten der Gebote Gottes wird unsere Freude sein und unser Glück zugleich; denn was sind seine Gebote anders als eine Hand am Wege, als schwarze und weiße Tonnen, die vor Verderben warnen und dich sichere Fahrt in das Land des Heils weisen.« Matthias Claudius
»Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Weg, halte deinen Fuß zurück von ihrem Pfad; denn ihre Füße laufen dem Bösen zu, und sie eilen, Blut zu vergießen.« Sprüche 1,15-16
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enn das Leben nur ein unbeschwerter Spaziergang wäre, dann würde sich die Elternschaft in der Tat auf Nahrungsbeschaffung und andere lebenserhaltende Maßnahmen beschränken. Aber so ist es nicht – das Leben birgt eine Reihe von Gefahren, sodass Elternschaft eben zu einem wesentlichen Teil in Schutz und Abwehr von Gefahren besteht.
In fast jedem Kapitel warnt Salomo seinen Sohn vor dem »Bösen«. Diese Warnungen nehmen den weitaus größten Raum ein. Dadurch wird deutlich, dass dieser weise Salomo diesen Warnungen eine sehr große Bedeutung beimisst. •• 23 ••
Salomo verbindet das Böse mit dreierlei Umschreibungen: • Sünder (Sprüche 1,10); • ein Mann, der Verkehrtes redet (Sprüche 2,12); • die fremde Frau (Sprüche 2,16 und weitere Stellen in den Kapiteln 3 – 7). »Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Weg, halte deinen Fuß zurück von ihrem Pfad; denn ihre Füße laufen dem Bösen zu, und sie eilen, Blut zu vergießen« (Sprüche 1,15-16). Seit dem Sündenfall existiert das Böse in dieser Welt. Und der Fürst dieser Welt, Satan, ist selbst der Böse. Er will zerstören und durcheinanderbringen, wie schon sein Name, Diabolos (»Durcheinanderbringer«), sagt. Das Bestreben der modernen Gesellschaft ist es nun, diesem Bösen das schlechte Image zu nehmen und es im Extremfall noch gut zu nennen. So wird Geiz geil, und Abtreibung (Mord) wird als eine Demonstration des Rechts auf den eigenen Bauch verstanden – ist also gesellschaftsfähig. Praktizierte Homosexualität, die noch vor dreißig Jahren strafbar war, darf heute öffentlich noch nicht einmal mehr als Sünde bezeichnet werden. So bleibt der Mensch »Erfinder böser Dinge« (Römer 1,30), und dabei ist er extrem »erfinderisch«. Unsere Kinder werden sehr früh in ihrem Leben in Berührung mit Bösem kommen – vielleicht im Alter von fünf Jahren in Form der sogenannten frühkindlichen Sexualerziehung oder mit sieben Jahren in Form des ersten Ballerspiels auf dem Smartphone des Nachbarjungen.
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Dann kommen bald die Erlebnisse auf dem Schulhof, wo die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Clique überlebenswichtig scheint. Salomo kennt den »Schulhof«, deshalb sagt er: »Geh nicht mit ihnen!« Dieser Drang, die Anerkennung einer Clique zu genießen, ist in jedem Kind enorm stark. Mode, Handymarke oder das Vorweisen von Mutproben sollen den »Sohn« erpressen. Unsere Botschaft ist keine andere als die Salomos: »Geh nicht mit ihnen«, auch wenn es dich reizt und dein Fuß unbedingt dahin will. »Halte deinen Fuß zurück« – warum? Der nächste Schritt ist, dass Blut fließt. Jedenfalls ist es nach Markus 7,21 (»Denn von innen aus dem Herzen der Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken: Hurerei, Dieberei, Mord«) kein weiter Weg vom schlechten Gedanken bis zum Mord. Fazit: Unsere Argumentation als Väter wird umso überzeugender sein, je besser wir selbst in unserem Erwachsenleben gelernt haben, unsere Füße vom Bösen zurückzuhalten. Manchmal ist es ratsam, seinen eigenen Herzensentschluss schriftlich zu bestätigen. Hilf dir und deinen Kindern dabei! Ich fasse folgenden Entschluss in Bezug auf … z. B. die tägliche gemeinsame Bibellese z. B. die Einrichtung eines Werbeblockers / einer Filtersoftware fürs Internet usw. Datum, Unterschrift
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•• 6 •• »Wenn du ihn suchst«
»… wenn du dem Verstand rufst, deine Stimme erhebst zum Verständnis, wenn du ihn suchst wie Silber und ihm nachspürst wie nach verborgenen Schätzen, dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.« Sprüche 2,3-5
W
ir haben heute keine Lust mehr, lange auf eine Sache zu warten. Fast Food (»schnelle Nahrung«) ist angesagt. Die Pizza im Ofen dauert zwölf Minuten – bei der Fast-Food-Kette mit dem gelben M geht es vielleicht noch schneller, und eine Kaffeemarke wirbt mit dem Slogan »I love Genuss sofort«. Liebe »nehmen« wir uns, wann wir wollen – kein Gedanke an Warten und Suchen, an Mühen und Arbeit.
Salomo nimmt sich extra Zeit, um seinem Sohn diesen Punkt richtig zu erklären. Vielleicht ist er froh, dass hier gerade eine Bank steht. Er setzt sich neben seinen Sohn und teilt ihm eine wichtige Weisheit mit: Es geht nicht ohne Suchen, ohne den festen Willen, dem Verstand zu rufen. Wäre es nicht einfacher, sich irgendwie berieseln zu lassen, irgendeine Schnellbesohlung auf einer vierwöchigen Bibelschule? »Vergiss es!«, sagt Salomo. Du musst aktiv werden, musst rufen und suchen und nachspüren. Die Weisheit Gottes kannst du nicht mal eben nebenbei bekommen wie ein Dessert am Ende eines großen Büfetts. Es kommt dir kein Diener ent•• 26 ••