WILHELM BUSCH
JOHANNES BUSCH Ein Botschafter Jesu Christi
Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld
1. Auflage 2016 (CLV) © 2016 by CLV · Christliche Literatur-Verbreitung Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld Internet: www.clv.de (erstmals erschienen 1956 im Aussaat-Verlag, Wuppertal) Satz: EDV- und Typoservice Dörwald, Steinhagen Umschlaggestaltung: Lucian Binder, Marienheide Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Bestell-Nr. 256349 ISBN 978-3-86699-349-5
FĂźr unser Leben ist nur eines wichtig: dass es ganz fest in der Hand unseres Gottes ruht und von Ihm gefĂźhrt und gestaltet wird. Johannes Busch
INHALT
Vorwort zur Neuauflage
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Vorwort des Autors
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Das Erbe seiner Väter
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Das Haus in der Gartenstraße
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Der Pennäler
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Der Student
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Als Lehrvikar in Bielefeld
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Wideystraße 4 in Witten
83
Kirchenkampf in Witten
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In Uniform
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Von vorne anfangen
132
Auf vollen Touren
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Der Bundeswart Der Anfang des Westbundes Hundert Jahre später Der Westbund meldet sich Bundeswart des Westbundes Die Verantwortlichen Bruder unter Brüdern
146 147 152 152 157 165 166
Mancherlei Dienste – ein Auftrag Mit »Gideon« auf Fahrt Der Evangelist
170 170 178
Vorstoß zu den Entfremdeten Freizeiten und Bundeszeltlager Wort und Lebensgemeinschaft Mitarbeiter Pfarrerfreizeiten Der Schriftsteller Die Feste Im Weltbund des CVJM Die Kirche Fülle und Einfalt
180 183 186 190 193 194 196 199 204 207
Frau Grete
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Das Leben geht weiter
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Es geschah auf einer nächtlichen Straße
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»Wenn dann zuletzt ich angelanget bin …«
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VORWORT ZUR NEUAUFLAGE
»Ein Busch ist mehr wert als ein ganzer Wald von Pastoren!«
I
n diesem Jahr jährt sich der Todestag von Pastor Johannes Busch – er starb vor 60 Jahren am 14. 4. 1956. Zehn Jahre später, also vor 50 Jahren, starb sein älterer Bruder Pastor Wilhelm Busch, der Autor dieses Buches. Beide haben die meiste Zeit ihres gesegneten Lebens und Dienstes im »Ruhrpott« verbracht, Johannes in Witten und Wilhelm im benachbarten Essen. Leiblich, geistlich und freundschaftlich miteinander eng verbunden, wurden sie in diesem dicht bevölkerten Gebiet bekannte und prägende Persönlichkeiten. Dass in den Nachkriegsjahren durch ihren Einfluss im Ruhrgebiet – und besonders in den Städten Essen, Witten und Mülheim – Zentren erwecklichen Lebens entstanden, kann man sich heute kaum noch vorstellen. Der bekannte, originelle und kantige Pastor Heinrich Kemner, der in jungen Jahren als Vikar in Witten entscheidend durch Johannes Busch geprägt wurde, schreibt in seinen Lebenserinnerungen »Da kann ich nur staunen« treffend über die Brüder Busch: »Bei den Buschs konnte man sehen, wie natürlich Glaube und Christentum Menschen prägen können. Man sagte damals: Ein Busch ist mehr wert als ein ganzer Wald von Pastoren …« Aber auch über das Ruhrgebiet und ganz Deutschland hinaus wurden Johannes und Wilhelm Busch durch ihre Evangelisationen und Vorträge bekannt. Schließlich wurden sie auch durch ihre Bücher Generationen von jüngeren und älteren 9
Menschen bis in unsere Zeit zu Vorbildern und Wegweisern, unserem Herrn Jesus Christus nachzufolgen. Daran soll in dieser eindrücklichen Biografie erinnert werden. In diesem Buch schildert Wilhelm Busch auf ergreifende Weise, in welch eine Segenslinie sie als Brüder hineingeboren wurden und welch ein Geschenk gottesfürchtige, echte, ansteckend fröhliche Eltern und Großeltern für nachkommende Generationen sein können. Das sollte uns heute Mut machen. Inzwischen hat sich vieles geändert. Nicht nur das Ruhrgebiet ist heute nach über 50 Jahren kaum wiederzuerkennen. Auch der CVJM, von dem in diesem Buch viel die Rede ist, hat sich stark verändert. Ämter wie »Bundeswart«, Veranstaltungen wie »Bundeszeltlager«, »Bundesposaunenfest« usw. klingen ziemlich antiquiert und weit weg. Wahrscheinlich reibt sich auch mancher Leser verwundert die Augen, wenn er liest, dass Johannes Busch tatsächlich ein Synodaler der EKD war, auf dessen Wort gehört wurde und dessen vollmächtige Schlussandachten eine tiefe Wirkung auf die anwesenden hohen Herren hatten. Auch das kann man sich heute, wo sich fast jeder bekennende, bibelgläubige Pastor auf einer Art Schleudersitz befindet, selbst in kühnsten Träumen kaum vorstellen. Tatsächlich war und blieb Johannes Busch damals ein »Mann der Kirche«, in die er sich von Gott hineingestellt fühlte. Tröstlich, dass sein Freund, Pfarrer Rudolf Schmidt (Meinerzhagen), in der Nachversammlung bei der Beerdigung über ihn sagen konnte: »Er hat in 20 Jahren zwei Worte nie verwechselt: Er hat niemals das Wort ›Kirche‹ gesagt, wo er das Wort ›Jesus‹ sagen musste.« Für mich als damals 15-jähriger, aufmüpfiger Teenager war diese Biografie ein Augenöffner. Von CVJM und EKD hatte ich damals keine Ahnung, und ein Leben mit und für Gott 10
schien mir in keiner Weise lohnenswert. Aufgewachsen in einer konservativen, gutbürgerlichen Brüderversammlung in Schwelm und in einem Elternhaus, in dem Vater und Mutter vorbildliche Christen waren, schien mir ein Leben als Christ dennoch äußerst langweilig und öde zu sein. Was mir Spaß machte, das wurde mir verboten, und was mir erlaubt wurde, das machte mir keinen Spaß … Bis mir diese Biografie in die Hände geriet – und das kam so: Auf dem Weg zu meiner Lehrstelle als Drogist musste ich mich immer im Eingang einer Buchhandlung unterstellen, wenn es regnete, während ich auf die Straßenbahn wartete, die mich nach Wuppertal brachte. Es war im Frühjahr 1961 – und es regnete oft. Im Schaufenster der Buchhandlung fiel mir ein rotes Buch mit einem großen Glatzkopf auf der Titelseite in die Augen. Es war wohl das einzige christliche Buch in der Auslage – mit dem Titel: »Johannes Busch – Ein Botschafter Jesu Christi«. Der Autor: Wilhelm Busch. Tage- oder wochenlang stand dieses Buch dort, und fast jeden Morgen sahen mich ernste, durchdringende Augen an. Mit dem Namen und dem Titel konnte ich nichts anfangen. Wilhelm Busch war mir als Humorist gut bekannt und sein Gedicht über den »Nöckergreis« kannte ich auswendig. Doch dieser Busch hier konnte wohl kaum etwas mit ihm zu tun haben. Aus irgendeinem Grund prägte sich mir der Kopf und Titel des Buches ein, ich wurde etwas neugierig, und als meine Mutter mich fragte, ob ich irgendeinen Wunsch für meinen bevorstehenden Geburtstag habe, sagte ich spontan: »Schenk mir dieses Buch da aus der Buchhandlung. Dieser Glatzkopf hat mich nun schon so lange angeschaut und ich möchte mal lesen, wer dieser Mann ist.« 11
Meine liebe Mutter hat mir sehr gerne diesen Wunsch erfüllt, und so las ich diese Lebensgeschichte, die mein falsches Bild von Christsein völlig auf den Kopf stellte. Ich lernte durch dieses Buch ein Christenleben kennen, das so erfüllend, beneidenswert und herausfordernd war, wie ich es mir bisher in keiner Weise vorstellen konnte. Die Folge war, dass ich mir in den nächsten Wochen alle damals lieferbaren Bücher der Brüder Busch nach und nach besorgte und mit großer Freude und oft feuchten Augen verschlang. Gott hat diese Bücher benutzt, um mir die Augen für meine eigene Verlorenheit und die Einzigartigkeit unseres Erlösers zu öffnen. Für mich begann ein neues Leben, die »Umwertung aller Dinge« … Natürlich ist klar, dass dieses Buch nicht auf jeden Leser die gleiche Wirkung haben wird – zumal sich die Welt und auch die Christenheit seitdem gewaltig verändert hat. Doch Gott kann in seiner Souveränität auch heute noch diese beeindruckende Lebens- und Familiengeschichte benutzen, um Hunger nach einem Leben zu wecken, das zur Ehre Gottes und zur Freude und Ermutigung unserer Mitmenschen dient. Meinerzhagen, im Frühjahr 2016 Wolfgang Bühne
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VORWORT DES AUTORS
A
ls ich nach der Trauerfeier vom Grab meines lieben Bruders Johannes wegging, sah ich hinter einem Gebüsch einen jungen Mann hemmungslos weinen. Das schien mir der ergreifendste Nachruf zu sein. Kurz nachher stellten sich mir zwei andere junge Männer in den Weg: »Wir möchten so gerne etwas aus dem Leben des Bundeswarts wissen. Verstehen Sie? Wie er als Junge war! Und als Student!« Diese jungen Männer hatte ich im Auge, als ich der Bitte des Vorstands im Westdeutschen Jungmännerbund nachkam, einiges über das Leben meines Bruders aufzuschreiben. Diesen jungen Männern wollte ich erzählen, »wie er als Junge war und als Student«. Man kann einen Mann aber nicht trennen von seiner Familiengeschichte. Und so ging es gar nicht anders, als dass ich von seinen Vorfahren erzählte. Und je weiter dieses Buch Gestalt gewann, desto mehr merkte ich: Man kann das Leben eines Mannes nicht trennen von seinem Werk. So wurde ich immer mehr dazu geführt, einiges von den Grundsätzen seiner Jungmännerarbeit hinzuzufügen. Ich fürchte, dass das Ganze nun keine organische Einheit geworden ist, denn wenn ich von den Prinzipien der Arbeit sprach, dann vergaß ich die jungen Männer, die ich dort auf dem Friedhof getroffen hatte. Dann standen vor meiner Seele die Freunde und Gegner seiner Arbeit. Ich sah im Geist junge Pfarrer, die Jugendarbeit treiben wollen und nicht recht wissen, wie sie es anfangen sollen. 13
Zu alldem drängte der Verlag, der das Buch auf der Buchmesse in Frankfurt 1956 vorlegen wollte. Man wird es dem Buch anmerken, dass der Schreiber nicht immer die nötige Muße hatte, dass es im Gedränge vielfältiger anderer Arbeit geschrieben wurde. Das möge der Leser dem Schreiber gütigst verzeihen. Und nun noch eins: Als ich vor Jahren eine Lebensbeschreibung meines Vaters herausgab, fragte mich ein Leser: »Hat Ihr Vater eigentlich gar keine Fehler gehabt?« Darauf habe ich ihm geantwortet: »Sicher war er ein Mensch, der täglich Vergebung der Sünden brauchte. Aber ich, der Sohn, habe die Fehler nicht gesehen.« So ähnlich muss ich es auch hier sagen. Es schreibt der ältere Bruder, der mit Johannes auf das Herzlichste verbunden war. Nun lege ich das Buch doch in die Hand jenes unbekannten jungen Mannes, der am Grab so herzbrechend geweint hat. Wenn er sich dadurch zu neuer Freudigkeit im Dienst für Jesus an jungen Männern rufen lässt, hat das Buch seinen Zweck erfüllt. Essen, im Sommer 1956 Wilhelm Busch
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DAS ERBE SEINER VÄTER
A
m 11. März 1905 wurde Johannes Busch in Elberfeld geboren. Im nächsten Jahr schon siedelte die Familie nach Frankfurt am Main über. Damit begann für ihn das Reisen. Es hat eigentlich nie mehr aufgehört. 1921 starb der Vater. So begann das Wandern innerhalb Frankfurts von einer Wohnung zur anderen. Als Student ist man sowieso ein Zugvogel. Und als der junge Pfarrer endlich mit seiner Frau in Witten ein Nest eingerichtet hatte, wurde er Bundeswart und Landesjugendpfarrer. Da ging die Reiserei erst richtig los. Sie wurde unterbrochen durch den Krieg, der ihn bis zum Kaukasus und zurück führte. Und nach 1945? Wer kann die Kilometer zählen, die er beim Neuaufbau des Jungmännerwerks in Westdeutschland und der ganzen evangelischen Jugendarbeit gereist ist? Auf einer Reise nach Trier geschah es, dass er sich zur letzten Reise anschicken musste. Jesusjünger sind ja im Grunde alle miteinander Reisende zu einem ganz großen Ziel. Von Abraham heißt es in der Bibel: »Er wohnte in Zelten und wartete auf eine Stadt, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.« Ich wundere mich nicht, dass Johannes Busch, dessen Leben ein beständiges Reisen war, eine besondere Liebe zu diesem Abraham hatte und dass er gerade über ihn ein Buch geschrieben hat. Es gibt ein Reiselied der Kinder Gottes. Das beginnt so: »Himmelan, nur himmelan soll der Wandel gehn …« Johannes erzählte einmal, schon als Junge habe ihn bei einem Vers dieses Liedes ein heiliger Schauer überkommen:
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»Himmelan wallt neben dir alles Volk des Herrn, Trägt im Himmelsvorschmack hier seine Lasten gern. O schließ dich an! Kämpfe drauf, wie sich’s gebührt; Denke: Auch durch Leiden führt die Himmelsbahn.« Dieses Reiselied der Gotteskinder hat im Leben aller BuschKinder eine große Rolle gespielt. Das kam so: Als Kinder durften wir mit den Eltern unsere Schulferien immer in der Heimat der Mutter, in dem alten Schulhaus in Hülben, verbringen. An den Sonntagen kamen immer viele Gäste in das Haus. Die wurden in der riesigen Wohnstube an einer festlichen Kaffeetafel aufs Beste bewirtet. Und dann, wenn alles gesättigt war, zog man zum Dorf hinaus an irgendeinen schönen Platz, zum »Reienkäpfle« oder zum »Dettinger Rand«. Flimmernd liegt der Sonnenglanz über der weiten Hochfläche. Wie Gold leuchten die reifen Felder. Dahinter erhebt sich dunkel der wundervolle Wald, der die steilen Hänge der Alb bedeckt. Auf einer Lichtung lagert man sich. Der Blick geht hinunter in das stille Waldtal, das sich gegen die weite Ebene hin öffnet: »Da draußen, stets betrogen, saust die geschäft’ge Welt …« Ein unbeschreiblicher Friede erfüllt alle. Die kleinen Kinder bauen sich Häuschen aus den weißen Kalksteinen. Die Frauen erzählen sich von ihren Hausfrauennöten, die Männer sind in ein theologisches oder politisches Gespräch vertieft. Johannes legt sich ins Gras und hört zu. Aber bald wird es ihm zu langweilig. Er beginnt auf einen Baum zu klettern. Auf einmal ist er der Mittelpunkt aller: Die Frauen schreien erschrocken auf, wenn er sich waghalsig auf einem schwankenden Ast schaukelt. Die Männer lachen und denken wehmütig, dass sie älter werden. 16
Auf einmal hört man vom Dorf her abendliches Läuten. Es wird Zeit zum Heimgehen. »Jetzt singen wir noch eins!«, ruft Onkel Albrecht, der Hausherr im Schulhaus. Wir Jungen denken: Hier passt nur ein einziges Lied: »Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!« Aber schon stimmt der Onkel Albrecht mit seiner herrlichen Stimme an: »Himmelan, nur himmelan soll der Wandel gehn! Was die Frommen wünschen, kann dort erst ganz geschehn, Auf Erden nicht: Freude wechselt hier mit Leid; Richt hinauf zur Herrlichkeit dein Angesicht!« Seltsam! Ein Himmelslied gerade hier, wo die Erde so unbeschreiblich schön ist! Aber das Lied packt, es reißt mit. Johannes ist längst von seinem Baum heruntergestiegen und singt andächtig mit in das Waldtal hinunter: »Himmelan wallt neben dir alles Volk des Herrn … O schließ dich an …« So lernte er ohne viel Predigen, dass Christen Wanderer und Reisende sind, die auch über der Herrlichkeit und Schönheit eines Sommertages das wundervolle Ziel nicht vergessen können. »Alles Volk des Herrn!« Das war für Johannes kein blutleerer Begriff. Über dem Klavier in der großen Wohnstube im Schulhaus hingen zwei dunkel gewordene Ölgemälde. Sie zeigten den Großvater und Urgroßvater. Eindrucksvolle, markante Gesichter. In späteren Jahren, als Johannes am Klavier saß und »in die Tasten griff«, ging sein Blick oft zu diesen beiden Köpfen. Und es packte ihn die Sorge, ob er wohl das Erbe solcher Väter treu verwalte. An diesen Vätern lernte der Junge schon, was das bedeutet: »Alles Volk des Herrn« – zumal die Segensgeschichte dieses Schulhauses und der Väter Kullen weit zurück geht. 17
DAS HAUS IN DER GARTENSTRASSE
J
ohannes Busch hat nach dem Heimgang seiner Frau in stillen Nachtstunden für seine Kinder ein Erinnerungsbuch geschrieben. Da erzählt er von den frohen Kindertagen im Elternhaus und von der Entwicklung, die ihn schließlich zum Theologiestudium führte. Es ist uns beim Lesen, als säßen wir beim Licht der Lampe mit ihm in seinem Studierzimmer. Um ihn herum sitzen seine Kinder, und wir dürfen zuhören, wie er erzählt:
Es war eine wunderschöne Stadt, dieses Frankfurt am Main. Ausbombung, Wiederaufbau und amerikanische Besatzung haben viel verändert. Aber wir haben es alle sehr lieb gehabt, dieses vornehme und großzügige Frankfurt. Echte Frankfurter waren immer sehr stolz darauf, dass ihre Stadt früher einmal eine völlig unabhängige freie Reichsstadt war. Der Blick von einer der Brücken über den Main hin, zu beiden Seiten die reich bebauten Ufer, im Hintergrund der altehrwürdige Dom, in dem früher einmal die Kaiser gekrönt wurden – das ist berauschend schön. Aber am schönsten ist es halt doch, wenn man über die Brücke hinübergeht, nach Sachsenhausen, jenem Stadtteil, der seine Entstehung und seinen Namen der Tatsache verdanken soll, dass Karl der Große hier unterworfene Sachsen angesiedelt hat. Heute wohnen dort die ganz Reichen in märchenhaften Villen – aber da wohnen zugleich auch die sehr friedlichen Handwerker und Gärtner, die gern ihren »Äppelwoi« trinken. Dort, im Herzen von Sachsenhausen, stand unser Pfarrhaus, Gartenstraße 71. Frei und gemütlich stand es da, von 18
einem kleinen Garten umgeben, der stets mehr die Spuren unserer wilden Spiele als die vieler gärtnerischer Anstrengungen zeigte. Als ich ein Kind war, hatte die Lukasgemeinde noch keine eigene Kirche. Alles Leben der noch recht jungen Gemeinde – und es war sehr viel Leben da – spielte sich im Gemeindesaal ab, den man je nach Bedarf durch Rollwände in die verschiedenartigsten Räume aufteilen konnte. Sonntags predigte hier mein Vater, sodass oft der Gemeindesaal zu klein war. Hier waren aber auch am Sonntagnachmittag die kleinen Bibelstunden, an denen neben unserer großen Familie noch eine kleine Schar treuer Leute teilnahm. Gerade diese Bibelstunden in ihrer traulichen, familiären Art sind mir in besonders lieber Erinnerung, obwohl ich oft nicht viel davon verstand, was geredet wurde. Zu den friedevollen Erinnerungen früherer Kindheit gehört es, wenn wir früh ins Bett mussten und von der Orgelempore, die Wand an Wand mit unserem Schlafzimmer war, das Orgelspiel des Wochengottesdienstes herübertönte. Der Organist war unerhört umfangreich. Es blieb uns immer ein Rätsel, wie er trotz seiner Korpulenz mit beachtlicher Schnelligkeit die Basstöne aus den Pedalen hervorbringen konnte. Der Platz für die Kirche war schon vorgesehen. Er lag neben Pfarrhaus und Gemeindesaal. Aber vorläufig war er nur eine grüne, riesige Wiese, von einem rohen Bretterzaun umgeben. Welch ein Kinderparadies! Hier konnten wir nach Herzenslust spielen und toben. In der Mitte befand sich ein kleiner Hügel, um den wir bald wilde Kämpfe führten, bald friedlich auf ihm lagerten. Dieses unvergesslich schöne Paradies auf dem Kirchplatz fand eines Tages ein jähes Ende. Die »Vertreibung aus 19
dem Paradies« geschah dadurch, dass mit einem Mal Arbeiter mit Schaufeln, Spaten und Hacken erschienen, ihre Baubuden errichteten und unseren schönen Platz recht lieblos durcheinanderbrachten und aufwühlten. Doch kamen wir gar nicht dazu, über den Verlust unseres Spielplatzes sonderlich traurig zu sein, weil wir durch den Vater viel zu sehr in die Freude mit hineingezogen waren, dass nun endlich die Lukasgemeinde ihre eigene Kirche bekam. Zudem begann ja nun ein solch interessantes Leben auf dem Bauplatz, dass wir hell begeistert waren. Staunend sahen wir all die Geschäftigkeit und freuten uns, wenn wir sonntags auf der leeren Baustelle die Gerüste besteigen und in dem Rohbau herumturnen konnten. Ja, es war »unsere Kirche«, die wir schon im Entstehen sehr lieb gewonnen haben. Was war das für ein Festtag, als die Grundsteinlegung stattfand! Wir haben diesen Tag mit seinen so vielen festlichen Menschen und mit dem Gewoge der Zylinder glühenden Herzens miterlebt. Da wir »Kleinen« nicht zu dem festlichen Gottesdienst mitgehen durften, war ich recht bemüht, mir doch die Teilnahme an dieser Sache zu sichern. Das brachte mich auf den Gedanken, mir einen etwas eigenartigen Beobachtungsposten auszusuchen. Am Rand des flachen Gemeindehausdaches war ein hoher Kamin, zu dem vom Dach unseres Hauses ein schmales Brett in schwindelnder Höhe führte. Damals wunderte ich mich, dass bei dem furchtbaren Gedränge in der Tiefe nicht noch mehr Menschen auf den Gedanken gekommen waren, die Sache von diesem herrlichen Aussichtspunkt mitzuerleben. Ich jedenfalls stieg hinauf und genoss in seliger Einsamkeit das großartige Schauspiel der Grundsteinlegung. Aber mein armer, armer Vater! Ihm blieb beinahe das Herz stehen, als er mitten in seiner Festrede mich dort oben 20
auf einmal entdeckte. Jeden Augenblick musste er damit rechnen, dass ich abstürzen würde. Er wollte schreien und konnte das doch nicht mitten in dem so festlichen Akt. Er muss in der Tat Höllenqualen erlebt haben, als er vollends noch sah, wie ich während der Ansprache zu meiner Kurzweil auf dem Brett hin und her wandelte. Aber während sein Vaterherz von einer Angst zur anderen gejagt wurde, hat er doch Ansprache und Festfeier in Ruhe und Vollmacht zu Ende geführt. Mir selbst war es nur nachher zu verwunderlich – daran erinnere ich mich noch genau –, warum mich alle Erwachsenen so strafend ansahen; ich war mir doch keiner Schuld, höchstens einer Heldentat bewusst. 1912 wurde die Kirche fertig. Sie war wirklich ein Schmuckstück besonderer Art. Nicht nur die Orgel war so herrlich, dass des Organisten Begeisterung keine Grenzen kannte, sondern auch die Lukasgemeinde mit ihrer eigenen biblischen Prägung hatte nun ein Gotteshaus, in dem man zu Hause sein konnte. Selbst wir Kinder waren so stolz auf »unsere Kirche« – wie mochte es dann unserem Vater ums Herz sein? Breit und groß stand in der Mitte auf der Brüstung der Galerie der Spruch, der seitdem die Losung der Lukasgemeinde ist: »Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.« Das Schönste aber waren die Bilder. Damit hatte es folgende Bewandtnis: Da lebte in Frankfurt ein sehr reiches Fräulein Livingston. Sie hatte den Heiland lieb gewonnen. So verbrauchte sie das väterliche Vermögen, um damit wohlzutun und Gutes zu stiften. Sie hatte auch den frommen Maler Steinhausen entdeckt, der in seiner feinen, gläubigen Art wenig Boden in Frankfurt fand. Aber hier in der Lukaskirche fanden nun beide ihre Lebensaufgabe. Wie bekam die Kirche ihr gesegnetes Gepräge durch die sprechenden Bilder die21
ses begnadeten Künstlers! »Meine Bilder sind meine Gebete«, hat er einmal zu unserer Mutter gesagt. Für Mama war es die größte Freude, diese biblischen Bilder zu erklären. Das wurde dann jedes Mal eine gewaltige Evangelisation und Einladung zum Heiland. Und Steinhausen stand dabei. Was er mit dem Pinsel geschaffen hatte, konnte niemand so leuchtend und jubelnd in Worte fassen wie Mama. Zwei große Seelen hatten sich gefunden. Seit jenen Tagen gehört auch für uns Steinhausen zu den großen und vollmächtigen Zeugen und Auslegern der Bibel. In den grauenhaften Bombennächten, die Frankfurt erlebt hat, ist neben vielen anderen Kostbarkeiten auch die Lukaskirche mitsamt ihren Steinhausen-Bildern ausgebrannt. »Alles Ding währt seine Zeit – Gottes Lieb in Ewigkeit.« Ja, Gartenstraße 71! Wenn man in unserem guten, alten und so traulichen Haus die Treppe hinaufging, kam man zunächst ins Kinderzimmer. Das schönste und größte Zimmer gehörte uns Kindern. Hier konnte es einem nicht langweilig werden. Spielsachen aller Art für Jungen und für Mädchen waren da zu finden. Wie viel glückliche Stunden haben wir hier erlebt! Nebenan war das Lernzimmer, in dem eiserne Ruhe herrschen musste, weil – wie der Name sagt – hier gelernt wurde. In diesem Stockwerk war auch das Eltern-Schlafzimmer, in dem wir jüngeren Kinder für viele Jahre unser Bett hatten. Selten war ich so stolz in meinem Leben wie damals, als ich endlich ein Stockwerk höher rückte, dahin, wo die Schwestern schon lange ihren »Palast« hatten, und nun mit Wilhelm ein eigenes kleines Zimmer bekam. Jetzt, das war gewiss, jetzt war ich ein Mann. Was wäre aber das schönste Haus ohne seine Bewohner! Ich muss sie euch gerade ein wenig vorstellen, die in diesem 22
so glücklichen Haus wohnen durften und in deren Mitte ich meine Jugendjahre verleben durfte. Die beherrschende Erscheinung im Hause war natürlich der Vater, von uns stets »Papa« genannt. Erst viel später habe ich an mir selbst gemerkt, wie sehr wir alle durch ihn geführt und geprägt worden sind. Er war ein gläubiger Jünger Jesu und ein brennender Zeuge für ihn. Es ist eine seltsame Geschichte, wie gläubige Kreise in Frankfurt ihn dort hingeholt hatten. Bis dahin hatte ein liberaler und modernisierender Geist auf den Kanzeln der Stadt geherrscht – Christentum ohne Jesus! Vater war einer der seltenen bibelgläubigen Pfarrer in Frankfurt. Daher kam es, dass sich aus der ganzen Stadt die »Stillen im Lande« zur Lukasgemeinde hielten, um das kernige und klare Zeugnis von Jesus zu hören. Ja, weit über Frankfurt hinaus ging sein Predigt- und Evangelisationsdienst. Er ist von den Sachsenhäusern unsagbar geliebt worden. Das Eindrücklichste an ihm war sein eiserner Fleiß. Wir waren später, als wir in mancherlei andere Pfarrhäuser hineinsahen, über den Lebensstil, den wir da kennenlernten, entsetzt. Vom Vater hatten wir gelernt, dass die, die Jesus angehören, sich freudig und gern in seinem Dienst verzehren. Seine ungeheure Arbeitslast ließ ihm nicht viel Zeit für uns Kinder. Aber wenn er bei uns war, dann gehörte er uns ganz. So war wohl immer ein Band ganz tiefen Vertrauens zwischen dem Vater und uns. Wie viele Bilder tauchen in der Erinnerung auf! Seinen kurzen Mittagsschlaf, der oft nur 10 Minuten dauerte, hielt er gern auf dem Sofa im Esszimmer, während eines der Kinder Klavier übte, oder noch lieber bei uns im Kinderzimmer. Er legte sich dann auf die harte Holzbank, mit einem alten Stoff-Esel als Kopfkissen; und wenn er dann auch schlief – er war doch bei uns. 23
Wir durften ihn oft begleiten. Er war ja so ungemein treu und fleißig bei seinen Hausbesuchen. Aber dabei gab es oft sehr weite Wege. Und wir durften mit. Solange er in einem Haus war, spielten wir Ball. Aber wenn er dann wieder erschien, nahm er uns rechts und links an seine Hand, und weiter ging’s zum nächsten Besuch. Wie viel prächtige Geschichten, am liebsten aus dem Leben Luthers oder anderer Gottesmänner, hat er uns da erzählt! Am schönsten war es, wenn wir ihn den weiten Weg zum Friedhof, den Sachsenhäuser Berg hinauf, begleiten durften. Ich meine, ich hätte später nie mehr einen so schönen Friedhof gesehen wie diesen stillen, verträumten Gottesacker in Sachsenhausen. Oft schickten die Angehörigen auch eine Kutsche, einen »Fiaker«, damit Vater den weiten Weg nicht zu gehen brauchte. Solche Beerdigungen waren ein wahres Fest für uns Kinder. Ich meine, ich höre noch das gemächliche Rattern und Rollen der Räder in meinen Ohren und das Traben des Pferdchens. Dass eine Beerdigung auch etwas unsagbar Trauriges sein könnte, haben wir damals noch nicht gewusst. – Dort oben auf dem Friedhof ruhen nun beide Eltern und auch mein kleiner Bruder Theo. Dort auf dem so stillen und friedevollen Platz schlummern sie dem Tag der Auferstehung entgegen. Vater war eigentlich ein ernster Mann. Und doch konnte er so überzeugend Freude und Lachen ausstrahlen. Ich habe immer bewundert, wie hinreißend er eine ganze Gesellschaft unterhalten konnte, bald mit packenden Problemen, bald mit einer Fülle fröhlicher Scherze und Geschichten. Wie konnte er so unendlich gemütlich und unbeschwert fröhlich sein! Wir spürten das in besonderer Weise an jedem Samstag. Da Vater am Sonntag wenig Zeit hatte, war für uns der Samstag der eigentliche Feiertag. Wenn es nur irgend ging, zogen 24
wir dann in großem Heerhaufen los. Es war schon ein stattliches Bild, ein Elternpaar mit acht Kindern! – nach dem frühen Tod von Theo. Herrliche Spaziergänge durch die wundervolle Umgebung Frankfurts wurden da unternommen. Selbst im Winter stapften wir zusammen durch den Schnee. Wie hat uns das der Vater von früher Jugend an ins Herz gelegt, die verborgene, stille Schönheit in Gottes Schöpfung zu entdecken und den Blick dafür zu gewinnen, dass jede Jahreszeit ihren eigenen Schmuck und ihre eigene Pracht hat! Ab und zu gab es beglückende Sonderunternehmungen, etwa eine Schneetour mit Rodelschlitten in den Taunus oder eine Fahrt, bei der wir Papa zu einer seiner Festpredigten begleiten durften. Einmal zogen wir in voller Belegschaft aus, um den Feldberg zu besteigen. Ich weiß nicht, war es während des Ersten Weltkriegs oder kurz hinterher? Jedenfalls war damals eine sehr hungrige Zeit – es gab weder recht Brot noch den notwendigen Aufstrich dazu. Da nahmen wir halt einen riesigen Topf voll Pudding mit. Immer zwei waren abwechselnd dazu abkommandiert, diesen Topf in ihrer Mitte zu tragen. Wie war der Tag so fröhlich, obwohl äußerlich alles sehr einfach zuging! Wirkliche Freude ist unabhängig von allem Komfort. Das Schönste, was uns Vater ins Leben mitgab, war dies: Er war ein Beter. Es ist mir erst später aufgefallen, dass er uns nie große Ermahnungen darüber gab. Aber wir waren ja von klein auf Zeugen, wie er morgens das Schlafzimmer nicht verließ, ohne mit Mutter gebetet zu haben – und wie die beiden abends so herzlich vor dem Einschlafen zusammen beteten. Wie bebte mir das Herz, wenn die Eltern, die mich wohl schlafend wähnten, auch für mich namentlich beteten! Neben Papa stand meine so prächtige Mutter. Als mich bei meiner Ordination der damalige Superintendent Niederstein 25
fragte, wer mich bei meiner Theologie am meisten bestimmt und beeindruckt habe, da habe ich ihm ohne Zögern geantwortet: »Meine Mutter.« Noch mit 84 Jahren regierte sie die ganze Familie in geradezu überraschender Frische. Sie stammte aus dem schlichten Schulmeisterhaus in Hülben auf der Rauen Alb. Aber sie hatte einen weiten Horizont und einen hohen Geist. Vor allem hatte sie eine innige Jesusliebe. Da sank sie einmal todmüde ins Bett und sagte nur noch: »Gut’ Nacht, lieber Heiland!« Es hat bei mir lange gedauert, bis ich in Glaubensdingen klar stand – dass aber dieser Jesus eine Wirklichkeit ist, war mir nie zweifelhaft; das sahen wir doch an der Mutter. Das kam ihr von Herzen, als sie einmal, zur Zeit, da sie schon Witwe war, uns sagte: »O Kinder, ich kann keinen Pfannkuchen mehr backen ohne den Heiland.« Es war typisch für die so charaktervolle, geprägte Mutter, dass sie zwar seit den Tagen ihres Brautstandes außerhalb des Schwabenlandes lebte, aber doch stets ihr breites, unverfälschtes Schwäbisch sprach. Daher kam es, dass wir Kinder drei Sprachen gebrauchten, wahrscheinlich alle etwas verfälscht: mit der Mutter Schwäbisch, untereinander und mit den Kameraden Frankfurterisch, offiziell aber Hochdeutsch. O diese Mutter! Obwohl sie ja als Pfarrersfrau viel zu tun hatte, war sie vor allem und in erster Linie Hausfrau und Mutter. Sie ärgerte sich oft über die Frauen, die große Vorträge hielten, bei denen aber der Haushalt ungepflegt und die Kinder unversorgt waren. Darum bemühte sie sich um einen gut geführten Haushalt und pünktliches, gutes Essen, obwohl es nie üppig bei uns zuging. Sie ist für viele eine »Mutter in Christus« und eine Seelsorgerin geworden! Obwohl sie nach Papas Heimgang allein in der stillen »Villa« in Hülben wohnte, war sie doch selten allein. Immerzu pilgerten Menschen zu ihr, die Rat und Hilfe 26