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Martin Luther

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal

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Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Ravensberger Bleiche 6 ¡ 33649 Bielefeld


Abkürzungen A. d. Ü. Anmerkung des Übersetzers A. d. V. Anmerkung des Verlags Luther 1912 Die Heilige Schrift nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart, 1912.

1. Auflage 2016 Die Zusammenstellung der Texte erfolgte durch Hugo C. van Woerden. Sie sind ursprünglich in niederländischer Sprache unter dem Titel »Al ging ik ook in een dal« erschienen (© 2011 Den Hertog B. V., Houten, Niederlande). © der deutschen Ausgabe 2016 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld Internet: www.clv.de Übersetzung aus dem Niederländischen sowie Angleichung der frühneuhochdeutschen Luthertexte an den heutigen Sprachgebrauch: Hermann Grabe, Meinerzhagen Satz: EDV- und Typoservice Dörwald, Steinhagen Umschlag: Lucian Binder, Marienheide (Titelfoto: 123rf.com, dibrova; Luther: wikimedia.com, Lucas Cranach d. Ä.) Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Bestell-Nr. 256341 ISBN 978-3-86699-341-9


Inhalt Vorwort der deutschen Ausgabe

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Einleitung: Trost für Kranke

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Schon bevor du geboren wurdest

15

Von Jugend an

16

Die gute Vorsehung Gottes

17

Ein verlorenes Schaf

18

Der barmherzige Samariter

19

Ins rechte Licht gerückt

20

Frieden im Unfrieden

21

Wie spricht man mit Verzagten?

22

Die Welt hat nur armseligen Trost

23

Prüfe mich, Herr!

24

Seelenkrankheiten

25

Leidige Tröster

26

Alle müssen dasselbe leiden

27

Durch Leiden geheiligt

28

Eine gefährliche Krankheit

29

Nur für Kranke

30

Reue und Buße

31

Allein durch den Glauben

32

Für uns

33

Der Arzt, den wir brauchen

34

Bis an die Enden der Erde

35


Gottes Krankenhaus

36

Aus Barmherzigkeit züchtigen

37

Eitelkeit, Haschen nach Wind und Anfechtungen

38

Die verborgenen Beurteilungen Gottes

39

In die richtige Richtung blicken!

40

Auserwählung

41

Tyrus und Sidon

42

Unter den Flügeln der Glucke

43

Wie oft!

44

Das größte Übel

45

Zum Nachdenken

46

Über das Leiden Christi

47

Was sollen wir tun?

48

Siehe, ich komme

49

Ein neues Herz

50

Strafe mich nicht in Deinem Zorn!

51

Vater und nicht Richter

52

Verlass mich nicht!

53

Demütig werden

54

Untergang und Wiederauferstehung

55

Die Stimme des Herrn

56

Versöhnung

57

Die Nacht ist vergangen

58

Freiheit

59

Jedes Schriftwort zur rechten Zeit

60

Von Neuem geboren

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Gedenke!

62

Meine Gnade genügt dir

63

Den Tod nicht sehen

64

Die Verheißung des ewigen Lebens

65

Nach oben fliehen

66

Die er lieb hat

67

Getragen

68

Ergebung in Gottes Willen

69

Vom Tode errettet

70

Mit anderen Augen sehen

71

Was ist unser Leiden?

72

Vergleich

73

Angefochtener Glaube

74

Die ganze Schöpfung seufzt

75

Tragen und immer wieder tragen

76

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal

77

Du bist bei mir

78

Durch das Wort Gottes!

79

Wenn Gott sich verborgen hält

80

Selig sind, die geistlich arm sind

81

Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz

82

Die nichts Gutes in sich finden können

83

Höre auf mein Schreien!

84

Ich aber bin allein

85

Wie lange, o Herr?

86

Sogar Hiob

87


Gedanken zur Unzeit

88

Klagen wie eine Schwalbe

89

Was wahres Christentum ausmacht

90

Der geöffnete Himmel

91

Rückblick

92

Der Augapfel Gottes

93

Engelwacht

94

Ein neues Leben

95

Der Tag unserer Erlösung

96

Der ewige Sabbat

97

Der Tod ist gestorben

98

Christus ist auferstanden

99

Die ewige Seligkeit

100

Dein Wille

101

Ruhe in Gott

102

Ein ewiges Erbteil

103

Ein rechtes Gebet

104

Ich lag und schlief ganz in Frieden

105

Wie eine neue Geburt

106

Ein kurzer Schlaf

107

Der Gute Hirte spricht über sich selbst

108

Gott ist alles in allem

109


Vorwort der deutschen Ausgabe Jedes Buch, das sich aus christlicher Sicht an Kranke und Not Leidende wendet, verfolgt bestimmte Ziele. Die vorliegende Sammlung ausgewählter Luthertexte bildet da keine Ausnahme. In der Einleitung kann sich der Leser darüber informieren, um welche Absichten es sich dabei im Einzelnen handelt. Doch zunächst sollen einige formelle Hinweise ihm den Zugang zu diesen Texten erleichtern. In den meisten Fällen ist die Lutherbibel von 1912 verwendet worden, wie sie in CLeVer, einem im Auftrag des herausgebenden Verlags entwickelten Bibelprogramm, vorliegt. Bibelstellen, die Luther sinngemäß wiedergegeben hat, stehen zwar in der Regel in Anführungszeichen, werden aber nicht kursiv hervorgehoben, wie dies bei den meisten übrigen Bibelzitaten der Fall ist. Texte, die komplette Gebete enthalten, beginnen und enden gewöhnlich nicht mit Anführungszeichen. Außerdem ist zu beachten, dass sich die Absätze meistens, wenn auch nicht ausschließlich, an denen der niederländischen Ausgabe dieses Buches orientieren. Gewisse Abweichungen davon ergeben sich u. a. aus der Überarbeitung der Texte in dieser Ausgabe. Was schließlich die bibliografischen Angaben zu den ursprünglichen Luthertexten angeht, so sei angemerkt, dass es gelegentlich Ungenauigkeiten oder Auslassungen geben kann. Dies hat damit zu tun, dass sich die entsprechende Internet-Recherche im Rahmen des Lektorats für die deutschsprachige Ausgabe aus naheliegenden Gründen auf ein vertretbares Maß beschränken musste. Soweit für diese Zwecke nutzbar, wurde die im Internet befindliche Gesamtausgabe der Werke Luthers benutzt.1 1 URL: http://www.maartenluther.com/weimarausgabe.html (abgerufen am 1.12.2015).

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Darüber hinaus besteht unser Hauptanliegen in diesem Vorwort darin, dem Leser zu helfen, den rechten inhaltlichen Zugang zu den ausgewählten Luthertexten zu finden. Es ist diesbezüglich durchaus möglich, dass sich der aufmerksame Leser an manchen Stellen dieses Buches verwundert die Augen reibt, weil er bisher in Veröffentlichungen unseres Verlags gewöhnlich eine Theologie kennengelernt hat, die durch die Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts und besonders durch die »Brüdertheologie« geprägt wurde. Derartiges Gedankengut wird er in einem Buch wie dem vorliegenden vergeblich suchen. Wir dürfen dabei nicht übersehen, dass Luther in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte und eine Riesenarbeit zu leisten hatte, um die in Formalismus, Heuchelei und Aberglauben erstarrte Kirche aus dem geistlichen Schlaf zu reißen und dem Evangelium wieder Raum in den Herzen der Menschen zu schaffen. Viele Wahrheiten, die uns Heutigen wohlvertraut sind, mussten wieder ans Licht gehoben werden, wobei Luther nur auf wenige Vorbilder zurückgreifen konnte. Während er in sonstigen Werken auch auf Aussagen anderer Kirchenväter Bezug genommen hat, erwähnt er im vorliegenden Buch eigentlich nur Augustinus. Welchen Schatz an Glaubensvätern haben wir dagegen heute! Den Texten dieses Buches spürt man ab, dass Luther den Trost, den er weitergeben wollte, in Christus selbst erfahren hatte. Dem Leser wird darüber hinaus auffallen, dass Martin Luther sich gelegentlich der sinnbildlichen Auslegungsmethode bedient hat (vgl. z. B. auf S. 19 und S. 38). Dazu ist zu sagen, dass sie in ihrer ausgeprägtesten Form – nämlich in der Allegorie – im Mittelalter weitverbreitet war. Deshalb war sie Luther zunächst wohlvertraut. Nach seiner Hinwendung zu Christus und im Zuge seines Kampfes für die großen neutestamentlichen Wahrheiten 10


lernte er, sich immer mehr auf die wörtliche Auslegungsmethode zu konzentrieren. Er selbst beschrieb seine diesbezügliche Entwicklung folgendermaßen: »Als ich ein Mönch war, verstand ich mich auf Allegorien. Ich allegorisierte alles. Doch nachdem ich Vorlesungen über den Römerbrief gehalten hatte, kam ich zu der Erkenntnis Christi. Denn dort sah ich, dass Christus keine Allegorie ist, und ich lernte kennen, was Christus ist.« Diese Vorgehensweise beim Auslegen der Heiligen Schrift kennzeichnete fortan den größten Teil seiner Schriften. Weil die Bibel selbst nur selten die allegorische Auslegungsmethode verwendet (vgl. z. B. Galater 4,22-26), sollten auch wir in dieser Hinsicht sehr zurückhaltend sein. Mögen uns die Luthertexte helfen, Menschen in Krankheit und Not zur Seite zu stehen, und uns befähigen, in der Gewissheit des Glaubens festzubleiben, wenn wir selbst das »finstere Tal« durchschreiten! Bielefeld, Januar 2016 CLV Bielefeld

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Einleitung: Trost für Kranke Im Spätmittelalter benutzte man in der westlichen Welt »Trostbücher«, um Kranke in ihrem Leiden und Sterben zu trösten. Das gehörte zu der Ars moriendi oder der Kunst zu sterben. Noch während der Reformationszeit war diese Art der Literatur sehr populär und wurde in allen Gesellschaftsschichten gelesen. Das versöhnende Leiden und Sterben Christi wurde in diesen Büchern leider allzu oft durch Lehren über gute Werke, das Anrufen der Heiligen und die Verdienstlichkeit des menschlichen Leidens verdunkelt. Aus der nächsten Umgebung des Kurfürsten2 wurde Luther gebeten, passende Bücher zu nennen, die von der »Kunst zu sterben« handeln. Angeregt durch diese Bitte, reifte in ihm schon bald der Plan, selbst etwas über dieses Thema zu schreiben. Im November des Jahres 1519 erschien seine Sterbenspredigt3. Diese Predigt über die Vorbereitung auf den Tod und die später verfassten Vierzehn Tröstungen für Mühselige und Beladene von 1520 sind als reformatorische Trostbücher besonders aufschlussreich. In diesen Büchern begegnen wir Luther als Tröster, wobei man allerdings sagen muss, dass er es den Mühseligen und Kranken nicht einfach macht. Er weist sie deutlich auf ihre Sünden und auf ihr Elend hin, um sie zu Reue und Buße zu bewegen. Das tut er allerdings mit keinem anderen Ziel, als sie dadurch willig zu machen, einzig durch den Glauben an Christus Vergebung der Sünden und ewiges Leben zu empfangen. Genau wie Johannes der Täufer weist er uns nicht nur auf die Buße hin, sondern auch auf das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. Nicht 2 A. d. V.: Gemeint ist hier der damalige Landesherr Luthers, Friedrich III. von Sachsen, allgemein bekannt als Friedrich der Weise (1463 – 1525). 3 A. d. V.: »Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben« lautet der vollständige Titel im heutigen Deutsch.

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nur in den oben genannten Büchern, sondern auch in Luthers Predigten und in seinen anderen Schriften kommen Dinge wie Krankheit und Leiden immer wieder vor. Der Gesamtinhalt der genannten Trostbücher von 1519 und 1520 würde sich aber in unserem Jahrhundert nicht mehr als praktischer Ratgeber bei der seelsorgerlichen Begleitung unserer kranken Familienmitglieder oder Freunde eignen. Wenn auch der Gesamtinhalt nicht mehr von praktischem Nutzen ist, so gibt es doch Teile in dieser lutherschen Erbauungslektüre, die auch in der Zeit, in der wir leben, nichts an Wert verloren haben und noch immer für unsere kranken Nächsten und deren Umgebung von großem Nutzen sein können. Dies vor Augen hat der Herausgeber eine Reihe treffender Zitate (die unabhängig vom Gesamttext, dem sie entnommen sind, für sich selbst sprechen) aus Luthers Trostbüchern und aus seinen anderen Werken gesammelt. Das geschah mit der Absicht, diese neu als kurze Betrachtungen sowohl für Kranke als auch für Gesunde herauszubringen, um ihnen dadurch eine Hilfe und ein Trost zu sein. Die in dem Text vorkommenden Bibelverse oder Teile davon, die Luther oft aus dem Gedächtnis, aus dem Grundtext oder aus anderen, von ihm benutzten Übersetzungen anführt, sind möglichst »Originalton Luther«, lassen sich aber nicht einer bestimmten Bibelversion zuordnen. Teilweise finden sich hier größere Abweichungen von den anderen Bibelausgaben. Die in dieser Ausgabe fett gedruckten Überschriften stammen nicht von Luther, sondern wurden von dem Herausgeber eingefügt, damit sich der Leser ein wenig auf den Text einstellen kann. Die vorgeschlagenen Schriftlesungen wurden von dem Herausgeber vorwiegend aus den Psalmen ausgewählt. Luther schreibt über die Psalmen unter anderem: »Da siehst du den Heiligen so ins Herz, als wenn du in einem prächtigen 13


Blumengarten wandeltest …«, aber auch: »Da kannst du Christus in seinen tiefsten Leiden begegnen.« An anderer Stelle heißt es: »In den Anfechtungen des Teufels, der Sünde und des Todes will ich mein Psalmbuch nicht gegen tausend Welten eintauschen.« Bei fast jedem Abschnitt ist vermerkt, an welcher Stelle der Weimarer Ausgabe dieser zu finden ist. Die Abkürzung »WA« ist der allgemein gebräuchliche Hinweis auf die bekannte wissenschaftliche Ausgabe von Luthers Gesamtwerk. Lunteren, Herbst 2012 H. C. van Woerden sen.

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i Schon bevor du geboren wurdest Warum schämen wir törichten Menschen uns nicht? Aus eigener Erfahrung haben wir gelernt, dass Gott der Herr bis zu dieser Stunde gesorgt hat. Und nun mögen wir ihm nicht die Sorge für das kleine Übel anvertrauen, das uns im Augenblick widerfährt – so, als ob Gott uns verlassen hätte oder uns verlassen will? Aber es steht in Psalm 40,18 anders. Da lesen wir: »Aber ich bin ein armer Dürftiger, und der Herr sorgt für mich.« Dazu sagte Augustinus: »Ach, warum sollte er nicht besorgt für dich sein, wo du doch so bist, wie er dich haben wollte? Lass den für dich sorgen, der dich erschaffen hat, der für dich gesorgt hat, ehe du erschaffen warst.« Aber was machen wir? Wir wollen mit Gott zusammen regieren und gestehen ihm nur zu, dass er uns erschaffen hat, und auch das nur voller Zweifel und Furcht. Die Sorge für uns maßen wir uns selbst an und tun so, als ob Gott, der uns erschaffen hat, davongegangen sei und seine Geschöpfe sich selbst überlassen hätte. WA 6, 125, 23-31.

Bibellese: Psalm 139. Zum Nachdenken: Vers 16.

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i Von Jugend an Bedenke doch: Wer hat in den vielen Nächten, die wir geschlafen haben, für uns gesorgt und über uns gewacht? Wer hat für uns gesorgt, als wir Kinder waren und gespielt haben oder als wir arbeiteten und unzählbar viele andere, manchmal sehr gefährliche Dinge taten, bei denen wir ganz und gar nicht für uns sorgen konnten? Auch wenn der geizige Mensch Geld und Gut erwerben will, muss er sein Sorgen darauf richten. Wie viel Zeit haben wir eigentlich verbracht, in der wir auf uns selbst aufpassten? So sehen wir – ob wir es wollen oder nicht –, dass alle Sorge für uns wiederum Gott zufällt und wir nur ganz selten unserem eigenen Rat und Sorgen überlassen bleiben. Und das tut dann Gott der Herr, um uns zu lehren, seine Güte wertzuschätzen und endlich zu sehen, welch ein Unterschied zwischen seiner und unserer Sorge besteht. Dann lässt Gott es zu, dass wir von einer Krankheit oder einer anderen Widerwärtigkeit angefochten werden, und dann stellt er sich, als sorgte er in dieser Zeit nicht für uns. Und doch verhindert er im selben Augenblick, dass uns nicht noch viel mehr Übel und Beschwerden von allen Seiten überfallen, weil wir seine lieben Kinder sind. WA 6, 111, 25-35.

Bibellese: Psalm 71,1-9. Zum Nachdenken: Vers 5.

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i Die gute Vorsehung Gottes Wie oft haben wir bereits gesehen, dass sehr vieles ohne das Zutun des Menschen geschieht – ja, gegen seinen Wunsch und Willen hat er etwas getan oder erlitten. Dann musste er sich, nachdem das geschehen war, über die gute Vorsehung Gottes verwundern. Daran erkennt man die Wahrheit des Wortes aus Sprüche 16,9: »Der Mensch nimmt es sich vor, aber Gott schickt und schafft es wohl« – oft gegen des Menschen Absicht und Willen. So können wir das eine nicht leugnen, dass unser Leben samt unserem Schaffen und Handeln nicht durch unsere Klugheit und Vorsicht, sondern durch die wunderbare Gewalt, den Rat und die Güte Gottes geleitet und regiert wird. Daran erkennen und merken wir, wie oft Gott bei uns gewesen ist, obwohl wir es nicht erkannt haben und uns dessen nicht bewusst waren. WA 6, 110, 37 – 111, 8.

Bibellese: Psalm 33. Zum Nachdenken: Vers 11.

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i Ein verlorenes Schaf Wenn unsere Zuversicht angefacht und wir gestärkt und getröstet werden wollen, so müssen wir die Stimme unseres Hirten gut kennenlernen und alle anderen Stimmen vergessen, die uns nur irremachen. Wir haben nur auf die Glaubensartikel zu hören und sie glaubend zu erfassen, weil Christus sie uns so freundlich und tröstlich ins Herz malt, wie man sie nur malen kann. Dann ist unser Herz bereit, mit ganzer Zuversicht zu sagen: »Mein Herr Jesus Christus, Du bist ja der einzige Hirte, und ich bin leider das verlorene Schaf, das in die Irre gelaufen ist. Mir ist angst und bange. Ich wollte gern fromm sein und einen gnädigen Gott und Frieden im Gewissen haben. Nun höre ich in Deinem Wort, dass Du Dir mehr Sorge um mich machst, als ich mich nach Dir sehne. Und Du begehrst nichts anderes, als dass Du mich wieder zu Dir bringst. Dafür danke ich Dir in Ewigkeit!« WA 36, 292, 29-41.

Bibellese: Psalm 119,169-176. Zum Nachdenken: Vers 176.

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i Der barmherzige Samariter Christus ist der wahre barmherzige Samariter. Er nimmt sich des armen Menschen an, als ginge es um ihn selbst. Er fordert nichts von ihm, denn bei Christus gilt kein Verdienst, sondern es ist alles nur Gnade und Barmherzigkeit gegenüber dem, der halb tot daliegt. Er versorgt ihn und gießt Öl und Wein auf die Wunden. Das bedeutet: Er schenkt ihm das ganze Evangelium von Anfang bis zum Ende. Dies Öl gießt er darein, wenn das Evangelium gepredigt wird. Dann sagt er: »Sieh da, du armer Mensch, da ist dein Unglaube, da ist deine Verdammnis, da sind deine Wunden und deine Krankheiten. Das alles will ich heilen durch mein Evangelium.« Dieser Samariter, Christus, der Heiland, muss auch dir helfen, sonst niemand und nichts. […] Der Wein ist scharf und reinigt. Er wird bald nach dem Öl ausgegossen und bedeutet das heilige Kreuz der Leiden. Der Christ braucht sich nach diesem Kreuz nicht umzuschauen, es kommt ihm eher auf den Hals, als er denkt, denn Paulus hat gesagt: »Alle, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden.« WA 10.1.2, 365, 28 – 366, 6.

Bibellese: Psalm 41. Zum Nachdenken: Vers 5.

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i Ins rechte Licht gerückt … Was für nichtig und gering gehalten wird, kann nur wenig zu unserer Liebe beitragen, wenn es kommt, aber auch nur zu wenig Leid, Schmerz und Verdruss, wenn wir es verlieren. Darum wendet der Heilige Geist allen Fleiß daran, uns dazu zu bringen, dass wir von den zeitlichen Gütern nicht angefochten und beschwert werden und dass wir frei werden von der übertriebenen Liebe zu diesem vergänglichen Leben. Denn wenn er vor allem durch die Belehrung der Schrift erreicht hat, dass wir in unglücklichen Tagen gegenwärtiges und vor allem zukünftiges Glück betrachten und in guten Tagen auf das Verderben der Welt schauen können, dann hat er alles ins rechte Licht gerückt. WA 6, 106, 27-36.

Bibellese: Psalm 43. Zum Nachdenken: Vers 3.

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i Frieden im Unfrieden Äusserlicher und weltlicher Friede entsteht dann, wenn das äußere Übel, das den Unfrieden hervorbringt, weggenommen wird. Wenn der Feind die Stadt belagert oder Armut und Krankheit drücken, hat man keine Ruhe. Wenn aber der Feind abzieht oder Armut und Krankheit vorüber sind, dann herrschen äußerlich wieder Frieden und Ruhe. Wer aber auf diese Weise leidet und befreit wird, verändert sich dadurch nicht, sondern bleibt immer derselbe. Er bleibt verzagt, ob die Not da ist oder nicht, nur dass er es eben spürt und geängstigt wird, wenn sie da ist. Bei dem christlichen oder geistlichen Frieden ist es genau umgekehrt. Auch wenn äußerlich das Unglück bleibt – seien es Feinde, Krankheit, Armut, Sünde, Teufel oder Tod –, und wenn sie nicht aufhören, uns ringsumher zu belagern, dann herrschen doch innerlich Frieden, Kraft und Trost im Herzen, sodass er sich nicht darüber bekümmert, sondern sogar mutiger und freudiger ist, wenn die Feinde da sind, als wenn sie nicht da wären. WA 12, 519, 27 – 520, 2.

Bibellese: Psalm 49,6-16. Zum Nachdenken: Vers 16.

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i Wie spricht man mit Verzagten? Gott will, dass wenn wir nach seinem Willen leiden, wir zu niemand als zu ihm allein gehen und nicht begehren, davon befreit zu werden, denn das wäre gegen seinen Willen und zu unserem Schaden. Vielmehr sollen wir Gott bitten, dass wir gestärkt werden, seinen Willen zu ertragen. Denn es ist wahr, dass niemand ohne Furcht nach Gottes Willen leiden und sogar sterben kann, er werde denn dazu gestärkt. Denn kein Geschöpf kann uns dazu stärken, vor allem kein Mensch. Wenn man bei ihnen Trost und Stärke sucht, wird man nur noch matter, schwächer und ohnmächtiger. Darum kann allein Gottes Wort als unser tägliches Brot uns stärken, wie Christus durch Jesaja sagt: »Gott hat mir gegeben eine weise Zunge, dass ich kann stärken alle, die da müde sind.« Und in Matthäus 11,28 heißt es: »Kommet zu mir alle, die ihr geängstet seid und beschwert, ich will euch erquicken.« WA 2, 107, 27-38.

Bibellese: Psalm 119,129-144. Zum Nachdenken: Vers 140.

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i Die Welt hat nur armseligen Trost Es darf euch nicht erschrecken, dass ihr auf den Trost der Welt verzichten müsst, denn das ist nur ein armseliger, schlechter Trost, der nicht länger anhält, als bis ein Fieber kommt oder eine Krankheit, ein Kopf- oder Bauchweh, und schon ist der Trost zu Ende. Christus aber will euch einen anderen Tröster beschaffen, den Geist der Wahrheit, der euch dann trösten kann, wenn ihr erschrocken, hilflos, elend, armselig und verlassen seid – nicht nur wegen der bösen Menschen um euch her, sondern auch wegen des Bösen und der Sünde in euren Herzen. Denn darum wird der Heilige Geist auch »Tröster« und nicht »Betrüber« genannt. Denn wo Traurigkeit und Betrübnis herrschen, da ist der Heilige Geist, der Tröster, nicht daheim. Dieser Tröster wird auch »Geist der Wahrheit« genannt, weil er nicht wie die Welt tröstet – was doch keinen Bestand hat –, sondern weil sein Trost ewig währt und niemand betrügen kann. WA 52, 306, 24-34.

Bibellese: Psalm 27. Zum Nachdenken: Vers 4.

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i Prüfe mich, Herr! Gott stellt uns, seine liebsten Söhne und Kinder, auf die Probe, ob wir uns seiner Sorge, die wir sonst in unserem ganzen Leben genossen und erfahren haben, auch wirklich anbefehlen und ihm glauben und vertrauen wollen, damit wir sehen, wie völlig unnütz und ohnmächtig unser eigenes Sorgen ist. Wie sollten wir uns jemals selber helfen können? Wir können nicht einmal einen geringen Schmerz in unserem Bein auch nur für kurze Zeit aufhören lassen. Und warum überlassen wir dann die Sorge nicht Gott, unserem Herrn, wo doch unser ganzes Leben bezeugt, dass er uns ohne unser Zutun und Bemühen aus so vielen Übeln und Beschwerden erlöst hat? Daran und an Ähnliches zu denken, heißt, Gott und seine Werke zu betrachten. So werden wir durch solche Erinnerungen bei Schmerz und Widerwärtigkeiten getröstet. Denn es ist undankbar gegenüber aller Fürsorge Gottes, wenn wir uns nicht für die kleinste Prüfungszeit ihm übergeben und ihm vertrauen mögen. WA 6, 111, 36 – 112, 6.

Bibellese: Psalm 26. Zum Nachdenken: Vers 2.

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i Seelenkrankheiten So blind sind wir, dass wir mit leiblichen Krankheiten und Nöten zu Gott gehen und mit den Krankheiten der Seele von ihm fortlaufen und erst zurückkommen wollen, wenn wir gesund sind. Wir tun so, als gäbe es zwei Götter, einen für den Leib und einen für die Seele, oder als ob wir uns aus geistlicher Not – die doch viel größer als die leibliche ist – selbst retten müssten. Das ist ein teuflischer Rat und Vorsatz. Nicht also, lieber Mensch! Wenn du von deinen Sünden geheilt werden willst, dann darfst du nicht von Gott fortgehen, sondern musst noch viel eifriger zu ihm hinlaufen, als wenn dich eine leibliche Not überfallen hätte. Gott ist den bußfertigen Sündern nicht feind, sondern widersteht nur den Ungläubigen, die ihre Sünden nicht bekennen noch Hilfe bei ihm suchen. Sie sind so vermessen, dass sie sich selbst reinigen wollen und darum die Gnade dessen ablehnen, der doch Gott ist und jedermann alles gibt und nichts dafür nimmt. WA 6, 237, 20-32.

Bibellese: Psalm 142. Zum Nachdenken: Vers 6.

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i Leidige Tröster Von einem gewissen Einsiedler wird erzählt, dass er zu einem Menschen gerufen wurde, der schon in den letzten Zügen lag, um ihn in der Sterbestunde zu trösten. Da sagte er ihm, er müsse den Tod geduldig erleiden, dann werde er das ewige Leben erlangen. Auf diese Weise wurde dem Sterbenden von dem Verdienst Christi entweder wenig oder gar nichts gesagt. Aber was widerfuhr diesem »Tröster«? Als jener, den er auf diese Weise getröstet hatte, gestorben war, wurde er von einer überaus schweren Anfechtung betroffen. Ihm kam nämlich zum Bewusstsein, wie wenig sein Trost dem Sterbenden geholfen hatte, als er ihm riet, auf seine eigene Geduld und nicht vielmehr auf das Verdienst und den Tod Christi zu vertrauen. Diese Sorge verzehrte den Mann binnen drei Tagen, sodass er selbst ebenfalls starb. WA 40.3, 345, 25 – 346, 12.

Bibellese: Psalm 141. Zum Nachdenken: Vers 5.

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