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Benedikt Peters

DER ERSTE BRIEF

DES PETRUS

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 1101 35 · 33661 Bielefeld


Anmerkung des Herausgebers: Es ist zu beachten, dass der Autor für den Text des 1. Petrusbriefes eine eigene Übersetzung verwendet. Die sonstigen Bibelzitate sind der unrevidierten Elberfelder Bibel 1905 und der Elberfelder Übersetzung (Edition CSV Hückeswagen) 2003 entnommen.

1. Auflage 2013 © 2013 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Satz: CLV Umschlag: Lucian Binder, Marienheide Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Bestell-Nr. 256.319 ISBN 978-3-86699-319-8


Inhalt

Einleitung 1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25) 1. Petrus 1

7 16 16

1. Erwählende Gnade (1,1-12)

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2. Erziehende Gnade (1,13-25)

35

2. Teil: Berufung der Gnade (2,1 – 3,12) 1. Petrus 2

49 49

1. Priester Gottes (2,1-10)

50

2. Zeugen Gottes (2,11 – 3,12)

61

1. Petrus 3 3. Teil: Bewährung in der Gnade (3,13 – 4,6) 1. Leiden für Gutestun (3,13-22) 1. Petrus 4 2. Leiden für die Weigerung, Böses zu tun (4,1-6) 4. Teil: Hoffnung der Gnade (4,7 – 5,14) 1. Einander dienen in der Hoffnung (4,7-19) 1. Petrus 5 2. Einander untertan in der Hoffnung (5,1-14)

74 88 88 100 100 106 106 123 123

Bibliografie

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Über den Autor

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Einleitung Der Verfasser Die gute Kenntnis, die wir aus dem Neuen Testament von der Lebensgeschichte des galiläischen Fischers haben, hilft uns, seinen Brief umso besser zu verstehen. Er zeigt uns in aller Klarheit, wie die persönliche Biografie und Eigenart des Erlösten und sein Dienst zusammengehören. Der ewige und allmächtige Gott hat es so gewollt, dass seine erhabenen Wahrheiten durch Menschen vermittelt werden – Menschen, in denen diese Wahrheiten zuerst selbst Form angenommen haben. In der Tat: Immer wieder wird man beim Lesen des Briefes an Episoden aus den Evangelien oder der Apostelgeschichte erinnert. So ist denn nicht allein der Inhalt, sondern auch das Zustandekommen eines solchen Briefes voller Belehrung: Der Apostel Petrus hatte vom Herrn den Auftrag bekommen, dessen Schafe zu weiden (Joh 21,15-17); das tut er durch diesen Brief. Bevor der eifrige und etwas selbstbewusste Jünger den Herrn verleugnete, hatte der Herr ihm gesagt, er solle, wieder zurückgekehrt, seine Brüder stärken (Lk 22,32). Hat dieser Brief nicht in besonderer Weise angefochtene und verfolgte Christen im Lauf der Jahrhunderte aufgerichtet? Das ist uns kein geringer Trost. Ausgerechnet das Versagen des Jüngers wurde zum Ausgangspunkt eines Dienstes, der allen Heiligen Gottes zum Segen sein sollte. So ist Gott, so ist seine Gnade: Er bringt in seiner Weisheit und in seiner Allmacht jenes Wunder zustande, das zu bewundern wir nie aufhören können: Das Böse wird unter seiner Hand zum Ausgangspunkt von Gutem. Das Versagen des Jüngers markiert den Beginn des besonderen Dienstes des Apostels. Aus diesem Grund kann Petrus von der »wahren Gnade Gottes« (1Petr 5,12) als von einer lebendigen, persönlich erlebten Wirklichkeit schreiben. Es ist die Gnade Gottes sogar das den ganzen Brief bestimmende Thema. Petrus schreibt diesen Brief, um die in der Zerstreuung lebenden Geschwister im Glauben zu befestigen. Gemäß seinem besonderen Auftrag an die Gläubigen aus der Beschneidung (Gal 2,7) wendet er sich an gläubig gewordene Juden. Er schreibt aus dem fernen Babylon (1Petr 5,13), wohin er zusammen mit seiner Frau (1Kor 9,5), der »Mit-


Einleitung

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erwählten«, gereist war, um dort inmitten einer großen und berühmten Judenkolonie Bekehrten aus der Beschneidung zu dienen. Und wiederum: Wer hätte besser gerade unter ehemaligen Juden diesen Dienst tun und von der heilbringenden Gnade Gottes künden und schreiben können als er, der selbst von Gott hatte gelehrt werden müssen, alle jüdischen Vorurteile zu überwinden (Apg 10), um zu erkennen, dass Gott in seiner Gnade nicht nur aus den Juden, sondern auch aus den Heiden ein Volk für seinen Namen berufen hat (Apg 15,14)? In 2,4-5 wird man unweigerlich an die persönliche Begegnung des Petrus mit dem Herrn erinnert. Als er zum ersten Mal Jesus von Nazareth begegnete, gab ihm dieser einen neuen Namen: Er sollte fortan Kephas heißen, das bedeutet Stein (Joh 1,42). Seine Geburt hatte ihn zum bar Jonah, zum »Sohn des Jona« gemacht. Was er von Natur war, machte ihn nicht tüchtig für Gottes Absichten; der Herr aber würde an ihm das Wunder der neuen Geburt wirken – auch von dieser spricht Petrus (1,23) – und ihn für Gottes Absichten tüchtig machen. Jeder, der gleich Petrus zum Sohn Gottes kommt, wird zu einem lebendigen Stein, den der große Meisterbauer in sein Haus einfügt. Petrus, der Stein, war es auch gewesen, dem der Herr gesagt hatte, er werde seine Gemeinde bauen, indem er alle Glaubenden auf den Felsen, d. h. auf sich selbst, gründen werde (Mt 16,18). Seit Pfingsten baut der Herr an diesem Haus, indem er Stein um Stein an seinen Platz setzt. Wie Petrus bereits vor dem jüdischen Hohen Rat bekannt hatte, sagt er abermals in seinem Brief: Christus ist der Eckstein, wenngleich die Bauleute ihn für nichts geachtet und verworfen haben (2,7; Apg 4,11). Wer wäre so berufen wie Petrus, die Christen aufzufordern, sich allen menschlichen Regierungen zu unterwerfen (2,13-14)? Er gibt hier keinen Rat, der ihn nichts gekostet hätte. Er weiß vielmehr, welche Gewissensnöte das auslösen kann, hatte er selbst doch einmal den Gehorsam an eine behördliche Verfügung verweigern müssen, da man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen (Apg 5,29). Und er war auch bereit gewesen, die Folgen zu tragen. Bedeckt die Liebe eine Menge von Sünden (4,8)? Petrus hatte selbst erlebt, wie ihm der Herr in seiner großen Liebe sein Versagen vergeben hatte, und hatte erlebt, wie die Brüder sie ebenso zugedeckt hatten. Wie dankbar war Petrus dafür, und wie gerne erinnerte er sich selbst und die Geschwister daran!


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Einleitung

Und dass der Satan umhergeht und sucht, wen er verschlinge (5,8), lässt uns an die Worte des Herrn denken: »Simon, Simon! Siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen« (Lk 22,31). Petrus wusste, dass der Satan ein furchtbarer Feind ist, dass aber bei alledem die Treue und die Macht unseres großen Gottes und Retters größer ist; dass er zu bewahren und, wenn wir gefallen sind, wiederherzustellen vermag. So mächtig ist die »wahre Gnade Gottes« (5,12).

Die Empfänger des Briefes

Es ist dies ein sogenannter »allgemeiner Brief«, da er nicht an eine bestimmte Gemeinde, auch nicht an eine einzelne Person gerichtet ist: Petrus schreibt »den Fremdlingen von der Zerstreuung« (1,1). Das sind Juden, die zum Glauben an Jesus von Nazareth als den Messias gekommen waren. Sie lebten nicht im Land der Väter; denn die Nation hatte durch ihren Unglauben ihr Erbe verloren. Das aber hinderte Gottes Gnade nicht, solche zu retten, die er nach seiner Vorkenntnis in seinem Sohn auserwählt hatte (1,2; vgl. Röm 11,5). So sind denn gerade diese Empfänger des Briefes ein großartiger Beleg für die Macht der Gnade Gottes, die diesen anstatt des verlorenen irdischen Erbes ein ewiges und unverlierbares himmlisches Erbe bereitet hat (1,4).

Das Thema des Briefes

Das große Thema des Briefes, unter das alle übrigen in diesem so reichen Brief behandelten Themen zusammengefasst werden, ist Gottes erwählende, rettende und heiligende Gnade. Am Ende seines ersten Briefes fasst Petrus die Absicht seines Schreibens zusammen: »Ich habe euch mit wenigen Worten geschrieben, indem ich euch ermahne und bezeuge, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr steht« (5,12). Dieses Ende erhellt den ersten an die Empfänger des Briefes gerichteten Wunsch: »Gnade und Friede sei euch vermehrt« (1,2). Das ist nicht eine höfliche Grußformel, sondern ein in seiner ganzen Buchstäblichkeit zu verstehender Wunsch des Schreibers: Die Gnade Gottes soll im Denken und Tun der Empfänger immer größeren Raum


Einleitung

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gewinnen – ist es wirklich Gottes Gnade, dann wird die Folge wachsender Friede sein; der Friede Gottes wird ihr Herz und ihren Sinn erfassen und regieren. Die »wahre Gnade Gottes« wird einer verfälschten, einer falsch gedeuteten und falsch umgesetzten Gnade gegenübergestellt. Musste Paulus einen Brief voll scharfer Rügen schreiben, weil die Gemeinden in Galatien sich von der Gnade Gottes abwandten und sich den armseligen Elementen der Welt zuwandten, indem sie Hilfe vom Gesetz erwarteten (Gal 5,1-4), beklagt Judas eine andere Art des Abweichens von der Gnade: Gewisse Leute hatten angefangen, die Gnade Gottes in Ausschweifung zu verkehren (Jud 4). Vor beidem kann uns nur die Erkenntnis der »wahren Gnade Gottes« bewahren. Das Thema des Briefes lässt einmal mehr an die Lebensgeschichte des Verfassers denken. Es war Petrus gewesen, der bei jenem Treffen der Brüder in Jerusalem den gefährlichen Angriff auf das Evangelium abgewehrt hatte, der durch Eiferer für das Gesetz geführt worden war. Diese hatten die ehemaligen Heiden, die zum Glauben gekommen waren, gelehrt: »Wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden« (Apg 15,1). Dem hatte der Apostel entgegengehalten: »Was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Sondern wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene« (Apg 15,10-11). Das war die Stimme des Heiligen Geistes gewesen, die durch Petrus geredet hatte (Apg 15,28). Als er einige Jahre später in Antiochien war, verstieß Petrus – bezeichnenderweise durch Menschenfurcht verführt – gegen die von ihm selbst vertretene Wahrheit: Den Reinheitsvorschriften des Gesetzes folgend, sonderte er sich von den Gläubigen aus den Nationen ab (Gal 2,12). Eine schneidende Zurechtweisung des Apostels Paulus vor allen brachte ihn wieder zur Besinnung. Durch denselben Geist inspiriert, der ihn bei jenem denkwürdigen Treffen der Apostel in Jerusalem geleitet hatte, wiederholt er in seinem Brief nunmehr 15 Jahre später den gleichen Grundsatz. An sich selbst hatte er es erfahren, mit seinen Augen hatte er es gesehen: Die Gnade wird immer wieder angegriffen; einmal von links, einmal von rechts. Wir als Gläubige fallen nur zu leicht aus der Gnade (Gal 5,4), suchen anders


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Einleitung

als in der Gnade stark zu sein (2Tim 2,1), lassen uns durch unsere Sinne dazu verleiten, die Gnade in Selbstgefälligkeit oder Ausschweifung zu verkehren (Jud 4). Eine genusssüchtige Zeit, die den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt allen Denkens und Tuns gerückt hat, hat auch auf die christliche Gemeinde abgefärbt. So wird denn unter dem Vorwand der Gnade und der Liebe Gottes das Evangelium zum Mittel, dem Menschen und seinen Zielen zu dienen. Der Gott aller Gnade wird so zum Diener der Wünsche der Christen degradiert. Wie wichtig ist es daher, dass wir verstehen, welches die »wahre Gnade Gottes« ist, in der wir stehen, in der allein wir zu stehen vermögen.

Die Gnade befähigt zum Gehorsam Wie sehr das zuletzt genannte Pervertieren der Gnade im Widerspruch steht zum Evangelium der Gnade, zeigt bereits der allererste Satz des Briefes: »… auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi« (1,2). Wozu sind wir auserwählt und errettet worden? Zum Gehorsam. Das ist das allererste Prinzip des neuen Lebens, das Gott dem Glaubenden geschenkt hat. Zuvor waren wir Kinder des Ungehorsams (Eph 2,2); als Gerettete sind wir »Kinder des Gehorsams« (1,14) geworden. Die Gnade vergibt mir allen Ungehorsam und befähigt mich zum Gehorsam, zur Unterordnung unter Gottes Willen. Dieser Gehorsam bewährt sich in allen Bereichen des Christenlebens: • • • • •

im persönlichen Wandel (1,14); im Staat (2,13-17); am Arbeitsplatz (2,18-20); in der Ehe (3,1-6); in der Gemeinde (5,5).

Das Verhalten von uns Christen des beginnenden 21. Jahrhunderts in allen genannten Bereichen zeigt, wie sehr wir vom Zeitgeist angekränkelt sind. Am ehesten sind Christen noch loyale Staatsbürger. Aber wie viel wird nicht auch unter Gläubigen über den Chef, über angeblich ungenügenden


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Lohn, über inakzeptable Arbeitsbedingungen usw. geschimpft; wie viele Christen besuchen die Gemeindezusammenkünfte, wenn ihnen gerade danach zumute ist; wie sehr eifern christliche Frauen dem trügerischen Ideal der unabhängigen emanzipierten Frau nach; wie ungern lassen sich junge Christen von älteren Christen führen! Wir haben wahrlich Gottes Reden nötig.

Die Gnade befähigt zum Ausharren im Leiden Eines der auffälligsten Themen des Briefes ist das Leiden der Gläubigen. Das große Vorbild ist der Herr Jesus, von dessen Leiden bereits die alttestamentlichen Propheten geweissagt hatten; und diesem Vorbild sollen wir nacheifern (2,21). Dass Gott uns leiden lässt, steht nicht, wie man gern denkt, im Widerspruch zur Liebe und Gnade Gottes; es ist vielmehr ein Beweis seiner Liebe, wie alttestamentliche und neutestamentliche Schriftpropheten uns immer wieder sagen (Spr 3,12; Hebr 12,7; Offb 3,19). Die »mancherlei Versuchungen« (1,6) werden durch die »mancherlei Gnade Gottes« (4,10) aufgewogen. Das Leiden offenbart auch, ob wir die wahre Gnade Gottes erkannt haben und diese uns regiert, oder ob wir einer billigen Kopie der Gnade aufgesessen sind. Das Gegengewicht zum Leiden bildet die Herrlichkeit, die im Brief ebenso oft erwähnt wird; bereits das 1. Kapitel setzt den Ton: Während wir in der Gewissheit ewiger Errettung und eines unauflöslichen Erbes in der Zeit durch Leiden gehen, warten wir auf das Offenbarwerden der Herrlichkeit (1,3-9). Und auch in dieser Sache ist unser Herr selbst das Modell in seinen Leiden und der nachfolgenden Herrlichkeit (1,11).

Die Gnade befähigt uns, einander zu dienen Die Gnade macht uns unserem Herrn immer ähnlicher. Er kam nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Mk 10,45). Deshalb drängt uns Gottes Geist, seinem Beispiel zu folgen. Er lehrt uns die wahre Bedeutung der »Gnade des Herrn Jesus Christus« (2Kor 13,13), und das unterwirft unsere Herzen ihm und macht uns zu Knechten Gottes und


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Einleitung

zu Dienern der Seinigen. So, wie der Herr sich wie ein Knecht gürtete, um den Jüngern die Füße zu waschen (Joh 13,4), so werden wir uns im Umgang miteinander mit Demut gürten (5,5) und einander dienen (4,10).

Die Gnade macht uns fest »Der Gott aller Gnade, der uns berufen hat«, er allein kann uns »befestigen, kräftigen, gründen« (5,10). Darum können wir nur in der »wahren Gnade Gottes« standfest werden und stehen bis ans Ende (5,12).

Der erste Petrusbrief und die Mose-Bücher Der 1. Petrusbrief gehört zu den allgemeinen Briefen, und diese entsprechen in ihrer Botschaft dem 4. Buch Mose, dem Buch der Wüstenwanderung des Volkes Gottes. Das Schwergewicht liegt in diesen wie in jenem auf dem Wandel, dem Kampf und dem Zeugnis des Volkes Gottes auf seinem Weg zum Ziel. So zeigt Petrus, wie wir die Welt hinter uns gelassen haben (1,14.17), um als Fremdlinge (2,11) unseren Weg zu gehen, und in unseren mancherlei Versuchungen (1,6) beständig das Ziel unseres Weges vor Augen haben (1,9.13). Israel trug an der Spitze seiner Züge die Bundeslade. Es war berufen, auf allen seinen Wanderungen dieser – und dieser allein – zu folgen. Der Gott Israels wählte den Weg; Israel fügte sich. Gehorsam ist mithin das erste Prinzip für den Wandel der Erlösten durch die Welt. Der 1. Petrusbrief sagt nun einleitend, wozu Gott uns erwählt und für sich abgesondert hat: zum Gehorsam (1,2). Die Erwählten gehen als »Kinder des Gehorsams« (1,14) durch die Zeit, während die Gottlosen ungehorsam bleiben (2,7-8). Wie nun Israel in der Wüste der Bundeslade folgte – diese ist ein Bild auf den Menschen Christus Jesus unter den Seinigen –, so werden wir aufgefordert, den Fußstapfen unseres Herrn zu folgen (2,21) und »Nachahmer des Guten« zu sein (3,13).


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Der Aufbau des Briefes In der Abfolge der dargestellten Gedanken folgt Petrus in bemerkenswerter Weise dem Muster der fünf Mose-Bücher, wie folgende knappe Übersicht zeigen will: • Die Erwählung – 1,1-2; so, wie am Anfang allen Heils Gottes Ratschlüsse stehen, lehrt auch 1. Mose: Im Anfang schuf Gott. • Die Erlösung durch das Blut Christi – 1,18.19; in 2. Mose das Schattenbild: Erlösung durch das Blut des Passahlammes. »Umgürtet die Lenden« (1,13) erinnert deutlich an die entsprechende Anweisung, die Gott den Israeliten in der Passahnacht in Ägypten gab (2Mo 12,11). • Der Priesterdienst im Haus Gottes – 2,5-10; 3. Mose ist das alttestamentliche Buch des Priesterdienstes im Haus Gottes. • Der Wandel als Pilger und Fremdlinge unter den Nationen – 2,11-12; 4. Mose behandelt ebendieses Thema. • Ziel und Ende unseres Weges mit Gott durch die Zeit – 4,7 – 5,4; Ziel und Ende der Wege Gottes ist der große Fluchtpunkt des 5. Buches Mose. Das gleiche Muster lässt sich etwas variiert so darstellen: 1. Die Grundlage des Heils: Gottes Erwählung und Verheißung – 1,1-12 2. Die Verwirklichung des Heils: Erlösung und Wiedergeburt – 1,13-25 3. Die Bestimmung des Heils: heiliges und königliches Priestertum – 2,1-10 4. Das Zeugnis des Heils: der Wandel unter den Nationen – 2,11 – 4,6 5. Das Ziel des Heils: die Offenbarung der Herrlichkeit – 4,7 – 5,14


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Einleitung

Gliederung 1. Teil: Errettung durch die Gnade Erwählende Gnade Erziehende Gnade

1,1-25 1,1-12 1,13-25

2. Teil: Berufung der Gnade Priester Gottes Zeugen Gottes

2,1 – 3,12 2,1-10 2,11 – 3,12

3. Teil: Bewährung in der Gnade 3,13 – 4,6 Leiden für Gutestun 3,13-22 Leiden für die Weigerung, Böses zu tun 4,1-6 4. Teil: Hoffnung der Gnade Einander dienen in der Hoffnung Einander untertan in der Hoffnung

4,7 – 5,14 4,7-19 5,1-14


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1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25)

1. Petrus 1

1. Erwählende Gnade (1,1-12) Die Empfänger sind Fremdlinge und Zerstreute, erleiden also die Folgen der Untreue des Volkes Israel (V. 1); aber sie sind Erwählte, d. h. Gegenstand von Gottes besonderer Liebe (siehe 5Mo 7,7-8). Das heißt, dass ihnen Gottes Gnade zuteilgeworden ist, und damit haben sie auch in diesen misslichen Umständen Frieden (V. 2). Als aus der Heimat Vertriebene und Zerstreute haben sie allen irdischen Besitz verloren, aber durch die neue Geburt haben sie aufgrund der Auferstehung des Herrn eine lebendige Hoffnung (V. 3), nämlich die Gewissheit eines himmlischen Erbes, das durch keine Sünde verdorben werden oder verlorengehen kann (V. 4). Sie werden als Erben durch Gottes Macht bewahrt bis auf den Tag der Offenbarung des Heils (V. 5). Da das Heil und das kommende Erbe noch verborgen, die Erwählten aber noch in der Welt sind, gehen sie durch Leiden und mancherlei Versuchungen (V. 6), worüber sie aber nicht den Mut verlieren, denn die Leiden sind erstens notwendig und zweitens dienen sie guten Zwecken, was sich beim Offenbarwerden des Herrn zeigen wird (V. 7). Da sie ihren Herrn kennen und lieben, können sie trotz Nöten mit einer Freude frohlocken, die nicht von dieser Welt ist (V. 8); denn sie wissen, dass das Ende ihres Glaubens, die ewige Errettung ihrer ewigen Seele, in Christus gesichert ist (V. 9). Diese Errettung war von den Propheten geweissagt worden (V. 10), die von den Leiden des Retters zuvor gezeugt hatten. Wenn nun dieser leiden sollte und in der Tat auch litt, sollte es den Erretteten nicht als etwas Fremdes erscheinen, wenn auch sie leiden mussten. Zudem waren die Leiden der von Gott ausgesteckte Weg, auf dem der Christus verherrlicht werden sollte. Mithin waren auch bei den Gläubigen die Leiden nur der vom Herrn verordnete Weg zur Herrlichkeit (V. 11). Dass nun Gefallene und Rebellen von Gott Gnade


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1. Petrus 1

empfangen und darüber hinaus Herrlichkeit erben sollten, ist ein so großes und unbegreifliches Wunder, dass die heiligen Engel in diese Dinge hineinzuschauen begehren (V. 12). Diese 12 Verse zerfallen wiederum in: a. Urheber und Gegenstand der Gnade (1,1-2); b. die Dimensionen der Gnade (1,3-12).

a. Urheber und Gegenstand der Gnade (1,1-2) 1 Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, »Petrus, Apostel Jesu Christi«: »Petrus« ist die griechische Übersetzung seines aramäischen Namens Kephas, »Stein«. Er stellt sich mit dem Namen vor, den ihm sein Herr gab, als er ihn zu sich rief (Joh 1,42). Das passt zum Umstand, dass er sich als »Apostel«, als »Gesandten« bezeichnet. Er ist von Jesus Christus gesandt, und er ist gesandt, Jesus als den Christus, den von Gott erwählten Messias, zu verkündigen. »den Fremdlingen von der Zerstreuung«: Eine ähnliche Anrede findet sich nur im Jakobusbrief. Petrus wendet sich weder an eine bestimmte Gemeinde noch an eine einzelne Person, sondern an Glaubende einer ganzen Region (die westliche Hälfte der heutigen Türkei). Die Charakterisierung der Angesprochenen wird damit umso wichtiger: Sie sind Fremdlinge (siehe auch 2,11), und sie leben in der Zerstreuung. Der Wortlaut ist natürlich typisch jüdisch, der Inhalt gilt aber Christen. Wir sind Fremdlinge in einer Welt, die unseren Schöpfer, unseren Erlöser und unseren Herrn verworfen hat. Der griechische Ausdruck lautet parepidhmoi SDUHSLG•PRL ; das sind Menschen, die zwar in einem griechischen Stadtstaat, einer Polis, leben, aber keine Bürger sind. Diese heißen im AT »Beisassen« (3Mo 25,6). David sagte von sich und seinen Brüdern: »Wir sind Fremde vor dir und Beisassen« (1Chr 29,15), denn er wusste, dass diese Welt nicht seine Heimat war. Das muss dem Christen erst recht bewusst sein: Wir haben in dieser Welt keine bleibende Stadt


1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25)

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(Polis), sondern suchen die zukünftige (Hebr 13,14).Wir haben kein Bürgerrecht und daher auch keine Interessen zu verteidigen, keine innerweltlichen Ziele zu erreichen, keine Welt zu verändern. Wir fühlen es, dass wir hier fremd sind. Das ist das normale Ergebnis der Erwählung und Erlösung. Findet sich diese Gesinnung nicht bei jemandem, der sich als Christ bekennt, dann stellt sich die Frage, ob er überhaupt ein Fremdling und damit ein Erlöster sei. Ein Fremdling ist benachteiligt; ein Fremdling ist ein Außenseiter; Fremdlinge sind meist unbeliebt. Wer will all das schon sein? Das kann nur jemand wollen, der eine bessere Heimat hat, zu der er unterwegs ist. Dazu sind wir als Erwählte auch Menschen, die zerstreut leben. Zerstreuung bedeutet Schwächung; wir sind hier schwach, ohne Gewicht, ohne Stimme. Wir fragen uns, warum Petrus in seiner Anrede zuerst diese beiden Dinge nennt, die für die Betroffenen eigentlich gar nicht willkommen sind. Er muss verstanden haben, dass die Christen zuweilen auch darunter litten, fremd und in kleine Gruppen zerstreut zu sein. Er will nun im Folgenden zeigen, dass das kein Unglück ist. 2 auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt. »auserwählt«: eklektoj, eklektos, im NT 23-mal belegt; davon beziehen sich 19 Belege auf die Erlösten, drei auf Christus (Lk 23,35; 1Petr 2,4.6), einer auf die Engel (1Tim 5,21). Das Verb eklegomai kommt im NT 21-mal vor, 15-mal ist Gott oder der Herr Jesus das Subjekt (Mk 13,20; Lk 6,13; Joh 6,70; 13,18; 15,16.19; Apg 1,2.24; 13,17; 15,7; 1Kor 1,27 [2-mal]; 1,28; Eph 1,4; Jak 2,5), 6-mal der Mensch (Lk 10,42; 14,7; Joh 15,16; Apg 6,5; 15,22.25); die Bedeutung ist immer die gleiche: aus einer Reihe von Möglichkeiten oder Personen eine Auswahl treffen; die Person oder die Sache aussuchen, die man bevorzugt. Der Erwählende ist immer Gott (Joh 15,19; Jak 2,5). Die Christen sind »auserwählt nach Vorkenntnis Gottes«. Das bedeutet, dass es kein Zufall oder Missgeschick ist, dass sie zerstreut und fremd sind. Das ist von Gott von Anfang an so vorgesehen gewesen. Hat Gott es aber verordnet, dann muss es eine gute, dann muss es eine heilsame und eine nützliche Sache sein.


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1. Petrus 1

Wie die Schöpfung, so liegt auch die Erlösung vollständig am Willen Gottes (Offb 4,11; Röm 9,16). Gott begnadigt, wen er begnadigt (Röm 9,15). Er erwählt nach seiner freien Gnade, nicht nach irgendeiner Qualifikation im Erwählten. Sonst wäre dieser nicht durch Gnadenwahl (Röm 11,5), sondern (zumindest teilweise) durch Verdienst errettet. So neigte sich Gott Israel zu (5Mo 7,7-8); so hat er sich den in Christus Erwählten zugeneigt (Eph 1,3; 2,1-6). Das müssen wir als Erstes begreifen, wenn wir verstehen wollen, was die »wahre Gnade Gottes« ist, die Petrus in seinem Brief darlegt. Dieses Wissen macht Gott groß und den Menschen klein; es schließt alles menschliche Rühmen aus und gibt Gott allein alle Ehre. Es unterwirft das von dieser Gnade erfasste Herz dem Willen des Gottes aller Gnade. Auf diese Weise macht es Gottes Berufung und Willen zur Hauptsache und die Wünsche des Menschen zu einer diesem untergeordneten Nebensache. Ist aber nicht genau das unsere Glückseligkeit? Nicht blindes Schicksal, nicht törichtes eigenes Wollen, sondern die Gnade des zuvor erkennenden, erwählenden und suchenden Gottes aller Gnade bestimmt mein Los. »Vorkenntnis Gottes« bedeutet überdies nicht, Gott habe vorher gewusst, dass dieser oder jener sich so oder anders verhalten würde, weshalb er diesen erwählte und jenen nicht erwählte. Erstens hieße das, Gott hätte nicht in Gnade erwählt, sondern anerkannt, was er im Menschen vorgefunden hatte, und als Antwort darauf hätte er dann gehandelt. Dieser Gedanke ist abwegig, ja, schriftwidrig: »Wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden?« (Röm 11,35). Zudem wird der Ausdruck »Vorkenntnis Gottes« weder von Petrus noch von Paulus, noch auch von Mose oder den Propheten so verwendet. Gott hat nicht vorher erkannt, dass etwas sein werde, sondern er hat vorher erkannt, damit etwas so sei oder werde, wie er es gewollt hat. So in V. 20 dieses Kapitels, wo wir erfahren, dass Christus als Lamm Gottes zuvorerkannt ist vor Erschaffung der Welt. Die Vorstellung, Gott hätte einfach vorher gewusst, dass sein Sohn das Lamm sein werde, ist ganz lächerlich, sogar anstößig. In 1. Mose 18,19 lesen wir, wie Gott über Abraham sagt: »Ich habe ihn erkannt, damit (hebräisch: lema’an) er seinen Kindern … nach ihm befehle …« Als Gott Abraham erkannte, bewirkte er damit, dass Abraham seine Kinder unterwies. Gott sagt von Israel: »Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt« (Am 3,2; siehe auch 1Kor 8,3).


1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25)

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Gott hat erwählt, er hat zuvorerkannt und er hat zuvor verordnet. Der Erwählte ist nicht erwählt, weil er gläubig wurde, sondern er ist erwählt, damit er gläubig werde. Es ist nicht so, dass wir erwählt wurden, weil wir zum Herrn Jesus kamen und ihn aufnahmen, sondern es ist umgekehrt: Weil Gott uns in Christus vor Grundlegung der Welt erwählt und uns ihm gegeben hatte (Joh 17,6), kamen wir zum Sohn (Joh 6,37). Wir sind »zum Gehorsam« erwählt – nicht, um danach zu fragen, wie das mit der Erwählung vor sich ging. Es ist nicht unsere Pflicht, die Geheimnisse der Erwählung zu ergründen; sondern es ist unsere Pflicht, dankend anzubeten und aus Dankbarkeit zu gehorchen. Noch viel weniger sind wir erwählt, damit wir fragen, auf welche Weise wir unsere Wünsche und Lebensziele verwirklichen können. Wir sind erwählt, um nicht mehr unserem Willen zu leben, sondern dem Willen dessen, der uns erwählt hat. Es heißt: »zum Gehorsam … Jesu Christi«. Wir können diesen Genitiv auf zweierlei Weise verstehen: als objektiven und als subjektiven Genitiv. Der Genitivus objektivus hieße an dieser Stelle: »Gehorsam an Jesus Christus«. Der Sinn der Aussage wäre dann der, dass der Vater uns erwählt und der Heilige Geist uns ausgesondert hat zum Glauben und damit zum Gehorsam an Jesus Christus, zum »Glaubensgehorsam«, wie Paulus sagt (Röm 1,5). Handelt es sich um einen Genitivus subjektivus, dann geht es um den Gehorsam, den Jesus Christus besitzt. Das ist der Gehorsam, der Jesus Christus kennzeichnete, als er als Mensch auf der Erde war. Gehorsam war ein Grundgesetz seines Lebens. Zu diesem Gehorsam wurden wir von Gott erwählt und durch den Heiligen Geist geheiligt. Haben wir seinen Gehorsam, dann tun wir den Willen Gottes; dann leben wir nach seinem Willen und geben allen Eigenwillen auf. Das ist wahre Freiheit. Das ist die herrliche Freiheit der Kinder Gottes, dass sie durch Gottes Gnade befähigt werden, das zu wollen und zu tun, was Gott will. Wenn wir als Kinder Gottes verherrlicht sein werden, werden wir nur noch das wollen – und es auch vollkommen ausführen –, wozu Gott uns bereitet hat. »Durch Heiligung des Geistes« wurde Gottes Erwählung an uns wirksam.1 Dieser hat uns für Gott ausgesondert; dieser befähigt uns, unseren eigenen Willen und unsere Erwartungen zu verleugnen und uns 1

»Die nach Gottes Vorhaben Erwählten werden durch Heiligung des Geistes, d. h. im Wege einer heiligenden Wirkung des Geistes, als Erwählte offenbar« (Böhl, Dogmatik, S. 382).


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1. Petrus 1

ohne Fragen Gottes Willen zu ergeben. Der Heilige Geist war es, der dem Wort des Evangeliums im Mund des Boten Gottes die Kraft gab, Leben zu zeugen (V. 12). Dieser Geist nahm Besitz von uns, versiegelte uns (Eph 1,13) und wohnt seither in uns (2Tim 1,14). Wo wir trotz Gottes Befähigung im Gehorsam versagen, wissen wir uns durch die »Blutbesprengung Jesu Christi« gereinigt. Sein Blut spricht – das ist nämlich gemäß Hebräer 12,24 die Bedeutung von Sprengen des Blutes. Es spricht zu Gott von der Tatsache, dass Jesus Christus sein Blut vergossen und damit Gottes unbeugsame Gerechtigkeit vollkommen befriedigt hat. Und das Blut der Besprengung redet zu unserem Gewissen und bringt jede Anklage zum Verstummen. Aber sein Blut redet auch vom hohen Preis, mit dem wir erworben worden sind (V. 18.19). Dieser Preis lehrt uns, fortan nicht mehr uns zu leben, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist (1Kor 6,20; 2Kor 5,15). »Gnade und Friede sei euch vermehrt«: Erstmals verwendet der Apostel nun das Wort »Gnade«. Er wünscht den Empfängern seines Briefs, dass die Gnade vermehrt werde, weil damit Friede und auch Gottseligkeit vermehrt werden. Gnade heißt, dass Gott alles ist. Von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge (Röm 11,36). Die Gnade lehrt mich daher, mich ihm ohne Vorbehalt zu beugen; tue ich es, finde ich Frieden, und das in beiderlei Hinsicht: • Frieden mit Gott (Röm 5,1) und damit die Gewissheit der Vergebung und des ewigen Lebens. Ich stehe als Gerechtfertigter vor Gott und weiß: Meine Sünden sind nicht mehr. Ich bin von Gott angenommen in seinem geliebten Sohn (Eph 1,6); ich bin vom Tod zum Leben hinübergegangen (Joh 5,24); in Christus Jesus ist keine Verdammnis (Röm 8,1). • Der Friede Gottes wird mein Gemüt und meinen Verstand erfüllen (Phil 4,7). Je bedingungsloser ich mich unter Gottes Regiment stelle, desto tiefer wird der Friede sein, der mich erfüllt. Welche Möglichkeit! Und welche Torheit, dass wir sie so wenig suchen und kennen! Der Apostel wünscht seinen Lesern, dass Gnade und Friede »vermehrt« werden. Wachstum ist eine normale Lebensäußerung; wo man kein Wachstum feststellen kann, ist entweder kein Leben vorhanden oder eine


1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25)

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Krankheit hält es am Boden. Kennen wir den Herrn, dann sollte es unsere Erfahrung sein, dass wir vom Bewusstsein der Gnade Gottes immer tiefer durchdrungen werden und dass sein Friede unser Herz immer ungestörter regiert. Von diesem Wachstum sprach Salomo: »Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe« (Spr 4,18). Und der Herr Jesus lehrte: »Wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben« (Mt 13,12), was der Apostel Paulus bestätigte: »Wir ermahnen euch aber, Brüder, reichlicher zuzunehmen« (1Thes 4,10). Abschließend beachten wir, wie in diesen beiden ersten Versen des Briefes das Werk und das Wirken des dreieinen Gottes bezeugt wird: Der Vater hat uns erwählt, der Sohn hat uns mit seinem Blut gereinigt, und der Heilige Geist hat uns geheiligt.

b. Die Dimensionen der Gnade (1,3-12) Petrus hat uns im 2. Vers »Gnade« zugewünscht. Worin diese Gnade besteht, zeigt er in den hier beginnenden Versen in einem großartigen Panorama: 3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten. V. 3: »Gott … hat uns wiedergezeugt«: Niemand kann sich selbst zeugen; ja, es kann nicht einmal einer den Wunsch äußern, er möchte gezeugt werden. Das liegt gänzlich am Wohlwollen und am Tun eines anderen. Gott hat uns nach seinem Willen wiedergeboren (Jak 1,18). V. 3: »nach seiner großen Barmherzigkeit«: Nicht, weil in uns eine bestimmte Eigenschaft wäre, sondern weil Gott so ist, wie er ist. V. 3: »zu einer lebendigen Hoffnung«: Die Hoffnung befasst sich definitionsgemäß mit Dingen, die in der Zukunft liegen. Diese ist aber unserem Zugriff gänzlich entzogen. So ist denn das uns verheißene Teil gänzlich in Gottes Hand.


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1. Petrus 1

V. 3: »durch die Auferstehung Jesu Christi«: Durch das Werk eines anderen ist uns das von Gott bereitete Erbe sichergestellt worden. Was haben wir dazu beigetragen, dass Christus aus den Toten auferstand? V. 4: »zu einem … Erbteil«: Ein Erbe kann man nur empfangen; man kann es sich nicht erarbeiten. V. 4: »welches in den Himmeln aufbewahrt ist für euch«: Das Erbe wird für uns aufbewahrt; Gott ist es, der es erhält, nicht wir selbst. Er bewahrt es dort auf, wohin kein menschlicher Arm gelangen kann: im Himmel. V. 5: »die ihr durch Gottes Macht … bewahrt werdet«: Wir bewahren nicht uns selbst; denn wir haben die Macht nicht dazu. Gott ist es, der uns in seiner Macht bewahrt. V. 5: »durch Glauben«: Das ist unsere Verantwortung. Wir müssen glauben; der Glaube aber ist nicht eine Leistung, die wir erbringen, sondern lediglich das Empfangen eines Werkes, das außerhalb von uns und für uns geschehen ist. Wir haben den Blick über Gottes Wollen und Wirken in Gnade von der Erwählung vor der Zeit bis zur Vollendung am Ende der Zeit schweifen lassen. Das soll uns in unseren Anfechtungen stärken, indem wir erkennen, dass der Anker unserer Seele an einem festen Ort versenkt ist. In diesem ersten Abschnitt des Briefes wird uns dargelegt, aus welcher Höhe und bis zu welcher Tiefe die Gnade herabsteigt, aus welcher Ferne sie herkommt und wie weit sie reicht. Gott hat gehandelt, er hat sich unser erbarmt. Die Gnade geht von allerhöchster Stelle aus, und sie führt die Erretteten zur höchsten Höhe (V. 4); die Errettung wurde vor den Zeiten von Gott dem Vater beschlossen (V. 20), daher führt sie den Erwählten sicher zum Ziel (V. 9). Darum ist es recht, ihn zu preisen (V. 3). Die Gnade wurde den Propheten vorhergesagt (V. 10), in der Fülle der Zeit offenbart (V. 20); und am Ende der Zeiten wird in Herrlichkeit erscheinen, was die Gnade gewirkt hat (V. 5.7). »Gepriesen sei der Gott und Vater«: Es ist recht, dass Gott gepriesen werde, denn er allein hat das große Heil gewirkt, und dieses Heil ist so groß und so vollkommen, dass wir ihn darüber nur preisen können. »der … uns wiedergezeugt hat«: siehe Jak 1,18. Was wäre gewesen,


1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25)

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hätte der Vater das nicht getan? Wir wären in unserer sündigen Art für immer gefangen gewesen. »zu einer lebendigen Hoffnung«: Hoffnung, weil die Ergebnisse des Heils noch nicht offenbart sind. Noch sind wir »betrübt … durch mancherlei Versuchungen« (V. 6). Wir sind Kinder Gottes, aber es ist noch nicht offenbart, was wir sein werden (1Jo 3,1-2). Wir sind in Hoffnung errettet, eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung (Röm 8,24). Wir sind gerechtfertigt, aber wir harren noch der Hoffnung der Gerechtigkeit (Gal 5,5). Christus wohnt jetzt in uns, und dies ist uns gewisses Unterpfand der Hoffnung der Herrlichkeit (Kol 1,27). In ihm haben wir ewiges Leben empfangen; die Hoffnung des ewigen Lebens (Tit 1,2) wird eingelöst werden, wenn wir bei ihm sein werden. Und die Hoffnung ist »lebendig«, sie täuscht nicht, und sie erweist sich jetzt schon als wirksam; denn sie gibt all meinem Wünschen und Wirken eine ganz neue Richtung. Sie gibt allen Dingen der Zeit ein neues, nämlich ihr wahres Gewicht: Die Welt vergeht und ihre Lust (1Jo 2,17); die Gestalt dieser Welt vergeht (1Kor 7,31); das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt ein über die Maßen schweres Gewicht an ewiger Herrlichkeit (2Kor 4,17). Darum schauen wir nicht das an, was man sieht – die Welt und ihren Betrug –, sondern das, was man nicht sieht. Das ist die Hoffnung der Auferstehung, die Hoffnung des ewigen Lebens, die Hoffnung der Gerechtigkeit, die Hoffnung der Herrlichkeit. »durch die Auferstehung Jesu Christi«: Ihm verdanken wir alles – seiner Menschwerdung, seinem Tod und seiner Auferstehung. Seine Auferstehung macht unsere Hoffnung gewiss: »Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen« (1Thes 4,14). Die Auferstehung macht mich meines Leibes des Todes ledig (Röm 7,24-25), sie hebt mich über diese Welt des Todes hinaus, indem sie mich mit dem Sohn Gottes im Himmel verbindet. Die Auferstehung entwöhnt mich daher der Welt.


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1. Petrus 1

4 zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, welches in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, Unser Erbe wird beschrieben durch drei Adjektive, die alle mit einem griechischen a- beginnen, das dem deutschen un- entspricht: »unverweslich«: afqartoj, aphthartos: etwas, was nicht verderben kann (vom Verb SKWKHLUÀ: verderben; zerstören, zugrunde richten, wie in 1Kor 3,17; 2Kor 7,2); »unbefleckt«: amiantoj, amiantos: etwas, was keine Flecken hat (vom Verb PLDLQÀ: besudeln, beschmutzen, verunreinigen, wie in Tit 1,15; Hebr 12,15; Jud 8); »unverwelklich«: amarantoj, amarantos: etwas, was nicht ausgetilgt werden kann (vom Verb marainw, PDUDLQÀ: auslöschen, aufreiben, erlöschen, dahinschwinden, versiegen, vertrocknen; im NT nur in Jak 1,11 belegt). Der Auferstandene ist der Erbe (siehe Hebr 1,2); in ihm ist unser Erbe sicher aufbewahrt. Es ist im Himmel, nicht auf der Erde; wir sind Pilger, noch nicht am Ziel. Das Erbe: Es wird von Gott sicher aufbewahrt im Himmel. 5 die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit offenbart zu werden; »die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet«: In V. 4 wurde das Erbe beschrieben; hier ist von den Erben die Rede: So wie das Erbe müssen auch die Erben bewahrt werden. Denn was würde es nützen, wenn zwar das Erbe sicher verwahrt ist, aber wir, die Erben, nicht bewahrt bleiben und unterwegs umkommen? Dann würden wir das Erbe nie antreten. Das Erbe wird »durch Gottes Macht … bewahrt«: Hier steht für »bewahrt« ein anderes Verb als in V. 4. Dort steht threw, W•UHÀ, das im NT üblicherweise gebrauchte Verb mit dieser Bedeutung (es kommt im NT 70-mal vor); hier aber steht frourew, SKURXUHÀ, und das heißt so viel wie »bewachend vor Feinden bewahren« wie in 2. Korinther 11,32 und Philipper 4,7 (darüber hinaus nur noch in Gal 3,23 belegt). Gott hat sich die Errettung derer, die an seinen Sohn glauben, vorgesetzt; er hat den Sohn gesandt; der Sohn hat alles für uns vollbracht;


1. Teil: Errettung durch die Gnade (1. Petrus 1,1-25)

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der Heilige Geist hat uns für Gott abgesondert, und Gottes Macht ist es, die uns bewahrt. Und wir, die Erben, werden »durch Glauben« bewahrt. Wir sind »mittels des Glaubens« errettet worden (Eph 2,8); der Glaube ist auch das Mittel, das Gott ausgesucht hat, um uns durch seine Macht zu bewahren. Ohne Glauben können wir weder errettet werden noch bewahrt bleiben. Aber er sorgt auch dafür, dass der Glaube nicht aufhört; denn der Herr betet für uns (Lk 22,32). Und Gott sendet Drangsal, die offenbar macht, ob unser Glaube echt, d. h. von ihm gewirkt sei. Ist er es, dann wird die Drangsal ihn nur köstlicher und reiner machen wie das Gold, das durch das Feuer erprobt wird (V. 7). Der Glaube ist es, der uns den Herrn lieben lässt (V. 8), und das Ende dieses Glaubens ist die Errettung der Seelen (V. 9). »in der letzten Zeit offenbart zu werden«: Hier wird das Ziel von Gottes Handeln in Gnade an uns genannt: Die bereits gewirkte Errettung wird eines Tages offenbar werden. Bis dahin werden wir bewahrt. Wie das geschieht, welches die Mittel sind, die uns Gott dazu in die Hand gibt, welches der Weg ist, auf dem wir dieses Ziel erreichen, davon handelt dieser ganze Brief. Die Errettung ist noch verborgen; sie wird erst noch »offenbart werden«. Wie oft wird es uns gesagt in den inspirierten Schriften (siehe 1Jo 3,1.2)! Und dennoch vergessen wir es so schnell und so leicht. Wir sind nicht gerettet, um hierzubleiben; wir sind nicht erlöst, um hier glücklich und erfolgreich zu sein. Wir sind erlöst, um ewig in einer anderen Welt zu leben. Wir gehören zu einem Reich, das noch verborgen ist, aber einst erscheinen und alle Reiche der Welt zerschlagen wird. Die Erlösung hat uns hier zu Fremdlingen gemacht (1,17; 2,11). Wohl uns, wenn wir seufzen, weil wir uns so ausheimisch fühlen (2Kor 5,4-6); wehe uns, wenn wir uns hier heimisch fühlen. Wir können es nur, wenn wir unsere Berufung verleugnen; und wenn wir den verleugnen, der uns um einen Preis (1Kor 6,20) von dieser eitlen Welt losgekauft hat (Gal 1,4). Der Gott, der unser Erbe bewahrt, bewahre unsere Herzen davor!


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