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David Gooding

DAS EVANGELIUM NACH LUKAS Botschaft, Aufbau und Ziel

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld


Soweit nicht anders vermerkt, sind die Bibelzitate der Elberfelder Übersetzung 2003, Edition CSV Hückeswagen, entnommen.

1. Auflage 2012 Originaltitel: According to Luke © 1987 by David Gooding © 2012 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Satz: CLV Umschlag: Lucian Binder, Marienheide Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN 978-3-86699-313-6


Inhalt Vorwort

7

Wie Lukas Christus darstellt

9

Ziele, Methoden und Erläuterungen

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TEIL EINS Das Kommen

27

PHASE 1 Die Ankunft (1,5 – 2,52)

28

PHASE 2 Die Einführung des Sohnes Gottes (3,1 – 4,44)

78

PHASE 3 Wie Christus mit Sünde und Sündern verfährt (5,1 – 7,1)

110

PHASE 4 Christi Methode der Errettung (7,2 – 8,56)

148

PHASE 5 Christus und das Ziel der Erlösung (9,1-50)

184

TEIL ZWEI Das Hingehen

213

PHASE 1 Der Weg in die Herrlichkeit (9,51 – 10,37)

222

PHASE 2 Über das rechte Beurteilen der Bedürfnisse, Prioritäten und Proportionen des Lebens (10,38 – 13,21)

246


PHASE 3 Das Ziel, das uns erwartet (13,22 – 17,10)

308

PHASE 4 Zurüstung, um mit Christus zu regieren (17,11 – 19,28)

340

PHASE 5 Der König geht in seine Herrlichkeit ein (19,29 – 24,53)

366

A N H A N G 1 Zur Berechtigung, die aristotelischen Regeln der Literaturkritik auf das Werk des Evangelisten Lukas anzuwenden 431 A N H A N G 2 Zur Frage, ob der Gebrauch von literarischer Symmetrie in geschichtlichen Werken mit strenger Historizität vereinbar ist

433

A N H A N G 3 Zu den Fragen, welche die sich gegenseitig ausschließenden Analysen von literarischen Strukturen biblischer Bücher aufwerfen

436

Abkürzungen

442


7

Vorwort Der Same, aus dem dieses Buch gewachsen ist, wurde vor rund vierzig Jahren in mir gelegt, als ein Verkündiger, Harry Lacey in Cardiff (Wales), beiläufig erwähnte, Lukas habe den Stoff in seinem Evangelium allem Anschein nach in fast geometrischer Weise angeordnet. Seither haben Autoren sehr verschiedener Art – römische und griechische des klassischen Altertums, rabbinische und christliche – zur Entwicklung meiner Gedanken über die Eigenart der lukanischen Schriften beigetragen. Außerdem haben zahlreiche Personen durch geduldiges Zuhören oder aktives Mitdiskutieren mir geholfen, meine Gedanken zu formulieren. Es sind mittlerweile so viele, dass ich mich nicht mehr an alle erinnern kann. Sollten sich im vorliegenden Buch unwissend Plagiate von Gedanken anderer finden, dann bitte ich aufrichtig, das zu entschuldigen. Um 1950 war die Untersuchung von literarischen Strukturen biblischer Bücher ein bloßes Rinnsal; im Laufe der letzten Jahre ist sie zu einer Flut angeschwollen. Erst wenn eine Flut zurückgegangen ist, kann man die von ihr hinterlassenen bleibenden tektonischen Formationen erkennen. Bis dahin sollten wir das Verhältnis von Mittel und Zweck klar vor Augen behalten: Die Untersuchung der literarischen Struktur muss immer dem hauptsächlichen Bestreben untergeordnet bleiben, nämlich dem Gedankenfluss des Lukas zu folgen und die Botschaft zu verstehen, die er als inspirierter Schreiber vermittelte. In einem einleitenden Kapitel erkläre ich meine Methode, nach der ich das Werk des Lukas studiert habe. Der Leser mag es vorziehen, mit der eigentlichen Auslegung (S. 27) zu beginnen und sich die Einleitung erst vorzunehmen, nachdem er das ganze Buch gelesen hat. Zahlreiche Redakteure und Lektoren aus Presse und Verlagswesen haben meine Arbeit eingehend kommentiert. Ich danke ihnen allen für ihre Hilfe, ihre begeisterte Ermutigung und nicht zuletzt für ihren Takt, womit sie mich dazu veranlassen und drängen konnten, mein Englisch dem Sprachstil des beginnenden 21. Jahrhunderts anzupassen. Alle noch verbliebenen Mängel, sprachliche wie theologische, sind selbstverständlich ausschließlich mir anzulasten.


Vorwort

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Ein Teil des ersten Entwurfs wurde von Frau Sue Meare getippt, der Rest des ersten Entwurfs sowie alle folgenden Entwürfe von Frau Barbara Hamilton. Beide habe ihre Arbeit mit tadellosem Können bewältigt. Ihnen sei an dieser Stelle Dank gesagt. Das Buch ist meinen lebenslangen Freunden Bill und Glenda Cowell gewidmet. Bill war der Erste, mit dem ich anfing, in die Reichtümer des Lukasevangeliums einzudringen, und während all der Jahre ist das Haus von Bill und Glenda mir sowie zahllosen anderen ein leuchtendes Beispiel jener Gastfreundschaft gewesen, die unser Herr gemäß Lukas so sehr bewunderte und rühmte. Er gebe ihnen seinen verheißenen Lohn. David Gooding


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Wie Lukas Christus darstellt Die inspirierte Darstellung Christi durch Lukas gliedert sich in zwei große Teile: Zuerst beschreibt er das »Kommen« des Herrn vom Himmel auf die Erde, dann sein »Gehen« von der Erde in den Himmel. Den Wendepunkt zwischen diesen beiden Teilen bildet Kapitel 9, Vers 51. Eine unvergessliche Szene markiert den Anfang des »Kommens«: Maria und Joseph kommen in Bethlehem an, um ihre Namen ins Volkszählungsregister des damaligen Weltreiches aufnehmen zu lassen, finden aber keinen Platz in der Herberge, wo der Retter der Welt geboren werden soll. Und doch endet das »Kommen« in Herrlichkeit: Auf dem Berg der Verklärung erscheint der Herr als oberster Herrscher und als die Mitte des kommenden weltumspannenden Reiches Gottes. Eine ebenso unvergessliche Szene markiert den Anfang des »Gehens« (siehe 9,51-56): Gewisse Samariter weigern sich, ihn in ihrem Dorf aufzunehmen. Der Herr tadelt den auf Rache sinnenden Zorn seiner Jünger und erinnert sie später daran (siehe 10,20), dass ihre Namen bereits im Bürgerregister einer herrlicheren Stadt eingetragen sind. Passend dazu zeigt der Höhepunkt des »Gehens« den Menschen Jesus, der zwar auf der Erde verworfen und gekreuzigt wurde, aber jetzt als der Auferweckte in den Himmel auffährt und in die Herrlichkeit aufgenommen wird. Das »Kommen« und das »Gehen«: Was zwischen ihnen geschah, enthält die ganze von Lukas vorgestellte Botschaft der Errettung. Der präexistente und ewige Sohn Gottes kam in unsere Welt und wurde Mensch wie wir, um in dieser Welt für uns Vergebung, Heilung und Frieden mit Gott zu wirken und uns damit die Gewissheit zu geben, dass am Ende Gottes Wille auf Erden geschehen wird, wie dies jetzt schon im Himmel der Fall ist. Aber es geht um noch mehr. Durch sein Gehen hat er die Menschheit auf die höchste Zinne des Universums geführt. Indem sie dem Urheber ihrer Errettung auf diesem Weg folgen, werden alle, die ihm vertrauen, eines Tages seine Herrlichkeit im Himmel teilen. Wenn er wiederkommt, werden sie mit ihm herrschen. Und nun wenden wir uns der ersten Phase seines »Kommens« zu.


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Ziele, Methoden und Erläuterungen (Dieses eingeschobene Kapitel beinhaltet ausgesprochen spezielle Gedankengänge. Es ist in das Belieben des Lesers gestellt, es zu überspringen und direkt zu S. 27 zu gehen; er kann zu diesem Kapitel zurückkehren, wenn er das Buch gelesen hat.) Die vorliegende Studie des Lukasevangeliums versucht, soweit das möglich ist, zu entdecken, was Sinn und Zweck eines jeden Abschnitts innerhalb der Erzählung ist. Beginnen wir damit, zuerst zu erklären, was wir in diesem Zusammenhang unter »Sinn und Zweck« bzw. unter der Absicht verstehen, die diesem Evangelium zugrunde liegt. Auf einer ersten Ebene muss man nicht lange suchen, um die Absicht zu finden, die Lukas beim Niederschreiben verfolgte: Im Prolog hat er sie selbst dargelegt (siehe 1,1-4). Er schreibt, damit Theophilus die Zuverlässigkeit der Dinge, die man ihn gelehrt hatte, erkennen konnte. Diese ausdrücklich genannte Absicht beinhaltet die Behauptung, dass alles im Bericht des Lukas zuverlässig und autoritativ sei – eine Behauptung, die natürlich endlos debattiert worden ist. Wir beabsichtigen nicht, diese Debatte fortzusetzen. Die vorliegende Studie übernimmt als eine Sache des Glaubens die traditionelle Sicht, dass Lukas sein Evangelium durch Inspiration des Heiligen Geistes schrieb und dass sein Bericht zuverlässig ist. Damit soll nicht gesagt sein, dass wissenschaftliche Forschung zur Historizität des von Lukas Berichteten ungehörig und unnütz sei. Vielmehr ist damit gesagt, dass der an der Debatte zur historischen Glaubwürdigkeit dieses Evangeliums interessierte Leser auf die gelehrten Kommentare verwiesen wird. Lukas erwartet offensichtlich, dass wir ihm glauben, wenn er sagt, er habe die zeitgenössischen Quellen mit aller Sorgfalt zurate gezogen. Dabei erwartet er, dass wir seinem Anspruch auf Zuverlässigkeit trauen. Wir tun das und warten nun gespannt darauf, was er uns berichtet und worin er die Bedeutung des Berichteten sieht. Wir wollen herausfinden, warum wir seiner Ansicht nach diese Dinge kennen und was wir gemäß seiner Erwartung mit dem Gelesenen anfangen sollten. Sein ausdrücklich bezeugter Zweck ist es, uns von der Gewissheit der hier berichteten biblischen Geschichte zu


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Ziele, Methoden und Erläuterungen

überzeugen: Beabsichtigt er nicht, uns in irgendeiner Weise zu helfen, damit wir das erkennen, was er uns sagen will? Da eben die gelehrten Kommentare erwähnt wurden, sollte ich an dieser Stelle anmerken, dass die vorliegende Auslegung nicht für Fachgelehrte der neutestamentlichen Wissenschaft geschrieben worden ist. Vielmehr lag mir besonders daran, sie für die nichtgelehrten, aber ernsthaften Leser des Lukasevangeliums zu schreiben, deren Hauptschwierigkeit nicht im Verständnis der Botschaft1, sondern der Aussageabsicht des Lukas besteht. Solche Leser werden es nicht schwer finden, den Sachverhalt zu akzeptieren, dass eine jede Begebenheit, die Lukas niedergeschrieben hat, tatsächlich in der Weise stattfand, wie er es sagt. Dagegen wird es ihnen weitaus schwerer fallen, etwas anderes zu glauben: Hat Lukas das Geschehen einzig aus dem Grund festhalten wollen, dass es tatsächlich stattfand? Sie spüren instinktiv, dass Lukas in den Ereignissen, die er für seinen Bericht aussuchte, eine bestimmte Bedeutung gesehen haben muss, und dass er (oder der Heilige Geist, der ihn inspirierte) den Lesern ebendiese Bedeutung auch vermitteln wollte. Wenn sie daher die Textkritiker und die Übersetzer, die Historiker sowie die Exegeten befragt und ein klares Verständnis dessen erlangt haben, wovon Lukas an dieser oder jener Stelle berichtet, geben sie sich nicht immer zufrieden. Sie empfinden, dass ihnen noch immer etwas entgangen ist, und dieses Etwas ist natürlich gerade das, was die Bedeutung der eben untersuchten Begebenheit sein soll. Sie könnten nötigenfalls sogar einen exakten Abriss des von Lukas verfassten Werkes schreiben oder, falls dazu gedrängt, eine Predigt auf der Grundlage seines Evangeliums halten, denn sie sind gute Denker und schöpferische Leute. Aber sie wären unsicher, ob ihre Predigt sich mit der Aussageabsicht des Lukas decken würde. Wie sollen wir demnach dahinterkommen, was Lukas jeweils beabsichtigte? Auf dieser Ebene will das vorliegende Werk seine bescheidene Hilfe leisten, indem es einige Mittel und Methoden nennt, die uns Sinn 1 Es gibt eine große Fülle gelehrter exegetischer Kommentare, die dem Nichtfachmann Verständnis darüber geben können, was Lukas in einem bestimmten Abschnitt genau sagt. Wo der Sinn einer Aussage dunkel oder umstritten ist, verweise ich den Leser besonders auf I. Howard Marshall, The Gospel of Luke, a Commentary on the Greek Text (Exeter, Paternoster Press, 1978). Seine Urteile sind nicht nur ausgewogen und fair, sondern er nimmt auch in umfassendem Maße Bezug auf ein weites Spektrum anderer Werke von Gelehrten aller theologischen Schattierungen. Im Folgenden verweise ich auf dieses Werk mit »Marshall, S. …«.


Ziele, Methoden und Erläuterungen

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und Zweck eines jeden Abschnitts im lukanischen Bericht näherbringen können. An vielen Stellen ist er natürlich offenkundig. Wenn Lukas etwa lange Abschnitte bezüglich der Sittenlehre unseres Herrn wiedergibt, dann besteht die erste Absicht gemäß seinen Worten im Prolog gewiss darin, uns die Gewissheit zu geben, dass uns in zuverlässiger Weise von den Dingen berichtet wird, die Christus lehrte. Aber als Christen haben wir ein Empfinden dafür, was keine noch so strikte Exegese uns vermitteln kann, denn damit ist nicht alles über die Absicht des Lukas gesagt: Er wollte die Leser dazu bewegen, Jesu Sittenlehre anzunehmen und praktisch umzusetzen. In anderen Abschnitten ist es jedoch nicht immer so offenkundig, worin Sinn und Zweck besteht. Nehmen wir ein Beispiel aus den Geburtsgeschichten. Es wird uns einigermaßen ausführlich berichtet, dass Zacharias seinen Sohn Johannes nannte, wie der Engel ihn angewiesen hatte, obwohl die Freunde und Verwandten protestierten (siehe 1,57-66). Daraufhin wurde er von der Sprachlosigkeit befreit, die der Engel wegen seines anfänglichen Unglaubens über ihn verhängt hatte. Wir fragen uns: »Was sollen wir damit anfangen?« Gewiss hatte es für Zacharias gute Folgen, dass er dem Befehl des Engels gehorchte. Aber warum muss das uns erzählt werden? Und welch einen Unterschied hätte es darüber hinaus für uns gemacht, wenn Zacharias seinen Sohn nicht Johannes, sondern Timotheus, Haggai oder Salomo genannt hätte? Oder nehmen wir die Episode, die sich Lukas aus der Kindheitsgeschichte des Herrn ausgesucht hat (siehe 2,41-51). Es ist die einzige, uns überlieferte Episode aus seiner Kindheit, und wir sind Lukas dafür dankbar. Wir dürfen wissen, dass sie tatsächlich stattfand und nicht bloß Legende ist. Aber warum wird uns nur diese Begebenheit aus der ganzen Kindheit und den Mannesjahren vor seinem öffentlichen Dienst mitgeteilt? Es genügt natürlich nicht zu sagen, Lukas habe sie nur deshalb überliefert, weil sie geschah. Selbstverständlich geschah sie, aber das gilt auch für manches andere aus den Kindheitsjahren. Wir können kaum glauben, dass Lukas nach all seinen Nachforschungen (siehe 1,1-3) nur diese eine Kindheitsgeschichte gehört hatte. Warum also bloß eine einzige Geschichte? Und wieso gerade diese? Wird sie überliefert, weil sie typisch für Situationen war, die während seiner Kindheitsjahre immer wieder auftraten? Oder weil sie gerade untypisch und damit eine Besonderheit war? Wem zum Nutzen sollte sie überhaupt stattfinden?


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Ziele, Methoden und Erläuterungen

Den Rabbinern? Oder Joseph und Maria? Diese zeigen sich in dieser Geschichte nicht von der besten Seite: Sie sind ziemlich aufgeregt und ängstlich. Sollten wir daraus folgern, dass Maria trotz all der Dinge, die sie bei der Geburtsankündigung über die Einzigartigkeit ihres Sohnes vernommen hatte, nicht erwartete, dass er sich in irgendeiner Weise ungewöhnlich verhalten würde? Und wenn ja, erwartet dann Lukas, dass wir das erstaunlich oder verständlich finden? Oder besitzen wir diese Geschichte, damit Verkündiger sie als eine Warnung verwenden können, es Maria und Joseph nicht gleichzutun und sorglos unterwegs zu sein, indem wir uns einbilden, Christus sei mit uns, obwohl dies nicht der Fall ist? Oder gehören die Unruhe und der Unverstand Josephs und Marias lediglich zu den Begleitumständen, während es der Hauptzweck der Geschichte ist, den Theologen einen Beleg für das Selbstbewusstsein des Kindes Jesus zu liefern, den sie in ihre Christologie einbauen können? Vielleicht sollten wir als richtige Antwort auf all diese Fragen festhalten, dass diese Geschichte kein Mythos ist, den der Autor eingefügt hat, um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Sie beinhaltet vielmehr ein Stück Geschichte, die wie jedes andere Stück biblischer Geschichte (oder vielleicht in noch höherem Maße!) Mehrfachbedeutungen zulässt. Deshalb dürfen wir aus der Begebenheit all das ableiten, was legitim ist2 (und möglicherweise sollen wir das sogar tun). Aber dennoch hätten wir erwartet, dass Lukas uns einige Anleitungen im Blick darauf gibt, wie wir die von ihm überlieferten Geschichten deuten sollen; wo er es allem Anschein nach nicht tut, können wir enttäuscht sein. Unsere Enttäuschung rührt teils daher, dass wir als moderne Menschen an die Arbeitsweise moderner Historiker gewöhnt sind. Von ihnen erwarten wir, dass sie nicht nur Fakten sammeln und ordnen, sondern auch deren Bedeutung erklären, Interpretationen liefern und Urteile fällen. Wenn sie diese Kriterien verfehlen, werden sie nicht als Historiker angesehen. Lukas tut all das nicht; vielmehr gleicht er den anderen Synoptikern unter den Evangelisten dahin gehend, dass er mit interpretierenden Kommentaren sehr sparsam ist.3 Denn Lukas ist kein moderner, 2 Man beachte, wie viel dieser Grundsatz der subjektiven Interpretation des Lesers überlässt. Es ist hilfreich, daran zu denken, wenn man vielleicht später einwenden möchte, dass die Erklärungsmethoden des vorliegenden Verfassers subjektiv seien. 3 Selbstverständlich bietet er einige derartige Kommentare, z. B. in 18,1 und 19,11.


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sondern ein antiker Historiker. Er verfasst seinen Bericht in der Tradition der großen biblischen Geschichtsschreiber, die bekannt dafür sind, dass sie Fakten übermitteln und sich auf ein Mindestmaß an Kommentar beschränken. Ehe wir jedoch vorschnell schlussfolgern, Lukas habe im Grunde nichts getan, um uns in Bezug auf das Verständnis und die Deutung der von ihm aufgezeichneten Ereignisse anzuleiten, müssen wir Folgendes beachten: Er ist zwar ein biblischer Geschichtsschreiber in jeder Beziehung, hat aber dennoch Eigenschaften mit einigen Historikern des klassischen Altertums gemein, insbesondere mit Thukydides, dem großen Pionier wissenschaftlicher Geschichtsschreibung. Die Art, in der Lukas direkte Reden in seiner Apostelgeschichte verwendet, hat man immer wieder mit der Art verglichen, in der Thukydides in seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges direkte Reden anführt.4 Thukydides versichert den Lesern, er habe seine Quellen sorgfältig untersucht, aber er zitiert sie selten.5 Lukas ebenso. Und was noch interessanter ist: Thukydides hat die Eigenart, zwei Reden oder Episoden mit deutlichen Ähnlichkeiten oder Kontrasten einander so gegenüberzustellen, dass der Leser gedrängt wird, über diese Ähnlichkeiten bzw. Kontraste nachzudenken. Ohne dass Thukydides mit seinem Kommentar dazwischenfährt, kann der Leser anhand dessen selbstständig die Ironie, die Tragödie oder alles andere wahrnehmen, was sonst noch in den menschlichen Angelegenheiten hervortritt. Es genügt, dass man sich zwei Begebenheiten oder zwei Reden gleichzeitig vor Augen hält und ihre Kontraste beachtet.6 Lukas hat zwar andere Lektionen, die er vermitteln will, aber er verwendet eine ähnliche Methode. In 7,36-50 steht z. B. eine Geschichte, die nur er überliefert hat. Eine Frau, die als Sünderin bekannt ist, betritt das Haus Simons, des Pharisäers, wo Christus zum Essen eingeladen ist. Während die Frau unter Tränen Christi Füße salbt und sie küsst, sagt sich Simon: »Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau 4 Vgl. etwa Howard Marshall, The Acts of the Apostles: an Introduction and Commentary, TNTC (IVP, 1980), S. 42. 5 Vgl. H. D. F. Kitto, Poiesis, Structure and Thought (University of California Press, 1966), S. 289 und 394. 6 Das berühmteste Beispiel ist die Gegenüberstellung des Melierdialogs und des Berichts von der Sizilienexpedition (Ende des V. und Anfang des VI. Buches). Aber es gibt auch andere Belege; siehe Kitto, a. a. O., S. 333-338, und den ganzen Abschnitt, S. 279-354.


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es ist, die ihn anrührt.« Aber Christus schien nicht zu merken, wer ihn berührte. Zumindest hatte Simon diesen Eindruck. Und dann setzt Lukas die Geschichte bis V. 50 fort. Im folgenden Kapitel findet sich eine andere Geschichte (8,43-48): »Und eine Frau … trat von hinten herzu und rührte die Quaste seines Gewandes an … Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Als aber alle leugneten, sprach Petrus … Meister, die Volksmengen umdrängen … dich … Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe erkannt, dass Kraft von mir ausgegangen ist. Als die Frau aber sah, dass sie nicht verborgen blieb …« Wäre Lukas ein moderner Historiker gewesen, hätte er wohl Geschichte 2 mit der Bemerkung eingeleitet: »Eben sahen wir, wie die prophetische Fähigkeit Christi infrage gestellt wurde: Hätte er nicht den Charakter der Frau erkennen müssen, die ihn berührte? Nun wenden wir uns einer anderen Begebenheit zu, womit die entsprechenden Zweifel, die in der vorhergehenden Episode womöglich aufgekommen waren, zumindest in einer Hinsicht zerstreut werden.« Und am Ende von Geschichte 2 hätte er wohl eine interpretierende Anmerkung folgender Art eingefügt: »Diese beiden Begebenheiten haben uns also zum Kernpunkt eines wichtigen Aspekts des Dienstes Christi geführt. Beide Episoden betreffen Frauen, in beiden geht es um geschlechtliche Dinge, in beiden um Störungen: Während in der ersten Begebenheit die moralische Integrität der Betreffenden beeinträchtigt ist, treten in der zweiten körperliche Störungen auf. Beide Frauen litten darunter, dass die rechtgläubige Gesellschaft sie mied: im ersten Fall aus Sorge vor moralischer Befleckung, im zweiten aus Furcht vor ritueller Verunreinigung. Christus beendete die Isolation dieser Frauen und erklärte sie für gemeinschaftstauglich, indem er ihnen wieder den Platz in der Gesellschaft zuwies, der ihnen gebührte. Als er das aber tat, wurden seine Fähigkeiten der moralischen und physischen Wahrnehmung kritisiert: Einmal hieß es, er sei diesbezüglich oberflächlich, das andere Mal, er reagiere übertrieben. Man beachte jedoch, wie präzise Christus jedes Mal auf die betreffende Kritik antwortete …« Und so könnte man fortfahren. Lukas bietet nie solche hinführenden Aussagen oder abschließenden Kommentare. Wir dürfen daraus aber nicht voreilig folgern, Lukas habe die Ähnlichkeiten und Gegensätze der beiden Geschichten nicht bemerkt oder wenigstens deren Bedeutung nicht erkannt, als er die-


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ses Sondergut (die Geschichte von der Sünderin im Haus Simons) den Quellen entnahm und es in seinem Werk als einziger Evangelist in derart großer Nähe zur Geschichte von der blutflüssigen Frau einfügte. Es ist natürlich unmöglich, schlüssig zu beweisen, Lukas habe die Bedeutsamkeit der tragenden Merkmale dieser beiden Geschichten erkannt. Aber wenn wir diesem Phänomen in zahlreichen weiteren, paarweise angeordneten Geschichten im ganzen Evangelium begegnen, dann neigen wir eher zu dem Urteil, dass Lukas sich der ausdrücklichen Kommentierungen enthält, weil er ein antiker Historiker in der Tradition der hebräischen Geschichtsschreiber und des Griechen Thukydides war. Wie diese hat er mit großer Sorgfalt die Quellen erforscht und den Stoff gesichtet, um ihn dann so zu ordnen, dass die Kontinuität des Themas und dessen bedeutungsvolle Entsprechungen sowie Gegensätze dem aufmerksamen Leser in die Augen springen. Er begnügt sich damit, den Stoff für sich sprechen zu lassen, und lädt damit den Leser ein, die jeweilige Bedeutung zu erkennen, statt ihm immer wieder erklärend und auslegend hineinzureden. Gewiss, das ist nicht die heutige Art, Geschichte zu schreiben; es ist jene Methode, die H. D. F. Kitto7 die »dramatische« genannt hat.8 Die Geschichte selbst gewinnt dadurch. Thukydides vereint diese Methode mit Leidenschaft für historische Genauigkeit. Uns berechtigt nichts zu der Annahme, Lukas habe ihm darin nachgestanden. Der Verweis auf Untersuchungen von Thukydides hat dem Leser wohl klargemacht, dass die Methode des Verfassers dieser Zeilen der Vorgehensweise eines Altphilologen entspricht, der von der Arbeit an den griechischen Klassikern und hellenistischen Autoren herkommt und sich dann Lukas zuwendet. Lukas war mit deren Methoden zweifellos ebenso vertraut wie mit denen der mündlich überlieferten aramäischen Literatur. Der Autor der vorliegenden Auslegung ist mit Aristoteles groß geworden und setzt daher voraus9, dass wir zuallererst drei 7 A. a. O., S. 282ff. und 349f. 8 Nicht im landläufigen Sinne des anschaulichen Schreibens, sondern im fachsprachlichen Sinne, indem der Autor die Geschichte für sich selbst sprechen lässt, ohne erklärende und auslegende Anmerkungen einzufügen. 9 Der Kanon aristotelischer Literaturkritik wurde im 4. vorchristlichen Jahrhundert anhand von Werken wie den griechischen Tragödien erstellt, deren Handlung fiktiv ist. Der Einwand, dass es keine gesunde Methodologie sein kann, nach der aristotelischen Vorgehensweise ein Werk vollständig anderer Art zu interpretieren, nämlich einen historischen Bericht aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., wird im Anhang 1, S. 431f., beantwortet.


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Merkmale seines Werkes berücksichtigen müssen, in welche anderen Richtungen man danach auch immer schauen mag, um die »Botschaft« eines Autors wie Lukas zu erfassen. Erstens die Auswahl seines Stoffes und den relativen Anteil, den er den einzelnen Stücken zuschreibt; zweitens Themen oder Ideen, die in den einzelnen, von ihm ausgewählten Stücken wiederkehren. In Bezug auf ebendiese wiederholten Ideen, Themen und Schwerpunkte wird man Urteil und Meinung des Autors über die Bedeutung seines Stoffes am ehesten entdecken können. Und drittens müssen wir sorgfältig beachten, wie der Autor seinen Stoff geordnet hat. Es geht um das, was Aristoteles V\VWDVLV WÀQ SUDJPDWÀQ10 nennt, also die Art, in der Lukas die einzelnen Stücke zueinander und zum Ganzen in Beziehung setzt, und die Auswirkung, die das auf den Gedankenfluss seiner Erzählung hat. Worin liegt die Logik seiner Anordnung? Ordnet er seinen Stoff ausschließlich bzw. streng nach chronologischen Kriterien, oder gruppiert er die verschiedenen Teile nach innerer Entsprechung und thematischer Ähnlichkeit? Unterbricht ein vorliegendes Stück den Gedankenfluss, oder führt es ihn fort? Finden sich in einer Einzelgeschichte oder einer Gruppe mehrerer Geschichten untergeordnete oder übergeordnete Höhepunkte, Spannungsmomente, Verwicklungen und Auflösungen? Hat der Autor den Höhepunkt einer beliebigen Geschichte dort platziert, wo wir es auch täten, oder an einen für uns zunächst unerwarteten Ort verlegt? Wir wollen als Erstes die Art untersuchen, in der Lukas seinen Stoff ausgewählt und dessen Bestandteile ins richtige Verhältnis zueinander gebracht hat. Er hat uns offenkundig nicht alles erzählt, was Christus tat und sagte. Wenn wir beachten, wie Lukas in den Fällen verfährt, wo er scheinbar aus der gleichen Quelle wie Markus geschöpft hat, sehen wir, dass er uns nicht einmal alles erzählt hat, was er dort vorfand. Er hat offensichtlich das ausgesucht, was ihm wichtig war; dabei hat er den von ihm gewählten Themen so viel Raum gegeben, wie ihm angemessen erschien. Nehmen wir das Thema der Empfängnis, Geburt und Kindheit Christi. Markus sagt uns nichts davon. Matthäus widmet dem Thema vier Geschichten (oder fünf bzw. sechs, je nachdem, wie man sie zählt): das Geschlechtsregister, Josephs Reaktion auf Empfängnis und Geburt, der Besuch der Weisen, die Flucht nach 10 A. d. Ü.: Zusammensetzung, -stellung bzw. -fügung der Dinge.


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Ägypten vor dem von Herodes befohlenen Kindermord und die Rückkehr. Wir sollten zur Kenntnis nehmen, dass sich bei alledem kein einziger Hinweis auf Johannes, den Wegbereiter, oder auf dessen Eltern findet. Lukas hat hingegen für seine Geburtsgeschichte immerhin zehn Episoden ausgesucht, wobei fünf vor der Geburt und fünf danach stattfinden. Lukas hat demnach mehr Einzelgeschichten als Matthäus; aber nicht nur das: Aufgrund seiner Anordnung des Stoffes ergibt sich ein ganz anderer Schwerpunkt. So wird beispielsweise in jeder der fünf ersten Einzelgeschichten Johannes der Täufer erwähnt (in 1,13-17; 1,36; 1,41-44; 1,57-63; 1,76-79). Ihm wird fast genauso viel Raum gegeben, wenn nicht sogar mehr, wie der Menschwerdung Christi und den damit einhergehenden Ereignissen. Offensichtlich hatte Lukas sehr großes Interesse an Johannes dem Täufer und meinte, dass auch wir uns mit ihm entsprechend beschäftigen sollten. Warum? Um diese Frage zu beantworten, könnten wir in zwei Richtungen schauen. Wir könnten, wenn wir so wollten, außerhalb seines Evangeliums schauen und mutmaßen, Lukas müsse äußerliche Gründe dafür gehabt haben, dass er Johannes dem Täufer so großes Gewicht beimaß. Vielleicht hatte er Kontakt mit Gruppen von Johannesjüngern und war von ihnen beeinflusst, also mit Gruppen, die auch nach Pfingsten noch bestanden und die er in Apostelgeschichte 18,24 – 19,7 erwähnt. Möglicherweise dachte er auch, der Dienst des Johannes habe nicht die Beachtung bekommen, die er verdiente, und so müsse man das entsprechende Gleichgewicht wiederherstellen. Es gibt viele Möglichkeiten, und einige unserer Mutmaßungen (wer weiß?) könnten sogar zutreffen. Es wäre aber besser, zuerst in eine andere Richtung zu schauen, nämlich auf die Hinweise, die sich innerhalb der Einzelgeschichten finden, um dort zu entdecken, warum sich Lukas so sehr für den Täufer interessierte. Sobald wir das tun, ändert sich der Brennpunkt. Obwohl Johannes, wie gesagt, in jeder der fünf ersten Einzelgeschichten erwähnt wird, lassen die inneren Proportionen der Geschichten11 vermuten, dass Lukas sich mehr für die Eltern des Johannes interessiert als für Johannes selbst.

11 In der ersten Geschichte sind Johannes z. B. fünf Verse gewidmet (1,13-17), während sich mehr als 16 mit seinem Vater bzw. seiner Mutter befassen (1,5-13a.18-25).


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Wenn wir dann als Nächstes fragen, ob ein erkennbarer Grundgedanke oder bestimmte Themen diese fünf Geschichten durchziehen, entdecken wir Folgendes: In Geschichte 1 (siehe 1,5-25) kommt der Engel und verkündet Zacharias, dass er und seine Frau trotz ihres hohen Alters einen Sohn bekommen werden, und der Engel beschreibt den gewichtigen Dienst, den dieser Sohn einmal tun wird. An dieser Stelle (siehe 1,17) hätte Lukas diese Geschichte abschließen können, wenn er so gewollt hätte; denn bis zu diesem Punkt enthält die Geschichte alles, was sie uns von Johannes dem Täufer und seinem Dienst als Wegbereiter noch zu sagen hat. Aber Lukas interessiert sich nicht allein für Johannes und seinen zukünftigen Dienst; etwas anderes liegt ihm noch auf der Seele, und davon spricht er in den nachfolgenden sechs Versen. Zacharias hielt die Ankündigung des Engels für unglaubhaft, brachte dies mit Worten zum Ausdruck und wurde für seinen Unglauben mit Sprachlosigkeit bestraft: »Und siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, an dem dies geschieht, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden« (1,20). Das war für Zacharias umso peinlicher, da dies gerade während des priesterlichen Morgengebets im Tempel geschah, und als er endlich wieder aus dem Tempel trat, konnte er über das draußen wartende Volk den Segen nicht aussprechen. Nachdem er seinen Dienst erfüllt hatte, kehrte er wieder heim, und seine Frau wurde schwanger. Damit endet diese Geschichte, und Lukas wendet sich einer anderen Geschichte zu. Man beachte aber, was Lukas getan hat: Er hat unser Interesse an der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Worte des Engels geweckt, hat uns die Strafe für den Unglauben genannt und hat unsere Gedanken auf das Kommende gelenkt: Zacharias wird stumm bleiben bis … Wir werden keine Ruhe haben, bis wir das Ende dieser Geschichte erfahren haben. Lukas hat somit die ersten Schritte getan, die uns zu einem Höhepunkt führen sollen. Geschichte 2 (siehe 1,26-38) berichtet von der Ankündigung an Maria. Auch Maria stellte eine Frage zu den Worten des Engels, aber nicht aus Unglauben wie Zacharias. Ihre Schwierigkeit war sittlicher Art: Sie konnte nicht einsehen, wie ein unverheiratetes Mädchen Mutter werden sollte. Sie bekam eine Antwort auf ihre Frage, und hier (siehe 1,35) hätte Lukas seine Geschichte wiederum abbrechen können, denn er hat uns bereits alles gesagt über die Größe von Marias Sohn und über


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die wunderbare Empfängnis. Aber die Geschichte hat uns noch etwas mitzuteilen, und sobald wir es hören, kommt uns das Thema bekannt vor. Der Engel wusste offensichtlich, dass Maria in ihrem Glauben Hilfe und Ermunterung brauchte. Daher versicherte er ihr, dass »bei Gott … kein Ding unmöglich sein« wird (siehe 1,37), und als Beweis, der ihren Glauben an diese Worte stärken würde, unterrichtete er sie von der wunderbaren Empfängnis der Elisabeth (siehe 1,36). Geschichte 3 (siehe 1,39-56) berichtet, wie Maria auf die Worte des Engels hin erwartungsgemäß Elisabeth aufsucht und dann in deren Haus das Magnifikat betet. Die Empfindungen, die anhand der überschwänglichen Worte in Marias Lobpreis zum Ausdruck kommen, sind so erhaben, dass es niemanden überrascht hätte, wenn Lukas sie mit einem kleinen Vermerk zu den Umständen eingeleitet hätte. Damit hätte er sie vom übrigen Geschehen loslösen können, um sie in ihrem ganzen Eigengewicht wirken zu lassen. Aber gerade das tut Lukas nicht. Zuerst erzählt er uns, was Elisabeth über Maria sagte: »Und glückselig, die geglaubt hat, denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!« (1,45). Überwältigende Dinge sind verheißen worden, und Lukas zeichnet sie ausnahmslos mit allem Fleiß auf; aber immer wieder hält er inne und verweist auf die Tatsache, dass der Glaube an solche gewaltigen Dinge sich nicht automatisch ergibt. Zacharias hatte es unmöglich gefunden zu glauben; und wenn Maria glauben konnte, dann war das nicht etwas, das man als Selbstverständlichkeit hinnehmen durfte, sondern etwas, wofür man sie glückselig heißen sollte. Nachdem Maria heimgekehrt war, gebar Elisabeth ihren Sohn. Er wurde am achten Tag ordnungsgemäß beschnitten und bekam den Namen Johannes. Wenn Lukas zur Namensgebung von Marias Kind kommt, wird er nur sagen: »Und als acht Tage erfüllt waren, dass man ihn beschneiden sollte, da wurde sein Name Jesus genannt, der von dem Engel genannt worden war, ehe er im Leib empfangen wurde« (2,21). Hätte Lukas es gewünscht, hätte er in Geschichte 4 (siehe 1,57-66) eine ebenso kurze Mitteilung über die Geburt, Beschneidung und Namensgebung des Täufers einfügen und dann sogleich mit Geschichte 5 (siehe 1,67-79), mit der Weissagung des Zacharias über seinen Sohn, fortfahren können. Diese Weissagungen sind als Ausdruck des Glaubens an die Verheißungen der alten Propheten (siehe 1,70) sowie an den Bund


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(siehe 1,72) und den Eid Gottes (siehe 1,73) für sich genommen so herrlich, dass wir leicht einiges hinsichtlich der Bedeutung übersehen, die Lukas in ihnen erkannte. Darum dürfen wir nicht über die Einzelheiten hinweglesen, die Lukas bewusst in Geschichte 4 aufgenommen hat. Acht Verse voll lebendiger Einzelheiten aus dem häuslichen Leben (siehe 1,57-64) führen uns auf den Höhepunkt: Zacharias bekommt seine Sprache wieder. Diesbezüglich erinnern wir uns natürlich daran, dass er sie verloren hatte, weil er dem Engel nicht geglaubt hatte. Nun hat er, wie wir verstehen, wieder zum Glauben gefunden, denn er handelt im Gehorsam gegenüber dem Befehl des Engels. Gegen alle Proteste der Nachbarn nennt er seinen Sohn Johannes. Lukas widmet zwei weitere Verse (siehe 1,65-66) der Wirkung, die dieser Wandel von der Sprachlosigkeit des Zacharias zur Redefreiheit des Glaubens unter den Menschen in seinem Umfeld hatte. Wir haben damit den Höhepunkt erreicht, den Lukas im Auge hatte, als er Geschichte 1 schrieb. Wir halten inne, um uns wieder zu orientieren. Im nächsten Kapitel werden wir die Bedeutung dieser ersten fünf Geschichten näher untersuchen müssen. Vorläufig dienen sie uns als Beispiel dafür, dass wir achtgeben müssen auf die Auswahl des Stoffes durch Lukas, auf die Proportionen, die er den einzelnen Stücken gibt, und auf die Ideen, die er in einer Abfolge von Geschichten wiederholt. Damit soll uns nämlich gezeigt werden, in welcher Weise er die von ihm aufgezeichneten Fakten betrachtet. In diesen fünf Geschichten erzählt Lukas uns von dem Wunder der Geburt des Johannes und der jungfräulichen Empfängnis Christi. In einem gewissen Sinn überragen diese beiden gewichtigen Ereignisse in ihrer Bedeutung alle begleitenden Umstände. Aber Lukas wollte sie nicht als historische Fakten niederschreiben und es in unser Belieben stellen, was wir daraus machen. Er lädt uns vielmehr ein, sie durch die subjektive Erfahrung derer anzusehen, denen sie angekündigt wurden, und er hat wiederholt betont, wie damit deren Glaube gefordert wurde. Er hat besonders detailliert festgehalten, wie einer der Beteiligten einen Kampf gegen den Unglauben von anfänglicher Niederlage bis zum letztendlichen Sieg führte. Das sollte uns nicht überraschen, wenn wir bedenken, dass Lukas seine Erzählung verfasste, damit Theophilus »die Zuverlässigkeit der Dinge erkennt, in denen« er »unterrichtet worden« ist (1,4). Theophilus war aufgerufen, all die erstaunlichen Dinge zu glauben, die Lukas ihm schrieb. Daher ist es gut möglich, dass er


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mit Zacharias, der von Glaubenszweifeln angefochten war, in gewisser Weise mitfühlen konnte. Es bleibt noch die Frage, wie Lukas den Stoff geordnet hat. Im Allgemeinen geht er chronologisch vor, aber nicht durchweg und nicht in jeder Einzelheit. Nehmen wir ein kleines Beispiel: In seinem Bericht über den Dienst Johannes’ des Täufers (siehe 3,1-20) führt Lukas die Geschichte bis ans Ende, als Johannes ins Gefängnis geworfen wird. Nach dem Hinweis auf die Einkerkerung (siehe 3,20) fährt er fort und berichtet von der Taufe Christi (siehe 3,21-22), die zeitlich natürlich vor der Gefangennahme lag. Jene wurde ja von Johannes selbst ausgeführt, obwohl Lukas dies nicht ausdrücklich sagt. Darin liegt nichts Außergewöhnliches. Lukas verfälscht die Geschichte nicht, indem er hier die streng chronologische Ordnung verlässt. Vielmehr führt er lediglich einen zusammenhängenden Abschnitt seiner Erzählung (im Laufe der Auslegung stets »Phase« genannt) an sein Ende, ehe er sich dem nächsten zuwendet, wenngleich der Anfang des nachfolgenden Abschnitts zeitlich vor dem Ende des vorhergehenden liegt. Das ist absolut rechtens; viele Biografen und Historiker verfahren in der gleichen Weise. Aber sogar dann, wenn Lukas zwei Dinge in streng chronologischer Reihenfolge festhält (und das ist meist der Fall), wird oft deutlich, dass die zeitliche Abfolge zwischen den beiden Sachverhalten nicht das Entscheidende in ihrem gegenseitigen Verhältnis ist. In 18,1 erfahren wir z. B. von Lukas, dass unser Herr ein Gleichnis lehrte. In 18,9 hören wir, dass er ein anderes Gleichnis weitergab. Es ist anzunehmen, dass der Herr das zweitgenannte Gleichnis nach dem ersten gelehrt hat, wenn es auch nicht lange danach war; und es wird uns nicht gesagt, ob es bei der gleichen Gelegenheit geschah. Vielleicht liegt eine Bedeutung in der zeitlichen Abfolge, aber viel offenkundiger ist der innere Zusammenhang: Beide betreffen das Gebet. Dabei erinnert uns das erste Gleichnis (wie wir später in den Einzelheiten untersuchen werden; S. 354f.) daran, dass unser Beten oder Nichtbeten offenbart, was wir über den Charakter Gottes denken. Demgegenüber ruft uns das zweite Gleichnis in Erinnerung, dass unsere Gebete zuweilen nur allzu deutlich offenbaren, was wir von uns selbst denken. Oder nehmen wir die Geschichte vom blinden Bettler (siehe 18,35-43) und die Geschichte von Zachäus, dem Zöllner (siehe 19,1-10). Hier gibt uns Lukas obendrein sowohl das chronologische als auch das


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geografische Verhältnis der beiden Episoden zueinander. Die erste begab sich, »als er sich Jericho näherte«, während es bei der zweiten heißt: »Er kam hinein und zog durch Jericho.« Ist dies das einzige verbindende Glied zwischen den beiden Geschichten? Kaum! Die erste Geschichte schildert die Errettung des Betreffenden: »Dein Glaube hat dich geheilt« bzw. »gerettet« (18,42). Das gilt auch für die zweite: »Heute ist diesem Haus Heil widerfahren« (19,9). Der erste Mann war arm, der zweite reich. Der erste lebte vom Betteln, und die Errettung befreite ihn von dieser erniedrigenden Lebensart. Der zweite lebte vom Eintreiben diverser Zölle und teils von Erpressung (siehe 19,8), und auch er wurde durch die Errettung von einem erniedrigenden Lebensstil befreit. Aber das ist nicht alles. Elf Verse vor der Geschichte mit dem blinden Bettler hat Lukas folgenden Gedankengang platziert: »Wie schwer werden die, die Vermögen haben, in das Reich Gottes eingehen! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe«, sagt Christus dort. Darauf seine Zuhörer: »Und wer kann dann errettet werden?« Ihnen antwortet Christus: »Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott« (vgl. 18,24-27). Wir wissen nicht, wie viel Zeit zwischen diesem Dialog und der Begebenheit mit dem blinden Bettler verstrich. Aus dem Bericht des Lukas (siehe 18,21-34) könnten wir folgern, dass eine gewisse Zeit verfloss, und aus Markus 10,23-45 wissen wir, dass dazwischen die Episode mit der Bitte der beiden Zebedäussöhne lag. Die Chronologie zeigt, dass die Jünger genügend Zeit hatten, den Dialog zu vergessen, bevor sie Zeugen der Errettung des Bettlers und dann des Zöllners Zachäus wurden. Aber – und damit kommen wir zum springenden Punkt – Lukas hat seinen Stoff so geordnet, dass im Bericht nur sieben Verse (siehe 18,28-34) zwischen dem Ende des Dialogs und dem Beginn der Berichte von den beiden Errettungen stehen. Können wir als seine Leser dann überhaupt noch vergessen, was er uns gelehrt hat über die praktische Unmöglichkeit, dass ein Reicher errettet wird, wenn wir sieben Verse später lesen, wie ein armer Bettler gerettet wird und dann (Wunder aller Wunder!) ein steinreicher Zöllner ebenfalls das Heil annimmt? Sollten wir es doch vergessen haben, ist zumindest nicht Lukas daran schuld.


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Und Lukas hat noch immer nicht alles gesagt. Markus fügt zwischen der Geschichte vom blinden Bettler (siehe Mk 10,46-52) und dem Aufstieg nach Jerusalem (siehe 11,1) nichts ein. Lukas hat zwischen diese beiden Punkte (siehe 18,43 und 19,29) nicht nur die Geschichte von Zachäus (siehe 19,1-10) eingefügt, sondern auch das Gleichnis von den Pfunden (siehe 19,11-28), das damit als Höhepunkt seines sorgfältig arrangierten Gedankengangs dient: Wie schwer ist es für Begüterte bzw. Reiche, das Heil zu finden – ein Werk, das nur bei Gott möglich ist: Seht, wie Christus sowohl Arme als auch Reiche rettete und den rücksichtslosen Zolleintreiber in einen Wohltäter verwandelte! Und dann lehrte Christus die Jünger, all ihre Ressourcen als ein heiliges, von ihm anvertrautes Gut anzusehen, wofür sie am Tag seiner Wiederkunft würden Rechenschaft ablegen müssen. Wenn wir also recht haben, dann hat Lukas an dieser Stelle Dialoge und Lehraussagen mit verschiedenen Geschehnissen zusammengestellt, obwohl diese alle ursprünglich mehr oder weniger unabhängig voneinander waren, weil sie zeitlich und örtlich auseinanderlagen. Diese von ihm sorgfältig ausgewählten Einheiten hat er in einer bestimmten Abfolge miteinander verbunden, sodass sie zusammen eine Reihe fortschreitender Lektionen über ein gemeinsames Thema bilden. Dabei musste er nicht den Sinn oder die Bedeutung der ursprünglichen Bestandteile ändern: Jedes Stück behält noch immer seine Ursprungsbedeutung aus der Zeit bei, da es ein eigenständiges Ereignis oder ein abgeschlossener Dialog war. Zwanzig einzelne Perlen, jede für sich kostbar und schön, verlieren nichts an Wert bzw. Schönheit, wenn jemand sie an einer Schnur aufzieht und sie zu einer Halskette zusammenfügt. Andererseits ist eine Halskette mehr als nur eine Aneinanderreihung von Perlen. Ebenso verhält es sich mit dieser Abfolge von Einzelstücken in der Heilsbotschaft, die Lukas weitergibt: Jedes Stück trägt zum Ganzen durch Ausgleichen, Ergänzen und Vervollständigen dessen bei, was die anderen Stücke lehren. Es könnte jemand aus diesem Teil des Lukasevangeliums das Wort des Herrn aufgreifen, dass es für einen Reichen fast unmöglich ist, gerettet zu werden, und dann in einer Predigt vor den großen Gefahren des Reichtums warnen: Besser arm sein, als das Heil zu verpassen! Eine solche Predigt wäre absolut wahr, aber sie enthielte nicht die ganze Wahrheit. Um eine ausgewogene Sicht dieser Dinge zu präsentieren, sollte der Verkündiger bald eine zweite Pre-


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digt halten, diesmal über Zachäus. Von den Mitbürgern wegen seiner unlauteren Erwerbsmethoden gehasst, gemieden und verachtet, wurde er trotzdem von Christus angenommen und gerettet, zum Ärger seiner als tugendhaft geltenden Zeitgenossen, von denen sich viele leider nie erretten ließen! In dieser zweiten Predigt müsste man bei den Ausführungen zu dieser Geschichte selbstverständlich betonen, dass der Herr die unlauteren Methoden des Zachäus nicht guthieß, sondern ihn zu einem besseren Umgang mit dem Besitz bekehrte. Um diese Lektion zu vertiefen und zu erweitern, wäre eine dritte Predigt nützlich, in der man anhand des Gleichnisses von den Pfunden aufzeigte, dass es nicht genügt, sich erpresserischer Methoden zu enthalten, um die Gefahren des Reichtums zu meiden. Auch ist es nicht damit getan, so arm zu sein wie der Blinde, der seinen Lebensunterhalt von anderen Leuten zusammenbettelte, bevor er gerettet wurde. Wir müssen vielmehr unsere Pfunde als dem Herrn verantwortliche Verwalter recht gebrauchen, um Lob zu bekommen, wenn wir bei der Wiederkunft Christi Rechenschaft ablegen müssen. Lukas hat also durch seine Auswahl und seine Anordnung der genannten Stücke eine sich logisch entfaltende Reihe einander ergänzender Lektionen über ein gemeinsames Thema zusammengestellt; daraus folgt aber nicht, dass er das überall in seinem Evangelium getan hat. Es ist gut möglich, dass gewisse Stücke in seinem Werk sozusagen sich selbst genügen. Da sie von ihrer Bedeutung her eigenständig sind, haben sie keinen direkten Einfluss auf den Zusammenhang innerhalb dieses Evangeliums. Wenn wir nach gründlicher Untersuchung feststellen, dass dies der Fall ist, haben wir keine Ursache, unzufrieden zu sein. Aber das vorliegende Werk geht von der Annahme aus, dass es sich lohnt, im Blick darauf nachzuforschen, ob ein gedanklicher Zusammenhang zwischen einem Teil der Erzählung und dem nächsten besteht. Zugegebenermaßen besteht die Gefahr, dass man nur deshalb (vermeintliche) Zusammenhänge sieht, weil man diese sucht, obwohl keine da sind. Dabei ist nicht zu erwarten, dass diese vorliegende Auslegung dieser Gefahr nie erlegen ist. Im Grenzland zwischen Auslegung und Homiletik erliegt man eher der Gefahr, Märchenschlösser subjektiver Auslegung zu bauen, als in den kühleren Regionen der Exegese, die nicht vom Einfallsreichtum heimgesucht werden. Aber der Verfasser ist zuversichtlich, dass seine Leser als Urteilsfähige die


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Sache selbst bewerten können. Er erwartet nicht, dass er sie in jedem Fall überzeugen kann, dass Lukas all die von ihm vorgeschlagenen Bedeutungen beabsichtigte und all die dargelegten Zusammenhänge herstellen wollte. Es genügt, wenn der Leser durch das vorliegende Werk da und dort Anregungen sowie Hilfen bekommt, die Bedeutung des von Lukas Geschriebenen klarer zu sehen. Noch eine letzte Erklärung, bevor wir bereit sind, an die eigentliche Arbeit zu gehen. Auf gewissen Ebenen des Studiums wird eine Unterscheidung bedeutsam sein – und zwar zwischen der Bedeutung, die Lukas in den Worten und Taten Christi sah, und der zusätzlichen Bedeutung, die wir darin erkennen können, wenn wir dank der weiterführenden Erleuchtung durch den Heiligen Geist in den neutestamentlichen Lehrbriefen auf diese Dinge zurückblicken. Da diese Briefe und die Evangelien auf den gleichen Heiligen Geist zurückgehen, ist es unserer Ansicht nach nicht notwendig, im vorliegenden Werk diese Unterscheidung beständig vorzunehmen.12

12 Da es sich hier um eine Bibelauslegung handelt, sei dem Leser folgende Vorgehensweise empfohlen: Wenn er zunächst den jeweiligen Abschnitt im Lukasevangelium liest und dann damit auf die betreffenden Ausführungen des vorliegenden Werkes Bezug nimmt, wird er den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen.


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