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Dr. Chris Richards und Dr. Liz Jones

WERDE BEZIEHUNGS-WEISE Was die Bibel über Beziehungen und Heirat sagt

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld


Dr. Chris Richards ist Kinderfacharzt in Newcastle upon Tyne. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Er ist Diakon in der Gateshead Presbyterian Church. Dr. Liz Jones ist pensionierte Gemeinde-Kinderärztin. Sie ist verheiratet, hat drei verheiratete Töchter und sieben Enkelkinder. Sie besucht mit ihrem Mann die Welbeck Road Evangelical Church in Newcastle upon Tyne.

1. Auflage 2017 © der Originalausgabe mit dem Titel »True Love: What the Bibles says about relationships and marriage« 2014 by Dr. Chris Richards and Dr. Liz Jones (originally published by EP Books). Translated and printed by permission. All rights reserved. © der deutschen Ausgabe 2017 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld Internet: www.clv.de Übersetzung: Hermann Grabe, Meinerzhagen Satz: EDV- und Typoservice Dörwald, Steinhagen Umschlaggestaltung: Lucian Binder, Marienheide Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck Artikel-Nr. 256281 ISBN 978-3-86699-281-8


Inhalt

1 Einführung

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2 Ehelosigkeit und Heirat

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3 Einander kennenlernen

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4 Einander kennenlernen, so wie es Gott gefällt

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5 Lehrt die Bibel wirklich, dass Sexualität nur in die Ehe gehört?

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6 Wie begegnet man Versuchungen?

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7 Was kann passieren, wenn man die Sexualität nicht für die Ehe aufbewahrt?

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8 Denke an die Zukunft

83

9 Was kann man tun, wenn man Fehler begangen hat?

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Hilfreiche Bibelstellen

91

Abkürzungen

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1

Einführ ung

Ein junger Mensch hat es im 21. Jahrhundert zunehmend schwer, auf dem Gebiet der Beziehungen auf Gottes Wegen zu gehen. Da entbrennt in unseren Herzen oft ein heißer Kampf zwischen dem, was die Welt zu bieten hat, und dem, was der Gehorsam gegen Gott erfordert (Galater 5,17). Wenn du nicht in rechter Weise auf diesen Kampf vorbereitet bist, wirst du nur allzu leicht durch die lauten Stimmen dieser Welt fortgelockt. Hier folgen nur einige Botschaften, denen du ständig ausgesetzt bist: • • • • • • •

Dir entgeht etwas, wenn du nicht sexuell aktiv wirst. Die Ehe ist etwas von vorgestern. Gelegentlicher Sex ist ganz in Ordnung. Man geht eigentlich nur aus, um Sex zu haben. Beim Sex geht es nur um mich und mein Vergnügen. Sex ohne Konsequenzen ist möglich. Bei unseren Beziehungen gibt es weder richtiges noch falsches Verhalten – es geht nur darum, was uns gefällt. • Sex ist ein Garant für Liebe.

Alle diese Botschaften sind Lügen oder Halbwahrheiten, trotzdem sind sie mächtig und verführerisch. Als Christen müssen wir auf der Hut sein, wenn wir Derartiges hören, weil zu viel auf dem Spiel steht. Gott hat uns durch das Werk Jesu am Kreuz errettet, damit wir durch Gehorsam ein Leben in Heiligkeit führen sollen. Wir werden ermutigt, nach Heiligkeit zu streben: »Wie der, der euch berufen hat, heilig ist, seid 7


auch ihr heilig in allem Wandel!« (1. Petrus 1,15). Heiligkeit ist kein Anhängsel, sondern das eigentliche Herzstück unseres täglichen Wandels mit unserem himmlischen Vater. Wenn es um Beziehungen geht, erinnert die Bibel uns wiederholt daran, dass sich unsere Gedanken und Handlungen auf andere Menschen auswirken und von Gott ernst genommen werden, der uns befahl, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst (Matthäus 22,39). Damit du in diesem Kampf um Heiligkeit in deinen Beziehungen siegreich bleibst, musst du genau wissen, was du glaubst, und wozu. Nur dann kannst du richtig und auch augenblicklich auf schwierige Situationen reagieren, sobald sie auftreten. Zu diesem Zweck hat Gott uns sein Wort, die Bibel, gegeben. Da können wir sicher sein, klare Anweisungen in Bezug auf sexuelle Reinheit zu finden: »Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort« (Psalm 119,9). Um uns zu helfen, sein Wort zu verstehen, gibt uns Gott seinen Heiligen Geist, der uns auch motiviert und stärkt, damit wir sein Wort auf unser Leben anwenden können. Wir sind in diesem Kampf nicht allein! Die Bibel sagt uns, dass Gott diejenigen segnet, die ihm gehorchen (Psalm 18,21). Allerdings werden wir auch gewarnt: Weil Gehorsam für Gott sehr bedeutsam ist, können die Konsequenzen des Ungehorsams sehr schmerzhaft sein (Psalm 89,31-33). Obwohl Gott uns völlige Vergebung anbietet (siehe Kapitel 9), müssen wir manchmal während unseres ganzen restlichen Lebens unter den irdischen Folgen unserer Sünde leiden. An keiner Stelle wird das deutlicher als bei der göttlichen Gabe der Sexualität. Doch auch wenn wir gehorsam sind, erfüllt Gott uns nicht notwendigerweise alle unsere Wünsche. Wenn wir aber beten, 8


der Wille Gottes möge geschehen, stärkt er uns und lehrt uns Geduld. Denn zum Glauben gehört das Vertrauen, dass seine Vorsorge und sein Timing für uns das Beste sind. Wir hoffen, dass dieses Buch dir helfen wird, mehr über Gottes Wege und Absichten mit dir auf diesem Lebensgebiet zu erfahren. Und wir beten dafür, dass es dir helfen möge, einen ebenen und klar vorgezeichneten Weg für deinen Fuß zu finden (vgl. Sprüche 4,26).

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2 Ehelosig keit und Heir at

Es gibt nur zwei Lebenszustände Wir alle beginnen unser Leben als Singles (und in diesem Buch verstehen wir darunter immer nur Leute, die nicht verheiratet sind). Wenn du dieses Buch liest, bist du höchstwahrscheinlich noch nicht verheiratet, also noch ein Single. Doch wenn du trotzdem ein Buch mit dem Titel Werde Beziehungsweise liest, schließen wir daraus, dass du dich fragst, ob du ewig ledig bleiben sollst. Es gibt nur zwei Weisen zu leben. Entweder man ist ledig, oder man ist verheiratet. Und beide Zustände sind Gottes Gaben. Die Bibel macht es deutlich, dass Unverheiratetsein eine Gabe ist, die alle Christen besitzen, wenn sie nicht – oder bis sie – die andere Gabe erhalten: das Verheiratetsein (1. Korinther 7,7). Beides als Gaben anzusehen, bedeutet, Gott vertrauen zu können, dass er unsere Lage im Griff hat und dass er unsere Umstände zum Guten für uns und für andere benutzen wird – einerlei, ob wir ledig oder verheiratet sind.

Wie können wir Gott mit unserem Leben gefallen? • Es gibt zwei Lebenszustände, die Gott gefallen: Man kann ledig und sexuell nicht aktiv sein oder verheiratet und sexuell aktiv sein (Matthäus 19,3-12). • Suche mehr als alles andere Gottes Ehre (Matthäus 6,33).

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Ehelosigkeit – eine Gottesgabe1 Ledig zu sein, erlaubt einem Christen, dem Herrn auf eine Weise zu dienen, die Verheirateten unmöglich ist. Paulus schreibt in 1. Korinther 7,32-34: »Ich will aber, dass ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist um die Dinge des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefalle; der Verheiratete aber ist um die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefalle. Es ist ein Unterschied zwischen der Frau und der Jungfrau. Die Unverheiratete ist um die Dinge des Herrn besorgt, damit sie heilig sei, sowohl am Leib als auch am Geist; die Verheiratete aber ist für die Dinge der Welt besorgt, wie sie dem Mann gefalle.« Jesus sagt uns, dass es Menschen gibt, die »um des Reiches der Himmel willen« ledig bleiben (Matthäus 19,12). Für einige mag das eine Zeit lang gelten; aber für andere kann die Ehelosigkeit lebenslang andauern. Einige Menschen erkennen auch, dass Gott sie für einen bestimmten Zweck als Singles beiseitegesetzt hat, etwa für einen Missionsdienst in einer speziellen Situation, in der es schwierig wäre, verheiratet zu sein. Aber für viele Unverheiratete scheint Gott seine Pläne nur Schritt für Schritt zu offenbaren, und es ist nicht sicher, ob sie für eine längere oder eine kürzere Phase ihres Lebens ledig bleiben. Gott kann neue Tatsachen schaffen und alle Dinge sehr schnell verändern. Sich selbst als Single zu erleben, kann mitunter schwierig erscheinen; aber wir dürfen nicht vergessen, dass alle, die »um des Reiches der Himmel willen« etwas drangeben, hundertfach belohnt werden – sowohl in diesem Leben als auch in der Ewigkeit (Matthäus 19,29). 1

Siehe Al Hsu, The Single Issue, IVP, 1998. Dort erfährst du mehr zu diesem Thema.

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Single zu sein, erlaubt dir, ein Leben ungeteilten Dienstes für den Herrn zu führen. Ja, die ganze betreffende Gemeinde wird durch eine ledige Person gesegnet, die Gott, der Gemeinschaft der Gläubigen und ihrem gesamten Umfeld in dieser Weise dient. Mark beschreibt seine Erfahrungen als Lediger: Ich habe oft den wohlgemeinten Druck von Familienangehörigen und Freunden erlebt, die meinen – oft ohne es auszusprechen –, dass Ledigsein unnormal ist und unter allen Umständen vermieden werden sollte. Doch als einer, der ein Leben in Reinheit geführt hat, weiß ich: Wenn ich verheiratet wäre und eine Familie hätte, wäre ich nicht in der Lage gewesen, die vielen Dinge für Gott zu erreichen, zu denen ich imstande war. Die Anforderungen von Arbeit und Familie wären miteinander unvereinbar gewesen. Ich habe Zeiten erlebt, in denen ich mich einsam fühlte (aber ich kenne auch einige Beispiele, bei denen die Eheleute nicht zueinanderpassen und völlig unbefriedigende Ehen führen, in denen man äußerst einsam ist). Allerdings habe ich den Wert vertrauenswürdiger und gottgemäß lebender Freunde erkannt, und mit deren Hilfe wurde mein Leben als Single ein sehr erfüllendes. Kein Leben außerhalb des göttlichen Willens kann uns Erfüllung geben. Ganz wichtig ist, dass man zufrieden wird mit der jeweiligen Lebenslage, zu der uns Gott berufen hat.

Gott hingegebene Christen sollten ihre Gabe des Ledigseins wegen der damit verbundenen vielen Freiheiten nicht leichtfertig aufgeben. Gott hat bestimmt, dass die Stellung, in der du dich augenblicklich befindest, über dein Sexualverhalten entscheidet. Bist du ledig, erwartet Gott von dir, sexuell inaktiv zu sein (früher sprach man vom »Keuschsein«). Wir wissen das aus dem 13


Gespräch Jesu mit seinen Jüngern in Matthäus 19. Dort vergleicht Jesus ledige Menschen mit den »Eunuchen«, die man gewaltsam sexuell inaktiv gemacht hat (Matthäus 19,11-12).

Ehelosigkeit … … ist eine Gottesgabe (1. Korinther 7,7). … gewährt dir die Freiheit, für den Herrn zu arbeiten, ohne die Sorgen und Verpflichtungen berücksichtigen zu müssen, die mit einer Ehe verbunden sind (1. Korinther 7,32-35). Gründe für die Ehelosigkeit • Einige Menschen sind Singles und sexuell inaktiv, ohne es sich ausgesucht zu haben (Matthäus 19,12a). • Manche haben sich die Ehelosigkeit und die sexuelle Inaktivität um des Himmelreichs willen ausgesucht (Matthäus 19,12b).

Die Ehe – eine Gabe Gottes Die Ehe ist ebenfalls eine Gabe Gottes. Sie ist eine Schöpfungsordnung Gottes und soll eine von Liebe geprägte Gemeinschaft sein. Er schuf Adam und sah: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei« (1. Mose 2,18). Darum schuf er Eva, die er Adam als Frau zur Seite gab, wodurch die Ehe als göttliche Einrichtung eingeführt wurde. Der Mann und seine Frau sollen sich lieben, füreinander sorgen und sich gegenseitig unterstützen. Gott plante die sexuelle Intimität als wunderbare Gabe (1. Mose 2,24), um das Band der Liebe zwischen 14


einem Ehemann und seiner Frau zu stärken und als Mittel, Kinder zu bekommen. Nach Gottes Gedanken soll die Ehe die Grundlage jeder Familie sein. Es ist Gottes Absicht, dass die Kinder Nutzen daraus ziehen, in eine Familie hineingeboren und in ihr aufgezogen zu werden, denn jede Familie soll sich auf die Sicherheit einer Ehe gründen. Aus Untersuchungen wissen wir, dass die beste Voraussetzung für die Entwicklung von Kindern eine intakte Familie ist. Ein Kind gewinnt Stärke und erfährt Geborgenheit, wenn es weiß, dass sein Vater und seine Mutter sich gegenseitig versprochen haben, in Liebe miteinander verbunden zu bleiben, was auch immer kommen mag (Maleachi 2,15). Dadurch, dass in einer Ehe Kinder geboren werden, hat es Gott gefallen, eine Generation nach der anderen aufwachsen zu lassen, damit sie alle für seine Welt arbeiten und sich um sie kümmern. So sollen alle Generationen seinen Befehl ausführen, fruchtbar zu sein, sich zu mehren, die Erde zu füllen und sie sich untertan zu machen (1. Mose 1,28). Es ist Gottes Absicht, dass alle Völker und ihre Gesellschaften aus den »Bausteinen« der einzelnen Familien aufgebaut werden, deren Grundlage die Ehe ist. Die Bibel stellt sehr deutlich heraus, dass alles sexuelle Verlangen seine Erfüllung in der Ehe findet und dass im Allgemeinen alle Verheirateten auch sexuell aktiv sein sollen. In 1. Korinther 7,5 ermahnt Paulus die Verheirateten: »Entzieht euch einander nicht, es sei denn etwa nach Übereinkunft eine Zeit lang, um zum Beten Muße zu haben.« Ein wichtiger Grund dafür, eine Ehe in Betracht zu ziehen, sind die andauernden Kämpfe mit unerfüllten sexuellen Wünschen. Paulus rät Unverheirateten, die sich sexuell nicht unter Kontrolle halten können, zu heiraten; »denn es ist besser zu 15


heiraten, als sich in Begierde zu verzehren« (1. Korinther 7,9; Luther 1984).

Man muss wissen, was »Ehe« bedeutet Es versteht sich von selbst, dass viele daran interessiert sind, eine von Liebe geprägte Beziehung zu jemandem vom anderen Geschlecht aufbauen zu können. Weil es Liebe, Sexualität und heißes Begehren gibt, wird Dichtern und Liederschreibern nie der Stoff ausgehen, werden Kinogänger fieberhaft auf den nächsten Liebesfilm warten und Partnervermittlungs- und Werbeagenturen weiterhin gute Geschäfte machen. Durch derartige und andere Einrichtungen werden gegenwärtig in unserer Gesellschaft »One-Night-Stands« und Kurzzeit-Beziehungen angeboten, empfohlen und unterstützt, und dass man einfach zusammenlebt, ist inzwischen »normal« geworden. Mitten in all dem Durcheinander und angesichts all dieser Verlockungen und des ausgeübten Drucks ist es notwendig, den Kopf freizubekommen, um zu überlegen, worum es bei einer Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau überhaupt geht – oder zumindest gehen sollte. Um das in den Blick zu bekommen, müssen wir uns an die Bibel wenden. Dort finden wir die einzigartige Weisheit, die uns nur der Schöpfer mitteilen kann. Das Wissen darum, was ein Marathonlauf ist, welche Entfernung zu bewältigen ist und welche Anforderungen er mit sich bringt, beeinflusst die Art und Weise, wie sich ein Läufer auf das Rennen vorbereitet. Genauso sollte die Kenntnis über das Wesen der Ehe alle unsere romantischen Vorstellungen und sexuellen Interessen beeinflussen. Aus diesem Grund 16


wollen wir jetzt einige Details anschauen, die uns in der Bibel über die Ehe mitgeteilt werden.

Der Plan für die Ehe Die Ehe wurde von Gott im Voraus geplant; wie wir bereits erwähnt haben, ist sie eine seiner Schöpfungsordnungen. Der erste Mann und die erste Frau, Adam und Eva, wurden diesem Plan zufolge zu dem ersten Ehepaar und bildeten also ein Muster, dem Männer und Frauen in Zukunft zu ihrem Segen und Wohlergehen folgen sollten. Hier nun die Worte vom Beginn des 1. Buches Mose, die das erste Mal etwas über die Ehe sagen: »Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein« (1. Mose 2,24).

Mit diesen und anderen Worten der Bibel hat Gott uns offenbart, worum es in der Ehe geht. Gottes Wesensart spiegelt sich in ihrer Planung mindestens in dreierlei Hinsicht wider: Erstens ist der Plan für die Ehe weise. Das Wesen der Ehe sollte uns dazu bringen, die durch den Psalmisten beschriebene Wahrheit zu erkennen: »HERR, wie sind deine Werke so viele! Du hast sie alle in Weisheit gemacht« (Psalm 104,24; Schlachter 2000). Gott selbst hat von Anfang an bestimmt, wie die Ehe sein soll. In der Tat liegt ihre höchste geistliche Bedeutung darin, ein Bild von der Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde zu sein, wovon Epheser 5,25 spricht. Man sollte darum nicht versuchen, sie nach Belieben umzudeuten. 17


Aus 1. Mose 2,24 lernen wir, dass Gott die Ehe als eine ausschließliche Beziehung plante. Damit ist gemeint, dass sie nur zwischen einem Mann und einer Frau besteht. Und dann betont dieser Vers eine weitere Seite des göttlichen Plans, nämlich die Tatsache, dass durch die Ehe zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts zusammengebracht werden. Nach Gottes Gedanken sind Männer und Frauen unterschiedlich – nicht nur körperlich, sondern auch, was ihr Fühlen und ihr Denken betrifft. Wegen dieser Unterschiede haben Männer und Frauen unterschiedliche Rollen in der Ehe. Gott bestimmte Eva zu Adams Helferin und Gefährtin (1. Mose 2,18). Es ist Gottes Absicht, dass beide, Mann und Frau, in ergänzender Weise zusammenarbeiten, sodass sowohl sie als auch ihre Kinder daraus Nutzen ziehen. (Sich ergänzen bedeutet, auf unterschiedliche Weise zum Wohl beider zusammenzuarbeiten.) Als Haupt der Familie sollte der Mann die Familie führen (Epheser 5,23) und die letzte Verantwortung für deren Versorgung übernehmen, indem er sie vor Bedrohungen schützt (Epheser 5,28-29) und die Kinder belehrt (Epheser 6,4). Seine Frau soll sich ihm unterordnen und ihn in diesen Verantwortlichkeiten unterstützen (Epheser 5,22), wobei sie zumeist in besonderer Weise die Haushaltsführung übernimmt, das Essen für die Familie bereitstellt und sich um die Kinder kümmert. Das wird uns sehr anschaulich in dem Bild von der »tüchtigen« Hausfrau in Sprüche 31,10-31 vorgeführt, wobei allerdings unter besonderen Umständen, wie etwa bei Krankheiten, die praktischen Verantwortlichkeiten in anderer Weise wahrgenommen werden müssen. Zweitens ist der Plan für die Ehe gut. Alles, was Gott geschaffen hat, ist »sehr gut« (1. Mose 1,31). Nach Gottes Gedanken soll die Ehe ein Segen sein – sowohl für das ver18


heiratete Paar als auch für alle, mit denen es zu tun hat. Wir mögen von Ehen wissen, die durch unweise Entscheidungen und sündige Handlungen Schaden genommen haben; aber es ist wichtig, daran zu denken, dass der ursprüngliche Plan ausgezeichnet ist und sich als vertrauenswürdig erweist, wenn wir gehorsam und weise damit umgehen. Das wird von Gott in vielen Bibelversen bestätigt, zum Beispiel in Sprüche 18,22: »Wer eine Ehefrau gefunden hat, der hat etwas Gutes gefunden und hat Gunst erlangt von dem HERRN« (Schlachter 2000). Drittens ist der Plan für die Ehe heilig. Zu Recht spricht man daher vom »heiligen Ehestand«. Und das nicht deshalb, weil ein Pastor in einem kirchlichen Gebäude eine entsprechende Zeremonie vollzogen hat, sondern weil es sich um eine sehr besondere Beziehung handelt, die sich von allen anderen unterscheidet und von Gott eingesetzt wurde. Das gilt auch für die sexuelle Intimität, die eine körperliche Vereinigung darstellt und noch weit darüber hinausgeht: Die Eheleute sollen eine Einheit nach Geist, Seele und Leib sein. Aus diesem Grund müssen wir, wenn wir über Ehe und Sexualität sprechen, dies vorsichtig und respektvoll tun. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass wir heiligen Boden betreten, wenn wir über Heiratsabsichten und Intimität reden. Wir sind vor Gott für alles verantwortlich, was wir tun. Das gilt auch, wenn wir die Ehe oder die sexuelle Intimität in den Schmutz ziehen oder in Misskredit bringen. Es ist ebenso wichtig, die Ehen derjenigen zu respektieren, mit denen wir zu tun haben – sei es in der Gemeinde oder in anderen zwischenmenschlichen Situationen.

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Die Ehe … … ist eine Schöpfungsordnung Gottes (1. Mose 2,24 und Matthäus 19,4-5). … ist eine Gabe Gottes (1. Korinther 7,7). Die Ehe – eine Schöpfungsordnung Gottes … … damit die Ehepartner Gemeinschaft haben können (1. Mose 2,18). … damit sie Kinder zeugen und aufziehen können (1. Mose 1,28).

Wie soll eine Ehe aussehen? Das Wichtigste bei einer Ehe ist die Bildung einer neuen Familie. Wenn ein Mann heiratet, muss er »seinen Vater und seine Mutter verlassen«. Bei der Hochzeit wird die Braut in der Regel von ihrem Vater hineingeführt, bevor sie am Ende mit ihrem Mann wieder hinausgeht. Damit wird sinnbildlich dargestellt, dass Mann und Frau ihre Eltern verlassen und sich zusammentun, um als verheiratetes Paar eine neue Familie zu gründen. Wenn Mann und Frau geheiratet haben, sind sie in vielen wichtigen Punkten »vereinigt«. Diesbezüglich am offensichtlichsten ist, dass sie zusammenwohnen und alles teilen: Entscheidungen, Nahrung, Geld, Nachnamen und Ferien. Sie vereinigen auch ihre Körper in sexueller Intimität, was in der Bibel als »ein Fleisch werden« beschrieben wird. Die Reihenfolge, in der das geschieht, ist sehr bedeutsam. Gottes Plan für die Ehe ist, dass Mann und Frau ihre elter20


lichen Familien verlassen, in einer Ehe verbunden sind und dann mit Leib und Seele eins werden, wozu auch die sexuelle Vereinigung gehört. Heute entscheiden sich in unserer Gesellschaft viele dafür, diese von Gott gegebene Ordnung zu ignorieren. Gewöhnlich werden sie außerhalb oder schon vor der Ehe sexuell aktiv. Andere versuchen, eine neue Familie zu gründen, bevor sie wirklich ihre Elternhäuser verlassen haben. Die Missachtung dieser göttlichen Ordnung kann zu allen möglichen Problemen führen.

Die Verheißungen für die Ehe Die Bibel beschreibt die eheliche Beziehung als einen »Bund« (Maleachi 2,14). Das kann man als dauerhafte Verpflichtung zwischen zwei Parteien definieren, die durch abgelegte Versprechen zum Ausdruck gebracht wird. Diese Versprechen werden bei der Hochzeit von dem Ehemann (dem Bräutigam) und der Ehefrau (der Braut) abgelegt. Sie sind auch als Gelübde bekannt und werden vor Gott und allen bei der Hochzeit Anwesenden gemacht. Hier kannst du ein Trauversprechen sehen, dessen Wortlaut vielfach gebraucht wird: Ich, [Name], nehme dich, [Name], zu meinem Mann/meiner Frau, um mit dir zu leben und mit dir zu gehen – von diesem Tag an und immerfort, in guten und in schlechten Zeiten, in Reichtum und in Armut, in Krankheit und Gesundheit, dich zu lieben und zu schätzen, 21


bis dass der Tod uns scheidet, gemäß Gottes heiligem Gesetz und nach diesem meinem feierlichen Eid.

Die Worte eines solchen Gelübdes drücken die Liebe aus, die Braut und Bräutigam füreinander empfinden. Der Ausdruck schätzen wird heute meist in einem anderen Sinn gebraucht. Er drückt aus, dass die gesamte Persönlichkeit des anderen einen hohen Wert für den darstellt, der das sagt. Ehemann und Ehefrau »schätzen« sich gegenseitig, wenn sie sich füreinander einsetzen und einander nur das Beste wünschen. Diese Art von Liebe könnte man als bedingungslos und zuverlässig bezeichnen. Und diese Zuverlässigkeit wird vor allem in dreifacher Hinsicht ausgedrückt. Erstens zeigt sie sich in der Zuneigung füreinander – einerlei, wie sich die finanziellen oder gesundheitlichen (oder wie auch immer gearteten) Umstände während der Ehe entwickeln. Das wird klar mit folgenden Worten ausgedrückt: »… in guten und in schlechten Zeiten, in Reichtum und in Armut, in Krankheit und Gesundheit.« Zweitens hat Gott vorgesehen, dass die Ehe lebenslang Bestand hat und erst mit dem Tod des Mannes oder der Frau endet. Sie müssen einander in allen Lebenslagen die Treue halten – bis hin zu den Schwächen des Alters (falls Gott ihnen ein hohes Alter schenkt) und sogar bis zum Tod (»bis dass der Tod uns scheidet«). Drittens versprechen sie, einander treu zu sein. Indem sie gleichsam alle anderen verlassen, gehen sie eine ausschließliche Beziehung ein. Sexuelle Intimität soll nach Gottes Gedanken die Liebe zwischen Mann und Frau stärken. Darum sollten sie alles vermeiden, was sie dazu bringen könnte, das Gebot »Du sollst nicht ehebrechen« zu übertreten. Dieses 22


Gebot zu übertreten, kann auch schon bedeuten, Gedanken im sexuellen Bereich nachzuhängen, wenn es da um jemand anderen geht als um den eigenen Mann/die eigene Frau (Matthäus 5,28), und das gilt natürlich ebenso für entsprechende Worte und Handlungen. Dieses Ehe- oder Trauversprechen zu halten, ist sehr wichtig, um die Liebe in der Ehe aufrecht zu halten. In diesem Versprechen liegt die Sicherheit, die der Entscheidung entspringt, sich gegenseitig bedingungslos zu lieben. Sie erlaubt es dem Paar, all die Jahre hindurch einander zugetan zu bleiben. Dietrich Bonhoeffer beschrieb diese Wahrheit sehr klar mit den Worten: »Nicht eure Liebe trägt die Ehe, sondern von nun an trägt die Ehe eure Liebe.«2

Die Liebe in der Ehe Der Gedanke zu heiraten beginnt oft mit romantischen Gefühlen. Wir können sicher sein, dass Gott von verheirateten Paaren romantische Liebe füreinander erwartet. Das Hohelied Salomos ist eine ergreifende Beschreibung der romantischen Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, die der ehelichen Gemeinschaft freudig entgegensehen und dann vor Freude jubeln über das Glück, in der Ehe vereint zu sein. Die Liebe der beiden zueinander wird mit Aussagen wie der folgenden beschrieben: »Du hast mir das Herz geraubt mit einem deiner Blicke« (Hoheslied 4,9). Ein Mann, der seit mehr als einem Jahrzehnt verheiratet ist, schrieb: 2

Traupredigt aus der Zelle (1943), zitiert in: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Hrsg. E. Bethge, München: Christian Kaiser Verlag, 1951, S. 42f.

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Liebe lässt sich schwer beschreiben, ist aber unmissverständlich, wenn man sie erlebt. Liebe ist ein Blick, ein Lächeln, eine Berührung, ein Gefühl jenseits aller Worte und hat nicht ihresgleichen. Ganz wundersam und unerwartet erlebst du sie in der Ehe, zusammen mit der Person, die du liebst.

Wir sollten anmerken, dass diese Art der Liebe notwendigerweise aufopferungsvoll ist. Die Bibel lehrt, ein Ehemann solle seine Frau so lieben, »wie auch der Christus die Gemeinde geliebt … und sich selbst für sie hingegeben hat« (Epheser 5,25; Schlachter 2000). Außerdem soll er seine Frau so lieben wie seinen eigenen Körper (Epheser 5,28). Die mit der Ehe verbundenen Verpflichtungen sind für die Ehefrau genauso anspruchsvoll. Sie wird belehrt, sich ihrem Mann unterzuordnen wie dem Herrn (Epheser 5,22). Beide Rollen stellen Herausforderungen dar. Es ist nicht leicht, ein Ehemann oder eine Ehefrau zu sein, wie es Gott vorgesehen hat. Wie ganz anders sieht die Art der Liebe aus, die von Gefühlen und sexuellen Motiven gesteuert und von den Medien propagiert wird! Da geht es vor allem um Selbstverwirklichung und nicht um Selbstaufopferung. Augenblicksgefühle sind da entscheidend, nicht lebenslange Hingabe! Solch ein Denken hat das Bild von der Ehe – sogar bei Christen – beeinflusst. Die Ehe ist umdefiniert worden, sodass es mehr um Selbstverwirklichung als darum geht, sich einander treue und selbstaufopfernde Liebe zu versprechen. Bei so hohen Erwartungen an die Selbstverwirklichung können schon die geringsten Schwierigkeiten oder die kleinsten gefühlsmäßigen Tiefpunkte als ein Scheitern der Ehe ausgelegt werden, statt dass man sie als Möglichkeiten erkennt, die Hingabe des einen an den anderen durch geduldige Beziehungsarbeit auszudrücken. 24


Manchmal müssen sich Mann und Frau einfach dafür entscheiden, einander zu lieben. Das ist dann eine Entscheidung, die letztlich nicht von ihren Gefühlen oder von dem abhängt, was in ihrer Ehe passiert. Wenn zwei Sünder ganz nah zusammenwohnen und ihr Leben, ihre Zeit und ihre Besitztümer miteinander teilen, so ist das alles nicht immer leicht. Es mag da Zeiten geben, in denen die natürlichen Gefühle und die körperlichen Anziehungskräfte durch das Alter und die Erfordernisse des Ehelebens beeinträchtigt werden. Dann muss das Paar sich dafür entscheiden, die tiefe Zuneigung zueinander von Neuem zu entfachen, indem die beiden die Vertrautheit zueinander wieder genießen, die Interessen der anderen Person vor die eigenen stellen und Gott füreinander danken und sich an die Versprechen erinnern, die sie am Hochzeitstag abgelegt haben. Auf diese Weise dürfen Eheleute erwarten, dass sich ihre gegenseitige Liebe vertieft, statt über die Jahre hinweg abzunehmen. Der Herr wird diesen Prozess auch dazu benutzen, das Wachstum in der Heiligung zu fördern – sowohl bei dem Mann als auch bei der Frau.

Die Ehe ist etwas Öffentliches Das Trauversprechen wird in der Öffentlichkeit gegeben. Das geschieht nicht nur deshalb, weil alle gern an einer schönen Hochzeitsfeier teilnehmen wollen! Vielmehr besteht ein wesentlicher Aspekt der Ehe darin, dass sie in der Öffentlichkeit geschlossen wird. Überall in der Bibel wie auch in der gegenwärtigen Gesellschaft wird die Ehe öffentlich anerkannt. Die Ehe hat immer noch eine wichtige öffentliche wie auch eine persönliche Dimension. Die Gesellschaft wird verändert 25


und gestärkt, wenn ein Mann und eine Frau ihre Herkunftsfamilien verlassen und als Paar eine neue, stabile Familie gründen. Familien, in denen die Eltern miteinander verheiratet sind, sind die »Bausteine« der Gesellschaft und sorgen für ihre Stabilität. Im Gegensatz dazu wird eine große Anzahl chaotischer und dauernd wechselnder Beziehungen zu einer weniger stabilen Gesellschaft führen. Man kann die Schwächung der Gesellschaft heute überall spüren. Das kommt daher, weil die Ehe von vielen abgelehnt wird und von der steigenden Scheidungsrate bedroht ist.3 Dadurch, dass die Ehe öffentlichen Charakter hat, kann man sowohl den Ehemann als auch die Ehefrau für die abgelegten Versprechen zur Verantwortung ziehen. Darüber hinaus wird dadurch den anderen klar, dass dieses Ehepaar nicht mehr »zur Verfügung steht«. Und schließlich werden Verwandte und Freunde dadurch an ihre Verantwortung erinnert, das Paar fortwährend in ihrer Ehe zu bestärken. Außerdem wird die Ehe rechtsverbindlich und vor Zeugen geschlossen.

Der Plan für die Ehe • Sie soll lebenslang Bestand haben (Matthäus 19,6b). • Sie soll für einen Mann und eine Frau gelten (Matthäus 19,4-5). • Es sollte jeweils nur ein Mann mit einer Frau verheiratet sein (1. Korinther 7,2).

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In Bezug auf weitere Informationen siehe S. James, The Meaning of Marriage, Twickenham: Family Education Trust, 2013.

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