Rock-, Popund Technomusik und ihre Wirkungen Eine wissenschaftliche und biblische Untersuchung Adolf Graul
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Adolf Graul
geboren in Bremen, befasste sich seit früher Kindheit mit Musik und absolvierte ein umfangreiches Musikstudium an verschiedenen Musikinstituten (Pianist, Chor- und Orchesterleitung, Kirchenmusik). Langjährige berufliche Erfahrungen als Kirchenmusiker, Musiklehrer, Liedbegleiter, Korrepetitor und Bezirkskantor folgten sowie weitere musikpädagogische Tätigkeiten als Schulmusiker und am Institut für Kirchenmusik der Universität Erlangen-Nürnberg sowie als Dozent, zuletzt 22 Jahre lang an der Musikhochschule Trossingen. Aufgrund der vielen Meinungsverschiedenheiten und Erfahrungen im Gebrauch zeitaktueller Rock- und Popmusikstilarten in christlichen Gemeinden erforschte er viele Jahre lang die Wirkungsweisen dieser Beatmusikstilarten anhand gesammelter wissenschaftlich fundierter Forschungsergebnisse, die sich bis in den Bereich der Neurologie erstrecken. In diesem Buch werden Grundauswirkungen bestimmter Musikstrukturen, die zu nachhaltig prägenden Veränderungen menschlicher Gemütszustände und Erwartungshaltungen führen können, aufgezeigt. Demgegenüber werden die Orientierungsmassstäbe der Schöpfungsordnung sowie diesbezügliche biblische Informationen entgegengehalten, welche eine von Gott erwartete anders geartete Ausrichtung menschlicher Gemüts- und Lebenshaltungen verdeutlicht. In der vergleichenden Betrachtung der aufgezeigten Sachverhalte können dem christlichen Leser dieses Buches wichtige Entscheidungshilfen vermittelt werden zur rechten Auswahl entsprechender Musik.
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Rock-, Popund Technomusik und ihre Wirkungen Eine wissenschaftliche und biblische Untersuchung Adolf Graul
Verlag Mitternachtsruf
Christliche Literatur-Verbreitung
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Copyright: Verlag Mitternachtsruf Ringwiesenstrasse 12a CH 8600 Dübendorf Verlag Mitternachtsruf Kaltenbrunnenstrasse 7 DE 79807 Lottstetten Internet: www.mitternachtsruf.com E-mail: post@mitternachtsruf.ch Rock-, Pop- und Technomusik und ihre Wirkungen Eine wissenschaftliche und biblische Untersuchung
MNR: ISBN 978-3-85810-278-2, Bestell-Nr. 187890 CLV: ISBN 978-3-86699-227-6, Bestell-Nr. 256227 2. Auflage September 2010 Bearbeitung: Lothar Gassmann Umschlag, Satz und Layout: Gabriel Malgo Herstellung: Bercker, Kevelaer Hinweis auf die verwendeten Bibelübersetzungen: Wenn nicht anders vermerkt, zitieren wir die Lutherübersetzung 1912. Die Abkürzung «r.Elb.» steht für die revidierte Elberfelderübersetzung, die Abkürzung «ur.Elb.» für die unrevidierte Elberfelderübersetzung. Die Abkürzung «Schl.» für die Schlachterübersetzung.
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Zum Inhalt Vorwort ...................................................................................... 9 Einleitung.................................................................................. 11 1. Musik in der Gemeinde Christi war ursprünglich rein wort-orientiert .....................................................................16 2. Gewährleistet künstlerische Qualität von Musik auch immer geistliche Auferbauung? .......................................................16 3. Kann Musik den geistlichen Zielen christlicher Gemeinden dienen? ............................................................................... 21 4. Warnende Stimmen gegen die Verwendung von Rock- und Popmusik ...........................................................23 5. Argumentationen der Verteidiger christlicher Rock- und Popmusikstile ......................................................................27 6. Unterschiedliche Musikstile mit unterschiedlichen Wirkungen. .........................................................................34 7. Musik als Ausdrucksträger von Emotionen, einsetzbar zur Manipulation der Gefühle ....................................................36 8. Selbstdarstellungen bekannter Rockmusiker, ihre Lebensgrundhaltungen und Ziele ....................................................42 9. Objektive Kriterien und biblische Massstäbe für die Melodiequalität geistlicher Lieder. ........................................ 51 10. Welche Lebenshaltungen und Bewusstseinszustände erwartet Gott von uns? .........................................................53 11. Musik kann Lebensgefühle übermitteln, welche eine geistliche Anbetung verhindern ............................................57 12. Musikalisches «Vokabular» zum Ausdruck unterschiedlicher Gefühlsrichtungen .....................................61 13. Die gegenseitige Beeinflussung körperlicher und seelischer Empfindungen .....................................................................63 14. Klangüberflutungen – Kommunikation auf falscher Ebene .....65 15. Taktmotorische Musikstile im Gegensatz zu atemrhythmisch geprägter Musik .........................................................66
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16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38.
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Die «musikalische» Zeit – eine «psychische Dauer» ................71 Takt als Zerstörer des Rhythmus ...........................................73 Taktmotorik oder Melodik ....................................................75 Unterschiedliche Gefühlsbewegungen durch unterschiedliche Musikrhythmik ...........................................................75 Körperliche Stimulation bei Rockmusik .................................76 Steigerungen der Körperstimulans mittels Synkopen und Offbeats bis zur Ekstase .......................................................79 Harmonik und lebendiger Rhythmus – ein Naturphänomen der Schöpfungsordnung .............................84 Schöpfungsfremde stereotype Wiederholungsstrukturen ........95 Unorganische Tempobeschleunigungen bei Technomusik .......97 Die musikalische Erwartungshaltung der Hörer und ihr Wachbewusstsein ............................................................. 101 Zerstörung des Wachbewusstseins mittels Musik ................. 103 Trommelrhythmen ............................................................. 107 Unharmonische Obertonspektren taktrhythmisch getrommelt........................................................................ 109 Moderner Schamanismus – elektronisch verstärkt ...............110 Vorsätzliche Manipulationen mittels Infra-Klang über dominante Frequenzen ..................................................... 114 Verzerrte Obertonspektren als aggressive Reizmittel ............ 117 Elektronische Verzerrung ehemals natürlich klingender Instrumente ...................................................................... 120 Generationskonflikte, gefördert durch spezielle Taktrhythmik der Hardrockmusik ............................................123 Welchen Ausdruckscharakter trägt der Rock- und Popmusik-Groove? .............................................................125 Ursachen von Gemeindespaltungen zwischen Jugendlichen und älteren Christen ..........................................................128 Der Mensch, nur ein «Gewohnheitstier»? .............................129 Durch Einfluss der Massenmedien zunehmender Trend zur Körperstimulans ................................................................132 Konditionierung des Musikgeschmacks mittels taktrhythmischer Musikstile .....................................................133
39. Umfunktionierung klassischer Konzertmusik zu körperstimulierender Musik ...............................................137 40. Drogenspezifische Wirkungen ............................................139 41. Lobopfer, welche Gott gefallen oder uns gefallen? ................ 141 42. Schriftworte im Zusammenhang mit Lobpreisungen durch Lieder in der Gemeinde ......................................................142 43. Führen zeitaktuelle Popmusikstilarten in eine bibelgemässe Anbetung? ....................................................143 44. Geistliche Ausrichtung nach 1. Korinther 2,14 und anderen Bibelaussagen ...................................................................147 45. Kriterien für geistliche Loblieder .........................................149 46. Das Wesen einer Anbetung im Geist ..................................162 47. Tranceartige Empfindungen – erzeugt mittels «körperloser» Musik ...........................................................165 48. Die Tempelmusik der Israeliten im Alten Bund ....................168 49. Nur geistlich geeignete Boten zur Übermittlung göttlicher Botschaften .......................................................................169 50. Der Gebrauch von Schlagzeuginstrumenten im alten Israel ..172 51. Bewusstseinsveränderungen durch motorische Taktrhythmik ohne Lebensodem ...............................................174 52. Die unterschiedlichen Auswirkungen von Rock- und Technomusik .....................................................................176 53. Ausbildung «biologischer Resonanzböden» für naturwidrige Taktrhythmen?...............................................180 54. Wessen Geistes «Resonanzböden» lassen wir in uns zu?.......183 55. Die Sucht nach extremen Sinnesreizen ................................192 56. Hatte der Apostel Paulus seine Evangelisationsmittel heidnischen Kulturstilen angepasst? ....................................196 57. Berührung geistlicher Anknüpfungspunkte im Lebensbereich der Ungläubigen ...................................................198 58. Ein bemerkenswertes Erfolgsbeispiel belehrt uns über Evangelisationsmethoden ...................................................199 59. Das Urteil des Galaterbriefes .............................................. 200 60. Tanz zur Anbetung? ........................................................... 201 61. Wirkungen falsch praktizierter «Anbetungsmusik»............... 205
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62. Gruppendynamische Kommunikation mittels Musik ............ 208 63. Biblische Kriterien für die Melodiestruktur geistlicherLieder ..211 64. Fehlentwicklungen bei Vertonung biblischer Texte durch katholische Gregorianik ..................................................... 217 65. Musikwirkungen können Wortbotschaften verdrängen ........ 219 66. Musik ist – geistlich beurteilt – nicht wertneutral ................ 220 67. Der seelische Empfindungsbereich – ein Einfallstor für verführerische Kräfte .........................................................223 68. Verführung über Gefühlsveränderungen ..............................224 69. Biblische Warnungen .........................................................228 70. Einblick und Ausblick ........................................................229 71. Christlicher Musikgebrauch erfordert wohlüberlegte Musikauswahl ...................................................................234 72. Zusammenfassung der aufgezeigten Richtlinien als Raster der Kriterien für den Gebrauch von Musik und Gesang in christlichen Gemeinden .....................................................236 Literaturverzeichnis .................................................................242 Personenverzeichnis ................................................................247 Fremdwortverzeichnis .............................................................. 250 Auszüge aus wissenschaftlichen Forschungsberichten ................259 Anmerkungen.......................................................................... 313 Schautafeln ............................................................................. 314
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Vorwort
Musik übt starke und vielfältige Wirkungen auf uns aus. Sie kann fröhliche oder traurige Stimmung erzeugen. Sie kann uns zum Marschieren oder Träumen animieren. Sie kann das Herz für Gottes Wort öffnen oder verschliessen. Adolf Graul ist Fachmann auf dem Gebiet der Musik. In Bremen geboren, begann er am Konservatorium in Quedlinburg sein Musikstudium und war dort nach dem Abschlussexamen zunächst Klavierlehrer als Assistent seines Lehrers Prof. Dr. Kurt Johnen. Anschliessend setzte er sein Studium an der Musikhochschule in Halle/Saale fort und war danach als Korrepetitor und Konzertbegleiter in Weimar tätig. Dort studierte er weiter an der Franz-Liszt-Hochschule bis zum Dirigenten-Examen für Chor und Orchester. Ein Kirchenmusikstudium mit C, B und A-Prüfung folgte in Bremen neben der Tätigkeit als Musiklehrer und vollberuflicher Kirchenmusiker bis 1971. In dieser Zeit wirkte er auch bei Musiksendungen von Radio Bremen mit. 1971 folgte er einer Berufung an die Universität Erlangen als Musiklehrer und Assistent im Institut für Kirchenmusik sowie als Organist der Universitätskirche. Seit 1973 war er im kirchenmusikalischen Bereich als Bezirkskantor im süddeutschen Kirchenbezirk Tuttlingen tätig sowie 10 Jahre als Musiklehrer an einer Oberschule und 23 Jahre als Dozent an der Musikhochschule in Trossingen. Adolf Graul hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Wirkungen bestimmte Musikstile und -elemente auf den Menschen haben, insbesondere, ob alle Arten von Musik für die Übermittlung der christlichen Botschaft verwendbar sind. Die Ergebnisse seiner Forschungen legt er hiermit vor. Sie machen betroffen und rütteln auf. Zugleich können sie nach meinem Dafürhalten entscheidend zur Versachlichung in der Diskussion beitragen, ob der Einsatz von Rock-, Pop- und Technomusik in der christlichen Gemeinde zu verantworten ist oder nicht. 9
Es sei darauf hingewiesen, dass ergänzend zu diesem Buch auch eine Vortragsreihe mit ca 7 Stunden auf einer MP3-CD angeboten wird, worin auch viele Musikbeispiele zu hÜren sind. Sie ist direkt beim Verfasser1 gegen einen Unkostenbeitrag erhältlich. Dr. Lothar Gassmann
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Einleitung
Auf Grund vieler Meinungsverschiedenheiten über den Gebrauch modischer Popularmusik für die geistlichen Ziele christlicher Gemeinden hat es in den vergangenen Jahren bereits schmerzliche Gemeindespaltungen gegeben. Die vorliegende Betrachtung soll deshalb die Wirkungsweisen moderner Popularmusik und deren Stilmerkmale im Hinblick auf die Verwendbarkeit für christliche Gemeinden und deren geistliche Ziele anhand biblischer und empirisch-wissenschaftlicher Forschungsergebnisse beleuchten, um dadurch objektive Kriterien aufzuzeigen. Über das menschliche Gehör können Gefühlsbewegungen viel stärker als über das Sehen erregt oder auch verändert werden, denn zwischen dem Gehörnervensystem und einem physiologischen Gefühlszentrum des Gehirns (dem sogenannten limbischen System) bestehen direkte Verbindungen. Die akustisch wahrnehmbaren Kompositionsbausteine der unterschiedlichen Musikstrukturen können durch diese Schaltstelle zwischen Körper und Seele offenbar wie über einen Konverter in seelische Empfindungsqualitäten umgesetzt werden. Es ist kein Geheimnis, dass veränderte menschliche Emotionen oftmals die Ursache für veränderte Bewusstseinszustände sind, was schliesslich auch in entsprechende Verhaltensweisen mündet. Aus den empirisch-wissenschaftlichen Forschungen der Musikpsychologie, Musiktherapie und Musiksoziologie kann man erfahren, welche gesellschaftlichen Rollen und Zielsetzungen bestimmte Musikstile geprägt haben und wie deren verschiedene Musikstrukturen ihre entsprechenden Auswirkungen auf das Gefühlsleben der Hörer sowie auf den menschlichen Organismus haben. Doch scheinen die Wirkungsweisen spezieller Musikstrukturen, welche auch unabhängig von musikalischen Geschmacksvorbildungen grundsätzlich vorhanden sind, in vielen christlichen Gemeinden kaum bekannt zu sein. Bedenkenlos und ungeprüft benutzt man heute in vielen christlichen Versammlungen 11
die verschiedensten Musikstilarten, ohne zu hinterfragen, welche Gefühlsrichtungen in den Tiefenschichten der seelischen Persönlichkeit des Hörers dadurch bewegt werden. Wer aber bestimmt und entscheidet über den Qualitätsgrad einer Gebrauchsmusik, die für die geistlichen Zielsetzungen von Christengemeinden erforderlich sind? Etwa ein erfahrener Musikologe, ein Musikprofessor oder ein Kirchenmusikdirektor oder der Pfarrer, der Kirchengemeinderat oder Brüderrat oder die jeweilige Gemeinde durch demokratische Abstimmung zwecks Auswahl bestimmter Musikstile nach den mehrheitlichen Geschmackskriterien der jeweiligen Gemeindemitglieder? Ob der Herr der Christengemeinde, Jesus Christus, und alle Seine bewährten Diener, die Apostel und Propheten, wohl auch über den Gebrauch von Musik so entscheiden würden? Der Apostel Paulus würde darüber vielleicht heute seine Bedenken äussern im Sinne von 2. Timotheus 4,3b: «Sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst ‹Musiklehrer› aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken!?» Es sollen nun in den folgenden Betrachtungen die musikalischen Geschmacksfragen zurückgestellt werden im Hinblick auf die wichtige Frage: Welche Wünsche und Kriterien bezüglich christlichen Musikgebrauchs und den Auswirkungen auf die Gemeinden hegt denn Gott? Kann man Seinen Worten, die uns in der Bibel vorliegen, Hinweise entnehmen, inwieweit sich Musikstrukturen als Träger oder Übermittler geistlicher Wortbotschaften eignen? Bei der dazu notwendigen Erkenntnis objektiver Wirkungsmerkmale bestimmter Musikstrukturen können uns auch die empirisch-wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aus der Musikpsychologie eine Mithilfe sein. Diese Forschungsergebnisse verdeutlichen nämlich, dass gewisse Musikstrukturen ganz allgemein sogar bei Hörern unterschiedlicher musikalischer Vorbildung trotzdem gleichartige Empfindungen bewirken. Verschiedenartige kulturelle Vorbildungen der Hörerschaft beeinflussen natürlich auch bis zu einem gewissen Grad die psychologischen Wirkungsweisen von Musik, doch wird nachweislich die Qualität der Empfindungsrichtung beim Hören bestimmter Musikstilarten erstaunlich gleichartig empfunden. Dies liegt begründet in der allen Menschen schöpfungsbedingt vorgegebenen spezifischen Gehördisposition sowie den ebenfalls gleichgestalteten neuronalen Hörmechanismen. Auch 12
die vom Gehör-Nervensystem ausgehenden weiteren nervlichen Verbindungen zum sogenannten autonomen Nervensystem (z.B. den Gehirnstrukturen des limbischen Systems), das bekanntlich nicht dem menschlichen Willen unterliegt, sind primär bei allen gesundheitlich normalen Menschen in gleicher Grundstruktur vorgegeben, unabhängig von kulturellen Einflüssen. Die mittels Musik auslösbaren Nervenimpulse können den körperlichen Hormonhaushalt beeinflussen (endokrine Drüsenfunktionen), und über den unterschiedlichen Emotionsgehalt der Musik kann das Lebensgefühl der Hörer entsprechend verändert werden. Sogar bewusstseinsverändernde Auswirkungen infolge von wiederholtem Hören bestimmter Musikstrukturen konnten nachgewiesen werden. Wenn sich aber gewisse Musikstrukturen bewusstseinsverändernd auf Menschen auswirken können, so verbietet sich die Aussage vieler Zeitgenossen, welche immer wieder behaupten, dass die Musik an sich ethisch wertneutral sei. Musik, als Ausdrucksträger von Emotionen, kann auch die emotionale Befindlichkeit der Hörer entsprechend der emotionalen Ausdrucksqualität der jeweiligen Musik bewegen und verändern. Durch solche Gefühlsveränderungen entstehen bekanntlich auch veränderte Lebenshaltungen, die dann zu entsprechenden Handlungsweisen führen. Welche Arten emotionaler Lebenshaltungen nun in biblischgeistlicher Hinsicht für christliche Gemeinden nützlich bzw. schädlich sind, können wir aus den diesbezüglichen Aussagen der Heiligen Schrift erfahren. Wir sollten also prüfen, ob die Zielsetzungen Gottes auch durch unsere Musikpraxis unterstützt werden, um nach Seinen Kriterien Ihm und Seiner Gemeinde dienlich sein zu können. Das erfordert allerdings auch die Bereitschaft der musikausübenden Christen, nach Erkenntnis dieser Sachlage, ihre musikalischen Stilgewohnheiten und Geschmacksrichtungen unter Umständen zu Gunsten einer Musikauswahl, welche den biblisch-geistlichen Richtlinien entspricht, zurückzustellen. Dieser Bereitschaft zur Korrektur nach geistlichen Richtlinien betreffs aller Sing- und Musiziergewohnheiten in christlichen Gemeinden sollten sich aber nicht nur die Vertreter jener sogenannten christlichen Rock- und Popmusik unterziehen, sondern auch jene Gemeindemitglieder, welche meinen, dass allein ihre «traditionelle Art» 13
des Gebrauchs von Liedern und Musik biblisch ausgerichtet sei. Bekanntlich fordern uns einige Bibelaussagen auch zur Produktion neuer Lieder auf. Für die rechte Auswahl von Liedkompositionen nach geistlichen Richtlinien sollen in diesem Buch Hinweise und Anregungen gegeben werden. Sicherlich ist unser Wissen nur Stückwerk betreffs der letzten Geheimnisse des Zusammenwirkens der drei menschlichen Wesensschichten von Leib, Seele und Geist und in welcher unterschiedlichen Art und Weise diese mittels Musik bewegt werden können. Offenbar spielen dabei die bisher wenig erforschten quantenphysikalischen Vorgänge eine Rolle, und wir haben es darüber hinaus dann auch letztlich mit metaphysischen Auswirkungen zu tun, die nicht mehr mit physikalischen Messmethoden fassbar sind. Tragen wir aber all jene Stücke der bisher empirisch ermittelten Erkenntnisse darüber zusammen, so werden doch gewisse Zusammenhänge von objektiven Gesetzmässigkeiten bezüglich der unterschiedlichen Wirkungsweisen verschiedener Musikstrukturen auf die Psyche des Menschen erkennbar. Aber erst in der Zusammenschau mit der Gesamtaussage der Heiligen Schrift und der uns darin übermittelten geistlichen Prinzipien bezüglich einer gesunden Art und Auswahl von Musikdarbietungen werden klare Kriterien erkennbar. In dem Wunsche, dieses schwer in Worte zu fassende «Phänomen Musik» mit seinen Wirkungsweisen auch allen fachmusikalisch und musikpsychologisch nicht bewanderten christlichen Lesern verständlich darzustellen, wurden möglichst wenige fachspezifische Ausdrücke verwendet. Wichtige Kernaussagen über Musikwirkungen werden wiederholt aus verschiedenen Blickwinkeln und Zusammenhängen immer wieder neu beleuchtet, um die grundsätzlichen Gesetzmässigkeiten der Wirkung gebräuchlicher Musikbausteine verständlicher zu machen. Hierbei begrenzen sich die Ausführungen auf die in Frage gestellten zeitaktuellen Popularmusikstilarten, wobei vornehmlich die grundsätzlich verschiedenen Auswirkungen von einseitig taktrhythmischer Musikausübung gegenüber atemrhythmisch ausgerichteter Musikpraxis im Mittelpunkt stehen. Insofern ist diese Darstellung bewusst nicht in der üblichen Form einer wissenschaftlichen Darstellungsweise verfasst, sondern mehr unter seelsorgerlichen Aspekten.
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Damit dieses Buch aber nicht in die Gefahr gerät, nur als persönliche Meinung oder Geschmacksdarstellung seines Verfassers zu gelten, wurden einige der wichtigsten Fachaussagen aus den betreffenden Wissenschaftszweigen teilweise im Text eingefügt. Weil aber erfahrungsgemäss die wenigsten Leser die Zeit zur mühevollen persönlichen Nachprüfung der vielen übrigen Wissenschaftsfakten aufbringen, sind weitere Dokumentationen von entsprechenden Fachautoren nummeriert und mit eckigen Klammern [ ] gekennzeichnet und im Anhang dieses Buches aufgeführt. Um allen Lesern das Verständnis der darin oftmals sehr fachspezifischen Wortformulierungen zu erleichtern, ist auch ein entsprechendes Glossar angefügt. Einige Erkenntnisse und Fakten zum vorliegenden Thema sind aus der Sicht anderer Autoren bereits veröffentlicht worden (siehe Literaturliste), werden aber erfahrungsgemäss von den Christen, welche infolge ihrer Hörgewohnheiten auf die Stilarten der Rockund Popmusik schon konditioniert worden sind, kaum ernst genommen. Angesichts der heute deshalb immer noch aktuellen Klage aus Jesaja 5,12-14 (nach Elberfelder Übers.), wo als Ursache der Verführung eines Volkes zur Gerichtsreife der «Mangel an Erkenntnis» genannt wird, sind erneute Beleuchtungen von bereits veröffentlichten Erkenntnis-Fakten sicherlich zu rechtfertigen. Erfahrungsgemäss werden die ursächlichen Zusammenhänge aller Wirkungsmechanismen von Musikstrukturen auf den Menschen auch leichter verständlich, sobald diese, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, möglichst vielfältig beleuchtet dargestellt werden. Zum besseren Verständnis der beschriebenen musikalischen Vorgänge kann beim Verfasser eine MP3-CD bestellt werden mit ergänzenden Musik-Hörbeispielen. In der Hoffnung, hiermit Hilfen zur vertieften Erkenntnis der rechten Kriterien für die Auswahl geeigneter Lied- und Musikstrukturen zur geistlichen Auferbauung christlicher Gemeinden geben zu können, empfehle ich allen christlichen Lesern, diese Ausführungen im Sinne des Apostel Paulus zu überdenken, durch welchen Gott spricht: «Prüft aber alles, und das Gute behaltet.» (1.Thess 5,21)
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1. Musik in der Gemeinde Christi war ursprünglich rein wortorientiert Seit es christliche Gemeinden gibt, gibt es auch Formen der Gottesanbetung in den Gemeinden. Die Entwicklung christlicher Ausdrucksformen der Anbetung Gottes war ursprünglich rein wort-orientiert. Die Weiterentwicklung ging von gesprochenen Gebeten schliesslich in poetische Sprachformen über, die uns z.B. in den Psalmen überliefert sind. Hier entwickelte sich bereits eine besondere Form der jüdischen Wortdeklamation, in dem sogenannten «Parallelismus membrorum», als eine dichterisch verstärkte Ausdrucksqualität der Textaussagen. Aus der stimmlichen Anhebung der Sprache entwickelten sich schliesslich – gewissermassen in tonaler Veredelung – liturgische Gesangsformen und geistliche Lieder, die aber stets als ausdrucksverstärkendes Kunstmittel zur emotionalen Vertiefung der geistlichen Textaussagen dienten. Die musikgeschichtliche Weiterentwicklung eigenständiger Musikformen führte im Laufe der Jahrhunderte schliesslich zu einer grossen Ansammlung kirchenmusikalischer Kompositionsformen, wie wir sie aus der umfangreichen traditionellen Kirchenmusik kennen bis zur stilistischen Vielfalt aller übrigen Musikformen unseres Jahrhunderts. Wenn man die ganze Fülle der Musikkompositionen einschliesslich aller modernsten Stilrichtungen, die heute in den christlichen Gemeinden zum Lobe Gottes verwendet werden, aber nach den Kriterien beurteilt, welche uns Gott selbst in Seinem Wort mitteilt, so wird man bald feststellen können, dass sehr viele Kompositionen, die heute in den christlichen Versammlungen erklingen, keineswegs den biblischen Kriterien standhalten. 2. Gewährleistet künstlerische Qualität von Musik auch immer geistliche Auferbauung? Musik gehört zu den Künsten, aber was ist Kunst? Diese Frage wäre wohl überflüssig, wenn man sich abfinden könnte mit den modernen Definitionen einiger Zeitgenossen der Avantgarde, aus deren Kreisen ich schon Behauptungen hörte, die besagen, dass alles, was Komponisten erschaffen, dann zur Kunst wird, wenn es mit einer künstlerischen Absicht geschieht. Solche Meinungen liegen auf ähnlicher Ebene wie z.B. die Behauptung eines bekannten evangelikalen Pfarrers, welcher öffentlich verkündete, jede Musik16
stilart würde in dem Moment zu einer «christlichen» Musik, sobald sie von Christen ausgeführt würde (s. Zitat am Ende von Abschnitt 5). Der Zweck allein soll also angeblich die Mittel «heiligen». Der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeld (18) beschreibt in seinem umfangreichen Buch «Die Biologie menschlichen Verhaltens» auch künstlerische Wertvorstellungen sowie Charakter und Entstehung von Stilen, deren Merkmale er auch in vielen aussereuropäischen Ländern studierte. Er stellt fest, dass die Ausdrucksform eines Stiles bereits die charakteristischen Merkmale der spezifischen Grundmentalität und das charakteristische Lebensgefühl der Menschengruppe erkennen lässt, in deren Lebensbereich der Stil bzw. ihr Stil sich entfaltete. Deshalb schreibt er: «Wir wollen uns nunmehr den kulturell aufgeprägten Wahrnehmungsweisen zuwenden, deren Aufgabe es ist, Gruppenidentität zu fördern. Dem Stil kommt dabei besondere Bedeutung zu. Er drückt bindende Gemeinsamkeiten aus. ... Ähnlichkeiten in Kleidung, Baustil und anderen künstlerischen Äusserungen ... Stil wirkt in diesem Sinne als gruppenbindend. Das kann auf verschiedenen Ebenen geschehen, und dementsprechend gibt es verschiedene Ebenen der Identität. ... Die Spontaneität und Sicherheit, mit der sich Gruppen wie Punker und Rocker voneinander in der Mode absetzen, lehrt, dass Menschen unbewusst und schnell symbolisieren und dass sie über materielle Symbole manches präziser ausdrücken als mit Worten. ... Der Prozess der Stilisierung über die figürliche Darstellung bis hin zum Ornament zeigt viele Gemeinsamkeiten mit der im Dienste der Signalbildung stattfindenden Ritualisierung von Verhaltensweisen zu Signalen. Es tritt Vereinfachung und Pointierung ein und zugleich eine Vereinheitlichung, die das Signal stets wiedererkennbar macht.»
In seinem Buch «Die Magie der Töne» weist Dane Rudhyar (67) auf die unterschiedlichen psychologischen Auswirkungen von Musikstilen hin, die er im erweiterten Sinne hier auch als «Modus» bezeichnet: «Ein Modus ist das Ergebnis des Psychismus einer Kultur und der Situation, die eine Aufführung verlangt. Ob die Aufführung einen magischen oder heiligen Zweck verfolgt oder auch nicht, sie soll in den Hörern bestimmte seelische Zustände wachrufen. Künstler und Hörer mögen sich der Absicht bewusst sein oder auch nicht, und viele Hörer reagieren nur
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von einem ästhetischen, analytischen oder kritischen Standpunkt aus. Dennoch ist die Eigenart eines Modus prinzipiell immer durch das Wesen derjenigen Emotionen bestimmt, die er in den Zuhörern erregen soll. Modi sind psychoaktive Faktoren. Im menschlichen Sinne ist ein Modus die Reaktion eines Kulturganzen auf einen bestimmten Augenblick oder ein Ereignis seines kollektiven Lebens ... Als Teile eines Modus haben sie dennoch eine psychische Eigenart und vermitteln Emotionen oder innere Zustände ... Das Bewusstsein, das die Lebensbedingungen einer Kultur annimmt, von der es geformt wurde, nimmt auch die für die Kultur typische musikalische Sprache an, die eng mit den besonderen Umständen verknüpft ist, unter denen die Kultur reifte, ja aus denen sie hervorging. In der Musik ist es mehr als in den anderen Erscheinungsformen der Kunst einer Kultur die Eigenart des kollektiven Psychismus, die eine Kommunikation ermöglicht. Die Technik und die Mittel, Klänge zu erzeugen und zu ordnen, sind nur in zweiter Linie wichtig. Der kollektive Psychismus ist das einzige Medium, durch das die Musik sprechen kann, und musikalische Kommunikation unterscheidet sich sehr vom Hörvergnügen, das ungewohnte Klänge bereitet.»
Wenn also ein Musikstil zum Ausdruck von Bewusstseinszuständen und Lebensbedingungen einer Gesellschaftsgruppe geprägt wird, deren Lebensanschauungen den biblisch gebotenen christlichen Lebensgefühlswerten völlig entgegenstehen (s. Abschnitt 8), so werden bereits durch die Verwendung dieser Stilarten auch in christlicher Umgebung vorwiegend jene Wesensschichten der christlichen Hörer angesprochen, die – wenn auch nur schwach ausgeprägt – dem «kollektiven Psychismus» antichristlicher Lebenshaltungen ähnlich sind! Das heisst schliesslich: Das eigentliche Kommunikationsmedium, das diese Musik anspricht und verstärkt, sind jene auch in allen Christen unterschwellig mehr oder weniger vorhandenen Wesensschichten weltlicher und fleischlicher Natur, die eigentlich überwunden werden sollten, da sie dem Geist Gottes entgegenstehen. (s. Galater 5,25-26 u. ä. Gebote). Dane Rudhya argumentiert weiter: «Neue Klänge können interessant oder vergnüglich sein, sie kitzeln vielleicht die Ohren, das Hörzentrum des Gehirns und so den Geist, doch sollte man die Faszination durch das Exotische nicht mit der Fähigkeit verwechseln, psychisch für eine Tonsprache empfänglich zu sein, die
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eine Botschaft – ein ‹Saatkorn› – der Umwandlung vermittelt. Die erste Phase eines Umwandlungsprozesses besteht in einer Entkonditionierung. Psychedelische Drogen entkonditionieren; mit den Mythen, Symbolen und dem Vokabular einer Kultur in Resonanz zu treten, die von der Kultur verschieden ist, die einen Menschen geistig formte, entkonditioniert ebenfalls. Doch können beide Formen der Entkonditionierung auch gefährlich sein. Psychedelische Drogen können die geistige Gesundheit zerstören, indem sie ein unvorbereitetes und ungeschütztes Bewusstsein einem Eindringen von Dingen öffnen, die in ihrer Schrecklichkeit nicht assimiliert werden können.»
Die musikalischen Stilmerkmale der Rock- und Popmusik bewirken deshalb auch in christlichen Kreisen mit den «Symbolen und dem Vokabular» entsprechend ihrer Herkunft ebenfalls bereits durch die Art ihrer Tonsprache einen entsprechenden Umwandlungsprozess. Dies geschieht, indem die geistig vorgeformten christlichen Lebenshaltungen nun infolge des musikalisch eingestreuten «Saatkorns der Umwandlung» allmählich entkonditioniert werden. Der Einblick in viele christliche Gemeinden lässt bereits erkennen, wie weit sich solche Umwandlungsprozesse besonders in den letzten Jahrzehnten dort schon vollziehen konnten. Die Problematik des heutigen Kunstbegriffs zeigt sich nicht nur im Pluralismus der vielfältigen Angebote von Kunstformen unserer Zeit, sondern vor allem in der zunehmenden Orientierungslosigkeit bei der Beurteilung künstlerischer Werte. Eibl-Eibesfeld bemerkt dazu: «Ein bemerkenswertes Phänomen der Neuzeit ist der Destruktivismus der Antikunst. Mit dem Slogan ‹Alles ist Kunst, und jeder ist Künstler› zielt eine Gruppe von Antikünstlern bewusst darauf ab, Kunst ad absurdum zu führen. ... Hässlichkeit ist gut, schön ist schlecht, Grauen und Grausamkeit stellen die Lieblingsthemen dar, Romantik und Poesie verachteter Kitsch. Worauf letztlich also all dies hinausläuft, ist die Verneinung des Menschen als intelligentes, Zivilisationen schaffendes Wesen. Soll das wirklich alles sein? – ... Diese Antikunst ist offensichtlich auf eine Zerstörung der Kunst aus. Betrachten wir das Geschehen wertend, dann wird uns klar, dass Kunst sich natürlich nicht nur in den Dienst der Vermittlung hoher Werte
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stellen kann. Sie kann auch gezielt auf Wertzerstörung hinarbeiten, auf eine Brutalisierung und Entmenschlichung. Ihre Intentionen können, mit anderen Worten, schlicht böse sein, (im Sinne von die Mitmenschen schädigend) sei es über die Entmutigung von Einzelpersonen, über die Verursachung von Wertblindheit oder über Pervertierung, die zur Störung der zwischenmenschlichen Beziehungen führt.»
Welche Wertmassstäbe bestimmen unsere Entscheidungen, ob wir eine Komposition als wertvolle Kunst einstufen? Da sich der Wortbegriff «Kunst» auch von «Können» ableitet, ist im weitesten Sinne das «Kunst-Können» erstens abhängig von einem Wissen und zweitens von einer auf Übung gegründeten Fertigkeit, die darauf abzielt, bestimmte Werterlebnisse mittels einer künstlerisch geordneten Form beim Betrachter bzw. Hörer des Kunstwerkes auszulösen. Damit kommen wir zu der weiteren wichtigen Frage: Welche Arten von Werterlebnissen wären im Rahmen christlicher Gemeinden erstrebenswert? – Vielleicht die allgemein als wertvoll anerkannten grossen klassischen Kunstwerke, deren Schöpfer auch für den kirchlichen Bedarf viele «schöne» Kunstwerke geschaffen haben? Genügt die Qualität und Schönheit von Kunstformen bereits für die geistliche Auferbauung von Gemeinden? – Vergleichend könnte man auch fragen, ob sich eine wahrheitsgemäss richtige Bibelübersetzung allein dadurch auszeichnet, dass sie in einer poetisch schön klingenden Sprachform übersetzt wurde. – Es geht doch letztlich auch um die Frage, welche künstlerischen Ausdrucksmittel geeignet sind, um auf die Werte hinzuweisen, welche in christlichen Versammlungen zentrale Wahrheitsbedeutung haben. In dieser Beleuchtung sind auch die meisten Kunstschöpfungen spätestens nach der Renaissancebewegung ab der Zeitepoche des Mittelalters aber vom humanistischen Zeitgeist geprägt, einer philosophischen Lebenshaltung griechisch-heidnischer Weltanschauungen, die bis in unsere Zeit auch in den christlichen Bereich hineinwirken sowie in allen kulturellen Medien sich verstärkt entfalteten. Vorherrschend wurde also eine menschliche Lebensgrundhaltung, die ihre Existenz nicht mehr in Abhängigkeit von Gott sieht, sondern mehr und mehr ihren Erkenntnishorizont nur noch auf das sinnlich wahrnehmbare Weltbild beschränkt. Dementsprechend werden eigene Denkungsarten und menschlich individuelle 20
Empfindungen zum Massstab der allgemeinen Lebensphilosophie. Diese emotionale Grundhaltung drückt sich natürlich auch in den künstlerischen Ausdrucksformen dieser Zeitepoche aus. Da solche Lebensempfindung unvereinbar ist mit der biblischchristlichen Lebenshaltung, wird die Verwendung solcher humanistisch geprägten Kunstwerke für christliche Zielsetzungen problematisch. Musikkompositionen aus der Zeitepoche der Klassik zeichnen sich meistens durch einen hohen Grad von musikalisch künstlerischer Formvollendung aus, so dass der ästhetische Kunstgenuss auch eine Paarung mit biblischen Botschaften zu rechtfertigen scheint. Man will doch christlich wertvolle Verkündigungstexte möglichst mit solchen künstlerischen Ausdrucksmitteln darbieten, welche auch allgemein in der Welt als wertvolle Kunstformen anerkannt sind, übersieht dabei aber oftmals, dass gerade die eigenständige Schönheit künstlerischer Formgebung zwar den Hörer emotional stark beeindruckt und gefangen nimmt, aber gerade deshalb auch von der eigentlichen Verkündigungsbotschaft ablenken kann. Die Kunstform selbst wird somit oft zur Hauptbotschaft, was vor allem dann problematisch wird, wenn die Musikkomposition auch noch stark humanistisch geprägte Lebensempfindungen entgegen biblischen Glaubenshaltungen ausdrückt. 3. Kann Musik den geistlichen Zielen christlicher Gemeinden dienen? Wie soll denn nun eine Anbetungsmusik beschaffen sein, damit sie der Vorstellung unseres Herrn entspricht und auch der geistlichen Auferbauung Seiner Gemeinde dienlich sein kann? Können denn überhaupt musikalische Gebilde zur Anbetung unseres Herrn dienen? Ist es nicht zweckmässiger, wenn wir die Formen der Anbetung nur auf sprachliche Wortformulierung beschränken, um nicht der Gefahr zu erliegen, durch musikalische Strukturen, die wir den Texten beigeben, den Hörer nur abzulenken von der geistlichen Wortbotschaft? Viele Musikwerke haben bekanntlich auch eine bezaubernde Wirkung und können die Hörer allein durch die Macht der musikalischen Ausstrahlung so gefangen nehmen, dass die eigentliche Wortbotschaft, der sie dienen sollten, in den Hintergrund tritt und dem Hörer vernebelt werden kann (s. auch Abschnitt 63: Zitat von Augustinus).
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Natürlich haben wir aus der Überlieferung der traditionellen Kirchenmusik sehr viele gut geeignete Chorwerke, Oratorien, Kantaten und ausgezeichnete Lieder, welche in ihrer geistlichen Ausrichtung wirklich auch den biblischen Kriterien entsprechen. In den evangelikalen Freikirchen hört man leider selten etwas aus diesem reichen Angebot wortorientierter Kirchenmusik z.B. eines Heinrich Schütz, Melchior Franck oder Johann Sebastian Bach, dessen Choralwerk allein schon eine goldene Fundgrube wäre für Gemeindechöre, die eine geistlich ausgerichtete musikalische Anbetungsmusik anstreben. Aber in Psalm 98 werden die Christen schliesslich auch zum Singen neuer Lieder aufgefordert, so dass neben bewährtem traditionellem Liedgut auch neu komponierte Lieder aus unserer Zeit erwartet werden. Für die heutige Gemeindepraxis ist es in Anbetracht des grossen Angebots neuer Lieder wichtig, nach welchen Kriterien eine geeignete Auswahl getroffen werden kann. Viele durchaus geeignete Texte werden heute in sehr unterschiedlichen musikalischen Stilarten verpackt, welche auch vielfach die profanen weltlichen musikalischen Stilmittel der Tanzund Unterhaltungsmusik, Disco-, Pop- und sogar Technomusik verwenden. Für die sogenannte christliche Rockmusik werden sogar konsequent diese weltlichen Stilelemente verwendet, so dass ausser dem Text kein Unterschied mehr besteht zur weltlichen Rockmusik. Die Verwendung weltlicher Stilmittel wird meistens damit begründet, dass man in guter missionarischer Absicht den fernstehenden Weltmenschen die biblische Botschaft des Evangeliums in einer musikalischen Verpackung ihres Geschmacks darbieten müsse, damit der biblische Textinhalt auch für diese Leute attraktiver erscheint. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass breite Schichten unserer Jugend durch das ständige Hören dieser Stilarten nicht nur in Discos, sondern besonders in den öffentlichen Medien von Rundfunk und Fernsehen und von Tonträgermedien inzwischen so weit auf die spezifischen Stilmerkmale der Pop- und Discomusik konditioniert wurden, dass die musikalische Sensibilität für naturgemässe musikalische Rhythmik nach dem Vorbild organischer Bewegungsabläufe (gemäss Herzschlag-, Puls-, Atemrhythmus) mehr und mehr verkümmert (s. Abschnitt 15, 16, 22). Selbst Gemeindeleiter in führenden Positionen vertreten die Meinung, jede Musik sei im Hinblick auf ihre Verwendbarkeit in 22
christlichen Gemeinden und deren geistliche Zielsetzungen unbedenklich anzuwenden. Es sei schliesslich nur eine Frage des musikalischen Geschmacks und der musikalischen Vorbildung der jeweiligen Hörer, denn die Musik selbst sei ethisch wertneutral. Diese Kontroversen über das «Für» oder «Gegen» die christliche Rock- und Popmusik entzünden immer noch die Gemüter vieler Christen. Natürlich gibt es auch öffentliche Stellungnahmen sowohl zur Verteidigung und Empfehlung der Rock- und Popmusik für Christen als auch kritische Stellungnahmen gegen die Verwendung dieser modernen Stilarten modischer Popularmusik. Zur Überprüfung sollen verschiedene Argumentationen beider Seiten betrachtet werden. Aus diesem Spannungsfeld resultieren die nun folgenden typischen Äusserungen über Erfahrungen mit Rock- und Popmusik bei evangelistischen Veranstaltungen. 4. Warnende Stimmen gegen die Verwendung von Rock- und Popmusik Der erfahrene Evangelist und Seelsorger Heinrich Kemner schreibt über seine Erfahrungen mit moderner Rock- und Popmusik bei Evangelisationen: «Wenn wir den evangelischen Raum von heute überschauen, so erscheint eine Überprüfung der verschiedenen musikalischen Möglichkeiten notwendig. Mehr noch als heute war vor Jahren eine gewisse psychedelische Musik auch für die Verkündigung eine Anfechtung. Mit viel Geräusch und oft in einer unerhörten Hektik versuchte man in gewissen musikalischen Weisen das evangelistische Vorfeld so zu bestimmen, dass der junge Mensch beeinflusst wurde. Ich habe selber Evangelisationen erlebt, bei denen irgendein musikalisches Team mit einer unerhörten Geräuschkulisse hektisch auf die Jugend einhämmerte. Ich persönlich konnte diese Musik nur betend ertragen und war oft in Gefahr, den Einstieg zu meiner Ansprache zu verlieren oder gar, das Wesen der Verkündigung durch den musikalischen Eindruck zu versäumen. Wenn es auch sein mag, dass eine bestimmte Bandmusik die natürliche Sehnsuchtshoffnung des Menschen zunächst anspricht und vielleicht auch die Unmittelbarkeit im Hörvergnügen weckt, so ist ebenso richtig, ihre Grenze genau zu wissen und zu beachten. Sie kann zweifellos auch gefährlich werden. Ich habe nach einer Ansprache, jedenfalls bei meinen Diensten, diese Musik immer verboten, weil es sich gezeigt hat, dass sie fast immer den Anruf
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zur Seelsorge verschliesst. Mir wurde von jungen Menschen bezeugt, dass sie unter dem Einfluss dieser Musik ihre Bekehrung aufgeschoben haben. Dann hat sie ihren Lohn dahin. Wir haben in unserem Rehabilitationszentrum die beste Korrektur durch die jungen Menschen, die unter dieser Musik das Traumland suchten und eine Wüste fanden. Mir will oft scheinen, dass diese jungen Menschen, wenn sie Genesende sind, uns mit einer unerhörten Deutlichkeit diese Gefahrengrenze ansagen können. Sie spüren sofort, wenn die Trommel vom Feind mitgeschlagen wird. Als wir vor Jahren einmal einen Versuch machten, eine Jugend, die dem Sog des Lasters verfallen ist, mit dieser Musik abzuholen, war es bezeichnend, dass uns ein junger Mann, der sich zu dieser Welt bekannte, den Vorwurf machte, dass wir uns in unwahrer Weise ihrer Wirklichkeit anpassen wollten. Wir mussten uns den Argumenten beugen und erkennen, welch ein scharfes Ohr die Welt um uns für die Grenzdeutung unserer Glaubenswirklichkeit in musikalischer Beziehung hat. Es ist deshalb notwendig, dass wir uns bei all unseren Jugendevangelisationen genau bewusst sind, dass eine Musik, welche die Vollmacht der Verkündigung hemmt oder gar aufhebt, für uns nicht tragbar ist.»2
Der Theologe Gerhard Salomon schrieb ein Buch über die Gefahren in der Endzeit für die Gemeinden der Gläubigen.(68) Darunter behandelt er auch den Einfluss der modernen Rock- und Popmusik. Er schreibt: «Die in der indonesischen Erweckungsbewegung gläubig Gewordenen verbrannten die Schlager, die sie noch in Wort und Bild bei sich hatten. Nun müssen wir heute die gegenteilige Erscheinung feststellen: Man übernimmt weltliche Musik für geistliche Lieder! Es muss nachdenklich stimmen, wenn Befragte eines christlichen Beatkonzertes klar sagen, dass die Rhythmen auf sie eine ungleich grössere Wirkung als das gehörte Wort gehabt hätten und auch mehr und nachhaltiger nachwirkten. Das leuchtet auch sofort ein; denn jede Musik spricht den ganzen Menschen an: der Text den Geist, die Melodie die Seele und der Rhythmus den Körper. Bei der Musik – auch beim schlichtesten Lied – hat nun einmal das Seelische im Verhältnis zum Geistlichen das Übergewicht. Es kann gar nicht anders sein, als dass durch stark rhythmische Musik der körperliche Bereich am stärksten angesprochen wird. Sie entspricht ganz den sexbetonten Tendenzen unserer Zeit. Deshalb ist sie auch so beliebt. Die Ekstase, – völliges Gegenteil von der dem Christen in 1. Petrus 5,8
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gebotenen Nüchternheit – ist ein beliebtes Einfallstor für alle möglichen unkontrollierbaren Einflüsse bis hin zum Okkulten. Und weiter: Geistliche Segnungen setzen eine stille Atmosphäre voraus; denn nur an einer stillen Stelle legt Gott Seinen Anker an. Deshalb ruft uns die Bibel immer wieder zu dieser Stille auf. Habakuk 2,20: ‹Aber der Herr ist in seinem heiligen Tempel, es sei vor ihm still alle Welt!› Oder Sacharja 2,17: ‹Alles Fleisch sei still vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Stätte.› Oder 1. Tessalonicher 4,11: ‹Ringet danach, dass ihr stille seid!›».
Martin Heide bemerkt in seinem Buch: «Musik um jeden Preis?» Folgendes: «Diese nach emotionalen Erfahrungen Ausschau haltende Frömmigkeit entspricht allerdings weniger dem neutestamentlichen Gottesdienst in Geist und Wahrheit (Joh 4,24) als vielmehr den ‹atmospheres›, den gefühlsbetonten Stimmungen, die grundsätzlich unabhängig vom geistlichen Zustand des Betroffenen sind. Um das Wort Gottes zu hören und zu befolgen, braucht es nämlich weder ‹sinnlich erfahrbar› zu werden noch unsere Körperlichkeit anzusprechen; die ganze Bibel enthält nicht den geringsten Hinweis darauf. Oder anders ausgedrückt: Man braucht für solche Stimmungen gar nicht das Wort Gottes oder einen christlichen Gottesdienst. Dieses Mitschwingen von Körper und Seele wird von vielen (Fans) wie ein Gottesdienst empfunden. Es besteht weniger Interesse an einem biblischen Gottesdienst, als vielmehr an positiver Ekstase, an – um es ganz plump auszudrücken – fleischlichem Gottesdienst, ... um den Hunger des modernen Christen nach sinnlich körperlicher Erfahrung zu stillen.»
Walter Kohli zeigt die Unvereinbarkeit der Rock-Kultur mit christlichen Lebenszielen sehr überzeugend auf in seinem empfehlenswerten Buch «Rockmusik und christliche Lebenshaltung»: «Die Rock-Kultur steht nach wie vor völlig im Widerspruch zur christlichen Lebenshaltung.»
Zur 20. Jahresfeier der Rockzeitschrift ‹Rolling Stone Magazin› wurde z.B stolz verkündet: «Es ist keineswegs übertrieben zu sagen, dass Rebellion mehr als nur ein gelegentliches Thema im
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Rock ist – sie ist sein Herz und seine Seele...» (Hinweis v. Brian S. Neumann, 87) Kurt E. Koch beleuchtet mit verschiedenen Erfahrungsberichten die Auswirkungen von Rockmusik in seinem Buch «Musik unter der Lupe» (50) und kommt im letzten Satz seiner Ausführungen darüber zu dem Ergebnis: «Dieser Musikstil ist das raffinierteste Seelen-Fang-Netz Satans, um vor allem junge Menschen in den Abgrund zu reissen.» Die am stärksten überzeugenden Warnungen und Argumentationen gegen die zeitaktuellen Rock- und Popmusikstilarten erschienen in dem jetzt neu für den deutschen Sprachraum übersetzten Buch des ehemaligen amerikanischen Lobpreisleiters Dan Lucarini: «Worship bis zum Abwinken. – Bekenntnisse eines ehemaligen Lobpreisleiters» (84). Als ehemaliger Insider und leidenschaftlicher Verfechter der modernen Musikstilarten im Bereich von Ortsgemeinden wurden ihm offenbar von Gott die Augen geöffnet, als er begann, die geistlichen bzw. ungeistlichen Auswirkungen dieser Musikstile aufrichtig nach biblischen Gesichtspunkten zu hinterfragen. Dieses Buch, das er dann nach eigenen Aussagen in tiefer Beugung und als Bussgang über den angerichteten Schaden als seine Lebensbeichte veröffentlichte, sei besonders den Lobpreisleitern, Chorleitern und Gemeindeleitern unserer Zeit empfohlen, weil darin viele Argumente der Verfechter moderner Musikstile überzeugend entkräftet werden. Er bestätigt damit aus seiner praktischen Erfahrung all jene Untersuchungen der Wirkungsweisen jener musikalischen Stilelemente, welche in dem vorliegenden Buch nun auch aus der Sicht empirisch-wissenschaftlicher Forschungen beleuchtet werden. Im Schlusskapitel seines Buches zieht Dan Lucarini die Bilanz der Auswirkungen dieser zeitaktuellen Musikstile und schreibt als Schlussfolgerung Folgendes: «Ich habe aus meiner Erfahrung gezeigt, dass CCM (das sind jene zeitaktuellen Rock- und Popmusikstilarten) in die Gemeinde aufgenommen wurde, weil wir unseren fleischlichen Wünschen und Lüsten nachgegeben haben, dass sie mit trügerischen Argumenten verteidigt und von unserer Lust auf Musik, die unsere sündige Natur befriedigt, angetrieben wird. Wir wurden verführt zu glauben, dass wir jede Art von Musik im Gottesdienst einsetzen könnten und Gott dies annimmt.
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