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INHALT Der Drohbrief

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... leider draußen bleiben

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14

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23

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In allerletzter Minute Acapulco

Wunschlos glücklich?

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Der ausgefranste Teddybär Die Rolltreppe Elefantenrüssel

L I MM

42

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48

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58

Ihr habt nicht gewollt

& N I ES

5

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65

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73

s

Z U M V O R L ES E N & N A C H MA C H E N


Einige der folgenden Kurzgeschichten findest du auch im Programm von Radio Doppeldecker – einer Kindersendung, die die frohe Botschaft von Jesus Christus zeitgemäß verbreiten möchte. Du findest weitere Sendungen als Podcast unter www.doppeldecker.info


Der Drohbrief Eine Geschichte, die sich vor einigen Jahren so ereignet hat. Und zwar in einer Jungschar-Gruppe im Hunsrück. Wegen eines rätselhaften Drohbriefs bekommt eine Familie richtig Angst. Der Absender stammt aus Russland. Ob eine Verbrecherbande dahintersteckt? Dirk und Andreas sind sehr gespannt, denn am Samstag ist wieder Jungschar. Die beiden sind die Jungscharleiter. Weißt du, was eine Jungschar ist? Da treffen sich Jungs und Mädchen zwischen 8 und 14 Jahren, um gemeinsam Sport, Spiele und Spannendes zu erleben. Es geht darum, in allem dem Herrn Jesus Christus nachzufolgen. Deshalb betet man auch gemeinsam in der Jungschar, dankt Gott und hört etwas aus der Bibel. Nun, am Samstag um 16 Uhr soll also wieder Jungschar sein. Aber diesmal gibt es etwas ganz Besonderes. Nur: Die Kinder wissen noch nichts davon – am allerwenigsten Maximilian von Stein … Die Jungschar-Stunde fängt ganz normal an. Mädchen und Jungs hängen ihre Jacken auf und toben durch den Jungscharraum. Die Mitarbeiter stellen noch rasch den Beamer auf. Dann werden ein paar fetzige Lieder gesungen. Andi spielt Gitarre und Dirk hilft mit dem Keyboard nach. Da! In einer Pause zwischen den Liedern geht es schon los:

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»Ich hab vorige Woche einen ganz komischen Brief gekriegt«, prahlt Timo, »aus Bilovien. Ich weiß überhaupt nicht, wo das liegt!« »Hää, Bilovien?«, fragt Carina. »Du meinst bestimmt Bolivien! Das liegt in Südamerika. Aber weißt du was: Ich hab auch einen Brief bekommen – aus Afrika – aus Tunesien per Luftpost. So etwas kam noch nie bei uns an. Ich war total aufgeregt, als ich den aufmachte. Aber ich kannte den gar nicht, der da schrieb. Mein Papa meinte, der Brief kam bestimmt an die falsche Adresse.« »Waaas, ihr auch?«, ruft Marie-Luise erstaunt. »Ich hab Post aus Indonesien gekriegt, mit vier Briefmarken drauf: ganz coole Papageien. Die habe ich sofort für meine Briefmarken-Sammlung ausgeschnitten. Ich sammle nämlich nur Tiermotive.« »Was stand denn in deinem Brief?«, fragt Jasmin – die Pfiffigste der Gruppe. Sie hat einen leisen Verdacht geschöpft. Doch bevor Marie-Luise antworten kann, berichtet Jasmin:

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»Ich bekam nämlich auch einen Brief aus dem Ausland, auch letzte Woche und auch per Luftpost! Mein Brief kam allerdings aus Korea. Auf den Briefmarken waren nur asiatische Schriftzeichen.« »Komisch!«, brummelt Tobias. »Da ist doch etwas oberfaul. Wie kann es sein, dass wir alle in einer Woche aus aller Welt Briefe kriegen? Ich bekam auch Post – aus Neuseeland sogar. Das liegt auf der anderen Seite der Erdkugel. Der Brief muss drei Wochen unterwegs gewesen sein. Das habe ich am Datum vom Stempel ablesen können …« Jetzt ist erst mal Schluss mit Singen. Die Kinder reden und reden die ganze Zeit nur aufgeregt von ihrer Post. Rahel hat einen Brief aus Mexiko gekriegt. Tom behauptet, er habe sogar eine Eilsendung aus Grönland erhalten. Micha wedelt mit einem Briefumschlag. Es ist das Kuvert eines Luftpostbriefes aus Japan. Eigentlich wollte er vor den anderen damit angeben. Aber jetzt begreift er, dass fast alle hier einen exotischen Brief aus dem Ausland bekommen haben. Andreas, der Jungscharleiter, steht auf und betet noch zu Anfang der Stunde: »Lieber Vater im Himmel! Danke für unsere Jungschargruppe und die schönen Lieder. Danke, dass so viele von uns Post bekommen haben. Bitte schenke uns heute einen schönen Nachmittag. Amen!« Noch ist das Amen nicht verklungen, da geht die Raterei weiter. Woher stammen diese merkwürdigen Aus-

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lands-Briefe? Eine mysteriöse Geschichte. Wie kann aus allen Teilen der Erde plötzlich Post in ihrem kleinen Dorf angekommen sein? Wer steckt dahinter? Hat vielleicht ein Bekannter von ihnen eine Weltreise gemacht? Jasmin wiederholt ihre Frage von vorhin: »Micha, was steht denn in deinem Brief aus Japan?« Micha zieht die dünne, hellblaue, knisternde Seite aus dem Umschlag und liest laut vor:

HALLO MICHA! DU SOLLST HEUTE POST VON MIR BEKOMMEN. KENNST DU MICH? ICH KENNE DICH GUT. WIR WERDEN UNS TREFFEN. VIELLEICHT SCHON BALD. BIS DANN. DEIN XY. »Aber ich kenne keinen Japaner und auch keinen XY und die Handschrift hab ich auch noch nie im Leben gesehen.« »Vielleicht war ja nur jemand Bekanntes von dir dort im Urlaub!«, meint Dirk, der Jungscharleiter. »Nö, da wüsste ich keinen …«, schüttelt Micha den Kopf. »So ähnlich stand es auch in meinem Brief. Er war auch krakelig handgeschrieben und auch so kurz!«, ruft Carina in das Geschnatter der aufgeregten Jungschar-Kinder. »Hey! Nachbarn von euch waren doch in Tunesien im Urlaub. Ob die vielleicht den Brief geschickt haben …?« Jasmin bohrt weiter nach. »Ääh, Micha, zeig mal deinen Brief aus Japan. Ich muss mal etwas nachschauen.«

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Micha reicht ihr das Kuvert und Jasmin prüft mit kritischen Blicken jede Einzelheit. »Hmm, das ist echt eine japanische Briefmarke … und auch der Luftpost-Aufkleber AIR-Mail ist original. Aber der Brief ist auf Deutsch geschrieben … komisch … Aaah, ich hab’s!« Alle schauen erwartungsvoll auf die kleine Detektivin. Was hat Jasmin denn entdeckt? »Seht doch mal genau hin. Hier oben in der Ecke …« – »He? Was meinst du?«, fragt Tobias. »Das ist ein ganz normaler Stempel mit Datum.« »Ja eben!!«, jubelt Jasmin. »Das ist ein ganz normaler deutscher Stempelabdruck! BRIEFZENTRUM – sieht doch jeder! Der Brief wurde also gar nicht in Japan abgeschickt und gestempelt. Sonst stünde da PINGPANGPONG oder so …« Verblüfft reißt einer nach dem anderen den Briefumschlag an sich und starrt auf den blassen Stempelabdruck. Tatsächlich! BRIEFZENTRUM. Das sieht nicht sehr japanisch aus. Dass sie nicht selbst drauf kamen … Jetzt stellt sich Andreas, der Jungscharleiter, vor die Gruppe und sagt: »Pssst. Hört mal alle her. Also, ich muss schon sagen: Glückwunsch, Jasmin! Dir kann man nicht so schnell etwas vormachen. Du hast die ausländische Post als eine Fälschung entlarvt. Gut gemacht! Wenn ich mich nicht irre, hat jeder von euch einen ganz persönlichen Brief von weit, weit her bekommen, oder?« Alle nicken.

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Nur Maximilian schüttelt den Kopf. »Nö, ich bekam keine Post!«– »Doch, Maxi, du müsstest einen Brief aus Russland bekommen haben. Ich hab ihn nämlich selber vorgestern eingeworfen!«, verrät Dirk, der andere Jungscharleiter. Dirk ist von Beruf Briefträger. Er hat sich zusammen mit Andreas die ganze Aktion ausgedacht. Sie haben für jedes Kind einen kurzen, geheimnisvollen Brief geschrieben, ihre Schrift etwas verstellt und dann als AuslandsBrief getarnt. Die Briefmarken stammen aus Andreas’ Sammel-Album, die Luftpost-Aufkleber und der Poststempel von Dirks Postamt. Anschließend hat Dirk die Briefe völlig unauffällig in die Briefkästen seiner Jungscharkinder gesteckt – als Briefträger erregte er ja keinen Verdacht. Nun erklärt Andreas die ganze Sache: »Wir alle bekommen doch gerne Post, oder? Am liebsten einen ganz dicken Brief von einem guten Freund. Dirk und ich haben euch eine Freude machen wollen. Und wisst ihr was? Die Bibel ist wie ein ganz, ganz dicker Brief von Gott. Er hat uns diesen Brief zugestellt, damit wir ihn lesen und Gott dabei kennenlernen. Micha, kannst du noch mal deinen Brief vorlesen?« Umständlich zieht Micha den Brief aus der Hosentasche, faltet den knittrigen Bogen auseinander und liest laut vor:

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»DU SOLLST HEUTE POST VON MIR BEKOMMEN. KENNST DU MICH? ICH KENNE DICH GUT. WIR WERDEN UNS TREFFEN. VIELLEICHT SCHON BALD. BIS DANN. DEIN XY.« Andreas erklärt weiter: »Wenn wir in der Bibel lesen, können wir Gott sagen hören: ›DU SOLLST HEUTE POST VON MIR BEKOMMEN. KENNST DU MICH? ICH KENNE DICH GUT. WIR WERDEN UNS TREFFEN …‹ « – »Hä? Wann will Gott uns denn treffen?«, fragt Micha erstaunt. »Ja, wir alle werden einmal Gott begegnen. Jeder von euch wird am Ende seines Lebens vor ihm stehen. Ist das nicht erstaunlich? Für viele ist Gott dann ein Unbekannter – weil sie versäumt haben, seinen langen Brief zu lesen. Seine Mitteilungen sind vielen egal. Deshalb: Lies die Bibel. Gott kennt dich gut. Er kannte dich schon, bevor deine Eltern dich kannten, und er kennt dich besser, als du dich selber kennst. Deshalb hat er in der Bibel aufgeschrieben, was wichtig für dich ist. Hast du in der letzten Woche in dem dicken Brief Gottes an dich gelesen?«, fragt Andreas. Carina meldet sich und sagt: »Wir lesen daheim jeden Tag gemeinsam in der Bibel!« – »Prima. Das freut mich. Erinnerst du dich denn noch an das, was ihr heute gelesen habt?«, fragt der Jungscharleiter. »Ähm – nöö«, meint Carina etwas verlegen. »Schade. Dann nützt uns die Bibel wenig. Ganz hinten in Gottes

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Brief steht nämlich: Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe (Offenbarung 1, Vers 3). Wir sollen Gottes Wort nicht nur lesen und hören, sondern auch bewahren, das heißt behalten und behüten wie einen Liebesbrief.« ––––– • ––––– Am Abend nach der Jungscharstunde klingelt bei Andreas das Telefon. Es ist Frau von Stein, Maximilians Mutter. Mit aufgeregter Stimme poltert sie los: »Hallo Andreas! Stimmt es, dass ihr von der Jungschar anonyme Briefe verschickt habt?« – »Ja, das stimmt!« »Das darf doch nicht wahr sein! Das war aber ein ganz schlechter Scherz! Als wir diesen Brief aus Russland bekamen, haben wir ihn Maxi gar nicht erst gezeigt, sondern sofort selber geöffnet. Dann lasen wir:

DU SOLLST HEUTE POST VON MIR BEKOMMEN. KENNST DU MICH? ICH KENNE DICH GUT. WIR WERDEN UNS TREFFEN … Da dachten wir sofort an einen Drohbrief von der Russen-Mafia. Du weißt doch, wie einsam wir hier wohnen und dass bei uns schon mal eingebrochen wurde. Wir haben schreckliche Ängste ausgestanden. Mein Mann hat dann die Kriminalpolizei eingeschaltet. Die wollten den Brief untersuchen, weil wir völlig im Dunkeln tappten.

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Wir gingen alle von einem Erpressungsversuch aus – bis heute Maxi aus der Jungschar kam …« Andreas bleibt die Spucke weg. »Oh, entschuldigen Sie, Frau von Stein. Daran haben wir nicht im Entferntesten gedacht. Es tut mir so leid. Können Sie das bitte rasch bei der Kripo klären? Hat das jetzt für uns noch ein Nachspiel? Bitte vergeben Sie uns. Der Brief sollte doch nur eine Überraschung für Maximilian sein …« ––––– • ––––– Ja, so kann’s gehen. Manche Menschen, die in der Bibel blättern, vermuten vielleicht auch auf den ersten Blick eine Droh-Botschaft statt einer Froh-Botschaft. Sie bekommen es mit der Angst zu tun und klappen das Buch schnell wieder zu. Hoffentlich geht es dir nicht so. Denn: Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist. Lies aufmerksam die Bibel. Dort wirst du Gottes Liebe kennenlernen. Wenn du Schwierigkeiten damit hast, allein die Bibel zu lesen und zu verstehen, dann rufe nicht die Kriminalpolizei, sondern lies mit jemandem zusammen, der Jesus kennt. &

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... leider draußen bleiben Hast du schon mal vor einer Tür gestanden, in die du nicht hineindurftest? Vielleicht stand da ein Schild mit der Aufschrift »Zutritt verboten« oder »Heute geschlossen!«. Tja, das ist eine große Enttäuschung, wenn man hineinmöchte, aber nicht hineindarf. Von so einer verschlossenen Tür handelt auch die folgende Geschichte. Mitten in den schönsten Träumen wird Thea gestört. Was klappert denn da so? Thea schlägt verwundert die Augen auf. Welches Geräusch hat sie da eben geweckt? Ach so, da unten deckt jemand den Frühstückstisch. Natürlich! Es ist ja Samstag – Wochenende! Endlich mal nicht so früh aufstehen müssen. Endlich mal mit den Eltern gemütlich im Schlafanzug frühstücken. Herrlich! Thea rekelt sich in ihrem Bett. Was sie heute wohl unternehmen wird? Von unten hört sie die Kaffeemaschine röcheln. Sie riecht den Duft von aufgebackenen Brötchen und heißem Kakao. Mmh – wie ihr das Wasser im Mund zusammenläuft … Ob Mama an Frühstückseier gedacht hat? Thea liebt gekochte Eier. Schnell springt sie aus ihrem Bett und möchte nachschauen, ob der Eierkocher angeschaltet ist. Barfuß hüpft sie bis an den Treppenabsatz und will die erste Stufe nach unten nehmen. Und da passiert es: Ihr Fuß bleibt im langen Nachthemd hängen und Thea stolpert. Noch bevor

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sie sich am Geländer festhalten kann, stürzt sie kopfüber die Treppe hinunter. Ein schreckliches Rumpeln alarmiert ihren Vater im Badezimmer. Er schaut erschrocken aus der Dusche. Im Bademantel kommt er in den Flur und sieht seine kleine Tochter wimmernd am Ende der Treppe auf dem Boden liegen. Auch Theas Mutter ist längst aus der Küche gehastet und beugt sich über das verunglückte Mädchen. »Thea! Hast du dir wehgetan?« Als Thea sich aufrappelt, sieht man sofort, was ihr fehlt: Ihr rechter Arm ist merkwürdig verdreht. Ob der Arm wohl gebrochen ist? Thea hat furchtbare Schmerzen und weint. »Hm, mein Schatz. Damit sollten wir besser mal zu Doktor Steinhorst gehen«, meint Papa. Thea beißt tapfer die Zähne zusammen. Schade. Heute wird nichts aus dem gemütlichen Frühstück. Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Theas Papa zieht sich rasch an und ihre Mama wickelt die Verletzte behutsam in eine Wolldecke. Dann laufen sie zu dritt zu Doktor Steinhorst. Der wohnt nämlich direkt um die Ecke. Ob ihr Hausarzt am Samstag Sprechstunde hat? Doktor Steinhorst hat seine Arztpraxis mitten in Winkelstädt. Ja, in der Praxis brennt Licht. Vorsichtig trägt Theas Papa die Patientin zur Eingangstür. Vor dem Wartezimmer hängt ein kleines Schild. Thea buchstabiert: »Wir müssen leider draußen bleiben.« Darunter ist ein Hund abgebildet.

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Während Papa Thea durch die Tür bugsiert, fragt sie erschrocken: »Wer muss hier draußen bleiben?« – Papa erklärt ihr das Hinweisschild. »Das gilt nur für Tiere. Die dürfen nicht in eine Arztpraxis. Das wäre zu gefährlich für die Kranken.« – »Ach so«, flüstert Thea etwas erleichtert, »ich dachte, ich müsste da ganz alleine rein.« Thea muss zwar nicht allein in das Behandlungszimmer, aber der Hausarzt kann ihr nicht weiterhelfen. Dr. Steinhorst zuckt nur mit den Schultern und sagt: »Tut mir leid. Das ist ein komplizierter Bruch. Ein Krankenwagen wird euch nach Stolzach ins Krankenhaus bringen. Ich kann den Arm nur schienen, damit sich der gebrochene Knochen nicht weiter verschiebt. Thea muss in jedem Fall geröntgt werden.« Dem Mädchen rollen Tränen über die Wangen. Hmm. Auch Theas Eltern sind beunruhigt. Ob der Arm so schlimm gebrochen ist, dass Thea vielleicht operiert werden muss …? Wenig später sitzen die drei in einem Krankenwagen. Die Fahrt nach Stolzach dauert nur 15 Minuten. Aber jede kleine Unebenheit der Straße tut Thea sehr weh. Wenn ihr Arm gerüttelt wird, schreit sie laut auf: »Aua, mein Arm, aaah!«

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Die Notfall-Ambulanz hat das Tor weit geöffnet und der Krankenwagen fährt bis vor die Aufnahme. Besorgt laufen die Eltern neben der Ambulanz-Liege her. Das ist ein schmales Bett auf einem Rollgestell. Ein Sanitäter schiebt Thea zur Röntgen-Abteilung. Dort wird ihr Arm von innen fotografiert. Dann muss Thea zurück auf den Flur und dann – warten! Theas Eltern stehen die ganze Zeit bei ihr und streicheln tröstend über ihren Kopf. Keine Sekunde soll sich die 7-Jährige alleingelassen fühlen. Ihr gebrochenes Ärmchen liegt noch immer etwas schief neben ihr. »Bleibt ihr bei mir?«, fragt sie ängstlich. – »O ja, liebe Thea, wir lassen dich nicht allein!« Jetzt bekommt Thea ein weißes Krankenhaus-Hemdchen angezogen. Ihr Arm soll gleich operiert werden, sagt ein Arzt. Theas Eltern gehen mit zum OP. Doch bevor der Narkosearzt die grüne Glastür öffnet, dreht er sich um und sagt: »Deine Eltern müssen leider draußen bleiben. Sie dürfen hier nicht rein!« »Wie bitte?«, beschwert sich Theas Mama. – »Warum das denn nicht?« – »Sie haben doch noch ihre schmutzigen Sachen an. Sie sind nicht sauber genug. Hier darf man nur mit Krankenhaus-Kleidern rein …« – »Aber mein Papa hat eben noch geduscht!«, entgegnet Thea. »Unsere Sachen sind wirklich ganz sauber!«, beteuert auch Theas Mama. Aber es hilft nichts. Die Eltern müssen draußen bleiben. Sie werden nicht durch diese Tür gelassen …

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––––– • ––––– Ist das nicht schrecklich? Theas Eltern wollten doch nichts Böses. Sie wollten nur bei ihrem Kind bleiben. Trotzdem durften sie nicht hinein zu ihrer Tochter. Theas Papa war sogar frisch geduscht und ihre Mama trug ganz frische Sachen. Aber trotzdem – es reichte nicht aus. Im Krankenhaus braucht man nämlich spezielle Kleider, um in den OP-Bereich zu kommen. Alles muss sehr, sehr sauber sein. Nur Thea, die das weiße KrankenhausHemdchen bekam, war rein genug, um durch die Tür zu dürfen. Es gibt eine andere wichtige Tür, vor der werden auch einige Leute eine schlimme Überraschung erleben. Das ist die Tür zum Himmel. Auch dort werden einmal viele Leute abgewiesen werden. Mit dem Himmel ist es nämlich so ähnlich wie in der Geschichte von Thea. Der Himmel ist zwar kein Operationssaal, sondern ein Festsaal, in den jeder gerne hineinmöchte. Aber nicht jeder kommt hinein! Viele Menschen meinen: »Ich komme bestimmt in den Himmel! Ich bin gut genug, um hineinzukommen! Meine Kleider sind sauber, ich habe mich immer gewaschen, ich habe nie was Schlimmes gemacht, das muss doch reichen, oder?« Aber reicht das? Jesus erzählte dazu eine Geschichte, die uns etwas sehr Wichtiges mitteilt. Sie steht in Matthäus 22, Verse 2-13:

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Das Gleichnis vom Hochzeitsfest Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Und er sandte seine Knechte aus, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen. Wiederum sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, … alles ist bereit; kommt zur Hochzeit. Sie aber kümmerten sich nicht darum und gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. Die Übrigen aber ergriffen seine Knechte, misshandelten und töteten sie. Der König aber wurde zornig und sandte seine Heere aus, brachte jene Mörder um und setzte ihre Stadt in Brand. Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig; so geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele irgend ihr findet, ladet zur Hochzeit. Und jene Knechte gingen hinaus auf die Landstraßen und brachten alle zusammen, die sie fanden, sowohl Böse als Gute. Und der Hochzeitssaal füllte sich mit Gästen. Als aber der König hereinkam, um sich die Gäste anzusehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid anhast? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

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Eine erschütternde Geschichte, nicht wahr? Warum war der König so hart? Der König wollte doch, dass alle bei der Hochzeit seines Sohnes mitfeiern. Wieso hat er dann den einen Gast rausschmeißen lassen? Nun, damals war es Sitte, dass armen Gästen vor einer Hochzeit festliche Kleider geliehen wurden. Der Gastgeber sorgte nicht nur für Essen und Trinken, sondern auch für die passende Kleidung. Das ist doch großzügig, oder? Da gab es aber einen, der wollte lieber seine eigenen alten Klamotten anbehalten. Er meinte: »Ich kann auch so mitfeiern. Meine eigenen Kleider sind doch gut genug.« Und genau das meint Jesus mit dem Gleichnis: Viele Menschen denken, sie seien gut genug für den Himmel – sie bräuchten nicht die Kleider des Königs. Aber das ist ein schlimmer Irrtum. »Hoch erfreue ich mich in dem HERRN; meine Seele soll frohlocken in meinem Gott! Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan«, jubelt Jesaja in Kapitel 61, Vers 10. Deshalb lege auch du deine Fetzen und Lumpen, deine Selbstgerechtigkeit ab. Nimm stattdessen die Kleidung an, die Gott für dich bereithält. Er hält etwas viel Besseres für dich bereit – seinen »Mantel der Gerechtigkeit«. Möchtest du nicht eingehüllt werden in das, was Jesus für dich tat?

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So war es doch auch bei dem »verlorenen Sohn«, den der Vater in neue, prächtige Gewänder kleidet, weil er zu seinem Vater heimgekehrt ist. (Vergleiche Lukas 15.) Wie den abgewiesenen Eltern von Thea und dem Gast ohne passende Kleider wird es vielen ergehen. Sie werden nicht in den Himmel kommen, wenn sie nicht Gottes Kleider anziehen. In Galater 3,26-27 heißt es: »… denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. Denn … ihr habt Christus angezogen.« Hast du schon Jesus Christus »angezogen«? Das bedeutet: Hast du schon Jesus Christus gebeten, dass er dir reine, weiße Kleider schenkt? Dass er dir alles Schmutzige aus deinem Leben vergibt? Dieser Mantel der Gerechtigkeit Christi ist ein Geschenk. Wir können uns die Rettung von der Schuld der Sünde nicht verdienen. Jesus hat sie für uns verdient, als er am Kreuz von Golgatha starb. Jeder Mensch, der dieses Kleid der Gerechtigkeit Christi anzieht, ist passend für das große Hochzeitsfest im Himmel! ––––– • ––––– Nach über einer Stunde öffnet sich endlich die Tür zum Operationsbereich. Theas Eltern springen von den Wartestühlen auf und eilen zu ihrer Tochter. Thea liegt noch etwas schläfrig mit einem dicken Verband auf der Liege.

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Aber sie sieht zufrieden aus. »Alles verlief großartig. Ihr Armknochen ist jetzt wieder schön gerade und fest eingegipst«, sagt die Krankenschwester. Über Theas Gesicht huscht ein Strahlen: »Papa, du hättest dabei sein müssen. Da drin war alles sehr spannend. Du hättest doch einfach einen Doktor-Kittel anziehen können. Dann hätten die dich bestimmt reingelassen!« »Stimmt!«, sagt die Krankenschwester, die Thea gerade in ein Krankenzimmer schiebt. »Mit Mundschutz und langem Kittel hätten Sie Ihre Tochter begleiten dürfen.« – »Und warum hat uns das keiner gesagt?«, fragt Theas Mutter erstaunt und etwas ärgerlich. »War doch gar nicht so schlimm!«, meint die tapfere Thea. Dann hebt sie mit ihrem gesunden Arm den verbundenen in die Höhe und sagt: »Aber fürs nächste Mal wisst ihr ja Bescheid, wie ihr reinkommt, oder?« Da lachen Theas Eltern erleichtert auf: »Bloß das nicht, Schatz. Aber wir haben verstanden: OP-Begleitung nur mit OPBekleidung.« &

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In allerletzter Minute Kennt ihr die Geschichte von Erwin Enns? Er wohnt in der Gerbergasse, einem engen Gässchen von Winkelstädt. Solange die Leute denken können, wohnt er dort ganz allein in einem kleinen Fachwerkhäuschen. Erwin ist ein Sonderling. Niemand weiß genau, was er den ganzen lieben langen Tag so macht. Er hat im ersten Stock ein Büro, sagt der Briefträger. Manchmal geht Erwin eine Woche nicht aus dem Haus. Keiner weiß, warum er so zurückgezogen lebt. Und keiner weiß, wie alt er ist – vielleicht 40? Erwin hat keine Familie. Manchmal sieht man ihn abends allein an dem kleinen Esstisch sitzen und eine Suppe schlürfen. Das Küchenfenster müsste auch mal wieder geputzt werden. Ob er seine Wohnung auch nie putzt? Ob er selber kocht? Ob er etwas anderes als Suppe kochen kann? Niemand weiß es. Die Nachbarn sagen, er sei ein verschrobener Einzelgänger. Aber er hat noch keinem was zuleide getan. Im Gegenteil – Erwin Enns hat schon oft ausgeholfen, wenn irgendwo Not am Mann war. Tante Margret von gegenüber meint, der Erwin hätte eine Macke, sonst wäre er bestimmt schon längst verheiratet … Bestimmt hat Tante Margret recht. »Geh nicht zu dem Onkel Enns ins Haus, hörst du?!«, sagt sie zu Moritz, ihrem kleinen Enkel.

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Tante Margret und Moritz Kühn wohnen ebenfalls in einem Fachwerkhaus, direkt gegenüber von Erwin Enns. Unter ihnen, im Erdgeschoss, ist ein Friseurladen. Der macht gerade zu. Es ist nämlich 18 Uhr. Margret kann vom ersten Stock aus genau in Erwins Küchenfenster sehen. Moritz ist erst fünf Jahre alt. Seine Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben. Aber Moritz kann sich weder an Papa noch an Mama erinnern. Er war damals noch zu klein. Seitdem lebt er bei seiner Oma Margret. Manchmal nennt er sie »Mamagret«. Dann nimmt seine Oma ihn auf den Arm und drückt ihn ganz fest. Sie ist wirklich wie eine Mama für ihn. Es ist Abendessenzeit. Die Gasse ist menschenleer. Wenn der Friseur geschlossen hat, läuft hier kaum einer durch, denn die Gerbergasse ist eine Sackgasse. Moritz schaut herunter auf die Straße. Bei Erwin brennt schon Licht. Onkel Enns sitzt mit einer Zeitung am Küchentisch. Wenn Moritz sein Brot aufgegessen hat, muss er noch baden, Haare waschen und dann ins Bett. Tante Margret macht schon mal den Heizstrahler an, damit das kleine Badezimmer gleich schön warm ist. Erwin Enns rührt währenddessen in seiner Bouillon und schaut von der Zeitung auf. Gegenüber hampelt ein Junge am Fenster. Es ist Moritz. Er hat ein Butterbrot in der Hand und wackelt am Vorhang. Als Moritz den Mund leer hat, streckt er dem Nachbarn frech die Zunge heraus. Dann sieht Erwin, wie Tante Margret den Jungen

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zurück an den Tisch holt. Erwin liest weiter in der Zeitung. Etwas später schaut er noch einmal hinauf in die gegenüberliegende Wohnung. Da erschrickt Erwin … Dichter Rauch quillt aus dem Fenster und unter der Dachrinne hervor. Sofort stürzt Erwin aus dem Haus und brüllt auf der Straße: »Feuer! Feuer! Ruft sofort die Feuerwehr …« Dann versucht er die Eingangstür zum brennenden Haus aufzubekommen. Nichts! Der Friseur hat nach Feierabend natürlich abgeschlossen. Erwin läuft zurück und schaut nach oben. Erst jetzt hat Tante Margret das Fenster aufgerissen und schreit um Hilfe: »Der Heizstrahler im Bad brennt, das ganze Bad steht in Flammen!« Schwarzgrauer Qualm wabert in den Abendhimmel. Moritz hustet und weint nur leise. Inzwischen sind einige Nachbarn auf der Straße. In Schüsseln und Eimern bringen sie Wasser herbei. Herr Schulte, ein Rentner von nebenan, hat seinen Gartenschlauch angeschlossen und versucht zu löschen. Aber der dünne Wasserstrahl erreicht nur das Schaufenster des Friseurladens. Es nützt nichts. Das Feuer ist schon viel zu stark. Die Leute rufen hinauf: »Kommt sofort runter!« Aber: zu spät! Das ganze Treppenhaus steht in hellen Flammen. Der Fluchtweg für Margret und Moritz ist abgeschnitten. Für einen rettenden Sprung liegt das Fenster viel zu weit oben. Wenn doch endlich die Feuerwehr käme …

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Erwin Enns kann nicht länger abwarten. Gleich wird sich der Brand auf die ganze Etage ausdehnen. Als das Dachgebälk in prasselndem Feuer steht, fasst er den Entschluss. Er ruft: »Moritz, ich komme!« Wie ein Wiesel klettert Erwin an einem Rosenstock die Hauswand hinauf zum oberen Stockwerk. Dann umklammert er das Abflussrohr der Dachrinne und zieht sich hoch und höher, bis er das Dach erreicht. Unten stehen fassungslose Zuschauer. Wenn das mal gut geht! Die Dachrinne biegt sich bedrohlich unter der Last. Erste Fensterscheiben bersten wegen der großen Hitze. Zuckende Flammenzungen schlagen aus einem gekippten Fenster über Erwins Kopf. Todesmutig hangelt er sich trotzdem an der Dachrinne entlang bis zum Fenster, bei dem Moritz und Margret in Todesangst warten. »Halt dich an meinem Hals fest, Moritz!«, brüllt Erwin. Tatsächlich, der verängstigte kleine Knirps wagt sich über die Fensterbank hinaus. Wie ein Tierbaby klammert er sich an Erwins Körper. Sofort hangelt der mutige Nachbar mit der wertvollen Fracht an der Dachrinne zurück. Moritz wird ganz blass vor Angst. Ob Erwin die Kletterei durchhält? Ob die Dachrinne abreißen kann? Nach endlos erscheinenden drei Metern erreicht er das senkrechte Blechrohr nach unten. Er gleitet vorsichtig hinab und landet unsanft in den dornigen Rosen. Da biegt endlich der Stolzacher Löschzug um die Ecke. Blaulicht

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