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Martin Kamphuis

Buddhismus – Religion ohne Gott

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 ¡ 33661 Bielefeld


2. überarbeitete Auflage 2014 (früher im Verlag SCM Hänssler, Holzgerlingen, erschienen) © 2014 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Satz: CLV Umschlag: typtop, Andreas Fett, Meinerzhagen Druck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm Bestell-Nr. 256.156 ISBN 978-3-86699-156-9


Inhalt Teil 1: Buddhismus – Lehre und Entwicklung 1 Einführung

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2 Unwissenheit über den Buddhismus im Westen

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3 Buddhismus: eine Religion? 3.1 Anbetung und Persönlichkeitsmerkmale des Buddha 3.2 Fazit

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4 Die Schriften des Buddhismus

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5 Das Leben des historischen Buddha 5.1 Die Legende von den vier Ausfahrten

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6 Karma und Wiedergeburt 6.1 Wesensklassen für Wiedergeburten

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7 Die Erleuchtung Siddharthas 7.1 Erleuchtung = Nichts oder Leere 7.2 Die Erde als Zeuge der Erleuchtung

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8 Die Vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus 8.1 Die erste Wahrheit 8.2 Die zweite Wahrheit 8.3 Die dritte Wahrheit 8.4 Die vierte Wahrheit

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9 Die Entwicklung des Buddhismus 9.1 Das buddhistische Glaubensbekenntnis

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10 Die drei Hauptströmungen des Buddhismus 10.1 Hinayana- oder Theravada-Buddhismus 10.2 Mahayana-Buddhismus 10.3 Tantrayana- oder Vajrayana-Buddhismus

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11 Ausdrucksformen der Erleuchtung 11.1 Mandalas und Einweihungsrituale 11.2 Die Welt als Träger der Erleuchtungsenergie

39 39 40

12 Buddhismus im Westen

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Teil II: Diskussionen und Kontroversen

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1 Herausforderung Buddhismus 1.1 Buddhistische Elemente in unserer Gesellschaft

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2 Meditation, Kontemplation und Gebet 2.1 Erlösung durch Versenkungsmeditation 2.2 Erlösung im Christentum: Versöhnung mit Gott 2.3 Gebet

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3 Grundlagen eines Dialogs 3.1 Dalai Lama 3.2 Thích Nhất Hạnh

53 54 55

4 Toleranz 4.1 »Die Wahrheit ist relativ« 4.2 Der Absolutheitsanspruch im Buddhismus 4.3 Das Christentum und Toleranz

57 58 60 63

5 Achtsamkeit und Mitgefühl im Buddhismus 5.1 Achtsamkeit im Buddhismus 5.2 Mitgefühl im Buddhismus 5.3 Barmherzigkeit im Christentum

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6 Vom inneren Frieden zum Weltfrieden 6.1 Der politische Anspruch im Tantra-Buddhismus 6.2 Frieden im Christentum

69 71 72

7 Ausstrahlung 7.1 Die Quelle der Ausstrahlung des Dalai Lama 7.2 Der Dalai Lama und Christus

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8 Leiden im Buddhismus und im Christentum 8.1 Leiden im Buddhismus 8.2 Leiden im Christentum 8.3 Authentizität einer Religion

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9 Die Macht Jesu und die Macht des Karma 9.1 Die Macht Jesu über die Sünde

83 84

10 Buddhismus – eine atheistische Religion? 10.1 »Gott als unpersönliche Kraft« 10.2 »Gott als ›Götter‹« 10.3 »Gott als Schöpfer und Erlöser« 10.4 Buddhistische Realität: Kein Schöpfer und kein Geschöpf 10.5 Realität im Christentum: Schöpfer und Geschöpf in Beziehung zueinander

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Teil III: Praktische Empfehlungen

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1 Kurz gefasst: Was wir über den Buddhismus wissen müssen

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2 Fragen an westliche Buddhisten

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3 Aufklärung für fernöstliche Buddhisten

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4 Denkanstöße für Christen

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5 Tipps für engagierte Christen 6 Weblinks, Literaturhinweise und Statistik 6.1 Buddhisten in Deutschland 6.2 Buddhisten in der Schweiz 6.3 Buddhisten in Österreich 6.4 Buddhismus in Europa in Zahlen 6.5 Missionarischer Zweig des Buddhismus 6.6 Wie Christen mit Buddhisten sprechen 6.7 Wie Buddhisten Christen wurden 6.8 Basiswissen zum Buddhismus 6.9 Mahayana-Buddhismus 6.10 Tibetischer (Tantra-)Buddhismus 6.11 Esoterik und Hinduismus 6.12 Dalai Lama 6.13 Kritisch zum Dalai Lama 6.14 Thích Nhất Hạnh

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6.15 Buddhisten im Westen 6.16 Weitere Literatur zum Thema Buddhismus und Esoterik von dem Autor 6.17 Buddhismus und Wissenschaft 6.18 Buddhismus und Christentum – Leiden 6.19 Christenverfolgung in buddhistischen Ländern 6.20 Theravada-Buddhismus 6.21 Buddhistischer Einfluss auf christliches Gebet und Meditation 6.22 Religion(en) allgemein 7 Bibliografie

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Teil 1: Buddhismus – Lehre und Entwicklung

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Einführung

Vor dem Eingang der Stadthalle in Graz standen etliche tibetische Mönche. »Was halten Sie von dieser Aussage?«, fragte ich einen von ihnen und wies auf ein Schild mit der Aufschrift: »Jesus Christus: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich. – Lasset euch versöhnen mit Gott.« Ein bärtiger älterer Mann hielt es täglich auf dem Vorplatz des Gebäudes, in dem der Dalai Lama ein elftägiges Einweihungsritual (Initiation) abhielt, den Tausenden von Teilnehmern entgegen. Lächelnd antwortete der Mönch: »Das ist doch wunderbar! Jesus ist doch auch ein Buddha!« Wenn es eine muslimische Veranstaltung gewesen wäre, hätte der Mann mit seinem Schild wahrscheinlich nicht so lange dort gestanden. Aber Buddhisten geben sich zumindest in Europa erst einmal tolerant. Die Antwort des tibetischen Mönchs zeigte den Grund seiner Toleranz: Er gab Jesus und Gott einfach einen Platz in seinem, dem ihm bekannten Glaubenssystem.

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Unwissenheit über den Buddhismus im Westen

Diese Form von »Toleranz« ist auch bei uns sehr verbreitet. Letztendlich ist es aber nur Unwissenheit, wenn Menschen immer wieder argumentieren, dass Buddha doch nur ein anderer Name für Gott sei. Damit ordnen sie – ähnlich, wie der tibetische Mönch es mit Jesus tat – den ihnen unbekannten Begriff »Buddha« in ihren traditionellen Gottglauben ein. Toleranz in Form von Unwissenheit mag bequem und in gewisser Weise angenehm sein, führt jedoch nicht zu einer verantwortlichen, freiheitlichen und bewussten Entscheidung in Bezug auf die Wahl des Glaubens oder der Religion. Das Nebeneinander verschiedener Religionen in unserer heutigen westlichen Gesellschaft bringt die Notwendigkeit eines Dialogs mit sich. Sie sollte allerdings nicht zu einer Integration aller Frömmigkeitsübungen führen, die letztendlich in eine universale Religiosität mündet. Damit würde die spezifische Eigenart einer jeden Religion übersehen und ihr Ziel nicht erkannt. Es fällt auf, dass manche Vertreter fernöstlicher Religionen häufig einen klareren Standpunkt haben als Vertreter des Christentums. So betonte der Dalai Lama im Dialog mit einer Gruppe von Christen den wesentlichen Unterschied zwischen Buddhismus und Christentum, indem er wiederholt klarmachte, dass der Buddhismus keinen Schöpfergott oder persönlichen Erlöser kenne. Er warnte sogar vor Menschen, die sich »buddhistisch10


christlich« nennen.1 Dieser weltbekannte Vertreter des Buddhismus und gern gesehene Gast in öffentlichen religionsübergreifenden Foren erkennt die wesentlichen Unterschiede zwischen den Religionen und weiß um die Grenzen des Dialogs besser, als es nach außen hin scheint.2 Dieses Buch soll dazu beitragen, sich über Grundlehren des historischen Buddha und das von ihm formulierte Ziel des Buddhismus zu informieren. Erst durch Information besteht die Möglichkeit einer eventuellen Unterscheidung oder eines wahren Dialogs mit Menschen buddhistischer Herkunft oder Prägung.

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Buddhismus: eine Religion?

»Buddhismus ist doch keine Religion, sondern eher eine Lebensphilosophie oder sogar eine Wissenschaft«, meinte eine Dame ein wenig triumphierend, als sie mit der Frage konfrontiert wurde, ob es gut sei, sich als Christin auf buddhistische Meditationsformen einzulassen. »Buddha hat sich nie anbeten lassen!« Diese Haltung des historischen Buddha sprach sie offensichtlich so an, dass sie sich überlegte, weitere bud1 Dalai Lama, Das Herz aller Religionen ist eins. Die Lehre Jesu aus buddhistischer Sicht, übersetzt von Michael Wallossek, 2. Auflage (Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 1997), S. 14 (Zitat aus dem Vorwort von Robert Kiely). 2 Ebenda, S. 28. Während der Dalai Lama auf einer christlichen Konferenz die Unterschiede zwischen Buddhismus und Christentum nennt, beschreibt der Benediktinermönch Laurence Freeman ein »gemeinsames Fenster zur Wahrheit«.

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dhistische Kurse zu besuchen. Obwohl der Buddhismus im Allgemeinen zu den fünf Weltreligionen gezählt wird, hört man immer öfter unüberprüfte Pauschalaussagen wie diese. Was sind nun wesentliche Merkmale einer Religion? Ein älteres Wörterbuch bezeichnet Religion schlicht als »Gottes(ehr)furcht«3. Im Rahmen dieser Definition dürfte der Buddhismus tatsächlich nicht als Religion bezeichnet werden, da er die Existenz eines ewigen Gottes ablehnt. Ein Lexikon definiert Religion folgendermaßen: »das positive Verhalten, sowohl des Einzelnen als auch einer gesellschaftlichen Gruppe, gegenüber einer überweltlichen und zugleich weltüberlegenen Macht«4. In dieser Definition ist die fernöstliche Religiosität in Form des Buddhismus miteinbezogen. Die überweltliche oder weltüberlegene Macht drückt sich zwar nicht in einem externen Gott aus, wohl aber in einem perfekten Zustand, nämlich dem Zustand der Erleuchtung, der auch Bodhi genannt wird. (Das Wort Buddha ist von diesem Wort abgeleitet.) In diesem Zustand wird nach einer Einheitserfahrung gestrebt und nicht nach einer Begegnung mit einem Gott außerhalb des Menschen. Die Einheitserfahrung liege jedoch jenseits aller Erfahrungen dieser Welt. In diesem Sinne kann sie als »überweltliche Macht« bezeichnet werden. Der Same für diesen Zustand sei allerdings bereits im Inneren 3 Das neue deutsche Wörterbuch für Schule und Beruf. München: Heyne Verlag, 1996, S. 757. 4 Goldmann Lexikon, »Religion«. München 1990, S. 137

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eines jeden Menschen als sogenannte »Buddhanatur« vorhanden. Im Allgemeinen ist Religion auf ein oder mehrere unsichtbare Wesen oder eine überweltliche Realität ausgerichtet. Um diese zu ehren, günstig zu stimmen oder sich mit ihnen einszumachen, werden sie angebetet oder es werden rituelle Handlungen ausgeführt. Diesen allgemeinen Annahmen zufolge (denen ich mich anschließe) wird Religion nach zwei Hauptmerkmalen definiert: 1. Es handelt sich um ein außerweltliches Ziel. 2. Es handelt sich um Bemühungen des Menschen, das vorgegebene Ziel zu erlangen.5 In vielen asiatischen Ländern sehen wir Menschen, die Buddha-Statuen anbeten. Der historische Buddha lehnte zwar tatsächlich die Anbetung seiner Person ab, behauptete aber, dass seine Gebeine als Reliquien anbetungswürdig wären. Da Buddha-Statuen häufig Reliquien beinhalten und durch diese besonderen Segen und Kraft erhalten sollen, ist auch deren Anbetung in Buddhas Sinne. Nicht nur Reliquien sind für den Buddhisten ehrfurchtgebietend. Auch die Buddha-Statuen selbst sollen ehrfürchtig betrachtet werden; denn sie seien eine Erinnerung an das zu erlangende Ziel, den 5 Zu einer Definition von Religion könnte noch gehören: Religion bietet den Menschen eine Erklärung für ihre Welt, vermittelt moralische Werte, gibt Antwort auf wesentliche Lebensfragen, bietet einen Sinngrund, etc. Als Autor zähle ich zu Religion nur, wenn ein Zugang zu einem überweltlichen Wesen oder Zustand angestrebt wird.

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Zustand der Erleuchtung. Anstelle von »Gottes(ehr-) furcht« kann hier die Ehrfurcht vor dem überweltlichen Zustand Bodhi stehen. Wenn Bodhi als Ersatz für Gott betrachtet werden würde, wäre der Buddhismus sogar Religion im Sinne der ersten Definition. 3.1 Anbetung und Persönlichkeitsmerkmale des Buddha

Anbetung spielt im Buddhismus eine viel größere Rolle, als allgemein angenommen wird. Durch das Anbeten einer Buddha-Statue soll eine Kraft oder ein Segen auf den Betenden übertragen werden. Gerade das Anbeten solch einer Statue erweckt den Anschein, als würde der Mensch sich einem Wesen zuwenden. Wie aber bereits gesagt wurde, handelt es sich im Grunde genommen jedoch nicht um ein äußeres Wesen, sondern um die jedem Menschen, jedem Tier und jedem Gegenstand innewohnende Buddhanatur. Ihre völlige Entfaltung soll zu dem perfekten Zustand der Erleuchtung, also dem Bodhi, führen. Da der Zustand Bodhi mit Worten nicht zu beschreiben ist – denn es bedeutet eine vollkommene Auflösung des Ichs, in dem es auch kein Bewusstsein mehr geben soll –, weiß der Buddhist nicht genau, wie das Ziel seines Strebens aussieht. Es wird behauptet, dass dieser Zustand sowohl von innen, aus ihm heraus, als auch von außen über ihn kommen könne. Im Sinne unserer oben angeführten Definition wäre die buddhistische Versenkungsmeditation die Anbetung dieses inneren perfekten Zustands. In späteren Strömungen des Buddhismus hat die 14


übersinnliche Macht des Buddha in gewisser Weise Persönlichkeitsmerkmale; denn es wird angenommen, dass sie auch von sich aus wirksam sei. Sie könne zum Beispiel helfend eingreifen, wenn eine Person sich ihr zuwende. 3.2 Fazit

Zusammengefasst muss gesagt werden, dass es aufgrund all dieser Merkmale zu wenig wäre, den Buddhismus nur als eine Wissenschaft oder eine Lebensphilosophie zu bezeichnen. Denn diese beiden Begriffe beschreiben hauptsächlich innerweltliche Phänomene, die mit dem Verstand nachvollziehbar sind. Daran ist ein Buddhist jedoch überhaupt nicht interessiert;6 denn alles Sichtbare ist für ihn letztendlich Illusion. Da das Ziel des buddhistischen Strebens jenseits aller Erfahrungen in dieser Welt liege, sei es mit dem Verstand nicht zu erfassen, sondern habe das Leben dieser Welt völlig hinter sich gelassen (transzendiert). In dem Sinne, dass der Buddhismus 1) ein außeroder überweltliches Ziel anstrebt, welches zwar keinen Gott kennt, sondern einen transzendenten Zustand namens Bodhi meint, und sich 2) Menschen von ihrer Seite aus im Glauben daran bemühen, das vorgegebene Ziel zu erlangen, muss er als eine Religion betrachtet werden. Wie dieses Bemühen stattfinden soll, ist in 6 Edward Conze, Der Buddhismus: Wesen und Entwicklung, 10. unveränderte Auflage (Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer, 1995), S. 13: »Die buddhistische Tradition würde die Erforschung der Wirklichkeit als eine bloße Zeitverschwendung ansehen.«

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»heiligen Schriften« in Form von Geboten, Regeln und Ritualen genau vorgegeben. Ein festgelegtes Schrifttum, welches Glaubensgrundlagen und Wegweisung für ein Leben zu dem jeweiligen Ziel der Religion bietet, ist ein weiteres Kennzeichen einer (Welt-)Religion.7

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Die Schriften des Buddhismus

Der sogenannte Pali-Kanon wird allgemein als Maßstab der Lehre Buddhas akzeptiert. Frühestens 200 Jahre nach dem Tod des historischen Buddha wurde mit der schriftlichen Verfassung dieses Kanons begonnen. Bis dahin existierten nur mündliche Überlieferungen. Der Umfang des Pali-Kanons ist beträchtlich.8 Im Vergleich zu ihm ist die Bibel nur ein kleines Buch. Der Pali-Kanon ist im Tipitaka überliefert, was »drei Körbe« bedeutet, weil ceylonesische Mönche die Texte in drei Körben aufbewahrten. Die drei Körbe mit den umfangreichen Texten sind:9 1. der Korb der Ordnung (Vinaja-Pitaka) mit Texten über die Ordensregeln des Mönchtums; 7 Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus sind die fünf größten Weltreligionen und haben eine auf alle Menschen bezogene Heilslehre, die in schriftlicher Form vorliegt. Alle beschreiben ein über- oder außerweltliches Ziel und breiten sich missionarisch aus. 8 Gottfried Mai, Buddha – Die Illusion der Selbsterlösung, 2. Auflage (Berneck: Schwengeler, 1989), S. 17. Die 1881 in London gegründete Pali Text Society hat den Tipitaka mit Pali-Texten in lateinischer Umschrift in 170 Bänden veröffentlicht. 9 Mai, Buddha, S. 18.

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2. der Korb der Lehrvorträge (Sutta-Pitaka) mit Lehrreden Buddhas, Erzählungen aus seinem Leben und aus früheren Inkarnationen sowie Liedern der frühen Mönche und Nonnen; 3. der Korb der höheren Lehre (Abhidamma-Pitaka) mit philosophisch-scholastischen Lehrtexten. Wann und wie der historische Buddha gelebt hat, lässt sich im Gegensatz zum Leben Jesu geschichtlich nicht nachweisen. Trotzdem enthalten die Schriften des PaliKanons – ebenso wie die Evangelien – Grundlagen der Lehre; und das Leben des historischen Buddha hat Vorbildcharakter.

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Das Leben des historischen Buddha

Der historische Buddha lebte etwa von 560 – 480 v. Chr. (neueren Forschungen zufolge möglicherweise auch ein Jahrhundert später). Er war Sohn eines Kleinfürsten (Raja). Sein Familienname war Shakyamuni (»Sohn der Shakya«), sein Vorname Siddhartha, dem er selbst später den Namen Gautama hinzufügte. Er wuchs als Hindu auf. Nach Aussagen einer Legende soll ein Prophet während Siddharthas Geburt diesen entweder als zukünftigen Weltbeherrscher (mächtiger Fürst) oder Weltüberwinder (Heiliger) gesehen haben. Weil sein Vater dieser Beschreibung zufolge vermei17


den wollte, dass aus ihm ein Heiliger würde, wollte er ihn zu einem starken weltlichen König erziehen und ließ ihm alles zukommen, was seine Seele würde stärken können. Er führte ein Leben im Luxus und wurde bewusst von allem Leid ferngehalten. Kranke und alte Menschen bekam er nicht zu Gesicht. Siddhartha gab sich jedoch nicht mit dem Leben in diesem goldenen Käfig zufrieden und bat seinen Vater, sich dessen Reich anschauen zu dürfen. 5.1 Die Legende von den vier Ausfahrten

In der »Legende von den vier Ausfahrten«10 wird berichtet, wie sein Leben daraufhin eine entscheidende Wende nahm. Die Geschichte beginnt damit, dass Siddhartha einen alten Mann am Wegrand entdeckte. Dieser Mann war: »… abgelebt, gekrümmt wie Dachsparren, gebückt, auf eine Krücke gestützt, schlotternden Ganges dahinschleichend, siech …«11 Bestürzt erfährt er, dass auch er einmal alt werden kann. Die zweite Ausfahrt konfrontiert ihn dann mit einem kranken Mann, der »… elend, schwer leidend, sich in eigenem Kot und Urin herumwälzte …«12 Die tiefste Erschütterung erlebte er jedoch bei einer dritten Ausfahrt, als ein Toter auf einer Bahre vorbeigetragen wurde. Auf die verzweifelte Frage des Prinzen, 10 Mai, Buddha, S. 40. 11 Nyanatiloka, Der Weg zur Erlösung: In den Worten der buddhistischen Urschriften. Ausgewählt, übersetzt und erläutert von Nyanatiloka, Buddhistische Handbibliothek, Bd. 8 (Konstanz: Verlag Christiani, 1956), S. 22. 12 Nyanatiloka, Der Weg, S. 23.

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ob auch sein Leben einmal so enden müsse, antwortete der Diener wiederum, dass ein Mensch unvermeidlich dem Tod entgegengehe, weil er einen sterblichen Leib habe. Die alte, die kranke und die tote Person werden von Buddha später unter der Bezeichnung »die drei Himmelsboten«13 zusammengefasst. Durch diese Boten sei er für die Wahrheit des Leidens erwacht, die allem Leben zugrunde liegen würde, auch wenn es viele gute Erfahrungen gebe. Während einer vierten Ausfahrt begegnete ihm dann ein Bettelmönch (Sadhu), der aus dem gleichen Erwachen heraus bereits Konsequenzen gezogen und Haus und Familie verlassen hatte. Der Mann sagte ihm: »Ich forsche … nach dem Glück dessen, was nicht verfällt und untergeht, was keinen Beginn des Daseins kennt, was Feind und Freund mit Gleichmut betrachtet, nach Reichtum und Schönheit nicht fragt.«14 Siddhartha fasste den Entschluss, ebenfalls sein Haus, seinen Palast zu verlassen. Über Nacht ließ er sein üppiges Leben, seine Frau und seinen gerade erst geborenen Sohn hinter sich. Das Bewusstwerden der Tatsache dieses unumgänglichen Leidens wird als eine Triebfeder gesehen, die Sid13 Nyanatiloka, Der Weg, S. 23f. 14 Johannes Lehmann, Buddha (Frankfurt: 1983), S. 40ff. Zitiert in Mai, Buddha, S. 43.

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dhartha bewegte, sein Leben als junger Prinz zu hinterfragen und sich auf eine intensive Suche zu machen.

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Karma und Wiedergeburt

Gemäß der buddhistischen Lehre war nicht nur die Schockerfahrung über das unumgängliche Leiden in dieser Welt die Triebfeder für Siddharthas Suche, sondern auch sein positives Karma aus vorherigen Inkarnationen. Zum Buddhismus gehört der Glaube an Reinkarnation (Wiedergeburt) und Karma. Mit Karma ist wörtlich »Tat« gemeint. Es bedeutet einen Tun-ErgehensZusammenhang, nach dem Motto: »Was der Mensch sät, wird er im nächsten Leben ernten.« Erst nach seiner Erleuchtung soll Siddhartha erkannt haben, dass er bereits als Tier gelebt und sich z. B. als Antilope einem hungrigen Löwen hingegeben habe. Solche aufopfernden Taten sollen ein positives Karma entwickeln. Karma ist nur begrenzt mit unserem Begriff Schicksal gleichzusetzen; denn jedes Wesen, ob es sich dessen bewusst ist oder nicht, ist gemäß der Lehre des Karma selbst verantwortlich für seine Situation. Die Übersetzung mit Schuld wäre ebenso mangelhaft. Schuld steht immer im Zusammenhang mit einem Richter oder einem, an dem man schuldig wird. Gemäß der Lehre des Karma ist es aber so, dass derjenige, der 20


z. B. eine andere Person tötet, zwar sich selbst negatives Karma auflädt, dem anderen gegenüber jedoch nicht schuldig wird; denn dessen frühere Vergehen (z. B. Mord) verursachten dessen Tod in diesem Leben. Die Auswirkungen von negativem Karma müssen getragen oder durchlitten werden – wenn nicht in dieser, dann wohl in einer nächsten Existenz. Buddha lehrte seine Mönche, das Gesetz des Karma sei so eisern, dass »kein Asket, Priester oder Himmelswesen, kein Gott noch Teufel, noch irgendeiner in der Welt … jenes böse Wirken (Karma) …«15 verhindern könne. Die Schuld am eigenen Karma kann nie ausgelöscht werden, sie kann nur durch positive Taten überwunden werden. Nach der Lehre zwingt das Karma in die nächste Wiedergeburt. Wer sich z. B. tierisch verhält, kreiert das Karma (schafft die Voraussetzung dafür), im nächsten Leben als Tier wiedergeboren zu werden. 6.1 Wesensklassen für Wiedergeburten

Buddhisten unterscheiden sechs Wesensklassen, in die man wiedergeboren werden kann. Diese Klassen sind: Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere, hungrige Geister und Höllenwesen. Götter leiden am wenigsten und Höllenwesen am meisten. Da das Maß des Leidens der Menschen genau in der Mitte liege, seien sie am ehesten motiviert und in der Lage, zur Erleuchtung zu gelangen. Nach der Lehre des Buddhismus muss der Mensch so lange in dem Rad der Wiedergeburt (Samsara) blei15 Nyanatiloka, Der Weg, S. 24f.

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ben, bis er erleuchtet ist. Der Begriff Reinkarnation bedeutet »wieder in das Fleisch kommen«. Er deckt die buddhistische Bedeutung der Wiedergeburt jedoch nicht ganz ab. Denn die Wesensklassen der Götter und der Geister haben keinen materiellen Körper. Auch der hier im Westen viel verwendete Begriff Seelenwanderung ist für das buddhistische Verständnis unangebracht, da bei der Verwendung dieses Begriffs davon ausgegangen wird, dass es eine Seele gibt, einen unsterblichen Wesenskern, der sich eventuell in einem nächsten Körper weiterentwickeln könne. Buddhisten gehen jedoch nicht davon aus, dass es eine Seele gibt. Für sie sind sowohl der erleuchtete Zustand Bodhi als auch die Wesen in sich völlig leer. Das, was sich zwangsläufig inkarniert, sei das Karma. Ein Buddhist strebt – im Gegensatz zu den Esoterikern – nicht danach, sich zu reinkarnieren, sondern er steuert den Zustand der vollkommenen Ich-Auflösung an.

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Die Erleuchtung Siddharthas

Nachdem der 30-jährige Prinz Siddhartha alles verlassen hatte und Bettelmönch (Sadhu) geworden war, gab er sich zusammen mit fünf Gefährten der Meditation und strengster Askese hin. Er soll über mehrere Jahre nur noch von einem Reiskorn im Monat gelebt haben. Sehr geschwächt, wurde er einmal beim Baden fast vom Fluss mitgerissen und entschied sich dann, 22


den sogenannten mittleren Weg zu gehen. Dieser Weg soll die Mitte zwischen extremer Askese und extremer Weltergebenheit halten. Von nun an begab er sich in die Versenkungsmeditation. Sitzend unter einem Baum durchlebte er zunächst eine ganze Reihe okkulter Anfechtungen. In Visionen sah er Göttinnen (Maras), die ihm verführerische, aber auch zerstörerische Angebote machten. Danach durchwanderte er verschiedene Stufen der inneren Versenkung.16 Am Ende erfuhr er einen Zustand absoluten Gleichmuts. Alle Empfindungen von Glück, Leid, Klarheit und Reinheit hatten aufgehört. In diesem Moment soll sich die persönliche Existenz des Siddhartha in dem großen Nichts (oder der Leere) aufgelöst haben. 7.1

Erleuchtung = Nichts oder Leere Die Wörter Nichts oder Leere beziehen sich auf die Leerheit aller Phänomene (Sanskrit: Shunyata). Dies bedeutet, dass es allen Phänomenen an einem Wesenskern bzw. an Beständigkeit mangelt. Im Kern seien alle Dinge und Wesen leer, ohne eigenständige Existenz. Dieses zu erkennen oder zu erfahren, sei das erstrebenswerte Ziel. Buddha machte seinen Jüngern klar, dass jede Beschreibung des Zieles unzulänglich sei, denn jede Beschreibung vermittle den Anschein, als gäbe es etwas Wirkliches. Der erleuchtete Zustand könne nur erfahren und nicht aus einem Abstand betrachtet werden.

16 Es soll vier Versenkungsstufen gegeben haben. Siehe Hans-Joachim Schoeps, Religionen – Wesen und Geschichte (München 1979), S. 199.

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Als Buddha erklärte Siddhartha seinem vertrautesten Jünger Shariputra das Verharren in diesem Zustand mit den Worten aus dem sogenannten Herz-Sutra.17 Dieser Text wird von vielen Buddhisten noch heute täglich rezitiert: »Shariputra, auf diese Weise sind alle Phänomene leer – ohne Eigenschaften (…) Daher, Shariputra, gibt es in der Leerheit keine Formen, keine Empfindungen, keine Wahrnehmungen, keine geistigen Formkräfte, kein Bewusstsein, keine Augen, keine Ohren, keine Nase, keine Zunge, keinen Körper, keinen Geist, keine Formen, keine Töne, keine Gerüche, keine Geschmäcker, keine berührbaren Objekte, keine (anderen) Phänomene.«18 Der erlangte Zustand, auch »Vollkommenheit der Weisheit« genannt, wird mit Begriffen wie Leerheit, Erleuchtung, Nirwana oder Bodhi (bzw. Buddha) beschrieben. Das Erfahren dieses Zustands wird nur in Bildern angedeutet. So soll z. B. die Person wie eine Kerze verlöschen und sich im kosmischen Nichts auflösen. 7.2 Die Erde als Zeuge der Erleuchtung

Siddhartha soll 35 Jahre alt gewesen sein, als er die Erleuchtung in Bodhgaya sitzend und meditierend 17 Ein Sutra (wörtlich: »Richtschnur« oder »Leitfaden«) besteht aus unterschiedlichen Lehrreden Buddhas, vgl. Klaus-Josef Notz, »Sutra«, Das Lexikon des Buddhismus (DLdB) N-Z, S. 443. 18 Dalai Lama, Der Weg zum Glück, S. 115-118. »Dieses Herz-Sutra wird in allen buddhistischen Ländern des ›großen Fahrzeugs‹ rezitiert und meditiert.«

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unter einem Bodhi-Baum erlangte. Als Menschen Genaueres über das Ereignis seiner Erleuchtung wissen wollten, berührte er nur mit einer Hand die Erde und meinte: »Die Erde ist mein Zeuge.« Daraufhin soll die Erde gebebt haben. In der Zeugenschaft der Erde über Siddharthas Zustand der Erleuchtung liegt übrigens ein großer Unterschied zu Jesus Christus. Als dieser nach seiner Taufe aus dem Wasser auftauchte, bezeugte ihm eine Stimme aus dem Himmel und sagte: »Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.«19 Was Siddhartha geschah, war laut Selbstbeschreibung einzigartig. Es hieß, er hätte aufhören können zu leben. Während er noch darüber unsicher war, soll ihm eine der höchsten Gottheiten des indischen Himmels, Brahma Sahampati, in einer Vision erschienen sein und ihn flehentlich gebeten haben, doch seine erhabene Lehre zu verkündigen.20

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Die Vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus

Die Gefährten Siddharthas (er trug von nun an den Titel Buddha) spürten seine spirituelle Kraft und baten ihn, seine Sache zu erläutern. Damit begann seine öffentliche Lehrtätigkeit als Buddha. 19 Die Bibel, Matthäus 3,17. 20 Die Begebenheit steht im Mahavagga des Vinaya-Pitaka (Korb der Mönchsordnungen) 1,39; 1,61; 1,68 und 1,71; zitiert in Mai, Buddha, S. 73f.

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Seine erste Predigt beinhaltete die Lehre der Vier Edlen Wahrheiten. Sie ist die Grundlehre des Buddhismus. Alle heutigen buddhistischen Strömungen, wie unterschiedlich sie auch sind, stützen sich auf diese Lehre. Die Lehre der Vier Edlen Wahrheiten wurde nach altem indisch-medizinischen Brauch in der Form von Diagnose und Verordnung gefasst. Nach diesem Muster heißt es in den Vier Edlen Wahrheiten: 1. Alles Leben ist Leiden (Erkennen der Krankheit). 2. Ursache dieses Leidens sind die Begierden (Ursache der Krankheit). 3. Das Leiden wird aufgehoben durch die Befreiung aus den Begierden (Mittel zur Beseitigung der Ursache). 4. Weg zur Aufhebung des Leidens ist der heilige achtfache Pfad (Verordnung zur Beseitigung der Krankheit).21 8.1 Die erste Wahrheit

Das Leiden allen Lebens erklärt Buddha mit folgenden Worten: »Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Sterben ist Leiden, Sorge, Klage, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung sind Leiden, mit Unliebem vereint sein ist Leiden, von Liebem getrennt sein ist Leiden …«22 21 Nyanatiloka, Der Weg, S. 13. 22 Ebenda, Der Weg, S. 15. Laut Buddha bedeutet sogar das Erfreuliche, Angenehme letztlich Leiden, weil es unerfüllte Wünsche hinterlässt und so eine Wiedergeburt bewirkt und demzufolge neues Leid produziert.

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