Skip to main content

255985

Page 1

1 x


2 x


CHRISTOPH HOCHMUTH

Senkrechtstart KURS AUF GOTT

3 x

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld


Bibelzitate sind entnommen aus der »Neuen evangelistischen Übersetzung« von Karl Heinz Vanheiden, erschienen bei Christliche Verlagsgesellscha Dillenburg.

1. Auflage 2007 © by CLV · Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Umschlag: Lucian Binder, Marienheide Satz: CLV Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck

4 x

ISBN 978-3-89397-985-1


Inhalt Vorwort

7

Danksagung

7

Kapitel 1

Die Sehnsucht des Menschen

9

Kapitel 2

Worte von Gott

Kapitel 3

Gott, wer bist du, und wie kann ich dich erkennen? 29

Kapitel 4

Der Mensch lädt Gott aus

Kapitel 5

Das große Defizit des Menschen 49

Kapitel 6

2000 Jahre Jesus

57

Kapitel 7

Das Kreuz

69

Kapitel 8

Gerecht vor Gott

81

Kapitel 9

WerÊs glaubt, wird selig

91

19

39

105

Anhang 1 Leid, das Leben ist nicht fair

115

Anhang 2 Fragen zur Diskussion

119

5 x

Kapitel 10 Ein Leben im Glauben


6 x


Vorwort »Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein Vakuum«, sagte der berühmte französische Mathematiker und Physiker Blaise Pascal. Damit drückt er aus, was viele von uns beobachtet oder selbst erlebt haben. Warum ist das so? Und wie kann diese Leere gestillt werden? Blaise Pascal bleibt eine Antwort nicht schuldig, wenn er fortfährt: »Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein Vakuum, das nur Go4 füllen kann.« Das ist eine Behauptung, die es zu beobachten und zu durchdenken lohnt. Dazu möchte Ihnen »Senkrechtstart - Kurs auf Go4« Anregungen geben. Im Anhang des Buches befindet sich ein Fragenteil. Dieser ist den Leserinnen und Lesern gewidmet, die nach der Lektüre des Buches weiterführende Fragen diskutieren möchten.

Danksagung Dieses Buch ist ein Auszug aus Vorträgen, die ich in den letzten Jahren in Österreich und Deutschland gehalten habe. Mein besonderer Dank gilt dabei Maria Jäger, die meine Vorträge gekürzt und in leicht leserliche Sätze gekleidet hat.

7 x

Christoph Hochmuth


8 x


KAPITEL 1

Die Sehnsucht des Menschen Wer kennt sie nicht: die Sehnsucht? Dieser Begri umfasst unzählige WĂźnsche, BedĂźrfnisse, Träume und Ziele. Sehnsucht ist ein tiefes Verlangen nach jemandem oder etwas, das wir lieben und begehren. Sehnsucht ist der unbedingte Wunsch nach ErfĂźllung unserer BedĂźrfnisse und Träume. Sehnsucht strebt nach ErfĂźllung und GlĂźckseligkeit. Diese GlĂźckseligkeit liegt nicht im Menschen, sondern auĂ&#x;erhalb seiner selbst. Deshalb sucht er danach. Wie kann ein Mensch seine SehnsĂźchte stillen und ein erfĂźlltes Leben erlangen?

LĂśsungsversuch

9 x

Ein Ansatz zur Stillung unserer Sehnsucht ist der Erwerb materieller Gßter. Dieser LÜsungsversuch ist vor allem in den reicheren Ländern unserer Welt anzutre en. Er wird von der Werbewirtscha aufgegri en und gewinnbringend eingesetzt. Werbung erkennt vorhandene und erzeugt neue Sehnsßchte. Sie weckt das Verlangen nach Produkten, die diese scheinbar stillen. Ein Automobilhersteller beispielsweise verkau nicht nur einen fahrbaren Untersatz, der Mobilität ermÜglicht, sondern koppelt den Besitz eines Autos auch an Werte wie Kra , Sicherheit, Ästhetik und Prestige. Der Hersteller knßp somit an tiefer liegenden menschlichen Bedßrfnissen verkaufsstrategisch an. Diese gängige Praxis nennt die Werbebranche psychologischer Nutzen – Sehnsßchte werden scheinbar gestillt. Wäre es so, dass materielle Gßter oder Dinge unsere Sehnsucht stillen kÜnnten, dann mßsste es in unserer


westlichen Welt sehr viele Menschen geben, die ein erfülltes Leben haben, denn es steht uns eine nahezu unendliche Bandbreite von Produkten zur Verfügung. Die Pale4e reicht von Designerkleidung über schöne Immobilien, Digitalkameras, Wellness-Produkte bis hin zu Fernreisen und Selbstfindungskursen. Wir haben alles, und findige Köpfe kreieren laufend neue Güter, die unser Leben reicher, bunter und schöner machen sollen. Halten die Dinge tatsächlich, was sie versprechen? Machen sie unser Leben auch erfüllter? Geht es uns tatsächlich gut, wenn es uns im materiellen Sinn gut geht? Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Depressionen, die derzeit an vierter Stelle aller Krankheiten stehen, in 20 Jahren bereits an die zweite Stelle gerückt sein werden. Trotz materiellem Reichtum sind wir scheinbar dem Glück nicht näher gekommen. Das eigentlich Ersehnte ist anscheinend nicht dabei. Wir können uns ein Be4 kaufen, aber keinen Schlaf. Wir können uns Bücher kaufen, aber kein Wissen. Wir können uns Lebensmi4el kaufen, aber keinen Appetit. Wir können uns Medikamente kaufen, aber keine Gesundheit. JeanPaul Sartre (1905 – 1980; franz. Philosoph, Schri steller) sagte einmal: »Der sensible Mensch leidet nicht aus diesem oder jenem Grunde, sondern ganz allein, weil nichts auf dieser Welt seine Sehnsucht stillen kann.« Endstation Sehnsucht? Betrachtet man den deutlichen Widerspruch zwischen großem Reichtum und ungestillter Sehnsucht, sieht man, dass unser eigentliches Verlangen durch materielle Dinge nicht gestillt werden kann.

Alles, was wir wollen

10 x

Um der Sehnsucht weiter auf den Grund zu gehen, sollten wir uns folgende Frage stellen: Was wollen wir


11 x

eigentlich in unserem Leben erreichen? Was ist unser tiefster Wunsch? Ein Haus bauen? Eine glückliche Partnerscha ? Menschen, die uns lieben? Erfolg und Anerkennung? Familie? Diese Liste enthält mit großer Wahrscheinlichkeit Sehnsüchte, die viele hegen. All das wünschen wir uns. Interessant ist jedoch die Frage: Wozu wünschen wir uns das? Worauf wollen wir hinaus? Was ist der gemeinsame Nenner unserer Sehnsüchte? Was suchen wir in alldem? So manches Lebensbeispiel zeigt uns, dass selbst dann, wenn einzelne Ziele in Erfüllung gehen, die Sehnsucht nach dem Eigentlichen nicht gestillt ist. Menschen bleiben trotz Erfolg im Beruf, trotz glücklicher Familie, trotz erreichter Anerkennung unerfüllt. Eine von Melancholie begleitete Rest-Sehnsucht, die wir nicht stillen können, bleibt vorhanden. Warum ist das so? Wozu wünschen wir uns Dinge, wenn sie die Sehnsucht nicht dauerha stillen können? Ist es möglich, dass der dahinter liegende Hunger ein Hunger nach dem Leben selbst ist? Wir sehnen uns nach dem Leben selbst. Denn unser Dasein ist nicht das Leben selbst. Vom Tag unserer Geburt an tragen wir den Keim des Todes in uns. Wir sind vergänglich, wir können nichts festhalten. Weder Schönheit, Gesundheit, Reichtum noch Besitz oder Menschen. In diesem Zustand des Schwindens bleibt die Sehnsucht nach dem Leben. Diese eigentliche, tiefste Sehnsucht richtet sich auf das Ewige und Unvergängliche. Sie richtet sich auf unseren Ursprung, auf Go4. Wir tragen eine Ahnung von unserem Schöpfer in unserem Herzen. Diese Sehnsucht können wir mit Dingen, Erlebnissen oder uns kostbaren Menschen nicht dauerha verdrängen. In manchen Momenten des Lebens überwältigt sie uns. Blaise Pascal, der berühmte Mathematiker und Physi-


12 x

ker, bezeichnete diese Sehnsucht als ein Vakuum, das nur Go4 ausfĂźllen kann, ein Vakuum, das uns Go4 ins Herz gelegt hat, das uns zu ihm ziehen soll. Go4 ist die Weite, auf die hin wir angelegt sind, und alles andere ist uns zu eng. Er ist die SchĂśnheit, nach der wir uns sehnen, er ist die GlĂźcksfĂźlle, die Wahrheit, der Ewige. Augustinus schrieb einst: ÂťAuf dich hin hast du uns gescha en, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dirÂŤ (Augustinus, ÂťConfessionesÂŤ, Erstes Buch). Wir finden in Dingen keine vollkommene ErfĂźllung, weil wir nicht auf die Dinge hin gescha en sind, sondern auf den SchĂśpfer aller Dinge. Go4 ist der SchlĂźssel zu wahrer Zufriedenheit, der SchlĂźssel zu ewigem Leben. In ihm erfĂźllt sich unsere Sehnsucht nach Wert und Sinn im Leben. In diesem Zusammenhang ist die Frage nach unserem Wert von groĂ&#x;er Bedeutung. Was sind wir wert, und wodurch erhalten wir Wert? In der Marktwirtscha berechnet sich der Wert eines Menschen nach der Arbeitsleistung, die der Mensch erbringt, und nach seinem Besitz. Zusätzlicher Wert ergibt sich innerhalb der Gesellscha durch das Erlebte. Ein Urlaub auf den Malediven, ein ausgefallenes Hobby, ein Auslandsaufenthalt lassen einen Menschen interessant und wertvoll erscheinen. Sie heben ihn von anderen ab, machen ihn exklusiv. Diese Wertkomponenten haben allerdings eine Kehrseite. Wenn wir durch Leistung, Besitz und Erlebtes definiert werden, dann verfällt menschlicher Wert. Alte Menschen, Kranke, Sterbende, Behinderte, Arbeitslose oder Arme haben nach dieser Rechnung keinen Wert mehr. Sie tragen nichts zur Leistungsgesellscha bei, erleben nichts, was wir als interessant erachten, und verfĂźgen o nicht einmal Ăźber (vererbbaren) Besitz. Die Folge: Jeder Ein-


13 x

zelne steuert naturgemäß auf den totalen Wertverlust zu. Wenn Wertschätzung auf Basis oben genannter Kriterien erfolgt, dann verkommt das Leben zu einer banalen Kosten-Nutzen-Rechnung. Ohne einen größeren Sinnzusammenhang, ohne Go4, verfällt unser Wert. Somit müssen wir bei der Suche nach einem erfüllten Leben zunächst die Frage nach dessen Sinn stellen. Was gibt unserem Leben Sinn? Mit »Sinn des Lebens« ist das gemeint, was unsere Existenz in einen größeren Sinnzusammenhang stellt, in einen, der über das alltägliche Leben hinausweist. Sonst wäre die Sinnfrage absurd und könnte höchstens begrenzt auf eine Lebensspanne individuell entschieden werden. Zum Beispiel: Der Sinn meines Lebens ist, dass ich etwas lerne. Wozu lerne ich? Damit ich einen Arbeitsplatz bekomme! Wozu arbeite ich? Um leben zu können und meinen Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. Wozu sollen meine Kinder lernen? Damit sie später eine Arbeit finden. Der Sinn des Lebens gleicht hier einem Hamsterrad, das unermüdlich bewegt wird, um den immer gleichen Kreislauf in Gang zu erhalten. Ist das sinnsti end? Viele Menschen sehen daher keinen besonderen Sinn in ihrem Leben. In guten Zeiten ist das Leben so bereichernd, dass wir dadurch Sinn erfahren. Ist das aber von Bestand? Was ist der Sinn von Liebe, Freundscha und Erfolg, wenn sie vergehen? Sehnen wir uns nicht nach einem größeren Sinnzusammenhang? In unserem Sehnen nach Wert und Sinn spannt sich der Bogen zu Go4. Go4 verleiht unserem Leben beides. Er gibt Erfüllung. In der Bibel wird der Mensch als einzigartiges Geschöpf Go4es vorgestellt. Go4 hat uns Menschen gewollt und zu seinem Gegenüber bestimmt. Dazu gab er uns intellektuelle, ästhetische, kreative und moralische Fähigkeiten. In Go4es Augen


hat jeder Einzelne einen immensen Wert, weil er von ihm, dem SchĂśpfer, ausgeht. Ein Kind hat fĂźr den liebenden Vater einen unermesslichen Wert. Dieser Wert ist von der Art und Weise, wie das Kind von der AuĂ&#x;enwelt wahrgenommen wird, unabhängig. Objektiv betrachtet wäre ein anderes Kind intelligenter, geschickter oder a4raktiver. Das ist fĂźr die Liebe des Vaters jedoch unwesentlich. Nicht die Leistung zählt, sondern die Tatsache, dass es sein Kind ist. Wir sind unsagbar wertvoll, nicht weil wir etwas leisten, sondern weil wir von dem kommen, bei dem alles anfängt und zu dem alles hingeht. Go4 hat uns in seinen Sinnzusammenhang gestellt. Er ist Ursprung und Ziel des Lebens und hat einen Plan fĂźr uns. Er hat uns auf ein Ziel hin gescha en. Die Bibel sagt dazu: Wir sind dazu gescha en, um in aller Ewigkeit Gemeinscha mit Go4 zu haben. Er ist das Ziel, auf das hin wir gedacht sind. Go4 hat uns fĂźr sich gescha en. Wer an Go4 glaubt, der weiĂ&#x; sich ganz persĂśnlich von ihm geliebt. Er merkt, dass Go4 einen Platz fĂźr ihn hat. Das Vakuum in seinem Herzen ist schon jetzt gefĂźllt, er hat bereits in diesem Leben eine Verbindung zu Go4. Doch vielleicht wird jemand fragen: ÂťSchĂśn und gut, was ist aber mit mir, wenn ich Go4 fernstehe?ÂŤ

ZurĂźckfinden zu Gott

14 x

Sehr viele Menschen sehnen sich nach Sinn und Wert und klammern Go4 trotzdem aus. Das hängt damit zusammen, dass Go4 in unserem materialistischen Weltbild keinen Platz hat, weil es nur das anerkennt, was die Wissenscha beweisen kann. Es ist in unserer Zeit schwierig, an Go4 zu glauben. Viele Menschen leben daher so, als ob es Go4 nicht gäbe. Das ist das Dilemma


15 x

des Menschen: Einerseits ist er auf Go4 hin gescha en, andererseits klammert er ihn aus seinem Leben aus. Das Evangelium spricht nun genau in diese Situation hinein. Es erklärt uns nämlich, dass Go4 eine BrĂźcke zu uns gescha en hat, indem er sich uns in Jesus als Go4 und Mensch zugleich zeigt. Das Leben Jesu zeigt dem prĂźfenden und denkenden Menschen, wie und wer Go4 ist. Jesus ermĂśglicht es uns, eine Beziehung zu Go4 haben. Dies geschieht nicht automatisch. Es ist notwendig, das Herz fĂźr Go4 zu Ăś nen, zu erkennen, dass man ihn braucht, auf ihn angewiesen ist und dass es notwendig ist, umzukehren. Der Begri ÂťUmkehrÂŤ bedeutet, dass man seinem Leben eine neue Richtung gibt. Das Ziel ist dann nicht mehr der eigene Stolz, der eigene Vorteil, die kurzfristige Befriedigung der einzelnen SehnsĂźchte, sondern das Ziel ist Go4. Umkehr ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen erfolgen muss, der jedoch heute beschlossen werden kann. Jesus, der Einzige, der Go4 je gesehen hat, erzählt die Geschichte vom verlorenen Sohn. Dieses Gleichnis enthält eine Botscha fĂźr uns alle und erzählt Folgendes (Originaltext siehe Lukas 15,11-24): Einst lebte ein wohlhabender Vater mit seinen zwei SĂśhnen. Er gab ihnen alles, was sie benĂśtigten, doch einer der SĂśhne war eigensĂźchtig und undankbar. Er forderte entgegen aller Tradition noch zu Lebzeiten seines Vaters seinen Erbteil von diesem. Dies kam in jener Zeit, in der die Familienbande als heilig erachtet wurden, einer schrecklichen und unverzeihlichen Schandtat gleich. Der junge Mann lieĂ&#x; seinen Vater und Bruder im Stich und zog in die Welt, um das Erbe in einem ausschweifenden und verschwenderischen Lebensstil zu verprassen. Zunächst schien es, als ob sein Traum von einem freien und unabhängigen Leben ihm die Freude und FĂźlle, die ihm so wichtig waren, bieten


könnte. Schon bald war jedoch von dem Geld nichts mehr übrig, und der soziale Abstieg begann. Der einst wohlbehütete und umsorgte Sohn fand sich schließlich in der Position eines Schweinehirten wieder. Er erhielt für seine Arbeit nicht einmal die Kost, die den Schweinen im Fu4ertrog zugedacht war. Schweine waren zu jener Zeit verachtete Tiere. Seines Reichtums und seiner Menschenwürde beraubt, erkannte er seinen Fehler. Er, der einst rauschende Feste gefeiert ha4e, war nun einsam, verarmt und verwahrlost. Erst, als er so tief gesunken war, erkannte er, wie gut er es bei seinem Vater gehabt ha4e. Da er wusste, dass der Vater seine Arbeiter besser behandelte als sein jetziger Herr, beschloss er zurückzukehren. Er wollte um Vergebung und um einen Arbeitsplatz als Tagelöhner bi4en. Wahrscheinlich kehrte er mit großer Angst zu dem zurück, den er beleidigt, bloßgestellt und verlassen ha4e. Er glaubte, jedes Anrecht auf die Liebe und Fürsorge des Vaters verloren zu haben. Sein Fehlverhalten stand so klar vor ihm, wie es nur ein Mensch am Rand des Abgrunds erfassen kann. Als er sich dem Haus des Vaters näherte, sah ihn dieser von weitem. Trotz seiner Verwahrlosung erkannte er ihn – er ha4e Ausschau nach ihm gehalten. Er war voller Mitleid, lief ihm entgegen und umarmte seinen Sohn ungeachtet des Zustands, in dem er sich befand. Es gab keinen Vorwurf, keine Verbi4erung, nur Freude darüber, dass der verlorene Sohn zurückgekehrt war. So veranstaltete der Vater für seinen Sohn ein großes Fest:

16 x

»Vater«, sagte der Sohn, »ich habe mich gegen den Himmel versündigt und auch gegen dich; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.« Doch der Vater befahl seinen Sklaven: »Bringt schnell das beste Gewand heraus und zieht es ihm an! Steckt ihm einen Ring an den Fin-


ger und bringt ihm ein Paar Sandalen! Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen ein Fest feiern und uns freuen. Denn mein Sohn hier war tot und ist ins Leben zurückgekehrt. Er war verloren und ist wieder gefunden worden.« Dann begannen sie zu feiern.

17 x

Jesus erzählt diese Geschichte nicht ohne Grund. Er drückt damit aus, dass wir alle, wenn wir Go4 in unserem Leben ausklammern, für Go4 verloren sind. Der Vater symbolisiert Go4. Der Sohn in diesem Gleichnis war auf der Suche nach Erfüllung und Glück. Aus seiner Sicht konnte er diese Erfüllung nicht beim Vater, sondern nur fern von ihm erlangen. Der Vater ließ ihn gehen, ließ ihm seinen freien Willen. Somit begab sich der Sohn auf eine rauschende Berg- und Talfahrt, die schließlich im Schmutz endete. Viele Menschen haben dieselbe Haltung Go4 gegenüber wie dieser jüngere Sohn zu seinem Vater. Ein Leben mit Go4 gleicht in ihren Augen einem una4raktiven Regelwerk, das das Ausleben der eigenen Bedürfnisse verhindert. Go4 wird als jemand wahrgenommen, der Vergnügen missgönnt und Freiheit einschränkt, als Spaßverderber. Diese Fehleinschätzung bringt den Wunsch mit sich, losgelöst von Go4 zu leben. Der Vater jedoch hat seinen Sohn nie vergessen, sondern auf ihn gewartet und auf seine Rückkehr geho . Das ist erstaunlich, weil die Gesellscha zur Zeit Jesu einen Menschen wie diesen Sohn ausnahmslos verstoßen hä4e. Ansta4 jedoch seinen Sohn zu verstoßen, läu er ihm entgegen – ein Verhalten, das bei angesehenen Männern in der antiken Welt verpönt war. In der antiken Welt ist kein bedeutender Mann jemals gelaufen, aus welchem Grund auch immer. Laufen wurde als würdelos betrachtet. Die Tatsache, dass der Vater dem Sohn entgegenläu , ist daher ein höchst erstaun-


18 x

liches Verhalten. Jesus drückt damit aus, dass der Vater sich demütigte. Er wartet nicht in großer Würde und Unnahbarkeit im Haus auf den reumütigen Sohn, sondern läu ihm entgegen. Nach damaligem Verständnis demütigte er sich selbst, um den Unwürdigen aufzunehmen und ihm Geborgenheit und Erfüllung zu schenken. Der Apostel Paulus schreibt: »Go4 will, dass alle Menschen gere4et werden und die Wahrheit erkennen.« Er will nicht, dass ein Einziger verloren geht. Go4 wartet wie der Vater im Gleichnis auf jeden Menschen, dass er zu ihm zurückkehrt. Go4 hat so viel zu bieten: Er füllt das Vakuum in unserem Herzen, er ist die einzige Quelle der dauerha en Erfüllung, nach der unser Herz sich sehnt. Der Schri4 zu Go4 ist der entscheidendste und wichtigste in unserem Leben. Es ist kein leichter Schri4, denn er erfordert, dass wir ähnlich wie der verlorene Sohn ehrlich mit uns ins Gericht gehen und bittend zu Go4 kommen; er erfordert, dass wir unserem Leben ein neues Ziel geben: nämlich Go4 selbst. Er erfordert die Überwindung unseres Stolzes. Falls wir es aber tun, verspricht Jesus: »Ich sage euch, es wird mehr Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen« (Lukas 15,7).


KAPITEL 2

Worte von Gott Gebrauchsanweisungen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Sie geben Aufschluss Ăźber die Funktionen, Risiken und Nebenwirkungen eines Produkts und beinhalten Warnhinweise und Anleitungen zur Bedienung des jeweiligen Gegenstands. Gebrauchsanweisungen oder Bedienungsanleitungen sind somit Anhaltspunkt, Orientierungshilfe und Leitfaden zugleich.

Gibt es eine Gebrauchsanweisung fĂźrs Leben?

19 x

Viele Menschen versuchen in unterschiedlichen Bereichen Orientierungshilfen zu geben, doch die wahre Gebrauchsanweisung des Lebens kann nur vom SchÜpfer allen Lebens, von Go4 selbst kommen. Hat Go4 uns Orientierungshilfen und einen Leitfaden fßrs Leben gegeben? Ja! Go4 spricht in unsere Welt hinein. Seine Worte sind in heiligen Schri en festgehalten und in der Bibel (griechisch biblos = Buch) zusammengefasst. Diese Behauptung beruht auf den zwei folgenden Grundlagen: Zum einen behaupten die biblischen Verfasser, dass ihre Worte von Go4 kommen. Zum anderen enthält die Bibel Hunderte Prophetien, die sich im Laufe der Geschichte erfßllt haben. Beide Argumente verdienen eine nähere Betrachtung. Die biblischen Schreiber berichten, dass ihre Worte von Go4 selbst stammen, dass Go4 sich ihnen geo enbart und damit seinen Willen den Menschen kundge-


tan hat. Sie haben aufgezeichnet, was Go4 sagte. So schreibt Mose beispielsweise, dass die Zehn Gebote direkt von Go4 kommen. Nicht Mose hat sich die Zehn Gebote ausgedacht, sondern Go4 teilte sie ihm während Moses vierzigtägigen Aufenthalts auf dem Berg Sinai mit (2. Mose 34,1.27-28). Auch der Apostel Paulus hält fest, dass alle heiligen Schri en von Go4 eingegeben sind. Alle Schri ist von Go4 eingegeben und nĂźtzlich zur Lehre, zur ĂœberfĂźhrung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit ‌ (2. Timotheus 3,16)

20 x

Paulus verwendet das Wort Schri  fßr das Alte Testament. Auch Jesus (Johannes 7,38.42) und Lukas (Apostelgeschichte 8,35) verwenden diesen Begri . Das Kennzeichen dieser Schri ist, dass sie von Go4 eingegeben (wÜrtlich: gehaucht) ist. Dies bedeutet, dass sie von Go4 ausgegangen ist und er sie durch Menschen (Propheten und Apostel) in die Welt hineingesprochen hat. Die Worte, die uns heute in der Bibel begegnen, sind Botscha en von Go4. Ihre Aufzeichnung war go4gewollt und von ihm beau ragt. Niemals wurde eine biblische Weissagung ausgesprochen, weil der betre ende Mensch das wollte. Diese Menschen wurden vielmehr vom Geist Go4es gedrängt, das zu sagen, was Go4 ihnen aufgetragen hatte (2. Petrus 1,21). Die Bßcher der Bibel beruhen laut Petrus also nicht auf der Eigeninitiative der Propheten – im weiteren Sinn eine Bezeichnung fßr alle Bibelverfasser –, sondern sie wurden vom Geist Go4es mi4els eines menschlichen Schreibers erstellt. Die Gedanken der Bibel stammen demnach von Go4, der Menschen verwendete, um seinen Willen nie-


derzuschreiben. Diese fungierten aber dabei nicht als eine Art unpersönliche Schreibmaschine. Jeder Text ist vom jeweils individuellen Stil und Wortschatz des Verfassers geprägt. Go4 verwendete somit verschiedene Charaktere, um seine Gedanken mitzuteilen. Ähnlich wie eine Oboe und eine Flöte dem gleichen Musikstück einen unterschiedlichen Charakter verleihen, hatten auch die Bibelverfasser verschiedene Ausdrucksformen. Wichtig ist zu erkennen, dass Go4 der Komponist ist, der die Melodien, sprich: seine Botscha en an uns, hervorbrachte. Die erste Ebene, auf der Go4 in unser Leben eingrei , ist also die Heilige Schri . Das wir Fragen auf: Wie reagieren wir auf die Worte Go4es? Lassen wir sie an uns herankommen? Ignorieren wir sie? Beschä igen wir uns damit? Lehnen wir uns dagegen auf? Oder wollen wir unser Leben nach dem ausrichten, was Go4 sagt? Um diese Fragen beantworten zu können, ist es wichtig, dass wir der Bibel zuerst auf den Grund gehen. Immerhin kann ja schließlich jeder behaupten, die Wahrheit zu haben – warum also ausgerechnet die Bibel?

Die Bedeutung der Bibel

21 x

Die Bibel wurde bis zum heutigen Tag von mehr Menschen gelesen und in mehr Sprachen übersetzt als jedes andere Buch in der Geschichte. Sie zählt zu den ersten Büchern, die überhaupt in andere Sprachen übersetzt wurden. Bereits 250 vor Christus wurde das gesamte Alte Testament in die griechische Sprache übertragen. Diese Übersetzung nennt man Septuaginta. Seither wurde die Bibel ö er übersetzt und kommentiert als jedes andere Buch der Welt. Die Anzahl der hergestellten Exemplare – seien sie handgeschrieben oder gedruckt – übertri


jede andere Auflage. Eine Statistik aus dem Jahr 1990 verdeutlicht dies. Damals wurden weltweit 16.234.259 Bibeln, 12.205.802 Wiedergaben des Neuen Testaments, 43.316.378 einzelne BibelbĂźcher und 567.473.410 Bibelteile gedruckt.

Was ist die Bibel?

22 x

Die Bibel umfasst im Grunde eine Bibliothek, eine Sammlung von 66 BĂźchern, die von 40 verschiedenen Schreibern in einer Zeitspanne von mindestens 1500 Jahren (von ca. 1400 vor Christus bis ca. 100 nach Christus) geschrieben wurden. Sie besteht aus dem Alten Testament mit 39 BĂźchern und dem Neuen Testament mit 27 BĂźchern. Sie umfasst Geschichtsschreibung ebenso wie Lehre und Dichtung oder Biografien, Briefe, Prophetie, Memoiren, Apokalyptik, lyrische Poesie, Gleichnisse und Allegorien, persĂśnliche Korrespondenz und vieles mehr. Obwohl die meisten Verfasser einander nicht kannten und aus unterschiedlichen Kulturkreisen und gesellscha lichen Schichten stammten, bildet die Bibel eine Einheit. Das ist ein weiterer starker Hinweis auf ihren ĂźbernatĂźrlichen Ursprung. Denn: Wie konnten diese Menschen aus so vielen Generationen und vĂśllig unterschiedlichen HintergrĂźnden ohne jede Absprache ein Werk schreiben, das in seiner Einheit vollkommen ist? Stellen wir uns vor, dass zehn Schri steller, die dieselbe Lebensweise haben, derselben Generation angehĂśren und aus demselben Kulturkreis stammen und die darĂźber hinaus dieselben Au assungen vertreten, am selben Ort wohnen und dieselbe Sprache sprechen, ein Gemeinscha swerk Ăźber ein umstri4enes Thema ohne Absprache verfassen. WĂźrde das Geschriebene Ăźbereinstimmen?


Wohl kaum. Die Bibel behandelt über Hunderte umstri4ene Einzelthemen, über die generell sehr unterschiedliche Meinungen bestehen. Die Einheit und Harmonie, die die Bibel kennzeichnen, ergeben sich durch ein Haup4hema. Dieses Haup4hema der Bibel ist die Beziehung zwischen Go4 und dem Menschen. Letzterer wurde von Go4 geschaffen und lebte in Harmonie mit seinem Schöpfer. Doch er lehnte sich gegen Go4 auf und befindet sich seither in einem Zustand der Entfremdung von seinem Urheber. Seit dieser Trennung von Go4 ist der Zustand des Menschen von Fehlverhalten und Schuld gekennzeichnet. Go4 gibt jedoch dem Menschen in seiner Liebe eine neue Chance: Durch Jesus Christus kann er Vergebung seiner Schuld erlangen und mit Go4 versöhnt werden. Go4 lädt uns ein, Jesus Christus als Re4er anzunehmen und ein neues Leben zu beginnen. Das führt zu einem weiteren zentralen Thema. Es handelt von der Erlösung der Menschheit durch Christus und zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel.

Die Überlieferung der Bibel

23 x

Manchmal wird der Einwand erhoben, dass durch den lang andauernden Prozess der handschri lichen Vervielfältigung der Schri en (bis etwa 1500 nach Christus) Fehler und Änderungen in der Überlieferung der Originaltexte aufgetreten sein müssen. Deshalb könne man nicht sicher sein, dass man den Originaltext vorliegen habe. Dieses Argument wird häufig von Menschen vorgebracht, die keine Kenntnis darüber haben, wie überwältigend der Beweis für die Originaltreue der Bibel ist. Dies kann am deutlichsten anhand des Neuen Testaments illustriert werden. Es gibt viele Ma-


24 x

nuskripte, die das ganze Neue Testament oder einzelne Teile enthalten. Insgesamt existieren mehr als 5000 solcher Schri stĂźcke. NatĂźrlich gibt es in allen Manuskripten Abschreibfehler. Es ist praktisch unmĂśglich, ein ganzes Dokument ohne zufällige Fehler handschri lich zu vervielfältigen. Au allend aber ist, dass keine zwei Handschri en genau dieselben Fehler enthalten. Beim Vergleich aller Manuskripte ist es mĂśglich, den Originaltext so zu rekonstruieren, dass die Abweichung davon auf weniger als zwei Prozent reduziert werden kann. Bei diesen zwei Prozent handelt es sich Ăźberwiegend um geringfĂźgige sprachliche Besonderheiten, die keinen Einfluss auf die Bedeutung des Textes haben. Zudem wird keine Lehre des Neuen Testaments durch diese kleinen Unsicherheiten in Frage gestellt, da keine Lehraussagen auf einzelnen Versen oder Absätzen beruhen. Die Genauigkeit der Ăœberlieferung des Alten Testaments wurde besonders durch die Funde der Schri rollen am Toten Meer deutlich. Die gefundenen Rollen bestehen aus Ăźber 40.000 beschriebenen Fragmenten, aus denen man mehr als 500 BĂźcher rekonstruieren konnte. Eine der gefundenen Rollen bietet eine vollständige Handschri des hebräischen Textes des Propheten Jesaja. Paläographen, die Erforscher alter Schri en, datieren sie auf etwa 125 v.Chr. Die anderen biblischen Manuskripte datieren zwischen 200 v.Chr. und 68 n.Chr. Die Bedeutung der Entdeckung liegt in der genauen Ăœbereinstimmung der Jesaja-Rolle aus dem Jahr 125 v.Chr. mit der um etwa 1000 Jahre jĂźngeren masoretischen Textwiedergabe aus dem Jahr 916 n.Chr., die bis dahin die älteste bekannte Abschri des Buches Jesaja war. Das beweist die ungewĂśhnliche Genauigkeit der Kopisten des Alten Testaments Ăźber einen Zeitraum von tausend Jahren. Auch die Archä-


ologie bestätigt die große historische Genauigkeit der biblischen Überlieferung. So schrieb der namha e jüdische Archäologe Nelson Glueck: »Es kann kategorisch gesagt werden, dass keine archäologische Entdeckung jemals eine biblische Aussage widerlegt hat.« Weiter betont Glueck das fast unglaublich genaue historische Gedächtnis der Bibel (vgl. Nelson Glueck, »Rivers in the Desert. History of Negev«, 1969). Der bekannte Archäologe W.F. Albright schrieb: »Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Archäologie die Geschichtlichkeit der al4estamentlichen Überlieferung im Wesentlichen bestätigt hat« (vgl. W.F. Albright, »Die Religion Israels im Licht der archäologischen Ausgrabungen«, München 1956). Wir können uns also sicher sein, dass wir mit der Bibel den Text vorliegen haben, der von den ursprünglichen Schreibern verfasst wurde.

Das Phänomen der biblischen Prophetie

25 x

Die erfüllten Prophetien der Bibel sind ein deutlicher Hinweis auf ihren gö4lichen Ursprung. In der Bibel stehen Hunderte exakte Vorhersagen, die sich buchstäblich erfüllt haben. Darin ist die Bibel einzigartig. Auch die Apostel beriefen sich auf zwei grundlegende Faktoren aus dem Leben Christi, um zu begründen, dass er der Messias ist: die Auferstehung und die erfüllte messianische Prophetie. Das Alte Testament, das über einen Zeitraum von ungefähr 1000 Jahren geschrieben wurde, enthält mehrere hundert Hinweise auf den kommenden Messias. Das Leben von Jesus Christus entsprach allen Hinweisen. Er erfüllte somit alle Prophetien. Sie stellen seine Glaubwürdigkeit als Messias auf eine solide Basis. Im Alten Testament fordert Go4 die Menschen auf, pro-


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
255985 by Fontis-Shop - Issuu