William MacDonald
Der bessere Weg Die Sicht eines Mannes
Christliche Literatur-Verbreitung e.V. Postfach 11 01 35 ¡ 33661 Bielefeld
Alle Bibelzitate sind aus der Revidierten Elberfelder Übersetzung.
© der amerikanischen Ausgabe 1991 by William MacDonald © der deutschen Ausgabe 1993 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld Übersetzung: Andreas Lindner Umschlag: Dieter Otten, Bergneustadt Satz: CLV Druck und Bindung: Druckhaus Gummersbach
ISBN 3-89397-713-8
Vorwort Vor einiger Zeit bat mich eine Leserin aus der Schweiz, einen Artikel über das Leben als Lediger aus der Sicht eines Mannes zu schreiben. Sie sagte, daß es schon eine ganze Menge Material gäbe, das von Frauen geschrieben wurde, aber sehr wenig aus der Feder von Männern. Deshalb ist das folgende nun aus der Sicht eines Mannes geschrieben. Man hätte über die Hingabe und die Aufopferung von ledigen Frauen viele Bände schreiben können. Ihre Heldentaten für den Herrn Jesus sind gewaltig. Dieses Büchlein sollte keinesfalls so verstanden werden, als ob wir das schmälern oder unbeachtet lassen wollten. Das wäre unvorstellbar. Viel von dem dargelegten Stoff trifft sowohl auf Frauen als auch auf Männer zu. Ändern Sie einfach das Personalpronomen, fügen Sie ein paar Superlative hinzu, und schon haben Sie die zutreffenden Aussagen über Frauen.
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◆ Das Leben der Ledigen aus der Sicht eines Mannes Wenn jemand ledig ist, so wird das oft als unnormal oder bemitleidenswert angesehen, oder man macht sich sogar darüber lustig. Aber lehrt das die Bibel? Genau das Gegenteil ist der Fall. Ledigsein wird dort weit mehr befürwortet, als es den meisten Christen lieb ist, oder als sie zugeben würden. Es ist wirklich keine Übertreibung, wenn man sagt, daß die Heilige Schrift es als ideal, erstrebenswert und weitaus besser darstellt. Während die Bibel anerkennt, daß Ehe gut ist, betont sie jedoch auch, daß Ledigbleiben besser ist.
◆ Was unser Herr über Ledigsein gesagt hat Der Herr Jesus, der selbst ein lediger Mann war, lehrte, daß es eine heilige und hohe Berufung ist, wenn ein Gläubiger sich dazu entschließt ledig zu bleiben, um Ihm und Seiner Gemeinde aus ganzer Kraft dienen zu können. Er sprach von denen, die sich um des Königreiches der Himmel willen selbst verschnitten haben (Mt 19,12c). Das bedeutet einfach, daß sie sich dazu entschließen, auf die Gemeinschaft und die Freuden der Ehe zu verzichten, damit sie die Interessen des Herrn besser vertreten können, ohne durch eine Vielzahl von familiären Pflichten behindert zu sein. Diese Pflichten sind zwar durchaus berechtigt und legitim, aber sie erfordern Zeit, Anstrengung und finanzielle Mittel. Das könnte von einer höheren Verpflichtung ablenken. Unser Retter fügte noch hinzu: »Wer es fassen kann, der fasse es.« Das bedeutet, daß es eine erstrebenswerte Berufung ist, um des Königreiches der Himmel willen ein Verschnittener zu sein, und daß man dieses 7
Ziel anstreben sollte. Seine Worte hier sind mehr als nur ein Vorschlag oder eine Empfehlung.
◆ Der zentrale Abschnitt Der Apostel Paulus gibt die ausführlichste Belehrung über das Leben als Lediger in 1. Korinther 7. Manchmal hört es sich fast so an, als ob er gegen das Heiraten wäre. Er wurde deshalb als »Chauvinist« und »Frauenhasser« bezeichnet. Solche Aussagen verraten ein totales Unverständnis von dem, was er dort sagt. In allen seinen Schriften hält er die Ehe in höchster Ehre. Und seine tiefe Achtung vor christlichen Frauen wird aus Römer 16 deutlich. Aber er kommt zu dem Schluß, daß Ehe zwar gut, Ledigbleiben aber besser ist. Laßt uns gemeinsam das Kapitel durchgehen und die Verse herausgreifen, die im besonderen vom Leben als Lediger handeln. Wenn Paulus in Vers 1 sagt, »so ist es gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren«, spricht er nicht von einer liebkosenden Zärtlichkeit, sondern vom ehelichen Akt selbst. Er drückt damit aus, daß es trotz des Segens, der mit der Ehe kommt, bestimmte Vorteile hat, wenn man ledig bleibt. Das sollten besonders die nicht vergessen, die von gutmeinenden aber unklugen Verwandten oder Freunden zum Heiraten gedrängt werden. Einige Ledige halten es einfach für unmöglich, mit dem sexuellen Trieb zurechtzukommen. In einem solchen Fall sagt der Apostel: »Aber um der Unzucht willen habe ein jeder seine eigene Frau und jede habe ihren eigenen Mann« (V. 2). Wenn man das herausgreift, scheint es kein sehr hohes Bild von der ehe8
lichen Beziehung zu entwerfen. Sie scheint zu einem Sicherheitsventil heruntergespielt zu werden. Aber man darf es eben nicht herausgreifen. Es geht hier nicht um den Hauptzweck der Ehe, und Paulus gibt hier keinen Befehl, sondern ein Zugeständnis. Er sagt, daß für den Mann, der Reinheit und Ledigsein unmöglich kombinieren kann, die Ehe die beste Alternative ist. Der Apostel wünscht sich, daß alle Männer ledig seien wie er selbst (V. 7). Falls Paulus einmal verheiratet war, wie manche vermuten, so war er jedenfalls noch nicht verheiratet oder Witwer, als er das schrieb. Seine Vorliebe für das Leben als Lediger wird im ganzen Kapitel deutlich, obwohl ihm auch bewußt war, daß Ledigbleiben eine Gabe Gottes ist (V. 7), und nicht etwas, das durch Gesetz befohlen oder erzwungen werden kann. Für Unverheiratete und Witwer ist es gut, in diesem Stand zu bleiben, wenn sie enthaltsam sein können. Wenn nicht, so sollten sie heiraten, denn heiraten ist besser, als vor Verlangen zu brennen (V. 8.9). Während Paulus sagt, daß es besser ist »zu heiraten, als vor Verlangen zu brennen«, will er jedoch auch hier nicht andeuten, daß der Hauptzweck der Ehe die sexuelle Befriedigung ist. Das wäre eine sehr niedrige Einschätzung einer heiligen Einrichtung. Die Ehe soll eine lebenslange Liebesverbindung zwischen zwei Personen sein. Sie wurde als eine Beziehung entworfen, in der beide Partner die gegenseitige Hilfe und die Gemeinschaft des Zusammenlebens erfahren. Sie ist notwendig, damit die Menschheit sich fortpflanzen kann. Sie gibt auch wirklich Raum für Erfüllung in der männlichen und weiblichen Sexualität. Jemand hat sie als »eine wunderschöne Einrichtung für das 9
Leben auf der Erde, eine wunderbare Idee Gottes« beschrieben. In Vers 17 betont Paulus, daß es von der Berufung des Herrn abhängt, ob jemand heiraten oder ledig bleiben soll. Zu jener Zeit meinten einige Gläubige, daß durch die neue Geburt jetzt auch eine vollkommene Umkehrung ihres vorherigen Standes notwendig ist. Aber die Bekehrung zum Christentum verlangt keine Abwendung von irgendeinem ehrbaren Beruf oder von irgendeiner berechtigten Verbindung. Paulus erwähnt die gegenwärtige Not (V. 26), die Trübsal im Fleisch (V. 28) und die begrenzte Zeit (V. 29) als weitere Gründe, warum Ledige ledig bleiben sollten. Was meint der Apostel mit »der gegenwärtigen Not«? Er meint die Schwierigkeiten des Lebens allgemein, nicht nur die Verfolgungen der ersten Christen. Drangsal ist ein andauerndes Kennzeichen dieses Zeitalters – bis der Herr kommt. Obwohl es für einen Menschen, der noch unberührt ist, keine Sünde ist, wenn er heiratet, möchte Paulus ihm doch die daraus folgende Trübsal im Fleisch ersparen (V. 25-28). Er erklärt nicht, was er mit dieser Trübsal meint. Aber sicher gehören die Schwierigkeiten dazu, sich an die Eigenheiten einer anderen Person zu gewöhnen, das Lernen, um des Friedens willen Kompromisse zu machen, die höhere finanzielle Verantwortung, das Trauma der Kindererziehung, mögliche Probleme mit den Schwiegereltern und der Verlust von Flexibilität und Beweglichkeit. Paulus nennt auch die begrenzte Zeit als Grund für das Ledigbleiben. Um das zu erklären sagt er, »daß künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie kei10
ne, und die Weinenden als weinten sie nicht, und die sich Freuenden, als freuten sie sich nicht, und die Kaufenden als behielten sie es nicht und die die Welt Nutzenden als benutzten sie sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht« (V. 29-31). Jedoch schlägt Paulus mit keinem Wörtchen vor, daß ein Ehemann seine Ehe vernachlässigen oder es unterlassen sollte, seinen Verpflichtungen seiner Frau gegenüber nachzukommen! Er sagt vielmehr, daß wegen der Kürze der Zeit die angeführten Aktivitäten alle der großen Aufgabe, den Missionsauftrag zu erfüllen, untergeordnet sein sollten. Die Aufgabe ist immer noch nicht erledigt und die verbleibende Zeit ist kurz. So wie John Mott es ausdrückte: »Die Arbeit hätte in Jahrhunderten getan werden können, doch jetzt bleiben uns nur noch die Stunden der Abenddämmerung übrig.« Unsere erste Priorität muß es sein, zuerst nach dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit zu trachten. W. E. Vine schrieb: »Ein Gläubiger muß es vermeiden, der Sklave von äußeren Umständen und sogar von Beziehungen zu werden. Der Ehestand ist schließlich doch auch nur vorübergehend, seine Umstände müssen im Licht des ewig Bleibenden gesehen werden … Das bedeutet natürlich nicht, daß ein verheirateter Mann sich nicht so benehmen sollte, wie es sich für einen Ehemann gehört, sondern daß diese Beziehung seiner Beziehung zum Herrn, die wichtiger ist, völlig untergeordnet sein sollte. Der Herr muß den ersten Platz im Herzen haben. Der Ehemann darf es nicht zulassen, daß eine natürliche Beziehung seinen 11
Gehorsam zum Herrn einschränkt oder behindert.«1 Vielleicht hilft uns hier eine Illustration weiter. Eines Abends fuhr der bekannte englische Prediger C. H. Spurgeon mit seiner Verlobten zu dem Saal, wo er sprechen sollte. Als sie ankamen, war er gedanklich so mit dem Gottesdienst beschäftigt, daß er sich durch die wartende Menge drängte, hineineilte und sie dabei ganz vergaß. Als er predigte, bemerkte er, daß sie nicht unter den Zuhörern war. Entrüstet war sie heimgefahren. Nach der Veranstaltung fuhr Spurgeon zu dem Haus, wo sie wohnte und bat darum, sie zu sehen. Sie war oben, schmollte und weigerte sich zuerst, herunterzukommen. Als sie schließlich auftauchte, sagte Charles zu ihr: »Es tut mir wirklich leid. Aber wir müssen jetzt eines klarstellen: zuerst gehöre ich meinem Herrn. Er muß immer an erster Stelle sein, und meine Verpflichtung Ihm gegenüber muß die wichtigste bleiben. Ich denke, daß wir miteinander sehr glücklich sein werden, wenn Du dazu bereit bist, den zweiten Platz einzunehmen. Aber es muß immer der zweite Platz sein – nach Ihm. Meine Verpflichtung Ihm gegenüber muß zuerst kommen.« In den folgenden Jahren berichtete Frau Spurgeon, daß sie in dieser Nacht eine Lektion gelernt hat, die sie niemals mehr vergaß. Sie hat gelernt, daß es jemand gibt, der im Leben ihres Mannes den ersten Platz einnimmt. Sie hatte nur den zweiten. In diesem Sinne sollten die, die Frauen haben, so sein, als hätten sie keine! Im ganzen Abschnitt sagt der Apostel nicht nur, daß das Ledigsein eine akzeptable Lebensart ist, oder daß 12
Ledige sich nicht selbst bedauern sollten, oder daß sie damit rechnen müssen, daß andere sie ihres Standes wegen bemitleiden. Sondern er sagt, daß diejenigen, die sich dazu entschließen, sehr weise handeln »und uns damit sehr deutlich demonstrieren, was der bessere Weg sein könnte«.2 Ein Lediger ist in einer besseren Situation, weil er dem Herrn ohne Ablenkung dienen kann. Der Verheiratete hat Sorgen und Pflichten in bezug auf seine Frau, die Kinder, das Haus oder die Wohnung und vieles andere (V. 32-35). Die Verse 36-38 erfordern ein klärendes Wort, weil es recht verschiedene Ansichten über ihre Bedeutung gibt. Einige meinen, daß es hier um die Strategie eines Mannes mit seiner jungfräulichen Tochter geht. Andere verstehen es als Anweisung, wie ein Mann mit seiner Verlobten umgehen soll, die eine Jungfrau ist. Eine nicht so weit verbreitete Auslegung ist, daß es hier um die eigene Jungfräulichkeit des Mannes geht, also sein Ledigbleiben. Ich ziehe diese Erklärung vor, weil sie am besten in den Zusammenhang zu passen scheint. Der Gedanke ist, daß ein Mann, wenn er die sexuelle Reife erreicht hat und denkt, daß er mit seiner eigenen Jungfräulichkeit nicht richtig umgeht, nicht sündigt, wenn er heiratet. Aber wenn er in der Lage ist, Selbstkontrolle auszuüben und sich dazu entschlossen hat, ledig zu bleiben, so sollte er das auch tun. Der erstere tut etwas Gutes, der letztere tut das Bessere (V. 36-38). William Kelly übersetzt diese Verse so: »Wenn aber irgend jemand denkt, daß er mit seiner eigenen Jungfräulichkeit verkehrt umgeht, wenn er das beste Mannesalter verstreichen läßt, 13
und es so sein soll, so tue er, was er will; er sündigt nicht, laßt sie heiraten. Wer aber in seinem Herzen fest steht und keine Not hat und auch seinen Willen beherrschen kann, und in seinem eigenen Herzen beschlossen hat, seine eigene Jungfrauschaft zu bewahren, soll das Bessere tun. So tut also der, der heiratet … etwas Gutes, und der, der nicht heiratet, tut etwas Besseres.« Die Living Bible umschreibt den Abschnitt so: »Aber wenn jemand den Eindruck hat, daß er heiraten soll, weil es ihm schwer fällt, seine eigenen Gefühle zu kontrollieren, so ist es in Ordnung, es ist keine Sünde; laßt ihn heiraten. Aber wenn jemand die Willenskraft hat, nicht zu heiraten und das nicht will, so hat er einen weisen Entschluß getroffen. Wer also heiratet, handelt richtig. Besser ist es allerdings, nicht zu heiraten.«
◆ Zusammenfassung Jetzt wollen wir versuchen, das bisher behandelte Material zusammenzufassen und die Ausgewogenheit von Gottes Wort über dieses Thema zu finden. Es gibt bestimmte Vorteile für Ledige. Wenn jemand sich ohne Ablenkung dem Dienst für den Herrn widmen will, so ist das Ledigsein sicher vorzuziehen. Während der Apostel sich so für den ledigen Stand ausspricht, deutet er niemals an, daß Ehe nicht heilig oder nicht erwünscht ist. Kein Diener Jesu Christi würde es wagen, der Schrift durch so eine Lehre zu widersprechen. Jeder, der verbietet zu heiraten, ist ein falscher Lehrer (1. Tim 4,3). Christen sind nicht dazu 14
berufen, als Asketen oder als Mönche zu leben. Ein Verheirateter ist genauso heilig wie ein Lediger. Die Fähigkeit, als Lediger zu leben, ist eine besondere Gabe Gottes: »doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so« (V. 7b). Die Entscheidung des Betreffenden spielt ebenfalls eine Rolle: »… und dies in seinem Herzen beschlossen hat« (V. 37). Es gibt hier keinen Widerspruch zwischen der Gabe und der Gnade. Ein Mann mag die Gabe des Ledigbleibens haben, und sich doch entscheiden zu heiraten. Auf der anderen Seite mag jemand diese Gabe nicht haben, doch aus Hingabe an den Herrn könnte er sich dazu entschließen, ledig zu bleiben.
◆ Die biblische Ansicht über Ehe Damit nicht der Eindruck entsteht, daß wir dem Ehestand auch nur den geringsten Makel anhängen wollen, wollen wir uns kurz damit beschäftigen, was die Bibel über dieses Thema lehrt. Gott hat die Ehe für die Menschen eingerichtet. Er sagte: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei« (1. Mo 2,18) und gab Adam dann eine Frau. Die Ehe ist Gottes Wille für die meisten Menschen. Seine Absicht ist es, daß der größte Teil der Menschen heiratet und Kinder erzieht. Das gilt für alle Menschen, nicht nur für Christen. Der Herr Jesus bestätigte den heiligen Bund der Ehe, der in 1. Mose 2 beschrieben wird, und fügte hinzu: »… so daß sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden« (Mt 19,5.6). Er zeigte auch, daß die Ehe heilig ist, indem Er als geladener Gast auf einer Hochzeit zu Kana in Galiläa teilnahm (Joh 2,1-11). 15
Nach Gottes Ordnung sollen zwei, und zwar nur zwei, eins werden. Dies wird Monogamie genannt. Dadurch sind Bigamie, Poligamie, Konkubinat (Zusammenleben, ohne verheiratet zu sein) und auch andere Formen der Unmoral ausgeschlossen. Die Ehe wurde dem Menschen gegeben, bevor Sünde in die Welt kam. Es ist eine heilige Einrichtung. Das hebt auch der Schreiber des Hebräerbriefes hervor: »Die Ehe sei ehrbar bei allen, und das Ehebett unbefleckt« (Hebr 13,4a). Das vollkommene und einzig erlaubte Ausleben der Sexualität ist innerhalb einer Ehe. Sexualität innerhalb der Ehe ist konstruktiv und heilig, Sexualität außerhalb der Ehe ist destruktiv und voller Sünde. Die Bibel sagt deutlich: »Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden und hat Wohlgefallen gefunden von dem Herrn« (Spr 18,22).
◆ Vorbilder für das Ledigsein Jetzt wenden wir uns der praktischen Seite des Lebens als Lediger zu. Ist es tatsächlich möglich, so zu leben oder nur ein Ideal? Es ist nicht schwierig, ledige Männer zu finden, die durch ihr Wirken für Gott Geschichte gemacht haben. Sie haben sich über ihre Berufung zum Ledigsein gefreut und waren begeistert, in der Lage zu sein, die Gelegenheiten zum Dienst ohne Ablenkung ausnutzen zu können. Jesus. Er war ledig. Er füllte die drei Jahre seines öffentlichen Wirkens mit einem enormen Maß an Dienst. Johannes sagt, wenn alle die Dinge, die Jesus getan hat, in Bücher aufgeschrieben würden, wäre die Welt zu klein, um alle diese Bücher zu fassen 16
(Joh 21,25). Auch wenn diese große Menge an Taten nicht allein Seinem Ledigsein zugeschrieben werden kann, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß Sein Leben von Einfachheit und ungehindertem Dienst gekennzeichnet war, so daß Er dadurch eine riesige Menge an Arbeit schaffen konnte. Aber immer wenn wir Ihn als Vorbild für uns darstellen, protestieren die Leute sofort. Sie sagen, daß Er ja Gott ist und daß es deshalb nicht von ihnen erwartet werden kann, daß zu tun, was Er tat. Das Argument hat eine Schwachstelle: Der Herr Jesus lebte als Mensch hier auf der Erde, und tat alles in der Kraft des Heiligen Geistes. Dieselbe Kraft steht auch uns zur Verfügung, wenn wir sie beanspruchen. Die Schreiber des Neuen Testamentes zeigen uns den Herrn als unser Vorbild, dem wir folgen sollen. Wenn das ein unmögliches Ideal ist, müßte sich die Schrift irren. Paulus. Hätte der große Apostel wohl seinen Auftrag ausführen können, wenn er nicht ledig gewesen wäre? Hätte er jemals das folgende Resümee seiner Reisen und Versuchungen niederschreiben können? »In Mühen um so mehr, in Gefängnissen um so mehr, in Schlägen übermäßig, in Todesgefahren oft. Von den Juden habe ich fünfmal vierzig Streiche weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in Seenot zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von meinem Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter fal17
schen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; außer dem übrigen noch das, was täglich auf mich eindringt: die Sorge um alle Gemeinden« (2. Kor 11,23b-28). Ray Stedman schreibt anerkennend über Paulus Leben: »Wir verdanken diese heraklische Arbeit des mächtigen Apostels der Tatsache, daß er frei von den Belastungen der Ehe war. Er war in der Lage, das ganze römische Reich kreuz und quer zu durchziehen. Durch diese Zielsetzung seines Geistes und Hingabe seines Herzens lebte er in völliger moralischer Reinheit. Und durch die Gnade und die Kraft Gottes kamen diese bemerkenswerten Briefe zustande, welche die Weltgeschichte verändert haben.«3 David Brainerd (1718-1747). Ray Stedman beschreibt ihn als »den brennenden jungen Missionar aus der Gründerzeit unseres Landes, betend in den Wäldern von New England, der sich hingab, um die Indianer zu erreichen, und der auf diese Weise das Instrument in Gottes Hand wurde, durch welches eine gewaltige Erweckung unter den Indianerstämmen ausbrach«.4 John Nelson Darby (1800-1882). Hier haben wir ein weiteres herausragendes Beispiel eines Mannes, der sich entschlossen hatte, auf die Ehe zu verzichten, um sich selbst ausschließlich dem Werk des Herrn widmen zu können. Einmal hatte er es ernstlich überlegt, Lady Powerscourt aus Dublin zu heiraten. Die Brüder, mit denen er Gemeinschaft hatte, baten ihn dringend ledig zu bleiben, weil er so seine Wirksamkeit vervielfachen könnte. Er befolgte ihren Rat. Ich habe 18
gelesen, daß er monatelang die Wicklow Mountains in Irland durchzog und das Evangelium verkündete. Er erlebte, wie sich wöchentlich 600 – 800 Katholiken zu Christus bekehrten. Er reiste 26 Jahre durch Europa, ohne seinen Koffer auszupacken. Überall wo er hinzog, entstanden neutestamentliche Gemeinden. Oft lebte er tagelang nur von Bucheckern und Milch und freute sich über ein Ei, als ob es ein Festessen wäre. Eines Tages saß er in einer billigen italienischen Absteige, verbarg sein Kinn in seinen Händen, und sagte: »Herr Jesus, ich habe mein Kreuz aufgenommen, habe alles verlassen und bin Dir nachgefolgt.« Es ist gewaltig, was er erreicht hat. Seine gesammelten Schriften füllen 34 Bände. Er übersetzte die Bibel ins Englische, ins Deutsche, ins Französische und ins Italienische. Er schrieb viele Lieder, die sowohl in der Anbetung als auch in der Lehre sehr tief sind. Außerdem war er eines der Hauptinstrumente, die Gott benutzte, um die Wahrheit über die neutestamentliche Gemeinde, über die Entrückung vor der Drangsal, über die Einteilung der Schrift in Heilszeitalter und über den Unterschied zwischen Israel und der Gemeinde wieder ans Licht zu bringen. Robert Murray McCheyne (1813-1843). Er war ein brennender Evangelist, ein begeisterter Förderer der Außenmission und der begabte Liederdichter von »Songs of Zion«. McCheyne starb mit 29 Jahren. Seine geistliche Haltung war sehr deutlich und wurde so sehr geschätzt, daß die älteren verheirateten Männer in seiner Gemeinde und sogar die Ältesten seinen Rat suchten, obwohl er so jung war und noch dazu alleinstehend. Als er starb, wurde gesagt, daß es in ganz Dundee nicht eine Familie gäbe, die nicht durch seine Belehrung gesegnet worden war. Er hat in sei19
ner Heimat Schottland und durch seine gedruckten Predigten und die Biographien über sein Leben weltweit in der Gemeinde einen tiefen Eindruck hinterlassen. William Whiting Bordon (1887-1913). Dieser Millionärssohn unterwarf sich völlig dem Herrn, als er sieben Jahre alt war. Die folgenden Jahre verbrachte er damit, sich auf den Dienst in der Mission vorzubereiten. Als Dr. Henry Frost, der Leiter der China Inland Mission, einen Besucher fragte: »Was hat Sie am meisten beeindruckt, seitdem Sie in Amerika angekommen sind?« war die Antwort: »Der Anblick dieses jungen Millionärs, der im Haus der Hoffnung in Yale neben einem Landstreicher kniete und ihn umarmte.« Bordon plante in Nordwest-China unter Moslems zu arbeiten und ging deshalb nach Ägypten, um dort von Dr. Samuel Zwemer zu lernen. Dort holte er sich zerebrale Meningitis und starb am 9. April 1913. Wahrscheinlich wurde durch seine Biographie »Bordon aus Yale« mehr für Gott gewirkt, als durch ihn hätte erreicht werden können, wenn er hundert Jahre alt geworden wäre. Man könnte weitere Männer nennen: Samuel Hebich, Robert Cleaver Chapman, Alfred Christlieb und viele andere mehr, die als Ledige ihr Leben in den Dienst des Herrn gestellt haben und dadurch Unzähligen zum Segen wurden. Eigentlich wäre es viel leichter, Frauen aufzuzählen, die um Gottes willen ledig blieben und für Ihn Geschichte machten. Das Überwiegen von Frauen auf dem Missionsfeld spricht ja für sich selbst. Aber weil dieses Büchlein aus der Sicht eines Mannes geschrieben ist, haben wir uns selbst damit auf Männer be20
schränkt. Und wir haben absichtlich solche Männer ausgesucht, die ihren Lauf siegreich beendet haben und nicht mehr in der Gefahr stehen zu fallen.
◆ Das Problem der Einsamkeit Es kann nicht geleugnet werden, daß das Ledigsein auch einen Preis hat und daß die Kosten überschlagen werden sollten. Dazu gehört das Problem der Einsamkeit. Des weiteren kommt der starke, natürliche Wunsch hinzu, den Sexualtrieb zu befriedigen, zusätzlich noch das mangelnde Ansehen in der Gesellschaft, wenn man ledig ist und viele andere Schwierigkeiten. Einsamkeit ist wahrscheinlich eine der größten Gefahren des Lebens als Lediger. Vielleicht trifft das nicht auf jeden zu. Viele genießen die Ruhe, die Privatsphäre, das Alleinsein, die Freiheit und die Unabhängigkeit des Ledigseins. Aber nicht jeder genießt es. Manchmal, wenn ein Alleinstehender sich seiner Einsamkeit bewußt wird, werden seine schlimmsten Befürchtungen wahr. Es ist ein Kampf, mit dem er zurechtkommen muß. Ein Grund dafür ist, daß er bisher immer jemand (das heißt: seine Mutter) gehabt hat, der seine Mahlzeiten zubereitet hat, seine Wäsche gewaschen und sein Zimmer geputzt hat. Jetzt, wo er auf sich allein gestellt ist, versteht er nicht viel vom Haushalt und möchte es auch nicht unbedingt lernen. Dazu lebt er in einer Gesellschaft, in der alles auf Aktivität und Lärm abgestimmt ist. Ein ruhiger Abend allein macht ihn unruhig und nervös. Vielleicht ißt er gar nicht gern allein. Wenn jedoch Paare zum Essen, zu einer Veranstaltung oder zu einer Party eingeladen werden, wird er übergangen. 21
Er fühlt sich um etwas betrogen, wenn er am Abend an einem hell erleuchteten Haus vorüber geht, und die fröhlichen Klänge des Familienlebens darin mitbekommt. Nichts, was man unternehmen kann! Nirgends, wo man hingehen kann! Niemand, den man besuchen kann! Wenn er krank ist, fällt es ihm besonders schwer. Mit seiner lebendigen Phantasie stellt er sich das Schlimmstmögliche vor. Es wäre doch nett, wenn man mit jemand reden könnte, jemand der wenigstens ein bißchen Mitgefühl aufbringt. Wenn ein schwieriges Problem auftaucht, dann wünscht er sich jemand, mit dem er es besprechen kann. Aber es muß nicht so sein. Viele ledige Männer sind zufrieden. Sie haben konstruktive Möglichkeiten gefunden, mit der Einsamkeit umzugehen oder sie sogar ganz zu vermeiden. Man kann die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus vertiefen. Das mag sich sehr unwirklich anhören, aber es ist trotzdem sehr real. Wir können die Freundschaft mit Jesus, dem Erlöser, durch den Glauben erleben. Man kann die Gegenwart Jesu praktizieren und dabei erfahren, daß der Herr uns in der Küche genauso nah sein kann wie in der Kirche. Ein hingegebener Jünger schätzt die Gelegenheit sehr, Gottes Wort ohne Ablenkung oder Unterbrechung studieren zu können. Er kann sich mit tiefem, systematischem Bibelstudium beschäftigen. Wenn er verheiratet wäre, könnte es sein, daß es nicht in dieser Weise möglich wäre. Er vermag nützliche Aufgaben in der örtlichen Gemeinde zu erfüllen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Oft wird ein Prediger, ein Lehrer, ein Biblio22
thekar, einer, der sich um die Räume kümmert oder einer, der Besuche macht, gebraucht. Wenn er die Einsamkeit bekämpfen will, kann er nach Aufgaben suchen, die erledigt werden müssen, und sie erledigen, ohne daß er darum gebeten wird. Er hat die Möglichkeit, vieles und viel Verschiedenes zu lesen, wenn er die Disziplin dazu aufbringt. Er kann die Jahrhunderte durchreisen und überall die besten Prediger, Lehrer und Dichter der Gemeinde genießen. Er kann sich an den Wundern von Gottes Schöpfung erfreuen. Durch gute Bücher ist er auch in der Lage, die Wunder von Gottes Vorsehung und Führung zu erforschen. Lesen ist eine preiswerte Weise, die Welt zu bereisen, ohne das Wohnzimmer zu verlassen. Dabei entgeht man dem Gehetze, dem Geschrei und den Gerüchen, die zu einigen Reisen gehören. Welchen Bereich des Lebens kann man nicht durch gute Bücher miterleben und genießen? Er muß auch nicht allein essen. Vielleicht ist er ein guter Koch und teilt seine kulinarischen Wunderwerke gerne mit anderen. (Es gibt wenige Männer, die nicht dazu in der Lage sind, Würstchen zu braten oder Spaghetti zu kochen. Es ist hauptsächlich eine Frage, ob man will oder nicht.) Sogar wenn er nicht sehr häuslich wäre, wenn seine Gerichte ungenießbar sein sollten, könnte er Freunde in ein Gasthaus einladen oder Essen vom Restaurant nach Hause bestellen. Bald wird er merken, daß seinen Gästen die Gemeinschaft wichtiger ist als die Feinschmeckerküche. Wenn ein lediger Mann für andere lebt, hat er gar keine Zeit, einsam zu sein. Er findet heraus, daß es immer andere gibt, die Trost, Ermunterung, Freundschaft, finanzielle Unterstützung oder praktische Hilfe 23
im und ums Haus brauchen. Man hat vielleicht die Möglichkeit bei Witwen den Rasen zu mähen, Glühbirnen auszuwechseln oder Autos zu waschen. Man kann mit einem Brief viel sagen, ebenso mit Blumen oder Pralinen. Leute, die etwas zu tun haben, sind meist nicht einsam. Wer für andere lebt, braucht nicht zum Psychiater zu rennen, weil er einen akuten Anfall von Selbstsucht hat. Der Ledige kann all dies tun und doch seine Unabhängigkeit behalten. Er ist in der Lage, sein eigenes Tempo zu bestimmen, zu kommen und zu gehen, wann er will. Damit zeigt sich, daß vieles, was wie ein Nachteil aussah, sich als Vorteil herausstellt. Es ist ein Fehler anzunehmen, daß ein Mann nur in der Ehe Gemeinschaft finden kann. Ein Lediger kann von Freunden umringt sein. David sagte, daß die Liebe Jonathans »wunderbar« war, »mehr als Frauenliebe« (2. Sam 1,26). Paulus sagte, daß er einen Gleichgesinnten in dem jungen Timotheus gefunden habe (Phil 2,20). Trotz allem, was der Volksmund darüber sagt, kann die Freundschaft unter Männern rein, bereichernd und erbauend sein. So sagt F. B. Meyer: »In der Geschichte der zwischenmenschlichen Liebe gibt es nichts Edleres als so ein Band der Liebe zwischen zwei reinen, hochherzigen und edlen Männern, deren Liebe die Liebe zu Frauen übersteigt.«5 Außerdem hat Jesus jedem, der um seines Namens willen Frau und Kinder verläßt, hundertfältige Belohnung und ewiges Leben versprochen (Mt 19,29). Gott ist es, »der die Einsamen nach Hause bringt« (Ps 68,7; Luther). Unzählige haben erfahren, daß dies sich wörtlich erfüllt. Während sie im Auftrag des großen 24
Königs unterwegs waren, sind sie in solchen Familien gastfreundlich aufgenommen worden, in denen jeder Gast so behandelt wird, als ob er der König selbst sei. Sie begegneten Brüdern und Schwestern in Christo, die ihnen um Christi willen die Freundlichkeit Gottes erwiesen haben. Von Gott geprägte Mütter und Väter erahnten ihre Bedürfnisse und sogar ihre Wünsche. Ohne daß sie selbst Kinder hatten, genossen sie das freudige Gelächter von anderen Kindern, wo immer sie zu Gast waren. Sie brauchten kein eigenes Grundstück, denn wo immer sie hinkamen, genossen sie den Segen eines eigenen Gartens: frisches Obst von den Bäumen und Gemüse aus dem Garten. Einsamkeit ist nicht auf Ledige beschränkt. Man kann verheiratet und trotzdem einsam sein. Die schlimmste Einsamkeit ist die Einsamkeit einer gescheiterten Ehe. Gemeinschaft gibt es auch für Ledige. Diejenigen, die für Gott unterwegs sind, sind selten ohne Freunde. Ihr größtes Problem ist es, genügend Zeit zu finden, um all die guten Freundschaften, die sie haben, zu genießen.
◆ Kontrolle über den Sexualtrieb Wie wir schon erwähnt haben, ist ein weiteres Problem die Kontrolle des sexuellen Bedürfnisses. Eine Möglichkeit ist Unterdrückung. Das geschieht durch eine enorme Anstrengung des menschlichen Willens. Dies ist keine Lösung. Denn bald finden wir heraus, daß unser Wille nicht stark genug ist. Genauso wie der Dampfdruck sich in einem Kessel aufbaut, bis er explodiert, so nimmt das sexuelle Bedürfnis zu, bis es trotz bester Vorsätze nicht mehr zurückgehalten werden kann. 25