Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 ¡ 33661 Bielefeld
Ich habe viele Freuden in meinem Dienst – zu den größten zählt die gesegnete Partnerschaft mit anderen Männern, die mich in ihrer Opferbereitschaft und Hingabe an Gottes Wahrheit eine lange Wegstrecke treu begleitet haben. Ein solcher Mann ist David Cotnoir, der den kanadischen Zweig von Grace to You nahezu zwei Jahrzehnte leitete. Ihm widme ich mit tief empfundener Dankbarkeit diesen Kommentar.
1. Auflage 2008 Originaltitel: The MacArthur New Testament Commentary: 2 Corinthians © der amerikanischen Ausgabe 2003 by John MacArthur, Jr. erschienen bei Moody Publishers, Chicago, USA © der deutschen Ausgabe 2008 by CLV · Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 110135 · 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Übersetzung: Martin Plohmann, Bielefeld Umschlag: Andreas Fett, Meinerzhagen Satz: CLV Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN 978-3-89397-686-7
Inhalt
Vorwort
7
Einleitung
9
1. Trost in Schwierigkeiten
19
2. Das Warnsystem der Seele
37
3. Porträt eines gottesfürchtigen Gemeindeleiters
47
4. Die Segnungen der Vergebung
57
5. Die Freude des entmutigten Gemeindeleiters wiederherstellen
71
6. Der fähige Diener Gottes
83
7. Die Herrlichkeit des Neuen Bundes Teil I: Er schenkt Leben, bringt Gerechtigkeit und ist ewig
97
8. Die Herrlichkeit des Neuen Bundes Teil II: Er bringt Hoffnung, ist klar, ist christuszentriert, wird vom Heiligen Geist angetrieben, und er verändert
109
9. In das Angesicht Jesu schauen
121
10. Ein kostbarer Schatz in irdenen Gefäßen
137
11. Geheimnisse des Durchhaltens
149
12. Dem Tod zuversichtlich ins Angesicht schauen
159
13. Der vornehmste Ehrgeiz
171
14. Ein integrer Dienst
181
15. Der Dienst der Versöhnung
197
16. Fünfzehn Worte der Hoffnung
209
17. Ehre und Unehre – Das Paradox des Dienstes
217
18. Kennzeichen der Liebe
231
19. Absonderung von Ungläubigen
239
20. Trost für den leidenden Gemeindeleiter
255
21. Ein biblisches Modell für Freigebigkeit
267
22. Die Armut, die uns reich machte
283
23. Integre Verwalterschaft
291
24. Der Weg des Wohlstands
305
25. Den geistlichen Kampf gewinnen
315
26. Woran man einen Mann Gottes erkennt
327
27. Christliche Loyalität
345
28. Charakteristische Kennzeichen von echten und falschen Aposteln
355
29. Demütiges Rühmen
367
30. Apostolische Referenzen
375
31. Wie Gott Leiden benutzt
389
32. Apostolische Einzigartigkeit
399
33. Anliegen eines echten Gemeindeleiters
411
34. Aspekte der Heiligung: Buße
423
35. Aspekte der Heiligung: Zucht
431
36. Aspekte der Heiligung: Autorität
441
37. Aspekte der Heiligung: Authentizität
449
38. Aspekte der Heiligung: Gehorsam und Integrität
463
39. Aspekte der Heiligung: Vollkommenheit, Zuneigung und Segen
471
Bibliographie
479
Vorwort
Für mich bleibt es eine lohnende, gottgewollte Aufgabe, das Neue Testament in meinen Predigten auszulegen. Beim Studium seines Wortes ist es stets mein Ziel, tiefe Gemeinschaft mit dem Herrn zu haben und seinem Volk aus dieser Erfahrung heraus die Bedeutung der jeweiligen Schriftstelle zu erklären. Mit den Worten aus Nehemia 8,8 bin ich bestrebt, »den Sinn zu erklären«, damit sie Gott wirklich sprechen hören und somit nach seinem Willen handeln können. Ganz offensichtlich muss Gott von seinem Volk verstanden werden, was verlangt, dass sie sein Wort der Wahrheit kennen (2Tim 2,15) und es reichlich in sich wohnen lassen (Kol 3,16). Der Hauptschwerpunkt meines Dienstes ist es daher, seinem Volk das Wort Gottes lebendig werden zu lassen. Dies ist ein erfrischendes Erlebnis. Diese neutestamentliche Kommentarreihe spiegelt die Zielvorstellung wider, die Schrift zu erläutern und anzuwenden. Einige Kommentare sind in erster Linie sprachwissenschaftlicher Natur, andere zum größten Teil theologisch und wiederum andere weitestgehend homiletisch. Dieser hier ist im Wesentlichen als Erklärung und Auslegung konzipiert. Er konzentriert sich nicht auf die Darlegung linguistischer Fachbegriffe, sondern behandelt diese, wenn sie für eine korrekte Auslegung hilfreich erscheinen. Es kommt ihm nicht auf eine weitläufige theologische Erörterung an, sondern auf die Hauptlehren der jeweiligen Textstellen und in welchem Zusammenhang sie zu der ganzen Schrift stehen. Er ist nicht in erster Linie homiletisch, auch wenn jede gedankliche Einheit als ein klar umrissenes Kapitel mit logischem Gedankenfluss behandelt wird. Die meisten Wahrheiten werden von anderen Textstellen veranschaulicht und bestätigt. Nachdem ich erst einmal den Kontext einer Schriftstelle nachgewiesen hatte, versuchte ich mich eng an die Ausführung und Argumentation des Verfassers zu halten. 7
Vorwort
2. Korinther
Mein Gebet ist es, dass jeder Leser vollends versteht, was der Heilige Geist durch diesen Teil des Wortes Gottes sagt, sodass die göttliche Offenbarung in den Gläubigen wohnt und Gehorsam und Treue in ihnen vermehrt – zur Ehre unseres großen Gottes.
8
Einleitung
Der zweite Korintherbrief ist von allen paulinischen Briefen der persönlichste. Gleichzeitig ist er möglicherweise auch diejenige von Paulus’ inspirierten Schriften, mit der der Leser im Allgemeinen am wenigsten vertraut ist; sowohl vom einzelnen Gläubigen als auch von den Predigern wird er häufig übersehen. Die Vernachlässigung dieses ausgezeichneten Briefes ist ein enormer Verlust für die Gemeinde, da er viel zu bieten hat. Niemand, der im Dienst für den Herrn steht, sollte die Reichtümer seiner Wahrheiten übergehen. Eine Gemeinde sollte niemals jemanden zum Predigtdienst bestimmen, der diesen Brief und Kommentare über ihn nicht gelesen hat. Während er sich mit der problematischsten seiner Gemeinden befasst, bringt der zweite Korintherbrief Paulus’ gottesfürchtigen Charakter zum Vorschein. Seine dreizehn Kapitel offenbaren Paulus’ Demut; er beschreibt sich selbst als ein geringes irdenes Gefäß (4,7), betont seine menschliche Schwachheit und Unzulänglichkeit (3,5; 11,30; 12,5.9-10), und er weigert sich, sich gegen Angriffe zu verteidigen (11,1.1617.21; 12,11). Der zweite Korintherbrief zeigt auch Paulus’ leidenschaftliche Sorge um seine Herde, sowohl um ihr geistliches Wachstum (3,18; 7,1) als auch um ihre geistliche Sicherheit (11,2-4.29). Seine Erklärung: »Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen« (4,5), fasst sein selbstloses Interesse an ihnen zusammen. Ein effektiver Diener Gottes muss wie Paulus eine gesunde geistliche Sichtweise haben. Er war nicht »wie so viele«, die sich schuldig machten, »das Wort Gottes zu verfälschen, sondern aus Lauterkeit, aus Gott [redete er] vor dem Angesicht Gottes in Christus« (2,17). Der Apostel dachte nicht daran, Hinterlist anzuwenden oder das Wort Gottes zu verfälschen (4,2). Treue, kompromisslose Prediger der Wahrheit müssen mit einer feindseligen 9
Einleitung
2. Korinther
Reaktion seitens der Welt rechnen, die sie hassen wird, wie sie Jesus gehasst hat (Joh 7,7; 15,19). Kein Prediger in der Kirchengeschichte sah sich einer solch heftigen Verfolgung ausgesetzt wie Paulus, und in diesem Brief beschreibt er, wie man im Dienst mit Leiden umgeht (2Kor 1,4-10; 4,7-12; 6,4-10; 11,23-33). Viel von dem Leid, welches Paulus in Verbindung mit der korinthischen Gemeinde widerfuhr, erreichte ihn in Form von Angriffen durch eine Gruppe falscher Apostel. Diese Scharlatane hatten einige Korinther glauben gemacht, dass Paulus schwach, unfähig und kein echter Apostel war. Das Hauptthema dieses Briefes ist Paulus’ Verteidigung seiner Integrität und seines Apostelamtes gegen diese Angriffe (1,12-13; 2,17; 3,5; 4,2.5; 5,9-10; 6,3-4.11; 7,2; 8,20-21; 10,7; 11,5-6.30; 12,11-12; 13,5-6). Obschon er einen sehr persönlichen Blick auf Paulus gewährt, beinhaltet der zweite Korintherbrief dennoch reiche theologische Wahrheiten. Wir finden hier die vollständigste Darlegung des Neuen Bundes außerhalb des Hebräerbriefes (3,6-18). In 2. Korinther 5,1-11 präsentiert Paulus wichtige Lehren über das, was mit Gläubigen nach ihrem Tod passiert. Die Verse 14-21 desselben Kapitels besprechen die Lehre der Versöhnung und finden ihren Höhepunkt in den fünfzehn griechischen Worten in 5,21. Sie liefern die präziseste und zugleich tiefgründigste Zusammenfassung bezüglich des stellvertretenden Sühneopfers Jesu Christi in der gesamten Schrift. In ähnlicher Weise ist 8,9 ein kurzer christologischer Edelstein von immensem Wert. Außerdem lehrt 2. Korinther einiges über die praktischen Aspekte des christlichen Lebens. In 6,14 – 7,1 bespricht Paulus den Grundsatz der Absonderung von Ungläubigen. Die Kapitel 8 und 9 liefern die ausführlichste Belehrung über das Geben im Neuen Testament; Kapitel 11 enthält die Anweisung, wie echte Diener Gottes von Irrlehrern zu unterscheiden sind (V. 7-15.20); und Kapitel 12 zeigt, wie Gott Leid im Leben seiner Kinder benutzt (V. 5-10). Der Brief schließt mit einem Blick auf verschiedene wichtige Elemente des Heiligungsprozesses (12,20 – 13,13).
Die Stadt Korinth
Nur wenige Städte in der antiken Welt waren mit einer solch vorteilhaften geografischen Lage gesegnet wie Korinth. Die Stadt lag strategisch günstig an der schmalen Landenge, die das griechische Festland mit dem Peloponnes verband, der großen Halbinsel, die den südlichsten Teil Griechenlands bildet. (Seit der Fertigstellung eines Kanals durch die Landenge im späten 19. Jahrhundert ist der Peloponnes jetzt genau genommen eine Insel.) Dadurch kontrollierte Korinth die Handelsroute zwischen Nord- und Süd-Griechenland. Reisende, die von Nord-Griechenland und Kleinasien nach Italien unterwegs waren, gingen in den korinthischen Häfen an und von Bord; an der südöstlichen Seite der Landenge lag die Hafenstadt Kenchreä und Lechaeum an der nordwestlichen. Da es eine sehr schmale Landenge war (an 10
Einleitung
der engsten Stelle war sie weniger als 6,5 Kilometer breit, und die Straße zwischen Kenchreä und Lechäon hatte eine Länge von etwa 16 Kilometern), ließen viele Kapitäne ihr Schiff in einem der beiden Häfen entladen, um Fracht und Schiff (wenn es klein genug war) anschließend über die Landenge zu dem anderen Hafen zu transportieren, wo sie die Ladung wieder an Bord brachten und erneut in See stachen. Auf diese Weise umgingen sie eine lange und gefährliche Seereise um die Südspitze des Peloponnes. Zu Paulus’ Zeiten war Korinth eine große und blühende Handelsstadt, eine von Griechenlands führenden Städten. Ihr Wohlstand war nicht allein auf den Handel zurückzuführen, sondern auch auf mehrere andere Faktoren. Alle zwei Jahre waren die Isthmischen Spiele zu Gast in Korinth, die große Menschenmengen in die Stadt zogen. Zudem hatte sie den begehrten Status einer römischen Kolonie und war die Hauptstadt der römischen Provinz Achaja (aus diesem Grund konnten die dort ansässigen ungläubigen Juden Paulus vor den römischen Statthalter Gallion bringen; Apg 18,12-17). In der ganzen römischen Welt war Korinth für seine Ton- und Messingwaren berühmt. Doch Korinth besaß auch eine dunkle Seite. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung bestand aus Sklaven, und es war ein Zentrum des Sklavenhandels. Korinth war eine derart sittenlose Stadt, dass ihr Name gleichbedeutend mit sexueller Ausschweifung wurde; der Ausdruck »korinthisieren« meinte sexuelle Unmoral, und »korinthisches Mädchen« wurde zu einem umgangssprachlichen Begriff für eine Prostituierte. In seiner langen Geschichte gehörte Korinth zu den einflussreichsten Stadtstaaten Griechenlands und konkurrierte darin zuweilen mit der Bedeutung Athens. Das Jahr 146 v.Chr. stellte jedoch einen wesentlichen Wendepunkt in der Geschichte der Stadt dar, als die einfallenden Römer sie zerstörten und alle ihre Einwohner töteten oder als Sklaven verkauften. Etwa ein Jahrhundert lang blieb die Stätte verwüstet, bis Julius Caesar sie wieder aufbaute und neu besiedelte, größtenteils mit befreiten Sklaven aus der ganzen römischen Welt. Viele kultivierte Griechen waren schockiert und verachteten diese neue Unterschichtsbevölkerung der Stadt. Ihr Status als verkehrsreicher Seehafen und ihre im Aufschwung befindliche Wirtschaft zogen eine große Zahl von Zuwanderern an, die dem ethnischen Schmelztiegel der korinthischen Bevölkerung hinzugefügt wurden. Diese Bevölkerungsstruktur trug mit zu den losen Moralvorstellungen der Stadt bei. Pfeiffer und Vos bemerken, dass »ein Großteil der Bevölkerung mobil (Seemänner, Geschäftsleute, Regierungsbeamte etc.) und somit nicht den Hemmungen einer sesshaften Gesellschaft unterlegen war« (The Wycliffe Historical Geography of Bible Lands [Chicago: Moody, 1967], S. 481). In diese wohlhabende, von großen Unterschieden gekennzeichnete, wichtige und sittenlose Stadt kam der Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise.
11
Einleitung
2. Korinther
Die Gemeinde in Korinth
Als Paulus von Athen nach Korinth kam (Apg 18,1), traf er Aquila und Priscilla, das Ehepaar, das zu seinen engsten Mitarbeitern wurde (vgl. Apg 18,18; Röm 16,3; 1Kor 16,19; 2Tim 4,19). Sie waren erst vor Kurzem aus Rom gekommen, als Kaiser Claudius allen Juden befohlen hatte, Rom zu verlassen (Apg 18,2). Da sie wie er selbst Zeltmacher waren, lebte und arbeitete Paulus mit ihnen (V. 3). Wie es seine Art war, begann der Apostel seine evangelistische Arbeit in Korinth in der jüdischen Synagoge der Stadt. Silas und Timotheus, die gerade aus Mazedonien gekommen waren, halfen ihm bei der Arbeit (V. 5). So, wie es oft der Fall war, lehnten die meisten Juden auch jetzt das Evangelium ab und verhielten sich feindselig. Dies führte dazu, dass der Apostel die Synagoge verließ und »sich in das Haus eines gottesfürchtigen Mannes mit Namen Justus begab« [d.h. er war ein Heide, der sich für den Gott Israels interessierte] (V. 7). Die Feindseligkeit der ungläubigen Juden verstärkte sich noch, als »Krispus, der Synagogenvorsteher, samt seinem ganzen Haus an den Herrn gläubig wurde« – ebenso wie viele andere Korinther (V. 8). In der Hoffnung, von der Unerfahrenheit des neuen Prokonsuls (Statthalters) Gallion zu profitieren, zerrten die Juden Paulus vor ihn und beschuldigten den Apostel einer Gottesverehrung, die im Gegensatz zum jüdischen Gesetz stand (V. 12-13). Gallion jedoch lehnte eine Einmischung ab, da es in seinen Augen eine interne Auseinandersetzung innerhalb des Judaismus war, und wies die Klage gegen Paulus ab (V. 14-16). Nachdem Paulus »noch viele Tage« geblieben war (V. 18), verließ der Apostel Korinth.
Der Anlass des 2. Korintherbriefes
Nach seinem Abschied von Korinth erreichten Paulus beunruhigende Nachrichten über Probleme, die in der korinthischen Gemeinde aufgekommen waren. Als Antwort schrieb er einen nichtkanonischen Brief (nicht mehr existent), in dem er diese Angelegenheiten aufgriff (1Kor 5,9). Während er auf seiner dritten Missionsreise in Ephesus diente, hörte er von weiteren Schwierigkeiten in Korinth (1Kor 1,11; 16,17). Zusätzlich schrieben ihm die Korinther einen Brief, in dem sie um die Klärung einiger Fragen baten (1Kor 7,1). Darauf reagierte Paulus mit der Abfassung des Briefes, der als 1. Korintherbrief bekannt ist. Da der Apostel seine Arbeit in Ephesus nicht unterbrechen konnte (1Kor 16,8), sandte er Timotheus (möglicherweise mit dem ersten Korintherbrief) nach Korinth. Obwohl 1. Korinther anscheinend einige der Probleme in Korinth löste, tauchte schon bald eine neue und potenziell gefährlichere Bedrohung auf. Irrlehrer, die behaupteten, von der Jerusalemer Gemeinde als Apostel ausgesandt worden zu sein, trafen in Korinth ein und brachten in kurzer Zeit viele aus der Gemeinde von ihrer Treue gegenüber Paulus und der Wahrheit ab. (S. die Ausführungen hinsichtlich 12
Einleitung
ihrer Identität im 26. Kapitel dieses Kommentars.) Als Paulus von dieser Bedrohung erfuhr (möglicherweise durch Timotheus), verließ er Ephesus und ging nach Korinth. Der Besuch (der »traurige« oder »schmerzhafte« Besuch; vgl. 2Kor 2,1) verlief nicht gut und erreichte seinen Tiefpunkt, als sich jemand Paulus widersetzte (vielleicht einer von den falschen Aposteln) und ihn öffentlich beleidigte (2,5-8.10; 7,12). Zu seiner großen Trauer gingen die Korinther nicht gegen den Übeltäter vor. Paulus kehrte nach Ephesus zurück, schrieb ihnen einen deutlichen Brief (der ebenfalls nicht erhalten geblieben ist), der als der »Tränenbrief« bekannt wurde (s. 2,4), und sandte ihn durch Titus nach Korinth (7,5-16). Von Ephesus ging Paulus nach Troas, wo er hoffte, Titus zu treffen. Obschon es dort eine offene Tür für den Dienst gab, hielt ihn die Sorge um die Situation in Korinth davon ab, die Gelegenheit zu nutzen (2,12-13). Ruhelos und unfähig, länger auf Titus zu warten, zog Paulus weiter nach Mazedonien, wo er ihm schließlich begegnete. Titus’ Bericht, dass die meisten Korinther Buße getan und ihre Treue zu Paulus neu bekräftigt hatten (7,7), bescherte dem Apostel große Freude und Erleichterung. Doch er war klug genug zu wissen, dass, obwohl sich die Situation in Korinth dramatisch verbessert hatte, die Gemeinde noch nicht außer Gefahr war. Die falschen Apostel waren noch immer dort, und eine Minderheit der Korinther war nach wie vor verwirrt oder ihnen treu. Während er sich auf seinen bevorstehenden Besuch in Korinth vorbereitete (12,14; 13,1), schrieb Paulus 2. Korinther in Mazedonien (möglicherweise in Philippi, wie einige alte Manuskripte erkennen lassen). In diesem Brief verteidigte er seine Apostelschaft energisch gegen die Angriffe der Irrlehrer, gab den Korinthern Anweisungen bezüglich der Sammlung für die armen Gläubigen in Jerusalem und stellte sich auf direkte Weise gegen die falschen Apostel und ihre Anhänger.
Der Verfasser des 2. Korintherbriefes
Dass Paulus diesen Brief schrieb, wie er zweimal behauptet (1,1; 10,1), ist nahezu allgemein akzeptiert, selbst von kritischen Gelehrten, die bestreiten, dass Paulus andere ihm zugeschriebene neutestamentliche Bücher verfasst hat. Man kann sich unmöglich ein Motiv vorstellen, weshalb jemand einen solch emotionalen und höchst persönlichen Brief fälschen sollte. Das paulinische Vokabular des Briefes, ähnlich wie das des ersten Korintherbriefes, und der enge Zusammenhang zu den Anhaltspunkten in der Apostelgeschichte beweisen ebenfalls Paulus’ Verfasserschaft. Auch die externen Hinweise bestätigen, dass Paulus diesen Brief geschrieben hat. Im frühen 2. Jahrhundert zitierte der Kirchenvater Polykarp daraus, und später wurde er im selben Jahrhundert dem Muratorischen Kanon beigefügt. Auch Klemens von Alexandria, Irenäus und Tertullian zitierten aus dem 2. Korintherbrief. 13
Einleitung
2. Korinther
Die Einheit des 2. Korintherbriefes
Während die Verfasserschaft des zweiten Korintherbriefes nicht infrage gestellt wurde, war seine Einheit Gegenstand vieler Diskussionen. Besonders einige Gelehrte bestreiten die Einheit des Buches, und zwar aus keinem anderen Grund als deren Neigung, die Integrität der Schrift zu diskreditieren. Da sie zwischen den Kapiteln 1-9 und 10-13 einen abrupten Wechsel im Ton zu erkennen meinen, behaupten sie, dass es ursprünglich zwei verschiedene Briefe waren, die auf irgendeine Weise zu dem Brief verbunden wurden, der nun als der zweite Korintherbrief bekannt ist. Gleich zu Anfang muss festgehalten werden, dass solche Theorien rein subjektiv sind, basierend auf mutmaßlichen inneren Anhaltspunkten im Buch selbst. R.C.H. Lenski schreibt: Eine Tatsache in Bezug auf den 2. Korintherbrief muss zu Beginn besonders hervorgehoben werden: Alle, buchstäblich alle Anhaltspunkte im Text beweisen, dass dieser Brief eine Einheit ist. Nie wurde ein verkürzter Text entdeckt, der Fragen diesbezüglich aufwerfen könnte, und es wurde auch kein Text gefunden, der Auslassungen aufgewiesen hätte. Diese Tatsache allein steht wie ein Bollwerk gegen die Hypothesen unserer Zeit. (The Interpretation of Saint Paul’s First and Second Epistles to the Corinthians [Minneapolis: Augsburg, 1963], S. 795) Des Weiteren gibt es keine Anhaltspunkte aus frühen Bibelübersetzungen oder aus den Schriften der Kirchenväter, dass 2. Korinther je in Form von zwei oder mehreren separaten Briefen vorlag. Ebenso wenig gibt es Beweise dafür, wer diese hypothetischen Briefe zum zweiten Korintherbrief zusammenstellte, wann sie es taten und warum, einzig und allein Vermutungen seitens der Kritiker existieren. Was mit dem Schluss des ersten Briefes und der Einleitung des zweiten geschah, um die beiden Briefe zusammenfügen zu können, ist ebenfalls unbekannt; Donald Guthrie bemerkt: »Es muss ein ziemlicher Glücksfall gewesen sein, dass die beiden verkürzten Fragmente zusammengefügt oder geschickt manipuliert werden konnten, um daraus einen einzigen Brief mit zumindest dem Anschein der Vollständigkeit zu machen. Auf jeden Fall reichte es aus, sich bis zum 18. Jahrhundert jeglichem Verdacht zu entziehen« (New Testament Introduction [überarbeitete Ausgabe; Downers Grove; InterVarsity, 1990], S. 451). Oftmals lassen die Kritiker auch die physischen Schwierigkeiten außer Acht, die bei der Bearbeitung der Schriftrollen auftreten, auf die die Briefe des Altertums geschrieben wurden (s. die Ausführungen zu diesem Punkt bei David E. Garland, 2 Corinthians, The New American Commentary [Nashville: Broadman & Holman, 1999], S. 38-39). Einige schlagen vor, dass die Kapitel 10-13 der in 2,4 erwähnte Tränenbrief sind und sie daher vor den Kapiteln 1-9 geschrieben wurden. Diese Theorie weist jedoch wesentliche Probleme auf, zusätzlich zu den bereits erwähnten textlichen Hinweisen. 1. Das Fehlen jeglicher Bemerkung über die falschen Apostel in den Kapiteln 19 ist sehr rätselhaft, wenn die Korinther die Kapitel 10-13 bereits erhalten hätten. Selbst wenn sie die falschen Apostel abgewiesen hätten, bevor Paulus die Kapitel 114
Einleitung
9 schrieb, hätte er sie dafür mit Sicherheit gelobt. Doch die Kapitel 1-9 erwähnen die Auseinandersetzung zwischen Paulus und den Irrlehrern überhaupt nicht, sondern nur die Einzelperson, die sich ihm widersetzte (2,5-11; 7,12). 2. Die Kapitel 10-13 schweigen über diese Person. Der Tränenbrief wurde jedoch mit dem Ziel geschrieben, sich mit der Weigerung der Korinther auseinanderzusetzen, ihn in Zucht zu nehmen (2,4-9). Wenn die Kapitel 10-13 den Tränenbrief darstellen, wieso lassen sie dann den Verstoß aus, der zum Auslöser seiner Abfassung wurde? 3. Paulus bezeichnete den Tränenbrief als einen Brief, den er »aus viel Bedrängnis und Herzensnot heraus … unter vielen Tränen« verfasste (2,4). Diese Beschreibung scheint nicht zu dem Inhalt der Kapitel 10-13 zu passen, mit Paulus’ beißender Ironie und seiner strengen Zurechtweisung der Irrlehrer und ihrer Anhänger. Weshalb sollte er die Verteidigung seiner Apostelschaft bereuen (vgl. 7,8) oder seine menschliche Schwachheit erwähnen, die bewies, dass Gott seinem Dienst Vollmacht gab? 4. In 12,18 sprach Paulus davon, dass Titus’ Reise nach Korinth in Verbindung mit der Sammlung bereits stattgefunden hatte (vgl. 8,6.16-24). Da er, wie zuvor erwähnt, den Tränenbrief auf dieser Reise nach Korinth gebracht hatte, können die Kapitel 1013 offensichtlich nicht dieser Tränenbrief sein. Titus konnte nicht einen Brief überbringen, der die Auslieferung dieses Briefes als bereits geschehen beschrieb. 5. Paulus sandte den Tränenbrief, um Korinth nicht persönlich besuchen zu müssen (2,1-4), aber die Kapitel 10-13 schrieb er, um einen bevorstehenden Besuch vorzubereiten (12,14; 13,1). Andere, die diese Schwierigkeiten anerkennen, vertreten den Standpunkt, dass die Kapitel 10-13 ein separater Brief sind, der nach den Kapiteln 1-9 geschrieben wurde. Noch einmal: Es muss festgehalten werden, dass es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, dass die Kapitel 10-13 jemals ohne die Kapitel 1-9 im Umlauf waren. Eine Variante dieser Sicht ist, dass Paulus von weiteren Schwierigkeiten in Korinth erfuhr, bevor er die Kapitel 1-9 abschickte. Im Anschluss schrieb er die Kapitel 10-13 und schickte den ganzen Brief ab. Paulus’ Leben war so mit Dienen, Reisen und der Arbeit zu seinem Lebensunterhalt angefüllt, dass er möglicherweise davon abgehalten wurde, den zweiten Korintherbrief in einem Stück zu schreiben. Allerdings erwähnt er in den Kapiteln 10-13 an keiner Stelle, dass er neue Informationen aus Korinth erhalten hatte. Der unterschiedliche Ton zwischen den beiden Abschnitten des Briefes darf nicht überbewertet werden. In den Kapiteln 1-9 verteidigt Paulus sich selbst (z.B. 1,17; 4,2; 5,12-13) und weist die Irrlehrer zurecht (z.B. 2,17); in den Kapiteln 10-13 bringt er dagegen seine Liebe und Sorge um die Korinther zum Ausdruck (11,11; 12,14-15; 13,9). Beachtet man das Konzept des Briefes, wird der Grund für Paulus’ veränderten Ton leicht verständlich. Die Kapitel 1-9 waren an die Mehrheit gerichtet (vgl. 2,6), die aufgrund des Tränenbriefes Buße tat; die Kapitel 10-13 waren für die unbußfertige Minderheit bestimmt, die noch immer den falschen Aposteln anhing (die »etlichen« in 10,2, die nach wie vor meinten, Paulus würde »nach dem Fleisch wandeln«). 15
Einleitung
2. Korinther
Abfassungszeit und -ort
Der Zeitraum seines Dienstes in Korinth kann aufgrund seines Prozesses vor dem römischen Prokonsul Gallion mit angemessener Genauigkeit bestimmt werden. Laut einer in Delphi gefundenen Inschrift übernahm Gallion sein Amt höchstwahrscheinlich im Juli 51 n.Chr. Paulus’ Prozess vor Gallion fand wahrscheinlich kurz nach dessen Amtsantritt statt, gegen Ende des Dienstes des Apostels in Korinth (vgl. Apg 18,18). Als Paulus Korinth verließ, reiste er über Ephesus nach Palästina (Apg 18,22). Auf seiner dritten Missionsreise kehrte er nach Ephesus zurück (Apg 19,1), wo er etwa zweieinhalb Jahre diente (Apg 19,8.10). Den ersten Korintherbrief schrieb Paulus gegen Ende seines Aufenthaltes in Ephesus (1Kor 16,8), sehr wahrscheinlich weit in der zweiten Hälfte des Jahres 55 n.Chr. Paulus wollte Ephesus nach dem Pfingstfest verlassen (1Kor 16,8), höchstwahrscheinlich im Frühjahr 56 n.Chr. Er ging nach Mazedonien, wo er, wie bereits erwähnt, den 2. Korintherbrief zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres verfasste. Gliederung
I. Apostolischer Dienst (1,1 – 7,16) A. Paulus’ Gruß (1,1-11) B. Paulus’ Pläne (1,12 – 2,13) 1. In Bezug auf Reisen (1,12 – 2,4) 2. In Bezug auf den Übeltäter (2,5-11) 3. In Bezug auf Titus (2,12-13) C. Das Wesen seines Dienstes (2,14 – 7,16) 1. Sein Triumph (2,14-17) 2. Seine Empfehlung (3,1-5) 3. Seine Grundlage (3,6-18) 4. Sein Thema (4,1-7) 5. Seine Prüfungen (4,8-18) 6. Seine Motivation (5,1-10) 7. Seine Botschaft (5,11-21) 8. Sein Verhalten (6,1-10) 9. Seine Ermahnung (6,11 – 7,16) II. Apostolische Sammlung (8,1 – 9,15) A. Vorbildliches Geben (8,1-9) 1. Die Mazedonier (8,1-7) 2. Der Herr Jesus Christus (8,8-9) B. Der Zweck des Gebens (8,10-15) C. Der Vorgang des Gebens (8,16 – 9,5) D. Die Verheißung des Gebens (9,6-15) 16
Einleitung
III.Apostolische Rechtfertigung (10,1 – 13,13) A. Paulus’ Autorität (10,1-18) B. Paulus’ Verhalten (11,1-15) C. Paulus’ Leiden (11,16-33) D. Paulus’ Referenzen (12,1-13) E. Paulus’ Selbstlosigkeit (12,14-19) F. Paulus’ Ermahnungen (12,20 – 13,13)
17
Trost in Schwierigkeiten
1
Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal, damit wir die trösten können, die in allerlei Drangsal sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus sich reichlich über uns ergießen, so fließt auch durch Christus reichlich unser Trost. Haben wir Drangsal, so geschieht es zu eurem Trost und Heil, das sich wirksam erweist in standhafter Erduldung derselben Leiden, die auch wir erleiden; werden wir getröstet, so geschieht es zu eurem Trost und Heil; und unsere Hoffnung für euch ist gewiss, da wir wissen: Gleichwie ihr Anteil an den Leiden habt, so auch am Trost. Denn wir wollen euch, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über unsere Drangsal, die uns in [der Provinz] Asia widerfahren ist, dass wir übermäßig schwer zu tragen hatten, über [unser] Vermögen hinaus, sodass wir selbst am Leben verzweifelten; ja, wir hatten in uns selbst schon das Todesurteil, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt. Er hat uns denn auch aus solch großer Todesgefahr gerettet und rettet uns noch, und wir hoffen auf ihn, dass er uns auch ferner retten wird, wobei auch ihr mitwirkt durch eure Fürbitte für uns, damit wegen der von vielen Personen für uns [erbetenen] Gnadengabe auch von vielen Danksagung geschehe um unsretwillen. (1,1-11) Schwierigkeiten sind eine unausweichliche Realität in dieser gefallenen, bösen 19
1,1-11
2. Korinther
Welt. Eliphas, einer von Hiobs Möchtegern-Beratern, erklärte: »Der Mensch ist zum Unglück geboren, wie die Funken nach oben fliegen« (Hi 5,7). Dieser Meinung schloss sich Hiob, dem Schwierigkeiten gewiss nicht fremd waren, an: »Der Mensch, von der Frau geboren, lebt nur kurze Zeit und ist voll Unruhe« (Hi 14,1). Jeremia, der weinende Prophet, klagte: »Warum bin ich doch aus dem Mutterschoß hervorgegangen, um Mühsal und Kummer zu sehen, und damit meine Tage in Schande vergehen?« (Jer 20,18). Dass dieses Leben mit Schwierigkeiten, Sorgen, Schmerzen, Enttäuschungen, Desillusionen und Verzweiflung angefüllt ist, bezeugt auch die übrige Schrift. Zu schmerzlichen Problemen kommt noch die beunruhigende Tatsache hinzu, dass Gott manchmal weit entfernt und gleichgültig erscheint. Mutlos rief Hiob aus: »Warum verbirgst du dein Angesicht und hältst mich für deinen Feind?« (Hi 13,24). Der Psalmist fragte nachdenklich: »Herr, warum stehst du so fern, verbirgst dich in Zeiten der Not?« (Ps 10,1). Die Söhne Korahs fragten Gott im Namen Israels: »Warum verbirgst du dein Angesicht und vergisst unser Elend und unsere Bedrängnis?« (Ps 44,25). Der Prophet Jesaja bestätigte: »Fürwahr, du bist ein Gott, der sich verborgen hält, du Gott Israels, du Erretter« (45,15). Selbst David, ein »Mann nach seinem [d.h. Gottes] Herzen« (1Sam 13,14; vgl. Apg 13,22) und »der liebliche Psalmdichter in Israel« (2Sam 23,1), hatte Augenblicke des Zweifels und der Mutlosigkeit. In Psalm 13,2 fragt er verzweifelt: »Wie lange, o Herr, willst du mich ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir?«, und in Psalm 22,2 drückt er seine Qual mit den Worten aus, die der Herr Jesus Christus am Kreuz sprach: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (vgl. Mt 27,46). Heutzutage fragen viele Leute, weshalb guten Menschen böse Dinge widerfahren. Aber die Schrift widerlegt die zugrunde liegende Annahme, dass Menschen gut sind. Der Apostel Paulus erklärte: »Es ist keiner gerecht, auch nicht einer« (Röm 3,10; vgl. Ps 14,1-3; 53,2-4), da wir »alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen« (Röm 3,23; vgl. 1Kö 8,46; Ps 143,2; Spr 20,9; Pred 7,20; Jer 17,9). So ist »Gott ein gerechter Richter und ein Gott, der mit dem Gottlosen täglich zürnt« (Ps 7,11; NKJV). Allen Menschen widerfährt Schlechtes, denn sie alle sind Sünder in einer gefallenen, sündigen Welt. Da Gläubige erlöste Sünder sind, die in einer gefallenen Welt leben, passieren auch ihnen schlechte Dinge. Gott hat sogar mehrere wichtige Gründe, solche Dinge zuzulassen. 1. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, um die Tiefe ihres Glaubens zu prüfen. In Sprüche 17,3 heißt es: »Der HERR aber prüft die Herzen.« 2. Chronik 32,31 sagt: »Da verließ ihn Gott, um ihn [Hiskia] auf die Probe zu stellen, damit er alles erkenne, was in seinem Herzen war.« Jahrhunderte zuvor erzählte Mose dem Volk Israel: »Dein Gott hat dich diese 40 Jahre lang in der Wüste geführt, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, damit offenbar würde, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht« (5Mo 8,2). Petrus schrieb: Dann werdet ihr frohlocken, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muss, traurig seid in
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mancherlei Anfechtungen, damit die Bewährung eures Glaubens (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird) Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi. (1Petr 1,6-7)
Diese Prüfungen geschehen nicht um seinetwillen, denn der allwissende Gott kennt das Herz eines jeden Menschen. Vielmehr zeigen sie den Geprüften, ob ihr Glaube echt ist oder nicht. Keine Prüfung, egal wie schwer, kann den wahren rettenden Glauben vernichten, da die Erretteten »bis ans Ende« ausharren (Mt 24,13). Hiob, der treueste Mann seiner Zeit, ging durch nahezu unvorstellbare Leiden. Er verlor seinen Wohlstand, alle seine Kinder wurden getötet, und er wurde mit einer schmerzhaften, schwächenden Krankheit geschlagen. Und schlimmer noch: Seine engsten Freunde wandten sich gegen ihn. Seine Frau drängte ihn törichterweise: »Sage dich los von Gott und stirb!« (Hi 2,9). Seine unverständigen Ratgeber veranlassten ihn schließlich zu diesen verzweifelten Aussagen: »Ihr seid allesamt leidige Tröster … Was tröstet ihr mich da mit Nichtigkeiten? Eure Antworten sind nichts als Trug!« (Hi 16,2; 21,34). Obgleich sich Hiob keiner Sünde in seinem Leben bewusst war, schien Gott sein unerbittlicher Feind zu sein, was für ihn das Beunruhigendste von allem war. In Hiob 19,6-11 rief er verzweifelt und verwirrt aus: So erkennt doch, dass Gott mein Recht gebeugt und sein Netz über mich geworfen hat. Siehe, wenn ich schreie »Gewalttat!«, so erhalte ich keine Antwort, und rufe ich um Hilfe, so finde ich kein Recht. Er hat mir den Weg versperrt, sodass ich nicht weiterkomme, und über meine Pfade hat er Finsternis gebreitet. Er hat mich meiner Ehre entkleidet und mir die Krone meines Hauptes weggenommen. Er hat mich gänzlich niedergerissen, sodass ich vergehe, und hat meine Hoffnung entwurzelt wie einen Baum. Sein Zorn ist gegen mich entbrannt, und er sieht mich an wie einen seiner Feinde.
Verzweifelt suchte er bei seinen Freunden nach Mitgefühl und bat sie: »Erbarmt euch, erbarmt euch doch über mich, ihr, meine Freunde, denn die Hand Gottes hat mich getroffen!« (Hi 19,21). Doch trotz seines Elends, seines Leidens und seiner Verzweiflung, verursacht durch Satans stürmische Angriffe (vgl. Hi 1,6-12; 2,1-7), wurde Hiobs Glaube an Gott nicht zerstört. In Hiob 13,15 erklärte er überzeugt: »Siehe, er soll mich töten – ich will auf ihn warten.« Als er mit Gottes herrlicher, majestätischer Heiligkeit konfrontiert wurde, tat Hiob aufrichtig Buße, weil er an Gott gezweifelt hatte: Ich erkenne, dass du alles vermagst, und dass kein Vorhaben dir verwehrt werden kann. »Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis?« Fürwahr, ich habe geredet, was ich nicht verstehe, Dinge, die mir zu wunderbar sind und die ich nicht begreifen kann! »Höre nun, ich will reden; ich will dich fragen, und du belehre mich!« Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und in Asche! (Hi 42,2-6)
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Auch der Prophet Habakuk sah sich einer Situation ausgesetzt, die seinen Glauben prüfte. Von der wuchernden Sünde in Israel erschüttert, rief er zu Gott: Wie lange, o HERR, rufe ich schon, ohne dass du hörst! Ich schreie zu dir wegen des Unrechts, und du hilfst nicht. Warum lässt du mich Bosheit sehen und schaust dem Unheil zu? Bedrückung und Gewalttat werden vor meinen Augen begangen; es entsteht Streit, und Zank erhebt sich. Darum wird das Gesetz kraftlos, und das Recht bricht nicht mehr durch; denn der Gottlose bedrängt den Gerechten von allen Seiten; darum kommt das Urteil verkehrt heraus! (Hab 1,2-4)
Zu seiner Bestürzung war Gottes Antwort das Gegenteil von dem, was er sich erhofft hatte. Anstatt eine geistliche Erneuerung in Israel zu bewirken, brachte Gott ein verheerendes Gericht über das Volk. Noch verblüffender war, dass er ein heidnisches, gottloses Volk zur Ausführung dieses Gerichts auswählte: Seht euch um unter den Heidenvölkern und schaut umher; verwundert und entsetzt euch! Denn ich tue ein Werk in euren Tagen – ihr würdet es nicht glauben, wenn man es erzählte! Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, ein bitterböses und ungestümes Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnsitze zu erobern, die ihm nicht gehören. Es ist schrecklich und furchterregend; sein Recht und sein Ansehen gehen von ihm selber aus. Schneller als Leoparden sind seine Rosse und rascher als Wölfe am Abend; seine Reiter kommen im Galopp daher, von fernher kommen seine Reiter; sie fliegen daher wie ein Adler, der sich auf den Fraß stürzt. Sie gehen alle auf Gewalttaten aus; ihre Angesichter streben unaufhaltsam vorwärts, und sie fegen Gefangene zusammen wie Sand. Es spottet über die Könige, und Fürsten sind ihm ein Spaß; es lacht über alle Festungen, schüttet Erde auf und erobert sie. Dann fährt es daher wie ein Sturmwind, geht weiter und lädt Schuld auf sich; denn diese seine Kraft macht es zu seinem Gott. (Hab 1,5-11)
Doch trotz seiner Verwirrung hinsichtlich eines noch schlimmeren Volkes als Gerichtsinstrument über Israel hatte Habakuks Glauben Bestand. Obwohl sich die Not nicht legte, brachte er sein Vertrauen in Gottes Treue, Gerechtigkeit und Heiligkeit zum Ausdruck: Bist du, o HERR, nicht von Urzeiten her mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben! HERR, zum Gericht hast du ihn eingesetzt, und zur Züchtigung hast du, o Fels, ihn bestimmt. Deine Augen sind so rein, dass sie das Böse nicht ansehen können; du kannst dem Unheil nicht zuschauen. Warum siehst du denn den Frevlern schweigend zu, während der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er? (Hab 1,12-13)
Menschen mit echtem Glauben werden Gottes Prüfungen in ihrem Leben bestehen und dadurch in ihrem Vertrauen, ihrer Zuversicht und Hoffnung gestärkt. 2. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, um sie von 22
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der Welt zu entfernen. Prüfungen entziehen den Gläubigen die weltlichen Mittel, auf die sie vertrauen, um sie vollkommen von Gott abhängig zu machen. Bevor Jesus die Fünftausend speiste, schreibt Johannes: »Da nun Jesus die Augen erhob und sah, dass eine große Volksmenge zu ihm kam, spricht er zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese essen können?« (Joh 6,5). Sofort machten Philippus und die anderen Jünger eine Bestandsaufnahme, doch das Ergebnis war nicht vielversprechend: »Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brot reicht nicht aus für sie, dass jeder von ihnen auch nur ein wenig bekommt! Da spricht einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, zu ihm: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?« (Joh 6,7-9). Aber Philippus und die anderen hatten nicht verstanden, was Jesus eigentlich beabsichtigte: »Das sagte er aber, um ihn auf die Probe zu stellen, denn er selbst wusste wohl, was er tun wollte« (Joh 6,6). Jesus benutzte diese Begebenheit, um den Jüngern zu zeigen, dass es sinnlos ist, auf menschliche Mittel zu vertrauen. 3. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, um sie zu ihrer himmlischen Hoffnung zu berufen. Den Römern schrieb Paulus: »Wir rühmen uns auch in den Drangsalen, weil wir wissen, dass die Drangsal Standhaftigkeit bewirkt, die Standhaftigkeit aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden« (Röm 5,3-5). Menschen mit der Hoffnung auf den Himmel werden in diesem Leben nicht zuschanden werden, und Leid ist der erste Schritt, diese Hoffnung hervortreten zu lassen. Paulus drückte seine himmlische Hoffnung in seinen Worten an die Korinther aus: »Denn unsere Drangsal, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig« (2Kor 4,17-18). Je größer die Prüfungslast ist, die Gläubige in diesem Leben zu tragen haben, umso süßer wird ihre Hoffnung auf den Himmel. 4. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, um ihnen zu zeigen, was sie wirklich lieben. Menschen, die nach einem bewährten Charakter streben (Röm 5,3-4), wie Leid ihn hervorbringt, und die mit dem Herrn Jesus Christus mitleiden wollen (vgl. Apg 5,41; 1Petr 4,13), werden Prüfungen gerne ertragen. Doch jene, die sich auf weltliche Dinge konzentrieren, werden mit Zorn und Verzweiflung reagieren, wenn sie ihrer beraubt werden. Die Art und Weise, in der Abraham der schweren Prüfung hinsichtlich seines Sohnes Isaak begegnete, offenbarte seine Liebe zu Gott. 1. Mose 22,1-2 sagt: »Gott prüfte den Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, Isaak, und geh hin in das Land Morija und bringe ihn dort zum Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir nennen werde!« Abraham muss aufgrund dieses scheinbar unverständlichen Auftrags geschockt gewesen sein. Isaak war der Sohn, nach dem er sich jahrzehntelang gesehnt hatte. Dann, als Abraham alt geworden war und seine Frau das gebärfähige Alter hinter sich gelassen hatte, kam die unglaubliche Ankündigung, dass 23
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sie einen Sohn haben sollten (1Mo 18,10.14). Die Nachricht, dass ihre lang gehegte Hoffnung wahr werden sollte, war so unglaublich, dass anfangs sowohl Abraham (1Mo 17,17) als auch Sara (1Mo 18,12) lachen mussten. Des Weiteren war Isaak der Sohn des Bundes, durch den Abraham seine Nachkommen empfangen sollte (1Mo 17,19; 21,12; Röm 9,7). In Isaak trafen alle göttlichen Verheißungen und Abrahams Hoffnungen zusammen. Doch als Gott ihm befahl, Isaak als Opfer darzubringen, war Abraham zum Gehorsam bereit. Aber Gott hielt ihn auf, verschonte Isaak und gab ein anderes Opfer. Abrahams Bereitwilligkeit bewies, dass er Gott mehr liebte als alles andere, sogar mehr als seinen eigenen Sohn. Und zudem glaubte er an die Verheißung Gottes, dass das Volk durch Isaak kommen würde – er glaubte, dass Gott Isaak aus den Toten auferwecken würde, würde er seinen Sohn töten müssen (Hebr 11,17-19). 5. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, um sie Gehorsam zu lehren. Der Psalmist bestätigte: »Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber befolge ich dein Wort … Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Satzungen lerne« (Ps 119,67.71). Der schmerzhafte Stachel des Leids erinnert die Gläubigen daran, dass Sünde Konsequenzen nach sich zieht. Gott benutzt Prüfungen, um Gläubige zum Gehorsam und zur Heiligkeit zu führen, wie der Schreiber des Hebräerbriefes aufzeigt: Ihr habt das Trostwort vergessen, das zu euch als zu Söhnen spricht: Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst! Denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt einen jeden Sohn, den er aufnimmt. Wenn ihr Züchtigung erduldet, so behandelt euch Gott ja als Söhne; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, an der sie alle Anteil bekommen haben, so seid ihr ja unecht und keine Söhne! Sodann hatten wir auch unsere leiblichen Väter zu Erziehern und scheuten sie; sollten wir uns jetzt nicht vielmehr dem Vater der Geister unterwerfen und leben? Denn jene haben uns für wenige Tage gezüchtigt, so wie es ihnen richtig erschien; er aber zu unserem Besten, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Alle Züchtigung aber scheint uns für den Augenblick nicht zur Freude, sondern zur Traurigkeit zu dienen; danach aber gibt sie eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind. (Hebr 12,5-11)
6. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, damit er ihnen sein Erbarmen zeigen kann. Das Leid der Gläubigen gibt Gott die Möglichkeit, ihnen seine Gnade zu zeigen, die, wie David sagte, besser ist als alles andere im Leben: »Denn deine Gnade ist besser als Leben; meine Lippen sollen dich rühmen« (Ps 63,4). Gläubige lernen Gott nie persönlicher kennen als in den Augenblicken, in denen er sie in ihrem Leid tröstet. Jesaja freute sich: »Jubelt, ihr Himmel, und frohlocke, du Erde! Brecht in Jubel aus, ihr Berge, denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich über seine Elenden!« (Jes 49,13; vgl. 51,12; 52,9; 66,13). Diese Offenbarung des göttlichen Erbarmens vermehrt die Anbetung. 24
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7. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, um ihre Brauchbarkeit zu vergrößern. Je mehr sie durch Prüfungen geläutert wurden, desto wirkungsvoller wird ihr Dienst sein. »Meine Brüder, achtet es für lauter Freude«, schrieb Jakobus, »wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Standhaftigkeit bewirkt. Die Standhaftigkeit aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und ganz seid und es euch an nichts mangelt« (Jak 1,2-4). 8. Gott lässt es zu, dass seinem Volk schlechte Dinge widerfahren, damit sie andere in ihren Prüfungen trösten können. Jesus sagte zu Petrus: »Simon, Simon, siehe, der Satan hat euch begehrt, um euch zu sichten wie den Weizen; ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder!« (Lk 22,31-32). Nachdem er seine eigene Prüfung ertragen und Gottes Trost erfahren hatte, würde Petrus fähig sein, anderen zu helfen. Wie wir später in diesem Kapitel erfahren, betont Paulus am Anfang des zweiten Korintherbriefes, dass Gott »uns tröstet in all unserer Drangsal, damit wir die trösten können, die in allerlei Drangsal sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden« (1,4). Wie es in Briefen des Altertums üblich war, beginnt der Brief mit dem Namen des Absenders, Paulus. Wie in acht weiteren seiner Briefe bezeichnet er sich selbst als Apostel Jesu Christi (vgl. Röm 1,1; 1Kor 1,1; Gal 1,1; Eph 1,1; Kol 1,1; 1Tim 1,1; 2Tim 1,1; Tit 1,1). Da Irrlehrer seine apostolischen Referenzen immer wieder infrage stellten, erklärt Paulus, dass er sich nicht selbst zum Apostel ernannt hat, sondern es durch Gottes Willen ist (vgl. 1Kor 1,1; Eph 1,1; Kol 1,1; 2Tim 1,1). Obwohl er nicht zu den Zwölfen gehörte, wurde Paulus vom Herrn Jesus Christus persönlich zum Apostel auserwählt (Apg 26,15-18; 1Kor 15,7-10). Die von ihm als Apostel an die Korinther geschriebenen Wahrheiten sind das inspirierte Wort des lebendigen Gottes. Somit war der Angriff der Irrlehrer auf seine Glaubwürdigkeit auch ein Angriff auf Gottes geoffenbarte Wahrheit. Timotheus war kein Apostel, sondern Paulus’ geliebter Bruder in Christus. Sein Heimatort war Lystra, eine Stadt in Kleinasien (der heutigen Türkei). Seine Mutter und Großmutter waren fromme jüdische Gläubige (2Tim 1,5), aber sein Vater war ein heidnischer Grieche (Apg 16,1). Nachdem er sich Paulus auf seiner zweiten Missionsreise angeschlossen hatte, wurde Timotheus zu seinem Schützling und geliebten Sohn im Glauben. Paulus schrieb ihm zwei inspirierte Briefe, und in acht weiteren erwähnt er ihn, davon sechsmal in der Begrüßung. Timotheus war so treu wie Paulus, sodass der Apostel ihn vertrauensvoll als seinen Stellvertreter zu den Gemeinden in Mazedonien (Apg 19,22), Philippi (Phil 2,19-24), Thessalonich (1Thes 3,2) und Ephesus (1Tim 1,3) sandte. Auch die Korinther kannten ihn; er war dort, als die korinthische Gemeinde gegründet wurde (Apg 18,5), und später diente er dieser Gemeinde als Paulus’ persönlicher Abgesandter (1Kor 4,17; 16,10). Wie er es gewohnt war, richtete Paulus seine Grüße an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist. Sie waren eine Gemeinschaft von Gläubigen, die Gott gehörte, 25
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da er sie »durch sein eigenes Blut erworben hat« (Apg 20,28). Paulus gibt die Identität aller Heiligen, die in ganz Achaja sind, nicht bekannt, an die er ebenfalls seine Grüße richtet. Es gab allerdings eine Gemeinde in Kenchreä (Röm 16,1), einer Stadt, die etwa 13 Kilometer entfernt lag und als Korinths Hafen diente. Wie er es bei der Begrüßung in allen seinen Briefen tat, wünschte Paulus den Korinthern Gnade … und Friede von Gott. Diese beiden Segnungen kommen ausschließlich von unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Wie in der Einleitung dieses Kommentars erwähnt, ist das Hauptthema dieses Briefes Paulus’ Verteidigung seiner Apostelschaft gegen die vielen und unterschiedlichen Angriffe der Irrlehrer in Korinth. In diesem Anfangsabschnitt des 2. Korintherbriefes verteidigt sich Paulus gegen die falsche Beschuldigung, dass seine Prüfungen Gottes Strafe für seine Sünde und Untreue wären. Der Apostel argumentiert, dass Gott ihn in seinen Leiden tröstete und nicht züchtigte. Hierbei verfasste er die zweifellos bedeutendste Aussage der ganzen Schrift in Bezug auf Trost. Paulus beschreibt darin Person, Verheißung, Zweck, Bedingungen, Kraft und Ewigkeitsbedeutung des Trostes sowie die Beteiligung am Trost.
Die Person des Trostes
Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, (1,3) Nach der Begrüßung begann Paulus den Hauptteil seines Briefes mit der Beteuerung, dass Gott gelobt werden sollte. Eulogêtos (gelobt) ist die Wurzel des deutschen Wortes »Eloge« und bedeutet wörtlich »gut von etwas sprechen«. Das Alte Testament nennt Gott häufig den »Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs« (z.B. 2Mo 3,6.15.16; 4,5; 1Kö 18,36; 1Chr 29,18; 2Chr 30,6). Aber das Neue Testament gibt ihn als den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus zu erkennen (vgl. 2Kor 11,31; Röm 15,6; Eph 1,3.17; 1Petr 1,3), denn: »Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben über alles, durch ihn hat er auch die Weltzeiten geschaffen« (Hebr 1,1-2). Anders als Abraham, Isaak, Jakob und die alttestamentlichen Propheten hat Jesus Christus dasselbe Wesen wie der Vater: »Dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens« (Hebr 1,3). Jesus erschütterte und empörte die jüdischen Autoritäten durch seine Aussage: »Ich und der Vater sind eins« (Joh 10,30). Seinen ebenso unverständigen Jüngern erklärte er deutlich: »Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen« (Joh 14,9). Den Philippern schrieb Paulus, dass Jesus »in der Gestalt Gottes war« (Phil 2,6), und den Kolossern: »Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes« (Kol 1,15) und »in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig« (Kol 2,9). Die neutestamentliche Lehre, dass Jesus Gott im Fleisch ist, ist 26