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»Vorsicht, denn bei diesem Buch handelt es sich um Dynamit. Es wäre gut möglich, dass es in Ihrem Leben explodiert und bewirkt, dass Sie nie wieder derselbe sind. Die Hauptaussage dieses Buches stellt die wichtigsten Wahrheiten des Wortes Gottes in einer ausgewogenen Weise dar. Lesen Sie es nicht einfach nur – sondern geben Sie es auch an Ihre Freunde weiter!« George Verwer, Gründer von Operation Mobilisation

»Das Lesen eines Buches von Randy Alcorn ist wie das Öffnen einer Schatztruhe. In diesem Buch werden Sie mit Gnade gewürzte Wahrheit entdecken, die vorzüglich serviert wird.« Hank Hanegraaff, Moderator der Radiosendung The Bible Answer Man und Autor von Dan Browns Sakrileg

»Für all jene von uns, die sich wünschen, ganz praktisch und einfach das Wesentliche davon zu verstehen, was es heißt, wie Jesus zu sein, ist dieses Buch ein Muss.« Joseph M. Stowell, Präsident des Moody Bible Institute


Randy Alcorn

‌ voller Gnade und Wahrheit

Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 110135 • 33661 Bielefeld


Bibelzitate sind, wenn nicht anders vermerkt, aus der Revidierten Elberfelder Übersetzung.

$XÀDJH ‹ GHU DPHULNDQLVFKHQ $XVJDEH by Eternal Perspective Ministries Originaltitel: The Grace and Truth Paradox Originalverlag: Multnomah Publishers, Inc., Sisters, Oregon (USA) ‹ GHU GHXWVFKHQ $XVJDEH E\ &/9 &/9 ‡ &KULVWOLFKH /LWHUDWXU 9HUEUHLWXQJ 3RVWIDFK ‡ %LHOHIHOG &/9 LP ,QWHUQHW ZZZ FOY GH Übersetzung: Andreas Albracht, Hagen Umschlaggestaltung: Andreas Fett, Meinerzhagen 6DW] &/9 Druck: Ebner & Spiegel, Ulm ,6%1 ,6%1


Inhaltsverzeichnis Kapitel 1 (LQH =ZHL 3XQNWH &KHFNOLVWH I U &KULVWXVlKQOLFKNHLW ............................................ Kapitel 2 Wesentlich und untrennbar.................................... 1 Kapitel 3 Was ist Gnade? ...................................................... Kapitel 4 Was ist Wahrheit? .................................................. 4 Kapitel 5 Gnade einmal näher betrachtet.............................. Kapitel 6 Wahrheit einmal näher betrachtet ......................... Kapitel 7 Die Gnade, nach der wir uns sehnen..................... 1 Kapitel 8 Die Wahrheit, die uns frei macht...........................

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Kapitel 9 Gnade und Wahrheit als eine Einheit .................. Schluss ................................................................ 1 Anmerkungen......................................................

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Kapitel 1

Eine Zwei-Punkte-Checkliste für Christusähnlichkeit Es war schon spät in einer regnerischen Nacht, als mei ne Frau Nanci und ich noch in der Stadt unterwegs wa ren. Da bemerkte Nanci plötzlich einen älteren Mann auf einem Parkplatz, der sich auf eine Krücke stützte und offensichtlich so seine Mühe hatte. Ich half ihm in sein Auto. Und da er ziemlich erschöpft war, fragte ich ihn, ob ich ihn nach Hause fahren könne. Er lehnte ab, aber ich sagte ihm, dass wir ihm folgen würden, um zur Stelle zu sein, falls er doch noch un sere Hilfe benötigte. Als er die Parklücke, ziemlich unsicher fahrend, verließ, baten wir Gott darum, dass HU GLH 6WUD H QLFKW ¿QGHQ Z UGH $OV HU VLFK GDQQ LQ einer schmalen Durchfahrt festgefahren hatte, wur de unser Gebet erhört. Ich öffnete seine Tür und bat ihn, sich auf den Beifahrersitz zu setzen, um ihn nach Hause fahren zu können, während Nanci uns in un serem Auto folgen würde. Als ich gerade losfahren wollte, sprangen zwei Män ner vor unser Auto, winkten mit ihren Armen und mit einem Handy. Einer von ihnen rief: »Meine Frau be kommt ein Kind, und ich muss ganz dringend nach Hause. Wäre es wohl möglich, dass Sie uns nach Hause fahren?« 7


Nun, sagte ich, dies ist ßberhaupt nicht mein Auto, und der Mann, der neben mir sitzt, den kenne ich gar nicht. (LQH ]LHPOLFK ODKPH $XVUHGH ¿QGHQ 6LH QLFKW DXFK" Ich bat Nanci, in das Auto des älteren Mannes ein zusteigen und mir damit zu folgen, während ich die beiden Typen nach Hause bringen wßrde (wo auch immer das sein mochte). Nachdem ich sie abgesetzt hatte, sprang ich zurßck in Georges Auto – inzwi schen kannte ich nämlich seinen Namen –, um ihn nach Hause zu fahren (wo auch immer das sein mochte). Als wir sein Zuhause erreicht hatten, half ich ihm in sein Zimmer. ,FK IDQG KHUDXV GDVV *HRUJH -DKUH DOV 3URIHVVRU der Politikwissenschaften an der Staatlichen Uni versität San Francisco tätig gewesen war. Mir war klar, dass die meisten Menschen aus Georges Um IHOG ELEHOJOlXELJH &KULVWHQ QLFKW JHUDGH ]X LKUHP Freundeskreis zählten! George fragte mich, warum wir ihm denn eigentlich geholfen hätten – worauf ich LKP VDJWH GDVV ZLU &KULVWHQ VHLHQ $X‰HUGHP JDE LFK ihm mein Buch Der Himmel – Was uns dort wirklich erwartet. Ich betete, dass Gott sein Leben verändern wßrde, und hoffte, dass wir den Rest der Geschichte in der Ewigkeit erfahren wßrden. Wie sich allerdings herausstellen sollte, brauchten wir gar nicht so lange zu warten. Zwei Monate später erwachte nämlich meine As 8


sistentin Kathy mitten in der Nacht mit einem selt samen medizinischen Problem, das sie niemals zuvor gehabt hatte und seitdem auch nie wieder bekommen hat. Am nächsten Tag suchte sie ihren Arzt auf und hatte ein Exemplar des Buches Der Himmel – Was uns dort wirklich erwartet bei sich. Als der Arzt das Buch sah, sagte er: Vor einigen Tagen hatte bereits ein anderer meiner Patienten dieses Buch bei sich – und sagte mir, er wßnschte, er kÜnne einmal mit dem Verfasser des Buches reden. Als Kathy zurßck in unser Bßro kam, hatte sie Georges Telefonnummer. Ich rief ihn an und fragte ihn, ob es ihm recht sei, wenn ich ihn einmal besuchen wßrde. Er willigte ein. George war voller Fragen. Er wollte die Wahrheit  EHU -HVXV &KULVWXV ZLVVHQ (U NRQQWH GHQ *HGDQNHQ der Gnade, dass Gott tatsächlich bereit sein sollte, verdorbenen Menschen zu vergeben, einfach nicht fassen. Er sagte, dass klänge ihm alles zu einfach. Es folgte ein zweistßndiges Gespräch. Und ich er lebte, wie Gottes Geist an George wirkte. Letzten Endes betete er zu Gott, bekannte Ihm seine Sßnden XQG QDKP GDV *HVFKHQN &KULVWL GDV HZLJH /HEHQ an. Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass all diese Ereignisse zusammentreffen? Das ist vollkommen unwahrscheinlich – es handelte 9


sich bei alledem ganz bestimmt um eine Reihe von gĂśttlich gelenkten Umständen. Ein bescheidener Gnadenakt von meiner Frau und mir bzw. zwei unbedeutende Handlungen, wenn man einmal die Fahrt zu der werdenden Mutter mitzählt, hinterlieĂ&#x;en irgendwie einen Eindruck bei George â&#x20AC;&#x201C; und fĂźhrten zudem dazu, dass er ein Buch in seine Hände bekam, das ihm die Wahrheit anbot. Was George erlebte, womit er rang und was ihn letzt OLFK ]X &KULVWXV EUDFKWH ZDUHQ *QDGH XQG :DKUKHLW Was verrät uns? Einer meiner Freunde nahm einmal in einem kleinen Londoner Restaurant Platz und vertiefte sich in die Speisekarte. ÂťWas darfâ&#x20AC;&#x2122;s denn sein?ÂŤ, fragte der Kellner. Die rätselhaften Bezeichnungen der Gerichte studie rend, meinte mein Freund: ÂťUhh â&#x20AC;ŚÂŤ 'HU .HOOQHU OlFKHOWH ÂŞ2K HLQ <DQNHH HLQ 1RUG amerikaner)! Aus welchem Teil der Vereinigten Staa ten kommen Sie denn?ÂŤ Wenn er auch kein einziges Wort gesagt hatte, so hat te er sich doch bereits verraten. So war das auch im ersten Jahrhundert mit den Nach IROJHUQ &KULVWL 0DQ HUNDQQWH VLH VRIRUW :DV ZDU HV denn, was sie verriet? Es waren nicht ihre Gebäude. Sie besaĂ&#x;en keine. Nicht ihre Programme. Die hatten sie nicht. 10


Auch nicht ihre politische Macht. Denn sie besaĂ&#x;en keine. (V ZDUHQ DXFK QLFKW LKUH +RFKJODQ] 0DJD]LQH )HUQ VHKVHQGHU $XWRDXINOHEHU RGHU 0HGLHQ %HUÂ KPWKHL ten. Denn sie hatten nichts von alledem. Was war es dann? ÂťUnd mit groĂ&#x;er Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und groĂ&#x;e Gnade war auf ihnen allen.ÂŤ $SJ

6LH JDEHQ =HXJQLV YRQ GHU :DKUKHLW &KULVWL XQG lebten aus Seiner Gnade. Wahrheit war die Nahrung, die sie zu sich nahmen, und die Botschaft, die sie weitergaben. Gnade war die Luft, die sie atmeten, und das Leben, das sie lebten. Die Welt um sie herum hatte nie etwas Vergleich bares gesehen. Und das gilt auch noch heute. Die zwei Grundelemente Die einzige ÂťGemeindewachstumsformelÂŤ, welche die frĂźhe Gemeinde besaĂ&#x;, war der Leib der Wahr heit, der vom Blut der Gnade durchstrĂśmt wurde. Weil diese Menschen wie Jesus waren, zogen sie Tausende zu Ihm hin. 11


Was jedoch bedeutet Âťwie Jesus zu seinÂŤ? Wir N|QQWHQ QXQ ODQJH /LVWHQ PLW DOO 6HLQHQ &KDUDNWHUHL genschaften hervorholen. Doch je länger die Listen sind, desto weniger kĂśnnen wir in der Regel mit ih nen anfangen. (Ich kann nicht einmal mit drei Bäl len jonglieren. Wie sollte ich es da mit Dutzenden kĂśnnen?) :DV MHGRFK ZHQQ PDQ GHQ &KDUDNWHU &KULVWL DXI zwei GrundzĂźge reduzieren kĂśnnte? Und genau das ist mĂśglich: ÂťIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. â&#x20AC;Ś Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir ha ben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlich keit als eines Einziggeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.ÂŤ (Joh 1,1.14, Hervorhebung durch den Autor) -HVXV &KULVWXV LVW YROO YRQ ]ZHL 'LQJHQ *QDGH XQG Wahrheit. Da steht nicht Âťvoll von Geduld, Weisheit, SchĂśn heit, MitgefĂźhl und KreativitätÂŤ. In der Aufzählung gibt es keine Kommas und nur ein Bindewort â&#x20AC;&#x201C; Gna de und :DKUKHLW 'LH +HLOLJH 6FKULIW IDVVW GHQ &KD UDNWHU &KULVWL LQ HLQHU =ZHL 3XQNWH &KHFNOLVWH I U &KULVWXVlKQOLFKNHLW ]XVDPPHQ 12


Das Kind, das in einem Stall in Bethlehem geboren wurde, war niemand anders als der SchĂśpfer des Universums. Er schlug Sein Zelt auf dem einfachen &DPSLQJSODW] XQVHUHV NOHLQHQ 3ODQHWHQ DXI *RWWHV Herrlichkeit wohnte nicht länger in einem Tempel DXV +RO] XQG 6WHLQ VRQGHUQ LQ &KULVWXV 'LHVHU ZDU nun das Allerheiligste. Als Er jedoch wieder hinaufstieg in die Weiten der EODXHQ +LPPHO GD OLHÂ&#x2030; (U *RWWHV 6FKHFKLQD +HUU lichkeit â&#x20AC;&#x201C; jenes sichtbare Zeichen der Gegenwart *RWWHV Âą DXI GLHVHU (UGH ]XU FN 8QG ZLU &KULVWHQ wurden zu Seinen lebendigen Tempeln, zu dem neu HQ $OOHUKHLOLJVWHQ O .RULQWKHU Alles, was die Menschen jener Zeit tun mussten, wenn sie wissen wollten, wie Gott wirklich ist, war, Jesus anzuschauen. In gleicher Weise sollten auch die Menschen von heute lediglich uns anschauen mĂźssen, um zu erkennen, wie Jesus ist. Seien es nun unsere guten oder unsere schlechten Taten: Men VFKHQ ZHUGHQ HLQHQ (LQGUXFN YRQ &KULVWXV EHNRP men â&#x20AC;&#x201C; aufgrund dessen, was sie an uns sehen. Wenn ZLU EHLP *QDGHQ 7HVW GXUFKIDOOHQ GDQQ HUZHLVHQ wir uns als nicht christusähnlich. Und auch wenn ZLU DP :DKUKHLWV 7HVW VFKHLWHUQ EHVLW]HQ ZLU NHLQH &KULVWXVlKQOLFKNHLW :HQQ ZLU KLQJHJHQ EHLGH 3U fungen bestehen, dann entdecken die Menschen an uns eine Ă&#x201E;hnlichkeit mit Jesus. Eine nach Gnade und Wahrheit hungernde Welt 13


braucht den echten Jesus, der voller Gnade und Wahrheit ist. Was nun sieht diese hungrige Welt, wenn sie uns an schaut? Von Gnade Ăźberrascht Die jĂźdische Kultur des 1. Jahrhunderts verstand Wahrheit weitaus besser als Gnade. Deshalb wird auch in Johannes 1,14 die Gnade zuerst erwähnt, weil sie einfach Ăźberraschender war. Als Jesus die WeltbĂźhne betrat, konnten die Men schen nicht nur die Forderungen der Wahrheit hĂśren, VRQGHUQ VLH KDWWHQ GLH SHUVRQLÂż]LHUWH :DKUKHLW YRU $XJHQ 'D ZDU QLFKW OlQJHU HLQ NXU]]HLWLJHV $XIĂ&#x20AC;D ckern von Gnade, sondern die Gnade selbst. ÂťSiehe, das Lamm Gottes, das die SĂźnde der Welt ZHJQLPPW Š -RK Als Gott an Mose vorĂźberging, bezeichnete Er sich VHOEVW DOV ÂŞUHLFK DQ *QDGH XQG 7UHXHŠ 0RVH (Bei dem Wort, das dort mit Treue Ăźbersetzt wird, handelt es sich um die hebräische Entsprechung von Wahrheit.) Gnade ist ein angenehmes, wohlklingendes Wort. Sie fasziniert. Sie zieht an. Sie drängt. Sie Ăźberwältigt. Doch Gnade Ăźberrascht auch. Es war, als ob Gott sa gen wollte: ÂťVon der Wahrheit habt ihr gehĂśrt. Sie wird an jedem Sabbat in den Synagogen gelehrt. Aber lasst Mich euch von der Gnade erzählen â&#x20AC;ŚÂŤ 14


Das Alte Testament lehrt die Furcht Gottes und stellt den Lesern die entsetzlichen Folgen vor Augen, die die Missachtung der Wahrheit mit sich bringt. Dort wird die Wahrheit als unbarmherzig dargestellt. Usa wurde allein fĂźr den Versuch, die Bundeslade mit seiner Hand festzuhalten, damit sie nicht vom Wa JHQ KHUXQWHUÂżHO YRQ *RWW QLHGHUJHVWUHFNW VR GDVV HU starb. 6LFKHUOLFK ÂżQGHQ ZLU DXFK LP $OWHQ 7HVWDPHQW *QD de â&#x20AC;&#x201C; sogar reichlich davon â&#x20AC;&#x201C;, sie wurde jedoch von der Wahrheit in den Schatten gestellt. Die Pharisäer, die selbst ernannten HĂźter von Gottes Wahrheit, be tonten niemals die Gnade. &KULVWL =XK|UHU KDWWHQ LP PRVDLVFKHQ *HVHW] :DKU KHLW JHVHKHQ DEHU HV ZDU &KULVWXV GHU VLH GHQ HUVWHQ freien Blick auf die Gnade werfen lieĂ&#x;. Das Gesetz konnte lediglich SĂźnde offenbar machen. Jesus jedoch konnte diese hinwegnehmen. Einige der heutigen Gemeinden halten an der Wahr heit fest, kĂśnnten jedoch eine starke Dosis Gnade gebrauchen. Wieder andere Gemeinden reden in einem fort von Gnade, bräuchten jedoch eine starke Dosis Wahrheit. Vor einiger Zeit lud ich eine lesbische Aktivistin ein, mit mir zu Mittag zu essen. Während der ersten Stun de schlug sie mit ihren Worten auf mich ein, indem VLH PLU YRQ DOO GHQ &KULVWHQ YRQ GHQHQ VLH VFKOHFKW 15


behandelt worden war, erzählte. Sie schien steinhart zu sein. Ich hĂśrte ihr zu, versuchte ihr, Gottes Gna de zu zeigen, und betete darum, sie mĂśge den Jesus sehen, den sie so dringend brauchte. Sie wurde laut XQG Ă&#x20AC;XFKWH VR VHKU GDVV GLH DQGHUHQ 0HQVFKHQ XP uns herum uns anstarrten. Das nahm ich jedoch in .DXI 6FKOLHÂ&#x2030;OLFK JLQJ -HVXV &KULVWXV I U GLHVH )UDX ans Kreuz â&#x20AC;&#x201C; das Mindeste, das ich tun konnte, war doch wohl, ihr zuzuhĂśren. PlĂśtzlich begann sie zu weinen, ja sogar zu schluch zen. Sie war am Boden zerstĂśrt. Ich streckte meine Hand aus Ăźber den Tisch und fasste sie bei ihrer Hand. In den folgenden zwei Stunden hĂśrte ich mir ihre Geschichte an, hĂśrte von ihrer Mutlosigkeit und von ihren Zweifeln, die sie bezĂźglich der Dinge hat te, fĂźr die sie kämpfte. Und ich â&#x20AC;&#x201C; ich erzählte ihr von GHU *QDGH &KULVWL Nach vier Stunden verlieĂ&#x;en wir dann Seite an Seite MHQHV 5HVWDXUDQW %HL XQVHUHP *HVSUlFK ÂżHO ZHGHU die Wahrheit auf Kosten der Gnade, noch die Gnade auf Kosten der Wahrheit unter den Tisch. Ein Vogel braucht zum Fliegen nun einmal zwei FlĂźgel. Mit nur einem FlĂźgel kann er sich nicht zum +LPPHO HPSRUKHEHQ 8QG VR Ă&#x20AC;LHJW DXFK GDV (YDQ gelium mit zwei FlĂźgeln: dem FlĂźgel der Gnade und dem FlĂźgel der Wahrheit. Nicht nur mit einem, son dern mit beiden.

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Das Gleichgewicht halten 'HU VFKHLQEDUH .RQĂ&#x20AC;LNW ]ZLVFKHQ *QDGH XQG :DKU heit besteht nicht aufgrund ihrer Unvereinbarkeit, sondern ist in unserem UnvermĂśgen begrĂźndet, ihn aufzulĂśsen. Gnade und Wahrheit sind voneinander abhängig. Wir sollten uns niemals mit der Wahrheit beschäftigen auĂ&#x;er im Geist der Gnade. Und wir sollten uns niemals mit der Gnade beschäftigen au Â&#x2030;HU LP *HLVW GHU :DKUKHLW -HVXV ZDU QLFKW 3UR ]HQW *QDGH XQG 3UR]HQW :DKUKHLW VRQGHUQ 3UR]HQW *QDGH XQG 3UR]HQW :DKUKHLW $Q GHU :DKUKHLW DXVJHULFKWHWH &KULVWHQ OLHEHQ GLH Beschäftigung mit Gottes Wort und mit theolo gischen Fragen, sind jedoch gelegentlich schnell bei der Hand, wenn es ums Richten geht, und langsam, wenn es ums Vergeben geht. Sie sind stark in Bezug auf die Wahrheit und schwach im Hinblick auf die Gnade. &KULVWHQ GLH VLFK KLQJHJHQ DQ GHU *QDGH DXVULFKWHQ lieben Vergebung und Freiheit, doch vernachlässigen zuweilen das Bibelstudium und bezeichnen mora lische Regeln als ÂťGesetzlichkeitÂŤ. Sie sind stark in Bezug auf die Gnade und schwach im Hinblick auf die Wahrheit. Unzählige Fehler, die im Eheleben, in der Erziehung, in der Gemeinde und in anderen Bereichen gemacht werden, sind auf ein mangelndes BemĂźhen zurĂźck 17


zufĂźhren, eine Ausgewogenheit zwischen Gnade und Wahrheit herzustellen. Manchmal vernachlässigen ZLU EHLGHV +lXÂżJ ]LHKHQ ZLU GDV HLQH GHP DQGHUHQ vor. In diesem Zusammenhang werde ich an Moses, un seren Dalmatiner, erinnert. Immer, wenn sich ein Tennisball in seinem Maul be ÂżQGHW OLHJW GHU DQGHUH DXI GHP %RGHQ :HQQ HU GDQQ allerdings nach dem zweiten Ball schnappt, lässt er zuvor den ersten fallen. GroĂ&#x;e Hunde kĂśnnen zwei Bälle in ihr Maul bekommen. Doch Moses nicht. Es gelingt ihm lediglich fĂźr einen kurzen Augenblick, beide Bälle zugleich in seinem Maul zu behalten. Denn dann springt zu seinem Kummer der eine oder der andere Ball erneut auf den Boden zurĂźck. In ähnlicher Weise scheint unsere verstandesmäĂ&#x;ige Kapazität nicht groĂ&#x; genug zu sein, um gleichzeitig an Gnade und Wahrheit festzuhalten. Wir bemĂźhen uns um den Gnadenball â&#x20AC;&#x201C; nur um dann den Wahr heitsball wieder fallen zu lassen, um den nĂśtigen Platz fĂźr den anderen zu schaffen. Und daher mĂźssen wir, damit es uns gelingt, beides gleichzeitig festzu halten, unseren allzu kleinen Verstand weiten. Wir haben es hier nur mit einem scheinbaren Wider spruch zu tun. Gnade und Wahrheit sind nicht wirk lich unvereinbar. Jesus schaltete nicht die Wahrheit ein und musste sie danach erst wieder ausschalten, 18


um die Gnade einschalten zu kÜnnen. Nein, in Jesus ist beides ohne Unterbrechung eingeschaltet. Und auch in uns sollte sowohl die Gnade als auch die Wahrheit zur selben Zeit aktiviert sein. Was wßrde Jesus tun? Darauf gibt es immer wieder nur eine Antwort: Er wßrde in Gnade und Wahrheit handeln. Wahrheit ohne Gnade erzeugt eine selbstgerechte Gesetzlichkeit, welche die Gemeinde vergiftet und GLH :HOW DXI $EVWDQG ]X &KULVWXV KlOW Gnade ohne Wahrheit bewirkt eine moralische Gleichgßltigkeit und verhindert, dass Menschen er NHQQHQ GDVV VLH -HVXV &KULVWXV EUDXFKHQ Versuche, das Evangelium durch eine Verkßrzung der Wahrheit weicher zu machen, halten Men schen auf Distanz zu Jesus. Und auch alle Versuche, das Evangelium durch eine Verkßrzung der Gnade härter zu machen, schaffen eine Kluft zwischen den Menschen und Jesus. Es reicht nicht aus, Gnade oder Wahrheit anzubieten. Wir mßssen beides tun. Das soll das Thema dieses kleinen Buches sein.

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Kapitel 2

Wesentlich und untrennbar Die meisten Sünder mochten die Nähe Jesu. Sie er freuten sich Seiner Gesellschaft, suchten Ihn auf und luden Ihn in ihre Häuser und zu ihren Festen ein. Heute hingegen suchen die meisten Sünder nicht die 1lKH GHU &KULVWHQ So deckten z.B. Menschen ein Dach ab, um zu Je sus zu gelangen. Heute steigen manche Menschen manchmal sogar aus dem Fenster, nur um uns zu ent kommen! Warum ist das so? Was gab Jesus ihnen, was wir ih nen nicht geben? Gnade. Die Menschen merkten, dass Jesus sie lieb hatte, selbst dann, wenn Er ihnen schwerwiegende und ernste Dinge zu sagen hatte. Er war voller Gnade und Wahrheit. Und so zog Er, wie das Licht die Motten anzieht, die Menschen aus der Finsternis zu sich hin. In einigen Gemeinden sind die Gottesdienste nur so gespickt mit christlichen Floskeln, die die Ungläu bigen verwirren. Niemand wird angezogen von un verständlichem Gerede. Gnade zwingt uns dazu, die Köstlichkeiten der Wahrheit auf einem niedrigeren Regal abzulegen, damit sie sich in Reichweite der 21


.LQGHU LP *ODXEHQ E]Z GHU 8QNXQGLJHQ EHÂżQGHQ so dass diese zugreifen kĂśnnen. Jesus hieĂ&#x; die NichtreligiĂśsen herzlich willkommen und gebrauchte WĂśrter, die sie verstehen konnten. Genau das sollten auch wir tun. Andere Gemeinden sind darum bestrebt, dass sich SĂźnder in ihnen wohlfĂźhlen. Und wie machen sie das? Indem sie niemals Ăźber SĂźnde sprechen, damit sie nur niemanden abstoĂ&#x;en. Sie ersetzen Wahrheit durch Toleranz, senken die Messlatte so weit herab, dass zum einen jeder in der Lage ist, diese zu Ăźberspringen, und zum anderen sich jeder wohlfĂźhlen kann, wenn er Ăźber sich selbst nachdenkt. Jesus sagte jedoch: ÂťEin Sklave ist nicht grĂśĂ&#x;er als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie DXFK HXFK YHUIROJHQ Š -RK Wenn alle Nichtchristen uns hassen, läuft etwas grĂźndlich falsch. Und wenn alle Nichtchristen uns lieben, läuft etwas grĂźndlich falsch. Denn wenn wir in ausgewogener Weise von Gnade und Wahrheit Zeugnis ablegen, dann werden einige davon angezogen werden, andere hingegen daran AnstoĂ&#x; nehmen â&#x20AC;&#x201C; so wie das auch bei Jesus war. Wenn sich alle an uns stoĂ&#x;en, so liegt das daran, dass wir den Mantel der Wahrheit ohne Gnade angezo 22


gen haben. Wenn sich niemand an uns stößt, so ist es deshalb, weil wir die Wahrheit im Namen der Gnade verwässert haben. Im Sattel bleiben Ein Musikinstrument mit verstimmten Saiten klingt einfach nur furchtbar. Sind jedoch die Saiten zu straff gespannt, dann reißen sie oder es entsteht ein Miss klang. So müssen auch Gnade und Wahrheit ganz exakt aufeinander abgestimmt sein, damit der volle Klang des Evangeliums ertönen kann. Martin Luther sagte, es sei dem Teufel egal, auf wel FKHU 6HLWH ZLU YRP 3IHUG ¿HOHQ ± VRODQJH ZLU QXU nicht im Sattel blieben. Daher müssen wir auf dem Pferd reiten, mit dem ei nen Fuß im Steigbügel der Wahrheit und dem ande ren im Steigbügel der Gnade. In der Geschichte Der König von Narnia befragt Suse Herrn und Frau Biber über Aslan, den Löwen: »Ist man dann auch sicher vor ihm? Vor einem Löwen habe ich Angst.« »Das macht nichts, mein Kind, du sollst auch Angst haben«, sagte die Biberin. »Wenn jemand vor Aslan erscheint, ohne dass ihm die Knie zit tern, dann ist er entweder unerhört mutig oder bloß ein Narr.« 23


ÂťDann ist man also doch nicht sicher vor ihm?ÂŤ, meinte Lucy. ÂťSicher?ÂŤ, wiederholte der Herr Biber. ÂťJa, hast du denn nicht gehĂśrt, was meine Frau sagte? Wer hat denn von sicher geredet? NatĂźrlich, man ist nicht sicher vor ihm, aber er ist gut, und er ist der KĂśnig.ÂŤ1 &KULVWXV LVW JXW 6RODQJH ZLU MHGRFK QLFKW YHUVWHKHQ dass Er nicht ÂťungefährlichÂŤ ist, solange wir die Wahrheit von Seiner kompromisslosen Heiligkeit nicht erfassen, werden wir niemals anfangen, Seine Gnade zu verstehen. 9LHOH YHUVXFKHQ KHXWH -HVXV XP]XGHÂżQLHUHQ DQ ,KP sozusagen Âťkosmetische KorrekturenÂŤ vorzuneh men. Sie biegen Seine Aussagen so zurecht, dass die Allgemeinheit daran keinen AnstoĂ&#x; nimmt und Er mit den gängigen Vorstellungen Ăźbereinstimmt â&#x20AC;&#x201C; wie GHU &KULVWXV GHQ GLH 0HQVFKHQ ZROOHQ QXQ HLQPDO zu sein hat. Jesus ist jedoch notorisch unkooperativ bezĂźglich aller Versuche, Ihn in ein neues Gewand hineinzuzwängen, Ihn zu vermarkten. Er ist nicht auf der Suche nach Menschen, die Sein Image aufpolie ren mĂśchten. Unsere Berufung besteht nicht darin, vor Ihm als Sein Team fĂźr Ă&#x2013;ffentlichkeitsarbeit her zurennen, sondern darin, Ihm als Seine Diener nach zufolgen. 24


Als Jesus ßber diese Erde ging, wurde Er von vie len nicht erkannt. Sie hielten Ausschau nach dem Messias, einem mächtigen LÜwen, der Seine Feinde richten wßrde. Aber sie ßbersahen die Bibelstellen, die ganz deutlich aufzeigen, dass Er als ein Lamm kommen wßrde: Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung gefßhrt wird und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. -HVDMD

Wenn das Lamm gesehen wird, so sieht es aus Âťwie JHVFKODFKWHWŠ 2IIHQEDUXQJ 'LHV VFKHLQW HLQ Bild der Schwachheit zu sein. Doch dann mit einem Mal verbergen sich die Menschen vor dem ÂťZorn des /DPPHVŠ 6LH ÂŞZHUGHQ PLW GHP /DPP .ULHJ fĂźhren, und das Lamm wird sie Ăźberwinden; denn es ist Herr der Herren und KĂśnig der KĂśnige â&#x20AC;ŚÂŤ $P (QGH YRQ & 6 /HZLVÂś *HVFKLFKWH Die Reise auf der MorgenrĂśte sehen die Kinder ein strahlend weiĂ&#x;es Lamm, das eine Âťsanfte StimmeÂŤ hat. Als sie miteinander reden, Âťverwandelte sich das schnee 25


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