Stell dir vor, wie ich mit den Zähnen knirsche und mich an die Freude heranschleiche – in voller Rüstung, denn die Suche ist äußerst gefährlich. Flannery O’Connor
8QVHU +HU] LVW UXKHORV ELV HV 5XKH ¿QGHW LQ GLU Augustinus
Wenn ich in mir eine Sehnsucht spüre, die durch keine Erfahrung dieser Welt gestillt werden kann, ist die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass ich für eine andere Welt geschaffen wurde. C.S. Lewis
John Piper
9RQ GHU 3ÀLFKW ]XU )UHXGH
Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 110135 • 33661 Bielefeld
$XÀDJH ‹ GHU DPHULNDQLVFKHQ $XVJDEH by Desiring God Foundation Originaltitel: The Dangerous Duty of Delight Originalverlag: Multnomah Publishers, Inc., Sisters, Oregon (USA) ‹ GHU GHXWVFKHQ $XVJDEH E\ &/9 &/9 ‡ &KULVWOLFKH /LWHUDWXU 9HUEUHLWXQJ 3RVWIDFK ‡ %LHOHIHOG &/9 LP ,QWHUQHW ZZZ FOY GH hEHUVHW]XQJ %DUEDUD 5HXWHU Umschlaggestaltung: Andreas Fett, Meinerzhagen 6DW] &/9 Druck: Ebner & Spiegel, Ulm ,6%1 ,6%1
INHALTSVERZEICHNIS 9RUZRUW.................................................................... )UHXGH DOV 3ÀLFKW ± HLQH XPVWULWWHQH 6DFKH ...........11 Gott genießen und Ihn so ewig ehren ................... 1 Gefühle gehören dazu ........................................... 1 Das Streben nach Freude verdrängt Stolz und Selbstmitleid ......................................................... Die Freude in der Freude geliebter Menschen suchen ................................................................... 41 Was bedeutet das für den Gottesdienst?................ Was bedeutet das für die Ehe? .............................. Was bedeutet das für den Umgang mit Geld? ....... Was bedeutet das für die Mission?........................ 1 1DFKZRUW Ein Aufruf ........................................... Fußnoten ............................................................... 1
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9RU -DKUHQ ZLGPHWH LFK GLH /DQJIDVVXQJ GLHVHV %XFKHV Sehnsucht nach Gott PHLQHP 9DWHU William Solomon Hottle Piper. Ich merke heute mehr denn je, was ich ihm und seinem fröhlichen, heiligen Leben zur Ehre Gottes YHUGDQNH (U KDW GLHVH JDQ]HQ -DKUH PHLQHV Lebens geprägt.
9RUZRUW Lieber Leser, LFK VFKUHLEH GLHVHV NOHLQH %XFK ZHLO GLH :DKUKHLW XQG GLH 6FK|QKHLW YRQ -HVXV &KULVWXV GHP 6RKQ *RWWHV DWHPEHUDXEHQG VLQG ,FK VDJH PLW GHP 3VDOPLV ten: Eins habe ich von dem HERRN erbeten, danach trachte ich: zu wohnen im Haus des HERRN alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des HERRN und nachzudenken in seinem Tempel. 3VDOP Wenn man als Reiseleiter arbeitet und weiß, dass die Touristen schöne Orte sehen wollen – dass sie sogar ihr Leben dafür riskieren würden –, und dann auf eine atemberaubende Schlucht stößt, sollte man sie ihnen zeigen und darauf dringen, dass sie das %LOG JHQLH‰HQ 8QVHUH PHQVFKOLFKH 1DWXU P|FKWH Wunder erleben und staunen. Und es gibt nichts, ZDV XQV PHKU GHQ $WHP QLPPW DOV -HVXV &KULVWXV Ungefährlich ist Er nicht, aber überwältigend. 7
Gott hat die Ewigkeit in unser Herz hineingelegt und es mit Sehnsucht erfüllt. Aber erst wenn wir den überwältigenden Gott sehen, wissen wir, wonach wir uns sehnen. Das ist der Grund für die allgemein verbreitete Ruhelosigkeit. Daher rührt auch das be rühmte Gebet von Augustinus: »Du hast uns auf dich hin geschaffen, und unser Herz ist ruhelos, bis es 5XKH ¿QGHW LQ GLU ©1 Die Welt kennt eine unstillbare Sehnsucht. Sie versucht, sie zu stillen – durch Urlaub in schöner Landschaft, in schöpferischem Tun, mit großartigen Filmen, sexuellen Erfahrungen, verrückten Sportar ten, durch bewusstseinserweiternde Drogen, Askese, wirtschaftliche Erfolge usw. Doch die Sehnsucht bleibt. Was steckt dahinter? C.S. Lewis sagt: Wenn ich in mir eine Sehnsucht spüre, die durch keine Erfahrung dieser Welt gestillt werden kann, ist die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass ich für eine andere Welt geschaffen wurde. Die Tragik besteht darin, dass diese Welt das Echo für das Original hält. Wenn wir Gottes überwälti gender Schönheit den Rücken zukehren, werfen wir einen Schatten und verlieben uns in diesen. Aber das macht uns nicht zufrieden.
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'LH %•FKHU RGHU GLH 0XVLN LQ GHQHQ ZLU GLH Schönheit gefunden zu haben glauben, werden uns enttäuschen, wenn wir uns auf sie verlassen. … Denn sie sind nicht die Sache selbst; sie sind QXU GHU 'XIW HLQHU %OXPH GLH ZLU VHOEVW QLFKW JH funden haben, das Echo einer Melodie, die wir VHOEVW QLFKW JHK|UW KDEHQ 1DFKULFKWHQ DXV HLQHP Land, das wir nie besucht haben. ,FK KDEH GLHVHV %XFK JHVFKULHEHQ ZHLO GLH •EHU wältigende Schönheit uns besucht hat. »Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlich NHLW DOV HLQHV (LQJHERUHQHQ YRP 9DWHU YROOHU *QDGH XQG :DKUKHLW© -RKDQQHV ,FK NDQQ QXU UXIHQ Schauen Sie hin! Glauben Sie! Lassen Sie sich erfüllen! Es könnte Sie das Leben kosten, dies zu sehen. Aber es wird sich lohnen, weil wir uns mit gutem *UXQG GDUDXI YHUODVVHQ N|QQHQ ZDV LQ 3VDOP VWHKW ª'HQQ GHLQH *QDGH LVW EHVVHU DOV /HEHQ © Doch Sie werden die Suche nicht bereuen. Ich nenne VLH ªFKULVWOLFKHU +HGRQLVPXV©
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Kapitel 1
)UHXGH DOV 3ÀLFKW ± HLQH XPVWULWWHQH 6DFKH
»C
KULVWOLFKHU +HGRQLVPXV© LVW HLQH XPVWULWWHQH %H]HLFKQXQJ I•U HLQH ªDOWPRGLVFKH© /HEHQV
weise. Sie geht auf Mose ]XU•FN GHU GLH HUVWHQ %•FKHU GHU %LEHO VFKULHE XQG XQV 6FKUHFNOLFKHV DQGURKWH wenn wir nicht glücklich wären: »Dafür dass du dem Herrn, deinem Gott, nicht mit Freude und mit fröh lichem Herzen gedient hast …, wirst du deinen Fein GHQ « GLHQHQ© 0RVH … und auf David, den König von Israel, der Gott VHLQH ª-XEHOIUHXGH© QDQQWH 3VDOP XQG VDJWH ª'LHQW GHP +HUUQ PLW )UHXGHQ© 3VDOP XQG ª+DEH GHLQH /XVW DQ GHP +HUUQ© 3VDOP GHU EH tete: »Sättige uns am Morgen mit deiner Gnade, so wer GHQ ZLU « XQV IUHXHQ LQ DOOHQ XQVHUHQ 7DJHQ© 3VDOP XQG GHU XQV ZLVVHQ OlVVW GDVV YROONRPPHQH XQG GDXHUKDIWH )UHXGH QXU LQ *RWW ]X ¿QGHQ LVW ª)•OOH von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten LQ GHLQHU 5HFKWHQ LPPHUGDU© 3VDOP … und auf Jesus, der sagte: »Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen. … Freut euch und frohlockt, GHQQ HXHU /RKQ LVW JUR‰ LQ GHQ +LPPHOQ© 0DWWKlXV XQG ª'LHV KDEH LFK ]X HXFK JHUHGHW GDPLW meine Freude in euch sei und eure Freude völlig wer 11
GH© -RKDQQHV XQG GHU GDV .UHX] HUGXOGHWH ªXP GHU YRU LKP OLHJHQGHQ )UHXGH ZLOOHQ© +HEUlHU XQG GHU YHUVSUDFK GDVV DP (QGH WUHXH 'LHQHU die Worte hören werden: »Geh hinein in die Freude GHLQHV +HUUQ© 0DWWKlXV … und auf Jakobus GHQ %UXGHU -HVX GHU VDJWH ª+DOWHW HV I•U ODXWHU )UHXGH PHLQH %U•GHU ZHQQ LKU LQ PDQFKHUOHL 9HUVXFKXQJHQ JHUDWHW© -DNREXV … und auf den Apostel Paulus, der sich und seine 0LWDUEHLWHU ªDOV 7UDXULJH DEHU DOOH]HLW XQV IUHXHQG© .RULQWKHU EH]HLFKQHWH XQG GHU GHQ 'LHQVW seines Teams mit den Worten umschrieb: »Wir sind 0LWDUEHLWHU DQ HXUHU )UHXGH© .RULQWKHU XQG der die Christen dazu aufforderte, sich »allezeit im +HUUQ© ]X IUHXHQ 3KLOLSSHU XQG VLFK VRJDU ªLQ GHQ 7U•EVDOHQ© ]X U•KPHQ 5|PHU … und auf den Apostel Petrus, der sagte: »… freut euch, insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, damit ihr euch auch in der Offenbarung seiner +HUUOLFKNHLW MXEHOQG IUHXW© 3HWUXV GLH %HIUHLXQJ YRQ … und auf Augustinus GHU /XVW XQG %HJLHUGHQ LQ GHU )UHXGH DQ *RWW IDQG GLH viel höher ist. »Wie süß war es auf einmal für mich, die fruchtlosen Freuden los zu sein, die ich früher zu verlieren fürchtete! … Du hast sie mir ausgetrieben, der du die wahre, souveräne Freude bist. Du triebst sie mir aus und nahmst ihre Stelle ein, der du süßer DOV DOOHV 9HUJQ•JHQ ELVW ©4 12
… und auf Blaise Pascal, der sah, »dass alle Men schen das Glück suchen. Das gilt ohne Ausnahme. Welch unterschiedliche Mittel sie auch anwenden, alle dienen diesem Ziel. … Der Wille macht nicht den kleinsten Schritt ohne dieses Ziel. Das ist das Motiv jedes Handelns jedes Menschen, sogar derer, GLH VLFK HUKlQJHQ © … und auf die Puritaner, deren Ziel es war, Gott so kennenzulernen, dass »uns an ihm zu freuen unse UH /HEHQVDXIJDEH VHLQ P|JH© , weil sie wussten, dass diese Freude »uns schützen wird gegen die Angriffe durch unsere geistlichen Feinde und unseren Mund XQHPSIlQJOLFK I•U VROFKHV 9HUJQ•JHQ PDFKHQ ZLUG PLW GHP GHU 9HUVXFKHU VHLQHQ $QJHOKDNHQ EHVW•FNW© … und auf Jonathan Edwards, der wie kein ande rer entdeckte und lehrte, dass »das Glück des Ge schöpfes darin besteht, sich an Gott zu erfreuen, ZRGXUFK DXFK *RWW HUKREHQ XQG YHUKHUUOLFKW ZLUG© »Das Ziel der Schöpfung ist, dass die Schöpfung [Gott] verherrlicht. Was heißt nun Gott verherrli chen, wenn nicht, sich an der Herrlichkeit zu freuen, GLH HU JH]HLJW KDW"© … und auf C.S.Lewis, der entdeckte, dass wir »viel ]X OHLFKW ]XIULHGHQ]XVWHOOHQ VLQG© … und auf Tausende von Missionaren, die alles für Christus verlassen haben und am Ende mit Da vid Livingstone sagten: »Ich habe nie ein Opfer ge EUDFKW ©11 13
&KULVWOLFKHU +HGRQLVPXV LVW QLFKWV 1HXHV Wenn nun christlicher Hedonismus so alt ist, war um ist er dann so umstritten? Ein Grund dafür be steht darin, dass er lehrt, dass Freude nicht nur ein Abfallprodukt des Gehorsams gegenüber Gott ist, sondern ein Bestandteil desselben. Es scheint, als ak ]HSWLHUH PDQ GLH )UHXGH JHUQ DOV 1HEHQSURGXNW XQ VHUHU %H]LHKXQJ ]X *RWW DEHU QLFKW DOV ZHVHQWOLFKHQ %HVWDQGWHLO ,UJHQGZLH I•KOW PDQ VLFK XQZRKO ZHQQ PDQ VDJW HV VHL XQVHUH 3ÀLFKW QDFK )UHXGH ]X VWUH ben. Man sagt etwa Folgendes: »Strebe nicht nach Freu GH VWUHEH QDFK *HKRUVDP © 'RFK GHU FKULVWOLFKH Hedonismus antwortet: »Das ist, als würde man sa JHQ ¾,VV NHLQH bSIHO LVV 2EVW ½© 'HQQ )UHXGH ist ein Gehorsamsakt. Wir werden dazu aufgefordert, uns an Gott zu erfreuen. Wenn Gehorsam bedeutet, das zu tun, was Gott gefällt, dann ist Freude nicht nur ein Abfallprodukt des Gehorsams, sie ist Gehorsam. 'LH %LEHO IRUGHUW XQV LPPHU ZLHGHU DXI )UHXGH ]X VXFKHQ ª)UHXW HXFK DQ GHP +(551 XQG IURKORFNW ihr Gerechten, und jubelt, alle ihr von Herzen Auf ULFKWLJHQ© 3VDOP ª(V VROOHQ VLFK IUHXHQ XQG MXEHOQ GLH 9|ONHUVFKDIWHQ© 3VDOP ª+DEH GHL QH /XVW DP +(551© 3VDOP ª)UHXW HXFK GDVV HXUH 1DPHQ LQ GHQ +LPPHOQ DQJHVFKULHEHQ VLQG© /XNDV ª)UHXW HXFK LP +HUUQ DOOH]HLW :LHGHU XP ZLOO LFK VDJHQ )UHXW HXFK © 3KLOLSSHU 14
'LH %LEHO OHKUW QLFKW GDVV ZLU GLH )UHXGH QXU DOV 1HEHQSURGXNW GHU 3ÀLFKW DQVHKHQ VROOHQ & 6 /HZLV hatte recht, als er einem Freund schrieb: »Weißt du, HV LVW HLQH FKULVWOLFKH 3ÀLFKW I•U MHGHQ VR JO•FNOLFK ZLH P|JOLFK ]X VHLQ © -D GDV LVW ULVNDQW XQG XP VWULWWHQ $EHU HV LVW HLQIDFK ZDKU :LU VLQG YHUSÀLFK tet, nach höchstem Glück zu streben, sowohl qualita tiv als auch quantitativ. (LQ ZHLVHU &KULVW EHVFKULHE GDV 9HUKlOWQLV ]ZL VFKHQ 3ÀLFKW XQG )UHXGH VR 1HKPHQ ZLU DQ HLQ 0DQQ IUDJW VHLQH )UDX RE HU ihr einen Gutenachtkuss geben muss. Ihre Ant ZRUW LVW ª'X PXVVW DEHU QLFKW VR HLQ 0XVV © :DV sie meint, ist Folgendes: »Wenn nicht spontane Zuneigung zu mir deine Motivation ist, sind deine $QQlKHUXQJVYHUVXFKH RKQH MHGHQ :HUW © 0LW DQGHUHQ :RUWHQ :HQQ GHU .XVV NHLQ 9HUJQ• JHQ EHUHLWHW LVW GLH .XVVSÀLFKW QLFKW HUI•OOW )UHXGH am Partner drückt sich im Kuss aus und ist Teil der 3ÀLFKW QLFKW LKU 1HEHQSURGXNW $EHU ZHQQ GDV VWLPPW ± ZHQQ GLH )UHXGH DP *XWHV tun zum Gutestun gehört –, dann gehört das Streben nach Freude zum Streben nach Tugend. Hier sieht man, wo die Kontroverse anfängt. Sie liegt im Ernst GHU 6DFKH ª6LH PHLQHQ GDV ZLUNOLFK VR"© IUDJW MH mand. »Sie meinen: Der Hedonismus ist nicht nur 15
ein Trick, um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Damit wird etwas vollkommen umwerfend Wahres darüber ausgesagt, wie wir leben sollten. Das Stre ben nach Freude gehört tatsächlich dazu, wenn man HLQ JXWHU 0HQVFK VHLQ ZLOO © *HQDX GDV PHLQH LFK 'LH %LEHO PHLQW HV *RWW PHLQW HV (V LVW JDQ] HUQVW gemeint. Wir machen keine Wortspiele. Es soll noch einmal ganz klar gesagt werden, dass es um die Freude an Gott geht. Auch die Freude am Gutestun ist letztlich Freude an Gott, weil das Gute, GDV ZLU LPPHU LP %OLFN KDEHQ GLH +HUUOLFKNHLW Gottes zeigen soll und unsere eigene Freude an Gott DQGHUH HUUHLFKHQ VROO -HGH DQGHUH )UHXGH ZlUH I•U die Sehnsucht unserer Seele qualitativ unzureichend XQG Z•UGH TXDQWLWDWLY XQVHUH HZLJHQ %HG•UIQLVVH QLFKW VWLOOHQ 1XU LQ *RWW JLEW HV Fülle an Freude und ewige Freude. »Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar© 3VDOP
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Kapitel 2
*RWW JHQLH‰HQ XQG ,KQ VR HZLJ HKUHQ
W
ir wurden geschaffen, um unsere Freude an *RWW ]X YHUPHKUHQ ª0RPHQW PDO© VDJW GD jemand, »und was ist mit Gottes Ehre? Hat Gott uns nicht zu Seiner (KUH JHVFKDIIHQ" 1XQ VDJHQ 6LH GDVV Er uns geschaffen hat, um unsere )UHXGH ]X VXFKHQ © Was stimmt denn nun? Wurden wir zu Seiner Ehre geschaffen oder zu unserer Freude? *RWW KDW XQV ]X 6HLQHU (KUH JHVFKDIIHQ -D 'HP stimme ich aus vollem Herzen zu. Die Person im Universum, die am meisten auf Gott ausgerichtet ist, ist Gott. Das ist der Grundton von allem, was ich predige und schreibe. Daran will der christliche Hedonismus festhalten, und danach strebt er. Gottes höchstes Ziel ist es, Gott zu verherrlichen. Darum JHKW HV LQ GHU JDQ]HQ %LEHO 'DV ZLOO *RWW HUUHLFKHQ mit allem, was Er tut. %HL MHGHU (WDSSH GHU 6FK|SIXQJ XQG GHU (UUHWWXQJ ist es Gottes Absicht, Seine Herrlichkeit groß zu ma chen. Man kann mit einem Mikroskop und mit einem Teleskop vergrößern. Ein Mikroskop lässt winzige Dinge größer erscheinen, als sie sind. Ein Teleskop OlVVW ULHVLJH 'LQJH ] % 6WHUQH GLH XQVHUHP $XJH jedoch winzig erscheinen, eher so aussehen, wie sie in Wirklichkeit sind. Gott erschuf das Universum, um Seine Herrlichkeit groß zu machen, so wie ein 17
Teleskop die Sterne vergrößert. Alles, was Er bei un serer Errettung tut, dient dazu, die Herrlichkeit Sei ner Gnade groß zu machen. %HWUDFKWHQ ZLU EHLVSLHOVZHLVH HLQLJH 6WXIHQ XQ VHUHU (UUHWWXQJ QlKHU 9RUKHUEHVWLPPXQJ 6FK|S fung, Fleischwerdung, Sühnung, Heiligung und 9ROOHQGXQJ %HL MHGHU 6WXIH VDJW GLH %LEHO GDVV *RWW GLHVH 'LQJH GXUFK -HVXV &KULVWXV WXW XP 6HLQH +HUU lichkeit zu zeigen und groß zu machen. • Vorherbestimmung: »Er hat uns … vorherbestimmt ]XU 6RKQVFKDIW GXUFK -HVXV &KULVWXV I•U sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Wil lens, zum Preise der Herrlichkeit VHLQHU *QDGH© (SKHVHU • Schöpfung: ª%ULQJ PHLQH 6|KQH YRQ IHUQKHU und meine Töchter von den Enden der Erde, MHGHQ GHU PLW PHLQHP 1DPHQ JHQDQQW LVW XQG den ich zu meiner Ehre JHVFKDIIHQ « KDEH© -HVDMD • Fleischwerdung: »Christus ist ein Diener der %HVFKQHLGXQJ JHZRUGHQ XP GHU :DKUKHLW *RWWHV ZLOOHQ XP GLH 9HUKHL‰XQJHQ GHU 9lWHU ]X EHVWlWLJHQ GDPLW GLH 1DWLRQHQ Gott verherrlichen© 5|PHU • Sühnung:14 »Ihn [Christus] hat Gott dargestellt zu einem Sühneort durch den Glauben an sein %OXW zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen 18
des Hingehenlassens der vorher geschehenen 6•QGHQ XQWHU GHU 1DFKVLFKW *RWWHV© 5|PHU • Heiligung: »Und um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überströme … er füllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch -HVXV &KULVWXV JHZLUNW ZLUG zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes© 3KLOLSSHU • Vollendung: »… die dem Evangelium unseres +HUUQ -HVXV QLFKW JHKRUFKHQ VLH ZHUGHQ 6WUD IH OHLGHQ HZLJHV 9HUGHUEHQ YRP $QJHVLFKW GHV Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden GLH JHJODXEW KDEHQ© 7KHVVD ORQLFKHU Deshalb kann ich nur zustimmen, wenn jemand sagt: »Gott schuf und rettet uns zu Seiner (KUH © ª$EHU© IUDJW GHUMHQLJH ªZLH N|QQHQ 6LH EHKDXS ten, dass der Sinn des Lebens darin besteht, unsere Freude zu vergrößern? Schuf Gott uns denn nicht, damit wir Sein höchstes Ziel teilen – Ihn ehren? Was gilt denn nun? Wurden wir zu Seiner Ehre oder zu XQVHUHU )UHXGH JHVFKDIIHQ"© +LHU EH¿QGHQ ZLU XQV PLWWHQ LP FKULVWOLFKHQ +H donismus. Das ist eins der wichtigsten Dinge, die ZLU YHUVWHKHQ P•VVHQ ,FK KDEH HV YRQ -RQDWKDQ (G 19
wards, C.S. Lewis und vor allem vom Apostel Paulus gelernt. Edwards war der größte Pastor und Theologe, der MH LQ $PHULND JHOHEW KDW VFKULHE HU HLQ %XFK mit dem Titel The End for Which God Created the World ª:R]X *RWW GLH :HOW HUVFKDIIHQ KDW© 'LH *UXQGODJH XQG GHU =ZHFN GHV %XFKHV EHVWHKW QXQ in folgender überwältigender Erkenntnis. Es ist in einem altertümlichen Stil geschrieben, aber sehr le senswert. Gott wird nicht nur dadurch geehrt, dass Seine Herrlichkeit gesehen wird, sondern dadurch, dass sie bejubelt wird. Wenn diejenigen, die sie sehen, sich daran erfreuen, wird Gott mehr geehrt, als wenn sie sie nur sehen. Seine Herrlichkeit wird dann mit ganzer Seele empfangen, sowohl vom 9HUVWDQG DOV DXFK YRP +HU]HQ *RWW VFKXI GLH Welt, um Seine Herrlichkeit mitzuteilen und da mit das Geschöpf sie empfangen kann. Sie sollte vom Geist und vom Herzen empfangen werden. :HU VHLQH 9RUVWHOOXQJ YRQ *RWWHV +HUUOLFKNHLW EH zeugt, ehrt Gott nicht so sehr wie der, der auch seine Freude daran äußert. Das ist die Lösung. Schuf Gott Sie zu Seiner Ehre oder zu Ihrer Freude? Antwort: Gott schuf Sie, damit 20
Sie die Ewigkeit damit verbringen können, Ihn zu ehren, indem Sie sich beständig an Ihm freuen. Mit anderen Worten: Sie müssen sich nicht entscheiden, Gott zu ehren oder Ihn zu genießen. Sie dürfen es nicht einmal! Wenn Sie das eine aufgeben, verlie ren Sie das andere. Edwards hat absolut recht: »Gott wird nicht nur dadurch geehrt, dass Seine Herrlichkeit gesehen wird, sondern dadurch, dass sie bejubelt wird.« Wenn wir uns nicht an Gott freuen, ehren wir Ihn nicht so, wie es sein sollte. Das ist die unerschütterliche Grundlage des christ lichen Hedonismus: Gott wird dann am meisten geehrt, wenn wir zutiefst zufrieden sind in Ihm. Das ist GLH EHVWH 1DFKULFKW GHU :HOW *RWWHV 9HUODQJHQ QDFK (KUH XQG XQVHU 9HUODQJHQ QDFK =XIULHGHQKHLW VWHKHQ nicht im Widerspruch zueinander. Sie können die Welt auf den Kopf stellen, indem Sie ein Wort in Ihrem Glaubensbekenntnis ändern – zum %HLVSLHO GDV :RUW und durch indem. Der alte West PLQVWHU .DWHFKLVPXV IUDJW ª:DV LVW GDV K|FKVWH =LHO GHV 0HQVFKHQ"© 'LH $QWZRUW ODXWHW ª'DV K|FKVWH Ziel des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und VLFK I•U LPPHU DQ ,KP ]X HUIUHXHQ © Und? 6LQG ª*RWW YHUKHUUOLFKHQ© XQG ªVLFK DQ ,KP HU IUHXHQ© ]ZHL YHUVFKLHGHQH 'LQJH" Offensichtlich meinten die alten Pastoren, die den Katechismus verfassten, nicht, dass sie über zwei 21
unterschiedliche Dinge sprachen. Sie schreiben »das K|FKVWH =LHO© QLFKW ªGLH K|FKVWHQ =LHOH© *RWW ]X verherrlichen und sich an Ihm zu erfreuen, war für sie ein Ziel, nicht zwei. Der christliche Hedonismus möchte zeigen, warum das so ist. Er möchte zeigen, dass wir Gott verherrli chen, indem wir uns für immer an Ihm erfreuen. Das ist der Kern des christlichen Hedonismus. Gott wird dann am meisten geehrt, wenn wir zutiefst zufrieden sind in Ihm. 9LHOOHLFKW ZLUG MHW]W NODU ZDV PLFK GD]X EULQJW darin ganz radikal zu sein. Wenn es stimmt, dass Gott am meisten geehrt wird, wenn wir zutiefst zufrieden sind in Ihm, dann bedenken Sie einmal, was bei un serem Streben nach Freude auf dem Spiel steht. Es ist Gottes Ehre! Wenn ich sage, dass das Streben nach Freude nicht so wichtig ist, sage ich damit, dass GLH 9HUKHUUOLFKXQJ *RWWHV QLFKW VR ZLFKWLJ LVW :HQQ DEHU GLH 9HUKHUUOLFKXQJ *RWWHV XQHQGOLFK ZLFKWLJ LVW dann ist es auch unendlich wichtig, zufrieden sein zu wollen, wenn wir über Seine Ehre reden. Christlicher Hedonismus ist kein Spiel. Das ganze Universum dreht sich darum. Die radikale Folgerung lautet, dass unsere höchste %HUXIXQJ GDULQ EHVWHKW GLH )UHXGH LQ *RWW ]X VXFKHQ Das ist für alle Tugend und für alle Ehrfurcht von JUXQGOHJHQGHU %HGHXWXQJ 2E PDQ QXQ VHLQ /HEHQ YHUWLNDO LQ GHU %H]LHKXQJ ]X *RWW GHQNW RGHU KRUL 22
]RQWDO LQ GHU %H]LHKXQJ ]X 0HQVFKHQ 'DV 6WUHEHQ QDFK )UHXGH LQ *RWW LVW YRQ HQWVFKHLGHQGHU %HGHX tung – und keine Auswahlmöglichkeit. Wir werden gleich sehen, dass echte Liebe zu Menschen und echte Anbetung Gottes vom Streben nach Freude ab hängen. 1RFK EHYRU LFK GLHVH 'LQJH LQ GHU %LEHO HQWGHFNWH erwischte mich unerwartet C.S. Lewis. Im Herbst VWDQG LFK LQ 9URPDQ¶V %XFKODGHQ DQ GHU &ROR rado Avenue in Pasadena in Kalifornien. Ich nahm PLU HLQ ([HPSODU YRQ /HZLV¶ %XFK Das Gewicht der Herrlichkeit. Die erste Seite veränderte mein Leben. %HL GHQ PHLVWHQ PRGHUQHQ 0HQVFKHQ VWHFNW GLH 9RUVWHOOXQJ LP 8QWHUEHZXVVWVHLQ HV VHL schlecht, sich etwas Gutes zu wünschen und auf den Genuss zu hoffen. Ich behaupte jedoch, dass sich diese Idee über Kant und die Stoiker eingeschlichen hat und nicht zum christlichen Glauben gehört. Wenn wir uns nämlich an VHKHQ ZLH XQYHUVFKlPW YLHO %HORKQXQJ XQV versprochen wird und wie atemberaubend der in den Evangelien verheißene Lohn ausfällt, sieht es doch ganz so aus, dass unser Herr unsere Sehnsüchte nicht als zu stark, sondern DOV ]X VFKZDFK HPS¿QGHW :LU KDOEKHU]LJHQ Geschöpfe spielen mit Alkohol und Sex und 23
Ehrgeiz herum, wo uns doch unendliche Freu de angeboten wird. Dabei verhalten wir uns wie ein unwissendes Kind in einem Slum, das Matschkuchen backt, weil es sich nicht vorstel len kann, was es bedeutet, Ferien am Meer an geboten zu bekommen. Wir sind viel zu leicht zufriedenzustellen. 1RFK QLH LP /HEHQ KDWWH LFK JHK|UW GDVV GDV 3UR blem mit dieser Welt nicht in der Intensität unseres Strebens nach Glück liegt, sondern in dessen Mangel. Alles in mir rief: Ja, genau! Da stand es schwarz auf weiß, und für mich war es absolut überzeugend: Das große Problem von uns Menschen besteht darin, dass wir uns zu leicht zufriedengeben. Wir suchen die Freude nicht annähernd so entschlossen und leidenschaftlich, wie wir sollten. Und so geben wir XQV PLW /XVW 0DWVFKNXFKHQ DQVWDWW PLW XQHQGOLFKHU Freude zufrieden. Lewis sagte: »Wir sind viel zu leicht zufriedenzu stellen.© )DVW DOOH *HERWH &KULVWL JU•QGHQ VLFK DXI GLH 7DWVDFKH GDVV XQV ªXQYHUVFKlPW YLHO %HORKQXQJ© versprochen wird – dass der in den Evangelien ver heißene Lohn überwältigend ausfällt. Und es sieht so aus, »dass unser Herr unsere Sehnsüchte nicht als zu VWDUN VRQGHUQ DOV ]X VFKZDFK HPS¿QGHW© -D $EHU ZDV KDW GDV PLW GHP /RE XQG GHU (KUH Gottes zu tun? Der christliche Hedonismus sagt, wir 24
VROOWHQ QDFK GHU )UHXGH VWUHEHQ GLH -HVXV YHUKHL‰HQ hat, und Gott selbst wird dadurch auch noch verherr licht. Lewis half mir, dies zu erkennen. Es gab noch eine weitere aufrüttelnde Seite, dies PDO LQ VHLQHP %XFK 5HÀHFWLRQV RQ WKH 3VDOPV Dort OHJW HU GDU GDVV GDV :HVHQ GHV /REHV LQ GHU YROO endeten Freude an dem liegt, was wir bewundern. Das Offensichtlichste beim Lob – Gottes oder von irgendetwas anderem – war mir seltsamer ZHLVH HQWJDQJHQ « 1RFK QLH ZDU PLU DXIJH fallen, dass sich alle Freude spontan in Lob ausdrückt … Liebhaber preisen ihre Geliebten, Leser ihren Lieblingsdichter, Wanderer die Landschaft … Das ganze Problem, das ich mit dem Lob Gottes hatte, hing damit zusammen, dass ich absurderweise dem Höchsten nicht das zugestand, was wir doch sonst so gerne tun mit allem, was wir schätzen, weil wir gar nicht an ders können. Ich glaube, wir loben gerne, was wir genießen, weil das Lob die Freude nicht nur ausdrückt, sondern erst vollkommen macht. So half mir Lewis dabei, das alles zusammenzubrin gen. Freude in Gott zu suchen und Gott zu loben – das sind nicht zwei unterschiedliche Dinge. »Das Lob drückt nicht nur die Freude aus, sondern macht VLH HUVW YROONRPPHQ © $QEHWXQJ LVW NHLQH +LQ]XI• 25
JXQJ ]XU )UHXGH XQG )UHXGH LVW NHLQ 1HEHQSURGXNW von Anbetung. Anbetung bedeutet Wertschätzung Gottes. Und wenn diese Wertschätzung intensiv ist, ist sie Freude an Gott. Deshalb besteht das Wesen von Anbetung in Freude an Gott und zeigt damit Sei nen vollkommen zufriedenstellenden Wert. Der Apostel Paulus machte meinen christlichen He donismus mit seinem Zeugnis in Philipper 1 perfekt. 'RUW ¿QGHW VLFK GLH NODUVWH ELEOLVFKH $XVVDJH GDU über, dass Gott am meisten durch uns geehrt wird, wenn wir zutiefst zufrieden sind in Ihm. Aus seiner Gefängnishaft in Rom schreibt er: … nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts werde zuschanden werden, sondern mit aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt Christus an meinem Leib groß gemacht werden wird, sei es durch Leben oder durch Tod. Denn das Leben ist für mich Christus und das Sterben Gewinn. (Philipper
Sein Ziel ist also, dass Christus an seinem Leib ªJUR‰ JHPDFKW© RGHU ªHUK|KW© RGHU ªYHUKHUUOLFKW© wird. Das soll geschehen, egal ob er nun lebt oder stirbt. In Leben oder Tod ist es seine Aufgabe, Christus groß zu machen – zu zeigen, dass Christus 26