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Barry McGuire / Logan White

»Lass uns zur Hölle fahren …« Ein Rocker nimmt die letzte Ausfahrt

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 · 33661 Bielefeld


1. Auflage 2007 © der amerikanischen Ausgabe 1990 by Barry McGuire Originaltitel: In the Midst of Wolves Originalverlag: Crossway Books, Wheaton, Illinois, USA © der deutschen Ausgabe 2007 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Postfach 110135 Ã 33661 Bielefeld CLV im Internet: www.clv.de Übersetzung: Joe Wittrock und Johannes Zocholl Zeichnungen: Johannes Spoerl Umschlag: Lucian Binder, Marienheide Satz: CLV Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN 978-3-89397-583-9


Inhalt Das Festival

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Die Ranch

30

Die Westernstadt

36

Der Berg

70

Die kontinentale Wasserscheide

79

Die Hütte

96

Die Großstadt

108

Das Krankenhaus

116

Die Straßen

124

Der Turm

142

Der Campus

148

Das Haus

166

Das Konzert

178

Das Minenlager

188

Vor dem Lager

203

Der Weg

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Glossar

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»Siehe, ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen; so seid nun klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.« Matthäus 10,16


Das Festival Sommer 1969

D

er Nachrichten-Hubschrauber neigte sich zur Seite und drehte ab – ein dumpf wummernder Lärm am heißen texanischen Himmel. Über der tanzenden Menschenmasse schwankte er und veranlasste Clint Backer dazu hochzuschauen. Als Clint in das grelle Sonnenlicht blinzelte, formten Knorpelgebilde bizarre Hügel und Täler auf seinem Nasenrücken. Vor Jahren war seine Nase zertrümmert worden – in einer Bar in Waco, an deren Namen er sich nicht mehr erinnerte – in einem Kampf um eine Frau, deren Gesicht er vergessen hatte. Der breitschnäuzige Helikopter flog über ihn hinweg. Sein Schatten verbarg für einen Moment das Netz rot-weißer Narben, das Backers Arme und seine nackte Brust überzog. Aber das Abzeichen hinten auf seiner Lederweste war deutlich zu sehen: das Bild eines zähnefletschenden Wolfskopfs mit einem Wort darunter: Wölfe. »Der Menschenstrom reißt nicht ab, hier in der improvisierten Zeltstadt vor Galveston«, kommentierte das Mädchen neben dem Piloten in ihr Kopfmikro, als der Helikopter weiter absank. »Es scheint, als wolle die gesamte Generation den Summer of Love mit diesem ›FaveRock Productions‹-Konzert ewig fortsetzen.« Clint Backer wandte sich ab vom Lärm am Himmel und spähte in der flirrenden Hitze über die Menschenmenge. Sein glattes, langes braunes Haar steckte straff zurückgebunden unter einem schwarzen Tuch. Trotzdem tropfte ihm der Schweiß in die Augen. 7

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Bei der Musikbühne – hinter dem Konzertveranstalter Aubrey Favereu – stand lässig sein Freund Roper, still und bewegungslos wie ein Grabstein. Neben Roper stand Colt, Clints jüngerer Bruder und das Ziel seiner Suche. Colt hatte den Kopf zurückgeworfen und seine Kehle zuckte vom wilden, bösen Lachen des Methedrin. Clint wusste, dass sein Bruder sich das Zeug durch die zahlreichen Einstichstellen injizierte, die sich auf seinen mageren Armen aufreihten. Um diese Male zu verdecken, trug er stets die Lederjacke der Wölfe, sogar in der sengenden Hitze dieses Festivals. Mit einer Besorgnis, die langsam chronisch zu werden drohte, bahnte sich Backer seinen Weg durch die Menge in Richtung seines Bruders Colt. Während er sich vorwärtskämpfte, schlug ihm unerträgliches Rückkopplungskreischen auf die Ohren. Die Band hörte auf zu spielen und Mikrofone zielten auf die schmächtige Gestalt Aubrey Favereus. Schweiß sickerte durch das Weiß seiner Manschetten und seines Kragens und durch den gelben Paisley-Stoff seiner Nehru-Jacke. Als Backer sich der Bühne näherte, schnappte er den Rest einer Reporter frage durch den Lautsprecher auf. »… ihre private Armee, angeblich verantwortlich für die plötzliche Flut von Drogen seit gestern Abend, als ihre Bande bei Sonnenuntergang in das Zeltlager brauste wie eine Schwadron motorisierter Todesengel …« Favereu beugte sich über den Wald von Mikrofonen. »Die Wölfe sind bezahlte, professionelle Friedenswächter – zweihundert an der Zahl.« Ein Lächeln verbreitete sich auf dem pockennarbigen Gesicht des Veranstalters unter der breiten Sonnenbrille, in der sich winzige Kameras spiegelten, die gierig seine poppige Paisley-Erscheinung aufsaugten. »Hier geht nur Liebe ab, Mann, sonst gar nichts.«

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Ein Mädchen mit Haaren in der Farbe von dreckigem Honig nahm die Bühne für sich ein, als Favereu ausgeblendet wurde. Über das Zeltcamp legte sich der Klang kreischender Keyboards. Eine angetrunkene junge Frau mit dunklen Augen und halb offenem Mund tanzte torkelnd auf Backer zu und fiel ihm in die Arme, aber er nahm sie hoch, stellte sie beiseite und drängelte weiter zur Bühne. Da ertönten Schreie und eine Lücke tat sich vor Clint Backer auf, in der sich zwei Männer mit nackten Oberkörpern umkreisten. Ihr langes Haar klebte ihnen auf den Rücken. Der eine schwang eine zwanzig Zentimeter lange Stahlklinge in seiner Hand. »Du hast uns verschnittenes Speed angedreht …«, brüllte der Messerschwinger und sprang auf den anderen los. Schneller, als die meisten folgen konnten, schnellte Clint dazwischen. Sein Stiefel traf den Solarplexus des Angreifers. Einen Moment lang erstarrte der Springer bewegungslos in der Luft wie eine Zeichentrickfigur. Backer hörte ihn ächzen, als zuerst das Messer und schließlich der Mann selbst zu Boden plumpsten. Auf der Bühne schluchzte das Mädchen ihr Liebeslied. Der andere Mann glotzte auf den funkelnden Stahl im Sand, nur einen Handgriff von ihm entfernt. Backer hatte sich hinter dem herrenlosen Messer aufgebaut und wartete. Ängstliche, aber immer noch zornige Augen wanderten von dem Messer im Sand zu Backer unmittelbar dahinter. »Na, mach schon! Oder such dir ’ne andere Kirmes!«, bellte Backer ihn über den Lärm hinweg an. Der andere Mann musterte Backer, von den hervorstehenden Brauen bis zu den Muskeln seiner nackten, provozierend lässig herabhängenden Arme. 9

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Flüche murmelnd leckte sich Backers Kontrahent über die Lippen und stolperte rückwärts, bis ihn die Masse verschluckte. Clint stieg über den am Boden liegenden Mann hinweg und begab sich zur Bühne. Sein Bruder Colt war nirgends mehr zu sehen. Backer verschränkte die Arme auf der Kante der Bühne direkt neben Roper und legte das Kinn auf seinen tätowierten Unterarm. Die Sängerin über ihm schenkte ihm ein Lächeln. »Schön leichter Job hier«, sagte Clint, »nicht wahr, Rope?« »Zu leicht«, knurrte der andere Biker. »Wenn ich jetzt in Saigon rumgammeln müsste, hätt ich mehr Spaß. Sind wir für Wulff nun Biker oder Zweigroschen-Söldner?« »Wo ist da der Unterschied?« Der schmächtigere Mann antwortete nicht. Backer übertönte die Musik: »Wo ist Colt denn hin?« Roper spuckte aus. »Bruderbaby geht auf die achtzehn zu. Clint, Mann. Während du ihm noch die Glucke machst, ist er schon längst erwachsen.« Ohne Vorwarnung schlossen sich Backers Finger um Ropers Arm und drückten ihn. »Du solltest dich besser nicht in Familienangelegenheiten einmischen.« »Colt ist mein Freund, Alter.« Ropers blaue Augen trafen Backers rötliches Augenpaar. »Und bisher warst du es auch, großer Bruder Clint. Willst du aussteigen und diese Tage aus der Erinnerung streichen?« Backers Zeigefinger tippte auf Ropers Arm. Beide hör ten das Metall im Ärmel. »Meine Knochen gegen deine Klinge?« »Du singst das Lied, ich summe die Melodie dazu«, erwiderte Roper ausdruckslos. »Stimm an, Zweiter Rider.« In dem Klanggetöse entstand eine Pause. Schnell nahm Backer seine Hand von Ropers Arm. »Tut mir leid, Mann.« Er riss das Tuch vom Kopf und wischte

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sich den Schweiß vom Gesicht. »Seit ich Colt aus dieser Erziehungsanstalt in Okla geholt habe, bin ich wie eine Henne. Meine Nerven sind runter, ’tschuldigung.« Roper blieb emotionslos. »Hattest nie Nerven.« Er schaute hoch zur Bühne, wo das Mädchen erneut zu singen begann. »Verlierst sie zu schnell, alter Scout, und was haste dann noch für Trümpfe auf der Hand?« »Nichts vielleicht, genau wie du«, grinste Backer, »außer meinem Brüderchen.« Zum ersten Mal rührte sich der magere Mann, sein Daumen zeigte in Richtung des Truck-Anhängers, in dem sich die Büroräume befanden. »Colt ist da hin, hinter Aubrey her.« Clints Blick verfinsterte sich. »Diesen Auftritt hier hat Wulff angeleiert. Ich bin nicht scharf darauf, dass mein Bruder Favereu zu nahe kommt. Er stinkt geradezu nach gutem alten Spießer-Knatsch!« »Mehr Knatsch als bei dir?«, rief Roper ihm nach, als Backer sich anschickte zu gehen. Clint gluckste. »Ich und Ärger? Ich vermute, so was gibt’s wohl nicht?« Doch das Lachen blieb ihm im Hals stecken, als er Colt vor Favereus Trailer erblickte. Er diskutierte mit einem hageren, dunkelhäutigen Fremden, während die kleinere Gestalt Favereus ungeduldig an seinem Ellenbogen zerrte. Clint schüttelte den Kopf. Colt war schon wieder high. Dabei konnte er froh sein, dass er diesen Einsatz bislang überstanden hatte, ohne eingebunkert und vielleicht sogar in dieses Höllenloch von Heim in Oklahoma zurückgeschafft zu werden. Er wurde doch erst im April achtzehn … Er war nun nah genug, um die Worte zu verstehen und die Broschüren in den Händen des dunklen Fremden zu sehen – und das Kreuz an seinem Hals. 11

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Clint seufzte. Mit dem Stoff, der durch seinen Körper flutete, würde Colt selbst mit den Krishna-Jüngern am Flughafen einen Streit anfangen. Als ob es am Ende wirklich eine Wahrheit zu finden gäbe, wie bei einem Wollknäuel, das man nur abzuwickeln braucht. Als ob man nur laut genug mit jemandem streiten müsste, der verrückt genug ist, an irgendetwas zu glauben … Er trat hinter Colt und legte seine Hand sanft auf die Schulter seines Bruders. Favereu trat zurück. »Bring du ihm Verstand bei«, giftete Favereu Clint an. »Schließlich zahle ich euch Muskel- und Leder-Clowns eine Stange Geld.« Ohne den Promoter zu beachten, wirbelte Colt zu seinem älteren Bruder herum, mit einem Fetzen billigen, gelben Papiers in seiner Faust. »Der tumbe Prediger hier denkt, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen«, knurrte er. Seine Augen, mit der gleichen rötlichen Tönung wie die seines Bruders, waren nur noch schmale Schlitze. Noch mehr Meth! Eines schönen, nicht allzu fernen Tages … Clint schüttelte die Gedanken ab, die in ihm aufstiegen, als er den in Großbuchstaben gedruckten Titel des gelben Papiers las: Die einzige Liebe, die dich befreit. »Ich will, dass er mit mir kommt, wenn ich das Tor kontrolliere.« Der weiße Kragen Favereus hing schlaff auf das gelbe Paisley-Shirt herab. »Ich zahle nicht für philosophische Debatten mit Landstreichern.« »Aubrey Favereu denkt, dass Blitze über die Welt zucken, wenn er nur niest«, sagte Clint, »bloß weil er diese kleinen grünen Präsidentenbildchen scheffelt. Stimmt’s, Aubrey?« Der Veranstalter nestelte an seiner Hippie-Halskette. »Ich bezahle für das, was ich bekomme. Vielleicht kapiert ihr Mörderbande das nicht …« Clint ließ Aubrey Favereu beiseite und tippte auf das kleine Kreuz, das dem Fremden um den Hals hing. »Und all ihr

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Typen von der anderen Seite des Spiegels denkt, dass ihr den Plan habt. Du und die Druiden und Hexen und die Buddhisten und Alice im Wunderland samt dem weißen Kaninchen. Ihr alle habt die Antwort. Und ich will verdammt sein, wenn ich jemals gewusst hab, was die Frage war.« »Das ist wirklich die Frage«, flüsterte Colt seinem Bruder mit drogenbelegten Stimmbändern zu. »Ich will, dass einer von euch Bikern mit mir kommt«, fauchte Favereu, »und zwar sofort!« »Verdammt noch mal«, zischte Colt zurück. »Der Bruder Love hier weiß, wie man hochkommt, wenn man ganz unten ist. Wir brauchen nicht einmal mehr Angst vor dem Tod zu haben. Stimmt’s, kleiner Bruder Love?« »Verdamme dich nicht selbst.« Der dunkle Fremde wandte sich Clint zu. »Und du kennst …« – für einen Moment trafen sich ihre Blicke und Clint war erstaunt, dass er es war, der den Blickkontakt abbrach – »du kennst die Frage!« »Bruder Love …«, Colt packte den dunkelhäutigen Mann am Bart und zog ihn an sich, »eigentlich bist du zu klein für dein großes Maul.« Mit einer mühelosen Kopfbewegung entwand der hagere Mann seinen Bart Colts festem Griff. »Die einzige Antwort auf den Tod ist Leben. Und da wartet viel mehr Leben auf euch, als ihr bisher hattet.« Clint Backers Schädel brummte. Die Hitze, die Streitereien am Nachmittag, das permanente Geschrei – wie konnte das die paar Dollar wert sein, die Favereu bezahlte? Konnten sie als Biker nicht frei von diesem Mann sein? Aber er war nur der Zweite Rider. Wulff war der Anführer – Wulff, der den Vertrag mit Favereu abgeschlossen hatte. »Ich habe keine Angst vor Mister Tod, und ich habe keine Angst vor den Schauermärchen, die du hier erzählst, Bruder Love«, schrie Colt, während er den dunkelhäutigen Mann an seinem zerschlissenen Hemd wieder zu sich heranzog. 13

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»Es gibt mehr als das taube Gefühl vom Gift in deinen Adern. Echte Freude kommt nicht von der Nadel.« Sein Kopf flog zurück, als Colt ihm ins Gesicht schlug. Clint musterte den Dunkelhäutigen flüchtig und entschied, dass er praktisch unverletzt geblieben war, obwohl Blut aus seiner Nase sickerte. »Komm schon!«, wiederholte Favereu, die Gewalttat ignorierend. Über seine Schulter hinweg sah Clint, dass der Dunkelhäutige nicht von der Stelle gewichen war. Diese religiösen Spinner hatten wirklich kein bisschen Verstand, nicht ein Fünkchen. Er ergriff Colts geballte Faust und löste seine Finger. Eine blaue Kleingeldrolle kam zum Vorschein. »Blödes Spielzeug. Du brichst dir damit noch eines heißen Tages die Finger.« Colt spielte mit der Rolle. »Ich und Präsident George, wir tun eben unser Bestes.« Er steckte die Rolle zurück in die Tasche seiner Jeans und schaute zu Clint auf. »Wir sind keine Kung Fu King Kongs, so wie du!« »Ich kann nur, was ein Mann auf der Straße lernt«, sagte Clint leise. »Und wenn du nicht bald anfängst zu denken, wirst du nicht lange genug auf der Straße sein, um etwas zu lernen.« Colt schlurfte Favereu hinterher. »Ich schlug so hart zu, wie ich konnte, aber der Kleine hat’s einfach genommen«, murrte Colt. »Das bringt ’nen Mann zum Nachdenken.« Als sein kleiner Bruder mit dem Promoter in der Menge verschwunden war, wandte sich Clint noch einmal dem Favereu-Trailer zu, doch der Dunkelhäutige stand ihm im Weg. In plötzlicher Verlegenheit platzte Backer heraus: »Du siehst ziemlich mickrig aus, aber du musst zäher als Rindsleder sein. Colt sagt, dass er dir alles gab, was er hatte.« »Das tat Rom auch«, sagte der dunkelhäutige Fremde,

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während das Blut in seinem Bart trocknete. Clint hielt für einen Moment lang inne, unfähig, diese Worte zu verstehen. Dann setzte er seinen Weg zu Favereus Trailer fort. Als er sich noch einmal umschaute, waren weder sein Bruder noch der Dunkelhäutige in der Menge zu sehen. »Du?« »Ich.« Clint erkannte Harry Blackburn, der gemeinsam mit Rex Aikens und Favereu das Triumvirat von Fave Rock Productions bildete, das für das Festival und das Engagement der Wölfe verantwortlich war. Blackburn stand direkt vor der Tür des Fave Rock-Trailers. Lang und dünn stand er da, in seinem sandfarbenen Anzug mit mörderisch engen, gebügelten Rockaufschlägen. Er musterte Clint durch seine eulenartige, bernsteinfarben getönte Sonnenbrille. »Komm rein.« Er erklomm die beiden Stufen, schloss auf und betrat den Trailer. Backer folgte ihm in den ausgebauten Anhänger. Im Vorraum war es kühl und dunkel. Blackburn wartete mit der Hand am Knauf einer weiteren geöffneten Tür zum Innenbüro. »Na, komm schon!« »Warum auch nicht.« Backer betrat das Innenbüro. Das Summen einer Klimaanlage erfüllte das Büro und kräuselte die Samtvorhänge auf der gläsernen Schiebetür. Blackburn setzte sich auf die Kante von Favereus großem schwarzem Schreibtisch. Favereu würde diese Vertraulichkeit nicht schätzen, argwöhnte Backer. Aber Favereus lederbezogener Sessel war leer. »Aubrey ist gerade mit einem deiner Leute unterwegs, um die Eingänge abzuchecken«, sagte Blackburn. Seine Augen waren unsichtbar hinter der Brillenfassung. »Mit einem meiner Leute?« Backer runzelte die Stirn, 15

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rutschte in den großen Ledersessel hinter dem Schreibtisch und drehte ihn, um in den Genuss des kalten Luftstroms zu kommen. Blackburn begann zu protestieren, besann sich dann aber und lehnte sich über den Schreibtisch. »Du bist doch ein Motorrad … ähm … Freak, oder?« Backer seufzte. Er spürte, wie die Schweißtröpfchen unter seiner Weste auskühlten. »Meistens. Und du bist doch ein Aubrey Favereu … ähm … Freak?« Blackburn war pikiert. »Spar dir die Gags für ein anderes Mal. Ihr werdet bezahlt. Aubrey möchte nächtliche Lieferungen und Patrouillen organisieren und da du der Anführer bist …« »Wulff ist der Anführer.« Die Brillengläser starrten auf Backer. »Ich habe dich beobachtet. Du hast die Leitung.« »Wulff ist der Anführer. Ich bin Zweiter Rider.« Blackburn schlug nach einer Fliege, die über dem Schreibtisch brummte. Als er seine Hand zurückzog, zuckte das Insekt nur noch schwach. Blackburn ist schnell, bemerkte Clint. »Hier geht zu viel ab, um mit Cent-Piraten zu pokern. Wenn du nicht der Anführer bist, dann geh, schnapp ihn und bring ihn her … aber plötzlich!« »Es ist heiß«, sagte Backer ruhig. Sein Daumen langte über den Schreibtisch – zu schnell, als dass Blackburn folgen konnte, und tippte leicht auf eine der bernsteinfarbenen Brillengläser. »Aber hier drinnen ist es kühl.« Blackburn stierte Clint an. Der Biker grinste. Abrupt wirbelte der Mitveranstalter herum und hielt Backer die Schiebetür auf, die ins Foyer führte. »Sag mir, wo ich ihn finde, und dann verschwinde hier. Glaub nicht, dass Aubrey nicht erfahren wird, was für einen miesen Service ihm sein Geld einbringt.«

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Nach einer steifen Pause, in der nichts als das Summen der Klimaanlage zu hören war, erhob sich Backer und ging in den Vorraum. »Ich werde warten und es ihm persönlich sagen«, verkündete er. Absichtlich rempelte er Blackburn an, als er sich an ihm vorbeischob. Seine Vermutung bestätigte sich: Der Mann trug eine Waffe bei sich. In was hatte Wulff sie da nur hineingezogen? Und warum brauchten diese großen Jungs zweihundert Motorrad-Banditen, um einen Haufen verrückter Hippies in Schach zu halten? Er ließ sich auf die Couch im Vorzimmer sinken. Manchmal muss man seine Erwartungen zurückschrauben. Blackburn schlug die Bürotür hinter ihm zu. »Wo ist euer Anführer?« Backer machte eine nichtssagende Bewegung mit seinem kräftigen linken Handgelenk, an dem er unpassenderweise eine Rolex trug, das Andenken an eine Poker-Runde in Reno. »Er is’n Kerl, der aussieht wie Lon Chaney Junior …«, gähnte er. »Dürfte jetzt wohl bei den Kleinbussen sein, um sich mit dem Scout zu besprechen …« »Wer ist der Scout?« Backer grinste. »Das bin ich.« So könnte ich auch gleich irgendwo die Stechuhr drücken, dachte er. »Und warum bist du dann nicht dort?« »Weil ich hier bin, Harry.« Blackburn zögerte, stellte sicher, dass das Innenbüro verschlossen war, und riss die Tür nach draußen auf. Hitze und Lärm schlugen in den Trailer hinein. »Dann bleib hier. Wenn ich mit deinem Boss zurückkomme, um Aubrey zu treffen, dann denk daran, dass dein Verhalten zur Sprache kommt.« Er knallte die Tür zu. »Das tu ich bestimmt«, sagte Backer vor sich hin, als Harry Blackburn fort war. »Denken ist ’ne tolle Sache. Schade, dass es deinen Kopf verwirrt, Harry.« 17

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»Wie bitte?« Ein kräftiger Mann mit einem Westernhemd, Schleifenkrawatte und einem dreifachen Kinn stand auf den Außenstufen. Backer ärgerte sich, bei einem Selbstgespräch ertappt worden zu sein. Deshalb nahm er eine ausgewählt lässige Pose ein, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, die Stiefel auf dem Kaffeetisch, wo sie gegen einen tragbaren Kassettenrekorder stießen. Ein Stapel Kassetten verstreute sich über eine Ausgabe des Rolling Stone. »Ich sagte, schöner Tag heute … falls es nicht noch regnet.« »Wo ist Harry?« Backer klatschte in die Hände: »Bye Bye, Blackburn.« Die Kinnfalten bebten. »Was …? Wer sind Sie?« Backer stöhnte. Was immer Fave Rock für ein Spiel spielte, Rex Aikens war offensichtlich wegen seines Geldes, nicht wegen seiner Intelligenz daran beteiligt worden. »Harry hatte etwas zu erledigen. Er überließ mir hier die Verantwortung«, verkündete Backer bedächtig, »damit niemand den Trailer demoliert.« »Aber ich muss ihm erzählen, dass … Wer sind Sie?« Immer noch bedächtig sagte Clint: »Ich bin Backer.« »Sie sind … ein Biker?« »Meistens. Aber Backer bin ich immer.« Rex segelte durch den Vorraum wie ein Ballon, aus dem die Luft entweicht. Er rüttelte am Türgriff des Innenbüros, stellte fest, dass es verschlossen war, und überzeugte sich selbst, dass weder Blackburn noch Favereu anwesend waren. »Ich muss … muss Aubrey dringend eine Nachricht übermitteln.« »Lassen Sie sie hier bei mir.« Rex hätte beinahe losgelacht. Er zog den Kassettenrekorder unter Backers Absätzen hervor, nahm einen Schlüssel heraus und schloss die Tür zum Innenbüro auf.

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»Gehen Sie nun!« Backer schüttelte den Kopf. Das Blickduell war äußerst kurz. Aikens zog die Tür hinter sich zu, verschloss sie sorgfältig und verkroch sich in die äußerste Ecke des Büros, bevor er leise auf Band sprach, die Lippen an das eingebaute Mikrofon gepresst. Vor der Glastür erhob sich Clint und streckte sich. Er sollte jetzt wirklich am Treffpunkt bei den Vans sein. Wulff hatte gern seine Pranken am Puls der Gang. Und Backer war sein Stellvertreter, der Kundschafter! Dennoch schloss er aus einer Trotzreaktion heraus die Tür nach draußen wieder und trat zurück ins Foyer. Aus dem inneren Büroraum erklang schwach Aikens’ Stimme. »Wölfe.« Das Wort war unmissverständlich. Für ein paar Sekunden war Backer sehr still und schlich dann auf leisen Sohlen zur Bürotür. Nur einen Moment später hatte Aikens seine Bandnachricht beendet, hinterließ eine gekritzelte Notiz auf dem Schreibtisch und verließ das Büro. Rex Aikens schloss die Tür hinter sich zu und rüttelte am Griff, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich verschlossen war. Blitzschnell war Backer auf die Couch gesprungen und blätterte im Rolling Stone Magazin. »Sie sollten jetzt wirklich gehen«, nörgelte Aikens. »Aber ich hab versprochen aufzupassen.« Backer blätterte um. Der dicke Mitveranstalter überprüfte erneut die Bürotür, seufzte und öffnete die Tür nach draußen. »Fassen Sie nichts an!«, beschwor er. Backer schüttelte den Kopf, aber sobald Aikens’ Schritte auf dem Treppchen verhallten, war er auf den Knien und wühlte sich durch das Gerümpel unter dem Kaffeetisch. Auf einem 19

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Stapel mit Verkaufslisten lag ein durchsichtiges Plastiklineal. Er stemmte es im Türspalt gegen die abgeschrägte Falle des Türschlosses, zog es ein wenig hin und her, und plötzlich glitt die Schiebetür weit zurück. Da waren der schwarze Schreibtisch, die Notiz und der Kassettenrekorder. »Ist ja wie in Hollywood.« Backer atmete erst wieder, als er die Kassette herausgenommen, die Notiz zerknüllt, die Bürotür wieder verschlossen und den Wohnwagen verlassen hatte.

•••

Er näherte sich den für die Wölfe reservierten Parkplätzen. Immer noch umwehte ihn die laute Musik und die Gluthitze wollte nicht weichen, als er die 196 glänzenden Harley Davidsons und Triumphs und die sechs schwarz-silbernen Kleinbusse erreichte. Von jedem von ihnen fletschte das Wolfskopflogo den Vorübergehenden an. Er riss die Hecktür des am nächsten stehenden Vans auf, klappte den Deckel einer Eistruhe hoch und zog ein Bier heraus. Dann kletterte er nach vorne, schaltete die Zündung an, schlug auf den Temperaturregler und steckte Aikens’ Kassette in das Kassettendeck. Wenige Minuten später zog er stillvergnügt eine zerdrückte Zigarette aus seiner Westentasche und zündete sie an. »Aaaah … höchst erstaunlich!« Er stieß den Rauch aus, während er die Kassette zurückspulte. Aikens’ letztes Wort – Sündenböcke – hing noch in der Fahrerkabine, zusammen mit dem blauen Zigarettenqualm, als die Zigarette plötzlich mitsamt einem Stück Lippe aus Backers Mund gerissen wurde. Er fluchte. Hinten im Transporter kauerte Shannon, die Zigarette in der Hand verbergend. Ihre glatt geföhnten Haare flossen weißblond über ihre Schultern. »Shannon, Süße, du bist Wulffs Tucke. Wulff ist der Chef.«

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»Zigaretten, Führertreue und all der Lügenkram können schädlich für die Gesundheit sein …« Sie lehnte sich etwas zurück gegen die Eistruhe. »Schau dir die Rider an, die auf dem Tablett aus Vietnam zurückkamen.« »Shannon«, sagte er ruhig, ohne sich zu bewegen, »hör auf damit!« Ihre großen grauen Augen umwölkten sich. Sie riss die Hecktür auf, damit der Zigarettenqualm herauszog. »Du benimmst dich nicht so, als hättest du Angst vor der MonsterNummer, die Wulff den Leuten überzieht?« Backer seufzte. »Angst nicht gerade … weder ich noch Colt. Können wir nichts dafür. Sind einfach zu dumm dazu.« »Ihr Backer-Brüder seid nicht dumm«, schnaubte Shannon, »nur völlig verrückt. Ihr benehmt euch, als wenn ihr vor gar nichts Angst habt.« Er starrte geistesabwesend durch die getönte Windschutzscheibe. »Vielleicht habe ich gerade davor Angst – vor dem Nichts.« Shannon lachte. »Und dein jüngerer Bruder – der würde nicht mal zucken, wenn du ihm einen Eispickel ins Ohr hauen würdest. Du hast ihn zu jung zur Meute gebracht, Clint.« »Wo sonst hätte ich mit ihm hingehen sollen?« Er zwinkerte. »Und außerdem wette ich, dass er gerade mal ein Jahr jünger ist als du, Lady.« »Niemand«, antwortete sie mit trübem Blick, »ist so alt wie ich.« »Außerdem ist Wulff immer noch mein Freund.« Sein Kopf lehnte gegen den Sitz, während ihm klar wurde, wie sich die Bedeutung dieses Wortes im Laufe der Jahre gewandelt hatte. »Irgendwie immer noch …« »Ich dachte, du kämpfst gerne. Du könntest es mit ihm aufnehmen. Ich wette, du schaffst ihn. Du könntest der Rudelführer werden.« Er stellte die Lüftung aus, kurbelte das Fenster herun21

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ter und schaute sie an. »Süße, ich will gar nicht Erster Rider sein.« Sie starrte ihn an. »Hab dich nie für feige gehalten, Clint.« Wieder seufzte er. »Hab mich nie für irgendwas gehalten. Bin bloß ein Feldhase in einem zu engen Kaninchenloch. Bin Biker, weil der Eintritt in den Club erschwinglich und die Kleiderordnung locker ist.« »Ach, komm schon.« Sie klang nervös. »Wulff ist also dein Freund – und er ist ein Schwein. Vergiss es!« Seine rötlichen Augen starrten durch die fliegenverdreckte Windschutzscheibe. »Wenn ich kein Biker wär, ich schätz, dann wär ich so’n Hippie mit Holzperlenkette und Körperbemalung.« »Ich habe dich doch beobachtet, Clint. Du kämst nie aus dir raus.« »Vor zehn Jahren war ich ’n Beatnik.« Er lachte, dass es Shannon kalt den Rücken runterlief. »Einer von diesen Hohlköpfen, die sich die ausgeflipptesten Klamotten aussuchten, nur um darin schlecht auszusehen. Vielleicht hat Colt recht. Vielleicht gibt es ja doch einen Ort, wo die Dinge Sinn ergeben.« »Wulff mag die feinen Dinge des Lebens«, sagte sie bitter. Backer nickte, ohne sich zu ihr umzudrehen. »Ich und Wulff, wir sind schon zusammen ’ne Menge schlechter Straßen gefahren. Es gibt Typen, die zieh’n sich dran hoch, and’rer Menschen Leben in der Hand zu halten, und einige von ihnen genießen es sogar, andere kaputt zu machen. Ich misch mich da nicht ein und versuch klarzukommen, so gut es geht. Scher mich um meine eigenen Angelegenheiten.« Sie räkelte sich hinter seinem Sitz. »Im Vergleich zu dir klingt Wulff …« »Ich bin durch und durch böse, Schätzchen.«

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Beide fuhren auf. Wulff hatte seinen breiten Kopf durch das Autofenster gesteckt und ließ ihn auf seinen überkreuzten Handgelenken ruhen. Backer sah, wie im letzten Sonnenlicht jedes einzelne Haar auf der weißen Haut von Wulffs Armen ausgeleuchtet wurde. Wieder einmal fragte er sich, warum Wulff niemals bräunte. »Hab weder deine Maschine noch deine Stiefel gehört.« Backer starrte ihm in die Augen. »Bist du herbeigeschwebt, Zauberer?« Wulff erwiderte den Blick. Sein rauer, schwarzer Bart verzog sich zu einem Grinsen. »Bin gerade eingeflogen aus Oz.« Er deutete mit seinem Kopf in Richtung Camp. »Der alte Aubrey verlangt ziemlich viel für sein Kleingeld.« »Nicht nur Aubrey. Blackburn wird jeden Moment hier auftauchen, er sucht nach dir.« Wulff nickte. »Ich war leicht zu finden. Er sagte, dass einer meiner Leute ihm gegenüber ’ne dicke Lippe riskiert hätte. Und ihr Backers führt gleich nach Mick Jagger die dickste Lippe der Welt. Warst du das, der Blackburn vom Sockel gestoßen hat?« Clint lehnte sich zurück. »Ich krieg eben Muskelkater von ehrlicher Arbeit.« Bevor Wulff antworten konnte, ließ Backer die Kassette aus Favereus Büro laufen. »Aber dies hier ist nicht wirklich ehrliche Arbeit, oder?« Sie waren mucksmäuschenstill, Wulff gegen die Fensterumrahmung gelehnt, Backer mit den Stiefeln auf dem Armaturenbrett und Shannon über den Sitz gebeugt, während Aikens’ Band ablief. Colt stieß zu ihnen, gerade noch rechtzeitig, um das Wichtigste nicht zu verpassen. Die anderen blieben still. Nur Colt war sichtlich amüsiert. 23

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»Wie können die nur so dumm sein?«, lachte er. »All das Dope für die Sündenböcke, und so’n Stümper wie Aikens schmeißt ihnen alles über den Haufen …« Clint zuckte die Achseln. »Ein Engagement dieser Größenordnung hätte man sich genauer ansehen sollen. War kein schlechter Schachzug, gleich die Prügelknaben zur Hand zu haben. Sie haben nur den Fehler gemacht, mit ’ner Dumpfbacke wie Aikens als Bauern zu spielen.« Er hielt inne. »Die Wölfe sind aber doch keine Bauernopfer … oder, Wulff?« Zur Antwort schwenkte Wulff ein Stemmeisen in seiner kräftigen Pranke. »Die Kassette sagt, dass Aikens den Stoff in einer unserer Radkappen versteckt hat. Zeit zum Ostereiersuchen, Jungs und Mädels!« Unter der linken hinteren Radkappe des zweiten Vans, den sie untersuchten, wurden sie fündig. Colt stemmte sie ab. Als ihm die Plastiktüten mit weißem Puder entgegenpurzelten, platzte er heraus: »Hier ist es! Sieht aus, als ob wir den Jackpot geknackt hätten!« Triumphierend reckte er einen Handschuh in die Höhe. Alle sahen die Plastikbeutel voll weißen Pulvers in den sterbenden Strahlen der Sonne. »Sie zahlen jetzt eine hohe Prämie für ihre Rückversicherung«, bemerkte Clint, als er den Puderstaub prüfte. »Leicht zu finden und feiner Stoff. Wäre jemand zum Schnüffeln hergekommen, hätte die Sache ziemlich eindeutig ausgesehen.« Wulff fuhr sich mit der Hand durch sein dichtes, schwarzes Haar. »Jetzt müssen wir uns nur noch überlegen, wie wir das dem guten alten Aubrey angemessen heimzahlen.« »Wir wollen sie schlachten und fressen«, schlug Colt aufgekratzt vor, der seinem Bruder über die Schulter schaute. »Nein.« Clint blinzelte in den Sonnenuntergang. »Die größte Band des Tages spielt heute Nacht um elf.« Er blickte sei-

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nen Bruder an. »Kannst du Godzilla holen und allen anderen gegenüber deinen Mund halten?« Colt kratzte sich am Kinn. »Gleich zwei Sachen auf einmal. Donnerwetter! Versuchen kann ich’s, Captain Blood.« Wulff nickte. »Shannon, hol die Ladys zusammen, sag allen Bescheid. Seht zu, dass jeder um elf aufbruchbereit ist.« Schon war sie verschwunden.

••• »Äußerst clever, Scout«, sagte Wulff, als sie allein waren. »Gedenkst du, deine Eingebungen mit mir zu teilen? Oder gab’s ’n Staatsstreich, während ich stoned war?« »Sorry, Mann.« Clint beugte sich vor. »Aber ich denke, dir wird’s gefallen, und es wird Aubrey sauber aus seinem NehruJackett pusten. Hör zu …« Die legendäre englische Band erschien spät auf der Bühne. Sie begann ihren Auftritt unter Flutlicht. Alles außer der Bühne war so rabenschwarz wie die Nacht an der Südküste von Texas. Weit entfernt von allem, in seinem kühlen, separaten Büroraum, lehnte sich Aubrey Favereu in seinem Sessel zurück, presste die Fingerspitzen zusammen und lauschte Blackburn, der eine Liste von Zahlen herunterspulte. Er nickte zustimmend. Aikens, am anderen Ende des Tisches, hüstelte nervös. Aubrey blickte zu ihm hinüber. »Irgendwelche Einwände, Rex?« Rex schüttelte seinen massigen Kopf. »Ein ordentlicher Profit!«, stellte er fest. Vor ihm lag der Berg von Banknoten, den sie immer wieder sorgfältig durchgezählt hatten. »Aber wir sind nur Mittelklasse, Aubrey. Und die richtig großen Jungs haben uns für unsere Gewinnspanne miese Ware geliefert. Ich weiß von einem Dutzend Dealern, die sich beschwert haben. Wenn das auffliegt …« »Das wird nicht geschehen«, schnauzte Favereu. 25

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