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Patricia St. John Die silberne StraĂ&#x;e


Patricia St. John

Die silberne StraĂ&#x;e

Verlag Bibellesebund Marienheide / Winterthur

Christliche Literatur-Verbreitung Bielefeld


11. Auflage 2007 Originaltitel: »Three Go Searching« erschienen bei: Moody Publishers, 820 N. LaSalle Blvd., Chicago, IL 60610, USA © 1966 by the Moody Bible Institute of Chicago genehmigte Übersetzung Deutsch von Mien Snitselaar © der deutschsprachigen Ausgabe 1985 by Verlag Bibellesebund, Marienheide Umschlag: Georg Design, Münster Illustrationen: Oliver Popp Satz: Horst Klatt, Bielefeld Druck: Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 978-3-87982-741-1 (BLB) ISBN 978-3-89397-561-7 (CLV)


Inhaltsverzeichnis

»Wie Sterne am nächtlichen Himmel« ....................... 7 Das geheimnisvolle Boot ........................................... 17 »Sie gehören mir« ...................................................... 28 Die erste Spur .............................................................. 37 Der Weg nach Hause .................................................. 48 Als die Sonne unterging ............................................ 59 Eine silberne Bahn auf dem Meer ............................. 69 Das überraschende Treffen ........................................ 76 Ein Lichtblick für Lela .............................................. 85 Waffi wird nachdenklich ........................................... 94 Verborgene Frucht .................................................. 101 Die Schatten verschwinden ..................................... 111 Als die Sonne aufging ............................................. 122


»Wie Sterne am nächtlichen Himmel«

Es war Schlafenszeit. Peter und David saßen in ihren

Schlafanzügen auf dem großen Bett, während ihr Vater ihnen wie jeden Abend etwas vorlas. Aber heute war es anders als sonst, weil es der letzte Abend mit Peter war. Morgen würde er ins Internat fliegen, ganz allein mit dem Flugzeug. Und am anderen Ende der Reise würde ihn seine Großmutter erwarten. David wusste nicht recht, wie seinem Bruder jetzt zumute war. Natürlich hatte Peter damit geprahlt, dass es ihm großartig ginge. Und als die Schuluniform angekommen war, war David grün geworden vor Neid. Aber jetzt saß Peter aufrecht und sehr still mit gekreuzten Beinen auf dem Bett. Sein schmales Gesicht war erhitzt, und seine hellen Haare standen wie Stacheln vom Kopf ab, denn er kam gerade aus der Dusche. Die Hände hatte er fest ineinander verschlungen und die Augen etwas traurig auf den Vater gerichtet. Auch den Vater schien es sehr zu beschäftigen, dass Peter sie verlassen sollte. »Ich gebe dir vier Minuten Zeit, diesen Vers auswendig zu lernen«, sagte er und gab Peter die Bibel. »Ich möchte, dass du ihn nicht vergisst, wenn du fort bist.« David mochte es nicht, wenn man ihn überging. Er steckte seinen Kopf unter Peters Ellbogen durch wie ein kleiner Ziegenbock und versuchte, den Vers auch zu lernen. Die Worte waren ziemlich lang und schwierig, aber der Vater hatte vorher erklärt, was sie bedeuteten. Es waren die Worte aus Philipper 2,14+15. »Tut, was Gott gefällt, ohne Wenn und Aber! Dann seid ihr rein und

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fehlerlos und erweist euch als Gottes vollkommene Kinder mitten unter verirrten und verdorbenen Menschen. Unter ihnen werdet ihr leuchten wie die Sterne am nächtlichen Himmel.«

Genau vier Minuten war es völlig still. Peters Lippen bewegten sich noch lautlos, als David einen lauten Seufzer ausstieß und sich unruhig zu bewegen begann. Er wünschte, es ginge schneller, denn sie wollten noch ein Abschiedsfest feiern. Die Mutter und Ruth waren schon so weit; er konnte sie im Nebenzimmer flüstern hören. Endlich gab Peter das Buch zurück und wiederholte den

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Vers fehlerlos, denn er war schon zehn Jahre alt. David sprach den Teil mit, den er konnte. Er war erst acht, es würde noch ein paar Monate dauern, bis er neun Jahre alt wurde. Einige Minuten später waren sie fertig und konnten zu Mutter und Ruth ins Wohnzimmer gehen. Sie setzten sich alle auf einen Teppich um einen kleinen Tisch herum, der knapp zwanzig Zentimeter hoch war. Es wurde ein herrliches Fest mit gesalzenen Erdnüssen, Gebäck, Orangensaft und Kartoffelchips – alles Dinge, die Peter besonders gern mochte. Und weil er zu Weihnachten nicht bei ihnen sein würde, zündeten sie eine Kerze an und schalteten das Licht aus. An diesem Abend waren sie alle geborgen im gemütlichen Kreis des Kerzenlichts. Die Kinder waren so fröhlich wie immer. Keines von ihnen ahnte, dass die Eltern, die auch fröhlich schienen, in ihren Herzen dachten: ›Dies ist das letzte Mal, dass wir so als ganze Familie zusammen sind. Wenn wir Peter wiedersehen, wird er so vieles über die Welt außerhalb des Kerzenlichts gelernt haben. Vielleicht wird er sich dann zu erwachsen vorkommen, um noch an einem kleinen Fest im Schlafanzug Freude zu haben.‹ Schließlich kam das Ende, denn Ruths Lockenkopf wurde schwer, und die Kerze war heruntergebrannt. Sie wuschen sich die klebrigen Finger, putzten sich die Zähne und krochen ins Bett. Die Mutter kniete lange neben Peter und sprach mit leiser Flüsterstimme mit ihm. David, der eilig ins Bett gesteckt und geküsst worden war, lag still da und dachte darüber nach, ob er fröhlich oder traurig sein würde, wenn seine Abschiedsstunde im nächsten Jahr käme. Am Morgen waren alle in Eile. Sie mussten um halb neun am Flughafen sein, und der lag weit draußen vor der Stadt. Der Vater, der Arzt war, verabschiedete sich,

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als sie noch am Frühstückstisch saßen, denn er musste ins Krankenhaus hinauf. So fuhren David, Ruth und Peter mit der Mutter allein zum Flugplatz. Alle waren auf dem Vordersitz zusammengedrängt, weil niemand weit weg auf dem Rücksitz sein wollte. Lumpi, der kleine schwarze Hund, wollte auch mit. Aber weil er die Vorschriften am Flughafen nicht kannte, ließ man ihn besser zu Hause. Es war sehr heiß auf dem Platz, auf dem sie warten mussten. Das Flugzeug stand schon bereit. Ein schöner silberner Vogel mit blauen Propellern. An jedem anderen Tag wären alle begeistert gewesen, aber heute schienen die Minuten davonzufliegen; man konnte sie nicht aufhalten. Das Schrecklichste für David war, dass Peter plötzlich so klein aussah. In seiner gewöhnlichen Kleidung, den Shorts und dem Sporthemd, hatte er wie ein großer, starker Junge ausgesehen, mit kräftigen, geschmeidigen Muskeln. Aber in seiner neuen grauen Hose, der schwarzroten Klubjacke, die absichtlich ein bisschen zu groß gekauft worden war, und mit der Schülermütze, die bis zu den Augen hinunterreichte, sah er aus wie ein Zwerg. David konnte es nicht fassen, dass sein Bruder so klein schien in seinen reichlich bemessenen neuen Kleidern. Er überlegte schon, wie er wohl aussehen würde nächstes Jahr. Die Stimme im Lautsprecher forderte die Passagiere auf, im Flugzeug Platz zu nehmen. Peter, ziemlich bleich, warf die Arme um Mutters Hals und drückte sich einen Augenblick ganz fest an sie. Dann küsste er Ruth auf die Wange, gab David die Hand und lief dann hinter den anderen Passagieren her. Mappe und Pass hielt er fest umklammert. Er hatte keine Hand frei, um die Tränen abzuwischen, die über sein Gesicht liefen. Er wurde kleiner und kleiner, bis er im silbernen Leib des

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Flugzeugs verschwand. Kurz darauf erschien er an einem Fenster und winkte. Er hatte sich brennend einen Fensterplatz gewünscht. Er hatte wohl auch sein Taschentuch gefunden, und so fühlte er sich ohne Zweifel etwas besser. Ein paar Minuten später fingen sich die Propeller an zu drehen. Die große Maschine bewegte sich majestätisch die Startbahn entlang, wendete, hielt an, kam aufheulend zurück und erhob sich ins Blaue. David wusste, dass Peter jetzt nicht weinen, sondern die Tragflächen und Propeller beobachten würde. Sicher hatte er in diesem Augenblick alles und alle vergessen. Aber unten auf dem heißen Boden war es einsam und leer. Mutters Augen waren voller Tränen, und David fühlte einen sonderbaren Schmerz in der Brust. Nur die rundliche kleine Ruth war unbeschwert, sie vergnügte sich auf ihre Weise und hüpfte auf einer Gepäckwaage auf und ab. Sie gingen zum Wagen zurück und fuhren schweigend durch die heiße, ausgedörrte Landschaft, die keine Spuren von Grün zeigte: nichts als Erde voller Risse unter dem sengenden Blau. David dachte: ›Mir ist egal, ob ich mit einer Düsenmaschine oder einem Kometen reisen kann! Ich will nicht allein so weit weggehen und Mama ein Jahr lang nicht sehen. Warum müssen wir bloß in einem fremden Land leben? Warum können wir nicht alle nach England zurückkehren und Peter zu Weihnachten wiedersehen?‹ Er konnte plötzlich nicht begreifen, warum sie nicht alle schon lange auf diese tolle, einfache Idee gekommen waren. Es schien so selbstverständlich. Er dachte den ganzen Heimweg daran, während er den Kopf aus dem Fenster streckte, denn der Wind tat seinem gebräunten Gesicht gut. Es bedrückte ihn nicht, dass die Mutter kein Wort sagte; er wusste, dass ihre Gedanken hoch oben im blauen Himmel irgendwo über dem Meer wa-

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ren. Auch Ruth machte sich nichts daraus. Sie war auf den Rücksitz geklettert und hüpfte dort herum. Sie sang ein Liedchen, das weder Melodie noch Rhythmus hatte, nur ein paar fröhliche Worte. Sie fuhren durch das große Doppeltor, das auf das Gelände des Krankenhauses führte, und dann hinunter zu ihrem Haus. Drinnen war es kühl und schattig. Sie setzten sich in die Küche und aßen eine Kleinigkeit, um über die traurige Stimmung hinwegzukommen. Als sie alle mit Milch und Gebäck versorgt waren, stützte David plötzlich die Ellbogen auf den Tisch und sagte: »Mama, ich will nicht von dir fort in ein anderes Land. Ach, wäre Papa doch ein Arzt in England, dann müssten wir nicht ins Internat. Es war so schön in England im Heimaturlaub! Erinnerst du dich nicht mehr, Mama? Dort könnten wir immer alle zusammen sein. Bitte Papa doch darum!« Davids Mutter antwortete lange nicht. Sie legte ihr Kinn auf die braunen Locken von Ruth, die sich an die Mutter geschmiegt hatte. »Das geht nicht, David«, sagte sie schließlich. »Schau, wir sind hierher geschickt worden, wie ein Botschafter von einem Staat in ein anderes Land gesandt wird. Ein Missionar ist jemand, der gesandt ist.« »Gesandt? Wozu?«, fragte David. »Um den Menschen, die das nicht wissen, zu erzählen, dass Gott sie liebt und dass Jesus starb, um sie zu retten. Und um ihnen zu zeigen, wie man jeden Tag mit Jesus Christus lebt, wie man betet und das tut, was Gott gefällt. Jesus starb für alle Menschen, aber nicht alle wissen das. Wir müssen es ihnen erzählen und ihnen den Weg zeigen.« »Könnt ihr das nicht in England tun?«, fragte David. »O Mama, bitte doch Gott, dass er euch nach England schickt. Ich möchte niemals so weit weg sein von euch.«

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»Aber es gibt viele, viele Kirchen und Christen in England«, erklärte seine Mutter, »und jeder Mensch, der Jesus Christus kennenlernen will, kann eine Bibel kaufen und sie lesen. Wenn alle Missionare in England bleiben würden, wäre es so, als stünden viele brennende Kerzen in einer Ecke eines großen, dunklen Hauses, und das ganze übrige Haus wäre stockfinster. Aber je dunkler ein Ort ist, umso nötiger braucht er Licht. Und wenn es für uns auch schrecklich ist, dass ihr uns verlassen müsst, so sind dein Vater und ich doch froh, dass wir an einen so dunklen Platz gesandt worden sind. Hier draußen gibt es Hunderte von Städten und Dörfern, wo die Leute nicht lesen können und nie etwas von Jesus, dem Erlöser, gehört haben. Darum arbeiten der Vater und die Krankenschwestern so hart. Wenn es hier kein Krankenhaus gäbe, würden die Leute nicht kommen. Und wenn sie nicht kämen, würden sie niemals etwas von Jesus hören.« »Eine Menge brennender Kerzen in der Dunkelheit«, wiederholte David lebhaft. »Das ist so wie Peters Vers gestern Abend. Kennst du ihn, Mama? ›Ihr werdet unter den Menschen leuchten wie die Sterne am nächtlichen Himmel.‹ Vater hat es uns gestern erklärt, mir und Peter. Mama, können auch Kinder Missionare sein?« »Sicher«, antwortete sie. »Ein Missionar möchte anderen Menschen durch sein Beispiel zeigen, wie ein Leben aussehen kann, in dem Jesus Christus die Hauptrolle spielt. Manchmal sprechen die Taten viel lauter als viele kluge Worte. Es ist sehr wichtig, zu tun, was Gott gefällt und richtig ist.« Da hörten sie ein Geräusch im Flur. Ein kleines, braunes Gesicht mit dunklen Augen und schwarzem, krausem Haar spähte um die Tür. Es war Waffi, ein Kind aus der Nachbarschaft. David schaute ihn mit neuen Augen an. Bis jetzt hatten alle Kinder aus der

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Umgebung immer zusammen gespielt. Peter war ihr Anführer gewesen. Jetzt wurde David klar, dass er auf eigenen Füßen stehen und seine Spielgefährten selbst finden musste. Denn wenn er Ruth auch sehr mochte, zählte sie doch nicht, weil sie zu klein war. Es gab keinen zweiten Anführer wie Peter. Aber vielleicht könnten er und Waffi doch miteinander Spaß haben. Waffi war aufgeweckt und abenteuerlustig und ungefähr so alt wie er, so weit man das wissen konnte. Schwarze Augen und blaue Augen starrten sich vorsichtig prüfend an. Dann wandte sich David an seine Mutter: »Darf ich mit Waffi gehen?«, fragte er. »Dürfen wir am Strand spielen?« Die Mutter blickte zum sandigen Strand hinunter, der die kleine Bucht am Fuß eines grasbewachsenen Abhangs umgab. »Ja«, antwortete sie, »dort, wo ich dich sehen kann. Eine Viertelstunde vor dem Essen werde ich mit der Glocke läuten. Nimm Lumpi mit!« Es machte Spaß, den Pfad, der zur Bucht führte, hinunterzurutschen. David in seinen Sandalen war nicht so geschickt wie der barfüßige Waffi. Lumpi bellte erleichtert. Er hatte gespürt, dass mit der Familie etwas nicht in Ordnung war. Sie waren einfach weggegangen und hatten ihn angebunden zurückgelassen! Er hatte gerochen, dass sie alle bedrückt waren. Und außerdem: Wo war Peter?Aber am Strand herumzutollen,war lustig,und alles schien wieder in Ordnung zu sein. Lumpi machte einen Luftsprung und schnappte nach einem Schmetterling. Der Strand unterhalb des Hauses war ein einladender Ort. Das Wasser war warm und seicht, und träge Wellen überspülten die heißen Steine. Es war ein einsamer, verlassener Winkel; kaum jemand anders kam hierher als hin und wieder ein Fischer. Denn der eigentliche Badestrand mit dem feinen Sand, der sich kilometerweit hinstreckte, lag auf der anderen Seite der Landzunge.

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Dort badeten Hunderte von Leuten. Aber kleinen Jungen, denen die Kieselsteine nichts ausmachten, gefiel es hier besser. Es gab Felsen, die weit ins Wasser hineinragten, aufregende kleine Buchten und dunkle Höhlen, von denen die Erwachsenen nichts wussten. Davids Vater kam an seinen freien Tagen manchmal mit hinunter. Er, Peter und David waren schon mit Taucherbrillen ausgerüstet hinausgeschwommen, um nach Muscheln auf den Felsen unter Wasser zu suchen. Muscheln schmeckten herrlich, wenn sie in Salzwasser gekocht, mit kleinen Spießen herausgeholt, mit Essig beträufelt und mit Brot und Butter gegessen wurden. »Komm mit zum Ende des Felsens«, sagte Waffi, »dann klettern wir auf die andere Seite hinüber. Die Flut ist vorbei, da können wir in der kleinen Bucht da hinten fast stehen.« David warf seine Sandalen ab und ließ Lumpi zurück, damit er sie bewachte. Der Hund mochte nicht in den Felsen herumklettern. Wenn ihn eine Welle ansprang, musste er zurückweichen, das hatte er inzwischen herausgefunden. Wenn er die Welle nämlich im Gegenangriff anspringen wollte, fiel er nur ins Wasser, und das war nicht so lustig. Aber David und Waffi, die kletterten gern. Mit Fingern und Zehen arbeiteten sie sich die Felsbänder entlang, an denen die Seeanemonen hingen und das Wasser gurgelnd durch die Spalten drang. Es war ein stiller Tag; kein Mensch war zu sehen. David liebte diesen Felsen. Am Ende teilte er sich und bildete eine kleine Bucht, in der man bei Flut schwimmen und bei Ebbe herumplanschen konnte. Der Boden der Bucht war zerklüftet, das machte die Wellen ziemlich rau. Er hatte niemals Fischer hier draußen gesehen. Er glaubte, es wäre ganz allein seine Bucht, weil er sie entdeckt hatte. Als besondere Gunst hatte er sie Peter und Waffi gezeigt. Wenn er an den schlüpfrigen Wänden

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entlangkletterte, verlor sein Fuß manchmal den Halt und er fiel ins Meer. Aber das machte ihm gar nichts aus, denn David konnte schwimmen wie ein Fisch. Er hatte die Stelle erreicht, wo der Felsen sich teilte. Er schaute in die Bucht hinunter und stieß vor ärgerlicher Überraschung einen kurzen, scharfen Ruf aus. Ein eiserner Ring war in den Felsen hineingetrieben worden, und ein kleines Boot lag angekettet zwischen den Steinen.

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Das geheimnisvolle Boot

»Seeräuber!«, sagte David.

»Schmuggler!«, sagte Waffi, der besser Bescheid wusste. Beide Jungen lagen lange schweigend über dem felsigen Einschnitt und schauten hinunter auf das kleine Boot. David sehnte sich nach Peter. Der wäre zwar genauso verblüfft gewesen wie er. Aber er hätte gleich gewusst, wie sie es anstellen mussten, um das größtmögliche Abenteuer aus der Sache herauszuholen. Waffi hatte nicht viel Fantasie, und David war eher furchtsam. Er blickte zum Haus hinauf und hoffte, dass seine Mutter ihn vom Fenster aus beobachtete. »Ich glaube, es ist Essenszeit«, sagte er, »ich denke, wir müssen nach Hause gehen. Wahrscheinlich ist es nur ein Fischerboot.« Waffi schüttelte den Kopf. »Schmuggelei!«, sagte er mit Nachdruck. »Das machen sie die ganze Zeit. Mein Vater fährt einen Lastwagen. Die Polizei hält alle auf der Landstraße an. Vor ein paar Tagen haben sie einen Mann erwischt mit einer Ladung Heu. Sie zogen es auseinander und fanden Flinten darin, die er an die Grenze bringen sollte. Wir wollen das kleine Boot beobachten. Aber sag niemandem etwas davon, hörst du?« Wie Krabben krochen sie auf allen vieren über den Felsgrat zurück und ließen sich auf den Strand fallen, um auszuruhen. Die heiße Septembersonne brannte herunter, aber der Wind war angenehm, und es gab allerhand zu beobachten. Rechts von ihnen konnten sie

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die Hafenmauer jenseits der Landzunge sehen, und ein großes amerikanisches Kriegsschiff lag in der Bucht vor Anker. Weit drüben hob sich der Leuchtturm deutlich gegen das Blau des Himmels ab. Sie vergruben ihre Beine im Sand. Dann versuchten sie, flache Steine über die Wasseroberfläche hüpfen zu lassen, bis sie die Glocke hörten, die zum Abendessen rief. »Du brauchst keine Viertelstunde, bis du oben bist«, sagte Waffi. »Das ist mir egal, ich gehe jetzt«, sagte David, während er seine Sandalen anzog. Er wusste selbst nicht warum, aber er fühlte sich sonderbar erleichtert, als er den Strand hinaufkletterte. Am liebsten wäre er über den Zaun hinter ihrem Haus gestiegen, um den Weg abzukürzen, aber Waffi wollte den Umweg über die Straße nehmen, wo es einen Laden gab. Er hatte ein paar Münzen für Kaugummi in der Tasche. Als sie die Straße fast erreicht hatten, sahen sie ein kleines Mädchen an einem Zaun im Schatten liegen. Es schlief. Zwei große Körbe mit Trauben standen neben ihm. Waffi blieb stehen. Seine Augen hingen an den Trauben. David sah auf das kleine Mädchen hinunter. Sein Schlaf war sehr unruhig. Es warf sich hin und her und murmelte etwas. Als es sich umdrehte, bemerkte er, dass es einen Buckel hatte, und seine Beine waren zu dünn für den Körper. Lumpi beschnupperte es misstrauisch und ließ den Schwanz hängen. Waffi blickte sich verstohlen um, ging auf Zehenspitzen zu den Trauben und stopfte sich eine Handvoll in den Mund. Dann versuchte er, David Trauben in den Mund zu stecken. »Das dürfen wir nicht, das ist gestohlen!«, sagte David leise und versuchte auszuweichen. Dafür hatte Waffi kein Verständnis. »Blöder Kerl«, flüsterte er zornig. »Vorhin hattest du schon Angst beim Boot; jetzt hast du

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Angst, erwischt zu werden. Wenn du immer gleich Angst hast, dann spiel doch mit deiner kleinen Schwester. Ich spiele mit den großen Jungen, die fürchten sich nie. Kamal hat neulich eine große, reife Melone gestohlen, direkt unter dem Schaufenster weg.« David war ganz durcheinander. Er sehnte sich danach, ein starker, tapferer Junge zu sein wie Peter. Aber Peter hätte sicher nie etwas gestohlen. Schrecklich, wenn die Jungen nicht mehr mit ihm spielen wollten! Dann wäre er ganz allein. Vielleicht gab es verschiedene Arten der Tapferkeit. Er würde darüber nachdenken. Aber jetzt wollte er doch lieber die Trauben nehmen. Er streckte seine Hand aus. »Gut«, sagte er schroff und fühlte sich dabei sehr unglücklich, »gib mir ein paar, ich bin nicht ängstlicher als du.« »Das kleine Mädchen wird schon nicht aufwachen«, sagte Waffi. »Es ist krank. Schau, es wirft sich herum und spricht im Schlaf. Hier, nimm noch ein paar! Sie sind schön reif und saftig.« Sie setzten sich auf den Boden und schoben die süßen blauen Früchte in den Mund. David fand, wenn er nun schon einmal mit dem Stehlen begonnen hatte, konnte er auch weitermachen. Die Trauben schmeckten sehr gut. Er überlegte, wer das kranke Kind wohl hiergelassen hatte. Fliegen krabbelten über seine Augen und Lippen. Doch David brauchte sich nicht lange den Kopf zu zerbrechen. Lumpi sprang plötzlich auf und begann zu bellen. Ein Einheimischer mit schwarzem Bart bog um die Ecke. Ihm folgte seine Frau, die ein Baby auf dem Rücken trug. Waffi sah den Mann rechtzeitig. Er war sein Leben lang davongerannt und ausgekniffen. Und das tat er auch jetzt. Er schoss mitten auf die Straße, fast in die Beine des Mannes hinein. Nur ein Windhund hätte es mit diesen flinken braunen Füßen aufnehmen können.

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Aber David kehrte den Ankommenden den Rücken zu. So hatte er noch kaum bemerkt, was vorging, als ihn eine harte Hand am Nacken packte. »Ich werde die Polizei auf dich hetzen«, schimpfte der Mann und drehte Davids Kopf zu sich herum. Gleichzeitig versetzte er dem kleinen schwarzen Hund einen wohl gezielten Fußtritt, sodass dieser wütend aufjaulte. Als er dann die erschrockenen blauen Augen sah, merkte der Mann, dass dies kein Kind seiner eigenen Rasse war, und wurde vorsichtiger. »Wer bist du?«, fragte er grob. »Der Sohn vom Doktor«, antwortete David zitternd. »Es tut mir leid, ich habe nur ein paar genommen.« Neugierde zeigte sich auf dem dunklen Gesicht des Mannes. Während er David noch festhielt, stieß er mit dem Fuß nach dem kleinen Mädchen. »Steh auf!«, rief er. Das Kind, das jetzt wach war, stöhnte nur. Es versuchte, den Kopf zu heben, aber er fiel ins Gras zurück. Die Frau blickte traurig drein und bückte sich zu der Kleinen hinunter. »Es geht nicht, Mann«, sagte sie. »Das Kind kann nicht gehen, und wir können es nicht tragen, zusammen mit dem Baby und den Trauben und den leeren Körben. Wenn du heute Abend noch ins Dorf kommen willst, musst du sie zurücklassen. Das Krankenhaustor ist schon geschlossen. Sie werden sagen, dass wir zu spät dran sind. Aber wenn das da der Sohn des Doktors ist, dann schick ihn zu seinem Vater, damit er das Kind aufnimmt. Es sind barmherzige Leute. Wenn sie es sehen, werden sie es tun.« »Ich will meinen Vater suchen«, sagte David eifrig. Er war heilfroh, dass er dadurch die Aufmerksamkeit des Mannes von sich weglenken konnte. »Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen den Weg.« »Gut«, sagte der Mann, der nach Hause wollte. »Du bleibst hier, Frau, und passt auf die Trauben auf, und du

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bringst mich zu deinem Vater. Ich werde nichts von den Trauben sagen. Aber wenn du mich im Stich lässt oder betrügst, rufe ich die Polizei.« Er hob das Mädchen auf und folgte David. Waffi war nirgendwo zu sehen. Das große Krankenhaustor war geschlossen, aber David kannte den Nebeneingang. Er musste auf jeden Fall seinen Vater erreichen. »Warten Sie hier«, sagte er zu dem Mann und deutete auf eine niedrige Steinstufe beim Tor. Dann rannte er durch den Garten und schlüpfte durch die Hintertür in die Klinik. Eine kleine Menschengruppe wartete noch auf die Untersuchung. Sein Vater würde wieder spät zum Essen kommen. »Papa!«, rief David, drängte sich durch die Kranken hindurch und erreichte den Tisch, an dem sein Vater saß. »Da ist ein krankes Mädchen, das du versorgen musst!« »Das wäre nicht das erste«, sagte sein Vater und unterbrach für einen Augenblick seine Arbeit, um seinen Sohn anzusehen. Davids Hemd war nass und schmutzig. Sein glattes Haar war zerzaust. Die Augen waren groß und sehr blau, und die Nase war mit Sommersprossen bedeckt. Eigentlich durfte er hier nicht herein, aber vielleicht war es etwas Wichtiges. »Wo hast du das Mädchen gefunden«, fragte der Vater, »und was fehlt ihm?« »Bei einem Zaun«, erklärte David, »und sie ist viel schlimmer krank als die Leute hier. Und ihr Vater hat sie getreten.« »Nun gut«, sagte der Arzt, »bring sie herein; ich werde sie anschauen.« David rannte davon. Nach ein paar Minuten war er mit dem Mann wieder da. Dieser war entschlossen, seine Last so bald wie möglich loszuwerden.

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»Sie hat nichts mit mir zu tun«, sagte er, indem er das Mädchen dem Doktor entgegenstreckte. »Ihre Eltern sind beide letztes Jahr an Typhus gestorben. Wo gibt es in dieser Welt einen Platz für ein buckliges Kind ohne Eltern? Niemand wollte sie haben, aber meine Frau hat sie aufgenommen, und sie hat ihr dafür im Haushalt geholfen. Heute ging sie mit uns zum Markt und trug zwei Körbe mit Trauben. Aber unterwegs wurde ihr schlecht. Ich konnte die Trauben nicht auch noch tragen und ließ das Mädchen damit bei einem Zaun zurück. Nachdem ich einen Sack Getreide gekauft hatte, kam ich zurück und fand sie in diesem Zustand vor. Wie könnten wir alles zusammen in unser Dorf tragen, sie und unser Baby, das Getreide, die Trauben und die leeren Körbe! Und überhaupt, sie gehört uns nicht, und wir wollen kein krankes Kind im Haus haben.« Er hielt das kleine Geschöpf weit von sich, als würde er es am liebsten fallen lassen. Der Arzt nahm ihm die Kleine vorsichtig ab und legte sie auf eine Liege. Sie war ganz still und schien weder zu hören noch zu bemerken, dass niemand sie haben wollte. Es war schwer zu sagen, wie alt sie war. Ihr verkrüppelter Körper war sehr klein, aber ihr Gesicht sah alt und eingefallen aus. David fühlte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte, als er sie betrachtete. Er wandte sich ab und lief aus dem Zimmer. Sie war jetzt in Sicherheit; sein Vater und die Krankenschwestern würden für sie sorgen. Die Mutter hielt schon Ausschau nach ihm, als er den Weg hinunterlief. »Du bist spät dran, David«, sagte sie. »Es ist schon mehr als eine Viertelstunde her, seit ich geläutet habe.« »Ich kann nichts dafür, Mama«, keuchte er. »Ich hatte ein Abenteuer. Ich fand ein armes, kleines, buckliges Mädchen, und es ist sehr krank. Niemand will es haben,

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und der Mann stieß mit dem Fuß nach ihm; da brachte ich es zu Vater. Glaubst du nicht, Mama, dass das Mädchen zu uns kommen und mit uns leben kann, wenn es ihm wieder besser geht? Niemand will es haben.« Die Mutter lächelte. »Ich werde das kleine Mädchen besuchen«, sagte sie. »Ich nehme an, irgendjemand wird sich um es kümmern. Wasch dir jetzt die Hände, wir wollen essen. Ist Vater bald fertig?« »Nein«, sagte David, »es sind noch viele Leute da. Mama, wir haben ein kleines, geheimnisvolles Boot gefunden. Es ist zwischen zwei Felsen angekettet. Glaubst du, es könnten Schmuggler sein?« »Ich nehme an, es ist ein Fischerboot«, sagte seine Mutter und band Ruth das Lätzchen um. »Komm und setz dich, David, wir wollen lieber nicht warten. Ja, Ruth, ich höre, aber iss erst deine Suppe und erzähl mir dann den Rest.« Ruth versuchte eine lange Geschichte zu erzählen von einer Katze, die ihre Jungen hinter den Mülltonnen großzog. Das war zwar ein ziemlich ungesunder Platz, wo die Kinder eigentlich nicht hingehen sollten. Aber jetzt war er für alle ein besonderer Anziehungspunkt geworden. David ließ sie plappern, während er schweigend aß. Er fühlte sich sehr unglücklich und allein. Peter war weg, und sie würden ihn ein ganzes Jahr lang nicht mehr sehen. Das war fast so lange wie ewig. Und dann das kleine Mädchen, das so still dalag und das niemand haben wollte. Aber das Schlimmste von allem war: Er hatte Trauben gestohlen und konnte es niemals jemandem erzählen! Vielleicht musste er sogar weiter stehlen, denn Waffi stahl gerne. Er würde ihn einen Feigling nennen, wenn er nicht mitmachte, und es allen anderen Jungen erzählen. David schob plötzlich seinen Teller weg.

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»Ich habe keinen Hunger mehr«, sagte er, »ich glaube, mir ist schlecht.« Während er das sagte, kam sein Vater nach Hause. »Nun«, fragte er, »wie war der Abschied von Peter?« Sie redeten weiter über Peter, und Ruth erzählte von den Katzen hinter der Mülltonne. Es war ihr egal, ob jemand zuhörte oder nicht. David stand auf und lehnte sich an Mutters Schulter. Niemand wunderte sich, dass er traurig war. Sie waren alle betrübt, weil Peter fort war. »Übrigens«, sagte seine Mutter schließlich, »David hat mir von einem kranken kleinen Mädchen erzählt. Was ist mit ihm los?« »Ich weiß noch nicht recht«, sagte Davids Vater. »Die Kleine ist in die Pflegestation aufgenommen worden. Ich werde sie nach dem Essen noch einmal besuchen. Sie ist sehr krank, mager und vernachlässigt. Ich weiß nicht, ob wir viel für sie tun können. Das Traurigste an der Sache ist, dass sie niemanden hat, wenn sie wieder gesund wird. Wo soll sie hingehen? Sie ist nur ein kleines Dienstmädchen.« Waffi tauchte nach dem Essen nicht mehr auf und auch nicht am nächsten Morgen. Das war auch gut so, denn David hatte allen Grund, wütend auf Waffi zu sein. Er hatte nicht nur gestohlen, sondern war noch dazu weggerannt und hatte David mit dem Mann allein gelassen. Aber das Leben war ziemlich langweilig ohne ihn und Peter. Keiner von Peters anderen Freunden war gekommen, um ihn abzuholen, und Ruth wollte nur mit ihren Puppen spielen oder die Katze mit den Jungen besuchen. Also baute er sich aus Bambusstäben ein Zelt im Garten. Aber allein machte das keinen rechten Spaß. So war David froh, als Waffis pfiffiges Gesicht gegen Sonnenuntergang am Gartentor erschien. Er war bereit, Vergangenes zu vergessen.

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»Ich kann nicht bleiben«, sagte Waffi. »Mein Vater hat mich zum Laden geschickt. Ich kriege es mit ihm zu tun, wenn ich nicht schnell wieder zurück bin. Aber heute Morgen ging ich früh zur Bucht hinunter. Das kleine Boot war weg. Es ist nicht am Tag fortgefahren. Ich habe es gestern von der Klippe aus den ganzen Abend beobachtet. Es fuhr in der Dunkelheit weg, David, ohne Lichter!« »Woher weißt du das?«, fragte David. »Hast du nicht geschlafen?« »O, ich bin wach geblieben und habe aus dem Fenster geschaut«, schwindelte Waffi. »Ich habe es meinem Vater erzählt, und er sagte, ich solle das kleine Boot beobachten. Also, David, wir müssen jeden Tag hingehen. Bitte deine Mutter, dass sie morgen mit uns zum Berg hinauffährt, damit wir uns Angelruten machen können. Wenn wir an den Strand gehen und so tun, als würden wir dort an der Ecke angeln, merkt man nicht, dass wir die Bucht beobachten.« David war beeindruckt. Dies war ein richtiges Abenteuer, und sein Herz erwärmte sich für Waffi. »Gut«, sagte er, »ich werde meine Mutter darum bitten. Komm morgen nach dem Frühstück zu uns.« »Ich komme«, sagte Waffi und verschwand eilig durch das Gartentürchen. David saß am Eingang seines Zeltes und schaute übers Meer. Lumpi hatte den Kopf auf seine Füße gelegt. Zu seiner Linken, wo die Küste in den Ozean hineinragte, stand der Himmel in Flammen. Dann verblichen die rosigen Wolken, und es begann dunkel zu werden. Ein heller Stern strahlte über der Landspitze auf. Nur einer! Je dunkler der Himmel wurde, desto heller leuchtete er. Bald würden andere dazukommen. ›Wenn nur Waffi nicht so ein schlimmer Junge wäre‹, dachte David. Er wollte so gerne tun, was Gott gefiel, und wie ein Stern am schwarzen Himmel

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