Hermann Grabe/ Dietmar Fink/Wolfgang BĂźhne
Brief an einen Atheisten
Christliche Literatur-Verbreitung e.V. Postfach 11 01 35 ¡ 33661 Bielefeld
1. Auflage 2000 2. überarbeitete Auflage 2007 © 2000 by CLV Christliche Literatur–Verbreitung Postfach 110135 • 33661 Bielefeld Internet: www.clv.de Satz und Umschlaggestaltung: CLV Titelfoto: Tatiana Morozova (www.dreamstime.com) ISBN 978-3-89397-439-9
Brief an einen Atheisten Sie sind also Atheist? Das heißt doch wohl, Sie können sich nicht auf den Gedanken einlassen, dass ein überragender Geist alles Sichtbare erschaffen hat – oder Sie wollen das vielleicht nicht einmal. Für Sie müssen dann Stoff, Energie, Zeit und Raum die einzig existierenden Wirklichkeiten sein. Aber auch Sie müssen daran glauben, dass das wirklich alles ist, und auch daran, dass es keine anderen Ursachen als Urknall und Zufall gibt; denn definitiv sicher können Sie sich darüber nicht sein, weil niemand dabei war und es auch keiner – etwa im Labor – wiederholen könnte. Nur aus Indizien, die ja unterschiedlich interpretiert werden können, schließen Sie, dass der Urknall, unzählige Zufälle und sich daraus ergebende Notwendigkeiten die Ursache für alles Vorhandene, Sie selbst eingeschlossen, gewesen sind. 5
Dass der Beginn des Universums nach völlig anderen und uns zwangsläufig und aus theoretischen Gründen unbekannten Gesetzen verlief, sehen Sie sicher ein. Nach den heute gültigen Gesetzen der Thermodynamik entsteht nämlich keine neue Energie mehr und die vorhandenen energetischen Ungleichgewichte verschwinden immer mehr – bis hin zum Wärme- (oder Kälte-)Tod des Universums, bei dem sich gar nichts mehr bewegen wird. Damals wurde sozusagen die Uhr aufgezogen, jetzt läuft sie ab. Wollen wir einmal ganz offen miteinander reden? Mir läge viel daran. Wir Menschen müssen alle zugeben, dass uns der Mechanismus der Weltentstehung und -entfaltung mit seinen milliardenfachen Abhängigkeiten und Verknüpfungen immer ein Rätsel bleiben wird. Dem klügsten Menschen geht es mit seiner Erkenntnis 6
nach dem Bild, das Augustinus gebrauchte. Er sagte, sein Wissen gleiche dem Löffel voll Wasser angesichts des Ozeans. Da helfen auch nicht die alle paar Jahre neu erdachten Kosmogonien (Weltentstehungsentwürfe). Sie verraten eher etwas über unser Unwissen, über unser Stochern im Nebel. Warum wollen die Menschen Gott los sein? Wenn Sie nun noch einen entscheidenden Schritt mit mir weitergehen mögen, werden Sie sicher auch zugeben, dass der Motor hinter all diesem Forschen nach dem Anfang in dem menschlichen Wunsch nach Unabhängigkeit liegt. Man hasst den Gedanken, einem allwissenden Geist Rechenschaft schuldig zu sein. Darum versucht man alles Mögliche, um »die Hypothese Gott« überflüssig zu machen. Es ist ein uralter Menschheitstraum, selbst Gott zu 7
sein und sich niemandem gegenüber verantwortlich zu fühlen, sondern ungestraft seinen Neigungen folgen zu können. Hinzu kommt das ungute Gefühl, oft gegen besseres Wissen (wie das auch immer entstanden sein mag) gehandelt zu haben. Wie unangenehm wäre es, sich vor einer absolut gerechten Instanz verantworten zu müssen! Also – wo sind die Indizien, die mich beruhigen könnten? Her damit! Und davon gibt es tatsächlich eine Menge, vorausgesetzt, man schließt von vornherein kategorisch aus, dass sie etwas anderes beweisen dürfen, als was man bewiesen haben möchte. Es mag ja ein schöner Traum sein, sich endlich von einem allmächtigen Gott mitsamt seinen Zehn Geboten emanzipiert zu haben. Doch um welchen Preis! Ich will ein Beispiel nennen: Korruption ist ein Krebsgeschwür für jede Volkswirtschaft. Wer wüsste das nicht? Aber 8
wenn statt der Zehn Gebote nur noch die eine Regel gilt: »Du sollst dich nicht erwischen lassen!«, nehmen sich die Leute – weil kein Kontrolleur mehr da ist – in immer stärkerem Maß die Freiheit heraus, die Allgemeinheit zu betrügen und zu bestehlen. Dem Staat gehen entscheidende Einnahmen verloren, und er muss ein Heer von Aufpassern bezahlen, auf deren Loyalität er auch nicht allzu viele Hoffnungen setzen darf. Das führt am Ende zwangsläufig zum Chaos oder in die Diktatur, wovon wir viele Beispiele kennen. Wenn die Atheisten weiterhin gut leben wollen, müssten sie auf Leute rechnen, die sich an Gottes Gebote halten. Oder anders ausgedrückt: Sie können in einer freiheitlichen Demokratie nur so lange existieren, wie es noch genügend Leute gibt, die Gottes Weisungen wenigstens inhaltlich für verbindlich ansehen. 9
Das aber klingt irgendwie ungereimt, zumindest muss es das Ehrgefühl eines Atheisten beleidigen, obwohl es unabweislich ist. Es wird mit harten Bandagen gekämpft Um auf die Motive zurückzukommen: Man spricht also von Naturwissenschaft und verfolgt in Wirklichkeit einen spirituellen Zweck. Man macht Experimente im Labor und will damit etwas Geistliches erreichen, nämlich den wasserdichten Beweis, dass es Gott nicht gibt, dass alles von allein gekommen ist. Sie werden vielleicht empört behaupten, so etwas käme doch in der streng wissenschaftlichen Forschung nicht vor: Dergleichen machen nur Scharlatane. Leider würde ich darauf antworten müssen, dass die Unterdrückung oder das Verschweigen oder gar 10
das absichtliche Fälschen viel häufiger praktiziert wird, als uns Laien gemeinhin klar ist. Ich nenne nur zwei Beispiele: 1. alle folgenden Funde »vormenschlicher Skelettteile«: Peking-, Java-, Nebraska- und Piltdownmensch haben sich entweder als Irrtum oder als Fälschung herausgestellt. 2. Die von E. Haeckel »entdeckte« »biogenetische Grundregel« war reine Fälschung. Er hatte die Embryonen mehrerer Wirbeltiere und des Menschen in eine Reihe gezeichnet. Alle sahen sich ziemlich ähnlich. In Wirklichkeit sind sie völlig verschieden. Das weiß man seit Jahrzehnten; aber immer noch gibt es Schulbücher, die anhand dieser »Regel« und mit diesen Bildern die Evolution zu beweisen suchen. Auch die Altersbestimmungen der Erdschichten mitsamt den darin enthaltenen 11
Fossilien sind eine fragwürdige Angelegenheit. Den Laien wird viel von radiometrischen Messungen erzählt, weil das sehr seriös klingt. In Wahrheit aber hat man am grünen Tisch das Alter der Erde festgelegt, ein sehr hohes Alter, damit die Evolution eine Chance erhielt, natürlich nicht, ohne eine physikalische Begründung zu benennen, versteht sich; aber zu einem anderen Zweck hätte sich auch eine ganz andere Begründung finden lassen. Stimmt nun die radiometrische Messung mit dem aufgrund des Fossilienbefunds angenommenen Alter der Gesteine überein, gilt sie als Bestätigung. Liegt sie daneben, erkennt man sie einfach nicht an und weist auf die Möglichkeiten der Verfälschung des Ergebnisses hin. So stimmt die Sache immer. Jeden Tag, wirklich jeden Tag, werden weltweit mehrere Millionen Dollar ausgegeben, um Beweise für die Selbstentfaltung der stofflichen 12
Welt zu suchen. Was könnte mit diesem Geld gegen den Hunger und gegen die Umweltverwüstung im weitesten Sinne getan werden! Stattdessen haben die bisher gefundenen Ergebnisse noch für keinen Wissenszweig greifbaren Gewinn gebracht. Man behauptet zwar das Gegenteil, sieht man aber genauer hin, so handelt es sich bei auswertbaren Ergebnissen immer um Forschungen im Bereich der »Mikroevolution«, also der Veränderbarkeit innerhalb der Grenzen einer Tier- oder Pflanzenart. Darum haben sich Züchter zu allen Zeiten bemüht und deren scharfe Grenzen zur Kenntnis nehmen müssen. Auf diesem Gebiet folgt alles den Mendelschen Gesetzen, denen man immer genauer auf die Spur kommt. Das hat aber nichts mit der von Darwin postulierten Makroevolution zu tun, also mit der Entwicklung von der Amöbe zum Evolutionsforscher. Charles Darwin hat den Atheisten tatsächlich die schärfste Munition geliefert; aber 13
auch seine Theorie kommt immer mehr in Bedrängnis. Weil er damals noch die lebendigen Zellen mehr oder weniger für kleine Schleimkügelchen halten mochte, war ihm die Hoffnung eventuell zu verzeihen, diese seien irgendwie in der »Ursuppe« von allein entstanden. Heute aber, wo wir wissen, dass jede Zelle den Organisationsgrad einer größeren chemischen Fabrik aufweist, müsste diese Hoffnung bei allen auf null gesunken sein. Für Darwin war die Zelle noch eine »Black Box«. Heute ist sie weit geöffnet, und die Wahrscheinlichkeit ihrer Spontanentstehung liegt bei weniger als 10-100. Zahlen unter 10-40 nennt man Synonyme für null. Information, eine Dimension für sich Mögen Sie noch weiterlesen? Mich würde es freuen. Jetzt will ich Sie nämlich auf ein ganz anderes Phänomen hinweisen, das der Information. Sie muss für Materialisten ei14
gentlich sehr unverdauliche Kost darstellen (Materialismus besagt, dass es außer Stoff, Energie, Raum und Zeit nichts gibt). Information existiert aber, und das in unvorstellbarer Menge und Verschiedenheit, was aber ist sie? Sie »reitet« zwar auf Stoff und Energie in Form von Telefonleitungen und Schallwellen und befindet sich in Raum und Zeit; aber sie gehört zu diesem allen nicht. Was ist sie aber dann? Außerdem kann niemand folgendem Satz widersprechen: Zur Information gehören in jedem Fall ein Sender, ein Empfänger und ein von beiden verstandener Code. Wenn das richtig ist, muss man fragen dürfen, wer der Sender für den Code des Lebens ist, der in der DNS aller Lebewesen gespeichert wurde und alle Wesensäußerungen steuert. Sie sagen vielleicht, die DNS habe sich entwickelt; aber das käme dem Glauben gleich, aus herumliegenden, leicht vergänglichen 15
Buchstaben würde sich von selbst ein hundertbändiges, sinnvolles Lexikon bilden. Selbst bei dauerhaften Buchstaben wären eine Milliarde Jahre viel zu wenig dafür. Aminosäuren aber zersetzen sich schnell, und somit spielt der Zeitfaktor überhaupt keine Rolle. Da Sie ein netter Atheist sind, was ich daraus schließe, dass Sie meinen Brief bis hierher gelesen haben, bin ich mutig genug, Ihnen zu verraten, was die meisten Ihrer Kollegen tun, wenn man so auf sie einzureden versucht: Entweder sie mauern oder laufen fort, oder sie gehen zum Gegenangriff über und sprechen unsereinem jegliche Kompetenz ab. Neuerdings benutzt man das Totschlagwort »Fundamentalist« und nimmt billigend in Kauf, dass die Zuhörer sofort denken: »Aha, so gefährliche Leute sind die an Gott Glaubenden also!« Denn die Assoziation zu Sprengstoffgürteln liegt bei diesem Wort ja 16
nahe. Im Übrigen weichen Evolutionsvertreter der Diskussion mit schöpfungsgläubigen Wissenschaftlern heutzutage aus, so gut sie können. Die Beweise für die Unmöglichkeit der Theorie von der Selbstorganisation der Lebewesen sind mittlerweile so erdrückend geworden, dass man nur noch mit Polemik und Spott agiert oder sich in den Elfenbeinturm der Wissenschaft zurückzieht und über die vom Establishment beherrschten Medien weiter das alte Lied singt. Auf diese Weise behalten die Materialisten heute trotzdem meistens die »Lufthoheit«, eben weil die Menschheit insgesamt sehr gern hört, dass die Sache mit Gott Unsinn ist, selbst zu dem Preis, den ärgsten Nihilismus, die völlige Sinnlosigkeit, dafür in Kauf nehmen zu müssen. Aber ehrlich, wäre es nicht tausendmal besser, einem Gott zu vertrauen, der das Schicksal an der Leine hat und der will, dass wir alle in Ewigkeit bestens aufgehoben sind? 17
Stattdessen handelt man sich ein, dass alle Leiden und alles Bangen, alles Versagen und aller Schmerz nur dazu erfahren werden, um uns die zufällig erlebten Jahre unglücklich zu machen, und dann kommt gar nichts mehr, auch keinerlei Gerechtigkeit bei all dem schreienden Unrecht, das die Mehrheit der Menschen erleidet. Ich finde das einfach zu scheußlich, um daran zu denken. Was wissen wir von Gott? Wir als Geschöpfe wissen natürlich von dem Schöpfer nichts außer dem, was er uns von sich mitgeteilt hat. Und das hat er auf zwei Weisen getan: Seine Weisheit und Macht offenbart er uns in der Schöpfung. Er erfand den Code des Lebens und schuf alles Lebendige, das diesen Code nicht nur lesen, sondern auch dessen Anweisungen folgen kann. Nur so existieren wir. Auch viele Atheisten geben zu, dass alles ringsumher nach Plan 18
und Zielgerichtetheit aussieht, sie fügen aber gleich hinzu, dass dies nur scheinbar so ist; in Wirklichkeit herrscht nach ihrer Meinung nur der Zufall, das Chaos. Dabei ist man sehr inkonsequent; denn der primitivste Faustkeil gilt auch bei ihnen als der unwiderlegbare Beweis für zielgerichtetes, intelligentes Handeln. Die Photosynthese aber mit ihrer von Menschen unerreichten Effizienz oder den für uns Menschen so günstigen Abstand der Erde von der Sonne betrachtet man als Zufallsprodukt. Ist ein Faustkeil wirklich beeindruckender als ein funktionierender Sehapparat, um ein anderes Beispiel zu nennen? Ja, heißt es, die lebendigen Systeme enthalten ein Selbstbauprogramm, der Faustkeil nicht. Dann betrachtet man also das zusätzliche Selbstbauprogramm als Minuspunkt, als Beweis für Sinnlosigkeit? Die andere Offenbarung Gottes geschah durch seinen Geist, mit dem er einige Men19
schen so begabte, dass sie Gottes Gedanken aufschreiben konnten. Wir finden sie in der Bibel. – Ich weiß, das ist die dickste Kröte, die ich Ihnen bisher zu schlucken gab; aber wenn Sie ruhig überlegen, muss es Ihnen doch zu denken geben, dass kein Buch der Erde so oft gedruckt und so weit verbreitet wurde wie die Bibel. Aber auch kein Buch wurde so sehr bekämpft, so oft verbrannt und gelästert wie die Bibel. Es ist, als fürchte ein unsichtbarer Feind ihre Gewalt und setze alles daran, die Menschen vor ihrer Botschaft abzuschirmen. Tatsächlich sprechen die Bibel und alle Erfahrung davon, dass diese Welt in die Gewalt einer bösen Macht geraten ist, die nichts als Zerstörung und Zerrüttung im Schilde führt. Alle Bemühungen zur Völkerverständigung scheitern immer wieder auf uns unerklärliche Weise, und trotz aller Aufgeklärtheit wird jedes Jahrhundert blutiger als das vorhergehende. Das lässt für jeden, Christen 20
wie auch Atheisten, Schlimmes für das 21. Jahrhundert befürchten. Die Bibel nennt diese Macht den Teufel. Man kann darüber lachen – bis es zu spät ist, oder man kann sich zu Gott um Hilfe wenden, je nach Stolz und Klugheit. Die Bibel hat aber auch weit mehr als jedes andere Buch Millionen von Menschen Trost und Licht und Kraft gegeben, sodass viele Menschen dafür sogar den Märtyrertod erduldeten. Außerdem wurde durch dieses Buch ein in der ganzen Welt sonst unbekanntes Engagement auf vielen sozialen Gebieten in Gang gesetzt. Ich weiß, man hängt dem Christentum Kolonialismus, Sklavenhandel, Kreuzzüge, Manchestertum und andere Abscheulichkeiten an; aber dies alles wurde nicht der Bibel entnommen und auch nicht von wahren Nachfolgern Jesu Christi ausgeübt. 21
Und damit habe ich den Namen genannt, um den sich die ganze Bibel dreht: Jesus Christus. Er wird Gottes Sohn genannt, aber auch als Gott selbst beschrieben. Wozu war sein Kommen nötig? Nachdem die Menschen von Gott abgefallen waren, hatten sie schnell gezeigt, dass sie nicht in der Lage waren, zu ihm zurückzukehren oder seinen Geboten zu folgen. Auch untereinander waren sie nur selten zu einem ersprießlichen Zusammenleben fähig. Und alles Ermahnen und Predigen half nichts. Die Menschen wählten sich Anführer, unter deren Leitung sie sich an anderen bereichern konnten, sie erhoben einige aus ihren Reihen sogar zu Göttern und bevölkerten damit ihre Fantasiehimmel. Diese »Götter« waren natürlich genauso listig, gewalttätig, lüstern und untreu wie ihre Erfinder. Als der Schaden ganz und gar verzweifelt und die 22
Finsternis nahezu undurchdringlich geworden war, schritt Gott ein und – so heißt es in der Bibel – sandte seinen Sohn. Rudimentäre Erinnerungen an dieses Ereignis klingen bei einigen noch zur Weihnachtszeit an. Jesus Christus zeigte nun, wie Gott wirklich ist. Er ist nicht der Gott der Evolution, der mit Hilfe von Fressen und Gefressenwerden alles entstehen ließ. Nicht der Stärkste, der Brutalste und Schlaueste ist bei ihm der Sieger, wie Darwin uns lehrt, sondern der, der in der Gesinnung Jesu Christi auf Gott vertraut. Jesus Christus sagt von sich selbst: »Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.« Wären das die vorherrschenden Eigenschaften der Menschen, gäbe es weder im Kleinen noch im Großen Ungerechtigkeit, Jammer und Krieg. Wenn Sie es auch nicht zugeben werden, tief in Ihrem Innern ist Ihnen klar, dass die Se23
ligpreisungen der Bergpredigt (Anfang von Matthäus 5) ein besserer Weg zum Glück der Menschen wären, als auf die Durchsetzungskraft oder auch auf die Vernunft des Menschen zu setzen. Wie kommt es eigentlich, dass die menschliche Vernunft wohl die Atombomben, aber keinen Frieden schaffen kann, obwohl Letzteres doch mit weniger Intelligenz zu erreichen sein müsste? Wie kommt es, dass Friedrich der Große noch als Kronprinz seinen »Antimacchiavell« schrieb, um gleich in seinem ersten Regierungsjahr das Gegenteil von dem zu tun, worüber er schrieb, nämlich einen Krieg um Schlesien, um Macht und Besitz, vom Zaun zu brechen? Seit der Aufklärungszeit hat man der Vernunft den höchsten Platz eingeräumt und gemeint, sie werde am Ende alle Probleme lösen. Während der Französischen Revo24
lution hatte man sie sogar zur Göttin erhoben und ihr in der Pariser Notre-Dame einen Thron errichtet, während draußen die Guillotine wütete. Man übersah völlig, dass Christus nicht auf die Erde kommen musste, um der Vernunft auf den rechten Weg zu helfen. Diese war nämlich gar nicht die Herrin, der man folgen wollte, vielmehr war sie zu einer elenden Sklavin der Selbstsucht verkommen und bot und bietet heute noch dem Eigennutz und der Selbstherrlichkeit in schamlos untertäniger Weise ihre Dienste an. Das durchschauen leider die wenigsten. Die Bibel nennt diese verkorkste Situation »wir sind unter die Sünde verkauft«. Und unter »Sünde« versteht sie, dass wir auf ganzer Linie das von Gott gesteckte Ziel verfehlt haben. Zwischen uns und dem heiligen, gerechten Gott klafft ein ungeheurer Graben, den wir von uns aus nie überwinden können. Leider sind wir Menschen sogar dahin 25
gekommen, nicht einmal mehr das Bedürfnis danach zu haben. Und selbst wenn wir es wollten, was hätten gottlose Menschen in der Hand, um von sich aus besser zu werden, oder um Gott zu gefallen? An was könnten sie sich aus dem Sumpf des eigenen Versagens ziehen, als nur an dem eigenen Haarschopf; doch das gelang nur dem Lügenbaron von Münchhausen. Nein, da musste jemand für unsere Schuld bezahlen, und das tat Christus. Sein unermessliches, göttliches Leben gab er dran, um das Leben aller Menschen freizukaufen, die ihn darum bitten. Jetzt werde ich ganz praktisch Mein lieber Freund – so möchte ich Sie fast schon nennen, nachdem Sie mir so lange zugehört haben –, nun möchte ich Ihnen erzählen, wie ich es selbst gemacht habe. Atheist im eigentlichen Sinn bin ich nie gewesen, davor hat mich mein Elternhaus be26