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C. H. Spurgeon

Heilig dem Herrn

Christliche Literatur-Verbreitung e.V. Postfach 11 01 35 ¡ 33661 Bielefeld ďœł


. Auflage 1987 (Taschenbuch) . Auflage 1998 (Hardcover) © 1987 by CLV · Christliche Literatur-Verbreitung Postfach    ·  Bielefeld bearbeitet von Wolfgang Bühne Umschlag und Satz: CLV Druck und Bindung: Graphische Großbetriebe Pössneck ISBN ---


Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Auf welcher Seite stehst du? . . . . . . . . . . . . .



Der große Ansporn, Nachahmer Gottes zu sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .



Lichter in der Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . .



Die Wichtigkeit der »kleinen Dinge« . . . . . .



Wiedergeburt durch die Taufe? . . . . . . . . . .



Eine Ansprache für traurige Zeiten . . . . . . .





Vorwort Der bekannte Erweckungsprediger C. H. Spurgeon ( – ) hat uns eine Fülle origineller und kraftvoller Predigten hinterlassen. Nachdem er als knapp sechzehnjähriger Junge seine Bekehrung erlebte, predigte er etwa  Jahre lang mit großer Freude und Vollmacht das Wort Gottes einer stets wachsenden Zuhörerschaft. Waren es zuerst die Kinder seiner Sonntagschule, so zählten bald die Bauern aus den umliegenden Dörfern zu seinen Zuhörern, die mit ihren Frauen diesem feurigen und schlagfertigen »Boypreacher« erstaunt und ergriffen an den Lippen hingen. Wenige Monate später war der junge Spurgeon bereits Prediger der Baptisten-Kapelle in Waterbeach, die sich bald mit über  Besuchern füllte. Mit zwanzig Jahren trat er dann seinen Dienst in der New-ParkStreet-Gemeinde in London an, die darauf einen derartigen Zulauf bekam, dass man die größten Hallen Londons mieten musste, bis endlich  das »Metropolitan Tabernakel« eingeweiht wurde, das etwa  Besuchern Platz bot und bis zum Lebensende seine Kanzel blieb. Wir können sehr dankbar sein, dass bereits  die Predigten Spurgeons wöchentlich gedruckt wurden, sodass fast alle Predigten aus den vier Jahrzehnten seines gesegneten Dienstes erhalten geblieben sind. Aus der Fülle dieser Predigten wurden für das vor


liegende Buch einige ausgewählt, die vor allem das Thema »Heiligung« behandeln und mir für die heutige Zeit besonders wichtig und aktuell erscheinen. Unter ihnen ist die wohl berühmteste Predigt Spurgeons über das Thema »Taufwiedergeburt«, mit welcher er der Kirche von England den Fehdehandschuh hinwarf und für eine Sensation und Auseinandersetzung von beispielloser Heftigkeit sorgte. Doch Spurgeon wusste sich von seinem Herrn beauftragt und man staunt, mit welchem Verantwortungsbewusstsein der gerade dreißigjährige Prediger diese Botschaft einleitet: »Wenn ich dadurch, dass ich ausspreche, was ich als die Wahrheit glaube, die Freundschaft etlicher verlieren und die Feindschaft bei anderen erregen sollte, so kann ich dem nicht abhelfen. Die Last des Herrn ist auf mir und ich muss meine Seele frei machen. Ich habe lange genug damit zurückgehalten, aber das überwältigende Gefühl von meiner heiligen Pflicht zwingt mich jetzt dazu. Da ich bald vor den Schranken meines Meisters erscheinen muss, will ich heute auf jede Gefahr hin mein Zeugnis für die Wahrheit ablegen. Wenn es sein muss, will ich mich damit zufrieden geben, als böse verworfen zu werden, aber ich kann und darf nicht schweigen.« Spurgeons segensreicher Einfluss ist sicher zum großen Teil in seiner Gottesfurcht und Aufrichtigkeit begründet, die auch seinen Gegnern Respekt abnötigte. Seine Predigten waren ungekünstelt, direkt und unmissverständlich, sodass sie von Menschen aller Bildungsschichten verstanden wurden. 


Dass sein Anliegen über  Jahre nach seinem Tod nichts an Aktualität eingebüßt hat, macht folgende Bemerkung deutlich: »Wir bedürfen wieder eines Luthers, der den Menschen in nicht misszuverstehenden und bekannten Ausdrücken die Wahrheit sagt. In letzter Zeit hat sich Samt um den Mund vieler Prediger gelegt; aber wir müssen die weiche Kleidung ablegen und es muss die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesprochen werden.« Möge Gott die Botschaften dieses Mannes benutzen, um das Volk Gottes in dieser letzten Zeit aus aller Kompromissbereitschaft, Lauheit und Weltförmigkeit wachzurütteln und zum entschiedenen Glaubensgehorsam zu erwecken. Wolfgang Bühne


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Auf welcher Seite stehst du? »Da trat Mose in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer für den Herrn ist!« . Mose , Bevor ich auf diese sehr persönliche und praktische Frage eingehe, bitte ich euch daran zu denken, wer der Mann war, der sie stellte. Es war Mose, der diese Frage stellte und er richtete sie an Israel, als die Sünde im Lager üppig wucherte. Es ist gut, daran zu denken, dass er dort als einzelner Mann stand, der einzige Streiter Gottes, und das ganze Volk vor die Entscheidung stellte, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Sein eigener Bruder hatte ihn verlassen und das goldene Kalb gemacht. Von den siebenzig Ältesten, die ihm zur Seite stehen sollten, war keiner bei ihm. Mit Ausnahme von Josua stand er allein inmitten der Menge, gerade als sie von ihren lüsternen Vergnügungen und dem fanatischen Götzendienst berauscht waren. Er war der Aufgabe gewachsen. Ohne irgendwie an seine eigene Sicherheit zu denken, unerschrocken, tapfer und kühn, wirft er ihren Götzen nieder, lässt ihn zu Pulver zermalmen und in das Wasser schütten, welches das Volk trinken soll. Ihr bewundert seinen Mut, ihr staunt über seine außerordentliche Autorität und fragt nach dem Geheimnis solcher Vollmacht. Mose muss eine gebietende, königliche Würde gehabt haben, weit höher als 


die, welche Geburt oder Amt verleihen. Wisst ihr nicht, woher diese Majestät kam? Er war vierzig Tage lang allein mit Gott gewesen. Himmlische Gemeinschaft macht einen Menschen stark. Er war in dem Verborgenen des Allerhöchsten gewesen: er hatte mit Gott von Angesicht zu Angesicht geredet, wie ein Mann mit seinem Freund redet, und es war nicht wahrscheinlich, dass er das Antlitz der Menschen fürchtete, nachdem er das Antlitz Gottes gesehen hatte. Er war mit dem Erhabenen vertraut, und als er hinabstieg zu der unendlichen Kleinheit der Menschen, die es gewagt hatten, die Herrlichkeit Gottes mit dem Bild eines Ochsen zu vergleichen, der Gras frisst, da hatte er eine göttliche Würde, vor der alle zitterten und sich furchtsam wegschlichen. Mose war auch ein Mann des Gebets. Er hatte die Hand des Allmächtigen droben auf der Spitze des Berges aufgehalten, bis Gott selber sagte: »Lass ab von mir.« So wunderbar es scheinen mag, der Mann Mose hatte durch seinen heiligen Glauben Gott zurückgehalten. Seid gewiss, dass der, welcher Macht bei Gott hat, auch bei Menschen Macht haben wird. Wenn wir Macht bei Gott für die Menschen haben, so werden wir Macht bei den Menschen für Gott haben. Was gibt es, das der nicht zu besiegen vermag, der den Himmel durch Gebet überwinden kann? Da stand Mose, wie ein einsamer Felsen inmitten der stürmischen See. Der Tumult des Volkes raste um ihn her, aber er stand fest und unbeweglich. Alle die geheimen und verborgenen Anhänger der Gottseligkeit, welche noch im Lager waren, sammelten sich auf 


seinen Ruf, und der eine Mann rettete die Sache. So ist es in der Geschichte nicht ein- oder zweimal, sondern oftmals gewesen. Ein einziger entschiedener Mann, voll von dem Geist Gottes, hat der ganzen Masse des Volkes die Stirn geboten, sich dem reißenden Strom volkstümlichen Vorurteils entgegen gestemmt und nicht nur die Strömung aufgehalten, sondern sie in die entgegengesetzte Richtung gebracht, wie Mose es tat. Nachdem er mit der Kraft Gottes umgürtet war und gelernt hatte, in der Höhe zu weilen, wurde er der heldenmütige Führer einer Schar ernster Seelen. Brüder und Schwestern, wir brauchen in unseren Tagen Männer und Frauen von festen Grundsätzen. Wir benötigen Menschen mit erleuchtetem Geist und entschlossenem Willen. Männer, die wissen, was Recht ist, und nicht davon abweichen wollen, selbst wenn sie ihr Leben dabei wagen, fehlen heute sehr. Wir haben nicht einen oder zwei, sondern viele feste Männer nötig, die, wenn sie ihren Fuß niedersetzen, da zu bleiben gedenken und nicht von ihrem Standpunkt vertrieben werden können. Wenn einige von euch danach streben, die eigenen Familien zu leiten und die mit euch in Verbindung Stehenden in rechter Weise zu beeinflussen, so müsst ihr persönliche Seelenstärke besitzen von der rechten Art, und müsst sie da gewinnen, wo Mose seine Kraft erhielt. Solche Menschen müssen viel allein mit Gott und mächtig auf ihren Knien sein. Tretet der gottlosen Welt mit einem Antlitz gegenüber, das vom Licht Gottes glänzt. Verbindung mit dem Himmel muss euch göttliche Hilfe ge


ben, damit ihr nicht vom Bösen überwunden werdet, sondern das Böse mit Gutem überwindet. So viel über Mose. Gott mache uns ihm ähnlich. Lasst uns nun Moses Frage und Befehl betrachten: »Her zu mir, wer für den Herrn ist!« Ich meine, hier drei wichtige Punkte zu sehen. Der erste ist Entscheidung – der Mann muss auf der Seite des Herrn sein. Zweitens ist hier Bekenntnis: »Her zu mir!« Wenn er auf des Herrn Seite ist, so soll er sich nicht in sein Zelt wegschleichen, sondern dem Gegner die Stirn bieten. Und drittens ist hier Hingabe, denn die, welche auf des Herrn Seite waren, sollten zu Mose kommen, um des Herrn Willen zu tun und den Kampf des Herrn auf jede Gefahr hin zu kämpfen.

Die wichtigste Entscheidung Es handelt sich um eine Entscheidung über die höchste und wichtigste Sache, die je einem Menschen vorgelegt werden kann. Hier sind zwei Lager: Gott und Satan, Wahrheit und Lüge, Heiligkeit und Sünde. Auf welcher Seite stehen wir? Wenn ich einen Menschen gleichsam pendeln sehe zwischen beiden Heeren und höre ihn zu sich selber sprechen: »Welches von beiden soll mein Herz haben? Welches soll über meine Dienste befehlen?«, so fühle ich, dass er in einer Stellung verweilt, die zur gleichen Zeit gefährlich und erhaben ist, denn welche Wahl er auch trifft, es gilt für die Ewigkeit; es ist entweder der Himmel mit all seinen Herrlichkeiten oder die Hölle mit all ihren Schrecken. 


Ob ein Mensch sich für Gott oder für Gottes Feinde entscheidet, das ist für ihn entweder die Verwandtschaft mit Engeln oder das Bündnis mit Teufeln. Es ist für ihn entweder das weiße Gewand und die ewigen Gesänge anbetenden Preises oder die schwarze Finsternis und das immer währende Wehgeschrei endlosen Jammers. Deshalb wird ein Mensch in eine sehr ernste Lage versetzt, wenn diese Frage an ihn gerichtet wird: »Bist du auf Gottes Seite oder bist du sein Feind?« Ihr benötigt in dieser Angelegenheit all euren Verstand und eure Einsicht, um diese Sache mit aller Ruhe und Überlegung zu richten und zu entscheiden. Es sollte aber auch mit aller Feierlichkeit des Entschlusses und mit aller Unerschütterlichkeit des Vorsatzes geschehen, sodass ihr, wenn ihr einmal eure Wahl getroffen habt, durch die leitende Gnade Gottes, bei dieser Wahl für alle Zeit bleibt. Sind hier einige, die diesen Punkt noch nicht entschieden haben? Wenn der Ruf erschallt: »Wer ist für den Herrn?«, sind einige von euch gezwungen zu sagen: »Ich habe mich noch nicht entschlossen.« Es wird Zeit, dass ihr es tut, denn es ist etwas Entsetzliches, wenn ein Mann, wie ich sagte, in der Mitte zwischen Gott und dem Teufel steht, zwischen Christus und Belial, zwischen Himmel und Hölle, denn, ob er es weiß oder nicht, der Mittelplatz, den er einzunehmen glaubt, ist in Wirklichkeit auf der falschen Seite. So beurteilt unser Herr Jesus ihn: »Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.« Diese Entscheidung, liebe Freunde, so wichtig sie auch ist, sollte so früh wie möglich getroffen werden. 


Es ist keine Sache, die wir in der Waagschale und in der Schwebe hängen lassen dürfen. O, dass junge Leute hieran denken möchten, und nicht den besten Teil ihres Lebens im Hinken zwischen zwei Meinungen vergeuden! Als Agesilaus an die Grenzen von Macedonien kam, sandte er die lakonische Botschaft: »Als Freunde oder als Feinde?« Die Antwort war: »Wir müssen eine Weile warten und beratschlagen.« Seine Erwiderung lautete: »Während ihr beratschlagt, marschieren wir.« Glücklich ist der junge Mann, der zu anderen sagen kann: »Während ihr überlegt, habe ich mich entschieden; während ihr zaudert, bin ich vorwärts gegangen und habe Gott mein Herz gegeben. Während ihr den Umständen nachgebt, habe ich schon den Kampf mit Sünde, Tod und Hölle begonnen; während ihr die Kosten überschlagt, habe ich schon die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens geachtet.« Glücklich der, welcher zuerst den Rubicon der Entscheidung überschreitet, sein Schwert gegen die Sünde zieht und die Scheide wegwirft, auf dass er niemals einen Vertrag oder Waffenstillstand mit dem Feind eingeht. Es ist eine Entscheidung, die sogleich getroffen werden sollte, o Mensch, denn der Tod ist dir nah und die Ewigkeit winkt. Warte nicht, junger Mann! Warte nicht, junge Frau! Jede Stunde macht es wahrscheinlicher, dass du eine törichte Wahl treffen wirst. Aufschub ist gefährlich, denn er erzeugt in dir die Krankheit des Leichtsinns. Hüte dich, dass du nicht ein Zauderer wirst und hinkst und hinkst und hinkst, bis du ein solcher Krüppel wirst, dass du durchs Leben hinkst und niemals mit den Heeren des Herrn 


marschierst. O, dass Gottes Gnade einen jeden dahin führen wollte, auf der Stelle zu entscheiden! Dies ist eine Entscheidung von der größten Wichtigkeit, denn sie wird jede folgende Entscheidung das ganze Leben hindurch beeinflussen. Wenn Gottes Gnade mich dahin führt, zu sprechen: »Ja, schreibe meinen Namen nieder in dem Verzeichnis der Kämpfer auf der Seite des Herrn«, so wird von dem Tag an jede andere Frage in dem Licht dieser Entscheidung beantwortet werden. Ihr werdet fortan eure Liebe nur der Wahrheit zuwenden, selbst wenn sie in Lumpen gehüllt ist, und nicht der Lüge im seidenen Gewand. Ihr werdet Gerechtigkeit begünstigen und Ungerechtigkeit verabscheuen, selbst wenn sie auf den Höhen der Erde fährt. Wenn ihr auf Gottes Seite seid, so wird alles, was rein, redlich und von gutem Namen ist, einen Freund in euch finden. Ihr werdet nie auf Seiten der Trunkenheit noch auf Seiten der Unterdrückung, der Ungerechtigkeit oder des Krieges sein, denn indem ihr auf Gottes Seite steht, seid ihr Anwalt der Mäßigkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens. Die Seite Gottes ist im höchsten und besten Sinne die Seite der Menschheit. Wir fördern am besten die Interessen der Völker, wenn wir für die Sache Gottes wirken. Ich bete, unsere Frömmigkeit möge so praktisch sein, dass wir sie in alles mit hineintragen, was wir tun. Ich liebe nicht die Religion, welche in den Kirchen lebt und am Sonntag herrlich ist – wie der Küster in seinem Rock –, aber in den gewöhnlichen schäbigen Anzug zurückfällt, sobald der Gottesdienst vorüber ist. Gebt mir die Gottseligkeit, die sich am Kamin zu 


Hause fühlt und im Büro und in der Werkstatt an ihrem rechten Platz ist. Wahrer Glaube ist für Feld und Straße, für Geschäftsräume und Markt bestimmt; sie gibt allem, womit der Mensch in Berührung kommt, Farbe. Der Nachfolger Jesu stellt sich auf die Seite, welche eine Zeitlang unpopulär sein mag, aber nach dem Gesetz und Zeugnis in den Augen Gottes die rechte ist. Sehet also wohl zu, wie ihr eure Entscheidung in Bezug auf Gott trefft, da sich um diese Achse euer ganzer Charakter drehen wird. Bei dieser Entscheidung sollte durchaus keine Schwierigkeit sein. Der Mensch sollte sich für Gott entscheiden, weil Er sein Schöpfer ist. Wagt ihr daran zu denken, Ihm entgegen zu sein, der euch gemacht hat und der euch zermalmen kann, so leicht wie eine Motte? Er ist unser Erlöser, der Herr, der uns mit Seinem Blut erkauft hat; ist es möglich, dass wir auf irgendeiner anderen Seite – als auf Seiner – stehen können? Er ist Tag für Tag unser Erhalter und der, in dessen Hand unser Atem ist – können wir im Widerstand gegen Ihn leben? Unser Verhältnis zu unserem Gott sollte eine leicht zu entscheidende Frage sein, wenn wir an unsere Verpflichtungen denken. Wir verdanken Gott nicht nur unser Dasein, sondern jedes Gut, das wir jetzt genießen oder je zu besitzen hoffen. Sollte ein Mensch nicht auf seiten seines besten Freundes stehen? Denkt nur an unsere Verantwortung, die aus all den Segnungen entspringt, welche Gott uns schenkt, und es sollte eine sofortige Entscheidung des Herzens für Gott und Seinen Christus stattfinden. Jedem rechtgesinnten Mann dürfte es nicht schwerfal


len zu sprechen: »Ja, ich bin auf Seiten der Wahrheit«, und weil Gott die Wahrheit ist, sollten wir auf Seiner Seite sein. Seine Seite ist die gerechte, die wahre Seite, welche schließlich siegen muss, die Seite, welche alle heiligen Engel und vollendeten Geister mit Weisheit ergriffen und mit Ernst verteidigt haben. Sollte unsere Entscheidung viel Überlegung erfordern? Wer verlangt Zeit zum Erörtern, wenn der Weg deutlich ist? Und dennoch ist es leider wahr, dass wir unserer Sünden wegen nicht rasch zu einer ehrlichen, aufrichtigen und praktischen Entscheidung gelangen. Nein, wir werden niemals dazu gelangen, wenn nicht der Heilige Geist unser Herz beeinflusst und uns von der Sklaverei unserer sündigen Lüste befreit. Die meisten Menschen werden von ihren eigenen Interessen beherrscht: »Welches ist die beste Seite für mich? Welche wird mir den meisten Mammon, die größte Achtung, die sicherste Ruhe bringen?« Aber wer auf Gottes Seite ist, verachtet solche niedrigen Erwägungen und zieht nicht das vor, was für die Gegenwart Vorteile bringt, sondern was recht und gerecht ist. Ach, viele werden durch Menschenfurcht beeinflusst. Was für eine mächtige Triebfeder ist dieses böse Element bei der Erledigung menschlicher Angelegenheiten! Die Menschen wollen wohl Recht tun, aber sie wagen es nicht. Sie wollen wohl das vermeiden, was Unrecht ist, aber dann könnten sie wegen zu großer Gewissenhaftigkeit verlacht werden, und deshalb gestatten sie sich die Sünde, welche ihr Gewissen verdammt. Meine Brüder und Schwestern, möge der Herr uns eine andere Gesinnung geben, damit die Meinung 


der Menschen kein Gewicht mehr bei uns hat. Es ist besser, Feinde zu bekommen, als Gott ungehorsam zu sein. Ich wünschte, ihr wäret ebenso gesinnt wie der alte Spartaner, der sagte, bei ihm laute die Frage niemals: »Wie zahlreich sind meine Feinde?«, sondern: »Wo sind sie?« Ja, das ist es: »Wo sind sie?« Das ist alles. Wir sind bereit und lassen uns nicht von der Überzahl beeindrucken. Wenn es Gegner der Wahrheit und Gerechtigkeit in Menge gibt, berechnet nicht ihre Stärke, überschlagt nicht, was ein Angriff auf sie kosten mag, sondern werft sofort den Fehdehandschuh hin und stellt euch auf die rechte Seite, für Gott und Seine Gerechtigkeit. Eine andere Bemerkung muss gemacht werden: Bei dieser Entscheidung gibt es nur eine Alternative. Wenn wir nicht auf Gottes Seite sind, so sind wir auf der entgegengesetzten. Es gibt eine große Anzahl Leute, die versuchen, im Zwischenreich zu wohnen. Sie würden, wenn sie es könnten, auf beiden Seiten stehen oder auf gar keiner. Sie wollen in Ruhe gelassen werden; sie wünschen, für sich zu bleiben, nichts zu sagen und mit keiner Seite etwas zu tun zu haben. Nun, es gibt keine Synagoge für Unentschiedene auf der Erde und kein Fegefeuer für Mittelmenschen in der unsichtbaren Welt. Was diese Welt betrifft, so wird euch da kein Trost gegeben. Ihr werdet nicht gepriesen, sondern von der Schrift getadelt und sogar verflucht, dass ihr nicht dem Herrn gegen die Feinde zur Hilfe gekommen seid. Ihr werdet als Feinde Gottes betrachtet, bis ihr Seine Freunde geworden seid; und es muss so sein, denn wer nicht ehrlich ist, der ist unehrlich, wer nicht rein ist, der ist 


unrein, und wer nicht für Gott ist, der ist gegen Ihn. Es ist eine Sache, in welcher eine Seele nicht farblos sein kann; diese Möglichkeit liegt völlig fern, denn Gott hat entschiedene Freunde und bittere Feinde. Alle großen Fragen bewirken in der Seele des Menschen starke Bewegungen nach der einen oder anderen Seite hin und diese größte aller Fragen bewirkt dasselbe. Obwohl du, mein Freund, zur Zeit keinen starken Drang in die falsche Richtung hin fühlst, so lauert doch in deinem Inneren das, was eine große, böse Bewegung hervorbringen kann, und wenn diese in dir schlummernde Sünde nicht getötet wird, indem die Gnade dich auf Gottes Seite führt, so kann sie sich eines Tages zu einer furchtbaren Machtentfaltung aufraffen. Wie eine Viper, die erst vor Kälte erstarrt war und zum Leben erwärmt wird, alle, die ihr nahe sind, beißt, so wütet die Sünde, wenn ihre Stunde kommt. Wie der junge Löwe, der noch kein Blut geleckt hat, zahm ist wie eine Katze und doch allmählich die ganze Wildheit des Raubtieres zeigt, so ist es mit der Sünde, die sich im menschlichen Herzen verbirgt. Ihr müsst Gott und Seinem Christus angehören und Ihm dienen, sonst werdet ihr Knechte des Satans sein. Heiligkeit muss euch halten, sonst wird die Sünde euch finden. Der Himmel muss euch gewinnen und zu sich ziehen, sonst wird die Hölle euch als ihr Eigentum zeichnen und ihr werdet hinab fahren. Hier will ich die Sache der Entscheidung abschließen, mit dem ernsten Gebet, dass alle, die sich entschieden haben, fest bleiben und dass die, welche sich noch nicht entschieden haben, von dem Geist Gottes dahin geleitet werden, sich sofort zu entscheiden. 


Das Bekenntnis Lasst uns zweitens das Bekenntnis betrachten: »Her zu mir, wer für den Herrn ist!« Im Hebräischen ist der Ausdruck noch schärfer: »Wer ist auf Jehovas Seite? Zu mir!« Es gleicht dem Ruf eines Mannes, der im Kampf den ersten Streich führt und, indem er das Banner entfaltet, die Menschen auffordert, sich darunter einzureihen. »Für Gott – zu mir!« »Wenn ihr wirklich Seine Knechte seid, kommt und versammelt euch um mich.« In diesem Bekenntnis liegt zuerst ein Herauskommen. Sie sollten aus den Reihen der Götzendiener heraustreten. Ihr, die ihr auf des Herrn Seite steht, kommt aus euren Zelten, wohin ihr euch zurückgezogen habt, um nicht in den aufrührerischen Haufen zu geraten – kommt zu mir! Ihr, die ihr dort an den äußersten Grenzen des Lagers seid, um vor diesem Lärm und Getöse sicher zu sein, kommt in das Tor des Lagers und zeigt euch. Niemand muss heute seine »Farbe« verbergen. Nun denn, ich fordere euch heute auf, die ihr auf des Herrn Seite steht: Verheimlicht nicht euren Glauben, seid nicht gottlos zurückhaltend, seid nicht undankbar zurückgezogen, sondern tretet hervor. »Gehet aus von ihnen, sondert euch ab, rührt Unreines nicht an.« Es gibt zu wenig Trennung von der Welt bei den Bekennern Christi. Mich wundert nicht die Frage, die ein kleines Mädchen seiner Mutter stellte, als es das Neue Testament gelesen hatte: »Mutter, meinst du nicht, es wäre sehr gut, wenn wir alle weggehen und 


da leben könnten, wo Christen sind?« Die Mutter sagte: »Wie, es sind doch viele Christen um uns her.« »O nein, Mutter, nicht wie die, von denen ich im Neuen Testament gelesen habe.« Ich fürchte, das Kind hatte recht, denn wenn es hier auch einige neutestamentliche Christen gibt, so wünsche ich doch, die Zahl derer wäre groß, die nicht der Mode dieser Welt und den Torheiten der Zeit folgen, sondern in allen Dingen mit Gott wandeln auf dem abgesonderten Weg, wo Jesu Fußstapfen zu sehen sind. Dieses Bekenntnis war kein bloßes Heraustreten – sie sollten zu dem Führer kommen. Mose stand da und rief: »Her zu mir!« Er stand da als Gottes Stellvertreter und schien zu sagen: »Ich bin auf Gottes Seite, das ist keine Frage, obwohl ich allein stehe; nun lasst andere, die auf Gottes Seite sind, zu mir kommen.« »Ach!«, sagt ihr heute, »wir wünschten, es gäbe einen Führer, kühn und tapfer, zu dem wir kommen könnten.« Ich erwidere, ihr habt einen. Wo ist er? Er ist in die höchsten Himmel hinaufgegangen, aber euer Glaube kann ihn sehen. Es ist Jesus Christus, der Herr, der sich zuerst und vollkommen auf Gottes Seite stellte – er bewies es durch Sein Leben und bewies es durch Seinen Tod, und heute ruft Er alle, die auf Gottes Seite sind, zu Ihm zu kommen. Kommt und lasst Ihn euren Meister und Herrn sein; kommt und ahmt Sein Beispiel nach und haltet Seine Gebote; kommt und verkündet Sein Evangelium und verteidigt Sein Reich. Wer auf der Seite des Herrn ist, der komme zu Christus und folge dem Lamm, wohin immer es geht. 


Und doch ist noch viel mehr darin enthalten. Diejenigen, welche zu Mose kommen sollten, kamen natürlich auch zueinander. Als Mose rief: »Her zu mir, wer für den Herrn ist!«, bildete er in Wirklichkeit eine Gemeinde und formte eine Armee von Männern, deren Herzen Gott berührt hatte. Diese kamen auf den Ruf des Mose hervor. Kommt denn, ihr, die ihr den Herrn liebt, kommt und verbindet euch mit anderen, die ebenso denken. Gesellen sich nicht die Vögel einer Art zusammen? Wenn Gott euch zu Paradiesvögeln gemacht hat, so eilt, und wie die Tauben sammelt euch zum Flug. Freund, wenn ich auf der Seite des Herrn bin und du auf des Herrn Seite bist, weshalb sollten wir einander fremd sein? Es sind wenige, die zu Christus stehen, gewiss, sie sollten in engster Zuneigung miteinander verbunden sein. Einheit ist Stärke, und da wir keine überflüssige Stärke haben, so lasst uns vereint sein. Tretet hervor, ihr, die ihr den Herrn kennt, und zeigt eure Zugehörigkeit, indem ihr euch mit denen verbindet, die euren König liebhaben. Reiht euch ein unter demselben Heerführer und schreibt eure Namen in dieselbe Musterrolle. Ich kann diesen Ruf nicht mit so viel Energie ergehen lassen, wie ich möchte, sonst würde ich ihn auf jedem Marktplatz erheben. Ich bitte diejenigen, welche nicht auf des Herrn Seite stehen, dringend, nicht zu versuchen, sich mit irgendeiner sichtbaren Kirche zu verbinden, denn das wäre grobe Heuchelei. Aber ich möchte alle, die auf des Herrn Seite stehen, ermutigen, einladen, bitten und fast so weit gehen, es ihnen zu gebieten, sich zu erklären. Kommt zu uns, denn 


auch wir stehen auf der Seite des Herrn. Leiht uns eure Hilfe, gewährt uns eure Gesellschaft, lasst uns in Gemeinschaft miteinander treten und uns in allem, was gut und wahr ist, verbunden sein, weil wir auf der Seite des Herrn stehen. Tut dies, ich bitte euch, und legt so bald wie möglich von eurer Entscheidung für Gott ein Bekenntnis ab.

Hingabe Die, welche auf der Seite des Herrn stehen, sollten nicht nur ihre Namen, sondern sich selbst geben. Wenn wir auf Christi Seite stehen, gehören wir Christi an. Jeder, der wirklich auf Gottes Seite steht – Sein Eigentum ist –, sollte sich verpflichtet fühlen, Gottes Willen zu gehorchen. Ich danke Gott, dass ich dieses lernte, als ich zuerst den Heiland erkannte. Ich dachte nicht, dass ich in Glaubenssachen meinem Vater oder irgendeinem anderen frommen Mann folgen müsste. Mir schien, dass Gott die Bibel in meine Hand gelegt und ich sie lesen und mit fleißigem Forschen ausfindig machen müsste, was der Herr mich in diesem Buch lehrt, und dass ich dann glauben und danach tun sollte. Ich fühle es jetzt als einen großen Trost für mein Herz, dass ich nichts aus zweiter Hand nahm. Ich empfing meine Lehre nicht von Menschen, wurde nicht darin unterwiesen, sondern ich ging geradewegs zum Ursprung der Quelle und trank durch die Unterweisung des Geistes Gottes aus ihr. Ich wünschte, ihr alle tätet dieses. Folgt nicht einer Kirche, folgt nicht 


irgendeinem großen Prediger, heftet euch an keines Menschen Ärmel. Zum Gesetz und zum Zeugnis: Wenn sie nicht nach diesem Worte sprechen, dann deswegen, weil kein Licht in ihnen ist! Wenn jedermann dies tun würde, dann gäbe es immer noch Verschiedenheiten der Erkenntnis, aber ich bin geneigt zu glauben, dass Einheit in Lehre und Praxis viel eher durch diese Voraussetzung erreicht werden würde als durch jedes andere Mittel. Wenn ein jeder für sich selbst zum Wort Gottes geht und sich nicht länger in irgendeinem »-ismus«, den er von anderen gelernt hat, niederlässt, könnten wir die Wahrheit erkennen und in unseren Ansichten darüber zusammenkommen. In einer gewissen Spur weitergehen, weil ihr zufällig durch Umstände, Geburt und Erziehung da hineingestellt seid, ist nicht die Weise einer aufrichtigen und erleuchteten Seele. Ich kümmere mich nicht um die Dekrete der Kirchen oder die Dogmen der Menschen. Ich ehre beide, Kirchen und heilige Männer, aber nicht als Diktatoren unseres Glaubens. Dieses eine Buch, die Bibel, enthält den Glauben des wahren Christen, soweit er durch Buchstaben beschrieben werden kann, und der Geist Gottes soll uns, wie verheißen, über ihre Bedeutung erleuchten. Gebe Gott, dass wir niemals sagen werden: »Ich tue dies und das, weil es in dem Gebetbuch so steht«; oder: »Weil es nach den Bekenntnissen unserer Gemeinschaft so ist.« Was habt ihr zu tun mit irgendeinem Buch, außer der Bibel, oder mit irgendeiner Gruppe, außer der Gemeinde des lebendigen Gottes, ausgenommen, das Buch und die Gruppe sind 


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