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William MacDonald

Kommentar zum Neuen Testament

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Postfach 11 01 35 ¡ 33661 Bielefeld


1. Auflage (Band 1) 1992 1. Auflage (Band 2) 1994 2. Auflage (Gesamtausgabe) 1997 3. Auflage (Gesamtausgabe) 2001 4. Auflage (Gesamtausgabe) 2006 5. Auflage (Gesamtausgabe) 2009 6. überarbeitetete Auflage (Gesamtausgabe) 2013 Originaltitel: BBC – Believer’s Bible Commentary – New Testament © 1989 by William MacDonald © der deutschen Ausgabe 1992 by CLV · Christliche Literatur-Verbreitung ˜œ••ŠŒ‘1WW9VW9Y[1 1YY\\W1 ’ޕޕޕ• www.clv.de Übersetzung: Christiane Eichler Umschlaggestaltung: OTTENDESIGN.de, Gummersbach Satz: CLV Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN 978-3-89397-378-1


Inhalt Über den Autor

7

Über den Herausgeber

7

Vorwort des Autors

8

Einführung des Herausgebers

9

Abkürzungen

11

Einführung in das Neue Testament

13

Einführung in die Evangelien

16

Das Evangelium nach Matthäus Exkurs zum Reich der Himmel Exkurs zum Evangelium Exkurs zum Thema Verhältnis des Gläubigen zum Gesetz Exkurs zur Scheidung und Wiederheirat Exkurs zum Fasten Exkurs zum Sabbat

21 31 39 43 46 51 80

Das Evangelium nach Markus

163

Das Evangelium nach Lukas

224

Das Evangelium nach Johannes

339

Die Apostelgeschichte Exkurs zum Gebet in der Apostelgeschichte Exkurs zur Hausgemeinde und übergemeindlichen Organisationen Exkurs zum Thema Verhältnis des Christen zur Obrigkeit Exkurs zur Gläubigentaufe Exkurs zum Dienst der sogenannten »Laien« Exkurs zu Vorgehensweisen in der Mission Exkurs zur Eigenständigkeit der Ortsgemeinde Exkurs zum Thema göttliche Führung Exkurs zum Thema Wunder Exkurs zum Thema ungewöhnliche Kanzeln Exkurs zur Botschaft der Apostelgeschichte

475 483 494 507 517 519 540 545 548 550 556 588

Der Brief des Paulus an die Römer Exkurs zum Thema unerreichte Heiden Exkurs zum Thema Sünde Exkurs zum Thema göttliche Souveränität und menschliche Verantwortlichkeit

597 607 616 651

Der erste Brief des Paulus an die Korinther

690

Der zweite Brief des Paulus an die Korinther

779

Der Brief des Paulus an die Galater Exkurs zur Gesetzlichkeit

848 880


Der Brief an die Epheser Exkurs zur göttlichen Erwählung

885 891

Der Brief an die Philipper

952

Der Brief an die Kolosser Exkurs zum Thema Versöhnung Exkurs zum Thema christliche Familie

986 999 1021

Der erste Thessalonicherbrief Exkurs zum Kommen des Herrn Exkurs zu den Anzeichen der letzten Tage Exkurs zum Thema Heiligung

1031 1041 1053 1060

Der zweite Thessalonicherbrief Exkurs zu Entrückung und Offenbarung Exkurs zur Entrückung der Gemeinde

1064 1067 1079

Die Pastoralbriefe

1090

Der erste Timotheusbrief

1094

Der zweite Timotheusbrief

1135

Der Titusbrief Exkurs zum Thema Älteste Exkurs zum Thema Christen und diese Welt

1163 1167 1177

Der Philemonbrief

1183

Der Brief an die Hebräer Exkurs zum Thema Abfall Exkurs zur Bedeutung des Hebräerbriefes für heute

1191 1215 1262

Der Brief des Jakobus Exkurs zu den Zehn Geboten Exkurs zum Thema göttliche Heilung

1266 1281 1300

Der erste Petrusbrief Exkurs zum Thema christliche Kleidung Exkurs zum Thema Taufe

1308 1334 1342

Der zweite Petrusbrief

1356

Der erste Brief des Johannes Exkurs zum Thema Sünde zum Tod

1383 1405

Der zweite Brief des Johannes

1409

Der dritte Brief des Johannes

1414

Der Judasbrief

1418

Die Offenbarung

1432

Anhang

1477


7

Über den Autor William MacDonald ist ein geschätzter Bibellehrer und Autor von über 60 in den USA und Kanada veröffentlichten Büchern, von denen einige schon in viele Sprachen übersetzt wurden. Diese reichen von gebundenen über Taschenbücher und Bibelfernkurse bis hin zu Traktaten. Es waren nicht die verschiedenen Abschlüsse des Tufts College (jetzt Universität) und der Harvard Business School, die W. MacDonald erworben hat, sondern der außerordentlich ausführliche biblische Unterricht, den er in verschiedenen Versammlungen erhielt, und sein von eifrigem persönlichen Bibelstudium geprägtes Leben, die ihn für diese Aufgabe vorbereitet haben. Nachdem er als Vermögensberater der First National Bank of Boston gearbeitet und von 1942 bis 1949 aktiv bei der US-Marine gedient hatte, trat MacDonald

in die Fakultät der Emmaus-Bibelschule (jetzt College) ein. Dort diente er von 1947 bis 1965. Ab 1959 war er Leiter dieser Bibelschule. Von 1965 bis 1972 arbeitete er als reisender Bibellehrer und Prediger. Sein Dienst führte ihn nicht nur durch ganz Nordamerika, sondern auch nach Europa und Asien. Seit 1973 gehört er zum Mitarbeiterstab des Discipleship Intern Training Program in San Leandro, Kalifornien. Der Kommentar zum Neuen Testament ist der Höhepunkt des Gelöbnisses, das der Autor im Alter von 30 Jahren Gott gegenüber ablegte, einen Kommentar zu schreiben, der Vers für Vers das ganze Neue Testament verständlich macht. Er ist die Frucht von mehr als vier Jahrzehnten des Bibelstudiums, der Predigt und der Auslegungsarbeit.

Über den Herausgeber Arthur Farstads Weg kreuzte den des Autors, als er Schüler an der Emmaus Bibelschule wurde und dort nicht nur die Bibel, sondern auch christlichen Journalismus unter MacDonald studierte. Farstad hat die National Art Academy in Washington, D. C., besucht, die Emmaus-Bibelschule, das Washington Bible College und das Dallas Theological Seminary. In Dallas wurde ihm der Magister der alttestamentlichen Theologie und die Würde eines Doktors der neutestamentlichen Theologie verliehen. An diesem Seminar lehrte er fünfeinhalb Jahre Griechisch. Sieben Jahre lang war er der Herausgeber der New King James Bible, erst für das Neue Testament und dann für die gesamte Bibel, die eine konservative Revision der traditionellen englischen King

James Bible ist, die in den angelsächsischen Ländern auch heute noch von vielen Christen bevorzugt wird. Diese Arbeit führte ihn auf natürliche Weise dazu, den Kommentar von MacDonald nach der New King James Bible zu bearbeiten, damit er sich auf diese verständlichere Bibelausgabe bezieht. Dr. Farstad hat auch die Einleitungen zu den verschiedenen Büchern der Bibel geschrieben, außerdem die Anmerkungen, insbesondere diejenigen zum neutestamentlichen Text. Er hat zusammen mit Zane Hodges das »Greek New Testament according to the Majority Text« herausgegeben. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Herausgeber steht Farstad im aktiven Predigtdienst, hauptsächlich in Dallas.


8

Vorwort des Autors Dieser Kommentar zum Neuen Testament soll dem normalen Christen helfen, das Wort Gottes intensiv zu studieren. Allerdings darf ein Bibelkommentar nie die Bibel selbst ersetzen. Das Beste, was ein Kommentar leisten kann, besteht darin, die allgemeine Bedeutung der Texte in verständlicher Weise darzulegen und dann den Leser zum weiteren Studium an die Bibel zurückzuverweisen. Der Kommentar ist in einfacher Sprache gehalten, die Fachausdrücke vermeidet. Er behauptet nicht von sich, Gelehrsamkeit oder tiefgründige Theologie zu enthalten. Die meisten Gläubigen verstehen die Originalsprachen des Alten und Neuen Testaments nicht, aber das hindert sie nicht daran, größtmöglichen praktischen Nutzen aus dem Wort zu ziehen. Ich bin überzeugt, dass durch systematisches Bibelstudium jeder Christ sich »Gott bewährt zur Verfügung« stellen kann »als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit in gerader Richtung schneidet« ûXï9 ’–1XðW[üï Die Anmerkungen sind kurz gehalten, umfassend und themenorientiert. Um bezüglich einer bestimmten Stelle Hilfe zu erhalten, muss sich der Leser nicht erst

durch lange Erklärungen arbeiten. Das Tempo unseres modernen Lebens macht es notwendig, dass die Wahrheit in kurzen Abschnitten angeboten wird. Der Kommentar umgeht keine schwierigen Schriftstellen. In vielen Fällen werden mehrere Erklärungsansätze angeführt, damit der Leser selbst entscheiden kann, welcher von ihnen am besten dem Zusammenhang und der übrigen Bibel entspricht. Reines Bibelwissen reicht nicht aus. Das Wort muss praktische Anwendung im Leben finden. Deshalb will dieser Kommentar zum Neuen Testament zeigen, wie die Schrift im Leben des Volkes Gottes Gestalt annehmen kann. Wenn dieser Kommentar um seiner selbst willen gelesen wird, dann wird er eher ein Fallstrick als eine Hilfe werden, wenn er jedoch dazu benutzt wird, das persönliche Studium der Heiligen Schrift anzuregen, und zum Gehorsam gegenüber den Grundsätzen unseres Herrn führt, dann hat er seine Aufgabe erfüllt. Möge der Heilige Geist, der die Schreiber der Bibel inspirierte, den Verstand des Lesers erleuchten, um dieses wundervolle Ziel zu erreichen: Gott durch sein Wort zu erkennen.


9

Einführung des Herausgebers »Verachten Sie nie die Kommentare.« Dies war gegen Ende der fünfziger Jahre der Rat eines Lehrers der Emmaus-Bibelschule an seine Klasse. Mindestens ein Schüler hat diese Worte mehr als dreißig Jahre behalten. Der Lehrer war William MacDonald, der Autor dieses Buches. Der Schüler war der Herausgeber Arthur Farstad, der zu dieser Zeit seine Ausbildung an der Schule gerade erst begonnen hatte. Er hatte in seinem Leben nur einen einzigen Kommentar gelesen – In der Himmelswelt über den Epheserbrief von Harry A. Ironside. Arthur Farstad hat in dem Sommer, in dem er diesen Kommentar jeden Abend las, herausgefunden, was ein Kommentar ist. Was ein Kommentar ist Was genau ist nun ein Kommentar, und warum sollten wir Kommentare nicht verachten? Kürzlich listete ein bekannter christlicher Verleger fünfzehn verschiedene Sorten von Büchern auf, die alle mit der Bibel zu tun haben. Wenn einige Leute nicht genau wissen, wie sich Ž’—1 ˜––Ž—•Š›1 £ï9 ï1 Ÿ˜—1 Ž’—Ž›1 •ž•’Ž—bibel oder sogar von einer Konkordanz, einem Atlas oder einem biblischen Wörterbuch unterscheidet – um nur vier aufzuführen –, dann sollte das niemanden wundern. Ein Kommentar erläutert oder macht (hoffentlich) hilfreiche Bemerkungen zum Text. Dabei geht er entweder Vers für Vers oder Abschnitt für Abschnitt vor. Einige Christen verachten Kommentare und sagen: »Ich will nur das gepredigte Wort hören und die Bibel selbst lesen.« Das hört sich fromm an, ist es aber nicht. Ein Kommentar ist die gedruckte, aber beste und schwierigste Form der Bibelauslegung – der Auslegung, die Vers für Vers vorgeht, wenn das Wort Gottes gepredigt wird. Einige Kommentare, wie die von Ironside, sind ziemlich wörtlich gedruckte Predigten. Außerdem sind

die großartigsten Bibelauslegungen aller Zeiten und Sprachen in englischer Sprache zugänglich. Unglücklicherweise sind viele so lang, so veraltet und so schwer zu lesen, dass der normale Christ sie entmutigt, wenn nicht durch ihre Fülle erschlagen, weglegt. Daher geben wir diesen Kommentar zum Neuen Testament heraus. Die verschiedenen Arten von Kommentaren Theoretisch könnte jeder, der an der Bibel interessiert ist, einen Kommentar schreiben. Aus diesem Grund gibt es ein so großes Spektrum von extrem liberal bis zu äußerst konservativ, zwischen denen jede Schattierung existiert. Dieser Kommentar zum Neuen Testament ist ein sehr konservativer Kommentar, der die Bibel als inspiriertes und irrtumsloses Wort Gottes annimmt, das für alle Fragen des Glaubens und Lebens ausreichende Antworten bietet. Ein Kommentar kann sich aber auch zwischen den Extremen hoch spezialisierte Studie (Einzelheiten der griechischen und hebräischen Grammatik werden aufgezeigt) und oberflächlicher Skizze bewegen. Dieser Kommentar zum Neuen Testament liegt irgendwo dazwischen. Was an speziellen Bemerkungen gebraucht wird, ist meist in den Anmerkungen am Schluss untergebracht, aber er setzt sich intensiv mit den Einzelheiten des Textes auseinander, ohne schwierige Stellen oder unbequeme Anwendungen auf das tägliche Leben zu umschiffen. W. MacDonald bietet eine reichhaltige Auslegung. Sein Ziel ist es nicht, nur gewöhnliche Christen, die sich auf den größten gemeinsamen Nenner einigen können, hervorzubringen, sondern Jünger zu schulen. Kommentare unterscheiden sich auch darin, zu welchem theologischen Lager sie gehören – konservativ oder liberal, protestantisch oder katholisch, prämille-


Einführung des Herausgebers nialistisch oder postmillenialistisch. Dieser Kommentar zum Neuen Testament ist ein konservativer, protestantischer Kommentar, der prämillenialistisch ausgerichtet ist. Wie man dieses Buch benutzen kann Man kann an dieses Buch verschieden herangehen. Wir schlagen Folgendes in etwa der angegebenen Reihenfolge vor: Querlesen: Wenn Sie die Bibel mögen oder lieben, dann werden Sie gern dieses Buch durchblättern und hier etwas und dort etwas lesen, um einen ersten Eindruck des Gesamtwerks zu erhalten. Bestimmte Abschnitte nachschlagen: Vielleicht haben Sie eine Frage zu einem Vers oder einem Abschnitt, zu der Sie Hilfe benötigen. Schauen Sie an der Stelle des Kommentars nach, denn Sie werden dort sicherlich gutes Material finden. Eine Lehre: Wenn Sie ein Thema untersuchen, etwa Sabbat, Taufe, Erwählung oder Dreieinheit, dann können Sie unter den Abschnitten nachsehen, die es zu diesem Thema in der Bibel gibt. Das Inhaltsverzeichnis listet Aufsätze oder »Exkurse« zu vielen dieser Themen auf. Benutzen Sie eine Konkordanz, um anhand von Schlüsselwörtern wichtige Bibelabschnitte zu einem Thema zu finden,

10 wenn es nicht in den 37 Exkursen behandelt wird. Ein Buch der Bibel: Vielleicht wird in Ihrem Hauskreis oder in der Gemeindebibelstunde ein bestimmtes Buch des Neuen Testamentes durchgenommen. Sie werden viel Gewinn davon haben oder auch zum Thema beitragen können, wenn Sie den Kommentar zu dem Abschnitt, der das nächste Mal behandelt wird, vorher gelesen haben. Das ganze Buch: Eigentlich sollte jeder Christ die gesamte Bibel gelesen haben. Es gibt in der ganzen Bibel verstreut schwierige Texte, deshalb wird ein sorgfältiges konservatives Buch wie dieses Ihr Bibelstudium sehr bereichern. Es mag sein, dass sie beim Bibelstudium mit trockenem Brot anfangen müssen – »nahrhaft, aber trocken« –, aber wenn Sie weiterkommen, wird es sicherlich zu »Schokoladenkuchen«! Der Rat, den W. MacDonald mir vor dreißig Jahren gab, lautete: »Verachten Sie nie die Kommentare.« Nachdem ich seinen Kommentar zum Neuen Testament sorgfältig gelesen habe, als ich ihn für die Benutzung der New King James Bibel überarbeitete, kann ich noch einen Schritt weiter gehen. Mein Rat: »Genießen Sie ihn!«


11

Abkürzungen Abkürzungen der Bücher des Alten Testaments 1. Mose 2. Mose 3. Mose 4. Mose 5. Mose Josua Richter Ruth 1. Samuel 2. Samuel 1. Könige 2. Könige 1. Chronik 2. Chronik Esra Nehemia Ester Hiob Psalm Sprüche

1. Mose 2. Mose 3. Mose 4. Mose 5. Mose Josua Ri Rut 1. Sam 2. Sam 1. Kön 2. Kön 1. Chron 2. Chron Esra Neh Est Hiob Ps Spr

Prediger Hoheslied Jesaja Jeremia Klagelieder Hesekiel Daniel Hosea Joel Amos Obadja Jona Micha Nahum Habakuk Zefanja Haggai Sacharja Maleachi

Pred Hohesl Jes Jer Klgl Hes Dan Hos Joel Amos Ob Jona Micha Nah Hab Zef Hag Sach Mal

Abkürzungen der Bücher des Neuen Testaments Matthäus Markus Lukas Johannes Apostelgeschichte Römer 1. Korinther 2. Korinther Galater Epheser Philipper Kolosser 1. Thessalonicher

Matth Mk Lk Joh Apg Röm 1. Kor 2. Kor Gal Eph Phil Kol 1. Thess

2. Thessalonicher 1. Timotheus 2. Timotheus Titus Philemon Hebräer Jakobus 1. Petrus 2. Petrus Wï9 ˜‘Š——Žœ1 Xï9 ˜‘Š——Žœ1 Judas Offenbarung

2. Thess 1. Tim 2. Tim Titus Philem Hebr Jak 1. Petr 2. Petr Wï9 ˜‘ Xï9 ˜‘ Judas Offb


12

Abkürzungen Abkürzungen der Bibelausgaben a) Textausgaben des gr. Urtextes M Mehrheitstext NA Nestlé-Aland TR Textus Receptus b) deutsche und englischsprachige Bibelausgaben Einheitsübersetzung Ei Elb Elberfelder unrevidiert •‹9XVVY1 •‹Ž›•Ž••Ž›ð1 žœ•Š‹Ž1XVVYð1 CSV Hückeswagen ER Elberfelder revidiert GN Die Gute Nachricht Hfa Hoffnung für alle KJV King James Version, auch Authorised Version genannt LU + Jahreszahl Lutherbibel in Revision des Jahres …

Menge

Bibelübersetzung von Dr. Hermann Menge NeÜ Neue evangelistische Übersetzung von Karl-Heinz Vanheiden (NT) Neue Genfer Übersetzung NGÜ NKJV New King James Version (Revision der englischsprachigen Authorised Version, die nicht so weit geht wie die Revised Version, s. u.) RV Revised Version (revidierte Fassung der englischsprachigen Authorised Version) Schl Schlachterbibel Œ‘•9XVVV1 Œ‘•ŠŒ‘•Ž›‹’‹Ž•ð1 Ž›œ’˜—1XVVV Zü Zürcher Bibel

Allgemeine Abkürzungen Anm. Anmerkung Anm. d. Übers. Anmerkung des Übersetzers o. oder

s. s. a. s. o. s. u.

siehe siehe auch siehe oben siehe unten


13

Einführung in das Neue Testament »Der Wert dieser Schriften übersteigt historisch wie geistlich gesehen das Verhältnis zu ihrer Zahl und Länge. Ihr Einfluss auf das Leben und die Geschichte ist nicht zu berechnen. Hier haben wir den Zenit dessen, was in Eden nur dämmerte. Der Christus der Prophetie im Alten Testament wird zum Christus der Geschichte in den Evangelien, zum Christus der Erfahrung in den Briefen und zum Christus der Herrlichkeit in der Offenbarung.« W. Graham Scroggie

I. Die Bezeichnung »Neues Testament« Ehe wir uns in die Tiefen der neutestamentlichen Studien wagen oder auch in das vergleichsweise kleine Gebiet des Studiums eines ganzen Buches begeben, wird es sich als hilfreich erweisen, wenn wir kurz einige allgemeine Fakten zu dem Buch zusammentragen, das wir »Das Neue Testament« nennen. »Testament« oder »Bund« sind beides Übersetzungen desselben griechischen Wortes (diatheke), und an ein oder zwei Stellen im Hebräerbrief kann man darüber diskutieren, welche von beiden Übersetzungsmöglichkeiten die bessere ist. Im Titel der von Christen benutzten Heiligen Schrift ist es wohl vorzuziehen, die Bedeutung »Bund« anzunehmen, weil dieses Buch einen Vertrag, eine Abmachung oder eben einen Bund zwischen Gott und seinem Volk darstellt. Es wird »Neues Testament« im Unterschied zum Alten Testament genannt (das älteren Datums ist). Beide Testamente sind von Gott inspirierte Schriften und deshalb für alle Christen nützlich. Aber natürlicherweise werden wir uns als Christen öfter dem Teil der Bibel zuwenden, der sich mit unserem Herrn und seiner Gemeinde beschäftigt, und uns sagt, wie sich die Jünger des Herrn nach seinem Willen verhalten sollen. Die Beziehung zwischen AT und NT wird von Augustinus einmal sehr schön ausgedrückt: »Das Neue ist im Alten auf-

bewahrt; das Alte ist im Neuen geoffenbart.« II. Der Kanon des Neuen Testaments Das Wort Kanon (gr. kanon) bezieht sich auf eine »Regel« oder einen »Maßstab«, nach dem etwas bemessen oder bewertet wird. Der Kanon des NT ist eine Sammlung inspirierter Bücher. Woher wissen wir, dass dies die einzigen Bücher sind, die zum Kanon gehören, bzw. dass alle 27 wirklich dazuzuzählen sind? Da es andere christliche Briefe und Schriften von Anfang an gegeben hat (darunter auch solche, die Irrlehren enthalten), stellt sich die Frage: Wie können wir dann sicher sein, dass diese die richtigen sind? Es wird oft gesagt, dass gegen Ende des 3. Jahrhunderts ein Konzil eine kanonische Liste erstellte. In Wahrheit waren diese Bücher kanonisch, sobald sie geschrieben worden waren. Gottesfürchtige und mit der Unterscheidungsgabe betraute Jünger erkannten seit frühester Zeit die inspirierten Schriften an, wie es Petrus mit den Schriften von Paulus •Š•1 ûXï9 Ž•›1 YðW[ïW\üï1 Ž——˜Œ‘1 ž›•Ž1 •’Ž1 Š—˜—’£’•§•1 Ž’—’•Ž›1 ûŒ‘Ž›ð1 û£ï9 ï1 ž•Šœð1 Xï1ž—•1Yï9 ˜‘Š——Žœü1’—1Ž’—’•Ž—1 Ž–Ž’—•Ž—1 lange diskutiert. Im Allgemeinen gab es keinen Zweifel darüber, ob ein Buch zum Kanon gehörte, wenn es von einem Apostel wie Matthäus, Petrus, Johannes oder Paulus bzw. von jemandem aus dem Umfeld der Apostel (wie Markus oder Lukas) geschrieben worden war.


Einführung in das Neue Testament Das Konzil, das unseren Kanon offiziell anerkannte, bestätigte nur, was schon lange von den meisten akzeptiert worden war. Das Konzil verabschiedete keine inspirierte Liste von Büchern, sondern eine Liste inspirierter Bücher. III. Verfasserschaft Der göttliche Verfasser des NT ist der Heilige Geist. Er inspirierte Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Paulus, Jakobus, Petrus und den unbekannten Schreiber des Hebräerbriefes (siehe Einleitung zum Hebräerbrief). Zum besten und korrektesten Verständnis dieses Vorganges, wie die Bücher des NT geschrieben wurden, gelangt man, wenn man von einer »zweifachen Verfasserschaft« ausgeht. Das NT ist nicht teilweise menschlich und teilweise göttlich, sondern gleichzeitig ganz menschlich und ganz göttlich. Das göttliche Element verhinderte, dass die Menschen Fehler machten. Das Ergebnis ist ein in den ursprünglichen Handschriften unfehlbares oder fehlerloses Buch. Eine hilfreiche Analogie zur Bibel ist die Doppelnatur des lebendigen Wortes, unseres Herrn Jesus Christus. Er ist nicht teilweise menschlich und teilweise göttlich (wie einige Heroen der griechischen Mythen), sondern gleichzeitig völlig menschlich und völlig göttlich. Die göttliche Natur verhinderte, dass der Herr Jesus in seiner menschlichen Natur in irgendeiner Beziehung irren oder sündigen konnte. IV. Datierung Im Gegensatz zum AT, dessen Vollendung etwa ein Jahrtausend in Anœ™›žŒ‘1—Š‘–1ûŒŠï1WZVV1.1ZVV1Ÿï9 ‘›ïüð1 Š›1 beim NT nur ein halbes Jahrhundert notŽ—•’•1ûŒŠï1[V1.1WVV1—ï9 ‘›ïüï Die gegenwärtige Anordnung der Bücher ist am besten für jede Gemeinde aller Zeiten geeignet. Das NT beginnt mit dem Leben Christi, dann erzählt es von der Gemeinde, danach gibt es dieser Gemeinde Anweisungen und schließlich offenbart es die Zukunft der Gemeinde und der Welt. Dennoch sind die Bücher nicht nach dem Zeitpunkt ihrer Abfassung ge-

14 ordnet. Sie wurden geschrieben, sobald der Bedarf für sie bestand. Die ersten Bücher, die geschrieben wurden, sind »Briefe an junge Gemeinden«, wie Phillips sie genannt hat. Jakobus, Galater und die Thessalonicherbriefe wurden wahrscheinlich als Erste geschrieben, und zwar um die Mitte des 1. Jahrhunderts. Danach kamen die Evangelien, zuerst Matthäus und Markus, dann Lukas und als Letztes Johannes. Schließlich wurde auch noch die Offenbarung geschrieben, vermutlich gegen Ende des 1. Jahrhunderts. V. Inhalt Den Inhalt des NT kann man in etwa so zusammenfassen: Geschichtliche Darstellungen: Evangelien und Apostelgeschichte Briefe: Die Briefe des Paulus, die allgemeinen Briefe Prophetie: Offenbarung Ein Christ, der diese Bücher gut kennt, wird »für jedes gute Werk ausgerüstet«. Es ist unser Gebet, dass dieser Kommentar zum Neuen Testament vielen Gläubigen gerade dazu verhelfen wird. VI. Sprache Das NT wurde in der Alltagssprache geschrieben (genannt koine [oder allgemeines Griechisch]). Dies war im 1. Jahrhundert eine fast universelle Zweitsprache, die so weit verbreitet war wie etwa Englisch in der heutigen Zeit. Die hebräische Sprache mit ihrem warmherzigen und farbenreichen Stil entspricht der Prophetie, Dichtung und historischen Darstellung des AT. Ebenso hat Gott durch seine Vorsehung Griechisch als wunderbares Medium für das NT vorbereitet. Die griechische Sprache hatte sich durch die Eroberungen Alexanders des Großen weit über ihr Ursprungsland hinaus verbreitet. Seine Soldaten hatten die Sprache vereinfacht und als Sprache für die Massen populär gemacht. Die Präzision der griechischen Zeitformen, der Deklinationen, des Vokabulars und andere Eigenschaften machen sie


15 zu einem idealen Medium, die wichtigen lehrmäßigen Wahrheiten der Briefe auszudrücken – insbesondere in einem solchen Brief wie dem an die Römer. Einerseits ist die griechische koine keine literarische Elitesprache, andererseits ist sie aber auch keine »Gossensprache« oder kein schlechtes Griechisch. Ei—’•Ž1 ‹œŒ‘—’••Ž1•Žœ1 ð1 ’Ž1£ï9 ï1 Ž‹›§Ž›ð1 Jakobus und 2. Petrus, nähern sich dem Stil der Literatursprache an. Auch Lukas erreicht zuweilen eine fast klassische Ausdrucksweise, und sogar Paulus schreibt manches Kapitel, dessen sprachliche Œ‘ã—11‘Ž’•1Šž••§•••1û£ï9 ï1Wï9 ˜›1WY1ž—•1W[üï VII. Übersetzungen Wie die englischsprachige so ist auch die deutschsprachige Welt mit einer Fülle von Bibelübersetzungen gesegnet, vielleicht sogar mit zu vielen. Diese Übersetzungen kann man in drei Hauptgruppen einteilen: 1. Sehr wörtliche Übersetzungen Hier ist die Elberfelder Übersetzung zu nennen, die seit über hundert Jahren ihren Ruf als wortgetreueste deutsche Bibelübersetzung zu Recht bewahrt hat. Für den Anfänger ist sie gelegentlich etwas schwierig zu verstehen, weil sie sich in Sprachstil und Satzbau eng an den hebräischen und griechischen Grundtext anlehnt. Die Absicht ihrer Übersetzer war es, den Grundtext »gleichsam wie in einem Spiegel wieder hervorzubringen«. 2. Vollständige Entsprechung Dies sind ziemlich wörtliche Übersetzungen, die dem griechischen und hebräischen Text eng folgen, soweit dies im Deutschen möglich ist. Sobald jedoch ein guter Stil und eine geläufigere Ausdrucksweise es erfordern, erlauben sie eine freiere Übersetzung. Dazu gehören die Schlachterübersetzung und die Revidierte Elberfelder

Einführung in das Neue Testament Übersetzung. Gerade für Anfänger des Bibelstudiums sind diese Übersetzungen wegen der besseren Verständlichkeit zu empfehlen. Die 1985 erschienene Revidierte Elberfelder Übersetzung mit ihren Kapitelüberschriften und guten Parallelstellen hat in sehr kurzer Zeit eine weite Verbreitung im deutschen Sprachraum gefunden, wenn auch an einigen wenigen Stellen Spuren bibelkritischer Einflüsse sichtbar werden. 3. Paraphrasierung (Umschreibung) Eine Paraphrasierung versucht, den Text nicht Wort für Wort, sondern Gedankengang für Gedankengang wiederzugeben. Oftmals nimmt sich der jeweilige Übersetzer weithin die Freiheit, zusätzliches erklärendes Material in den Text einzubringen. Weil sie vom Wortlaut des Originaltextes häufig sehr stark abweicht, besteht immer die Gefahr, zu viel hineinzulegen. Die Hoffnung für alle1£ï9 ï1’œ•1£ Š›1Ÿ˜—1 evangelikaler Seite übersetzt worden, übernimmt jedoch an einigen Stellen Auslegungen, die man bestenfalls als umstritten bezeichnen würde. Von Bibelversionen, die durch liberale Bibelkritik und katholischen Sakramentalismus geprägt sind (wie Einheitsübersetzung, Jerusalemer Bibel, Zink-Übertragung, Gute Nachricht usw.), ist abzuraten. Wer sich ausführlicher mit dem Thema Bibelübersetzungen beschäftigen möchte, sei auf den ausgezeichneten Leitfaden »Bibelübersetzungen unter der Lupe« (Kurt Weber, Aßlar, 1984) verwiesen. Es ist gut, je eine Bibel aus jeder dieser Gruppen zu besitzen, um Vergleiche anstellen zu können. Wir denken jedoch, dass sich die Übersetzungen in genauer Entsprechung am besten für ein eingehendes Bibelstudium eignen, wie es im vorliegenden Kommentar betrieben wird.


16

Einführung in die Evangelien »Die Evangelien sind die Erstlinge aller Schrift.« Origenes

I. Unser wunderbares Evangelium Jeder, der Literatur studiert hat, kennt die Gattungen Erzählung, Roman, Theaterstück, Gedicht, Biografie und andere literarische Formen. Aber als unser Herr Jesus Christus auf diese Erde kam, musste eine neue Literaturgattung entwickelt werden – das Evangelium. Die Evangelien sind keine Biografien, obwohl sie biografisches Material enthalten. Sie sind keine Erzählungen, obwohl sie solche Gleichnisse wie das vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Samariter enthalten, die sich mit anderen Erzählungen der Literatur durchaus messen können. Einige Gleichnisse sind in Romanen oder Kurzgeschichten verarbeitet worden. Die Evangelien sind keine Dokumentationen, doch enthalten sie genaue, wahrscheinlich gekürzte und verdichtete Berichte von vielen Gesprächen und Ansprachen unseres Herrn. Das »Evangelium« ist nicht nur eine einzigartige literarische Gattung, sondern nachdem die vier Evangelisten ihre Evangelien geschrieben hatten, konnte niemand mehr ein kanonisches Buch über das Leben Jesu Christi schreiben. Vier Evangelien, und zwar nur diese vier, sind von den Christen seit zweitausend Jahren anerkannt. Es gab verschiedene Irrlehrer, die ihre Bücher ebenfalls Evangelien nannten, aber es waren meist schreckliche Machwerke, die irgendeine Irrlehre (wie etwa die Gnosis) unterstützen wollten. Aber warum gibt es ausgerechnet vier Evangelien? Wieso nicht fünf, ähnlich wie die fünf Bücher Mose, damit wir einen christlichen Pentateuch hätten? Oder weshalb nicht nur ein einziges, langes Evangelium ohne die vielen Wiederholungen, das mehr Raum für weitere Wunder und Gleichnisse lassen würde? Die Versuche, unsere vier Evangelien zu harmonisie-

ren oder alle vier zusammenzufassen, gehen bis ins 2. Jahrhundert zurück. Damals gab Tatian sein Diatessaron heraus, dessen Name sich von dem entsprechenden griechischen Begriff ableitet und so viel wie »durch vier hindurch« bedeutet. Irenäus stellte die Theorie auf, dass die vier Evangelien den vier Enden der Erde oder den vier Windrichtungen entsprechen würden, wobei die Zahl Vier die Tatsache versinnbildlicht, dass sie allumfassend sind. II. Die vier Symbole Viele haben eine Parallele zwischen den vier Evangelien und den vier Symbolen bei Hesekiel und in der Offenbarung gesehen: der Löwe, der Stier (bzw. das Kalb), der Mensch und der Adler. Diese Symbole sind in der christlichen Kunst immer wieder verwendet worden. Sie sind allerdings von verschiedenen Christen unterschiedlich auf die verschiedenen Evangelien bezogen worden. Wenn die Zuordnung dieser Attribute (wie sie in der Kunst genannt werden) richtig ist, dann passt der Löwe am besten zu Matthäus, dem königlichen Evangelium des Löwen aus Juda. Der Stier, ein dienstbares Tier, entspricht am besten Markus, dem Evangelium des Dieners. Der Mensch ist die Schlüsselfigur für Lukas, dem Evangelium des Menschensohnes. Sogar ein englischsprachiges Standardhandbuch für Synonyme, Gegensatzwörter und Präpositionen sagt, dass »der Adler das Attribut für Johannes ist, der sich durch seine erhabene geistliche Schau auszeichnet«.1 III. Die vier Leserkreise Die wahrscheinlich beste Erklärung für die Tatsache, dass es vier Evangelien gibt, besteht darin, dass der Heilige Geist vier verschiedene Arten von Menschen an-


17 sprechen will. Es sind vier Menschentypen der Antike, die aber auch heute noch ihre modernen Entsprechungen haben. Alle Ausleger sind sich einig, dass Matthäus das »jüdischste« der vier Evangelien ist. Die Zitate aus dem AT, die ausführlichen Reden, der Stammbaum unseres Herrn und der allgemein jüdische Ton können sogar von dem erkannt werden, der das Evangelium zum ersten Mal liest. Markus ist wahrscheinlich das Evangelium, das in der Hauptstadt des römischen Imperiums geschrieben wurde. Es richtet sich an die Römer und auch an die Millionen ähnlich eingestellter Menschen, die wie diese das Handeln mehr schätzen als das tiefsinnige Denken. Das Markusevangelium erzählt deshalb viele Wunder und nur wenige Gleichnisse. Dieses Evangelium kommt ohne Stammbaum aus, denn warum sollte sich ein Römer für den jüdischen Stammbaum eines Knechtes Gottes interessieren? Lukas ist eindeutig das Evangelium für die Griechen und die vielen Römer, die die griechische Literatur und Kunst liebten und sie nachahmten. Diese Menschen lieben Schönheit, Menschlichkeit, Stil und literarische Qualität. Der Arzt Lukas kann das alles bieten. Zusammen mit den modernen Griechen entsprechen wahrscheinlich die Franzosen am meisten diesem Menschentyp. Es ist keine Überraschung, dass ein Franzose dieses Evangelium »das schönste Buch der Welt« genannt hat (siehe Einführung zum Lukasevangelium). Welche Menschen bleiben für Johannes übrig? Johannes ist das allum•ŠœœŽ—•Ž1 ŸŠ—•Ž•’ž–ð1 •ï9‘ï1 Žœ1 ‘Š•1 “ޕޖ1 Menschen etwas zu bieten. Es ist evangelistisch (Kap. 20,30.31), doch wird es ebenso von großen christlichen Denkern geschätzt. Wahrscheinlich ist das die Lösung: Johannes ist den Angehörigen der »dritten Rasse« gegeben, ein Name, den die Heiden den ersten Christen beilegten, weil sie in religiöser Hinsicht weder zu den Juden noch zu den Heiden gezählt wurden.

Einführung in die Evangelien IV. Andere Leitgedanken, die aus vier Aspekten bestehen Es gibt noch einige andere, aus vier Aspekten bestehende Leitgedanken im AT, die mit den Hauptthemen der vier Evangelien schön übereinstimmen. »Der Spross« erscheint als Titel unseres Herrn in den folgenden Zusammenhängen: »… dem David einen gerechten Spross … als König« (Jer 23,5) »… mein Knecht, der Spross« û ŠŒ‘1Yð^ò1 9W_^Zü »… ein Mann, Spross ist sein Name« (Sach 6,12) »der Spross des R__[« (Jes 4,2) Dann gibt es die viermalige Erwähnung des Begriffs »siehe« im AT, die genau den vier Themen der Evangelien entspricht: »Siehe, dein König« (Sach 9,9) »Siehe, mein Knecht« (Jes 42,1) »Siehe, ein Mann« (Sach 6,12; oder »Mensch«; NKJV) »Siehe, … euer Gott« (Jes 40,9) Eine letzte Parallele können wir finden, die zwar weniger offensichtlich ist, aber sich als Segen für viele Menschen erwiesen hat. Die vier Farben der Materialien des Heiligtums mit ihrer symbolischen Bedeutung scheinen auch zur vierfachen Beschreibung unseres Herrn durch die Evangelisten zu passen: Purpur ist sicherlich die angemessene Farbe für Matthäus, das Evangelium des Königs. Richter 8,26 zeigt den Zusammenhang zwischen dieser Farbe und dem Königtum. Karmesin ist eine Farbe, die im Altertum durch das Zerdrücken des Koschenille-Wurmes gewonnen wurde. Das weist auf Markus hin, das Evangelium des Knechtes, »ein Wurm und kein Mensch« (Ps 22,7). Weiß spricht von den gerechten Taten der Heiligen (Offb 19,8). Lukas betont, dass Christus vollkommener Mensch war. Blau (Elb) symbolisiert den Saphirdom, den wir den Himmel nennen ûXï9 ˜1œŽ1 XZðWVüð1 Ž’—1 Š—œ™›ŽŒ‘Ž—•Žœ1 Ž’-


Einführung in die Evangelien chen für die Gottheit Christi, das Schlüsselthema bei Johannes. V. Reihenfolge und Schwerpunkt In den Evangelien sehen wir, dass die Ereignisse oft nicht in der Reihenfolge dargestellt werden, in der sie geschehen sind. Es ist gut, wenn man sich von Anfang an daran erinnert, dass der Heilige Geist oft verschiedene Geschehnisse nach ihrer moralischen Lehre zusammenfasst. Kelly sagt dazu: Je mehr wir die Texte betrachten, stellt sich heraus, dass wir bei Lukas im Wesentlichen ein moralische Anordnung haben. Es zeigt sich, dass er die Tatsachen, Gespräche, Fragen, Antworten und Reden unseres Herrn nach ihren inneren Zusammenhängen geordnet hat, und nicht nach der äußeren Abfolge der Geschehnisse, die in Wahrheit die primitivste und elementarste Form der Aufzeichnung ist. Aber wenn man Ereignisse nach ihren Ursachen und Folgen in eine moralische Ordnung bringt, dann ist das eine weitaus schwierigere Aufgabe für einen Historiker, der sich dadurch vom reinen Chronisten unterscheidet. Gott konnte Lukas gebrauchen, diese Methode in Vollkommenheit anzuwenden.2 Die verschiedenen Schwerpunkte und Ansätze helfen uns, die Unterschiede der Evangelien zu erklären. Während die ersten drei Evangelien, die sogenannten Syn˜™•’”Ž›1 û•ï9‘ï1 •’ޓޗ’•Ž—ð1 •’Ž1 Ž’—Ž1 žsammenschau« bieten), in ihrem Ansatz das Leben Christi in ähnlicher Weise betrachten, folgt Johannes einer anderen Methode. Er schrieb später und wollte nicht wiederholen, was von den anderen bereits ausführlich beschrieben worden war. Aus seinen Worten über das Leben und Reden unseres Herrn spricht eine größere gedankliche Tiefe und eine stärkere lehrmäßige Durchdringung. VI. Die synoptische Frage Die Frage, warum es so viele gleiche Passagen – die teilweise über große Strecken einander wörtlich entsprechen – und doch auch so viele Unterschiede zwischen den ersten drei Evangelien gibt, wird normalerweise als »die synoptische

18 Frage« bezeichnet. Probleme bereitet sie jedoch eher denjenigen Menschen, die die Inspiration bestreiten, als konservativen Christen. Man hat viele komplexe Theorien aufgestellt, die oftmals spekulative verlorene Quellen annehmen, die nicht in Schriftform überliefert worden sind. Einige dieser Ideen lassen sich mit Lukas 1,1 vereinbaren und sind vom konservativen Standpunkt aus zumindest möglich. Immerhin behaupten diese Theorien heute mittlerweile, dass die Gemeinde des 1. Jahrhunderts sogenannte »Mythen« über Christus zusammengetragen hätte. Abgesehen von dem Unglauben gegenüber allen christlichen und kirchengeschichtlichen Quellen, den diese sogenannten »formkritischen« Theorien vertreten, sollte man festhalten, dass es keinen Handschriftenbeweis für diese Theorien gibt. Auch stimmen keine zwei Vertreter dieser theologischen Richtung darin überein, wie sie die synoptischen Evangelien aufteilen und kategorisieren sollen. Eine bessere Lösung dieser Frage finden wir in den Worten unseres Herrn in Johannes 14,26: »Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« Diese Erklärung beachtet die Augenzeugenberichte von Matthäus und Johannes, was wahrscheinlich auch für Markus gilt, da er nach kirchengeschichtlichen Quellen die Erinnerungen von Petrus festgehalten hat. Wenn wir nun zu dieser unmittelbaren Hilfe des Heiligen Geistes die die in Lukas 1,1 erwähnten schriftlichen Dokumente und die bemerkenswerte, der wörtlichen Genauigkeit verpflichtete mündliche Tradition der semitischen Völker hinzurechnen, dann ist die synoptische Frage gelöst. Jede notwendige Wahrheit, Einzelheit oder Auslegung, die über diese Quellen hinausgeht, kann »in Worten, gelehrt durch den (Heiligen) Geist«, ˜••Ž—‹Š›•1 ˜›•Ž—1œŽ’—1ûWï9 ˜›1XðWYüï Deshalb sollten wir uns fragen, wenn wir einen scheinbaren Widerspruch oder Unterschiede in Einzelheiten finden:


19 »Warum lässt gerade dieses Evangelium diese Handlung oder Rede aus. Wieso wird sie gerade von ihm hinzugefügt oder betont?« Zum Beispiel erzählt Matthäus zweimal von zwei Leuten, die geheilt wurden (von Blindheit und von Dämonen), während Markus und Lukas jeweils nur einen erwähnen. Manche sehen darin einen Widerspruch. Besser ist jedoch die Sichtweise, dass Matthäus, der für die Juden schreibt, beide Männer erwähnt, weil das Gesetz »zwei oder drei Zeugen« fordert. Die anderen erwähnen dagegen zum Beispiel den Herausragenden von beiden, denjenigen, der mit Namen genannt ist (der blinde Bartimäus). Die folgende Auswahl zeigt einige scheinbare Dubletten in den Evangelien, die in Wirklichkeit besondere Unterschiede betonen: Lukas 6,20-23 scheint der Bergpredigt zu entsprechen, doch bei Lukas findet die Predigt auf einem »ebenen Platz« statt (Lk 6,17). Die Seligpreisungen beschreiben den Charakter des idealen Bürgers des Reiches, während bei Lukas der Lebensstil derer beschrieben wird, die Christi Jünger sind. Lukas 6,40 scheint der gleiche Ausspruch wie Matthäus 10,24 zu sein. Aber in Matthäus ist Jesus der Meister, und wir sind seine Jünger, während bei Lukas der Jünger der Lehrende ist und der von ihm Unterwiesene zum Jünger werden will. In Matthäus 7,22 wird der Dienst für den König betont, wohingegen Lukas 13,25-27 die Gemeinschaft mit dem Meister beschreibt. Während Lukas 15,4-7 eine scharfe Abrechnung mit den Pharisäern umfasst, beschäftigt sich Matthäus in Kapitel 18,12.13 mit den Kindern und Gottes Liebe zu ihnen. Als nur Gläubige anwesend waren, sagte Johannes: »Er … wird euch mit Heiligem Geist taufen« (Mk 1,8; vgl. Joh 1,33). Als bei ihm viele verschiedene Menschen – darunter auch Pharisäer – sind, sagte er: »Er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer (eine Taufe des Gerichtes) taufen« (Matth 3,11; Lk 3,16). Der Ausdruck »mit welchem Maß ihr

Einführung in die Evangelien messt« bezieht sich in Matthäus 7,2 auf unsere richtende Haltung gegenüber anderen, in Markus 4,24 auf unsere Aneignung des Wortes und in Lukas 6,38 auf unsere Freigebigkeit. Diese Unterschiede sind also keine Widersprüche, sondern bewusste, lehrreiche geistliche Gedankenanstöße, die den Gläubigen zu weiterem Nachsinnen anregen. VII. Verfasserschaft der einzelnen Bücher Man unterscheidet normalerweise, wenn man die Verfasserschaft der Evangelien erörtert (und eigentlich immer, wenn es in der Bibel um die Verfasserfrage geht), zwischen äußeren und inneren Beweisen. Das werden wir bei allen 27 Büchern des NT so handhaben. Unter äußeren Beweisen versteht man meist Zeugnisse von Schreibern, die zeitlich näher an der Abfassung der Bücher gelebt haben (meist die Kirchenväter des 2. und 3. Jahrhunderts) und von einigen wenigen Häretikern oder Irrlehrern. Diese zitieren bestimmte Bücher oder spielen darauf an und sagen uns manchmal direkt etwas über die Autoren und die Bücher, die uns interessieren. Wenn zum Beispiel Clemens von Rom am Ende des 1. Jahrhunderts den 1. Korintherbrief zitiert, dann kann er sicherlich keine Fälschung des 2. Jahrhunderts sein, die unter dem Namen des Paulus veröffentlicht worden ist. Unter inneren Beweisen verstehen wir den Stil, die Wortwahl, die Geschichte und den Inhalt eines Buches, um zu sehen, ob sie dem widersprechen, was äußere Dokumente und Autoren behaupten. Zum Beispiel unterstützt der Stil des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte die Annahme, dass der Autor ein gebildeter heidnischer Arzt war. In vielen Büchern wird der »Kanon« oder die Liste der anerkannten Bücher zitiert, die der Häretiker Marcion im 2. Jahrhundert aufgelistet hat. Er akzeptiert nur eine gekürzte Version von Lukas und 10 der Paulusbriefe, doch ist er dennoch ein recht hilfreicher Zeuge, um festzustellen, welche Bücher zu seiner Zeit schon zum


20

Einführung in die Evangelien Allgemeingut gehörten. Der Muratorische Kanon (benannt nach dem italienischen Kardinal Muratori, der das Dokument fand) ist eine allgemein anerkannte,

wenn auch an manchen Stellen unvollständige Liste der kanonischen christlichen Bücher.

Anmerkungen 1

James C. Fernald, Hrsg., Eintrag »Emblem« in: Funk & Wagnalls Stan-

2

dard Handbook of Synonyms, Antonyms, and Prepositions, S. 175. William Kelly, An Exposition of the Gospel of Luke, S. 16.


21

Das Evangelium nach Matthäus »In der Breite der Konzeption und in der Kraft, mit der umfangreiches Material einer großartigen Idee untergeordnet ist, kann man keinen Schreiber des Alten oder Neuen Testamentes, der ein historisches Thema behandelt, mit Matthäus vergleichen.« Theodor Zahn

Einführung I. Die einzigartige Stellung im Kanon Das Evangelium des Matthäus ist die vollkommene Brücke zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Schon die ersten Worte führen uns zurück zum Vater des alttestamentlichen Volkes Gottes, Abraham, und zum ersten großen König Israels, David. Mit seinem Schwerpunkt, der eindeutig jüdischen Prägung, den vielen Zitaten aus den hebräischen Schriften und seiner Einordnung als erstes neutestamentliches Buch ist das Matthäusevangelium bestens geeignet, mit der Verbreitung der christlichen Botschaft in der Welt zu beginnen. Matthäus hat seinen Platz schon lange an erster Stelle der Evangelien, weil man bis in unsere moderne Zeit hinein weithin geglaubt hat, dass das gleichnamige Buch als erstes Evangelium geschrieben worden sei. Auch eignete es sich aufgrund des klaren, geordneten Stils des Matthäus bestens dazu, im Gottesdienst vorgelesen zu werden. Deshalb war es immer das bekannteste Evangelium, das sich diesen Platz nur zeitweilig mit Johannes teilen musste. Um noch als »konservativ« zu gelten, muss man nicht glauben, dass das Matthäusevangelium die erste Heilsbotschaft war, die geschrieben worden ist. Dennoch waren die ersten Christen fast alle jüdischer Abstammung, und Judenchristen gab es zu Tausenden. Es scheint also ganz logisch zu sein, dass ihre Bedürfnisse nach einem Evangelium auch zuerst erfüllt wurden.

II. Verfasserschaft Die äußeren Beweise sind sehr alt und besagen übereinstimmend, dass der Zolleinnehmer Matthäus, der auch Levi genannt wurde, das erste Evangelium geschrieben hat. Da er kein herausragendes Mitglied des Apostelkreises war, wäre es sehr seltsam gewesen, wenn man ihm das erste Evangelium zugeschrieben und er in Wirklichkeit nichts damit zu tun gehabt hätte. Neben einem alten Buch, das unter dem Namen »Didache« (Lehre der zwölf Apostel) bekannt ist, zitieren Justin der Märtyrer, Dionysius von Korinth, Theophilus von Antiochia und Athenagoras von Athen das Evangelium als authentisch. Eusebius, der Kirchenhistoriker, zitiert Papias, der gesagt hat: »Matthäus stellte die Logia in hebräischer Sprache zusammen, und jeder übersetzte sie, so gut er konnte.« Damit stimmen Irenäus, Pantänus und Origenes grundlegend überein. Mit »hebräisch« ist hier nach allgemeiner Auffassung der aramäische Dialekt gemeint, der von den Juden zur Zeit Jesu benutzt wurde, da das Wort auch im NT erscheint. Aber was sind die Logia? Normalerweise bedeutet dieses griechische Wort »Sprüche, Aussprüche«, wie etwa das AT die Aussprüche Gottes enthält. Das kann aber in dem Zitat von Papias nicht gemeint sein. Es gibt zu seinem Zitat drei Hauptauffassungen: 1. Es bezieht sich auf das Matthäusevangelium an sich. Das heißt, Matthäus schrieb eine aramäische Fassung, um insbesondere die Juden für Christus zu gewinnen und die Judenchristen zu erbauen. Später erschien dann eine


Matthäus griechische Fassung, die allein überliefert worden ist. 2. Das Zitat bezieht sich nur auf Aussprüche Jesu, die Matthäus später in sein Evangelium einbezogen hat. 3. Es bezieht sich auf testimoniað1•ï9‘ï1Šž•1 Zitate aus alttestamentlichen Schriften, die zeigen, dass Jesus der Messias ist. Die Auffassungen 1 und 2 sind wahrscheinlicher als die Auffassung 3. Das Griechisch, das Matthäus schreibt, liest sich nicht wie eine bloße Übersetzung, doch muss eine so weitverbreitete Tradition (der in der Frühzeit niemand widersprochen hat) auf Tatsachen beruhen. Die Überlieferung berichtet, dass Matthäus fünfzehn Jahre lang in Palästina gepredigt hat und dann aufbrach, um in fremden Ländern zu evangelisieren. Es ist –ã••’Œ‘ð1•Šœœ1Ž›1Ž• Š1ž–1Z[1—ï9 ‘›ï1•Ž—1 Juden, die Jesus als ihren Messias angenommen hatten, eine erste Fassung seines Evangeliums (oder einfach der Aussprüche bzw. Reden Jesu) in aramäischer Sprache hinterlassen und später eine griechische Version für den allgemeinen Gebrauch herausgegeben hat. Etwas Ähnliches kennen wir von Josephus, der zur selben Zeit wie Matthäus lebte. Dieser jüdische Historiker schrieb eine erste Fassung seines Jüdischen Krieges auf Aramäisch, die Endfassung jedoch auf Griechisch. Die inneren Beweise hinsichtlich des ersten Evangeliums passen gut zu dem frommen Juden, der das AT liebte und als sorgfältiger Schreiber sowie Herausgeber begabt war. Als Beamter Roms musste Matthäus nicht nur die Sprache seines Volkes (Aramäisch), sondern auch diejenige der Verwaltungsbehörden (im Oströmischen Reich sprach man Griechisch, nicht Latein) gut beherrschen. Die vielen zahlenmäßigen Einzelheiten sowie die Gleichnisse und Ausdrücke, die sich auf das Geld beziehen, passen ausnahmslos gut zu einem Zolleinnehmer. Ebenso ist der prägnante, ordentliche Stil ihm angemessen. Goodspeed, ein liberaler Exeget, akzeptiert die Verfasserschaft des Matthäus teilweise wegen dieser bestätigenden inneren Beweise.

22 Trotz der Vielzahl dieser äußeren und der entsprechenden inneren Beweise verwerfen die meisten liberalen Exegeten die traditionelle Ansicht, dass Matthäus, der Zolleinnehmer, dieses Buch geschrieben hat. Sie verneinen seine Verfasserschaft aus zwei Hauptgründen: Wenn man erstens annimmt, dass Markus das erste Evangelium ist (in vielen Kreisen heute ein unwidersprochenes »Dogma«), erhebt sich die Frage: Wie könnte ein Apostel und Augenzeuge wie Matthäus so viel Material von Markus ŸŽ› Ž—•Ž—1û_Y9–1Ÿ˜—1 Š›”žœ1•’—•Ž—1œ’Œ‘1 auch in anderen Evangelien)? Darauf ist Folgendes zu antworten: Es ist zunächst nicht bewiesen, dass Markus das erste Evangelium ist. Alte Zeugnisse sagen, dass Matthäus als Erster geschrieben hat, und da die ersten Christen fast ausschließlich Juden waren, ist diese Aussage auch sehr plausibel. Aber selbst wenn wir akzeptieren, dass Markus zuerst entstanden ist (und das nehmen auch viele konservative Theologen an), könnte Matthäus anerkannt haben, dass Markus größtenteils die Erinnerungen seines Mitapostels, des tatkräftigen Simon Petrus, wiedergegeben hat, wie es in der frühkirchlichen Überlieferung heißt (s. Einführung zu Markus). Das zweite Argument gegen die Verfasserschaft des Matthäus (oder eines Augenzeugen) besteht darin, dass hier lebhafte Details fehlen. Markus, von dem niemand annimmt, dass er den Dienst Jesu persönlich miterlebt hat, erzählt in so anschaulichen Einzelheiten, dass man den Eindruck bekommt, er sei dabei gewesen. Wie konnte dann ein wirklicher Augenzeuge so sachlich-nüchtern schreiben? Vielleicht lässt sich das recht gut anhand der Persönlichkeit des Zolleinnehmers erklären. Um mehr Platz für die Reden des Herrn zu haben, hat Levi möglicherweise jedes nutzlose Detail einfach weggelassen. Das wäre insbesondere dann der Fall, wenn Markus als Erster geschrieben und Matthäus gesehen hätte, dass die Erinnerungen des Petrus, die aus erster Hand stammten, dort schon gut wiedergegeben waren.


23 III. Datierung Wenn die weitverbreitete Auffassung zutrifft, dass Matthäus zuerst eine aramäische Fassung seines Evangeliums (oder doch zumindest der Aussprüche Jesu) geschrieben hat, dann würde ein Datum um 45, fünfzehn Jahre nach der Himmelfahrt, gut mit der Tradition übereinstimmen. Es könnte dann sein, dass er die umfassendere kanonische, auf Griechisch niedergeschriebene Version seines Evangeliums 50 oder 55 bzw. noch später fertigstellte. Die Auffassung, dass das Evangelium notwendigerweise nach der Zerstörung Jerusalems geschrieben sein muss û]V1 —ï9 ‘›ïüð1 ‹Ž›ž‘•1 •›ã •Ž—•Ž’•œ1 Šž•1 •Ž›1 Annahme, dass Jesus nicht imstande war, dieses zukünftige Ereignis im Detail vorauszusagen, und auf anderen rationalistischen Theorien, die die göttliche Inspiration missachten oder bestreiten. IV. Hintergrund und Thema Matthäus war ein junger Mann, als Jesus ihn berief. Er war als Jude geboren und als Zolleinnehmer ausgebildet worden und gab seinen Beruf auf, um Christus nachzufolgen. Ein Teil seines Lohnes dafür war, dass er einer der zwölf Apostel wurde. Ein anderer Teil bestand darin, dass er zum Schreiber jener Heilsbotschaft berufen wurde, die wir als das erste Evangelium kennen. Man ist allgemein der Auffassung, dass Matthäus identisch mit Levi ist (Mk 2,14; Lk 5,27). In seinem Evangelium will Matthäus

Matthäus zeigen, dass Jesus der lang erwartete Messias Israels ist, der einzige rechtmäßige Anwärter auf den Thron Davids. Das Buch behauptet nicht von sich, eine vollständige Wiedergabe des Lebens Jesu zu sein. Es beginnt mit dem Stammbaum und den frühen Jahren, und geht dann unvermittelt zum Beginn seines öffentlichen Dienstes über, als er etwa dreißig Jahre alt war. Durch den Heiligen Geist geleitet, wählt Matthäus diejenigen Aspekte des Lebens und Dienstes des Retters aus, die ihn als Gottes Gesalbten (das ist die Bedeutung der Wörter »Christus« und »Messias«) ausweisen. Das Buch bewegt sich auf einen Höhepunkt zu: auf das Verhör, den Tod, die Grablegung, die Auferstehung und die Himmelfahrt des Herrn Jesus. Und in diesem Höhepunkt liegt natürlich die Grundlage für die Rettung der Menschen. Deshalb wird das Buch als Evangelium bezeichnet – nicht so sehr, weil es zeigt, wie sündige Menschen errettet werden können, sondern weil es den Opfertod Christi beschreibt, wodurch die Rettung erst ermöglicht wurde. Dieser Kommentar geht nicht auf alle Details ein und kann auch nicht alle theologischen Spitzfindigkeiten behandeln. Vielmehr will er versuchen, das eigenständige Bibelstudium und eigenes Nachsinnen zu fördern. Und sein allerwichtigstes Ziel ist, im Herzen des Lesers eine große Sehnsucht nach der Wiederkunft des Königs zu wecken.


Matthäus 1

24

Einteilung I.

Stammbaum und Geburt des Messiaskönigs (Kap. 1) II. Erste Jahre und Jugend des Messiaskönigs (Kap. 2) III. Vorbereitung für den Dienst als Messias und seine Einsetzung (Kap. 3 und 4) IV. Die Verfassung des Reiches (Kap. 5 – 7) V. Die Machttaten und Gnadenwunder des Messias. Die verschiedenen Reaktionen darauf (8,1 – 9,34) VI. Die Apostel des Messiaskönigs werden nach Israel gesandt (9,35 – 10,42) VII. Wachsender Widerstand und zunehmende Ablehnung (Kap. 11 und 12)

VIII. Der König verkündigt das Reich in seiner neuen zwischenzeitlichen Gestalt, weil Israel ihn verworfen hat (Kap. 13) IX. Die unermüdliche Gnade des Messias wird mit wachsender Feindseligkeit beantwortet (14,1 – 16,12) X. Der König bereitet seine Jünger vor (16,13 – 17,27) XI. Der König unterweist seine Jünger (Kap. 18 – 20) XII. Vorstellung und Verwerfung des Königs (Kap. 21 – 23) XIII. Die Ölbergsrede des Königs (Kap. 24 und 25) XIV. Das Leiden des Königs und sein Tod (Kap. 26 und 27) XV. Der Sieg des Königs (Kap. 28)

Kommentar

Josef das Recht auf den Thron Davids geerbt hat. Dieser Stammbaum zeichnet die rechtmäßige Abstammung Jesu als König Israels auf; der Stammbaum im Lukasevangelium zeigt die direkte Abstammung als Sohn Davids. Das Matthäusevangelium verfolgt die königliche Linie von David über seinen Sohn und Thronfolger Salomo; Lukas verfolgt die Blutsverwandtschaft von David über einen anderen Sohn, Nathan. Dieser Stammbaum schließt mit Josef, dessen Adoptivsohn Jesus war; der Stammbaum in Lukas 3 listet wahrscheinlich die Vorfahren Marias auf, deren leiblicher Sohn er war. Ein Jahrtausend früher hatte Gott mit David einen Bund geschlossen, der für David an keine Bedingung gebunden war. Gott verhieß ihm ein Königreich, das für immer Bestand haben würde, und außerdem eine ununterbrochene Abstammungslinie der Herrscher (Ps 89,5.37.38). Dieser Bund ist nun in Christus erfüllt: Er ist der rechtmäßige Thronerbe durch Josef und durch Maria der Nachkomme im eigentlichen Sinne. Weil er für immer

I. Der Stammbaum Jesu und die Geburt des Messiaskönigs (Kap. 1) A. Der Stammbaum Jesu Christi (1,1-17) Wenn man das NT oberflächlich liest, kann die Frage aufgeworfen werden, warum es mit etwas scheinbar so Langweiligem wie mit einem Geschlechtsregister beginnt. Man könnte schlussfolgern, dass man es überspringen sollte, um zu interessanteren Abschnitten zu kommen, weil man meint, dass diese Aufzählung von Namen nur eine geringe Bedeutung hat. Dennoch ist dieser Stammbaum unverzichtbar. Er legt den Grundstein für alles Folgende. Wenn man nicht zeigen kann, dass Jesus der rechtmäßige Nachfahre der Königslinie Davids ist, kann man unmöglich beweisen, dass er der Messiaskönig Israels ist. Matthäus beginnt seinen Bericht genau an der richtigen Stelle – mit dem schriftlichen Nachweis, dass Jesus durch seinen Pflegevater


25 lebt, wird auch sein Reich auf ewig bestehen, und er wird für immer als Sohn Davids herrschen, da er über seinem Ahnen steht. Jesus vereinte in seiner Person die beiden einzigen Möglichkeiten (die rechtmäßige und die abstammungsmäßige), auf den Thron Israels Anspruch zu erheben; weil er noch immer lebt, kann es keinen geben, der ihm dieses Recht streitig machen kann. 1,1-16 Die Eingangsformel »Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams«, ähnelt •Ž–1 žœ•›žŒ”1 ’—1 Wï9 ˜œŽ1 [ðWñ1 ’Žœ1 ’œ•1 das Buch der Geschlechterfolge Adams.« Das erste Buch Mose führt den ersten Adam ein, Matthäus den zweiten Adam. Der erste Adam war das Haupt der ersten oder natürlichen Schöpfung. Christus, der zweite Adam, ist das Haupt der neuen oder geistlichen Schöpfung. Das Thema dieses Evangeliums ist »Jesus Christus«. Der Name Jesus kennzeichnet ihn als Jahwe-Retter1, sein Titel »Christus« (»der Gesalbte«) weist ihn als den lang erwarteten Messias Israels aus. Der Titel »Sohn Davids« ist mit der Rolle des Messias und des Königs im AT eng verbunden. Der Titel »Sohn Abrahams« zeigt unseren Herrn als den Einen, der die endgültige Erfüllung der Verheißungen an den Stammvater des hebräischen Volkes ist. Der Stammbaum ist in drei historische Abschnitte gegliedert, von Abraham bis Isai, von David bis Josia und von Jojachin bis Josef. Der erste Abschnitt führt bis zu David, der zweite behandelt die Königszeit, und der dritte hält die königliche Abstammungslinie vom Beginn des Exils (ab [^\1Ÿï9 ‘›ïü1‹’œ1 Žœžœ1•Žœ•ï Es gibt viele interessante Einzelheiten in dieser Liste. Zum Beispiel werden in diesem Abschnitt vier Frauen erwähnt: Tamar, Rahab, Rut und Batseba, (»die Frau des Uria«). Weil Frauen nur selten in den Stammbäumen des Orients erwähnt werden, ist es umso erstaunlicher, dass diese Frauen hier erwähnt sind, insbesondere, weil zwei von ihnen Huren waren (Tamar und Rahab), eine die Ehe brach (Batseba) und zwei heidnischer Abstam-

Matthäus 1 mung waren (Rahab und Rut). Dass sie in den einleitenden Abschnitt des Matthäusevangeliums einbezogen werden, deutet vielleicht darauf hin, dass das Kommen Christi Sündern die Errettung sowie Heiden die Gnade bringen würde und in Christus alle Rassen- und Geschlechterschranken niedergerissen werden würden. Interessant ist auch die Erwähnung eines Königs namens Jojachin. In Jeremia 22,30 spricht Gott einen Fluch über diesen Mann aus: »So spricht der R__: Schreibt diesen Mann auf als kinderlos, als einen Mann, dem nichts gelingt in seinen Tagen! Denn von seinen Nachkommen wird es nicht einem gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und weiterhin über Juda zu herrschen.« Wenn Jesus wirklich der leibliche Sohn Josefs gewesen wäre, dann wäre er unter diesen Fluch gekommen. Doch musste er der rechtmäßige Sohn Josefs werden, damit er das Anrecht auf den Thron Davids erben konnte. Das Problem wurde durch das Wunder der Jungfrauengeburt gelöst: Jesus war durch Josef der rechtmäßige Thronerbe. Er war der leibliche Sohn Davids durch Maria. Der Fluch über Jojachin traf nicht Maria oder ihre Kinder, da sie nicht von ihm abstammte. 1,16 Der Ausdruck »von welcher« könnte in der englischen Wiedergabe so gedeutet werden, dass er sich sowohl auf Josef als auch auf Maria bezieht. In der griechischen Ursprache steht »welche« jedoch in der Einzahl und ist weiblich. Dies lässt erkennen, dass Jesus von Maria geboren wurde, aber Josef nicht sein leiblicher Vater war. Doch neben diesen interessanten Merkmalen des Stammbaums müssen auch die darin enthaltenen Schwierigkeiten erwähnt werden. 1,17 Matthäus lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass es in den drei Teilen des Stammbaumes jeweils vierzehn Generationen gibt. Dennoch wissen wir aus dem AT, dass hier bestimmte Namen in seiner Liste fehlen. Zum Beispiel ›Ž•’Ž›•Ž—1£ ’œŒ‘Ž—1 ˜›Š–1ž—•1 œ’“Š1û ï9^ü1


Matthäus 1 Ahasja, Joasch und Amazja als Könige (s. 2. Kön 8 – 14, 2. Chron 21 – 25). Die Stammbäume von Matthäus und Lukas scheinen sich in zwei Namen zu überschneiden: Schealtiel und Serubbabel (Matth 1,12; Lk 3,27). Es ist eigenartig, dass Josefs und Marias Linien sich in diesen Männern vermischt und dann wieder getrennt haben. Es wird noch schwieriger, wenn wir sehen, dass in Anlehnung an Esra 3,2 in beiden Evangelien Serubbabel ein Sohn Schealtiels ist, während er in 1. Chronik 3,19 als Sohn des Pedajas aufgeführt wird. Eine dritte Schwierigkeit ist, dass Matthäus 27 Generationen von David bis Jesus aufzählt, während es bei Lukas 42 sind. Auch wenn die Evangelisten verschiedene Stammbäume auflisten, scheint es dennoch seltsam, dass wir einen solchen Unterschied in der Generationenzahl haben. Welche Haltung sollte jemand, der die Bibel studiert, gegenüber solchen Schwierigkeiten und scheinbaren Diskrepanzen einnehmen? Erstens besteht unsere Grundannahme darin, dass die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist. Deshalb kann es keine Fehler enthalten. Zweitens ist es unermesslich reich, da es die Unendlichkeit Gottes widerspiegelt. Wir können die fundamentalen Wahrheiten des Wortes Gottes verstehen, aber wir können niemals alles begreifen, was es enthält. So führt uns unser Ansatz zu der Schlussfolgerung, dass das Problem mit diesen Schwierigkeiten in unserer mangelnden Erkenntnis und nicht in der Fehlbarkeit der Bibel begründet ist. Biblische Probleme sollten uns herausfordern, nach Antworten zu forschen und zu suchen. »Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, die Ehre der Könige aber, eine Sache zu erforschen« (Spr 25,2). Sorgfältige Studien von Historikern und Ausgrabungen von Archäologen haben nicht zeigen können, dass die Aussagen der Bibel falsch sind. Was uns schwierig und widersprüchlich erscheinen mag, hat alles eine Erklärung, und diese Erklärungen enthalten eine Fülle an geistlicher Bedeutung und geistlichem Nutzen.

26 B. Die Geburt Jesu durch Maria (1,18-25) 1,181 ’Ž1 Ž‹ž›•1 Žœž1 ‘›’œ•’ 1û 9W_WXü1 unterschied sich von allen anderen Geburten, die in dem Stammbaum erwähnt sind. Bisher fanden wir die wiederholte Formulierung: »A … zeugte B.« Aber hier haben wir die Aufzeichnung einer Geburt ohne menschlichen Vater. Die Tatsachen dieser wunderbaren Empfängnis werden würdig und einfach dargestellt. Maria war dem Josef zur Ehe versprochen worden, aber die Hochzeit hatte noch nicht stattgefunden. Wenn sich in der Zeit des NT zwei Menschen verlobten, waren sie in gewisser Weise einander angetraut (damit ging man eine größere Verpflichtung als heute ein). Dieser Zustand konnte nur durch eine Scheidung rückgängig gemacht werden. Obwohl ein verlobtes Paar bis zur Eheschließung nicht zusammenlebte, wurde Untreue eines Partners wie Ehebruch behandelt und mit dem Tode bestraft. Während ihrer Verlobungszeit wurde die Jungfrau Maria durch ein Wunder »von dem Heiligen Geist« schwanger. Ein Engel hatte Maria dieses geheimnisvolle Ereignis angekündigt: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten« (Lk 1,35). Eine Atmosphäre von Verdächtigungen und Skandalsucht umgab Maria. In der ganzen menschlichen Geschichte hatte es nie eine Jungfrauengeburt gegeben. Als die Leute deshalb eine unverheiratete Frau sahen, die schwanger war, gab es für sie nur eine logische Erklärung. 1,19 Sogar Josef kannte die wahre Erklärung für Marias Zustand noch nicht. Er hätte aus zweierlei Gründen über seine Verlobte entrüstet sein können: Erstens hatte es sich offensichtlich herausgestellt, dass sie ihm untreu gewesen war, und zweitens würde er trotz seiner Unschuld höchstwahrscheinlich der Mittäterschaft angeklagt werden. Seine Liebe zu Maria und sein Gerechtigkeitssinn führten ihn zu der Entscheidung, das Verlöbnis durch eine im Stillen vollzogene Scheidung zu lösen. Er wollte die öffentliche Schande


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