Historisch-Theologische Auslegung
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Neues Testament Herausgegeben von Gerhard Maier ٠ Heinz-Werner Neudorfer ٠ Rainer Riesner ٠ Eckhard J. Schnabel
Der zweite Brief des Paulus an Timotheus Heinz-Werner Neudorfer
SCM R.BROCKHAUS, WITTEN BRUNNEN VERLAG, GIESSEN
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Umschlaggestaltung: agentur krauss GmbH, Herrenberg Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Druck und Bindung: Finidr s.r.o. Gedruckt in Tschechien ISBN 978-3-417-29734-8 ISBN 978-3-7655-9734-3 Bestell-Nr. 229.734
(SCM R.Brockhaus) (Brunnen)
INHALT Vorwort der Herausgeber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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I. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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1. Autor und Adressat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Geschichtliche Situation, Ort und Zeit der Abfassung . . . . . . . . . . 2.1 Die Hintergründe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Die aktuelle Situation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Ein synchroner Blick auf die „Gefangenschaftsbriefe“ des Paulus . 2.4 Handschriftliche und altkirchliche Bezeugung . . . . . . . . . . . . . . 3. Literarische Fragen und sprachliche Merkmale . . . . . . . . . . . . . . . 3.1 Gattung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Aufbau und sprachliche Formen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. Botschaft und theologische Aussage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Text-, Auslegungs- und Wirkungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1 Textgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.2 Auslegungsgeschichte: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.3 Wirkungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . .
15 22 23 26 30 32 32 32 36 41 44 44 45 50
II. Auslegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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1. Präskript: Absender, Adressat und Gruß 1,1-2 . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Dankbare Erinnerungen 1,3-5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Das Amt, der Auftrag, sein Fundament und seine Bedrohung 1,6-14 4. Trennungen 1,15-18 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Leben und Leiden aus der Auferstehungskraft Christi 2,1-13 . . . . . . 6. Warnung vor unnützem Streit und Ermutigung zum Dienst 2,14-26 . 7. Endzeitliche Erscheinungen 3,1-9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8. Leiden im Dienst 3,10-13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9. Das Schrift gewordene und das verkündigte Wort Gottes 3,14–4,4 . . 10. Ermahnung zu treuem Dienst – auch im Leiden 4,5-8 . . . . . . . . . . 11. Mitarbeitersorgen – Aufträge – Persönliches 4,9-18 . . . . . . . . . . . 12. Briefschluss 4,19-22 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
55 64 78 109 114 144 182 204 217 243 257 291
Bemerkungen im Rückblick auf die Auslegung der Pastoralbriefe . . . . 301
III. Verzeichnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305 1. Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305 2. Autorenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311 3. Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313
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Vorwort der Herausgeber Die Kommentarreihe „Historisch-theologische Auslegung des Neuen Testaments“ will mit den Mitteln der Wissenschaft die Aussagen der neutestamentlichen Texte in ihrer literarischen Eigenart, im Hinblick auf ihre historische Situation und unter betonter Berücksichtigung ihrer theologischen Anliegen erläutern. Dabei sollen die frühere wie die heutige Diskussion und neben den traditionellen auch neuere exegetische Methoden berücksichtigt werden. Die gemeinsame Basis der Autoren der einzelnen Kommentare ist der Glaube, dass die Heilige Schrift von Menschen niedergeschriebenes Gotteswort ist. Der Kanon Alten und Neuen Testaments schließt den Grundgedanken der Einheit der Bibel als Gottes Wort ein. Diese Einheit ist aufgrund des Offenbarungscharakters der Heiligen Schrift vorgegeben und braucht nicht erst hergestellt zu werden. Die Kommentatoren legen deshalb das Neue Testament mit der Überzeugung aus, dass die biblischen Schriften vertrauenswürdig sind und eine Sachkritik, die sich eigenmächtig über die biblischen Zeugen erhebt, ausschließen. Wo Aussagen der biblischen Verfasser mit außerbiblischen Nachrichten in Konflikt stehen oder innerhalb der biblischen Schriften Spannungen und Probleme beobachtet werden, sind Klärungsversuche legitim und notwendig. Bei der Behandlung umstrittener Fragen möchten die Autoren vier Regeln folgen: 1. Alternative Auffassungen sollen sachlich, fair und in angemessener Ausführlichkeit dargestellt werden. 2. Hypothesen sind als solche zu kennzeichnen und dürfen auch dann nicht als Tatsachen ausgegeben werden, wenn sie weite Zustimmung gefunden haben. 3. Offene Fragen müssen nicht um jeden Preis entschieden werden. 4. Die Auslegung sollte auch für denjenigen brauchbar sein, der zu einem anderen Ergebnis kommt. Unser Kommentar will keine umfassende Darstellung der Auslegung eines neutestamentlichen Buches in Geschichte und Gegenwart geben. Weder bei der Auflistung der Literatur noch in der Darstellung der Forschungsgeschichte oder der Auseinandersetzung mit Auslegungspositionen wird Vollständigkeit angestrebt. Die einzelnen Autoren haben hier im Rahmen der gemeinsamen Grundsätze die Freiheit, beim Gespräch mit der früheren und aktuellen Exegese eigene Akzente zu setzen. Die Kommentarreihe unternimmt den Versuch einer „geistlichen Auslegung“. Über die möglichst präzise historisch-philologische Erklärung hinaus soll die Exegese die Praxis von Verkündigung, Seelsorge sowie Diakonie im Blick behalten und Brücken in die kirchliche Gegenwart schlagen. Die Autoren gehören zu verschiedenen Kirchen und
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2. Timotheusbrief
Freikirchen der evangelischen Tradition. Unterschiede der Kirchen- oder Gemeindezugehörigkeit, aber auch unterschiedliche exegetische Meinungen wollen sie weder gewaltsam einebnen noch zum zentralen Thema der Auslegung machen. Der Nähe zur gemeindlichen Praxis wird dadurch Rechnung getragen, dass neben griechischen bzw. hebräischen Texten die entsprechenden Begriffe noch einmal in Umschrift erscheinen. Auf diese Weise kann auch dem sprachlich nicht entsprechend ausgebildeten Laien zumindest eine Andeutung der Sprachgestalt der Grundtexte vermittelt werden. Die Auslegung folgt einem gemeinsamen Schema, das durch römische Ziffern angezeigt wird. Leserinnen und Leser finden unter I eine möglichst genaue Übersetzung, die nicht vorrangig auf eine eingängige Sprache Wert legt. Unter II ist Raum für Bemerkungen zu Kontext, Aufbau, literarischer Form oder Gattung sowie zum historischen und theologischen Hintergrund des Abschnitts. Unter III folgt dann eine Vers für Vers vorgehende Exegese, die von Exkursen im Kleindruck unterbrochen sein kann. Abschließend findet man unter IV eine Zusammenfassung, in der das Ziel des Abschnitts, seine Wirkungsgeschichte und die Bedeutung für die Gegenwart dargestellt werden, soweit das nicht schon im Rahmen der Einzelexegese geschehen ist. Alle Auslegung der Bibel als Heiliger Schrift ist letztlich Dienst in der Gemeinde und für die Gemeinde. Auch wenn die „Historisch-theologische Auslegung“ keine ausdrückliche homiletische Ausrichtung hat, weiß sie sich dem Ziel verpflichtet, der Gemeinde Jesu Christi für ihren Glauben und ihr Leben in der säkularen Moderne Orientierung und Weisung zu geben. Die Herausgeber hoffen, dass die Kommentarreihe sowohl das wissenschaftlich-theologische Gespräch fördert als auch der Gemeinde Jesu Christi über die Konfessionsgrenzen hinaus dient. Im Frühjahr 2004 Landesbischof i. R. Dr. Gerhard Maier Dr. Heinz-Werner Neudorfer Prof. Dr. Rainer Riesner Prof. Dr. Eckhard J. Schnabel
Abkürzungen
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Abkürzungen AncB ANRW Bauer/Aland
BDR BET BWANT BZ BZNW CBL CIJ CSEL EKK ET EtB EWNT FRLANT HAW HNT HTA HThK HvS ICC IVP JBL JETh JSNT.S
Anchor Bible Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Hg. W. Haase / H. Temporini W. Bauer / K. Aland / B. Aland. Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur. Berlin 61988 F. Blass / A. Debrunner / F. Rehkopf. Grammatik des neutestamentlichen Griechisch. Göttingen 182001 Beiträge zur biblischen Exegese und Theologie Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament Biblische Zeitschrift Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft Calwer Bibellexikon Corpus inscriptionum Judaicarum Corpus scriptorum ecclesiasticorum Latinorum Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament Expository Times Études Bibliques Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Hg. v. H. Balz / G. Schneider. Stuttgart 1980–1983 Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments Handbuch der Altertumswissenschaft Handbuch zum Neuen Testament Historisch Theologische Auslegung Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament H. von Siebenthal. Griechische Grammatik zum Neuen Testament International Critical Commentary InterVarsity Press Journal of Biblical Literature Jahrbuch für Evangelikale Theologie Journal for the Study of the New Testament. Supplement Series
8 KP LAW LÜ LXX NA27 NA28 NCBC NIGTC NTD NTLi NTOA NTS OJRS RB RNT SBS StUNT TANZ THAT ThBeitr ThHK ThW ThWNT TRE TVGMS TynB UTB WA WBC WdF WStB WUNT ZBK
2. Timotheusbrief
Der Kleine Pauly. Hg. v. K. Ziegler / W. Sontheimer / H. Gärtner Lexikon der Alten Welt Lutherbibel Septuaginta Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Institut für Neutestamentliche Textforschung. 27. Auflage Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. Institut für Neutestamentliche Textforschung. 28. Revidierte Auflage New Century Bible Commentary New International Greek Text Commentary Das Neue Testament Deutsch New Testament Library Novum Testamentum et Orbis Antiquus New Testament Studies Ohio journal of religious studies Revue Biblique Regensburger Neues Testament Stuttgarter Bibelstudien Studien zur Umwelt des Neuen Testaments Texte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament. Hg. v. E. Jenni / C. Westermann. München 1971–1976 Theologische Beiträge Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament Theologische Wissenschaft Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. Hg. v. G. Kittel / G. Friedrich. Stuttgart 1933–1979 Theologische Realenzyklopädie TVG-Monographien und Studienbücher Tyndale Bulletin Uni-Taschenbücher Weimarer Ausgabe: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe Word Biblical Commentary Wege der Forschung Wuppertaler Studienbibel Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament Zürcher Bibelkommentare
Abkürzungen
ZNW ZVRW
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Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft
Abkürzungen biblischer Bücher: Gen, Ex, Lev, Num, Deut, Jos, Ri, Rut, 1Sam, 2Sam, 1Kön, 2Kön, 1Chron, 2Chron, Esr, Neh, Est, Hi, Ps, Spr, Koh, Hld, Jes, Jer, Klgl, Hes, Dan, Hos, Joel, Am, Obd, Jona, Mi, Nah, Hab, Zef, Hag, Sach, Mal Mt, Mk, Lk, Joh, Apg, Röm, 1Kor, 2Kor, Gal, Eph, Phil, Kol, 1Thess, 2Thess, 1Tim, 2Tim, Tit, Phlm, Hebr, Jak, 1Petr, 2Petr, 1Joh, 2Joh, 3Joh, Jud, Offb Sonstige Abkürzungen 1Klem 1. Klemensbrief 1Makk 1. Makkabäerbuch 2Klem 2. Klemensbrief 2Makk 2. Makkabäerbuch 4Makk 4. Makkabäerbuch 4Reg 2. Könige in der LXX a.a.O. am angegebenen Ort AD Anno Domini = n.Chr. Anm. Anmerkung Ann Tacitus: Die Annalen Ant Josephus: Antiquitates Judaicae / Jüdische Altertümer AssMos Assumptio Mosis Art. Artikel AT Altes Testament Bd. Band bes. Besonders C.E. Christian Era = n.Chr. Cap Josephus: Contra Apionem Caes Plutarch: Das Leben Cäsars Dial Justinus, der Märtyrer: Dialog mit Tryphon Diss Epiktet, Dissertationes/Lehrgespräche Diss. Dissertation ebd. ebenda Ep Epistula (Brief) EpSokr Sokratikerbriefe grHen Henochapokalypse (griech.) hell. hellenistisch/griechisch Herm (m s v) (Hirt des) Hermas (mandata, similitudines, visions)
10 Hg. Hist HistEccl IgnSm Jh.(s) Jub Kap. Lcf LÜ 1984 m.E. MartPol Mass. NA27 NA28 NT par(r) Past PE Pls Polyc Praem PsSal s. S. Sib Sir Som Spec u.U. Vf. TestLev zT z. St.
2. Timotheusbrief
Herausgeber Historien Eusebius: Historia Ecclesiae / Geschichte der Kirche Ignatius: An die Smyrnäer Jahrhundert(s) Jubiläenbuch Kapitel Kirchenvater Lucifer Luther-Übersetzung 1984 meines Erachtens Martyrium des Polycarp Massachusetts Nestle/Aland, Novum Testamentum Graece. 27. Auflage Nestle/Aland, Novum Testamentum Graece. 28. Auflage 2012 Neues Testament und die Parallelpassage(n) in den anderen Evangelien Pastoralbriefe Pastoral Epistles Paulus Brief des Polykarp Philo von Alexandria: Von Belohnungen und Strafen Psalmen Salomos siehe Seite Sibyllinen Jesus Sirach Philo von Alexandria: Über Träume Speculum, pseudo-augustinische Schrift unter Umständen Verfasser Testament der 12 Patriarchen: Levi zum Teil zur Stelle
Weitere Abkürzungen sind S. Schwertner, Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete (Berlin 21992, 32014) zu entnehmen.
Einleitung
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I. Einleitung Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass sich der Apostel Paulus kurz vor dem Ende seines Lebens in einer Situation befand, die der im 2. Timotheusbrief vorausgesetzten sehr ähnlich ist: Er sitzt im zeitlichen Kontext der Neronischen Wirren Mitte der 60er-Jahre in Rom im Gefängnis und wartet auf das Urteil und auf seine Hinrichtung. Dass er dort die Möglichkeit, vielleicht die Notwendigkeit und auch die innere Ruhe hatte, Briefe an Mitarbeiter zu schreiben, kann man nicht unwiderleglich bestreiten. So weit, so gut. Nun stellt sich die Frage, was und an wen Paulus in dieser Lage geschrieben haben würde. Und was wir Heutigen ihm an „Schreib-Freiheit“ zugestehen würden. Die fast einhellige Antwort der akademischen Exegeten in Europa lautete über viele Jahre: „Jedenfalls nicht das und nicht so, wie es im 2. Timotheusbrief steht!“ Warum eigentlich nicht? Es wäre spannend zu erfahren, wie sich ernsthafte Exegeten, die die Pastoralbriefe (Past) für nachpaulinische Erzeugnisse halten, 20 bis 40 Jahre nach seiner Hinrichtung verfasst, seinen letzten Brief vorstellen. Dürfte es eine Eloge auf die Freiheit vom Gesetz sein? Oder eine letzte, zugespitzte Zusammenfassung seiner Lehre von der Rechtfertigung des Gottlosen? Ein flammender Aufruf zur gesetzesfreien Heidenmission trotz Nero? Oder kann man ihn sich auch vorstellen als einen Versuch zu sichern, was er in mehr als 20 Jahren begründet und begleitet hatte? Oder ganz schlicht als letzten Brief eines alten Theologen und „Kirchenmannes“ an einen seiner Schüler – eines alten Mannes, der weiß, dass sein irdischer Weg hier endet? Seit Schleiermacher wurde viel intellektuelle Kraft darauf verwendet, die historischen und literarischen Hintergründe der Entstehung der an Timotheus und Titus gerichteten Briefe zu erhellen und die Ergebnisse in eine in sich stimmige Hypothese umzusetzen. Dazu ist von vornherein zu sagen: Viele, wenn nicht die meisten dieser Hypothesen bieten eine mögliche, sinnvolle und historisch denkbare Lösung der sehr schwierigen Fragen um diese drei Briefe. Der Historiker weiß aber, wenn er weise ist, dass er immer nur einen mehr oder weniger hohen Grad an Wahrscheinlichkeit für seine Denkmodelle erreichen wird, nie absolute Sicherheit. Insofern ist es wissenschaftlich geradezu geboten, vorgelegte Hypothesen als das zu nehmen, was sie sind: „zunächst unbewiesene Annahme[n] von Gesetzlichkeiten oder Tatsachen mit dem Ziel, sie durch Beweise zu verifizieren od.[er] zu falsifizieren“, nämlich als „Vorentwurf für eine Theorie“, wie ein Fremdwörterlexikon den Begriff erklärt.1 Wir sind uns bewusst, dass dies für die in diesem Kommentar vorge1 DUDEN Bd. 5 Das Fremdwörterbuch. Mannheim/Zürich 102010, S. 447.
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2. Timotheusbrief
legte Hypothese natürlich ebenfalls gilt. Welchen Grad an Wahrscheinlichkeit wir erreichen, mag die Fachwelt oder die Nachwelt entscheiden. Wichtiger noch ist: Wir werden es einmal alle erfahren, wie das mit diesen Briefen historisch, theologisch und literarisch gewesen ist. Das wird ein Staunen geben – so oder so. Nichtsdestotrotz stehen wir vor der Aufgabe, bei der Auslegung des 2. Timotheusbriefs dessen besonderen Charakter zu ergründen, seinen Inhalt vor dem Hintergrund der damaligen historischen Situation und der Theologie des Paulus zu verstehen und damit abzurunden, was wir für 1Tim und Tit bereits vorgelegt haben. Da die Einleitungsfragen bei den sog. „Pastoralbriefen“ von erheblichem Gewicht sind, wir an dieser Stelle aber nicht noch einmal ausführlich, d.h. im Blick auf die Pastoralbriefe insgesamt, darauf eingehen werden,2 sei für Leser, die meine Auslegungen des 1. Timotheus- und des Titusbriefs nicht kennen, auf einige Voraussetzungen hingewiesen, von denen ich ausgehe:3 Das Spektrum der historisch-literarischen Einschätzung der Pastoralbriefe reicht zurzeit von der Annahme ihrer Echtheit (ohne4 oder mit Sekretärshypothesen und mit verschiedenen Einordnungen in die Biographie des Paulus) über Fragmentenhypothesen, die Annahme pseudepigraphischer Entstehung mit „positiver“5 oder „negativer“ Absicht6 oder bewusster Fälschung mit Täu2 Die grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Argumenten findet sich in meinem Kommentar zum 1. Timotheusbrief in dieser Reihe: H.-W. Neudorfer, Der erste Brief des Paulus an Timotheus, HTA, Witten 22012, 7-19. Darauf und auf den Titus-Kommentar (Witten, 2012) wird im Zuge der Kommentierung gelegentlich verwiesen. 3 Ein guter, systematisierender Überblick über verschiedene Hypothesen findet sich bei Marshall 72 sowie bei Luttenberger, Prophetenmantel, in dessen erstem Kapitel. 4 Prior, Paul, 50, vertritt die nicht ganz abwegige Meinung, nur die Pastoralbriefe seien eigenhändige Paulus-Briefe; zum 2. Timotheusbrief s. S. 84.89f. J. Murphy-OʼConnor, 2 Timothy contrasted with 1 Timothy and Titus, Révue Biblique 98, 1991, 403-418, meint, 1Tim/Tit seien von einem anderen Verfasser, 2Tim aber von Paulus selbst. 5 Weiser 61: „Die Region von Ephesus wird weiterhin als Entstehungsmilieu am ehesten zu vermuten sein …“ – zum Entstehungsmilieu S. 62f: Hochschätzung des Paulus, heidenchristlich, Bildung, hellenistisch-jüdische Einflüsse, früh gnostisierende Irrlehrer; Zeit der Entstehung (S. 63): um 100. Nach S.G. Wilson. Luke and the Pastoral Epistles, London 1979 (Zusammenfassung S. 136-143), und J.D. Quinn. The Last Volume of Luke: The Relation of Luke-Acts to the Pastoral Epistles, in: C. Talbert, Perspectives on Luke-Acts, Macon 1978, 37-44, stammen die Past von Lukas, sind aber erst nach dem Tod des Paulus verfasst. Oberlinner 3f: Die Past sind ein „Textcorpus aus der Hand eines einzigen Autors“. Vgl. auch allgemein E.J. Schnabel, Paul, Timothy, and Titus: The Assumption of a Pseudonymous Author and of Pseudonymous Recipients in the Light of Literary, Theological, and Historical Evidence, in: J.K. Hoffmeier / D.R. Magary (Hg.). Do Historical Matters Matter to Faith? A Critical Appraisal of Modern and Postmodern Approaches to Scripture. Wheaton 2012, 383-403.
Einleitung
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schungsabsicht7 bis zum Briefroman, der auf anschauliche Weise die (fromme) Neugier nach dem an Apg 28 anschließenden Lebenslauf des Paulus darstellen wolle.8 Die Gründe für und gegen Echtheit, Pseudepigraphie und Fälschung sind oft genug genannt, diskutiert und jeweils gegenseitig zurückgewiesen und (aus Sicht der jeweiligen Verfasser) widerlegt worden durch historische, sprachliche, literarische, theologische oder andere Argumente.9 Es ist müßig, sie hier noch einmal zu wiederholen. Es geht uns ja weniger um Auseinandersetzung mit Modellen als darum, selbst ein einleuchtendes, ein vielleicht sogar überzeugenderes Modell vorzulegen, wie man sie als „echte“ Briefe verstehen kann. Wie ausführlich in den Einleitungen und Auslegungen dieser beiden Kommentare dargelegt und begründet, betrachte ich die „Pastoralbriefe“ bei allen Ähnlichkeiten als drei zwar vermutlich innerhalb eines nicht allzu großen Zeitraums entstandene, aber doch je für sich, vor einem je konkreten historischen Hintergrund und in eine je konkrete Situation hinein geschriebene, eigenständige Briefe.10 Die fraglos vorhandenen Ähnlichkeiten resultieren vor allem aus ihrer zeitlichen Nähe zueinander und darüber hinaus vielleicht daraus, dass sie dieselbe Person (Lukas?) im Auftrag des Paulus geschrieben haben könnte. Es ist selbstverständlich im Rahmen eines Systems möglich, m.E. aber nicht objektiv. wahrscheinlich zu machen, dass sie von vorn herein 6 Hasler 9: „Der Verfasser der drei Pastoralbriefe gehört der gebildeten Welt an und verfügt über eine leitende Stellung, die er nicht auf eine Gemeinde beschränken will. Unter Berufung auf Paulus beansprucht er eine apostolische Autorität über mehrere Gemeinden in Griechenland und im Westen von Kleinasien.“ 7 Marco Frenschkowski. Pseudepigraphie und Paulusschule. Gedanken zur Verfasserschaft der Deuteropaulinen, insbesondere der Pastoralbriefe. in: F. W. Horn (Hg.). Das Ende des Paulus. Historische, theologische und literaturgeschichtliche Aspekte. BZNW 106, Berlin / New York 2001, 239-272, schreibt, es handle sich um „bewusste und planmäßig durchgeführte Täuschung“ (Beleg 251). 8 Glaser, Timo. Paulus als Briefroman erzählt. Studien zum antiken Briefroman und seiner christlichen Rezeption in den Pastoralbriefen, NTOA/StUNT 76, Göttingen 2009. 9 Wir haben uns in den Einleitungen zu den Kommentaren zum 1Tim und Tit bereits in dem beschriebenen Sinn mit dem Thema beschäftigt. Sprachliche Unterschiede sind demnach kein Grund für die Annahme von Pseudepigraphie. Darüber hinaus sei auf aktuellere Veröffentlichungen hingewiesen. Luttenberger, Prophetenmantel, 43, schreibt: „Abweichungen vom paulinischen Stil können auf diesem Hintergrund eher als Ausweis der Authentizität der Past denn als Belege für die Absichten eines Fälschers verstanden werden.“ Vgl. auch C. Looks. Das Anvertraute bewahren. Die Rezeption der Pastoralbriefe im 2. Jahrhundert. Münchner theologische Beiträge 1999, 34-37. 10 Dazu Deissmann 198: „Die Paulusbriefe sind nicht literarisch; sie sind wirkliche Briefe, keine Episteln; sie sind von Paulus nicht für die Öffentlichkeit und die Nachwelt geschrieben, sondern für die Adressaten. Fast alle Missgriffe der Paulusforschung überhaupt erklären sich aus der Nichtbeachtung des unliterarisch-brieflichen Charakters der von Paulus stammenden Texte.“
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2. Timotheusbrief
als eine literarische Einheit verfasst wurden und gemeint sind.11 Dafür tritt das Profil der jeweiligen Situation, das sich auch in einer auf die jeweiligen Leser angepassten Sprache (und theologischen Akzentuierung) ausdrückt, zu deutlich hervor und lässt sich bei der Exegese auch zeigen.12Zudem erscheint gerade 2Tim als ein ziemlich „planloser“, d.h. als ein eher von spontanen Assoziationen, Einfällen und Erinnerungen als von einem durchgehenden, gar noch die beiden anderen Pastoralbriefe einbeziehenden Konzept getragener Text. Für Otto Michel war „das entscheidende Problem der Pastoralbriefe […] nicht eigentlich das der Echtheit, sondern das der Hellenisierung der Verkündigung.“13 Konkret nennt er als Beispiele, die den 2. Timotheusbrief betreffen, die Bezeichnung des Evangeliums als „gesunde Lehre“ (87),14 die Tendenz des Verständnisses von „Wahrheit“,15 sowie „verschiedene gottesdienstliche Anordnungen“.16 Trifft das so zu? Oder beobachten wir in den Pastoralbriefen besonders auffällig einen Vorgang, den man im 20. Jh. als „Enkulturation“ oder „Kontextualisierung“ bezeichnet hat und der im Kern nichts anderes meint als den Versuch, die alte und von Denkweise, Lebensgefühl, Bildung und Kultur her betrachtet inzwischen fremd gewordene Botschaft so mitzuteilen, dass die Hörer bzw. Leser sie auch verstehen und als Folge annehmen können? Damit stellt sich damals wie heute immer sofort die Frage nach den Grenzen solcher Enkulturation. Sie werden dort überschritten, wo wesentliche Inhalte der urchristlichen Botschaft verloren gehen. Es muss also gefragt werden, ob das im 2. Timotheusbrief geschieht. Ein Merkmal könnte sein, wenn im griechisch-hellenistischen Kontext solche atl.-jüdischen Wurzeln, Hinter-
11 Vgl. dazu jetzt die Untersuchung von M. Engelmann, Drillinge, die zeigt, dass es sich um drei je für sich entstandene und zu lesende Texte handelt. Bei dieser Herangehensweise darf aber nun „das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet“ werden: Die drei Briefe hängen zeitlich, von den Adressaten, aber auch von ihren Inhalten und der Art, wie sie verfasst wurden, auch wieder zusammen. Dass Engelmann, Drillinge, die Frage nach der Verfasserschaft anders als wir beantwortet, ändert nichts an den wertvollen Ergebnissen ihrer Arbeit. Vgl. außerdem Luttenberger, Prophetenmantel. In diese Richtung äußert sich schon länger R. Fuchs, z.B. in seinem Buch über „Unerwartete Unterschiede. Müssen wir unsere Ansichten über die Pastoralbriefe revidieren?“, Wuppertal 2003. 12 Vgl. auch dazu parallel die Auslegungen von 1Tim und Tit. 13 O. Michel. Grundfragen der Pastoralbriefe, in: Auf dem Grunde der Apostel und Propheten, Festgabe für Landesbischof D. Theophil Wurm, Hg. V. M. Loeser. Stuttgart 1948, 83-99;83. Michels Schüler M. Hengel hat sich ein Leben lang mit diesem Thema des Hellenismus beschäftigt. 14 „Man darf also das Evangelium nicht nach der ‚gesunden Lehre‘ deuten, sondern muß umgekehrt die ‚gesunde Lehre‘ als eine Umschreibung des Evangeliums ansehen.“ 15 A.a.O. 87f. 16 A.a.O. 89f.
Autor und Adressat
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gründe und Formen abgestreift werden, die wesentlich mit dem Kern der Botschaft verbunden, ja für sie mit konstitutiv. sind.
1. Autor und Adressat Der Briefeingang nennt Paulus, den Apostel, als Verfasser des Briefs, und seinen ihm nahestehenden Mitarbeiter Timotheus als Empfänger. Was wissen wir über diese Personen? 1. Über Paulus sind Bücher geschrieben worden. Um ein knappes Bild von ihm zu bekommen, müssen wenige Striche reichen: Mit dem traditionell-hebräischen Namen [ ָשׁﬡוּﬥScha’ul], der an Israels ersten König erinnert, ist er vermutlich um die oder bald nach der Zeitenwende als Sohn eines jüdischpharisäischen Ehepaars in der kilikischen Kultur- und Handelsstadt Tarsus geboren.17 Schon sein Vater, ein Freigelassener (?), der zum israelitischen Stamm Benjamin gehörte, besaß offenbar das Bürgerrecht der Städte Tarsus und Rom.18 Paulus wuchs in dem weltoffenen Tarsus auf, erlernte den Beruf eines Zelttuchmachers, ging später zur weiteren Ausbildung zum Schriftgelehrten nach Jerusalem, wo Rabban Gamaliel der Ältere, nach (späteren) jüdischen Quellen seinerseits wohl ein Schüler oder gar Nachkomme des eher liberal eingestellten Hillel,19 sein Lehrer war (Apg 22,3; vgl. auch 5,34-40). Das Ergebnis dieses Werdegangs war, dass er sich als „Eiferer für Gott“ (Apg 22,3) bezeichnete, der mit Jesus von Nazareth und der sich auf ihn berufenden innerjüdischen messianischen Bewegung überhaupt nicht einverstanden war. Mit Genugtuung wirkte er deshalb mindestens formal am Prozess gegen und der Hinrichtung von Stephanus mit (Apg 7,58; 22,20). Bereitwillig stellte er sich in den Dienst der Jerusalemer Religionsbehörde, die Christen aufspüren, kalt stellen und beseitigen ließ. Auf der Reise nach Damaskus erlebte er eine Lebenswende, bei der er dem erhöhten Jesus begegnete und in seinen Dienst als Heidenmissionar berufen wurde.20 Dieser Aufgabe stellte er sich mit ganzer Hingabe (1Kor 9,16) und mit ganzem Einsatz seiner Person, wie seine Briefe zeigen. Die Apg, von dem zeitweisen Paulus-Begleiter Lukas aus der 17 Vgl. Riesner, Frühzeit, 191. 18 Waldstein/Rainer, Rechtsgeschichte, 26 (§4.5): „Sklaven wurden durch Freilassung offenbar bereits zur Zwölftafelzeit römische Bürger.“ Zum röm. Bürgerrecht des Paulus vgl. auch den Exkurs in Riesner, Frühzeit, 129-139, sowie die ausführlichen Darstellungen von Omerzu, Prozeß, 17-52. 19 Vgl. R. Deines, Art. Gamaliel, CBL I,395 (dort Belege). 20 Nach Scriba 165 war das im Jahr 30, wahrscheinlicher nach Riesner, Frühzeit, 63.286 31/ 32.
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2. Timotheusbrief
Gemeinde in Antiochia am Orontes, die ihn ausgesandt hatte, verfasst, berichtet von drei Missionsreisen des Scha’ul, der schon recht bald nur noch unter dem griechisch-römischen Namen „Paulus“ firmierte. Sie führten ihn nach Zypern und ins südliche Kleinasien, dann zweimal über Kleinasien hinaus nach Makedonien und Griechenland bis nach Athen und Korinth. In Jerusalem von römischen Truppen in Schutzhaft genommen, um ihn vor massiven Angriffen jüdischer Fanatiker zu schützen, wurde der Apostel im Rahmen eines Gerichtsverfahrens21 gegen ihn auf dem Seeweg nach Rom gebracht, weil er als römischer Bürger von seinem „Provokationsrecht“22 Gebrauch gemacht und sich auf Kaiser Nero als für ihn letztlich zuständige „Instanz“ berufen hatte. Die Frage ist, ob er angesichts der (aus römischer Sicht) Geringfügigkeit seines Vergehens nicht auch darauf hätte verzichten können.23 Dort traf er im Jahr 60 ein24 und wurde unter persönlicher Bewachung durch einen Legionär zwei Jahre lang in „leichter Haft“ (Hausarrest) gehalten. Mit dieser Situation endet der Bericht des Lukas. Das „Verdienst“ des Apostels Paulus besteht darin, dass er gegen zum Teil massiven Widerstand judenchristlicher oder dem Judentum nahestehender heidenchristlicher Opponenten die Einsicht durchgesetzt hat, der Weg zu Gott führe für den Nichtjuden nicht über die Zugehörigkeit zum jüdischen Bundesvolk, also über Beschneidung und Gesetzesobservanz, sondern über Jesus Christus allein. Menschliche Taten wirken bei der Rechtfertigung nicht mit. Sie erfolgt aus Gottes Gnade und wird vom Menschen vertrauensvoll und dankbar angenommen. 2. Über Timotheus findet sich einiges in der Einleitung zur Auslegung des 1Tim.25 Er stammte wohl aus Lystra (Reste heute in der Nähe von Khatyn Serai) in Lykaonien und war der Sohn eines Heiden und einer Jüdin (Apg 16,1), hat also eine hellenistische Erziehung mit beträchtlicher jüdischer Ein-
21 Vgl. dazu: Omerzu, Prozeß. 22 Vgl. hierzu: Waldstein/Rainer, Rechtsgeschichte, 58f (§12.3). 23 Anders sieht das Omerzu, Prozeß, 507f, die den lukanischen Bericht grundsätzlich für zuverlässig hält: Festus habe den Apostel „wegen Unruhestiftung“ zum Tode verurteilt, dieser habe daraufhin von seinem Provokationsrecht Gebrauch gemacht und sei nach Rom gebracht worden, wo Nero etwa 62 das Urteil des Festus bestätigt habe. Vorher schreibt sie allerdings (487): „Die Appellation an den Kaiser ist lediglich die notwendige Konsequenz aus der Einsicht des Paulus in das Unvermögen des Statthalters“ und (490): „ein eigentliches Urteil wurde hingegen durch Festus noch nicht gesprochen.“ Paulus habe also etwas getan, was „in der frühen Kaiserzeit … formalrechtlich … kein Problem dar[stellte]“, denn er legte „gegen einen Zwischenbescheid Berufung ein“ (ebd.). 24 Riesner, Frühzeit, 201.286; Scriba 167. 25 Neudorfer, 1Tim, 19-21; ausführlicher informiert H. von Lips. Timotheus und Titus. Unterwegs für Paulus. Biblische Gestalten 19, Leipzig 2008.
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flussnahme genossen.26 Als Paulus den jungen Mann auf der zweiten Missionsreise traf (Apg 16,1-3), war er wohl schon Christ27 und wurde nun Begleiter und Mitarbeiter des Apostels (2Kor 1,19), in dessen Auftrag er unterwegs war (1Kor 4,17; 16,10; Phil 2,19; 1Thess 3,2.6). Als Grüßenden (Röm 16,21) und sogar als Mitautor einiger Briefe des Apostels (2Kor 1,1; Phil 1,1; Kol 1,1; 1Thess 1,1; 2Thess 1,1; Phlm 1) begegnet er uns. Eine engere Beziehung scheint zu der Gemeinde in Ephesus entstanden zu sein. Dortige Verhältnisse hat der 1Tim wohl im Blick.28 Wie Paulus selbst war auch Timotheus von manchen Seiten angegriffen, etwa wegen seines Alters, vielleicht auch wegen seiner Autorität. Er konnte das nicht so leicht wegstecken wie Paulus, war eher ein weicherer Charakter. Der Apostel konnte, wie wir zeigen werden, nicht wirklich sicher sein, dass Timotheus seine Aufträge auch in seinem Sinne ausführen würde. Ihn darin zu stärken, ist ein Zweck des 2. Timotheusbriefs. Überdies ruft ihn der Apostel zu sich nach Rom, vielleicht weil er ihm noch Instruktionen für das Verhalten nach seinem erwarteten Tod geben will. Welche Rolle Timotheus über dieses Ereignis hinaus gespielt hat, ist unklar. Er wird von Eusebius als „Bischof von Ephesus“ genannt und in den katholischen und orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt, dessen Gedenktag am 22./24. Januar begangen wird.29 Historisch wissen wir aber nicht mehr über sein weiteres Leben. Später entstandene Überlieferungen, nämlich die vielleicht ins 4. Jh. zu datierenden „Timotheusakten“, berichten von seinem Märtyrertod im Zusammenhang mit seinem mutigen Widerstand gegen ein heidnisches Fest in Ephesus während der kurzen Regierungszeit von Kaiser Nerva (96–98 n.Chr.). Das bedeutet umgekehrt, dass er die Verfolgungen unter Kaiser Domitian jedenfalls lebend überstanden haben müsste. 3. Was wissen wir über die Situation in Ephesus um die Mitte der 60erJahre?30 Die ionische Stadt hatte im 1. Jh. immerhin geschätzte 200 000 Einwohner.31 Das verheerende Erdbeben des Jahres 23 n.Chr. zwang zu umfangreichen Neubau- und Sanierungsmaßnahmen, die (nach einer Pause unter Kaiser Claudius) unter Nero fortgesetzt wurden. 62/63 n.Chr. baggerte man die Zufahrt zum Hafen aus und schaffte dadurch bessere Bedingungen für den Transport von und Handel mit Waren von und nach Kleinasien, auf dem neben 26 27 28 29 30
Towner 36. Anders sieht das z.B. Lips, a.a.O. 86f . Neudorfer, 1Tim, 21-25. Eusebius, HistEccl 3,4,5; Lips, a.a.O. 209. Ausführlich dazu E. J. Schnabel, Art. Ephesus, CBL 1,296-299; Thiessen, Ephesus, und Trebilco, Ephesus. 31 Schnabel, a.a.O. 298.
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ihrer Attraktivität als Pilgerort (Artemision) der Wohlstand der Stadt hauptsächlich beruhte.32 Und das Christentum? Zunächst wissen wir: Paulus war nicht der Erste, der die Jesusbotschaft nach Ephesus trug. Schon vor ihm hatte Apollos, ein Jude aus Alexandria, dort missionarisch gearbeitet (Apg 18,2428). Thiessen betont „seine pneumatische Auslegung des Alten Testaments“33 und den christologischen Akzent seiner Verkündigung in der Synagoge.34 Freilich befand sich sein Wissen über wesentliche christliche Glaubensinhalte nicht auf aktuellem Stand, weshalb das Ehepaar Aquila (griech. Akylas) und Priska ihn zu sich nahmen und ihm ein Update gaben. Dazu gehörte sehr wahrscheinlich auch das Taufverständnis, das sich inzwischen von dem des Täufers Johannes (Umkehrtaufe) zu dem Jesu und des Paulus (Heilstaufe) gewandelt hatte. Es war auch dieselbe Tauffrage, die beim Erscheinen des Paulus in der Stadt (um 52) zum Thema zwischen ihm und den wenigen dort vorhandenen Christen wurde (Apg 19,1-7). Nach der Darstellung des Lukas wurde der Apostel mit seinem Auftreten in der Stadt aber zum „Frontmann“ der kleinen Gemeinde. Die Ereignisse sind bekannt: der missionarische Misserfolg in der Synagoge, die Erfolge bei Juden und Heiden, die (möglicherweise erst gegen Ende der Zeit des Paulus in Ephesus) zum Konflikt führende Gegnerschaft des Silberschmieds Demetrius, der vorgab, Paulusʼ Arbeit beschädige das Ansehen und die Verehrung der in der Stadt besonders geschätzten Artemis/Diana, deren „Wallfahrtsort“ Ephesus war. Der Besonnenheit des „Kanzlers“ (so die Lutherbibel für γραμματεύς [grammateus]; gemeint ist wohl ein hoher städtischer Beamter) ist es zu verdanken, dass die Situation für Paulus und seine Freunde noch einmal glimpflich ausging.35 Das war irgendwann im Laufe seiner längeren Verweildauer in der Stadt wohl nicht mehr so, denn in dem vermutlich um das Jahr 54 aus Ephesus geschriebenen 1Kor spricht der Apostel davon, er habe dort „mit wilden Tieren gekämpft“ (ἐθηριομάχησα [ethēriomachēsa]). Die Ausleger streiten, ob es sich tatsächlich um eine damnatio ad bestias gehandelt haben kann. Wer dies bejaht, muss erklären, warum ein römischer Bürger dazu verurteilt wurde und – mehr noch! – wie er die Zeit in der Arena überleben konnte. Deshalb gehen sehr viele Ausleger davon aus, die Aussage müsse im übertragenen Sinn verstanden werden, nämlich von ernsthaften Anfechtungen oder Anfeindungen. Schnabel denkt an „eine[.] lebensbedrohliche[.] Gefahr oder Krankheit“ oder 32 33 34 35
Ebd. Thiessen, Ephesus, 54. A.a.O. 54f. Trobisch, Entstehung, 129, hält Ephesus sogar für den Ort, in dem während der langen Anwesenheit des Paulus eine erste Sammlung seiner Briefe entstanden ist.
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„im Sinn des Kampfes gegen die Fleischeslust“.36 Immerhin mutmaßt Omerzu, „ein bereits länger schwelender Konflikt mit Juden der Asia“ habe „schon früher zu einer mehrjährigen Haft des Paulus in Ephesus geführt“.37 Wir nähern uns dem angestrebten Zeitpunkt (Mitte der 60er-Jahre), indem wir zur Kenntnis nehmen, dass der Apostel auf der Rückreise von Griechenland im Zuge der dritten Missionsreise aus Gründen, die wir nur vermuten können,38 Ephesus ausließ, aber die Leiter der dortigen Gemeinden etwa 56/57 zu einem (wie er Apg 20,25 meinte: letzten) Gespräch nach Milet kommen ließ (Apg 20,17f).39 Lukas nennt sie Apg 20,17 πρεσβύτεροι [ presbyteroi „Älteste“; vgl. 1Tim 5,17], Paulus spricht 20,28 von ihnen als von ἐπίσκοποι [episkopoi „Bischöfe“; vgl. 1Tim 3,2]. Jedenfalls geht es um eine Mehrzahl gemeindeleitender Personen. Die Vermutung liegt nahe, dass es in der Metropole Ephesus auch schon in den 60er-Jahren nicht nur eine christliche Gemeinde gegeben haben wird.40 Der Epheserbrief, der zwar nicht nur, aber eben doch auch die Gemeinden in Ephesus im Blick hat, zeigt die bleibende Verbundenheit des Apostels mit dieser nicht von ihm gegründeten, aber doch stark beeinflussten Gemeinde. Als Gefangenschaftsbrief könnte er von Philippi, Jerusalem, wahrscheinlicher aus Cäsarea oder der ersten römischen Haft geschrieben sein. R. Fuchs hat ihn auch mit Blick auf die Pastoralbriefe ausgewertet.41 So bleiben uns lediglich die beiden Briefe an Timotheus für den Versuch, die historische Situation in der Stadt zu ermitteln. Für die spätere Zeit ist die Verbindung des Apostels Johannes mit Ephesus zu beachten. 4. Wer hat 2Tim geschrieben? Die Situation des Apostels im Gefängnis erforderte und ermöglichte das, was in ntl. Zeit jeder tat, der es sich leisten konnte: die Inanspruchnahme eines Sekretärs, der den Brief im Auftrag des 36 Schnabel, 1Kor 948; ähnlich argumentiert Riesner, Paulus, 189f, der ebenfalls von einer Gefangenschaft in Ephesus ausgeht (a.a.O. 19.190). 37 Omerzu, Prozeß, 324-331.506 (Zitat). Nach ihrer Meinung wusste Lukas von dieser Haft, hat sie aber in der Apg absichtlich nicht erwähnt, u.a. weil er Haft und Prozess in Ephesus „nicht in einen Sieg des Apostels verwandeln konnte“ (331). Ähnlich denkt auch Thiessen, der seine Beobachtungen aus verschiedenen Paulusbriefen S. 139f zusammenfasst. 38 Vgl. dazu Riesner, Frühzeit, 193. 39 Ob er damit recht behielt, ist nicht deutlich. In der Auslegung von 1Tim 1,3 hatten wir für möglich gehalten, dass Ephesus eine Station seiner Reise in den östlichen Mittelmeerraum nach der Spanienreise war, wobei er Timotheus dann dort zurückgelassen hätte (Neudorfer, 1Tim, 31.56). 40 Eusebius, HistEccl 3,4,5 nennt Timotheus ἐπίσκοπος. Die Timotheus-Akten sprechen für die Zeit unmittelbar nach dem Tod des Timotheus im Plural von ἀρχιερεῖς [archiereis] „Erzbischöfen“, die den Apostel Johannes gebeten haben sollen, die Nachfolge des Timotheus zu übernehmen (Lips, Timotheus, 162 mit Anm. 31; H. Usener. Acta S. Timothei. Bonn 1877). 41 Fuchs, I Kneel, 1&2.
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Verfassers formulierte.42 Sie erforderte einen Sekretär, weil die Haftbedingungen (Ketten, „Stock“ u.a.) es kaum zuließen, dass der Gefangene persönlich zu Feder und Papyrus griff. Sie ermöglichte es, da sicher ist, dass Gefangene durchaus Besucher empfangen konnten. Weil Paulus selbst Lukas als ihm allein verbliebenen Mitarbeiter nennt (2Tim 4,11) und wir wissen, dass Lukas Schriftsteller und Historiker war, spricht sehr viel für ihn als Schreiber des 2Tim, aber auch der beiden anderen Pastoralbriefe.43 Hat Paulus ihm lediglich grobe Anweisung gegeben, was er schreiben soll? Oder hat er ihm Wort für Wort diktiert? Der Charakter des Briefes mit seinen vielen Schwankungen zwischen Optimismus und Pessimismus, zwischen thematischen und persönlichen Abschnitten legt es eher nahe, an ein spontanes Diktat zu denken, wenn auch die äußeren Bedingungen das schwierig erscheinen lassen. Vielleicht hat Lukas sich nach Art professioneller Sekretäre auf Wachstäfelchen notiert, was Paulus äußerte, und es dann außerhalb des Gefängnisses ins Reine geschrieben. Dieser Vorgang würde dem damals üblichen Standard entsprechen.44 5. Was ging in Autor und Adressat vor, als der Brief geschrieben bzw. erstmals gelesen wurde? Paulus kannte Timotheus, seine Stärken und Schwächen, seit mehr als einem Jahrzehnt sehr gut. Er konnte bei ihm von der Erziehung durch Mutter und Großmutter das Grundwissen eines gebildeten, frommen Juden voraussetzen, musste aber auch die Prägung durch den offenbar heidnisch gebliebenen Vater und die hellenistische Umwelt berücksichtigen. Sicher war Paulus über die Konsequenzen informiert, die sein etwa zwei Jahre zuvor geschriebener, diesen gegenüber der Gemeinde in Ephesus autorisierender Brief an Timotheus (1Tim) bewirkt oder auch nicht bewirkt hatte. Aus dem 2. Timotheusbrief geht lediglich hervor, dass die Antipoden des 1Tim nicht völlig von der Bildfläche verschwunden sind: Hymenäus taucht nach 1Tim 1,20 in 2Tim 2,17 erneut auf. Hatte sich Timotheus in Ephesus bewährt? Mit leisem Zweifel und der Absicht unterlegt, ihn zu ermutigen, beantwortet Paulus diese Frage im 2Tim positiv. Immerhin ruft er Timotheus zu sich und nicht Titus. Dieser wurde von Paulus eher flexibel eingesetzt (Korinth, Kreta, Dalmatien) – „projektbezogen“ würden wir sagen. Timotheus dagegen blieb eher ortsfest in der Provinz Asia und ihrer Hauptstadt Ephesus. Mit Sorge wird der Apostel die Entwicklungen in der Weltpolitik (d.h. die charakterlichen Veränderungen in der Person von Kaiser Nero und die daraus 42 Zu dem Thema „Sekretär“ auch hier der Hinweis auf E. Randolph Richards, The Secretary in the Letters of Paul, WUNT II/42, Tübingen1991, bes. S. 23-53. 43 In der Auslegung von 1Tim und Tit hatte ich immer wieder darauf hingewiesen und die Annahme konkretisiert. 44 Mehr dazu bei Millard 21-25 (dort weitere Literaturhinweise).
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resultierende politische Instabilität des Römischen Reichs sowie die damit zusammenhängende „Patriotisierung“ und das Wiedererwachen der jüdischen Freiheitssehnsucht mit dem Ausbruch des Aufstands im Jahr 66 und seine Folgen) beobachtet und sich Gedanken über die Zukunft der (heiden-)christlichen Gemeinden gemacht haben. Nachdem sich die sog. „Naherwartung“ der Wiederkunft Jesu, wie sie in den frühen Gemeinden vorgeherrscht und auch Paulus sie vertreten hatte,45 so nicht erfüllt hatte, ergab sich ein bisher von ihm wenig beachtetes Problem: Wer war von Herkunft, Biographie, Theologie und Charakter geeignet, seine Rolle als zuverlässiger Tradent christlichen Glaubens, als geistlich-theologische Autorität, als Networker und Organisator zu übernehmen? Timotheus andererseits war durch seine doppelte Prägung (heidnisch und jüdisch) beeinflusst. Sein Schritt zum Christentum, ganz im Sinne seiner Mutter und Grußmutter, wird aus Überzeugung erfolgt sein. In Paulus sah er sicher seinen Lehrer und sein Vorbild, dem er vertraute, die Autorität, die ihn für Jesus in Dienst genommen und eingesetzt hatte. Er kannte – darüber besteht kein Zweifel – dessen Theologie ganz genau und ließ sich von ihm einsetzen. Persönlich bekannt und vertraut war Timotheus dadurch nicht nur mit dem Arbeits- und Leitungsstil des Apostels, sondern auch mit den anderen Mitarbeitern und dem heidenchristlichen Netzwerk, besonders in den Gemeinden der Provinz Asia. In deren Hauptstadt Ephesus war seine Position mindestens vor dem 1Tim alles andere als stark. Es kostete ihn Anstrengung, sich gegen konkurrierende Strömungen in der Gemeinde durchzusetzen, ohne allzu viel Scherben zu erzeugen. Von Typ und Charakter her scheint er eher ein unsicherer, vermittelnder, sich um Integration bemühender Mensch gewesen zu sein als ein Machtmensch oder eine Gründergestalt, eher zögerlich, zurückhaltend und ängstlich als mutig und selbstbewusst, mit einem Wort: ganz anders als Paulus. Die Unterstützung durch den Apostel kam ihm sicher ganz recht, seine konkreten Empfehlungen (z.B. die, sich nicht auf Diskussionen mit den Gegnern einzulassen 2,14.23) stärkten ihn, die Auseinandersetzungen auf eine Art zu führen, die ihm lag. Es ist nicht sicher zu erkennen, was ihn davon abhielt, zu Paulus nach Rom zu reisen. Die Auslegung wird auf diesen Punkt an einigen Stellen Licht werfen.
45 Zur Naherwartung bei Paulus vgl. auch 1Thess 4,15 und 1Kor 15,50f sowie zu dieser Stelle die mit Recht relativierenden Ausführungen von Schnabel, 1Kor, 981f.