II. Auslegung 1. Teil: Wie Paulus die Gemeinde ordnet 1. Der Eingangsgruß (I Tim 1,1+2) I
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1 Paulus, Apostel [des] Christus Jesus gemäß der Anordnung Gottes, unseres Retters und des Christus Jesus, unserer Hoffnung, 2 dem Timotheus, dem legitimen Kind im Glauben: Gnade, Erbarmen, Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.
[superscriptio] [intitulatio] [intitulatio] [intitulatio] [adscriptio] [intitulatio] [salutatio] [salutatio]
Um die Verbindung mit den von ihm gegründeten Gemeinden zu halten, bediente sich der Apostel Paulus, wenn er nicht persönlich hinreisen konnte (sog. „Zwischenbesuch“ in Korinth!) zweier Methoden: Entweder verkehrte er mit ihnen über zuverlässige Boten, die er (wie im zeitgenössischen Judentum üblich) gelegentlich auch mit Handlungsvollmacht ausstattete. So könnte etwa Titus nach II Kor 7f. in seinem Auftrag tätig gewesen sein. Oder er benutzte das Medium „Brief“, das damals schon eine lange Geschichte hinter sich und eine sehr differenzierte Form angenommen hatte. Der antike Brief spiegelt in seiner Form noch mehr oder weniger stark die Gesprächssituation wider und gibt sich dadurch selbst als „Notlösung“, d.h. als Ersatz für das eigentlich zu bevorzugende persönliche Gespräch zu erkennen.131 Für uns Spätere sind die antiken Briefe dagegen ein Glücksfall, können wir doch mit ihrer Hilfe die Situationen und Themen etwa im Gespräch zwischen Paulus und seinen Gemeinden wenigstens teilweise rekonstruieren. Untersuchen wir seine Briefe hinsichtlich ihrer Struktur und der in ihnen begegnenden Formen z. B. im Vergleich mit anderen antiken Briefen, so zeigt
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Zum Thema „Brief“ vgl. auch: Hermann Probst, Paulus und der Brief. Die Rhetorik des antiken Briefes als Form der paulinischen Korintherkorrespondenz (1 Kor 8-10), WUNT II/45, Tübingen 1991.
Der Eingangsgruß (I Tim 1,1+2)
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sich in Übereinstimmung und Abweichung, wo der Apostel die Gewohnheiten seiner Zeit übernahm bzw. wo er eigene Wege gegangen ist, die sich ihm unter Umständen von den spezifischen Bedürfnissen seiner Korrespondenz her nahe legten.132 Das gilt sogleich für den Briefeingang. Vergleichen wir I Tim 1,1f. mit den Briefeingängen der übrigen, besonders aber der „unbestritten echten“133 Paulusbriefe, so fällt er trotz geringerer Abweichungen keineswegs aus dem Rahmen. Paulus bedient sich in allen Briefen der sog. „orientalischen“, d.h. aus zwei Nominalsätzen bestehenden Präskriptform, die er auf verschiedene Weise variiert. Auf die Namensnennung des Absenders (superscriptio134) folgt eine inhaltliche Bestimmung seiner Tätigkeit oder Eigenschaft (intitulatio), die in der Regel mit einem Genitiv-Attribut versehen ist und gelegentlich mit einer ihren Ursprung präzisierenden Angabe verbunden sein kann. Daran schließt sich unmittelbar die Nennung des Empfängers an (adscriptio), die wiederum durch eine zusätzliche Angabe (intitulatio) inhaltlich näher bestimmt ist. Es fällt auf, wie knapp dieser Zusatz in den Pastoralbriefen im Vergleich mit den meisten übrigen Paulinen ausfällt. Hätte tatsächlich ein späterer Schreiber Timotheus und Titus als besonders respektable Paulusmitarbeiter apostrophieren wollen, so wäre dies doch wohl der Platz dafür gewesen! Freilich – dies ist ein aus dem Schweigen unserer Quelle erschlossenes Argument, das wir aus methodischen Gründen nur mit Vorsicht einsetzen dürfen. Dem ersten Nominalsatz folgt der Eingangsgrußwunsch (salutatio) in Gestalt eines zweiten Nominalsatzes (V. 2b) An dieser Stelle weichen die Pastoralbriefe am auffälligsten von den übrigen Paulinen ab, indem hier die stereotype Formel $ * 7 ;% = nur abgewandelt vorkommt (vgl. aber auch die Kurzform in I Thess). 1 Paulus ist der einzige genannte Absender und Autor (= Verfasser) des I Tim. Damit ist — wie Richards gezeigt hat135 — noch nichts über den Schrei132
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Mit Recht weist Taatz 110f., darauf hin, dass die Paulus-Briefe in der Forschung seither meist (aus naheliegenden Gründen) vor dem Hintergrund der griechischhellenistischen Briefliteratur untersucht worden sind. Sie analysiert die (sog. „echten“) Paulus-Briefe daneben im Vergleich mit offiziellen gemeindeleitenden Briefen des Frühjudentums. Nämlich Gal, 1Thess, I/II Kor, Phil, Röm, Phlm. Damit ist noch nichts über unsere eigene Beurteilung der übrigen Briefe gesagt. Wir lehnen uns hier an die von Schnider/Stenger verwendeten Termini an, die teilweise von der Terminologie in Rollers älterem Standardwerk abweichen. E.R. Richards 15-67
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