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Käpten Sturm

Die Suche nach der Wunderblume

SCM ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen

Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

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Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Hoffnung für alle® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis – Brunnen Basel.

Seite 159: eigene Übertragung

Das Lied auf S. 13 stammt von Martin Luther.

Umschlaggestaltung: Sybille Koschera, Stuttgart

Titelbild und Illustrationen: Elke Broska, Wiesbaden

Satz: Katrin Schäder, Velbert

Druck und Verarbeitung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland

ISBN 978-3-417-28921-3

Bestell-Nr. 228.921

DANIEL KOWALSKY

ELKE BROSKA ( ILLUSTRATION )

KÄPTEN STURM

Die geheimnisvollen Logbücher

DIE SUCHE NACH DER WUNDERBLUME

Lenny

11 Jahre alt

Ruhiger als seine Schwester Anne

Er kann sehr schnell rennen und weit springen, aber ganz schlecht Bälle werfen.

Anne

8 Jahre alt

Lieblingsfach: Deutsch

Hassfach: Mathe

Obwohl sie oft mit ihrem Bruder Lenny streitet, hält sie immer zu ihm, wenn es drauf ankommt.

Wilbert Boynen Sturm

Kapitän der Esmeralda 21 Jahre alt

Beste Freunde:

Seebär und Brummel

Safira Alminetti 11 Jahre alt

Artistin

Sie hasst es, das Schiffsdeck zu schrubben.

DVorgeschichte

Zur Zeit der Seefahrer und Piraten

er zehnjährige Marc stand neben seinem Vater an der Reling eines Segelschiffs. Sein Vater war der Kapitän.

Heute war ein besonderer Tag, denn Marc bekam einen wichtigen Auftrag: „Mein Sohn! Gleich geht die Sonne auf. Alle Matrosen sind in den nächsten zwei Stunden beschäftigt. Du bist der Einzige, der Zeit hat, um aufzupassen. Deshalb musst du deine Sache wirklich gut machen!“

Marc schaute seinen Vater mit großen Augen an. „Was kann ich tun?“

Der Kapitän legte seine Hände auf die Schultern seines Sohnes. „Wir sind hier sehr nah an Afrika. Und in diesem Teil von Afrika wohnen die Korsaren. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht von ihnen überfallen werden.“

„Was sind Korsaren, Vater?“, fragte Marc neugierig.

„Korsaren sind Piraten, mein Sohn. Sie besitzen Piratenschiffe, mit denen sie andere Schiffe angreifen.“

Marc sah ihn erschrocken an. „Und wie können wir das verhindern?“

„Zum Glück haben wir ein sehr schnelles Schiff. Wenn wir sie rechtzeitig bemerken, können wir ihnen davonsegeln. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann …“ Sein Vater hielt inne.

„Was ist dann?“, fragte Marc ängstlich.

„Dann rauben sie uns aus und versenken unser Schiff“, antwortete sein Vater. „Und wir verlieren alles, was wir haben, vielleicht sogar unser Leben.“

„Das ist furchtbar.“

„Genau, Marc. Deshalb musst du gut achtgeben. Sobald du Schiffe am Horizont siehst, schlägst du Alarm. Wenn wir sie früh genug entdecken, dann können wir ihnen entkommen. So, und jetzt steig rasch zum Ausguck hinauf und beobachte das Meer. Hier, nimm dieses Fernrohr!“

Marc kletterte auf den Mast. Es war zwar noch dunkel. Aber der Mond schien so hell, dass er sehr weit sehen konnte. Marc gab sich große Mühe. Ja, er schaute rundherum in alle Richtungen: von Osten nach Norden, von Norden nach Westen, von Westen nach Süden und von Süden wieder nach Osten.

Und als es langsam dämmerte, weil die Sonne bald aufgehen würde, verbesserte sich die Sicht sogar noch. Nun war Marc sicher, dass er wirklich jedes Schiff erkennen würde, das sich ihnen näherte.

Doch als dann die Sonne tatsächlich im Osten aufging, blendete sie ihn. Marc strengte sich sehr an, gegen die Sonne zu schauen. Aber weil sie noch so tief stand, war es unmöglich, den östlichen Horizont zu beobachten. Alle anderen Richtungen hatte er weiterhin sehr gut im Blick.

Nach einer halben Stunde wurde Marc schließlich nicht mehr geblendet. Nun konnte er wieder ungehindert nach Osten schauen.

Doch was war das? Nicht weit entfernt von ihnen entdeckte er drei Segelschiffe, die genau auf sie zusteuerten.

Schnell nahm Marc das Fernrohr in die Hand und blickte hindurch. Oben am Mast des ersten Schiffes hing eine Fahne.

Marc lief es heiß und kalt den Rücken hinunter. Es war eine schwarze Flagge mit einem Totenkopf.

Die Segelschiffe waren Piratenschiffe! Und die Piraten waren schlau. Sie wussten, dass man sie nur schwer sehen konnte, wenn die Sonne tief stand. Deshalb griffen sie bei Sonnenauf-

gang immer aus dem Osten an. Und bei Sonnenuntergang kamen sie vom Westen her.

Durch diesen Trick war es ihnen auch jetzt gelungen, dem Schiff sehr nahe zu kommen.

„Piratenschiffe! Piratenschiffe!“, schrie Marc, so laut er konnte. „Alarm! Piratenschiffe in Sicht!“

Sofort geriet auf Deck alles in Bewegung. Sein Vater, der Kapitän, gab Befehle: Es wurden zusätzliche Segel gesetzt, die dem Schiff noch mehr Geschwindigkeit geben sollten.

Doch schon waren die Kanonen der Piratenschiffe zu hören und ein paar Kugeln schlugen dicht neben ihnen im Wasser ein. Eines der Geschosse traf sogar den Schiffsrumpf. Glücklicherweise richtete es nicht viel Schaden an.

Die Piratenschiffe kamen immer näher.

Zwar war ihr eigenes Schiff äußerst schnell, aber es dauerte eine Weile, bis es die Höchstgeschwindigkeit erreichte.

Voller Entsetzen schaute Marc zu den feindlichen Schiffen hinüber. Er sah, wie eine Kanone direkt auf seinen Mast gerichtet wurde. Ein Pirat steckte die Zündschnur an, die sogleich abbrannte. Ein lauter Knall folgte und die Kugel flog in Marcs Richtung.

Sie verfehlte den Mast nur knapp, traf aber ein Tau in der Takelage. Dieses wurde durchtrennt und fiel herunter, direkt auf Marc.

Marc verlor den Halt und stürzte aus großer Höhe vom Ausguck ins Wasser hinunter. Er schlug hart aufs Wasser auf und tauchte sehr tief unter.

Im ersten Moment war er benommen und wusste nicht, wo oben und unten war.

Dann riss er die Augen weit auf und sah über sich Licht. Das musste die Wasseroberfläche sein!

Marc ruderte mit Armen und Beinen, um sich nach oben zu kämpfen. Es gelang ihm, und mit ein paar Schwimmzügen

versuchte er, sich über Wasser zu halten. Doch die See war rau und die Wellen gingen hoch.

Zum Glück konnte Marc gut schwimmen.

Aber dann sah er voller Entsetzen, dass sich das Schiff seines Vaters bereits ein großes Stück von ihm entfernt hatte. Und das Schlimmste war: Offenbar hatte dort niemand bemerkt, dass er ins Wasser gefallen war!

Marcs Vater schaute erleichtert auf die Piratenschiffe, die jetzt nicht mehr mit ihnen mithalten konnten. Sein eigenes Schiff hatte inzwischen volle Fahrt aufgenommen und war dadurch schneller als alle anderen. Ja, auf sein Segelschiff konnte er sich verlassen! Es war eines der besten, die es auf See gab. Nur die Esmeralda von Käpten Sturm war noch ein wenig schneller.

Sie hatten es also tatsächlich geschafft, den Korsaren zu entkommen, stellte Marcs Vater zufrieden fest.

Doch was war das?

Er nahm sein Fernrohr in die Hand und schaute hindurch.

Und was er nun sah, verschlug ihm den Atem: Im Wasser schwamm ein Junge. Es war Marc.

Voller Bestürzung musste der Kapitän mitansehen, wie die Piraten seinen Sohn aus dem Wasser fischten und an Bord holten.

Er wusste, dass sie ihn auf ihre Festung bringen würden. Er war verzweifelt.

M

ehrere Tage später schaute Marc von einem Gefängnisturm auf die blaue See hinaus. Keine Wolke war zu sehen,

während die Sonne in prächtigem Rot am Horizont unterging.

Eine leichte Meeresbrise wehte durch das schmale Fenster und legte dem Jungen einen feinen Salzgeschmack in Mund und Nase.

Auch wenn das Fenster keine Gitter hatte, so war an Flucht leider nicht zu denken: Vom Kerker aus ging es zwanzig Meter senkrecht nach unten. Es war einfach nicht möglich, aus dieser Höhe zu entkommen.

Marc schloss die Augen und dachte an das, was passiert war.

Sehnsucht packte ihn. Wie gerne wäre er jetzt auf ihrem heiß geliebten Segelschiff bei seinem Vater! Aber stattdessen war er hier – ein Gefangener der Korsaren. Was würde mit ihm geschehen?

Plötzlich hörte er, wie sich ein Schlüssel im Schloss drehte. Die Tür wurde geöffnet und der Kapitän des Korsarenschiffs trat in den Raum.

„Schau mich nicht so an, du dummer Junge“, brummte er.

„Leider ist uns euer Schiff entwischt. Aber dafür haben wir dich. Du wirst hart arbeiten müssen und deine Heimat niemals wiedersehen.“

Damit wandte er sich ab und verließ den Raum wieder.

Marc war so verzweifelt, dass er zu beten begann. „Bitte hilf mir doch, lieber Gott! Rette mich!“, flehte er.

Da fiel ihm ein Lied ein, das ihm seine Mutter beigebracht hatte, und er sang es leise vor sich hin:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.

Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.

Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ.

MNach diesem Lied und dem Gebet fühlte Marc sich etwas besser, obwohl sich ja eigentlich noch nichts geändert hatte. Er legte sich auf seine Matte, machte die Augen zu und fiel in einen unruhigen Schlaf.

itten in der Nacht wachte Marc plötzlich auf, weil er von draußen ein Geräusch gehört hatte. Er stand auf, lief zum Fenster und schaute hinaus.

Was war das? Er konnte nichts Ungewöhnliches erkennen.

In diesem Moment erklang unter dem Fenstersims eine Stimme: „Pst! Sei leise, sonst hört man uns!“

Überrascht lehnte Marc sich aus dem Fenster.

Direkt vor sich sah er ein Mädchen mit rötlich braunen, lockigen Haaren, das auf einem Steinabsatz stand, der aus dem Turm herausragte. Sie hielt sich an einem Seil fest, das an einer robusten bogenförmigen Eisenstange oberhalb des Turmfensters befestigt war.

„Wer bist du?“, flüsterte Marc erstaunt.

„Ich heiße Safira.“

„Wie bist du hier heraufgekommen? Ich meine … es ist einfach unglaublich. Die Turmwand ist zwanzig Meter hoch! Mir wird ja fast schon schwindlig, wenn ich nur aus dem Fenster hinausschaue. Wie hast du das geschafft?“

Das Mädchen grinste. „Ich bin einfach die Wand hinaufgeklettert.“

Marc betrachtete das Tau, das von der Eisenstange herabhing. „Hast du dich etwa an diesem Seil hochgehangelt?“

„Nein, ich bin ohne Hilfsmittel heraufgeklettert.“

Marc klappte vor lauter Erstaunen der Unterkiefer hinunter. „Ohne Seil?“

„Ja, das Seil, das du hier siehst, habe ich selber heraufgebracht und dort befestigt.“

„Und wie hast du das hingekriegt? Das schwere Tau hat dich doch sicherlich beim Klettern gestört.“

Safira zuckte mit den Achseln. „Ich hatte einen leichten Strick dabei, an dessen Ende das schwere Tau befestigt war. Als ich oben war, habe ich es einfach nachgezogen.“

„Aber was machst du hier überhaupt?“

Safira wurde ungeduldig. „Du bist ein Plappermaul! Falls du es noch immer nicht begriffen hast – wir sind hier, um dich zu befreien.“

„Wir?“, wiederholte Marc fragend.

Ohne weitere Worte zu verlieren, zeigte Safira auf einen Felsen am Strand, der nicht weit entfernt war.

Marc schaute hinüber und entdeckte einen Mann, der ihnen vom Felsen aus zuwinkte. Safira winkte zurück.

Verblüfft fragte er: „Wie sollen wir dort hinüberkommen?“

Safira brauchte jedoch gar nicht erst zu antworten. Denn der Mann hatte das andere Ende von Safiras Seil in der Hand. Nun zog er daran, bis es straff war und vom Turm aus den Strand überspannte. Dann befestigte er sein Ende des Taus an einem noch höher gelegenen Felsen.

Da begriff Marc endlich, was Safira und ihr Begleiter vorhatten: Sie beide sollten sich am gespannten Seil vom Turm aus zum Felsen hinüberschwingen.

Zum Glück war Marc schwindelfrei. Safira drückte ihm einen stabilen Riemen in die Hand und gab ihm ein Zeichen. Daraufhin kletterte er auf den Fenstersims, legte den Riemen über das gespannte Seil und schwang sich wagemutig hinab.

Es ging blitzschnell, und am unteren Ende wurde er von einem Mann mit langen blonden Haaren und Seefahrerhut aufgefangen.

Safira wartete, bis Marc in Sicherheit war. Dann folgte sie ihm und brauchte, im Gegensatz zu Marc, keine Hilfe, als sie das andere Ende des Taus erreichte.

„Wer bist du?“, fragte Marc den Mann, der ihn aufgefangen hatte.

Dieser nahm seinen Hut ab und grüßte ihn freundlich: „Mein Name ist Kapitän Wilbert Boynen Sturm. Ich bin der Kapitän der Esmeralda.“

Safira, die jetzt direkt neben Marc stand, erklärte: „Ja, wir sind gekommen, um dich zu deinem Vater zurückzubringen. Er hat uns von deinem Unglück erzählt.“

„Und wie erreichen wir euer Schiff?“, fragte Marc. „Müssen wir schwimmen?“

Käpten Sturm schüttelte den Kopf. „Nein, die Esmeralda liegt nicht weit von hier in einer versteckten Bucht. Wir müssen uns allerdings beeilen, von hier fortzukommen, bevor die Korsaren entdecken, dass du nicht mehr da bist.“

„Also nichts wie weg!“, flüsterte Safira.

Wenig später erreichten sie Käpten Sturms Schiff, setzten die Segel und legten ab. Zwei Tage danach übergaben sie Marc seinem Vater, der sein Glück nicht fassen konnte:

„Käpten Sturm, Safira! Ich bin einfach sprachlos, dass ihr meinen Sohn aus der Hand der Korsaren befreit habt! Ich werde euch ewig dankbar sein. Wenn ich euch irgendwann auch einmal helfen kann, dann werde ich nicht zögern, es zu tun.“

„Darauf komme ich gerne mal zurück!“, lächelte Käpten Sturm.

„Ist doch gern geschehen“, fügte Safira hinzu.

Dann verabschiedeten sie sich von Marc und dem Kapitän und stachen erneut in See.

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