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Simone Ehrhardt

Ein Krimi zum Mitraten


Simone Ehrhardt

Ein Krimi zum Mitraten


Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2014 SCM Kläxbox im SCM-Verlag GmbH & Co. KG Bodenborn 43 · 58452 Witten Internet: www.scmedien.de · E-Mail: info@scm-klaexbox.de Umschlaggestaltung: Dietmar Reichert, Dormagen Satz: Christoph Möller, Hattingen Druck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm Geddruckt in Deutschland ISBN 978-3-417-28640-3 Bestell-Nr. 228.640


Mein besonderer Dank geht an Andrea, Uwe und Vera fĂźr ihre UnterstĂźtzung.

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W.O.L.F. – das ist ein Detektiv-Club, bestehend aus den drei Freunden Olaf, Latif und Wuschel und Wuschels Ratte Freddy.

Olaf

ist ein zwölfjähriger Junge mit kurzen braunen Haaren und einem ganz beachtlichen Intelligenzquotienten. Er hat fast immer gute Noten (außer in Sport) und bringt mit seinen Fragen manchmal sogar die Lehrer zum Schwitzen. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Als Computerfreak begeistert er sich natürlich für allen möglichen technischen Schnickschnack.

Latif

ist ebenfalls zwölf und geht in dieselbe Klasse wie Olaf. Er liebt Sport und ist am liebsten dauernd in Bewegung. Mit seinen Eltern und einem älteren Bruder bewohnt er eine nicht allzu große Vier-Zimmer-Wohnung. Latif versorgt den Detektivclub gelegentlich mit türkischen Leckereien, die seine Mutter selbst herstellt. Da er den Computer zu Hause mit seinem Bruder teilen muss, hat er oft Zeit, seine Nase in spannende Bücher zu stecken.

Wuschel heißt eigentlich Katharina und ist zwölf. Sie geht in eine Parallelklasse der beiden Jungs. Katharina ist abenteuerlustig und bringt den Detektivclub häufig in größere Schwierigkeiten, als es eigentlich sein müsste. Genau wie Olaf und Latif liest sie mit Begeisterung Detektivgeschichten, außerdem nimmt sie Reitstunden. Sie hat eine kleine Schwester und wohnt mit ihr und ihren Eltern in einem großen Haus. Ihren Spitznamen Wuschel erhielt sie, weil ... Nun, das erfährst du schon bald.

6


Freddy

ist Wuschels schokobraune Farbratte. Er frisst für sein Leben gern Erdnüsse und ist sehr intelligent. Eigentlich darf er nicht mit in die Schule, aber Wuschel schafft es immer wieder, ihn einzuschmuggeln. Wenn er entdeckt wird, gibt es jedes Mal ein großes Theater, inklusive Antreten beim Direktor, Einberufung der Eltern und anschließendem Hausarrest. Freddy ist aber wirklich völlig zahm, lässt sich gern streicheln und würde niemals weit weglaufen.

7


Wie

der Rätsel-Krimi?

Für Detektive ist es ganz besonders wichtig, dass sie die Augen und Ohren offen halten. Sie müssen alles ganz genau beobachten und gründlich zuhören. Schließlich weiß man nie, welche Kleinigkeiten später wichtig sein könnten. Zum Schluss eines jeden Kapitels gibt es ein Rätsel, das du lösen kannst, wenn du beim Lesen gut aufgepasst hast. Mit jeder Lösung erhältst du einen Buchstaben. Wenn du am Ende alle Buchstaben zusammensetzt, ergibt das einen wichtigen Satz, den sich alle Detektive hinter die Ohren schreiben sollten :-) Übrigens gibt es ganz am Ende der Geschichte noch mal alle Rätselfragen im Überblick. Dort kannst du auch deine Lösungen notieren. Falls mal eine Frage etwas zu kniffelig sein sollte, findest du dazu auch noch ein paar hilfreiche Tipps! Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Knobeln!

9


Inhalt

Prolog: In einer finsteren Nacht ... ............................................. 13 Kapitel 1 · Eine Ratte verschwindet ...................................... 15 Kapitel 2 · Eingeschlossen im Museum ............................... 21 Kapitel 3 · Freddy macht sich verdächtig ............................ 28 Kapitel 4 · Die Jagd beginnt ................................................... 35 Kapitel 5 · Die Verfolgung ..................................................... 39 Kapitel 6 · Ein Club wird gegründet .................................... 45 Kapitel 7 · Der Fluch schlägt zu ............................................ 50 Kapitel 8 · Es ist nicht alles Gold, was glänzt ...................... 54 Kapitel 9 · Das fremde Mädchen .......................................... 60 Kapitel 10 · Eine abenteuerliche Geschichte ......................... 66 Kapitel 11 · Gefangen ............................................................... 71 Kapitel 12 · Goldglänzende Beweise ...................................... 77 Kapitel 13 · Ein unvermutetes Geständnis ............................ 82 Kapitel 14 · Überzeugen ist schwer ........................................ 87 Kapitel 15 · Alles wird gut – oder doch nicht? ..................... 93 Kapitel 16 · Ein neues Problem ............................................... 99 Kapitel 17 · In der Warteschleife .......................................... 104 Kapitel 18 · Abstecher in den Dschungel ........................... 110 Kapitel 19 · Nervige kleine Schwestern und sture Polizisten ................................................... 116 10


Kapitel 20 · Schule – dabei gibt es so viel Wichtigeres ..... 121 Kapitel 21 · Zurück ins Museum ......................................... 126 Kapitel 22 · Neue Spuren ...................................................... 131 Kapitel 23 · Volles Risiko ...................................................... 136 Kapitel 24 · Auf feindlichem Gebiet .................................. 142 Kapitel 25 · Auf der Flucht ................................................... 147 Kapitel 26 · Die Polizei – dein Freund und Helfer? .......... 152 Kapitel 27 · Minuschka ......................................................... 157 Kapitel 28 · Der große Unbekannte .................................... 163 Kapitel 29 · Auch Detektive brauchen ihren Schlaf .......... 168 Kapitel 30 · Ein glorreicher Abschluss ............................... 174 Hier alle Fragen noch mal im Überblick ............................... 178 Extra-Tipps zum Rätsellösen ..................................................... 186

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In einer

Nacht ...

Dunkelheit umhüllte den schwarz gekleideten, schlanken Mann. Er bewegte sich so geschmeidig wie eine Raubkatze. Lautlos huschte er durch die Gänge, um Ecken, vermied dabei sorgfältig die Berührung der herumstehenden Gegenstände. Handschuhe sollten Fingerabdrücke verhindern, eine Maske, die den Kopf vollständig verbarg und nur die Augen frei ließ, sorgte dafür, dass keine Haare herabfielen. Er kannte sich aus, wusste, dass die Polizei schon kleinste Spuren finden würde. Ein kaum hörbares Geräusch ließ ihn abrupt innehalten und lauschen. Lange stand er regungslos da, wie ein Schatten. Wäre jemand vorbeigekommen, hätte er ihn nicht wahrgenommen. Als er sicher war, dass ihm keine Gefahr drohte, setzte er seinen Weg fort. Er näherte sich dem Treppenhaus, einer heiklen Stelle, weil es dort keine Verstecke gab. So schnell wie möglich ließ er es hinter sich, immer vorsichtig und auf alles gefasst. Der Geruch von Geschichte schlug ihm entgegen. Er liebte diesen Duft. Für ihn war es der Atem alter Gegenstände – Artefakte aus der Vergangenheit, Zeugen ihrer Zeit, getränkt und angereichert mit den Erfahrungen, Gefühlen und Leiden der Menschen, die sie einst erschufen. Zu gern hätte er sich umgesehen, doch die Zeit drängte. Er durfte nicht noch länger bleiben. Er musste schnellstens erledigen, wozu er hergekommen war, und dann verschwinden. Der Anblick der goldenen Statue im schmalen Lichtschein seiner Lampe bereitete ihm eine Gänsehaut. Er zählte innerlich bis zehn, beruhigte seinen Puls und seine Finger. Sie durften nicht zittern, wenn er das Stück berührte. Ganz vorsichtig streckte er die Arme aus und näherte sich der Figur Zentimeter um Zentimeter. Nur wenige Millimeter noch. Seine Fingerspitzen fühlten das Metall. Andächtig legte er seine Hände um die Statue, nahm sie sanft auf, drückte sie sich an die Wange und verstaute sie in dem mitgebrachten Beutel. Im nächsten Moment lag der Raum wieder leer da, als wäre nichts geschehen. 13


Kapitel 1

Eine

verschwindet

»Gääääähn! Ist das langweilig!«, verkündete der Junge neben Olaf laut und deutlich. Die Frau, die die Führung durch die Ausstellung im Museum machte, verstummte und schaute irritiert zu ihnen herüber. Olaf versuchte, sich hinter seinen Mitschülern zu verstecken, damit nicht noch jemand dachte, er sei das gewesen. Herr Trommler, der Lehrer, der am nächsten stand, zischte ein »Pssst« in seine Richtung. »Was soll der Aufstand?«, flüsterte jemand Olaf ins Ohr. Er drehte sich um und sah, dass ein anderer Junge neben ihn getreten war. Er kannte ihn aus der Klasse, wusste aber seinen Namen nicht. »Ist doch echt interessant«, fuhr der Junge fort. »Dschingis Khan und die Mongolen – das finde ich klasse. Die ritten auf ihren wilden Ponys und kämpften mutig gegen ihre Feinde. Sie eroberten fast ganz Europa.« »Wusstest du, dass Dschingis Khan schon mit neun Jahren verlobt war?« Der Junge riss die Augen auf. »Echt?« »Klar, ich habe es in einem Buch gelesen.« »Und mit zehn hat er geheiratet, oder wie?« »Nö, erst ein paar Jahre später.« Olaf musterte den schwarzhaarigen Jungen genauer. »Du gehst in meine Klasse, oder?« »Ja. Ich bin Latif.« »Olaf.« »Ich weiß.« Latif nickte ihm zu. Natürlich, für Latif war es leicht, sich seinen Namen zu merken. Schließlich musste er sich nur an einen neuen Mitschüler gewöhnen – nämlich ihn, Olaf. Er selbst musste 26 Namen lernen. Nach einem Umzug ging er seit den Sommerferien in die HumboldtSchule. Das gefiel ihm gar nicht, aber was konnte er schon tun? Augen zu und durch, sagte seine Mutter gern. Irgendwie würde es 15


schon werden. Allerdings hatte er nach fast drei Wochen immer noch keine Freunde gefunden. Die Jungs in seiner Klasse machten einen Bogen um ihn und die Mädchen ignorierten ihn. Aber eigentlich ignorierten sie alle Jungs, außer, sie tuschelten miteinander, zeigten auf jemanden und kicherten wie verrückt. Nein, bis jetzt gefiel es ihm gar nicht in der neuen Schule. »Schon eingewöhnt?«, fragte Latif, als hätte er seine Gedanken gelesen. Olaf schüttelte den Kopf. »Wird schon«, meinte Latif und nickte wieder. »Weiß nicht«, erwiderte Olaf. Er wollte noch mehr sagen, doch er wurde plötzlich von einem Mädchen abgelenkt. Es stand am hinteren Rand der großen Gruppe von Schülern, sah sich nach allen Seiten um und ging dann langsam in die Knie. Als sie abgetaucht war, ließ sie sich auf alle Viere nieder und fing an, hin- und herzukrabbeln. Dabei gab sie merkwürdige Geräusche von sich. »Was macht die denn da?«, fragte Latif, der sie offenbar auch beobachtete. »Kennst du sie?«, wollte Olaf wissen. »Sie ist in der Parallelklasse, aber ich weiß nicht, wie sie heißt.« »Vielleicht braucht sie ja Hilfe?«, überlegte Olaf. »Wir sollten hingehen und sie fragen.« Er schob sich vorsichtig an den anderen vorbei. Er wollte keine Aufmerksamkeit erregen und die Führung nicht stören. Die siebten Klassen seiner neuen Schule besuchten gemeinsam die Ausstellung »Dschingis Khan – Mongolenfürst und Eroberer«. In drei Gruppen aufgeteilt durchwanderten sie mit je einem Museumsführer das Stockwerk und lauschten seinen Ausführungen. Die Begeisterung der Schüler hielt sich in Grenzen und die Lehrer hatten alle Hände voll damit zu tun, sie ruhig zu halten. Latif folgte ihm und sie erreichten das Mädchen, ohne unangenehm aufzufallen. »Hey«, sagte Olaf. Das Mädchen sah hoch und verzog das Gesicht. »Was?« »Hast du etwas verloren?« 16


»Lass mich in Ruhe.« Latif schob sich näher. »Bist du immer so unhöflich? Wir dachten, du könntest Hilfe brauchen.« Das Mädchen richtete sich widerwillig auf. »Nein danke. War das höflich genug?« »Wie heißt du?« »Katharina. Und du?« »Ich bin Latif und das ist Olaf.« »Was ist mit deinen Haaren passiert?«, wollte Olaf wissen, denn jetzt, da Katharina in voller Größe vor ihm stand, erkannte er ganz deutlich, dass sie eine besonders eigenwillige Frisur hatte. Ihre Haare waren unterschiedlich lang und standen nach allen Seiten ab. »War ein Unfall. Ich wollte sie mir selbst schneiden.« Katharina wurde tatsächlich rot. »Wieso denn das?« »Ist doch egal. Jedenfalls muss ich zur Strafe zwei Wochen damit herumlaufen. Erst dann geht meine Mutter mit mir zum Frisör.« »Das ist ja gemein«, meinte Latif teilnahmsvoll. »Na ja, die zwei Wochen sind fast rum«, erklärte Katharina. »Du siehst richtig wuschelig aus«, stellte Olaf grinsend fest. »Wuschelig? Du hast wohl einen Knall!«, protestierte Katharina aufgebracht. Doch Olaf ließ sich davon nicht beeindrucken. »Ich sollte dich Wuschel nennen.« »Wage es ja nicht!« Katharina blitzte ihn wütend an. »Also, Wuschel«, übernahm Latif, »nun sag mal, was hast du auf dem Boden gemacht? Wieso rutschst du auf Händen und Knien über diesen schmutzigen Teppich?« Katharina sah mit einem Mal sehr unglücklich aus. Sie flüsterte ihre Antwort nur noch. »Ich habe meine Ratte verloren.« »Deine Ratte?« Olaf schlug sich erschrocken die Hände vor den Mund und Katharina wurde wieder sauer. »Geht es noch lauter? Das darf doch keiner wissen! Man hat mir verboten, Freddy mit in die Schule zu bringen.« 17


»Freddy?« Latif kicherte. »Deine Ratte heißt Freddy?« »Warum hast du überhaupt eine Ratte? Für ein Haustier ziemlich komisch«, fügte Olaf hinzu. »Gar nicht komisch«, verteidigte sich Katharina. »Ich habe ihn gerettet. Er sollte als Versuchstier in ein Labor und ich habe ihn davor bewahrt. Er verdient ein besseres Leben, wie alle anderen Tiere auch. Kein Tier sollte in einem Versuchslabor enden.« Sie schniefte. »Freddy ist nicht gern allein, er braucht Gesellschaft, deshalb nehme ich ihn immer mit. Meistens schläft er ja auch tagsüber, aber manchmal wacht er auf und hat Hunger oder braucht Bewegung. Und wenn ich dann nicht aufpasse, entwischt er mir.« »Und jetzt ist er dir hier in der Ausstellung abgehauen?«, wollte Latif wissen. »Ja«, antwortete Katharina. »Er könnte überall sein. Normalerweise läuft er nicht weit weg von mir, aber hier kennt er sich nicht aus. Vielleicht hat er sich verlaufen. Wir müssen doch immer weitergehen, durch die ganze Ausstellung hindurch, und er hat mich bestimmt aus den Augen verloren.« »Hört er auf seinen Namen?«, fragte Olaf. Katharina zuckte mit den Schultern. »Manchmal. Oft. Aber nicht immer, vor allem, wenn er gerade abgelenkt ist.« »Sollen wir dir beim Suchen helfen?«, bot Latif an. »Ich würde ihn schon längst überall suchen, aber immer, wenn ich von der Gruppe weg will, erwischt mich ein Lehrer. Es ist zum Haareraufen!« Zur Bestätigung fuhr sie sich dabei mit beiden Händen in ihre Wuschelfrisur. »Ihr könnt euch wohl vorstellen, was die Leute vom Museum mit einer Ratte machen, wenn sie sie finden. Es ist denen ja egal, dass Freddy eine zahme Farbratte ist und keine wilde. Die fangen ihn ein und töten ihn dann bestimmt.« Sie war nun ganz verzweifelt. »Na gut, wir helfen dir«, versprach Olaf. »Wenn nicht jetzt, dann später, wenn die Führung vorüber ist. Danach haben wir schulfrei und genügend Zeit. Oder, Latif?« 18


Latif nickte. »Klar, ich bin auch dabei.« Gerade setzte sich ihre Gruppe wieder in Bewegung und marschierte zum nächsten Ausstellungsstück. »Der goldene Todesreiter«, sagte die Frau, die ihre Führung machte, mit lauter Stimme, und dabei klang sie geheimnisvoll und schien sogar ein wenig zu zittern. »Das wertvollste Stück der Ausstellung. Dschingis Khan selbst ließ sie extra anfertigen. Die Figur ist aus massivem Gold und von einzigartiger Schönheit. Man sagt ...« Sie stockte und ließ ihre Augen über die Schüler wandern. »... dass sie verflucht ist. Jeder, der die Skulptur aus ihrer Heimat, der mongolische Steppe, entfernt oder sie ihrem rechtmäßigen Besitzer entwendet, wird heimgesucht von Pestilenz und Tod. Im Lauf der Jahrhunderte sind etliche Menschen, die mit dem goldenen Todesreiter zu tun bekamen, auf geheimnisvolle Weise erkrankt und gestorben. Manche litten schwer und qualvoll. Andere ereilte der Tod ganz plötzlich, aus heiterem Himmel.« Es war so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Olaf meinte, ein Quieken zu vernehmen. Er sah aus den Augenwinkeln, dass Wuschel die Ohren spitzte und sich umsah. »Der Todesreiter ist ein Geisterwesen, das vor Dschingis Khan her ritt und ihm zu seinen Siegen in den Schlachten und seinen großen Eroberungen verhalf«, fuhr die Frau fort. »Ihm zu Ehren ließ Dschingis Khan diese Skulptur anfertigen, von dem geschicktesten Künstler, den er finden konnte. Der Todesreiter ist noch immer mit der Skulptur verbunden, so heißt es. Wer sie besitzt, dem verhilft er zu Ruhm, Erfolg, Macht über dessen Feinde und zu überwältigendem Reichtum. Doch die Gefahr ist groß, dabei umzukommen. Nur wenige sind bereit, das Risiko einzugehen, und wer es wagt, die Skulptur zu stehlen oder sich durch Betrug zu erschleichen, auf den wartet ein grausames Schicksal.« Die Frau lächelte zufrieden, als sie sah, dass sie die Schüler zum Schluss doch noch beeindruckt hatte. Gebannt blickten alle auf die Vitrine aus Glas, in der die goldene Figur zu sehen war. Alle, bis auf eine – Wuschel. 19


FRAGE:

L 20

Wie heiĂ&#x;t der berĂźhmte Mongolenkrieger, der den goldenen Todesreiter in Auftrag gegeben hat?

Du brauchst den 11. Buchstaben.


Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

© 2014 SCM Kläxbox im SCM-Verlag GmbH & Co. KG Bodenborn 43 · 58452 Witten Internet: www.scmedien.de · E-Mail: info@scm-klaexbox.de Umschlaggestaltung: Dietmar Reichert, Dormagen Satz: Christoph Möller, Hattingen Druck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm Geddruckt in Deutschland ISBN 978-3-417-28640-3 Bestell-Nr. 228.640


Mein besonderer Dank geht an Andrea, Uwe und Vera fĂźr ihre UnterstĂźtzung.

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W.O.L.F. – das ist ein Detektiv-Club, bestehend aus den drei Freunden Olaf, Latif und Wuschel und Wuschels Ratte Freddy.

Olaf

ist ein zwölfjähriger Junge mit kurzen braunen Haaren und einem ganz beachtlichen Intelligenzquotienten. Er hat fast immer gute Noten (außer in Sport) und bringt mit seinen Fragen manchmal sogar die Lehrer zum Schwitzen. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Als Computerfreak begeistert er sich natürlich für allen möglichen technischen Schnickschnack.

Latif

ist ebenfalls zwölf und geht in dieselbe Klasse wie Olaf. Er liebt Sport und ist am liebsten dauernd in Bewegung. Mit seinen Eltern und einem älteren Bruder bewohnt er eine nicht allzu große Vier-Zimmer-Wohnung. Latif versorgt den Detektivclub gelegentlich mit türkischen Leckereien, die seine Mutter selbst herstellt. Da er den Computer zu Hause mit seinem Bruder teilen muss, hat er oft Zeit, seine Nase in spannende Bücher zu stecken.

Wuschel heißt eigentlich Katharina und ist zwölf. Sie geht in eine Parallelklasse der beiden Jungs. Katharina ist abenteuerlustig und bringt den Detektivclub häufig in größere Schwierigkeiten, als es eigentlich sein müsste. Genau wie Olaf und Latif liest sie mit Begeisterung Detektivgeschichten, außerdem nimmt sie Reitstunden. Sie hat eine kleine Schwester und wohnt mit ihr und ihren Eltern in einem großen Haus. Ihren Spitznamen Wuschel erhielt sie, weil ... Nun, das erfährst du schon bald.

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Freddy

ist Wuschels schokobraune Farbratte. Er frisst für sein Leben gern Erdnüsse und ist sehr intelligent. Eigentlich darf er nicht mit in die Schule, aber Wuschel schafft es immer wieder, ihn einzuschmuggeln. Wenn er entdeckt wird, gibt es jedes Mal ein großes Theater, inklusive Antreten beim Direktor, Einberufung der Eltern und anschließendem Hausarrest. Freddy ist aber wirklich völlig zahm, lässt sich gern streicheln und würde niemals weit weglaufen.

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Wie

der Rätsel-Krimi?

Für Detektive ist es ganz besonders wichtig, dass sie die Augen und Ohren offen halten. Sie müssen alles ganz genau beobachten und gründlich zuhören. Schließlich weiß man nie, welche Kleinigkeiten später wichtig sein könnten. Zum Schluss eines jeden Kapitels gibt es ein Rätsel, das du lösen kannst, wenn du beim Lesen gut aufgepasst hast. Mit jeder Lösung erhältst du einen Buchstaben. Wenn du am Ende alle Buchstaben zusammensetzt, ergibt das einen wichtigen Satz, den sich alle Detektive hinter die Ohren schreiben sollten :-) Übrigens gibt es ganz am Ende der Geschichte noch mal alle Rätselfragen im Überblick. Dort kannst du auch deine Lösungen notieren. Falls mal eine Frage etwas zu kniffelig sein sollte, findest du dazu auch noch ein paar hilfreiche Tipps! Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Knobeln!

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Inhalt

Prolog: In einer finsteren Nacht ... ............................................. 13 Kapitel 1 · Eine Ratte verschwindet ...................................... 15 Kapitel 2 · Eingeschlossen im Museum ............................... 21 Kapitel 3 · Freddy macht sich verdächtig ............................ 28 Kapitel 4 · Die Jagd beginnt ................................................... 35 Kapitel 5 · Die Verfolgung ..................................................... 39 Kapitel 6 · Ein Club wird gegründet .................................... 45 Kapitel 7 · Der Fluch schlägt zu ............................................ 50 Kapitel 8 · Es ist nicht alles Gold, was glänzt ...................... 54 Kapitel 9 · Das fremde Mädchen .......................................... 60 Kapitel 10 · Eine abenteuerliche Geschichte ......................... 66 Kapitel 11 · Gefangen ............................................................... 71 Kapitel 12 · Goldglänzende Beweise ...................................... 77 Kapitel 13 · Ein unvermutetes Geständnis ............................ 82 Kapitel 14 · Überzeugen ist schwer ........................................ 87 Kapitel 15 · Alles wird gut – oder doch nicht? ..................... 93 Kapitel 16 · Ein neues Problem ............................................... 99 Kapitel 17 · In der Warteschleife .......................................... 104 Kapitel 18 · Abstecher in den Dschungel ........................... 110 Kapitel 19 · Nervige kleine Schwestern und sture Polizisten ................................................... 116 10


Kapitel 20 · Schule – dabei gibt es so viel Wichtigeres ..... 121 Kapitel 21 · Zurück ins Museum ......................................... 126 Kapitel 22 · Neue Spuren ...................................................... 131 Kapitel 23 · Volles Risiko ...................................................... 136 Kapitel 24 · Auf feindlichem Gebiet .................................. 142 Kapitel 25 · Auf der Flucht ................................................... 147 Kapitel 26 · Die Polizei – dein Freund und Helfer? .......... 152 Kapitel 27 · Minuschka ......................................................... 157 Kapitel 28 · Der große Unbekannte .................................... 163 Kapitel 29 · Auch Detektive brauchen ihren Schlaf .......... 168 Kapitel 30 · Ein glorreicher Abschluss ............................... 174 Hier alle Fragen noch mal im Überblick ............................... 178 Extra-Tipps zum Rätsellösen ..................................................... 186

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In einer

Nacht ...

Dunkelheit umhüllte den schwarz gekleideten, schlanken Mann. Er bewegte sich so geschmeidig wie eine Raubkatze. Lautlos huschte er durch die Gänge, um Ecken, vermied dabei sorgfältig die Berührung der herumstehenden Gegenstände. Handschuhe sollten Fingerabdrücke verhindern, eine Maske, die den Kopf vollständig verbarg und nur die Augen frei ließ, sorgte dafür, dass keine Haare herabfielen. Er kannte sich aus, wusste, dass die Polizei schon kleinste Spuren finden würde. Ein kaum hörbares Geräusch ließ ihn abrupt innehalten und lauschen. Lange stand er regungslos da, wie ein Schatten. Wäre jemand vorbeigekommen, hätte er ihn nicht wahrgenommen. Als er sicher war, dass ihm keine Gefahr drohte, setzte er seinen Weg fort. Er näherte sich dem Treppenhaus, einer heiklen Stelle, weil es dort keine Verstecke gab. So schnell wie möglich ließ er es hinter sich, immer vorsichtig und auf alles gefasst. Der Geruch von Geschichte schlug ihm entgegen. Er liebte diesen Duft. Für ihn war es der Atem alter Gegenstände – Artefakte aus der Vergangenheit, Zeugen ihrer Zeit, getränkt und angereichert mit den Erfahrungen, Gefühlen und Leiden der Menschen, die sie einst erschufen. Zu gern hätte er sich umgesehen, doch die Zeit drängte. Er durfte nicht noch länger bleiben. Er musste schnellstens erledigen, wozu er hergekommen war, und dann verschwinden. Der Anblick der goldenen Statue im schmalen Lichtschein seiner Lampe bereitete ihm eine Gänsehaut. Er zählte innerlich bis zehn, beruhigte seinen Puls und seine Finger. Sie durften nicht zittern, wenn er das Stück berührte. Ganz vorsichtig streckte er die Arme aus und näherte sich der Figur Zentimeter um Zentimeter. Nur wenige Millimeter noch. Seine Fingerspitzen fühlten das Metall. Andächtig legte er seine Hände um die Statue, nahm sie sanft auf, drückte sie sich an die Wange und verstaute sie in dem mitgebrachten Beutel. Im nächsten Moment lag der Raum wieder leer da, als wäre nichts geschehen. 13


Kapitel 1

Eine

verschwindet

»Gääääähn! Ist das langweilig!«, verkündete der Junge neben Olaf laut und deutlich. Die Frau, die die Führung durch die Ausstellung im Museum machte, verstummte und schaute irritiert zu ihnen herüber. Olaf versuchte, sich hinter seinen Mitschülern zu verstecken, damit nicht noch jemand dachte, er sei das gewesen. Herr Trommler, der Lehrer, der am nächsten stand, zischte ein »Pssst« in seine Richtung. »Was soll der Aufstand?«, flüsterte jemand Olaf ins Ohr. Er drehte sich um und sah, dass ein anderer Junge neben ihn getreten war. Er kannte ihn aus der Klasse, wusste aber seinen Namen nicht. »Ist doch echt interessant«, fuhr der Junge fort. »Dschingis Khan und die Mongolen – das finde ich klasse. Die ritten auf ihren wilden Ponys und kämpften mutig gegen ihre Feinde. Sie eroberten fast ganz Europa.« »Wusstest du, dass Dschingis Khan schon mit neun Jahren verlobt war?« Der Junge riss die Augen auf. »Echt?« »Klar, ich habe es in einem Buch gelesen.« »Und mit zehn hat er geheiratet, oder wie?« »Nö, erst ein paar Jahre später.« Olaf musterte den schwarzhaarigen Jungen genauer. »Du gehst in meine Klasse, oder?« »Ja. Ich bin Latif.« »Olaf.« »Ich weiß.« Latif nickte ihm zu. Natürlich, für Latif war es leicht, sich seinen Namen zu merken. Schließlich musste er sich nur an einen neuen Mitschüler gewöhnen – nämlich ihn, Olaf. Er selbst musste 26 Namen lernen. Nach einem Umzug ging er seit den Sommerferien in die HumboldtSchule. Das gefiel ihm gar nicht, aber was konnte er schon tun? Augen zu und durch, sagte seine Mutter gern. Irgendwie würde es 15


schon werden. Allerdings hatte er nach fast drei Wochen immer noch keine Freunde gefunden. Die Jungs in seiner Klasse machten einen Bogen um ihn und die Mädchen ignorierten ihn. Aber eigentlich ignorierten sie alle Jungs, außer, sie tuschelten miteinander, zeigten auf jemanden und kicherten wie verrückt. Nein, bis jetzt gefiel es ihm gar nicht in der neuen Schule. »Schon eingewöhnt?«, fragte Latif, als hätte er seine Gedanken gelesen. Olaf schüttelte den Kopf. »Wird schon«, meinte Latif und nickte wieder. »Weiß nicht«, erwiderte Olaf. Er wollte noch mehr sagen, doch er wurde plötzlich von einem Mädchen abgelenkt. Es stand am hinteren Rand der großen Gruppe von Schülern, sah sich nach allen Seiten um und ging dann langsam in die Knie. Als sie abgetaucht war, ließ sie sich auf alle Viere nieder und fing an, hin- und herzukrabbeln. Dabei gab sie merkwürdige Geräusche von sich. »Was macht die denn da?«, fragte Latif, der sie offenbar auch beobachtete. »Kennst du sie?«, wollte Olaf wissen. »Sie ist in der Parallelklasse, aber ich weiß nicht, wie sie heißt.« »Vielleicht braucht sie ja Hilfe?«, überlegte Olaf. »Wir sollten hingehen und sie fragen.« Er schob sich vorsichtig an den anderen vorbei. Er wollte keine Aufmerksamkeit erregen und die Führung nicht stören. Die siebten Klassen seiner neuen Schule besuchten gemeinsam die Ausstellung »Dschingis Khan – Mongolenfürst und Eroberer«. In drei Gruppen aufgeteilt durchwanderten sie mit je einem Museumsführer das Stockwerk und lauschten seinen Ausführungen. Die Begeisterung der Schüler hielt sich in Grenzen und die Lehrer hatten alle Hände voll damit zu tun, sie ruhig zu halten. Latif folgte ihm und sie erreichten das Mädchen, ohne unangenehm aufzufallen. »Hey«, sagte Olaf. Das Mädchen sah hoch und verzog das Gesicht. »Was?« »Hast du etwas verloren?« 16


»Lass mich in Ruhe.« Latif schob sich näher. »Bist du immer so unhöflich? Wir dachten, du könntest Hilfe brauchen.« Das Mädchen richtete sich widerwillig auf. »Nein danke. War das höflich genug?« »Wie heißt du?« »Katharina. Und du?« »Ich bin Latif und das ist Olaf.« »Was ist mit deinen Haaren passiert?«, wollte Olaf wissen, denn jetzt, da Katharina in voller Größe vor ihm stand, erkannte er ganz deutlich, dass sie eine besonders eigenwillige Frisur hatte. Ihre Haare waren unterschiedlich lang und standen nach allen Seiten ab. »War ein Unfall. Ich wollte sie mir selbst schneiden.« Katharina wurde tatsächlich rot. »Wieso denn das?« »Ist doch egal. Jedenfalls muss ich zur Strafe zwei Wochen damit herumlaufen. Erst dann geht meine Mutter mit mir zum Frisör.« »Das ist ja gemein«, meinte Latif teilnahmsvoll. »Na ja, die zwei Wochen sind fast rum«, erklärte Katharina. »Du siehst richtig wuschelig aus«, stellte Olaf grinsend fest. »Wuschelig? Du hast wohl einen Knall!«, protestierte Katharina aufgebracht. Doch Olaf ließ sich davon nicht beeindrucken. »Ich sollte dich Wuschel nennen.« »Wage es ja nicht!« Katharina blitzte ihn wütend an. »Also, Wuschel«, übernahm Latif, »nun sag mal, was hast du auf dem Boden gemacht? Wieso rutschst du auf Händen und Knien über diesen schmutzigen Teppich?« Katharina sah mit einem Mal sehr unglücklich aus. Sie flüsterte ihre Antwort nur noch. »Ich habe meine Ratte verloren.« »Deine Ratte?« Olaf schlug sich erschrocken die Hände vor den Mund und Katharina wurde wieder sauer. »Geht es noch lauter? Das darf doch keiner wissen! Man hat mir verboten, Freddy mit in die Schule zu bringen.« 17


»Freddy?« Latif kicherte. »Deine Ratte heißt Freddy?« »Warum hast du überhaupt eine Ratte? Für ein Haustier ziemlich komisch«, fügte Olaf hinzu. »Gar nicht komisch«, verteidigte sich Katharina. »Ich habe ihn gerettet. Er sollte als Versuchstier in ein Labor und ich habe ihn davor bewahrt. Er verdient ein besseres Leben, wie alle anderen Tiere auch. Kein Tier sollte in einem Versuchslabor enden.« Sie schniefte. »Freddy ist nicht gern allein, er braucht Gesellschaft, deshalb nehme ich ihn immer mit. Meistens schläft er ja auch tagsüber, aber manchmal wacht er auf und hat Hunger oder braucht Bewegung. Und wenn ich dann nicht aufpasse, entwischt er mir.« »Und jetzt ist er dir hier in der Ausstellung abgehauen?«, wollte Latif wissen. »Ja«, antwortete Katharina. »Er könnte überall sein. Normalerweise läuft er nicht weit weg von mir, aber hier kennt er sich nicht aus. Vielleicht hat er sich verlaufen. Wir müssen doch immer weitergehen, durch die ganze Ausstellung hindurch, und er hat mich bestimmt aus den Augen verloren.« »Hört er auf seinen Namen?«, fragte Olaf. Katharina zuckte mit den Schultern. »Manchmal. Oft. Aber nicht immer, vor allem, wenn er gerade abgelenkt ist.« »Sollen wir dir beim Suchen helfen?«, bot Latif an. »Ich würde ihn schon längst überall suchen, aber immer, wenn ich von der Gruppe weg will, erwischt mich ein Lehrer. Es ist zum Haareraufen!« Zur Bestätigung fuhr sie sich dabei mit beiden Händen in ihre Wuschelfrisur. »Ihr könnt euch wohl vorstellen, was die Leute vom Museum mit einer Ratte machen, wenn sie sie finden. Es ist denen ja egal, dass Freddy eine zahme Farbratte ist und keine wilde. Die fangen ihn ein und töten ihn dann bestimmt.« Sie war nun ganz verzweifelt. »Na gut, wir helfen dir«, versprach Olaf. »Wenn nicht jetzt, dann später, wenn die Führung vorüber ist. Danach haben wir schulfrei und genügend Zeit. Oder, Latif?« 18


Latif nickte. »Klar, ich bin auch dabei.« Gerade setzte sich ihre Gruppe wieder in Bewegung und marschierte zum nächsten Ausstellungsstück. »Der goldene Todesreiter«, sagte die Frau, die ihre Führung machte, mit lauter Stimme, und dabei klang sie geheimnisvoll und schien sogar ein wenig zu zittern. »Das wertvollste Stück der Ausstellung. Dschingis Khan selbst ließ sie extra anfertigen. Die Figur ist aus massivem Gold und von einzigartiger Schönheit. Man sagt ...« Sie stockte und ließ ihre Augen über die Schüler wandern. »... dass sie verflucht ist. Jeder, der die Skulptur aus ihrer Heimat, der mongolische Steppe, entfernt oder sie ihrem rechtmäßigen Besitzer entwendet, wird heimgesucht von Pestilenz und Tod. Im Lauf der Jahrhunderte sind etliche Menschen, die mit dem goldenen Todesreiter zu tun bekamen, auf geheimnisvolle Weise erkrankt und gestorben. Manche litten schwer und qualvoll. Andere ereilte der Tod ganz plötzlich, aus heiterem Himmel.« Es war so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Olaf meinte, ein Quieken zu vernehmen. Er sah aus den Augenwinkeln, dass Wuschel die Ohren spitzte und sich umsah. »Der Todesreiter ist ein Geisterwesen, das vor Dschingis Khan her ritt und ihm zu seinen Siegen in den Schlachten und seinen großen Eroberungen verhalf«, fuhr die Frau fort. »Ihm zu Ehren ließ Dschingis Khan diese Skulptur anfertigen, von dem geschicktesten Künstler, den er finden konnte. Der Todesreiter ist noch immer mit der Skulptur verbunden, so heißt es. Wer sie besitzt, dem verhilft er zu Ruhm, Erfolg, Macht über dessen Feinde und zu überwältigendem Reichtum. Doch die Gefahr ist groß, dabei umzukommen. Nur wenige sind bereit, das Risiko einzugehen, und wer es wagt, die Skulptur zu stehlen oder sich durch Betrug zu erschleichen, auf den wartet ein grausames Schicksal.« Die Frau lächelte zufrieden, als sie sah, dass sie die Schüler zum Schluss doch noch beeindruckt hatte. Gebannt blickten alle auf die Vitrine aus Glas, in der die goldene Figur zu sehen war. Alle, bis auf eine – Wuschel. 19


FRAGE:

L 20

Wie heiĂ&#x;t der berĂźhmte Mongolenkrieger, der den goldenen Todesreiter in Auftrag gegeben hat?

Du brauchst den 11. Buchstaben.


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