Sara Kreuter
DA S BIBELLESEBUCH ZU
MARKUS
Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.
© 2026 R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen brockhaus-verlag.de Gesamtgestaltung und Illustrationen: Franka Röhm, Franka Design Studio (Lenningen) Autorinnenfoto: Benjamin Weber Bildnachweis Cover: pexels.com/Ben Mack Bildnachweis Innenteil: pexels.com/noursakina, Askar Abayev, Kubra, Ethan Sees, Alex Andrews, Nadin Sh, Cottonbro, Legrip, Tkirkgoz, Dmytro Mamon, Leung Kwok Tung Ktleung, Catalin Todosia; thenounproject.com/Path Lord, Ahmadwil, Ibrahim Nuruz, LONE BORN, Smashicons; unsplash. com/ Denys Argyriou, Armin Djuhic, Kyle Cottrell, Damian Kamp, Marcus Woodbridge, Sam te Kiefte, Mustafa Turhan, Lucas, Daniel Novykov, David Leveque, Luke Miller, Devon Divine, Egor Myznik, Aleksandr Popov, Pablo Soriano, Valerie Blanchett, Hulki Okan-Tabak, Keido, Jimmy Whitson, Emily Rudolph, Omar Ramadan, Berend Van Rossum, Liana S, Declan Sun, Rickyrecap, Steven Thompson, Guilherme Stecanella. Druck und Verarbeitung: dimograf Gedruckt in Polen ISBN: 9783417020755 Bestell-Nr.: 227002075
Einführung Aha-Momente erleben, Zusammenhänge plötzlich verstehen, sich persönlich angesprochen fühlen – so macht Bibellesen richtig Spaß. Es kann jedoch recht mühsam sein, dafür sämtliche Andachtsbücher, Kommentare und Lexika zu wälzen – was man am Ende ja oft doch nicht macht. Die Bibellesereihe »wortweise« will die Freude am Bibellesen wecken, indem sie spannendes Hintergrundwissen mit persönlichen Impulsen vereint. Sodass du von Herzen gerne die Bibel in die Hand nimmst, immer tiefer gräbst und darin Gott näherkommst.
Und so startest du: Mit dieser Reihe liest du biblische Bücher von vorne nach hinten. Dabei ist das jeweilige biblische Buch in kürzere Abschnitte unterteilt, sodass man im Alltag gut dafür Zeit finden kann. Such dir einen gemütlichen Ort, an dem du zur Ruhe kommen kannst, und schnapp dir deine Lieblingsbibel. Die Bibelübersetzung ist dabei nicht so entscheidend, denn dieses Bibellesebuch ist nicht an einen bestimmten Wortlaut gebunden. Zuerst liest du den vorgegebenen Abschnitt in deiner Bibel und kannst das markieren, was dir aufgefallen oder wichtig ist. (Thematische Vorschläge zum Markieren findest du ein paar Seiten weiter in der Einleitung zum Buch Markus.) In diesem Buch gibt es verschiedene Elemente, die dir dann dabei helfen können, neue Erkenntnisse für dich zu gewinnen und Gott zu begegnen: »
»WORTWEISE«
I nfos zum Kontext Um Bibeltexte zu verstehen, findest du hier einige Hintergrundinformationen: Welche historischen Ereignisse fanden zu der Zeit statt? Wie haben die Menschen damals gelebt? Handelt es sich bei dem Text um eine Erzählung oder eher um einen Brief, ein Lied oder eine Predigt? Auf welche andere Bibelstelle wird Bezug genommen? Manchmal werden mehrere Möglichkeiten genannt, wie ein Text ausgelegt werden kann. Dann überlege selbst, welche du für plausibel hältst – oder ob diese Frage für dich überhaupt relevant ist.
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rklärungen zu Begriffen E Manche Begriffe sind uns heute fremd oder wir verbinden inhaltlich etwas ganz anderes damit, als ursprünglich gemeint war. Hin und wieder müssen Wörter auch bildlich verstanden werden. Darum gibt es Erklärungen zu einigen zentralen Begriffen und interessanten Formulierungen. Es kann auch mal sein, dass diese in deiner Bibelübersetzung anders lauten.
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Impuls Dieses Buch möchte dir nicht nur Hintergrundwissen vermitteln, sondern auch eine Brücke zu deinem Leben schlagen. Der Impuls möchte dich zum Nachdenken anregen und dir auch mal eine andere, neue Perspektive aufzeigen. Was kannst du davon in deinen Alltag mitnehmen? Was spricht dich ganz persönlich an?
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oto F Der Gedanke aus dem Impuls spiegelt sich im Foto wider, weil er umso stärker hängen bleibt, wenn man ihn mit etwas Sichtbarem verbinden kann.
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xkurse E Zwischendurch gibt es immer wieder Sonderseiten, die thematisch zu dem jeweiligen Bibelabschnitt passen. Das können z. B. Karten, Stammbäume, ausführlichere Begriffserklärungen oder innerbiblische Zusammenhänge sein.
Wortweise. In dieser Reihe geht es zum einen darum, die Bibel Wort für Wort zu entdecken – und zum anderen darum, in alldem Gott zu begegnen und aus seinem Wort weise zu werden. Ich wünsche dir viel Freude mit diesem Buch und der Bibel!
Tabea Tacke Herausgeberin der »wortweise«-Reihe
»WORTWEISE«
EINLEITUNG
Markus Das Markusevangelium ist das älteste, kürzeste und dynamischste Zeugnis über das Leben, Sterben und die Auferstehung von Jesus von Nazareth. Markus strukturiert sein Evangelium um zwei zentrale Fragen: » Wer ist Jesus? (1,1–8,30) » Warum ist Jesus gekommen? (8,31–16,20) MARKUS
Markus verfasst keine Biografie im modernen Sinn, sondern erzählt theologisch verdichtete Szenen aus dem öffentlichen Wirken von Jesus. Das Bild, das Markus von Jesus zeichnet, ist zutiefst paradox: Jesus ist der dienende König, der sterbende Messias. Im Fokus stehen weniger die Lehren, sondern vielmehr die Taten von
Verfasser: Wahrscheinlich Johannes Markus, der Begleiter von Paulus und Übersetzer von Petrus. Markus stammt aus Jerusalem, das Haus seiner Mutter Maria ist ein Treffpunkt der ersten Christen (Apg 12,12). Er begleitet Paulus und Barnabas auf ihrer Missionsreise, verlässt sie jedoch und wird Grund für ihr Zerwürfnis (Apg 15,3740). Später wird Markus ein wichtiger Mitarbeiter von Paulus (2Tim 4,11) und Petrus (1Petr 5,13). Zentrale Hinweise für die Verfasserschaft stammen vom Kirchenvater Eusebius aus dem 4. Jahrhundert, der ein verloren gegangenes Werk von Papias von Hierapolis (130 n.Chr.) zitiert. Darin wird bezeugt, dass Markus die Erinnerungen von Petrus schriftlich festhielt. Weitere Autoren der frühen Kirche bestätigen Markus als Verfasser (z.B. Irenäus von Lyon, Clemens von Alexandria, Origenes). Adressat: Primär nicht jüdische Christen und Christinnen in Rom. Markus erklärt jüdische Bräuche, übersetzt aramäische Begriffe und verwendet lateinische Lehnwörter. In einer Zeit, in der die Augenzeugen sterben und der Druck auf die frühe Kirche unter Kaiser Nero wächst, wird Markus zum Vermittler zwischen der Generation der Apostel und der nachwachsenden Gemeinde. Datierung: Zwischen 50 bis 60 n.Chr. in Rom. Einige Ausleger datieren es in die späten 60er- bis 70er-Jahre. Das Markusevangelium ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das älteste der vier Evangelien.
Jesus. Selbst zentrale Wahrheiten werden nicht als systematische Lehrtexte vermittelt, sondern im Schlagabtausch zwischen Jesus und unterschiedlichen Gesprächspartnern verhandelt. Fragen sind ein beliebtes rhetorisches Mittel bei Markus. Wunder, Gleichnisse und Unterhaltungen werden kompakt wiedergegeben und sind primär thematisch und nicht chronologisch angeordnet. Markus webt außerdem verschiedene Ereignisse kunstvoll ineinander, um inhaltliche Zusammenhänge aufzuzeigen. Erzählt wird in diesem Evangelium in hohem Tempo. Markus verbindet verschiedene Ereignisse auffällig oft mit dem Wort »sogleich«
(ELB). Das Wort kommt im Markusevangelium insgesamt 43-mal vor, bei Matthäus im Vergleich dazu nur 20-mal, bei Lukas 14-mal und bei Johannes 6-mal. Verfasst ist das Evangelium im historischen Präsens. In dieser Zeitform stehen die Verben in der Gegenwartsform, obwohl die Handlung in der Vergangenheit liegt. Es ist im Altgriechischen ein gebräuchliches Stilmittel, das die Erzählung lebendiger und dynamischer macht und die Lesenden mitten ins Geschehen zieht. Markus betreibt narrative Christologie: Die Fragen, die sich um die Person, das Wesen und das Werk von Jesus drehen, werden nicht theoreEINLEITUNG
tisch beleuchtet oder gelehrt, sondern in Geschichten dargestellt. In den 16 Kapiteln seines Evangeliums finden sich kaum Interpretationen der Geschehnisse oder erklärende Kommentare. Markus überlässt es den Lesenden, eigene Schlüsse zu ziehen.
Genau in dieser Dynamik liegt die Genialität des Markusevangeliums: Jeder Leser und jede Leserin muss sich den zwei zentralen Fragen des Evangeliums selbst stellen: » Wer ist Jesus für mich? » Was hat sein Kommen mit mir zu tun?
EVANGELIUM VON JESUS CHRISTUS, DEM SOHN GOTTES (1,1) 1. Wer ist Jesus? 1,2–8,30 Was ist das für eine neue Lehre? (1,27)
Der Sohn des Menschen wird sterben und auferstehen! (8,31)
Wer ist dieser Mann? (4,41)
Der Sohn des Menschen wird sterben und auferstehen! (9,31)
Woher kommt das alles? (6,2)
Der Sohn des Menschen wird sterben und auferstehen! (10,34)
»Du bist der Christus.« (8,29)
MARKUS
2. Warum ist Jesus gekommen? 8,31–16,20
»Dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn.« (15,39)
Markiersystem Um größere thematische Linien erkennen und nachvollziehen zu können, kann es helfen, wenn man Bibeltexte mit verschiedenen Farben markiert. Jede Farbe steht für ein anderes Thema, das in diesem Bibelbuch vermehrt vorkommt. So kann man auf einen Blick erfassen, welche Themen in einem Abschnitt besonders wichtig sind. Ein Vorschlag für ein solches Markiersystem im Markusevangelium ist folgender: о о о о о
Wer ist Jesus? Warum ist Jesus gekommen? Fragen, die Jesus stellt Fragen, die Jesus von anderen gestellt werden Vollmacht / Autorität
Hier kannst du abhaken, welche Kapitel du schon gelesen hast: Wer ist Jesus?
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Warum ist Jesus gekommen?
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EINLEITUNG
WER IST JESUS? Markus 1–8 Markus eröffnet seinen Bericht mit einem Paukenschlag. Der erste Satz ist die Überschrift für das ganze Evangelium: »Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes« (1,1; NeÜ). Hier wird einmalig ein Fazit vorweggenommen – von nun an wird sich Markus zurückhalten und den Lesenden selbst überlassen, welche Schlüsse sie aus dem Gelesenen ziehen. Wer ist Jesus? Dieser Frage widmet sich der erste Teil des Markusevangeliums. Er endet schließlich mit Petrus’ Bekenntnis: »Du bist der Christus« (8,29; ELB). Von Anfang an diskutieren verschiedene Personengruppen genau diese Möglichkeit: Könnte Jesus der im Alten Testament angekündigte und lange ersehnte König der Juden sein? Doch sowohl seine Lehre (1,27) als auch seine Taten (4,41) und seine Biografie (6,2-3) passen nicht so richtig in das Bild, das die Menschen von diesem Messias haben. Auffällig ist, dass Jesus seine Identität zwar wiederholt durch seine Taten offenbart, aber gleichzeitig zur Geheimhaltung derselben aufruft. Weil dieses Motiv in Markus immer wieder auftaucht, sprechen Ausleger vom »Messiasgeheimnis« des Markusevangeliums. So verbietet Jesus beispielsweise Dämonen, von ihm zu sprechen (1,34), ein Geheilter soll schweigen (1,44) und auch die Jünger sollen ihre Erkenntnis geheim halten (8,30). Jesus tritt auf, als die Zeit »erfüllt« (1,15; ELB) ist. Historisch ist die Zeit der sogenannten Pax Romana (wörtlich »Römischer Frieden«) angebrochen, eine längere Periode des relativen Friedens (27. v.Chr. bis 180 n.Chr.). Das Römische Reich hat sich durch Bürgerkriege erweitert, ist nun aber unter einem Herrscher friedlich vereint: Kaiser Augustus hat die Meere gesichert, weite Reisen sind nun möglich, Griechisch ist die einheitliche Sprache. Zum ersten Mal in der Geschichte eröffnet sich ein Zeitfenster, das richtig günstig ist, um eine Botschaft schnell und weit zu verbreiten. Markus möchte so eine Botschaft verbreiten: »die Gute Nachricht von Jesus Christus« (1,1; GNB).
EVANGELIUM VON JESUS CHRISTUS, DEM SOHN GOTTES (1,1)
1.
Wer ist Jesus? 1,2–8,30 Johannes der Täufer Taufe »Du bist mein geliebter Sohn!« Was ist das für eine neue Lehre? 1,27 Dämonen-Austreibung Berufung der Jünger Heilungen Gleichnisse Wer ist dieser Mann? 4,41 Natur-Wunder Diskussionen Woher kommt das alles? 6,2 Speisung der 5000 Konfrontation mit Pharisäern
»Du bist der Christus.« 8,29
MARKUS 1,1-15
Im Wartezimmer Im Schnitt verbringen wir etwa ein bis zwei Jahre unseres Lebens mit Warten: an der Ampel, beim Arzt, auf verspätete Freunde, an der Kasse. Wir warten aber auch aufs Wochenende, auf die Liebe unseres Lebens, auf bessere Zeiten, auf wichtige Diagnosen, auf Antworten. Manchmal warten wir scheinbar vergeblich, bekommen keine Antworten, erzielen keinen Durchbruch. Dann macht sich langsam verzweifelte Hoffnungslosigkeit breit. Scheinbar vergeblich auf Gott zu warten ist eine der schmerzhaftesten Erfahrungen, die wir machen können. Manchmal schreien wir unter Tränen zu Gott – und er schweigt. Das tut weh. Es verunsichert. Und es macht uns wütend. MARKUS 1
Verletzt, verunsichert und wütend: Ähnlich müssen sich die Menschen gefühlt haben, als Jesus die Weltbühne betritt. Dem Markusevangelium gehen 400 Jahre göttlichen Schweigens voraus. Die Juden werden unterdrückt, Israel ist von den Römern besetzt, die Verheißungen der Propheten stehen unerfüllt im Raum. Die Menschen sind seit Jahrhunderten im Wartezimmer. Doch endlich, endlich bricht Gott sein Schweigen. Und kommt den Menschen unendlich nah. Das Markusevangelium ist eine Einladung: Was das Kommen von Jesus für die Menschen damals war, kann das Evangelium für dich heute werden: ein Ende des göttlichen Schweigens, ein Schritt aus dem Wartezimmer, ein echter Neuanfang.
Halte einmal inne, bevor du die nächsten Seiten liest, und halte fest: Welche Antworten brauchst du ganz dringend? Wo leidest du unter Gottes Schweigen? Vielleicht blät-
terst du am Ende des Evangeliums noch mal hierhin zurück und reflektierst: Hat Gott sein Schweigen gebrochen? Was hat er dir gezeigt?
REFLEXION ZU BEGINN
REFLEXION AM ENDE
WER IST JESUS?
Kontext Der Begriff »Anfang« (V. 1) leitet auch schon das erste Buch der Bibel ein. Während sich 1. Mose als ein Buch der Anfänge (1Mo 1,1) präsentiert, ist Markus das Buch der Neuanfänge. Der Geist, der in 1. Mose 1,2 über dem Wasser schwebt, schwebt nun über Jesus (V. 10). Nicht das Meer teilt sich wie in 2. Mose 14,21, sondern der Himmel (V. 10). Damit erfüllt sich die alttestamentliche Sehnsucht, dass der Himmel zerreißen und Gott sich den Menschen nahen möge (Jes 63,19–64,1). Nach einer kurzen Überschrift (V. 1) beginnt Markus mit einem Prolog (1,2-8) und legt damit das Fundament für das restliche Evangelium. In Vers 2 und 3 zitiert er aus dem Alten Testament (Mal 3,1; Jes 40,3) und verankert das Kommen von Jesus tief in der Religion des alten Israels. Etwas Neues bricht an, aber dieses Neue ist lange geplant und sehnlichst erwartet. Das Auftreten des Johannes bildet ebenfalls eine wichtige Brücke zum Alten Testament. In den letzten beiden Versen des Alten Testaments wird angekündigt, dass einer wie der Prophet Elia kommen und den »Tag des Herrn« vorbereiten wird (Mal 3,23-24). Jesus identifiziert Jo-
MARKUS 1
hannes als diesen Elia (Mk 9,11-13; Mt 11,13-14). Die Parallelen zwischen Elia und Johannes dem Täufer zeigen sich nicht nur darin, dass beide zur Umkehr aufrufen (z.B. 1Kön 18,21). Auch in ihrem Auftreten gibt es Überschneidungen: Beide tragen Kleidung aus Tierhaaren und einen Ledergürtel (2Kön 1,8), beide werden durch wilde Tiere ernährt (1Kön 17,2-6). Den Beinamen »der Täufer« (Mk 6,25) bekommt Johannes wohl, um ihn vom Apostel Johannes zu unterscheiden. Vergleicht man die vier Evangelien, sticht heraus, wie unterschiedlich jedes Evangelium anfängt. Lukas beginnt seinen Bericht im Tempel, Johannes mit einem Hymnus auf den Anfang der Wirklichkeit und Matthäus mit einer beeindruckenden Ahnentafel. Das Markusevangelium beginnt in der Wüste (V. 4.12), am Ort der Dürre, des Schweigens, der Erbarmungslosigkeit. Die ersten Worte von Jesus selbst (V. 15) sind eine Einladung und gleichzeitig Zusammenfassung seiner zentralen Botschaft: Eine neue Zeit bricht an, ein Neustart ist möglich. Doch bereits hier legt der Text eine Spannung an: Unmittelbar bevor Jesus den Neuanfang proklamiert, wird Johannes der Täufer verhaftet (V. 14).