Dankbar staunen, wie wunderbar Gott unser Leben formt
SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stift ung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stift ung, bdie sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
Druck und Bindung: Dimograf Sp. z o.o. Gedruckt in Polen
ISBN 978-3-417-00057-3
Bestell-Nr. 227.000.057
Einleitung
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Das Zentrieren
Deine
Das
Deine
Sieben Das
Die Planung
Deine Persönlichkeit ist bedeutungsvoll.
Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast!
Psalm 139,14
Wünschst du dir auch manchmal, du wärst anders? Sanftmütiger oder mutiger? Offener oder stiller? Fleißiger oder entspannter? Normaler? Einfach anders? Ich kenne diesen Wunsch sehr gut. Schon früh habe ich gemerkt, wie oft ich die Erwartungen anderer nicht erfülle. Und als ich älter wurde, wurde es nicht besser. Dabei bemühte ich mich wirklich. Am schlimmsten war es, wenn ich hinter meinen eigenen Erwartungen zurückblieb. Diese sich wiederholenden Erfahrungen entmutigten mich. Ich war mir sicher, sie würden mich disqualifi zieren und aus der Gemeinschaft der wertvollen Menschen ausschließen. Das war nur eine Frage der Zeit. Ich liebte daher Neuanfänge. An einem neuen Ort mit neuen Menschen hatte ich die Chance, mich als diejenige zu präsentieren, die von allen geliebt werden würde. Doch leider nahm ich mich überallhin mit. Diese Erkenntnis war zutiefst frustrierend.
Einer dieser Momente war ein Sonntagmorgen im Jahr 2010. Mein Mann und ich waren erst vor einem Jahr Teil einer neuen Gemeinde geworden. Da es mir leichtfällt, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, schloss ich mich dem Begrüßungsteam an. Unsere Aufgabe war es, an den Türen zu stehen und die Kommenden willkommen zu heißen. Ich machte für mich ein Spiel daraus. Woche für Woche lernte ich neue Namen und versuchte, sie mir zu merken. Dazu schrieb ich sie in ein Büchlein und ergänzte sie mit wichtigen Hinweisen, die ich mir merken wollte, um die Menschen beim nächsten Mal wiederzuerkennen. Außerdem luden wir fast jeden Sonntag Menschen zu uns nach Hause ein. Nach und nach wurden aus manchen Begegnungen Freundschaften.
Mit einer Gruppe von jungen Leuten trafen wir uns gerne und regelmäßig. Ich stand also an diesem Sonntag an meinem Platz am Eingang, als ich einen von ihnen kommen sah. Es war ein junger Mann Anfang zwanzig, der in diesem Jahr seinen Bundesfreiwilligendienst in unserer Gemeinde absolvierte. Seine Eltern und Geschwister lebten zwei Stunden Autofahrt entfernt. Als ich ihn kommen sah, war er nicht allein. Ich erinnerte mich, dass er davon erzählt hatte, dass seine Familie an diesem Wochenende zu Besuch kommen würde. Ich freute mich so, ihn zu sehen und seine Familie kennenzulernen, dass ich, ohne nachzudenken, auf die kleine Gruppe zustürmte. Mit weit ausgebreiteten Armen rief ich laut seinen Namen und umarmte seine überraschten Eltern und Geschwister leidenschaftlich.
Da erst wurden mir die amüsierten Gesichter der Umstehenden bewusst. Ich schämte mich. Ich musste diese Menschen völlig überrumpelt haben, auch wenn sie sich nichts anmerken ließen. Peinlich berührt ging ich zurück an meinen Platz bei der Tür. Ich nahm mir vor, mich nach dem Gottesdienst bei ihnen zu entschuldigen. Wie sich später herausstellte, hatten sie meinen »Überfall« durchaus positiv erlebt. »Wir sind noch nie so freundlich begrüßt worden«, beteuerte die Mutter. Trotzdem blieb mein schlechtes Gewissen. Warum nur war ich immer so ungestüm?
Ebenbild des Schöpfers
Kennst du dieses Gefühl, dich nicht angemessen verhalten zu haben? Peinlich zu sein? Menschen zu überfordern oder in ihrer Gegenwart nicht aus dir herauszukommen? Und hast du dich schon mal gefragt, ob Gott dich genauso gebrauchen kann – oder ob er ebenfalls mit den Augen rollt und sich fragt, wann du endlich so sein wirst, wie er dich haben will?
Im ersten Kapitel der Bibel lesen wir, wie Gott die Menschen in seinem Bild erschafft und ihnen dann seine Wertschätzung schenkt, indem er ihnen eine Aufgabe und Verantwortung gibt. Am Ende des Schöpfungstages ist er dann nicht nur zufrieden mit seinem Werk, sondern äußerst erfreut.
» Da sprach Gott: »Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind. Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.« So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und gab ihnen den Auftrag: »Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz. Herrscht über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und über alle Tiere auf der Erde.« ... Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
1. Mose 1,26-28.31
Was bedeutet es, dass wir Menschen Gott ähnlich sind? Betrifft das nur Adam und Eva oder gilt das auch für dich und mich heute? Und wenn Letzteres, worin sind wir ihm dann ähnlich? Gott hat uns Aufgaben anvertraut und uns mit seinen Gaben befähigt. Wir können Verantwortung übernehmen. Bereits darin ähneln wir ihm. Wir sind kreativ, haben eigene Ideen, Wünsche und Ziele. Können Ordnung schaffen und Lebensräume ermöglichen. Und wir Menschen lieben es, Dinge wachsen zu sehen und Frucht zu ernten. Genauso wie unser Vater im Himmel.
Also ja, du bist Gott ähnlich. In allen diesen Punkten. Und er schenkt dir und mir Vertrauen. Gott übergibt uns seine neue Erde, schenkt uns Raum, sie zu bebauen und zu bewahren. Wir dürfen unsere Ideen in großer Freiheit umsetzen und uns ausbreiten. Das heißt für mich: Gott traut uns, traut dir Gutes zu. Und er begegnet uns auf Augenhöhe: Er hat uns so erschaffen, dass er mit uns kommunizieren kann. In seinem Bild geschaffen zu sein bedeutet, Gott ein Gegenüber zu sein. Damit gibt Gott uns Würde und das macht jeden von uns wertvoll und wichtig.
Die Schöpf ungsgeschichte zeigt: Gott traut uns Gutes zu!
Wenn ich die Erzählung von der Schöpfung lese, erkenne ich noch etwas anderes: Wir sind Gott nicht nur ähnlich und schon deshalb unendlich wertvoll. Wir sind auch einzigartig. Das zeigt uns die Schöpfung und weist uns damit auf sein Wesen hin: Es gibt nicht nur eine Blumensorte, sondern unzählige. Manche Blumensorten, Dahlien zum Beispiel, gibt es in vielen verschiedenen Farben und Blütenformen. Ist das nicht ein deutlicher Hinweis darauf, dass Gott großzügig ist und sich an Unterschiedlichkeit erfreut? Wenn Gott sogar Schneeflocken einzigartig macht, warum lasse ich mich dann immer wieder entmutigen, anstatt mich an meiner Originalität zu freuen?
Könnte es daher sein, dass auch ich mit meiner Persönlichkeit das Wesen Gottes offenbare? Und wie frei würde ich leben, wenn ich das wirklich verinnerlicht hätte? Wenn ich wüsste, dass Gott mich genauso gemacht hat, wie er es wollte?
Für mich war es lange schwer, meine Stärken zu erkennen. Meistens habe ich nur meine Schwächen vor Augen gehabt und war damit beschäftigt, sie – und so mich selbst – zu verstecken. Es war Angst vor Ablehnung, weil ich nicht so bin wie andere. Ist das nicht traurig? Leider bin ich nicht allein mit dieser Angst. Im dritten Kapitel der Bibel lesen wir vom sogenannten Sündenfall. Wie kam es dazu und was hat diese Story mit mir und dir zu tun?
» Die Schlange war das listigste von allen Tieren, die Gott , der Herr, erschaffen hatte. »Hat Gott wirklich gesagt«, fragte sie die Frau, »dass ihr keine Früchte von den Bäumen des Gartens essen dürft?«
»Selbstverständlich dürfen wir sie essen«, entgegnete die Frau der Schlange. »Nur über die Früchte vom Baum in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ›Esst sie nicht, ja berührt sie nicht einmal, sonst werdet ihr sterben.‹« »Ihr werdet nicht sterben!«, zischte die Schlange. »Gott weiß, dass eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst. Ihr werdet sein wie Gott und das Gute vom Bösen unterscheiden können.«
1. Mose 3,1-5
Die ersten Menschen leben in einem paradiesischen Garten. Sie haben alles, was sie brauchen, und erleben Freiheit und Gemeinschaft. Obwohl es ihnen an nichts fehlt, sät die Frage der Schlange Zweifel in Evas Herz. Zweifel an der Güte Gottes und Zweifel an ihrer Identität: »Gott weiß, dass eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst. Ihr werdet sein wie Gott.« Was für eine Lüge! Waren Adam und Eva nicht bereits von Anfang an im Bilde Gottes geschaffen worden? Der Zweifel bringt sie dazu, Gott zu misstrauen. Mit dem Misstrauen kommt der Ungehorsam:
» Die Frau sah: Die Früchte waren so frisch, lecker und verlockend –und sie würden sie klug machen! Also nahm sie eine Frucht, biss hinein und gab auch ihrem Mann davon. Da aß auch er von der Frucht. In diesem Augenblick wurden den beiden die Augen geöffnet und sie bemerkten auf einmal, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.
1. Mose 3,6-7
Der Drang, mich zu verbergen
Als Adam und Eva von der verbotenen Frucht essen, werden ihre Augen geöffnet. Was sie sehen, ist nicht mehr ihre Ähnlichkeit mit dem Schöpfer, sondern ihre – gottgewollte – Unterschiedlichkeit. Und als sie ihre Unterschiedlichkeit erkennen, verstecken sie sich. Zuerst vor-
einander und dann vor Gott. Bis heute ist das so: Anstatt uns mit Gott an unserer Verschiedenartigkeit zu freuen, verbergen wir sie.
Gibt es Wesenszüge deiner Persönlichkeit, die du verbirgst, weil du glaubst, sie seien ungenügend – vor allem im Vergleich mit anderen?
In meinem Leben war es die Überschwänglichkeit. Wie oft hatte ich gehört: »Sei doch bitte ruhiger. Sei doch mal normal. Du erstickst die Menschen mit deiner Liebe.« So viele Male hatte ich es versucht. Und war erfolglos geblieben.
Am Morgen nach diesem Sonntag in der Gemeinde, von dem ich zu Beginn des Kapitels erzählt habe, war ich wirklich verzweifelt. Daher bat ich Gott um Vergebung für meine stürmische Art und gelobte, mich zu bessern. Ich würde es schon schaffen, anders zu werden. Ich würde ruhig und sanftmütig werden. Und unter sanftmütig verstand ich vor allem: zurückhaltend und still. Das war meine Vorstellung von Richtig.
Wie ich da an meinem Schreibtisch saß und mir die Tränen über die Wangen liefen, hatte ich einen Geistesblitz: »Lies Lukas 15.« Der Gedanke irritierte mich. Stand da nicht die Geschichte vom verlorenen Sohn? Was hatte das mit mir zu tun? Wie auch immer, ich bekam den Gedanken nicht aus dem Kopf. Könnte das der Heilige Geist gewesen sein? Skeptisch öffnete ich meine Bibel.
Jesus erzählt hier die Geschichte von einem Sohn, der sich sein Erbe vorzeitig ausbezahlen lässt. Eine ziemlich respektlose Bitte, die sein Vater ihm jedoch gewährt. Aber der junge Mann hat nicht etwa eine Geschäftsidee. Vielmehr verabschiedet er sich von seinem Elternhaus, um die Welt zu entdecken. Er will Spaß haben. Frei sein. Doch das Leben spielt ihm übel mit. Er landet ganz unten. Am tiefsten Punkt in seinem Leben besinnt er sich dann darauf, dass sein Vater ein guter Arbeitgeber ist, und beschließt, sich mit einer Entschuldigung auf den Weg nach Hause zu machen.
Die Geschichte ist eine wunderbare Erzählung über die Güte Gottes. Sie war mir vertraut, aber an diesem Tag las ich sie ganz neu – und
kam zu der Stelle, an der der Vater, der offenbar nach seinem Sohn Ausschau gehalten hatte, diesen erblickt:
» Er war noch weit entfernt, als sein Vater ihn kommen sah. Voller Liebe und Mitleid lief er seinem Sohn entgegen, schloss ihn in die Arme und küsste ihn.
Lukas 15,20
Als ich las, mit welcher Überschwänglichkeit der Vater auf seinen Sohn zulief, schossen mir die Tränen in die Augen. Die Worte trafen mein Herz, denn in diesem Moment sah ich nur eins: Der Vater ist wie ich! Leidenschaft lich, stürmisch und überschwänglich. An diesem Tag erkannte ich zum ersten Mal, dass ich Gott ähnlich bin. Sogar in einem Bereich, den ich für eine Schwäche hielt. Ich begriff, was Gott mir damit sagen wollte: »Ich liebe deine Überschwänglichkeit. Sie spiegelt meine eigene wider. Ich liebe deine Leidenschaft für Menschen. Ich selbst habe sie in dein Wesen gepfl anzt. Wenn du Menschen so rückhaltlos liebst, wie du es tust, erleben sie meine Liebe für sie.«
Diese Entdeckung hat etwas in mir zur Ruhe gebracht. In den folgenden Monaten entdeckte ich immer wieder Stellen in der Bibel, die Gott von dieser Seite zeigten. Damit begann ein Weg der Versöhnung. Ich freundete mich mit mir selbst an.
Lass dich dazu einladen, dein Wesen mit neuen Augen zu betrachten –mit Gottes Augen. Wie würdest du dich fühlen, wenn du erkennen würdest, dass auch du das Wesen Gottes widerspiegelst, vielleicht sogar mit einer der Eigenschaften, die dir Mühe machen? Wie wäre es, wenn du dich mit Gott daran freust, wie er dich geschaffen hat?
Liebevoll geplant
Genauso wie es die unterschiedlichsten Arten von Tonmischungen für die verschiedenen Gefäße gibt, gibt es auch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten bei uns Menschen. Nicht jede ist für jede Aufgabe gleich gut geeignet. Liebst du Zahlen? Kannst du gut zuhören? Bist du anpassungsfähig? Arbeitest du gerne im Verborgenen oder läufst du erst vor Publikum zu deiner Bestform auf? Deine Persönlichkeit wird zu deiner Aufgabe passen.
Mein Vater im Himmel spricht viel freundlicher mit mir, als ich es erwarte.
Und wenn sich schon ein Töpfer so viele Gedanken macht, um ein vergängliches Gefäß zu erschaffen, wie viel mehr Gedanken muss Gott sich dann machen! Er hat meine einzigartige Persönlichkeit vor Augen. Er sieht mich. Er liebt mich. Er freut sich an mir. Diese Wahrheit, diese göttliche Wertschätzung hat mich befreit und mir einen tiefen Frieden geschenkt. Ich will mich nicht mehr verbiegen oder verstecken. Der Meistertöpfer hat Wesenszüge seines Charakters in meine Persönlichkeit gelegt. Das ist ein unglaubliches Vorrecht.
Lange konnte ich Gottes Reden im Alltag kaum wahrnehmen. Immer wenn ich mir die Zeit nahm, zur Ruhe zu kommen, hörte ich eine Stimme, die mich an meine Schwächen, mein Versagen und an die ungemachten Aufgaben erinnerte. Das wollte ich aber gar nicht hören. War das tatsächlich Gottes Reden? Heute weiß ich: Mein Vater im Himmel spricht viel freundlicher mit mir, als ich es erwarte. Oft höre ich also deshalb sein Reden nicht, weil ich mit einem Anpfiff rechne.
Ich höre es nicht, weil Gott anders spricht. Seine Worte sind liebevoll, wertschätzend und ermutigend, selbst wenn er mich ermahnen muss.
Ich glaube, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Wenn ich darin lese, suche ich nach seinem Wesen und entdecke an vielen Stellen sein freundliches Herz. Zum Beispiel in Versen wie den folgenden. Sie zeigen mir, dass Gott sich an mir freut, und erwecken in mir die Sehnsucht, ihm mein ganzes Leben anzuvertrauen.
Die Planung
Bevor der Töpfer21 mit einem neuen Werk beginnen kann, muss er sich Gedanken darüber machen, welchen Zweck sein Werk erfüllen soll. Er wird sich zum Beispiel überlegen, wie groß es werden und welche Form es haben soll. Seine Überlegungen wirken sich auf das Material und die Menge des Tons aus.
Denn Ton ist nicht gleich Ton. Für eine Tasse wählt er geschmeidigen Ton, der sich leicht drehen lässt. Ein Krug hingegen braucht deutlich mehr Stabilität, er nimmt in dem Fall einen Ton mit Schamott e –einem Zusatz von gebranntem, zerkleinerten Ton. Der sorgt dafür, dass das Gefäß seine Form behält und weniger schrumpft . Eine Dekoschale für Kekse sieht auch mit grobem Ton sehr gut aus. Für eine feine Vase könnte der Töpfer Porzellan verarbeiten, das sehr dünn gedreht werden kann.
Der Zweck bestimmt, welches Rohmaterial benutzt wird. Denn Ton kann sehr vielfältige Eigenschaft en haben.
» Du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar! Dir war ich nicht verborgen, als ich Gestalt annahm, als ich im Dunkeln erschaffen wurde, kunstvoll gebildet im tiefen Schoß der Erde. Deine Augen sahen mich schon, als mein Leben im Leib meiner Mutter entstand.
Psalm 139,13-16; NGÜ
Ganz gleich, was Menschen sagen: Mein Wesen ist liebevoll erdacht und geschaffen. Ich bin kein Zufall. Wie ich als geliebte Tochter Gottes denke, liebe, lebe, macht einen Unterschied. Am wirkungsvollsten bin ich daher, wenn ich mit mir selbst versöhnt bin. Wenn ich die bin, die ich bin, bringe ich Licht in die Welt – denn: Allein die Tatsache, dass du lebst, beweist, dass du etwas hast, was diese Welt braucht.
Glaubst du, dass Gott sich an dir freut?
Am wirkungsvollsten bin ich, wenn ich mit mir selbst
versöhnt bin.
Du bist ein Kunstwerk, von Meisterhand erschaffen. Deshalb brauchst du nicht mehr zu versuchen, an dem von Gott erschaffenen
Original herumzumalen, in der Hoff nung, es zu verbessern. Denn der Einzige, der einen echten Rembrandt verbessern könnte, wäre Rembrandt selbst. Wenn du bereit bist, deinen Blick auf dich selbst zu verändern und Gottes Perspektive einzunehmen, lade ich dich zu einer ersten praktischen Übung ein – zu einem kleinen, aber sehr wirkungsvollen Schritt .
Trage hier eine deiner Schwächen ein. Zum Beispiel: »Ich bin oft unpünktlich.«
Auf den ersten Blick ist das eine Schwäche. Nimm dir jetzt einen Moment Zeit, um zu überlegen, welche Gründe es dafür gibt und was dahintersteckt. In meinem Beispiel könnte das sein: »Ich nehme mir zu viel vor«, »Ich plane zu wenig« oder »Mir kommen immer wieder Menschen dazwischen«.
Schreibe deine Antworten hier auf:
Jetzt lade ich dich dazu ein, nun die Perspektive zu wechseln. Ich mache es dir an meinen Beispielen vor:
1. »Ich bin oft unpünktlich, weil ich mir zu viel vornehme.« Nach einem Perspektivwechsel könnte hier stehen: »Ich scheue mich nicht vor Arbeit. Ich übernehme Verantwortung. Ich bin stark.«
2. »Ich bin oft unpünktlich, weil ich zu wenig plane.« Stattdessen könnte man formulieren: »Ich bin flexibel, spontan und kreativ.«
3. »Ich bin oft unpünktlich, weil mir immer wieder Menschen dazwischenkommen.« Vielleicht sieht es aus Gottes Blickwinkel ja so aus: »Ich kann präsent sein. Ich nehme mir Zeit für mein Gegenüber. Ich lebe im Hier und Jetzt.«
Merkst du, was ich meine? Es geht mir nicht darum, Schwächen schönzureden. Sondern darum, ein größeres Bild von ihnen zu bekommen. Einen Perspektivwechsel zu vollziehen. Lade Gott daher jetzt ganz bewusst ein, zu dir zu sprechen. Bitte ihn darum, dir zu zeigen, wie er dich sieht, und formuliere deine oben aufgeschriebenen Sätze um. Auch wenn du vielleicht wenig Erfahrung damit hast.
Erwarte freundliche Worte – denn das kann ein Schlüssel dazu sein, seine Stimme wahrzunehmen.
Kommt dir ein simpler oder vielleicht auch erst mal ungewöhnlicher Gedanke? Schreibe ihn auf. Fällt dir ein Bibelvers ein? Notiere ihn. Hörst du gerade Musik? Es könnte sein, dass Gott durch den Liedtext zu dir spricht. Fällt dein Blick auf einen Gegenstand in deiner Nähe? Schreibe auf, welche Bedeutung er für dich hat.
Gott hat viele Möglichkeiten. Öff ne dein Herz. Hier ein Gebetsvorschlag, du kannst aber gerne auch eigene Worte finden.
Vater im Himmel, du bist allmächtig und weise. Du liebst uns Menschen und hast mich kunstvoll erschaffen. Du kennst mich. Wie siehst du die folgende Eigenschaft von mir?
Bitt e lass mich deine Perspektive erkennen.
Amen.
Schreibe jetzt auf, was dir einfällt.
Der Schöpfer liebt die Vielfalt und jeden einzelnen Menschen. Er hat dich mit Gaben und Eigenschaften ausgerüstet und dir Teile seines Wesens anvertraut. So wie du denkt und fühlt kein anderer Mensch. Deshalb verstecke dich nicht. Denn du hast alle Gaben, die du brauchst, um ein sinnerfülltes Leben zu führen, und Gott freut sich schon darauf zu sehen, wie du deine Persönlichkeit ausleben wirst. Willst du dich mit ihm an dir selbst freuen lernen? Dann nimm dir noch einmal einen Moment: Wer schätzt deine Art, zu denken oder
zu leben? Welche Menschen suchen deine Nähe, weil sie sich von deiner Art angezogen fühlen? Wem bist du zum Segen geworden, einfach weil du bist, wie du bist? Welche Aufgaben werden dir von wem zugetraut? Öff ne deine Herzensaugen: Für wen bist du ein Geschenk?
Ein Teil dieser Dinge ist uns bewusst und macht uns Mut. Und doch sehen wir nur einen Bruchteil des Einflusses, den wir auf Menschen in unserem Leben haben. Deshalb sei mutig. Vertraue deinem Schöpfer. Er hat einen guten Plan. Du bist ein größerer Segen, als du ahnst.