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SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

© 2022 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH · Max-Eyth-Str. 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-brockhaus.de · E-Mail: info@scm-brockhaus.de

Hauptübersetzung:

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (LUT 2017)

Weiter wurden verwendet: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (GNB)

Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis – Brunnen Basel. (HFA) Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002, 2006 und 2017 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (NLB)

Elberfelder Bibel 2006, © by SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. (ELB)

Lektorat: Mirja Wagner, www.lektorat-punktlandung.de

Umschlaggestaltung: Stephan Schulze, Stuttgart Innengestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de

Verwendete Bilder: alle Bilder Jonas Kaltenkirchen, Gelsenkirchen außer S. 28: Taisiia Shestopal (unsplash), S. 56: Kelli McClintock (unsplash), S. 82: Christin Hume (unsplash), S. 94: GR Stocks (unsplash), S. 100: khloe arledge (unsplash) S. 114: Warren Wong (unsplash) S. 116: Roland Lösslein (unsplash), S. 150: Dev Benjamin (unsplash), S. 184: Gaelle Marcel (unsplash) S. 200: Zach Reiner (unsplash), S. 220: Priscilla Du Preez (unsplash)

Druck und Bindung: Print Consult GmbH

Gedruckt in Slowenien

ISBN 978-3-417-00014-6 Bestell-Nr. 227.000.014

1. Jung und gläubig

Jung und gläubig. Das ist der Titel dieses Buches. Jung zu sein, definiert sich durch das Alter, das ist irgendwie offensichtlich. Aber gläubig? Was genau bedeutet das und brauchen wir das überhaupt noch? Wir sind jung. Aber warum sollten wir gläubig sein?

Warum oder wozu sollten wir glauben? Ist es überhaupt notwendig? Hat es irgendeinen Sinn?

Ich kann dir nicht erklären, warum du glauben solltest. Wahrscheinlich kann das niemand. Aber ich kann dir erklären, warum ich glaube. Kurz: Ich habe bisher noch nie einen Grund gehabt, es nicht zu tun. Das heißt nicht, dass ich nie zweifle und alles immer schlüssig, logisch und verständlich finde. Aber ich halte an der Tatsache fest, dass Gott real ist, dass er existiert und in meinem Leben wichtig ist.

Rückblickend kann ich sagen: In meinem Leben gab es noch nie eine Situation, in der Gott mich verlassen hätte. Natürlich hatte ich schon öfter das Gefühl, dass etwas gerade keinen Sinn ergibt und alles fürchterlich ist – als würde der Himmel nie wieder blau werden.

Doch ich durfte lernen und erfahren, dass meine Perspektive begrenzt ist, denn gerade in diesen herausfordernden Momenten fing oftmals etwas Gutes und Neues an. Etwas, das ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sehen konnte.

Mit sechs Jahren bin ich an Krebs erkrankt und meine Geschichte hat mir schon als Kind eine Sicht auf das Leben gegeben, wie ich sie jedem Menschen wünschen würde: Jeder Tag war ein echtes Geschenk und eine wahre Freude. Ich konnte mir nicht sicher sein, ob ich am nächsten Morgen wieder aufwachen würde – letztlich kann das niemand wissen. In dieser Zeit durfte ich lernen, dass das Leben nicht

erst dann wertvoll wird, wenn einem Menschen die Unsicherheit des Lebens bewusst wird. Im Gegenteil: Es entfaltet seinen Wert schon jetzt, hier und heute. Dieses Leben zeigt sich in all seinen Möglichkeiten und all seinen Facetten, in seiner Begeisterung an der Gegenwart und seiner Lust auf die Zukunft. Mich hat diese Sichtweise bereichert und dankbar gemacht für das Hier und Jetzt, das ich erleben darf.

Dieses Leben zeigt sich in all seinen Möglichkeiten und all seinen Facetten, in seiner Begeisterung an der Gegenwart und seiner Lust auf die Zukunft.

Aber was verstehe ich nun unter Glauben? In der Bibel, besonders im Neuen Testament, steht immer wieder, dass Glaube sich aus vertrauender Hoffnung bildet: »Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht« (Hebräer 11,1; HFA). Ich finde, das ist eine ziemlich gute Erklärung: Wenn ich etwas wüsste, müsste ich es ja nicht glauben. Glaube – das ist ein Ja zu Gott, auch in Anbetracht ungeklärter Fragen. Jeder Mensch glaubt vermutlich an irgendetwas. Jeder sieht sein Leben aus irgendeiner Perspektive und reflektiert seine Umwelt anhand bestimmter Parameter. Insofern ist die Frage eigentlich nicht: »Glaubst du?«, sondern: »Woran glaubst du?« Und: »Was gibt deinem Leben Sinn, Fülle und Perspektive?« Meine persönliche Antwort auf diese Frage lautet: mein Glaube an Gott.

Als Christin glaube ich an etwas, das ich nicht sehe. Es ist unsichtbar, und trotzdem glaube ich, dass es existiert, und ich erlebe sogar,

dass es sich in meinem Leben regelmäßig beweist. In den kleinsten Situationen zeigt Gott mir: Ich bin da! Ich kann Gott spüren, mich an meinem Glauben festhalten und davontragen lassen. Er begleitet mich durch die tiefsten Täler und auf die höchsten Berge, von denen ich dann eine wunderschöne Aussicht habe. Doch beweisen kann ich dir meinen Glauben nicht. Genau das kann herausfordernd sein: Du kannst mir Gott nicht widerlegen – und ich wiederum kann ihn dir nicht beweisen. Ich kann nur auf ihn weisen.

Wenn ich mit anderen Menschen über meinen Glauben rede, fällt immer mal wieder ein Satz wie: »Glaube ist etwas für die Schwachen, für die Menschen, die es selbst nicht auf die Kette bekommen und jemanden brauchen, der ihnen hilft.« In solchen Momenten kommt mir dann oft folgender Gedanke:

Wenn ich nachts Auto fahre und mir ein anderes Auto entgegenkommt, werde ich das Passieren des Autos nur überleben, wenn die mir entgegenkommende Person leben möchte. In diesen Sekunden bin ich vollkommen abhängig von diesem Einvernehmen: »Wir beide wollen leben. Wir beide wollen aneinander vorbeifahren.« Diese Übereinkunft wurde niemals ausgesprochen. Letztlich liegt mein Leben in diesen Sekunden in den Händen einer anderen Person.

Genauso fühle ich mich in den Momenten meines Lebens, in denen ich nicht mehr weiterkomme und mir klar wird: Mit menschlichem Tun ist hier nichts mehr zu machen. Es wird sich nichts ändern, nur weil ich es will. Als ich Krebs hatte, hätten meine Eltern wahrscheinlich alles getan, um mich zu heilen. Viel mehr noch: Sie hätten die Krankheit auf sich genommen, damit ich wieder hätte gesund werden können. Aber das ging nicht. So stand ich schon in ganz jungen Jahren an dem Punkt, an den andere Menschen wahrscheinlich erst viel später kommen, und habe erkannt: »Du als Mensch, kannst hier nichts mehr tun! Das Leben liegt nicht in deiner Hand.«

Darum ist Glaube nichts für die Schwachen, sondern für die Einsichtigen, für jene, die verstehen, dass sie nichts in ihren Händen hal-

ten, auch wenn das so scheint. Daran erinnert mich das Autofahren – an eine Illusion von Kontrolle.

Gott hat uns in Jesus Christus bereits eine Einladung ausgesprochen. Er ist den ersten Schritt zu einem Einvernehmen gegangen und wünscht sich von uns, dass wir ihm glauben und ein Ja dazu haben.

Gott hat uns in Jesus Christus bereits eine Einladung ausgesprochen. Er ist den ersten Schritt zu einem Einvernehmen gegangen und wünscht sich von uns, dass wir ihm glauben und ein Ja dazu haben.

Damals habe ich mich in die Hände eines anderen, in die Hände meines himmlischen Vaters, fallen lassen und diesem Einvernehmen zugestimmt. So ist aus der Illusion von Kontrolle die Gewissheit geworden: An der Hand Gottes ist es sicher. Als Christin glaube ich an etwas Unsichtbares, aber real Erfahrbares: An etwas, das mich durch Tiefen und Höhen trägt, mich begleitet und erfüllt. Ich genieße es, in einer Welt, die schnelllebig und kurzweilig ist, jemanden zu haben, der beständig, immerwährend und gleich ist – und dabei immer mehr als nur »gut«. Die Baseline der ganzen Sache ist: Ich weiß es nicht, aber ich glaube es. Und das erfüllt mich mit vertrauender Hoffnung.

Ich weiß es nicht, aber ich glaube es.

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2. Wege finden, Wege gehen

Wie finde ich eigentlich meinen Weg? Hast du dich das auch schon mal gefragt? Meine Antwort darauf ist: indem ich suche! Spätestens wenn man nach dem Schulabschluss mit dem Zeugnis in der Hand dasteht, bemerken die meisten, dass es damit ja noch nicht getan ist. Das Leben geht weiter. Dann ist es an der Zeit, den Blick zu heben und zu erkennen: »Ich bin mehr als diese Benotung.« Ich kann etwas, ich trage Leidenschaft, ich interessiere mich, ich will weiter lernen und wachsen. Ich bin mehr. Du bist mehr. Und für jeden gibt es einen Platz. Nur scheint es uns sehr schwerzufallen, zu entdecken, wo der sein soll. Um das rauszufinden, musst du nicht zwingend ins Ausland fahren und an Australiens Küsten entlangreisen – das ist mit Sicherheit nicht für jeden etwas. Aber jeder sollte mal etwas tun, was seine Perspektive erweitert, seinen Blick hebt und ihm zeigt, dass er mehr ist.

Ich kann etwas, ich trage Leidenschaft, ich interessiere mich, ich will weiter lernen und wachsen. Ich bin mehr.

Viele nehmen sich deswegen nach der Schule erst mal ein Jahr Zeit, um darüber nachzudenken, was sie werden wollen. Aber mit Denken ist es nicht getan! Wenn ich in meinem Zimmer sitze und darüber nachdenke,

ob ich gern Basketball spiele, werde ich die Antwort wahrscheinlich nie finden. Ich muss mir einen Ball schnappen, aufs Feld gehen und ein bisschen dribbeln. Erst dann kann ich sagen, ob mir das Spaß macht – und zwar so viel, dass ich Zeit, Kraft und Energie investieren möchte, um besser zu werden. Vielleicht sage ich auch: »Nein, das ist nicht meins. Ich lasse es sein!« Sicher ist: Erst nachdem ich es ausprobiert habe, bin ich in der Lage, zu entscheiden, ob ich das möchte oder nicht.

Manchmal höre ich von Leuten, dass sie ganz viel gebetet und Gott nach dem Weg gefragt haben – aber sie machen nichts. Dann frage ich mich: »Wie soll Gott dich lenken, wenn du nur stehst und nicht gehst? Wie soll er dir zeigen, was dein Weg, was richtig und falsch ist?« Nur ein fahrendes Schiff kann man lenken.

Ich persönlich klopfe immer an ganz viele Türen und sage gleichzeitig zu Gott: »Öffne und schließe du!« Meine ganze Schulzeit über habe ich zum Beispiel Praktika gemacht. Ich kann das wirklich nur empfehlen. Wenn du noch in der Schule bist: Erweitere deinen Horizont! Schau dich um, was es alles gibt! Probiere aus, was für dich richtig sein könnte!

Wir müssen Zeit, Kraft und Arbeit investieren, um unseren Weg zu finden und zu gehen.

Genau das ist der springende Punkt: Wir müssen Zeit, Kraft und Arbeit investieren, um unseren Weg zu finden und zu gehen. Vielleicht fängst du irgendwann an zu studieren oder machst eine Ausbildung und stellst nach einer Weile fest, dass es doch nicht das Richtige für dich ist. Dann musst du unterscheiden:

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