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AMANDA JENKINS · KRISTEN HENDRICKS · DALLAS JENKINS

VON JESUS GERUFEN

ANDACHTEN

Aus dem amerikanischen Englisch von Annalena Pommerenke

Der SCM Verlag ist eine Gesellschaft der Stiftung Christliche Medien, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

© 2021 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH

Max-Eyth-Str. 41· 71088 Holzgerlingen

Internet: www.scm-brockhaus.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de

Originally published in English under the title: 40 Days with Jesus Originally published under the title: THE CHOSEN: 40 Days with Jesus

This book was first published in the United States by BroadStreet Publishing Group LLC, 8646 Eagle Creek Circle, Suite 210, Savage, MN 55378. Copyright © 2019 The Chosen Productions, LLC. Translated by permission.

Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen:

Texte des Alten Testaments: Hoffnung für alle ® Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis – Brunnen Basel

Willkommen daheim. Übertragung des Neuen Testaments, übersetzt von Fred Ritzhaupt, © 2009 by Gerth Medien in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Asslar

Weiter wurden verwendet: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Lektorat: Sabine Zürn, Wasserburg (Bodensee)

Übersetzung: Annalena Pommerenke

Autorenfotos: © Broad Street Publishing Group LLC

Umschlaggestaltung: Sybille Koschera, Stuttgart

Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach

Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck

Gedruckt in Deutschland

ISBN 978-3-417-00003-0

Bestell-Nr. 227.000.003

Tag

22:

IHR ALLE

»Da wandten sich die Pharisäer und die Schriftgelehrten an seine Jünger und machten ihnen Vorhaltungen: ›Sagt mal, was macht ihr denn da, ihr esst und trinkt ja mit regelrechtem Gesindel?!‹ Jesus bekam diese Vorwürfe mit, deshalb sprach er seine Kritiker direkt an: ›Wer braucht denn nun den Arzt: der Gesunde oder der Kranke? Ich bin nicht gekommen, um Fromme noch frommer zu machen, sondern um Menschen, die weit von Gott entfernt sind, in seine Nähe zu bringen.‹«

Lukas 5,30-32

Nicht Jesus beschimpfen, sondern seine Jünger – was für ein passiv-aggressives Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie hatten die rechtliche Autorität (und die entsprechenden Persönlichkeiten), um Jesus zurechtzuweisen; stattdessen richteten sie ihre Vorwürfe an seine Freunde. Und ich wette, diese in ihren Augen unfeine Essensgemeinschaft hatte keine Ahnung, wie sie darauf reagieren sollte.

Alles war noch so neu: Sie hatten Jesus gerade erst kennengelernt, und obwohl sie glaubten, dass er der lang erwartete Messias sein könnte, waren sie sich doch nicht ganz sicher. Außerdem waren sie tatsächlich mit Menschen zusammen, die von der Gesellschaft am meisten verachtet wurden – zu denen einige von ihnen selbst gehörten. Sicherlich hatte jeder, der am Tisch saß, sich genau diese Frage der Pharisäer schon selbst gestellt.

Ich wette, alle warteten gespannt auf die Reaktion von Jesus. Er war plötzlich allseits bekannt geworden. Leute kamen aus Galiläa, Judäa und Jerusalem, um ihn predigen zu hören und heilen zu sehen. Zweifellos vermuteten die Religionsführer, dass er eine beeindruckende Erscheinung sei – und dass er aussehen und sich benehmen würde wie sie selbst; eben wie jemand, der den Vorstellungen entsprach, die sie sich anhand der Berichte gemacht hatten.

Das Gegenteil war der Fall. Sie fanden einen gewöhnlich aussehenden Typen vor, der sich mit normalen Menschen abgab und so normale Dinge tat wie essen – wenn er nicht gerade Dämonen austrieb und Blinde sehend machte. Jesus saß mit ihnen am Tisch (vgl. Lukas 5,29). Er war entspannt und unterhielt sich ausgelassen mit den Leuten um ihn herum, um sie besser kennenzulernen, als plötzlich die Pharisäer uneingeladen im Haus von Matthäus auftauchten.

Ich frage mich, ob sie an der Tür klingelten, bevor sie hereinplatzten. Ich frage mich, ob sie flüsternd in der Ecke standen wie pubertäre Mädchen. Ich frage mich, ob sie lauthals herummeckerten und so taten, als könne Jesus sie aus einem Meter Entfernung nicht hören. Ich frage mich, ob sie sich zuvor bestimmte Fragen ausgedacht hatten, dann aber entschieden, andere Dinge zu sagen, als sie Jesus mit dem Gesindel sahen. Ich frage mich, ob sich überhaupt jemand am Tisch durch ihre Frage angegriffen fühlte oder ob sie es einfach schon gewohnt waren, gehasst und verurteilt zu werden. Ich überlege, ob Jesus durch die Frage der Pharisäer noch mehr Zuneigung für seine Gäste empfand. Seine Antwort deutet das an: »Ich höre eure passiv-aggressive, indirekte Frage und ärgere euch mit einer ebenso indirekten Aussage: Ich rufe Sünder zur Umkehr auf und keine Rechtschaffenen.«

Hm. Seine Antwort brachte die Pharisäer zum Schweigen (worüber sich die Anwesenden sicherlich freuten). Ich glaube, so können wir die Bedeutung von Römer 3,10-12 verstehen: »Es gibt nicht einen, der von sich aus vor Gott bestehen könnte, nicht einen. Keiner ist einsichtig, keiner sucht wirklich von ganzem Herzen nach Gott. Alle sind wir von den Wegen Gottes abgewichen; Gott konnte uns zu nichts gebrauchen.«

Eine direktere Antwort hätte vielleicht so ausgesehen: »Ich bin mit den Menschen zusammen, die wissen, dass sie mich brauchen. Ich verbringe keine Zeit mit denjenigen, die zu

selbstgerecht sind, um zu erkennen, dass sie mich brauchen.

Aber ihr braucht mich. Ihr alle braucht mich dringend.«

Gebetsfokus

Danke Gott dafür, dass er dein Herz heilen und dir deine Schuld vergeben will. Bitte ihn darum, dir dasselbe weiche Herz gegenüber den »Kranken« zu schenken, wie Jesus es hatte.

Die nächsten Schritte

• In welchen Bereichen deines Lebens benötigst du einen »Arzt«?

• Gibt es Situationen, in denen du wie die Pharisäer gehandelt hast?

• Wer, den du kennst, wäre in den Augen der Pharisäer nicht »gesund«, und kannst du diese Person so behandeln, wie Jesus den »Kranken« begegnet ist?

Tag 25: STEH AUF

»Nach einigen Tagen kehrte Jesus nach Kafarnaum zurück, und sofort machte die Nachricht die Runde, dass er wieder zu Hause sei. Da versammelte sich erneut der halbe Ort. Die Leute drängten so sehr in den Eingang des Hauses hinein, dass man weder hinein- noch hinauskonnte. Während Jesus predigte, wollten vier Männer einen Gelähmten zu ihm bringen. Doch sie kamen wegen der Menschenmenge überhaupt nicht in das Haus hinein.

Da stiegen sie auf das Dach des Hauses, deckten es ein Stück ab und ließen dann den Gelähmten auf seiner Bahre durch das Loch hinab. Jesus war von ihrem starken Glauben zwar beeindruckt, sagte dann aber etwas völlig Unerwartetes zu dem Gelähmten:

›Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.‹«

Markus 2,1-5

Was für eine verrückte Situation. Es hatten sich so viele Menschen um das Haus versammelt, in dem Jesus sich befand, dass später Eingetroffene nicht ins Haus kamen, geschweige denn

geheilt wurden. Ein Gelähmter lag auf einer Trage, doch die Leute wollten nicht den Weg für ihn frei machen – nicht einmal, als sie sahen, wie Männer seine Trage mühsam aufs Dach hievten. So rücksichtslos ging es dort zu. Als die Männer endlich oben waren, begannen sie, das Dach abzudecken.

Lass uns einen Blick ins Haus werfen. Menschen umlagerten Jesus, während er predigte und heilte, sie wurden aber von den Geräuschen über ihren Köpfen gestört. Dann rieselte der Putz von der Decke und fiel wohl auch auf die Köpfe einiger Leute im Raum – aber es funktionierte. Jesus war vom Glauben der Männer, die solche Hürden überwanden, so bewegt, dass er dem Gelähmten seine Sünden vergab.

Moment, Moment! Ähm, danke, Jesus, aber als wir beschlossen, die Mauern dieses Hauses zu erklimmen, hofften wir auf ein richtiges Wunder … So etwas wie »Steh auf und geh«. So läuft das doch normalerweise. Wir wenden uns an Jesus mit unseren eigenen Vorstellungen, was er für uns tun sollte, und sind dann enttäuscht, wenn nicht das passiert, was in der Bibel steht. Dabei ist es oft so, dass Jesus im Unerwarteten seine größten Taten vollbringt.

»Einige Schriftgelehrte, die in unmittelbarer Nähe saßen, fühlten sich theologisch herausgefordert: ›So etwas kann der doch nicht sagen! Das ist ja Gotteslästerung! Gott und nur Gott allein kann Sünden vergeben!‹ Jesus wusste nur zu gut, was sie dachten, darum fragte er: ›Warum könnt ihr euch auf nichts

einlassen? Was ist einfacher: zu dem Gelähmten zu sagen: „Ich vergebe dir deine Sünden“, oder ihn aufzufordern: „Steh auf, nimm deine Liege und geh hier herum“? Begreift doch, dass ich die Vollmacht habe, das eine wie das andere zu tun.‹ Damit wandte er sich wieder dem Gelähmten zu: ›Steh auf, nimm deine Liege und geh nach Hause!‹ Und der Mann tat es: Er stand auf, rollte seine Liege zusammen und ging hinaus – vor den Augen aller. Die Menge schwankte zwischen Entsetzen und Verwunderung – doch dann lobte sie Gott. Alle gaben zu: ›Wir haben noch nie etwas Derartiges erlebt!‹« (Markus 2,6-12).

Jesus war gekommen, um Seelen zu retten. Die Heilung von Kranken diente als Beweis, dass er die Macht hatte, sie zu retten. Aber das war nicht seine eigentliche Mission. Heilung offenbarte sein Mitgefühl, seine Liebe und seinen Wunsch, uns zu erneuern, aber sie trat zurück hinter seiner eigentlichen Absicht: verlorene Seelen zu retten und zu erwecken.

Natürlich konnte Jesus den aufrichtigen Glauben der Männer auf dem Dach erkennen, ebenso wie den Unglauben der Menschenmenge im Raum. Er entlarvte ihre Gedanken – ebenfalls ein Wunder – und erklärte seine Macht, sowohl zu heilen als auch zu vergeben. Weil Vergebung notwendig ist, um die Beziehung zu Gott wiederherzustellen und in Ewigkeit bei ihm zu sein, bot Jesus etwas noch viel Besseres als Heilung an.

Für den Mann, der durch das Dach in den Raum gelangte, war seine Heilung hoffentlich der Anfang eines Lebens, das

er ganz der Nachfolge Jesu widmete, der ihm vergeben hatte.

»Damit ihr erkennt, dass ich die Macht habe, Sünden zu vergeben, steh auf und geh!« Natürlich stand er auf und ging und dieses Mal wahrscheinlich durch die Tür.

Gebetsfokus

Danke Gott, dass er dir deine Schuld vergibt, und bitte ihn, dir den gleichen mutigen Glauben und die Leidenschaft zu schenken, wie ihn die Freunde des Gelähmten hatten.

Die nächsten Schritte

• Was müssen die Männer, die ihren gelähmten Freund aufs Dach hievten, über Jesus gedacht haben, um solch extreme Maßnahmen zu ergreifen?

• Was hält dich davon ab, Jesus mit derselben Leidenschaft zu folgen?

• Wenn es dir schwerfällt, deinen Glauben über materiellen Reichtum zu stellen, dann überleg dir drei Gründe, warum er wichtiger ist.

Tag 40: MISSION

»›Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben, ich war obdachlos, und ihr habt mich bei euch aufgenommen, ich habe vor Kälte gezittert, und ihr habt mich mit Kleidung versorgt, ich war krank, und ihr habt euch die Zeit genommen, um mich zu besuchen, ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.‹ Dann werden die Angesprochenen verblüfft fragen: ›Herr, worüber redest du denn da? Wann haben wir dich jemals hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Wann kamst du durstig zu uns und wir gaben dir zu trinken? Wann haben wir dich jemals krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?‹ Da wird der Menschensohn ihnen antworten: ›Das ist die ganze Wahrheit: Was ihr von alldem für Menschen getan habt, die man gerne übersieht und übergeht, das habt ihr für mich getan.‹«

Matthäus 25,35-40

Jesus wählte zwölf Männer als »Task Force« für das Evangelium aus. Zwölf Jünger, die drei Jahre lang mit ihm unterwegs waren, die miterlebten, wie er sich um die Menschen kümmerte, die seinen Predigten zuhörten und dadurch Gottes Herz für die Menschen kennenlernten.

Nachdem Jesus in den Himmel aufgestiegen war, lag seine Mission in den Händen dieser zwölf Männer: der Welt die gute Nachricht zu überbringen, dass die Beziehung mit Gott wiederhergestellt werden kann. Dass der Himmel die Nachfolger Jesu erwartet. Dass jeder gerettet wird, der glaubt, dass

Jesus Gottes Sohn ist. Und dass Jesus nachzufolgen bedeutet, Gott und die Menschen so zu lieben, wie er es tat. Die ausgestoßenen Leprakranken, die Blinden und Lahmen, die eine Last für die Gesellschaft waren, die Frauen und Dienerinnen, die ausgegrenzt und entrechtet wurden, die Kinder, die verletzlich waren und übersehen wurden, die Wohlhabenden, die hoffnungslos selbstzufrieden waren, die Verlorenen, die Gebrochenen und die vom Schicksal Gebeugten. Sie alle einte ihre absolute Unfähigkeit, sich selbst zu retten. Doch Jesus kam, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.

Die Einstellung der Jünger wurde völlig neu ausgerichtet. Alles, was sie über das Leben zu wissen glaubten, wurde auf den Kopf gestellt. Die neue Ordnung im Reich Gottes sieht vor, anderen den Vorrang zu geben, zu lieben, statt zu hassen, für die zu beten, die andere verfolgen, durch Dienen weiter-

zukommen, statt sich vorzudrängeln, zu geben, wenn es uns etwas kostet, auf Gottes Fürsorge zu vertrauen, egal wie groß der Mangel ist, zu sterben, um zu leben. Jesus veränderte alles.

Seine Liebe, sein Leben und seine Bestimmung mit allen Menschen zu teilen, auch und gerade mit den geringsten von diesen, wurde zur Aufgabe der Jünger.

Daran hat sich auch über zweitausend Jahre später nichts geändert. Die Nachfolger von Jesus wirken immer noch mit, das Reich Gottes aufzubauen, und wir können an diesem Prozess teilhaben. Dazu sind wir aufgerufen! Es ist immer noch unsere Aufgabe, Menschen zu retten, indem wir sie zu dem führen, der sie gemacht hat, der sie liebt und der sie heilen und erneuern kann. Zwischen Licht und Dunkelheit wird Krieg geführt.

Um teilzuhaben an Gottes sicherem Sieg, müssen wir Gottes Sache unserer eigenen voranstellen und mutig die Wahrheit verkünden. Wir müssen beharrlich darauf vertrauen, dass Gott seine Versprechen einhalten wird. Wir müssen die lieben, die er liebt, denen dienen, denen er dient, und nicht damit aufhören, das Gute zu tun, das Jesus getan hat. Und das alles um seinetwillen, weil er uns liebt, weil er uns gerettet hat und weil wir ihn ebenfalls lieben. Bis er wiederkommt, wird diese Mission bestehen bleiben.

Bühne frei, Licht an: Die Auserwählten Gottes kommen!

Gebetsfokus

Danke Gott für seinen Sohn. Danke ihm, dass Jesus nicht nur kam, um für uns zu sterben, sondern auch, um dir zu zeigen, wie man als sein Nachfolger lebt. Bitte ihn um den Mut, das zu leben, was du von ihm gelernt hast.

Die nächsten Schritte

• Jesus nimmt das, was du für andere tust oder nicht tust, persönlich. Was bedeutet das für dich? Motiviert dich das?

• Woran denkst du, wenn du Matthäus 25,35-40 liest? Was zeigt dir der Heilige Geist? Was sollst du tun?

• Unsere Mission ist ganz klar, aber wir lassen uns leicht davon ablenken. Was muss sich in deinem Leben, in deinen Beziehungen, an deinen Prioritäten und deinen Perspektiven ändern, damit du noch aktiver darin wirst, so zu leben, wie Jesus es tat?

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