Jesus
IS T mein
Leben!
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Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen:
Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.
Weiter wurde verwendet:
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (elb)
Umschlaggestaltung: Kathrin Spiegelberg, www.spika-design.de
Titelbild: PatternsBlooming (Shutterstock)
Autorenfoto: © privat
Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach
Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland
ISBN 978-3-417-26980-2
Bestell-Nr. 226.980
Bist du schon tot?
Ich glaube, dass Gott etwas Ähnliches, was er zu mir an meinem 80. Geburtstag gesagt hat, auch zu dir sprechen will. Und ich möchte dich von ganzem Herzen ermutigen: Gott hat so große Pläne für dich, bitte lass dich nicht einschüchtern. Mit 60 haben gut meinende Christen zu mir gesagt: »Maria, jetzt wäre es aber langsam an der Zeit, dass du abdankst und anderen Platz machst.«
Ich habe daraufhin geantwortet: »Ich habe nicht den Eindruck, dass ich jemand anderem seinen Raum wegnehme. Aber bitte, wenn der liebe Gott das auch so sieht und so will: Ich bin zu allem bereit.« Später war ich in Amerika bei einer großen Erweckungskonferenz. Es wurde sehr laut gesungen und ich habe deshalb einfach laut in den Saal hineingerufen (es konnte ja niemand außer dem Herrn hören): »Lord, should I retire?« (»Herr, soll ich in Pension gehen?«)
Ganz laut und deutlich kam die Antwort zurück: »No, Maria, refire!« (»Nein, Maria, gib noch mal richtig Gas!«) Ich habe also die Zusage bekommen, noch mal neues Feuer zu bekommen. Und das habe ich. Für alles, was der Herr
mit mir tun will, gibt er mir auch die nötige Kraft und alle Ressourcen, die ich brauche.
Für alles, was der Herr mit mir tun will, gibt er mir auch die nötige
Kraft und alle Ressourcen, die ich brauche.
Keinen einzigen meiner Tage könnte ich schaffen, wenn ich mich nicht 24 Stunden an ihn hänge. Denn er verplant meine Zeit. Jesus hat jeden Tag nur das getan, was er den Vater hat tun sehen – und genauso halte ich es auch. Ich tue einfach, was Gott mir anschafft. Ohne ihn könnte ich all das, was ich im Alltag zu stemmen habe, niemals bewerkstelligen. Da ist zum einen meine große Familie. In meinem Haus leben derzeit neun Kinder, um die ich mich kümmere, die an meinem Tisch essen, mit denen ich morgens und abends Andachten halte, die meinen Rat suchen. Dazu gehört natürlich meine
Tochter Angel. Vor einiger Zeit haben wir ihre fünfjährige Halbschwester aufgenommen. Dann ist da meine Schwiegertochter mit ihren zwei Kindern. Meine Köchin lebt ebenfalls mit ihren drei Kindern bei mir. Und schließlich wohnen zwei Studenten bei mir, beide 20 Jahre alt.
Dann ist da das große Werk, um das ich mich zu kümmern habe. Ich habe ein wunderbares Team, zu dem derzeit 42 Leiter gehören. Für sie bin ich immer ansprechbar. Die wiederum leiten jeweils unterschiedliche Bereiche
und Mitarbeiter. Ich bekomme am Tag zwischen 50 und 60 E-Mails. Viele der Gäste, die aus Europa bei uns sind, möchten mich sprechen, und es kommen regelmäßig Leute vom Land in Uganda und bitten um Hilfe. Irgendwie haben sie von mir gehört – manche fangen mich sogar auf der Straße ab. Und ich versuche, immer ein offenes Ohr zu haben. Mittlerweile haben wir fünf Standorte in Uganda: Von Kiyunga (Mukono) reise ich viele, viele Kilometer zum Gebetsberg, nach Kikondo am Victoriasee, nach Nakifuma zu unserer Mittelschule mit 4 000 Schülern oder nach Karamoja im Norden, um überall nach dem Rechten zu sehen. Zurzeit bauen wir zum Beispiel eine Volksschule für 700 Kinder in Karamoja, ein großes Krankenhaus auf dem Gebetsberg oder ein riesiges Internat für 1 600 Mädchen in Nakifuma. Die Corona-Zeit haben wir außerdem für Renovierungsarbeiten genutzt. Seit dem Beginn des Werkes vor 16 Jahren habe ich über 300 größere Gebäude gebaut, da fallen immer wieder Arbeiten an. Nicht zuletzt brauche ich auch meine Zeit mit Gott, die ich mir unter keinen Umständen nehmen lasse. Ich spreche oft ganz früh mit ihm – er weckt mich nicht selten schon gegen 4 Uhr morgens auf – und wir reden dann miteinander, ich stelle ihm Fragen und er mir. Und während des Tages habe ich immer ein Ohr, das für ihn offen ist, und eines für die Menschen.
Ich habe erkannt, dass ich ohne den Herrn nichts tun kann – wirklich gar nichts. (Das ist so verflixt wenig, dass man Nullen ohne Ende dranhängen kann, und es wird nicht mehr.) Ich lebe voll und ganz in seiner Gnade und Gunst und im Vertrauen, dass er mir alles gibt, was ich brauche. Mutter Teresa wurde mehrfach gefragt, woher sie die Kraft für ihren Dienst nehme. Sie antwortete stets: »Nicht ich, sondern Gott tut alles.«
Gott hat auch große Pläne mit dir. Wenn er dir heute sagen würde, wie groß sie wirklich sind, würdest du vermutlich abwinken: »Nicht mit mir.« Bei mir wäre das jedenfalls so gewesen. Wenn Gott mir gesagt hätte, was er mit mir vorhat, wäre ich ans andere Ende der Welt nach Australien geflüchtet und hätte mich da unter einem Busch versteckt. Ich hätte gesagt: »Mit mir kannst du das nicht machen.«
Als junges Mädchen war ich sehr schüchtern und zurückhaltend. Als ich das meiner Tochter erzählte, meinte sie: »Mama, das glaubt dir aber heute keiner mehr.« Ich erklärte ihr dann, was die Veränderung in mir bewirkte. Als ich nämlich entdeckte, dass in mir ein Angsthase lebt, wurde mir bewusst, dass das Gott keine Ehre bringt. Deshalb habe ich den Löwen von Juda eingeladen, in mir zu leben – und zack, war der Hase weg.
Der Löwe von Juda macht kurzen Prozess mit Angsthasen. Und er fängt in unseren Tagen an zu herrschen. Wie? Durch dich und durch mich. »Siehe, der Löwe aus dem Stamm Juda, der Erbe aus der Wurzel Davids, hat gesiegt« (Offenbarung 5,5). Auf diesen Sieg dürfen wir uns glaubensvoll stellen.
Ich wurde vor einiger Zeit eingeladen, in der größten charismatischen Gemeinde Frankreichs zu predigen. Sie schrieben mir, wie geehrt ich mich fühlen dürfe, denn ich sei die erste Frau, die dort sprechen würde. Ich habe daraufhin zurückgeschrieben, sie sollten sich keine Sorgen machen. In mir lebt auch ein starker Mann – Jesus Christus (2. Korinther 13,3)! Ich verstehe nicht, warum manche Christen glauben, als Frauen müssten wir uns immer nur unterordnen und schweigen, ja, vielleicht am besten überhaupt nie den Mund aufmachen. Aber wozu hat Gott uns so ein gutes Mundwerk gegeben? Damit wir sprechen – und zwar die Wahrheit, Liebe, Trost, Versöhnung.
Jedenfalls will Jesus Christus in uns und durch uns leben. Unser Auftrag ist es, seine Vertreter auf Erden zu sein. Wie das konkret aussehen soll? Unser Leben soll so voll werden von Jesus, dass unsere Umgebung richtig eifersüchtig wird auf das, was wir haben, weil der Herr uns so segnet. In Johannes 17 heißt es, dass uns Gott seine Herr-
lichkeit geschenkt hat, damit wir eins seien – und er sich durch uns offenbaren kann. Menschen erleben so die Größe und Güte Gottes. Es geht nicht um uns, sondern allein um ihn.
Wenn Leute zu uns nach Uganda kommen und das große Werk sehen, staunen sie oft und sagen: »Das hier ist alles so toll, das kannst du doch nicht alles allein geschafft haben.« Und ich antworte dann: »Halleluja, genauso ist es. Ich selbst habe noch keinen einzigen Ziegel in der Hand gehabt, um etwas zu bauen. Das machen alles meine wunderbaren Mitarbeiter. Aber der Herr ist der eigentliche Baumeister. Er sagt mir, wie ich alles machen muss.«
Ich erlebe meine Beziehung mit Jesus wie die Beziehung eines total aufeinander eingespielten, in Liebe verbundenen alten Ehepaares. Sie sagt etwas und er tut es schon. Sie sind unheimlich vertraut miteinander, kennen einander und ihre Bedürfnisse. Sie agieren Hand in Hand und verbreiten auf diese Weise Segen.
Hudson Taylor meinte auf die Frage, wie ein Christ Frucht bringen soll:
Er muss seine Gedanken und seine Liebe voll und ganz auf Christus konzentrieren, sein ganzes Wesen ihm völlig übergeben und dauernd auf ihn schauen, um in seiner Gnade zu bleiben. Christen, die in diesem Zustand ein-
mal fest geworden sind, sind still und ruhig wie Kinder in den Armen der Mutter. Christus mahnt sie zur rechten Zeit und am rechten Ort an ihre Aufgaben und Pflichten.
Er tadelt sie wegen jeden Fehlers, er berät sie in jeder Schwierigkeit und spornt sie zu allem an, was nötig ist. In ewigen und zeitlichen Dingen machen sich solche Christen keine Sorgen um das Morgen, denn sie wissen, dass Christus für sie heute ebenso gut erreichbar ist wie morgen. Und dass die Zeit seiner Liebe keine Grenzen setzt. Ihre Hoffnung und ihr Vertrauen beruhen einzig darauf, was er für sie tun kann und will, nicht darauf, was sie nach ihrer Meinung selbst für ihn tun könnten und wollten. Ihr Schutz gegen jede Versuchung und Sorge ist immer neue kindliche Übergabe ihres ganzen Seins an IHN.
Das ist das ausgetauschte Leben, das bleibende, Frucht bringende Leben, das Leben, das Christus ist und das jeder Gläubige besitzen sollte.1
Genauso erlebe ich dieses Leben mit dem Herrn. Er führt mich, lenkt mich, gibt mir die richtigen Ideen, warnt mich, schenkt mir Träume. Und dadurch entsteht Frucht, die andere Menschen sehen und die sie wiederum auf Gott verweist.
1 Traktat Nr. 710, Missionswerk »Die Bruderhand« e. V., Wienhausen.
Ich lebe nun schon seit über zwanzig Jahren in Afrika. Ursprünglich wollte ich nie dorthin. Ich hatte überhaupt keinen Zugang zu dem Kontinent. Als ich das erste Mal mit dem Flugzeug in Uganda ankam, hatte ich einen echten Kulturschock und wollte am liebsten sofort wieder nach Hause. Doch Gott hat mein Herz verändert. Und er hat mich wirklich gestreckt bis zum Gehtnichtmehr. Das heißt, er hat die alte Maria umgebracht. Sie wurde mit Jesus gekreuzigt. Auf diese Weise hat er immer mehr Raum gewonnen und konnte sich verherrlichen.
Wir sollen frei werden von uns selbst – damit meine ich das Negative, Selbstbezogene, Egoistische in uns, das uns immer wieder runterdrücken und gefangen halten will. Paulus sagt: »Täglich sterbe ich« (1. Korinther 15,31; elb).
Genauso sollen wir uns selbst täglich sterben. Wir sollen uns sozusagen den Todesschuss geben. Das Wunderbare:
In Jesus Christus werden wir wieder zu neuem Leben auferweckt. Und es ist ein so gutes, wunderbares Leben, viel besser als das alte.
Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, wird ein neuer
Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen!
2. Korinther 5,17
Die Frage ist: Lebst du noch dein eigenes Leben oder bist du schon tot? Bist du mit Jesus gestorben und lebt er nun in dir? Hat dein neues Leben bereits begonnen?