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HENOK WORKU

Warum es sich lohnt, ganz für Jesus zu leben

SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

© 2021 SCM Verlagsgruppe GmbH · Max-Eyth-Str. 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-brockhaus.de · E-Mail: info@scm-brockhaus.de

Dir gehört mein Lob, Originaltitel: Blessed Be Your Name

Text & Melodie: Matt & Beth Redman, dt. Text: Andreas Waldmann & Kai Peters © 2002 Thankyou Music, Für D, A, CH: SCM Hänssler, Holzgerlingen

Die Bibelverse sind folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.

Lektorat: Christiane Kathmann, www.lektorat-kathmann.de Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de

Titelbild: Bild Profil Henok Worku: © Marvin Palacios; Bild Bühne und Publikum: © Vladislav Levitskyi

Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach

Druck und Bindung: Finidr s. r. o.

Gedruckt in Tschechien

ISBN 978-3-417-26946-8

Bestell-Nr. 226.946

Kapitel 1

HINGEBEN = AUFGEBEN

Manchmal kann ich die Welt nicht verstehen. Wenn ich mich umsehe, die Zeitung aufschlage oder den Fernseher anschalte, halte ich das Leben einfach nur für ungerecht. Gerade als Christ frage ich mich, wie ein guter Gott, der nur Gutes für seine Kinder will, so etwas zulassen kann. Habe ich mich etwa in ihm getäuscht?

Ich will mich dir kurz vorstellen: Mein Name ist Henok. Meine Eltern kommen ursprünglich aus Äthiopien. Als ich siebzehn Jahre alt war, habe ich dort den Verein »Projekt Liebe« gegründet, der sich für Kinder in Not einsetzt. Mithilfe der Unterstützung von Firmen und privaten Spendern konnten wir auf das Leben vieler Kinder positiven Einfluss nehmen.

Warum ich den Verein gegründet habe? »Projekt Liebe« war meine Reaktion auf ein Versprechen, das ich in meiner Kindheit einem Jungen in Äthiopien gegeben hatte. Als ich in meiner Kindheit mit meinen Eltern deren alte Heimat Äthiopien besuchte, habe ich zum ersten Mal wirkliche Armut gesehen und erlebt. Die Armut in Afri-

ka ist nicht mit der Armut in Europa vergleichbar. Menschen leben auf der Straße und haben nicht genug zu essen. Völlig abgemagerte Kinder betteln auf Knien um Geld.

Ich war überwältigt und überfordert angesichts der kranken Menschen auf der Straße. Als ich die Slums sah, war ich darüber schockiert, dass Menschen in Hütten wohnen und keine festen Häuser haben. Mir wurde bewusst, wie gut wir es in Europa eigentlich haben. Dies meine ich nicht abwertend gegenüber den Menschen in diesem afrikanischen Land, aber es war eine Realität, die mich zutiefst getroffen hat.

Das alles zu beobachten, war unangenehm und irgendwie rief es auch Schuldgefühle in mir hervor, obwohl ich nichts dafür konnte. Ich wusste, dass ich reagieren musste, und so fasste ich damals einen Entschluss: Irgendwann will ich die Menschen in Äthiopien unterstützen. Ich will in dem Leben der Kinder, die in Armut leben, einen Unterschied machen.

Die Begegnung

Als Jugendlicher hatte ich dann jedoch viele andere Sachen im Kopf, wie zum Beispiel Fußball, Schule, Familie, und fühlte mich nicht mehr verantwortlich dafür, einen Unterschied in dieser Welt zu machen. Ich war mit mir selbst beschäftigt. Ein angenehmes Leben zu leben und die Schule zu meistern, um irgendwann einen guten Job zu bekommen, war mein Ziel. Ich sah weder die Not in der Welt noch das Potenzial in mir, einen Unterschied zu machen. Doch dies änderte sich abrupt, als mir Gott begegnete.

Mit 17 Jahren berichtete ich in den sozialen Medien über die Ereignisse in Äthiopien. Dadurch bildete sich eine Community, die mir half, einen Verein zu gründen. Im Team waren sieben andere,

die mir zur Seite standen. Die sozialen Medien ermöglichten es uns auch, Kontakt zu Firmen und Geschäftsleuten aufzunehmen.

Mein Herzenswunsch, einen Unterschied im Leben von Kindern zu machen, führte mich schließlich nach New York City zu »Metro World Child«, wo ich ein Praktikum absolvierte. »Metro World Child« ist eine humanitäre Hilfsorganisation, die sich um Kinder auf der ganzen Welt kümmert. Ich lernte die Organisation kennen, als ihr Gründer, Pastor Bill Wilson, bei einer Jugendveranstaltung in Deutschland predigte. Sein Leben und seine Geschichte inspirierten mich so sehr, dass ich einfach wusste: Ich muss nach New York.

Pastor Bill Wilson war als Kind auf der Straße ausgesetzt und nach drei Tagen von einem gläubigen Christen gefunden worden.

Dieser brachte ihn in ein Camp, wo er versorgt wurde. Heute ist Wilson der Leiter der größten Sonntagsschule der Welt, die mehr als 150 000 Kinder wöchentlich erreicht. Sein Ziel ist es, Kindern auf der ganzen Welt zu helfen und für sie da zu sein. Weil jemand sich um ihn gekümmert und dadurch sein Leben positiv beeinflusst hat, möchte Bill Wilson das Gleiche tun: Er will Kinder von der Straße in die Sonntagsschule bringen, damit sie zu Weltveränderern werden.

Von diesem Mann wollte ich lernen! Und ich lernte sehr viel.

Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückschaue, kann ich nur staunen: Als Sprecher durfte ich die ganze Welt bereisen, um von den Kindern zu erzählen, die wir unterstützen. Und als Mitarbeiter in New York war ich zuständig für die internationale Öffentlichkeitsarbeit.

Zum Beispiel reiste ich zusammen mit Pastor Bill Wilson nach Äthiopien, um weitere Pläne auszuarbeiten, wie wir den Kindern dort helfen können. Bei einem Besuch in einem örtlichen Krankenhaus lernten wir die kleine Rahel kennen. Ihre Familie hatte sie verstoßen. Das Mädchen konnte weder laufen noch sprechen und kämpfte gegen eine HIV-Erkrankung. Nun sah Rahel mich mit ihren

großen, tränennassen Augen an. Ihr Blick war ein einziger Hilferuf. Was für eine Tragödie, wenn Menschen so jung sterben müssen!

Natürlich ist es nie schön, wenn jemand stirbt, doch wenn eine Zwölfjährige aufgrund von Vernachlässigung sterben muss, ist das einfach tragisch. Da stirbt nicht nur ein Mensch, sondern auch sein Potenzial und all seine Wünsche und Träume.

Dieses Erlebnis hat auf den Kopf gestellt, wie ich mein Leben sehe. In diesem Moment wurde ich mit einer brennenden Leidenschaft erfüllt, die mich dazu trieb, mein Leben komplett hinzugeben, um Menschen wie Rahel zu helfen – Menschen, die jung sterben müssen. Das Erlebnis entfachte meine Vision noch mehr und wirkte wie ein Brandbeschleuniger für das Feuer, das in mir brannte.

Erschlagen von dieser Tragödie und den vielen Geschichten all der Kinder, die ich traf, dachte ich zurück an eine andere Begebenheit, an ein Mädchen hier in Deutschland. Eine Jugendliche, die nicht mehr leben wollte. Ich traf sie in einer Gemeinde, wo für Menschen mit Suizidgedanken gebetet wurde.

Ich konnte damals nicht fassen, wie viele junge Menschen mit Problemen, Selbstmordgedanken, aber auch mit Hoffnung sich dort eingefunden hatten. Dann sah ich ein mir bekanntes Gesicht, und mir drehte sich der Magen um. Wie konnte ein Mensch, der doch immer so fröhlich durch das Leben ging, mit Depressionen beladen sein? Warum hatte ich das bisher nicht gemerkt?

Als ich mich an diesem Abend mit dieser Jugendlichen unterhielt, erzählte sie mir, dass sie sich nicht geliebt fühle, in der Schule ausgegrenzt und gemobbt werde und dadurch angefangen habe, ihr Leben zu hassen. Niemand wusste etwas davon, weder ihre besten Freunde noch ihre Familie. Sie sagte, keiner würde sie verstehen und sie habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der ständige Druck der Schule, der Freunde und allgemein der Welt hatte sie auf die Knie gezwungen.

Damals wurde mir klar, dass wirklich jeder von Lebensmüdigkeit betroffen sein kann, auch meine Freunde oder andere Menschen in meinem Umfeld. Ich hatte die Not in dieser Welt, ja nicht einmal in meinem Umfeld, nicht wirklich gesehen. Und ich hatte auch nicht das Potenzial in mir gesehen, in jungen Jahren einen Unterschied zu machen. Doch an dem Tag, an dem ich in Äthiopien die kleine Rahel traf, wurden mir die Augen geöffnet. Ich hatte so ein starkes Mitgefühl mit Rahel, dass ich um sie weinte.

Die Erinnerungen an das Mädchen mit Depressionen in Deutschland fluteten meinen Geist und verstärkten mein Verlangen, etwas zu verändern, zusätzlich. Auf einmal traf mich das Schicksal dieser jungen Menschen.

Die Entscheidung

Noch am selben Abend sagte ich Gott, dass ich es leid bin, mit anzusehen, wie junge Menschen überall auf der Welt so leiden müssen. Ich war voller Wut, Zorn und Frustration und wusste nicht, wohin mit all den Emotionen. Wie kann nur so viel Schreckliches geschehen? Das muss sich ändern! Irgendetwas muss passieren!

Allein in Deutschland nehmen sich laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr etwa 10 000 Menschen das Leben. Das sind fast dreimal mehr, als durch Verkehrsunfälle sterben.

Dass so viele Menschen den Tod als einzigen Ausweg sehen, ist grauenhaft. Die Gründe dafür sind verschieden. Viele hatten traumatische Erlebnisse: Mobbing, Missbrauch, Vergewaltigung, körperliche Gewalt, Liebeskummer, Identitätsverlust, Abhängigkeit oder Einsamkeit.

Etwa dreihundert der Suizidopfer sind unter 26. Anti-MobbingTrainer Carsten Stahl vermutet, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 150 Kinder und Jugendliche sterben, weil sie gemobbt werden.1

Ich weiß nicht, was diese Geschichten oder die Statistik mit dir machen oder in dir auslösen. Als ich mich erstmals intensiver mit diesem Thema beschäftigte, wurde ich erschlagen von den Fakten. Doch ich ließ mich dadurch nicht von meiner Entscheidung abbringen.

Ich wollte mich ab sofort für todkranke und lebensmüde Kinder und Jugendliche einsetzen. Ich wollte mein Leben aufgeben, damit andere ihr Leben leben können. Meine Frustration und mein gebrochenes Herz führten letztlich dazu, dass ich meine Berufung erkannte und seitdem danach lebe. Ich möchte jung sterben für eine sterbende Generation.

Hingabe bewirkt Großes

Ich erkannte meine Berufung, als ich anfing, mein eigenes Leben ans Kreuz zu nageln: meine Sehnsucht nach Geld, Ruhm, Karriere, gesellschaftlicher Anerkennung. Heute darf ich erleben, wie Menschen ihr Leben Jesus geben. Es wurde zu meiner Berufung, mein Leben, so wie ich es kannte, hinzugeben, damit andere Menschen ihr Leben Jesus geben. Meine Berufung hab ich entdeckt, als mein Fokus nicht mehr auf mich selbst gerichtet war, sondern stattdessen darauf, wie ich mein Leben gebrauchen kann, um einen Unterschied in dieser Welt zu bewirken.

Wenn Menschen beginnen, wahre Hingabe zu leben und ihr Leben für andere einzusetzen, entdecken sie, wofür sie geboren wurden. Wahre Hingabe bedeutet, dass wir nicht mehr für uns selbst leben, sondern für etwas Größeres, das Gott schon für uns vorberei-

tet hat. Dieses Größere, deine Berufung, übersteigt, wer du bist und was du aus dir selbst heraus tun kannst.

Jesus sagte zu seinen Nachfolgern: »Wer versucht, sein Leben zu behalten, wird es verlieren. Doch wer sein Leben für mich aufgibt, wird das wahre Leben finden« (Matthäus 16,25). Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich möchte dieses wahre Leben finden. Ein Leben, das voller Abenteuer ist!

Ich will dir Mut machen, dieses wahre Leben zu suchen und zu finden, indem du dein Leben hingibst. Das ist die Bedingung, die wir erfüllen müssen, um dieses wahre Leben zu erhalten.

Gott selbst hat seinen einzigen Sohn aufgegeben und uns dadurch seine Hingabe gezeigt. Jesus kam auf die Erde und er starb für die Sünden der Welt, aber er blieb nicht im Grab, sondern stand am dritten Tag vom Tod auf.

Die Hingabe von Jesus hat ermöglicht, dass alle Menschen gerettet werden können. Was wird deine Hingabe bewirken?

Hingabe bedeutet Übergabe

Wenn du einen Unterschied in dieser Welt machen, deine Umgebung positiv beeinflussen und diese Welt zu einer besseren machen willst, dann muss eine absolute Hingabe in deinem Leben vorhanden sein. Das griechische Wort für Hingabe ist »epididomi«, was so viel bedeutet wie »übergeben«. In anderen Worten: Wenn wir uns hingeben, übergeben wir unser Leben Gott – und ich kenne keinen Ort, an dem unser Leben besser aufgehoben wäre als bei ihm!

Wenn du dein Leben mit einem Auto vergleichst, ist Hingabe so, als würde Gott das Lenkrad dieses Autos übernehmen. Wo sitzt Gott in deinem Auto? Ist er nur Beifahrer oder ist er es, der das Auto lenkt?

Oft wollen wir selbst fahren, doch es gibt keine bessere Entscheidung, als Gott zu erlauben, unser Leben zu lenken. Wenn wir die Führung haben, fühlen wir uns manchmal sicherer, weil wir Angst haben, jemand anderem zu vertrauen. Ich persönlich möchte mein Leben oft selbst lenken, damit ich entscheiden kann, wohin es geht. Aber nur wenn Gott die Führung übernimmt, wird das Leben in die richtige Bahn gelenkt.

Hingabe bedeutet, dass du das Lenkrad und jegliche Art von Kontrolle in deinem Leben aufgibst. Das klingt nicht einfach, und es ist tatsächlich jeden Tag eine Herausforderung – aber Gott will dir dabei helfen.

Gott unser Leben ganz anzuvertrauen, bedeutet nicht, dass wir keine Verantwortung mehr für unser Leben übernehmen, sondern vielmehr, dass wir Gott mit allem, was wir haben, vertrauen – auch in den kleinen Dingen. Dann wird Gott unser Leben in die Richtung unserer Berufung und Bestimmung lenken.

Die meisten Menschen leben nicht das Leben, das Gott für sie bestimmt hat, weil sie selbst das Auto lenken wollen. Es wird Zeit, auf den Beifahrersitz zu wechseln und darauf zu vertrauen, dass Gott uns führen wird. Diese Art der Hingabe zeigt deine Liebe zum Schöpfer.

Damit sagst du ihm: »Du bist nicht nur mein Retter, sondern auch der Herr in meinem Leben und der, der mich leitet.«

Jesus sagt über Nachfolge:

Wenn jemand mir nachfolgen will, … muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. Denn wer versucht, sein Leben zu bewahren, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen und um der guten Botschaft willen verliert, wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert?

Markus 8,34-36

Das ist Hingabe: mein eigenes Leben verlieren und in Gottes Hände legen. In dem Moment, wo wir uns Gott hingeben und ein Leben der Hingabe leben, erleben wir das, was Jesus hier sagt. Wir retten unser Leben, anstatt unsere Seele zu verlieren.

Gott erwartet Hingabe von uns. Das sehen wir deutlich, als Jesus seine Jünger auffordert, ihm nachzufolgen. Menschen, die sich ihm hingeben, sind Menschen, die ihm folgen.

Ich will Jesus nachfolgen und mein Leben hingeben und aufgeben für etwas, das größer ist, als ich es mir jemals vorstellen könnte.

Vielleicht fragst du dich: Warum sollte ich mich denn hingeben?

Ich habe diese Frage für mich folgendermaßen beantwortet: Ich trete damit in die Fußstapfen von Jesus. Er hat sich hingegeben, als er am Kreuz für uns gestorben ist. Und weil Jesus für mich gestorben ist, möchte ich für ihn leben.

Hingabe bedeutet aufgeben

Die Bibel berichtet von einem reichen jungen Mann, der sehr angesehen war und die Gesetze Gottes erfüllte:

Als er weiterziehen wollte, lief ein Mann auf Jesus zu, kniete vor ihm nieder und fragte: »Guter Lehrer, was soll ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«

»Warum nennst du mich gut?«, fragte Jesus. »Nur Gott allein ist gut. Aber du kennst doch die Gebote. ›Du sollst nicht töten. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst keine Falschaussage machen. Du sollst nicht betrügen. Ehre deinen Vater und deine Mutter.«

»Lehrer«, erwiderte der Mann, »alle diese Gebote habe ich seit meiner Kindheit gehalten.«

Da sah Jesus den Mann voller Liebe an. »Eins fehlt dir noch«, sagte er zu ihm.

»Geh und verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen, dann wirst du einen Schatz im Himmel haben. Danach komm und folge mir nach.«

Als er das hörte, verdüsterte sich das Gesicht des Mannes, und er ging traurig fort, denn er war sehr reich.

Markus 10,17-22

Der junge Mann hatte von seiner Jugend an ein gutes Leben gelebt, aber er merkte, dass ihm noch etwas fehlte. Jesus forderte ihn auf, sein ganzes Hab und Gut an die Armen zu geben und ihm nachzufolgen. Das war ein Schock für den jungen Mann, denn er war sehr reich. Er war nicht bereit dazu und folgte Jesus nicht nach.

Zwei Wünsche kollidierten miteinander und der junge Mann musste eine Entscheidung treffen. Ihm wurde bewusst, dass er nicht beides haben konnte. Er entschied sich gegen Jesus und ging traurig fort.

Was können wir aus dieser Begebenheit lernen? Ist Reichtum falsch? Sollen wir alle Bettler werden?

Nein, in dieser Geschichte geht es um etwas anderes. Jesus war nicht am Geld des jungen Mannes interessiert, sondern an seinem Herzen, das leider an seinem Reichtum hing. Das Materielle war diesem jungen Mann wichtiger als die Nachfolge.

Vielen von uns geht es genauso. Wir müssen nicht reich sein, um unser Herz an etwas zu hängen, das uns davon abhält, uns Gott hinzugeben. Jeder kennt Dinge, die ihm besonders wichtig sind. Das ist nicht weiter schlimm, doch wenn wir unser Herz daran hängen, verpassen wir etwas, das noch viel wichtiger ist als diese Dinge.

Der Jüngling entschied sich gegen die Hingabe und damit entging ihm das Leben, das Gott für ihn geplant hatte. Er verpasste das Leben nach der Hingabe, nach dem Ablegen seiner Last, nach dem »Sterben«. Auch wir verpassen ein Leben in Fülle, das voller Bedeutung ist, wenn wir uns nicht hingeben wollen.

Ich selbst rannte wie der junge Mann viele Jahre vor einer wahren

Hingabe weg. Als Jugendlicher ging ich zwar jede Woche in die Kirche und war wie der reiche Jüngling mit dem Gesetz vertraut, aber es geht nicht darum, einfach Gesetze zu erfüllen, sondern darum, demjenigen zu folgen, der über dem Gesetz steht.

Wenn uns andere Sachen wichtiger sind als Gott, sind diese für uns wie fremde Götter, die wir über Gott stellen. Das ist eine moderne Form von Götzendienst. Auch mir waren meine Götzen wichtiger als Gott und ich wollte sie nicht aufgeben. Ich wollte Gott mein Leben nicht ganz übergeben.

Götzendienst führt dazu, dass wir unser von Gott gegebenes Potenzial nicht erreichen. Für mich war zum Beispiel früher Fußball viel wichtiger als Gott. Heute spiele ich immer noch Fußball, doch ich habe meine Prioritäten anders gesetzt. Ich glaube, dass man Fußball-Profi werden und jeden Tag Fußball spielen kann, ohne daraus einen Götzen zu machen, wenn trotzdem Gott den ersten Platz im Leben hat. Aber bei mir war das nicht so.

Manchmal sind uns auch andere Menschen wichtiger als Gott. Bei mir waren dies meine Freunde. So wertvoll Freunde sind, sie sollten nie an erster Stelle stehen. Wir können unser von Gott gegebenes Potenzial nur dann voll leben, wenn wir bereit sind, ihm den ersten Platz einzuräumen.

Das Traurige an der Begebenheit mit dem reichen Jüngling ist, dass wir nie wieder etwas von ihm lesen. Vermutlich hat er seine Prioritäten nie richtig gesetzt und ist auch später nicht zu Gott umgekehrt.

Die Bibel erzählt von vielen anderen Menschen, die weit weniger »perfekt« waren als dieser junge Mann. Doch sie haben eins richtig gemacht: Sie sind Jesus nachgefolgt. Die Bibel ist voll von unvollkommenen Menschen, die sich Gott hingeben. Einer von ihnen ist Petrus. Als er sah, dass der reiche Jüngling einfach fortging, wollte

er wissen, was passiert, wenn man Jesus nachfolgt, und sagte: »Wir haben alles aufgegeben, um dir nachzufolgen.«

Jesus erwiderte: »Ich versichere euch: Jeder, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Besitz um meinetwillen und um der guten Botschaft willen aufgegeben hat, wird jetzt, in dieser Zeit, alles hundertfach zurückerhalten: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Besitz – wenn auch mitten unter Verfolgungen. Und in der künftigen Welt wird er das ewige Leben haben.«

Markus 10,28-30

Das ist das Größere, von dem ich geschrieben habe: Wir werden hundertfach zurückerhalten, was wir einsetzen, wenn wir Jesus nachfolgen.

Ich frage mich, was geschehen wäre, wenn der reiche junge Mann Jesus von ganzem Herzen nachgefolgt wäre, und was alles durch ihn in der Welt hätte verändert werden können. Gäbe es Briefe von ihm wie von Petrus und anderen Aposteln?

Hingabe bedeutet wahre Liebe

Etwa 2000 Jahre vor dem reichen Jüngling wurde ein anderer reicher Mann von Gott dazu aufgefordert, das Liebste zu geben, das er hatte:

Einige Zeit später stellte Gott Abraham auf die Probe. »Abraham!«, rief Gott. »Hier bin ich«, antwortete Abraham. »Nimm deinen einzigen Sohn Isaak, den du so lieb hast, und geh mit ihm ins Land Morija. Dort werde ich dir einen Berg zeigen, auf dem du Isaak als Brandopfer für mich opfern sollst.«

Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er sattelte seinen Esel und nahm seinen Sohn Isaak sowie zwei seiner Diener mit. Dann spaltete er Holz für das Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den Gott ihm genannt hatte.

1. Mose 22,1-3

Gott forderte Abraham auf, seinen Sohn Isaak zu opfern – und das klingt für unsere Ohren völlig undenkbar. Was für eine grausame Tat!

Gott wollte sehen, ob Abraham bereit wäre, seinen Sohn, den er doch so sehr liebte, aufzugeben. Das ist schwer nachzuvollziehen!

Zudem war Isaak nicht nur irgendein Sohn, sondern er war Abraham von Gott versprochen worden und Abraham hatte lange auf ihn gewartet. Mit ihm würde nicht nur ein geliebtes Kind sterben, sondern auch die Hoffnung, Stammvater eines großen Volkes zu werden.

Abraham sollte opfern, was er so sehr liebte: seinen Sohn und die Zukunft seiner Familie.

Bevor es dazu kam, griff Gott ein und hielt Abraham davon ab, seinen Sohn zu töten. Trotzdem schockiert es mich, dass Abraham bereit war, seinen Sohn aufzugeben. Gleichzeitig sehe ich eine Hingabe, die wirklich beeindruckend ist. Diese Geschichte macht außerdem deutlich, dass wahre Hingabe nicht nur eine Übergabe oder das Aufgeben von etwas ist, sondern dass sie die wahre Liebe widerspiegelt.

Was macht die Geschichte mit dir, wenn du liest, dass ein Vater bereit war, seinen Sohn zu opfern, um Gott seine Liebe zu zeigen?

Und zwar nicht, weil er psychisch krank war oder kein Herz hatte, sondern weil Gott für ihn an erster Stelle stand.

Abraham war eine außergewöhnliche Person und der einzige Mensch, den Gott auf diese Weise geprüft hat. Niemals wieder hat Gott jemanden aufgefordert, seinen Sohn zu opfern. Heute fordert

er uns auf, Dinge aufzugeben oder Menschen zu verlassen, die uns wichtig sind, aber niemals dazu, jemanden zu töten. Auch Abraham wurde von Gott letztlich daran gehindert, seinen Sohn zu töten. Aber er war bereit dazu.

Um diese tiefe Hingabe zu verstehen, habe ich versucht, mich in die Rolle von Abraham hineinzuversetzen: Da ist ein Mann, der Jahrzehnte auf diesen Sohn und Erben gewartet hat, und dann aufgefordert wird, diesen zu opfern.

Was würde ich tun, wenn ich in der gleichen Sache geprüft würde? Wenn Gott mich auffordern würde, das aufzugeben, was mir am meisten bedeutet? Was wäre ich bereit, aufzugeben, um Gott meine Liebe und Hingabe zu zeigen?

Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, weil wir uns an unser Leben klammern und Angst haben, Dinge aufzugeben oder uns von geliebten Menschen zu trennen. Doch wie sonst können wir Gott unsere Liebe zeigen?

Was genau »das Wichtigste« ist, ist bei jedem Menschen unterschiedlich, und deshalb kannst nur du persönlich diese Frage beantworten. Ich möchte dich ermutigen, darüber nachzudenken und wie Abraham diesen Schritt zu gehen. Wahre Liebe passiert dann, wenn wir bereit sind, das aufzugeben, was uns am wichtigsten erscheint.

Die Geschichte von Abraham und Isaak ist außerdem ein Bild für etwas, das 2000 Jahre später geschehen ist: Gott der Vater hat uns seine Liebe offenbart, als er seinen einzigen Sohn geopfert hat, damit wir leben können. Er hat uns zuerst geliebt – und das, als wir noch seine Feinde waren (Römer 5,10). Er erwartet nichts von uns, was er nicht selbst in viel größerem Umfang getan hätte.

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