Skip to main content

226579

Page 1

A.W. Tozer

Gottes Nähe suchen

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christina Wattke

3

Gottes Nähe.indd 3

03.12.13 15:50


A.W. Tozer (1897–1963) wuchs in armen Verhältnissen in den Bergen von Pennsylvania/USA auf. Ohne Theologiestudium wurde er Pastor in Chicago/USA. Seine Bücher bezeugen seine authentische Gotteserfahrung.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

3. Auflage 2014 © der deutschen Ausgabe 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG Bodenborn 43 · 58452 Witten Internet : www.scmedien.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de Dieser Titel erschien zuletzt 2008 bei SCM Hänssler unter der ISBN 978-3-7751-4523-7 Originally published in English under the title The Pursuit of God by A.W. Tozer. No other edition of The Pursuit of God may be used. © Copyright 1948, 1982, 1993, by Zur Ltd. Published by WingSpread Publishers, Camp Hill, PA, USA. Umschlaggestaltung: Susanne Wittemeier, Düsseldorf Titelbild: www.shutterstock.com/biletsky Satzt: Breklumer Print-Service, Breklum Druck und Bindung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-417-26579-8 Bestell-Nr. 226.579

4

Gottes Nähe.indd 4

03.12.13 15:50


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: A.W. Tozer und sein Vermächtnis

7

Vorwort

11

1  Meine Seele hängt an Gott

14

2  Der Segen der geistlichen Armut

24

3  Ein neuer Weg durch den Vorhang

35

4  Gott kennenlernen und begreifen

51

5  Die Allgegenwart Gottes

62

6  Das gesprochene Wort Gottes

74

7  Den Blick der Seele auf Gott gerichtet

85

8  Die Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf 99   9  Sanftmut und Ruhe

110

10  Ein Leben zur Ehre Gottes

118

5

Gottes Nähe.indd 5

03.12.13 15:50


6

Gottes Nähe.indd 6

03.12.13 15:50


Einleitung

A.W. Tozer und sein Vermächtnis

Innerer Seelenfrieden ist etwas, was Christen heutzutage nur selten besitzen. Er ist das Ergebnis der aufrichtigen Suche nach Gott. Leider haben viel zu viele Menschen ihre seelische Unruhe als etwas ganz Normales akzeptiert und aufgehört, Gott mit ganzem Herzen zu suchen. Einige haben das Stadtleben hinter sich gelassen und sind aufs Land geflohen mit der Hoffnung, in der Abgeschiedenheit diese innere Ruhe zu finden. Doch auch dort mussten sie feststellen, dass ihr Herz immer noch unruhig war. A.W. Tozer war ein außergewöhnlicher Prediger, der das Ge­heimnis inneren Friedens für sich entdeckt hatte. Wie dieser Frieden zu finden ist, beschreibt er in diesem Buch. Mitten im Herzen Chicagos, inmitten des Lärms und der Hektik einer Großstadt, lebte Tozer eine intensive Gemeinschaft mit Gott. Tozer hatte nie das Glück gehabt, ein abgeschiedenes Leben zu führen. Er wurde unter armen Verhältnissen in den Bergen von Pennsylvania geboren, und so weit er zurückdenken konnte, war sein Leben von Elend und Not bestimmt gewesen. Bedingt durch seine familiäre Situation, musste er auf jegliche Form von Bildung verzichten. Er trat sein Amt als Prediger an, ohne jemals eine höhere Schule oder ein College besucht zu haben. A.W. Tozer entschied sich mit fünfzehn Jahren für Christus, nachdem er in Akron, Ohio, bei einer Straßenversammlung 7

Gottes Nähe.indd 7

03.12.13 15:50


einem Laienprediger zugehört hatte. Er schloss sich den Methodisten an und wurde ein aktiver Zeuge für Christus. Im Keller seines Zuhauses fand er eine kleine abgeschiedene Ecke, die von da an sein Gebetsplatz wurde. Dort suchte er gleich zu Beginn seines Lebens als Christ den intensiven Kontakt zu Gott, und diese Gewohnheit sollte ihn sein ganzes Leben lang begleiten. Als er seine Tätigkeit als Laienprediger begann, erregte dies das Missfallen seiner Gemeinde. Daher schloss er sich der Christian and Missionary Alliance an, wo er Gelegenheit fand, seine Gaben einzusetzen. Er hatte offensichtlich die Gabe zu predigen, und im Jahre 1919 wurde ihm die Alliance Church in Nutters Fort, West Virginia, anvertraut. Nachdem er verschiedene Gemeinden in Toledo und Indianapolis betreut hatte, wurde er im Jahre 1928 zur Southside Alliance Church nach Chicago, Illinois, berufen, wo er einunddreißig Jahre lang tätig war. Die Avenue Road Alliance Church in Toronto, Ontario (Kanada), war die letzte Gemeinde, die er betreute. Während seiner Zeit in Chicago predigte Tozer auch viele Jahre lang für den Rundfunksender Moody Bible Institute (WMBI). Mehrere Tausend Menschen, Laien wie Pastoren, hörten sich regelmäßig seine erkenntnisreichen Ausführungen zur Bibel an. Seine literarische Begabung wurde schon bald von seiner eigenen Gemeinde und nach und nach auch von anderen evangelikalen Gemeinden anerkannt. Im Jahre 1950 wurde er zum Herausgeber von The Alliance Witness ernannt, eine Aufgabe, der er bis zu seinem Tode nachkam. Alles, was Tozer wusste, hatte er sich mit großem Eifer in jahrelangem Selbststudium angeeignet, indem er unermüd8

Gottes Nähe.indd 8

03.12.13 15:50


lich im Gebet nach dem Willen Gottes fragte. Die Suche nach der Wahrheit und das Suchen nach Gott waren für Tozer ein und dasselbe. Wenn er z.B. glaubte, die großen englischen Werke Shakespeares verstehen zu müssen, las er sie regelrecht auf den Knien mit der Bitte an Gott, er möge ihm ihre Bedeutung zeigen. Diese Form des Selbststudiums war für ihn typisch. Ohne jemals einen Lehrer gehabt zu haben außer dem Heiligen Geist und guten Büchern, wurde A.W. Tozer schließlich ein Theologe, ein Gelehrter und ein Meister im Beherrschen der englischen Sprache. Er verwendet in seinen Werken nicht viele Zitate; was er gelesen hatte, hatte er so in sich aufgenommen, dass er die Prinzipien der Wahrheit, die er in jahrelangem Studium erkannt hatte, in einfacher und doch interessanter Sprache weitergeben konnte. Am liebsten beschäftigte er sich mit den Anhängern des Glaubens. Das Verlangen seines eigenen Herzens wurde gestillt durch das, was er von den Männern und Frauen lernen konnte, die in einer Zeit scheinbar allgemeinen Abfalls vom Glauben und geistlicher Leere das Licht der geistlichen Wahrheit am Brennen hielten. Viele Erkenntnisse in diesem Buch stammen aus Tozers persönlicher Erfahrung. Das Kapitel »Der Segen der geistlichen Armut« spiegelt Tozers verzweifelten Kampf wider, bevor er seine einzige Tochter Gott übergeben konnte. Als er sich in diesem intensiven und überwältigenden Kampf Gott völlig hingab, wurde er von einer neuen, herrlichen Freiheit ergriffen. Er hatte durch praktische Erfahrung gelernt, Gott zu erkennen. Seit der ersten Auflage dieses Buches im Jahre 1948 wurden mehrere Hunderttausend Ausgaben in verschiede9

Gottes Nähe.indd 9

03.12.13 15:50


nen Sprachen gedruckt und weltweit vertrieben. Von allen Werken Tozers ist dieses Buch das bekannteste und meistgelesene. Das Schreiben dieses Buches war für Tozer gleichzeitig eine tiefe geistliche Erfahrung. Dr. David J. Fant, der Tozers Biografie verfasste, beschrieb dies folgendermaßen: »Tozer schrieb dieses Buch regelrecht auf den Knien. Vielleicht erklärt dies die Macht dieses Buches und den Segen, der darauf ruht.« Die Tatsache, dass sich dieses Buch nach wie vor so großer Beliebtheit erfreut, ist möglicherweise auf die wunderbare geistliche Erkenntnis des Autors zurückzuführen, dass die Suche nach Gott das Leben eines Menschen nicht einengt, sondern ihn vielmehr die größtmögliche Erfüllung erleben lässt, die es überhaupt geben kann. A.W. Tozer war so etwas wie ein Prophet des zwanzigsten Jahrhunderts. Er fordert die Gemeinde auf, sich erneut der Gottesfurcht hinzugeben und die geistliche Wirklichkeit so zu erfahren, wie sie von ernsthaften Nachfolgern Gottes seit den Tagen der Apostel erfahren wurde. Von all seinen Werken geht dieses Buch am besten auf die tiefsten Bedürfnisse unseres Herzens ein.

10

Gottes Nähe.indd 10

03.12.13 15:50


K apitel 1

Meine Seele hängt an Gott

Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich. Psalm 63,9

Was ist die Bedeutung von »Hoffnung« als Helm? Der Kopf gehört zu den lebensnotwendigsten Teilen des Körpers. Die christliche Theologie vertritt die Lehrmeinung von der vorausgegangenen Gnade Gottes. Diese besagt, in knappen Worten zusammengefasst, dass Gott zuerst einen Menschen gesucht haben muss, bevor dieser Mensch in der Lage ist, Gott zu suchen. Ein mit Sünden belasteter Mensch kann sich erst dann eine Vorstellung von Gott machen, wenn zuvor eine Erleuchtung in ihm stattgefunden hat. Diese Erleuchtung mag noch so unvollkommen sein, sie ist dennoch Wirk­ lich­keit und die geheime Ursache aller Sehnsucht, alles Suchens und Betens. Unser Trachten nach Gott ist einzig und allein auf ein Verlangen zurückzuführen, das Gott selbst in uns hineingepflanzt hat. Jesus sprach: »Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat« ( Joh 6,44). Gott zieht uns, und unser Trachten nach Gott ist die Reaktion auf dieses vorausgegangene Ziehen Gottes und nicht im Geringsten unser eigener Verdienst. 14

Gottes Nähe.indd 14

03.12.13 15:50


Der Impuls, Gott nachfolgen zu wollen, geht von Gott aus. Diesen Impuls jedoch in die Tat umzusetzen, nämlich Gott zu suchen, das wiederum liegt beim Menschen. Und während der ganzen Zeit, in der wir ihn suchen, sind wir bereits in seiner Hand, denn »deine rechte Hand hält mich«. Zwischen diesem göttlichen »Halten« und der »Suche« durch den Menschen besteht kein Widerspruch. Denn alles ist von Gott oder, wie von Hügel lehrt: Gott ist vor allem. Allerdings muss der Mensch auf Gottes vorausgegangenes Wirken antworten, indem er nach ihm sucht. Wir müssen auf dieses geheime Ziehen Gottes reagieren; nur so kann daraus eine wirkliche Erfahrung mit Gott werden. In Psalm 42,2-3 wird in sehr eindrucksvoller Weise die persönliche Beziehung des Schreibers zu Gott beschrieben: »Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?« Diese Verse beschreiben ein tiefes Verlangen nach Gott, und nur wer diese Sehnsucht selbst kennt, wird die Empfindungen des Schreibers verstehen können. Die Lehre von der Gerechtigkeit durch den Glauben ist zwar eine biblische Wahrheit und bewirkt eine segensreiche Befreiung von sturer Gesetzeserfüllung und den vergeblichen Selbsterlösungsversuchen des Menschen. In der heutigen Zeit jedoch wird sie von vielen missbraucht und auf eine Art und Weise interpretiert, dass sie den Menschen eher davon abhält, Gott zu erkennen. Die Bekehrung zu Gott ist oft nur noch ein von Äußerlichkeiten gekennzeichneter Handlungsablauf, dem jede Form von Geistlichkeit fehlt. Der Glaube, der heute praktiziert wird, hat nichts 15

Gottes Nähe.indd 15

03.12.13 15:50


mehr mit dem moralischen Leben oder dem Wesen eines Menschen zu tun. Heutzutage kann ein Mensch Jesus Christus »annehmen«, ohne eine besondere Form der Liebe für ihn zu empfinden. Der Mensch ist zwar »gerettet«, doch empfindet er weder Hunger noch Durst nach Gott. Im Gegenteil, es wird ihm sogar nahegelegt, sich mit dem zufriedenzugeben, was er hat, und nicht nach mehr zu verlangen. Der aufgeklärte Wissenschaftler hat Gott inmitten der Wunder seiner Schöpfung aus den Augen verloren. Auch wir Christen stehen in der Gefahr, Gott inmitten all der Wunder seiner Schöpfung aus den Augen zu verlieren. Wir haben beinahe vergessen, dass Gott eine Person ist und dass wir zu ihm, wie zu jeder anderen Person auch, eine Beziehung pflegen können. Um sich ein vollständiges Bild von einer anderen Persönlichkeit machen zu können, bedarf es mehr als nur einer einzigen Begegnung. Nur durch einen langen, von Liebe geprägten geistigen Austausch werden beide Personen die Fähigkeiten des anderen in ihrer Vollkommenheit erkennen und verstehen lernen. Jede zwischenmenschliche Beziehung ist im Grunde die Reaktion einer Persönlichkeit auf eine andere, angefangen von der rein zufälligen Begegnung zweier Menschen bis hin zur tiefsten und innigsten Gemeinschaft, zu der die menschliche Seele überhaupt fähig ist. Auch der Glaube, sofern er echt und aufrichtig ist, kann im Grunde bezeichnet werden als eine Reaktion der Persönlichkeit des Geschöpfes auf die Persönlichkeit des Schöpfers, nämlich Gottes. »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« ( Joh 17,3). 16

Gottes Nähe.indd 16

03.12.13 15:50


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook