Cäsarea »Die Kaiserliche (Stadt)« C. Maritima (d.h. am Meer, zu unterscheiden von C. Philippi) ist eine Küstenstadt Palästinas südl. des Karmel. Hier wohnte der Evangelist Philippus (Apg 8,40; 21,8), taufte Petrus den Kornelius (Apg 10,1ff) und starb Herodes Agrippa I. (Apg 12,19.23). Paulus besuchte C. verschiedentlich auf seinen Missionsreisen (vgl. Apg 9,30; 18,22; 21,8) und saß im Gefängnis im Herodespalast (Apg 23–26). C., ursprünglich im 4. Jh. unter dem Namen Stratons Turm von den Phöniziern in der nördl. Saronebene als kleiner Hafen gegründet, wurde zwischen 22 und 10 v.Chr. von Herodes d.Gr. zu einer prächtigen Stadt ausgebaut und → Augustus zu Ehren C. benannt. Herodes schuf sich damit einen großen Hafen → Abb. 60 auf Seite 70, der zugleich unmittelbar an der wichtigen Handelsstraße DamaskusÄgypten lag. Die 40 000-50 000 Einwohner (Griechen, Juden und Römer) der auf Sand gebauten Stadt wurden durch zwei Wasserleitungen versorgt; eine Ringmauer um die Stadt beschützte sie. Zwei Molen mit großen Wellenbrechern waren gegen die See vorgeschoben und sicherten einen ungestörten Hafenbetrieb. Herodes ließ sich einen prachtvollen Palast errichten, den er direkt ins Meer hineinbauen ließ (→ Abb. 183 auf Seite 214). Über der Stadt erhoben sich als weithin sichtbare Gebäude der Tempel, der Königspalast und das Amphitheater.
C. war Residenzstadt der röm. Statthalter (Präfekten; vgl. Apg 23–26), die jedoch zu großen Festen in Jerusalem amtierten, Pontius → Pilatus 2 (vgl. Mt 27,11ff par). 1961 wurde in dem von Herodes d.Gr. erbauten Theater ein eingemauerter Stein gefunden, der eine Inschrift mit dem Namen des Pilatus trägt, die erste Erwähnung des Präfekten außerhalb des NT. In C. wohnte im 4. Jh. n.Chr. der Verfasser des Onomastikons (einer wichtigen Ortsnamenliste Palästinas), der Geschichtsschreiber Eusebius. Nach der Zerstörung der Stadt durch die Araber im 13. Jh. erinnert nur noch ein kleines Dorf »Kaisarije« (32.504,34.893) inmitten des Cäsarea Nationalparks, eines wüsten Ruinenfeldes, dessen Steintrümmer meist zum Bau anderer Städte weggeholt wurden, an ihre Lage. → Karte Abb. 190 auf Seite 218
Cäsarea Philippi liegt im Quellgebiet des Nahr Banyas bei Snir (33.242,35.684; 6 km westl. von Nimrod), eines der drei Quellflüsse des Jordan. Die Grotte, aus der das Wasser quillt (→ Abb. 185 auf Seite 215), war von den Griechen dem Quellgott Pan geweiht (daher der Name Paneas, arab. banyas). 20 v.Chr. erhielt Herodes d.Gr. dieses Gebiet und baute hier zu Ehren des Augustus eine Stadt. Nahe beim Altar des Pan errichtete er einen Marmortempel mit dem Standbild des Kaisers. Der Vierfürst Philippus verschönerte ab 3 v.Chr. die Stadt und nannte sie
Abb. 182: Das Aquädukt brachte Wasser aus einer 12 km entfernten Quelle nach Cäsarea Maritima.
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Chaldäa
C
Abb. 183: Rekonstruktion des Herodespalastes in Cäsarea
Cäsarea. Der Zusatz Philippi unterschied sie von der gleichnamigen Stadt an der Küste. Hier, wo man die Naturkraft des Pan verehrte und der Staatsmacht in der Person des Kaisers göttliche Ehre entgegenbrachte, erwarteten jüd. Gruppen den Anbruch der Endzeit. An diesem Ort hat Christus seine Jünger gefragt: »Wer sagen die Leute, dass ich sei?« Und Petrus bekannte: »Du bist der Christus« (Mk 8,27-30). Diese Begebenheit bei C. ist der theologische Wendepunkt im MkEv. Im ersten Teil liegt der Schwerpunkt auf Jesu Wundertätigkeit, im zweiten mehr auf der Jüngerbelehrung. Das Geheimnis der Person Jesu wird ab jetzt fortlaufend gelüftet, und es kommt das Geheimnis seines Leidens neu in den Blick. C. bezeichnet im MkEv auch einen geografischen Wendepunkt. Der nördlichste Punkt ist erreicht und ab jetzt führt der Weg nach Süden, nach Jerusalem, zu seinem Leiden und Sterben.
Chaldäer (Hebr. chasdim, babylon. kaldu; griech. chaldaioi) Ein aram. Halbnomadenstamm, der in Hiob 1,17 erwähnt wird. Die Ch. siedelten sich um 1000 v.Chr. im Süden Babyloniens an, übernahmen die babylon. Zivilisation und waren das Rückgrat des neubabylon. oder chaldäischen Reiches (2Kön 25,4; 2Chr 36,17; Jes 13,19; Jer 21,4 u.ö.). In Dan 2,2.4.10; 4,4 kommt das Wort Ch. auch als Bezeichnung für eine bestimmte babylon. Priesterklasse vor, die sich mit Traumdeutung und Astrologie beschäftigte. → Babylonien, → Syrer
→ Karte Abb. 190 auf Seite 218
Chaldäa Das Land der Chaldäer, eines der bedeutendsten Seeländer am Pers. Golf. In diesem Lande lag auch die Stadt → Ur der Chaldäer (1Mo 11,28). Später ist Ch. die Bezeichnung für ganz → Babylonien (Hes 23,16), insbesondere während der letzten babylon. Dynastie (626–539 v.Chr.). → Karte Abb. 14 auf Seite 20
214
Abb. 184: Herodes ließ seinen Palast direkt in das Meer hineinbauen. Deutlich erkennbar sind die Überreste seines Schwimmbads und des Mosaiks.
Cherubim Cherubim 1) Die Cherubim (Plur. von Cherub) werden in der Bibel deutlich von den übrigen Engeln unterschieden. Während diese als »Boten« des Herrn mit den verschiedensten Aufgaben betraut und überall anzutreffen sind (1Mo 28,12; 32,2; Ri 2,1-4; Ps 91,11; Mt 18,10; Apg 12,7-10; Hebr 1,14 u.ö.), erscheinen die Ch. v.a. dort, wo Gott persönlich gegenwärtig ist und sich in seiner Herrlichkeit offenbart (vgl. 2Mo 25,17-21; Ps 80,2; 99,1; Hes 1; 10 u.ö.). Erstmals werden sie in 1Mo 3,24 erwähnt, als Gott sie dazu bestimmt, den Baum des Lebens und den Garten Eden zu bewachen. In ähnlich symbolischer Funktion treten sie in 2Mo 25,17-22 auf. Sie werden als schirmende Beschützer der Lade verstanden, die zugleich die sichtbare Basis des unsichtbaren Thrones Gottes bilden (1Sam 4,4; 2Sam 6,2; Ps 80,2; 99,1 u.ö.).
von ihrer Gestalt und deren Verhältnis zu der Beschreibung Hesekiels ein ganz klares Bild zu machen. Nur von den 10 Ellen (ca. 5 m) hohen Ch. im Allerheiligsten des Tempels ist bekannt (1Kön 6,2327; 2Chr 3,10-13), dass sie aufrechtstanden und mit ausgebreiteten Flügeln einander und die Außenwände berührten. Hier scheint jeder Ch. nur zwei Flügel gehabt zu haben. Heute stellt man sich diese Ch.gestalten vielfach ähnlich wie die geflügelten Mischwesen (kurubu) vor, die die Ausgrabungen in Mesopotamien und auch in Palästina und Syrien (Elfenbeinschnitzereien) ans Licht gebracht haben.
C
Abb. 185: Grotte bei Cäsarea Philippi, wo einst eine der Jordanquellen entsprang, die heute etwas unterhalb ans Licht tritt. Im Vordergrund befand sich ein Tempel für Kaiser Augustus.
2) Im Gegensatz zu den Engeln in Menschengestalt (nur in Offb 14,6 wird ein »fliegender Engel« genannt; in Offb 8,13 steht »Adler«) werden die Ch. stets als geflügelte Wesen beschrieben. Schließlich werden nur sie abgebildet, während von Engelbildern nirgends die Rede ist. Die Ch. in der Vision Hesekiels sind menschenähnliche Lebewesen, die aufrecht auf stierfußähnlichen Beinen gehen, Menschenhände haben und vier Flügel, von denen zwei den Leib bedecken. Am auffälligsten sind jedoch die vier Gesichter, die jeder Cherub hat, und zwar das Antlitz eines Menschen, Löwen, Stiers und Adlers (Hes 1,4ff: hier nicht Ch. genannt, sondern: »etwas wie vier Gestalten … anzusehen wie Menschen«, in der ähnlichen Beschreibung in Kap. 10 werden sie Ch. genannt). Dass Hes 41,19 nur zwei Gesichter, das Menschen- und Löwenantlitz, erwähnt werden, hängt vermutlich mit der Art der Darstellung auf der Wandfläche zusammen. Die Leiber, Rücken, Hände und Flügel der Ch. waren voller Augen (Hes 10,12). Die Ch.darstellungen auf der Bundeslade, in der Stiftshütte und im Tempel Salomos enthalten jedoch nur so spärliche Angaben, dass es schwierig ist, sich
Abb. 186: Schreitender Sphinx mit Flügeln. Dieses Mischwesen ähnelt den »geflügelten Wesen« oder den Cherubim, mit denen Salomo den Tempel geschmückt hatte.
3) Mit den vier lebenden Rädern zusammen bilden die Ch. den Thronwagen des Herrn (Hes 1). Ebenso heißt es schon von den Ch. auf dem Deckel (→ Gnadenthron) der tragbaren Bundeslade (2Mo 25,17-22), dass der Herr über ihnen thront (1Sam 4,4; 2Sam 6,2; 2Kön 19,15; vgl. 4Mo 7,89). Auch die goldenen Ch. des Salomonischen Tempels werden einmal als »Thronwagen« bezeichnet (1Chr 28,18), und David spricht davon, dass der Herr auf einem Cherub daherfährt (2Sam 22,11; Ps 18,11). Die Ch. sind Zeugen der persönlichen Gegenwart Gottes auf Erden, und so ist auch ihre weitere Verwendung beim Schmuck der Stiftshütte (2Mo 26,1.31; 36,8.35) und des Tempels (1Kön 6.29.32.35; 7,29.36; 2Chr 3,7.14; Hes 41,18-20.25) zu verstehen. In den Visionen des Johannes erscheinen noch einmal vier »himmlische Gestalten« am Thron des Herrn (Offb 4,6-8; 5,6), die ebenfalls evtl. als Ch. angesehen werden könnten. 215
Chios
C
4) Nicht als Zeugen der Gegenwart Gottes, sondern als Wächter am Wege zu ihm erscheinen die Ch. in 1Mo 3,24, wo sie den Zugang zum Baum des Lebens vor dem Menschen und für den Menschen schützen. 5) In Hes 28,13-19 wird der König von Tyrus mit einem Cherub verglichen, der in Eden, im Garten Gottes, und auf seinem heiligen Berg war, dann aber wegen seines Hochmuts verstoßen wurde. In der Auslegungsgeschichte wurde hierin vielfach ein Bild für den Fall → Satans gesehen, über den die Bibel schweigt.
Italien Rom
Puteoli
Nikopolis
Chios Insel und Ort (38.364,26.138) westl. von
→ Smyrna. Auf seiner dritten Missionsreise fuhr Paulus von → Mitylene nach → Samos zwischen Ch. und der Küste hindurch nach Süden (Apg 20,15). → Karte Abb. 59 auf Seite 64
Sizilien
Chislev = Kislew → Jahr Chloë »Die Grünende« Durch die »Leute der Ch.« hat Paulus Nachricht über die Trennungen in der Gemeinde in Korinth erhalten (1Kor 1,11). Die »Leute« waren wohl Sklaven oder Freigelassene, Ch. eine sonst unbekannte
Abb. 187: Reste der Synagoge von Chorazin
216
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Abb. 188: Verbreitung christlicher Gemeinden in ntl. Zeit: Italien
Chronik
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Abb. 189: Verbreitung christlicher Gemeinden in ntl. Zeit: Mittelmeerraum
Frau, die in Ephesus (von wo aus Paulus den 1Kor geschrieben hat; 1Kor 16,8) oder Korinth gewohnt haben kann und nicht unbedingt Christin gewesen sein muss.
Chor In Neh 12,24 Bezeichnung für eine Abteilung der Tempelbediensteten.
Chorazin Ort, über den Jesus seinen Weheruf aussprach, weil seine Bewohner auf die Werke Jesu hin nicht Buße getan hatten (Mt 11,21; Lk 10,13). Dem Onomastikon (Ortsliste) des Eusebius zufolge war Ch. ein verlassenes Dorf, zwei Meilen von Kapernaum entfernt. Heute ist es Chirbet Keraze, neuhebr. Chorazim (32.911,35.549), 4 km nordwestl. von → Kapernaum, eine Ruine in einer Wüstenlandschaft, ein Ort ohne Schatten inmitten von Basaltblöcken. Seine Ruinen jedoch zeigen, dass hier einstmals eine bedeutende Stadt mit einer Synagoge gestanden hat, die prunkvoll gebaut gewesen sein muss (→ Abb. 187 auf Seite 216). Wichtige Einzelfunde sind der steinerne Ehrensitz der Synagoge, der sog. »Stuhl des Mose« (Mt 23,2), und ein Pfeiler, der offenbar zum Thoraschrein gehörte. → Karte Abb. 190 auf Seite 218
Chorraum Das Allerheiligste des Salomonischen
→ Tempels, in dem die → Bundeslade stand (1Kön
6,16f; 8,6.8).
Christen Nachfolger Jesu Christi wurden zuerst im syr. Antiochia um 43 n.Chr. Ch. genannt (Apg 11,26;
→ Karte Abb. 189 auf Seite 217). Wenn dieser Name
auch zunächst von den Feinden des Evangeliums gebraucht wurde, so wurde er doch bald allgemein benutzt. Dennoch kommt er nur noch zwei weitere Male im NT vor (Apg 26,28; 1Petr 4,16).
Christus → Jesus Christus Chronik 1) Bei der Ch. der Könige von Medien und Persien (Est 10,2) handelt es sich um die laufenden Geschichtsaufzeichnungen (Annalen), die amtlich angelegt wurden (Esr 4,15; Est 2,23; 6,1). 2) Das Gleiche kann bei den Ch.en Davids (1Chr 27,24), Salomos (1Kön 11,41), der Könige Judas (1Kön 14,29; 15,7; 2Kön 8,23 u.ö. – wörtl. Buch der Begebenheiten der Tage der Könige von Juda) und Israels (1Kön 14,19; 15,31; 2Kön 1,18 u.ö.) der Fall 217
Chronik Chalkis
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– 392 m
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SIMEON
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20
30 km
Abb. 190: Ortslagen in Palästina
sein; man hat aber auch halb- oder nichtamtliche Geschichtswerke darunter vermutet. In Neh 12,23 wird eine Ch. genannt, die die levitischen Geschlechtsregister enthielt. → Chronikbücher 218
Chronikbücher I) Name und Stellung im AT Die Bücher der Chronik heißen im Hebr. dibre hajjamim = »Worte/Begebenheiten der Tage«. Die
Chronikbücher Vulgata übernimmt aus der LXX den Namen Paraleipomena, was »Ergänzungen« zu den Samuel- und Königebüchern bedeutet. Der Titel Ch. geht auf Hieronymus zurück. Er fand, dass man hier von einer Chronik der ganzen Heilsgeschichte sprechen sollte, was dann auch Luther übernommen hat. Die Zweiteilung der Ch. in ein erstes und zweites Buch der Ch. stammt aus der LXX, nach der sich die Vulgata und schließlich (erst seit 1448) auch die Juden richteten. In der hebr. Bibel bilden die Ch. den Abschluss des AT. Das war schon z.Zt. Jesu so, denn er nennt Sacharja (2Chr 24,20-22) als den letzten atl. Blutzeugen (Mt 23,35, Lk 11,51). II) Inhalt A) Allgemein Die Ch. behandeln die Geschichte des Volkes Israel von der Erschaffung der Welt bis zum Ende der Babylon. Gefangenschaft. Der erste Abschnitt bis zum Regierungsbeginn Davids ist in der Form der Aneinanderreihung von Namen und Geschlechtsregistern gegeben (1Chr 1–9). Ausführlich wird erst über David (Kap. 11–29) und seine Nachfolger berichtet. Aber auch hier stehen nicht die geschichtlichen Begebenheiten im Vordergrund, sondern der israelit. Gottesdienst: Tempel, Opfer, Priester, Leviten, Sänger, Gesetz. Berichtet wird weiter nur die Geschichte des Südreiches Juda. Das Nordreich wird nicht berücksichtigt, weil es vom Hause Davids und vom Gottesdienst in Jerusalem abgefallen ist. Das Bild, das etwa von David und Salomo gezeichnet wird, beschränkt sich im Vergleich zu den Königebüchern stärker auf das Positive. So fehlen etwa Davids Ehebruch (2Sam 11) und Salomos Götzendienst (1Kön 11). B) Einteilung 1) Einleitung (1Chr 1–9): Geschlechtsregister, von Adam über die Erzväter zu Juda und den anderen Stämmen bis hin zu den aus dem Exil Zurückgekehrten. 2) Die Taten Davids (1Chr 10–29): Auf Sauls Tod (1Chr 10) folgt die Machtübernahme Davids (1Chr 11.12), die Überführung der Lade nach Jerusalem und der Plan eines Tempels für die Lade (1Chr 13– 17), versch. militärische Erfolge (1Chr 18–20) und erste Vorbereitungen für den Tempelbau (1Chr 21– 29). 3) Die Taten Salomos (2Chr 1–9): Salomos Weisheit und Reichtum, der Bau des Tempels und weitere Taten. 4) Geschichte der Könige von Juda vom Abfall der Nordstämme bis zum Exil (2Chr 10–36). Der Bericht geht die einzelnen Könige durch, wobei die rel. Reformen der Könige Hiskia und Josia besonders hervorgehoben werden. Der Abschluss der Ch. leitet die Rückkehr aus dem Exil ein. Die letzten beiden Verse der Ch. (2Chr 36,22f) entsprechen fast wörtlich den ersten beiden des Buches Esra, womit der enge Zusammenhang dieser Bücher deutlich gemacht wird (daher auch, einschließlich Nehemia, chronistisches Geschichtswerk genannt).
III) Verfasser und Entstehungszeit Rabbiner und Kirchenväter nahmen an, dass Esra der Verfasser der Ch. sei. W.F. Albright tritt für diese Tradition ein und gibt als Entstehungszeit 400–350 v.Chr. an. Andere datieren die Bücher wesentlich später. Für die Verfasserschaft des Esra spricht, dass die Ch. stilistische Verwandtschaft mit den Büchern Esra und Nehemia zeigen, die zudem den Bericht der Ch. unmittelbar fortsetzen. Eine gleichzeitige Entstehung mit den Büchern Esra und Nehemia liegt daher nahe.
C
IV) Historische Zuverlässigkeit Von vielen Kritikern wurde die historische Zuverlässigkeit der Berichte des Chronisten angezweifelt. W.F. Albright dagegen schreibt: »Die Chronikbücher enthalten eine beträchtliche Menge ursprünglichen Materials über die Geschichte des Südreiches Juda, das in den Königebüchern nicht enthalten ist, und … der historische Wert dieses Materials ist durch archäologische Funde erhärtet.« Die Berufung des Chronisten auf seine Quellen kennzeichnet ihn als einen zuverlässigen Historiker. Außer den Samuel- und Königebüchern (weil er sie nicht nennt, hat man für die entsprechenden Abschnitte auch an andere, parallele Quellen gedacht, was die Zuverlässigkeit der Überlieferung noch bekräftigen würde) hat der Verfasser noch eine ganze Reihe anderer Quellen benutzt, und zwar nennt er: das Buch der Könige von Juda und Israel (2Chr 16,11; 25,26; 28,26; 32,32); das Buch der Könige von Israel und Juda (2Chr 27,7; 35,27; 36,8); das Buch der Könige Israels (1Chr 9,1; 2Chr 20,34); die Geschichten der Könige von Israel (2Chr 33,18); die Geschichten im (= Erklärung zum) Buch der Könige (2Chr 24,27); die Chronik des Königs David (1Chr 27,24); die Geschichte Samuels, des Sehers (1Chr 29,29); die Geschichte des Propheten Nathan (ebd.; 2Chr 9, 29); die Geschichte Gads, des Sehers (1Chr 29,29); die Prophezeiungen Ahijas von Silo (2Chr 9,29); die Geschichten des Sehers Jedo (ebd.); die Geschichten des Propheten Schemaja und des Sehers Iddo (2Chr 12,15; 13,22); die Geschichten Jehus, des Sohnes Hananis, die aufgenommen sind in das Buch der Könige von Israel (2Chr 20,34); der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz (2Chr 26,22); die Geschichten des Propheten Jesaja, des Sohnes des Amoz, im Buch der Könige von Juda und Israel (2Chr 32,32); die Geschichten der Seher (2Chr 33,19); die Klagelieder (2Chr 35,25). Dabei mag es sich in einzelnen Fällen um verschiedene Titel derselben Quelle handeln. V) Ziel und Betrachtungsweise Die Geschlechtsregister am Anfang der Ch. stellen die Verbindung des lebenden Geschlechtes mit den Urvätern und Patriarchen her. Sie erbringen den Nachweis, dass auch die aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Juden die Verheißungen der Glaubensväter für sich in Anspruch nehmen dürfen. Aber das Erbe verpflichtet. Durch die Betonung 219
Chronikbücher
C
dessen, was die Könige Judas für die Herstellung und Förderung des rechten Gottesdienstes getan haben, will der Verfasser den Eifer der heimgekehrten Juden für das Gesetz und den Gottesdienst wecken und fördern. Er betont darum den Segen der Treue zu Gott und macht die Strafe jeder Untreue anhand der Geschichte deutlich. Aus diesem seelsorgerlichermahnenden Gesichtspunkt heraus erklären sich die Auswahl des erzählenden Stoffes, die Unterschiede zur Darstellung der Samuel- und Königebücher und die Betonung der atl. Frömmigkeit im Leben der Könige und des Volkes. So lässt sich hier zwar eine rel. Zielsetzung konstatieren, welche aber allein keineswegs als Beweis für die moderne Kritik hin-
reicht, die geschichtliche Zuverlässigkeit der Darstellung anzuzweifeln. Gleichwohl können sich aus diesen verschiedenen Betrachtungsweise in den Ch.n und den früheren Geschichtsbüchern des AT Verständnisschwierigkeiten für den Leser ergeben.
Chuza(s) »Krug, Kanne« Verwalter des Herodes Antipas; vermutlich in Tiberias ansässig. Seine Frau Johanna trug – mit anderen Frauen – zum Unterhalt der Jünger Jesu bei (Lk 8,3).
Cyrenius → Quirinius
Abb. 191: Relief aus dem Grab von Haremhab in Saqqa-ra bei seiner Ernennung zum Vizekönig (14. Jh. v.Chr.). Er wird mit Goldschmuck behangen und mit Leinen angezogen
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