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Matthias Schreiber Claudius Rosenthal

Nachdenkliches für Führungskräfte


Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. © 2011 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG Bodenborn 43 · 58452 Witten Internet: www.scm-brockhaus.de | E-Mail: info@scm-brockhaus.de Die zitierten Bibeltexte sind folgenden Übersetzungen entnommen: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (LUT) Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. (NLB) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EIN) Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (GNB) Umschlaggestaltung: Guido Apel, Bamberg Satz: Provinzglück GmbH | www.provinzglueck.com Titelbild: Mike Kiev/Fotolia Illustrationen: Ivan Steiger, München Druck und Bindung: Finidr, s.r.o. Gedruckt in Tschechien ISBN 978-3-417-26441-8 Bestell-Nr. 226.441


Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Barths Rat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Päpstliches Panier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Churchills Schule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Buschs Bonmot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Die Lektion des Freiherrn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Clemenceaus Ernüchterung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Springers Beharrlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Fords Erkenntnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Twains Notiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Balfours Gelassenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Cromwells Credo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Alexanders Maß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Luthers Lot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Die Kennedy-Formel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Das Picasso-Prinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Adenauers Kleingunst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 Das Beispiel der schwäbischen Pfarrfrau . . . . . . . . 82 Das Augustinus-Axiom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85


Die Maxime des Professors . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Delps Vertrauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Morgensterns Wunsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Enzensbergers Einsicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Die Allen-Doktrin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Coolidges Verweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Das Gesetz des Seeräubers . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Churchills Ethos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Käßmanns Haltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Der Kompass des Bürgermeisters . . . . . . . . . . . . . 130 Claires Bedauern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 Jesu Einspruch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

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VOrWOrt Der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar hat einmal einen interessanten Satz gesagt: „Anstatt unser Leben lang auf außergewöhnliche Menschen zu warten, ist es besser, die Gewöhnlichen um uns herum zum Außergewöhnlichen zu befähigen.“ „In der Tat: Bis in die feinsten Verästelungen unseres Alltags hinein sind wir auf den Superlativ und das Besondere fixiert. Indes, wir verlieren dabei allzu oft das Menschliche aus den Augen. Und als würde das allein nicht schwer genug wiegen, verlernen wir in der verzweifelten und so oft ergebnislos bleibenden Suche nach dem „Außergewöhnlichen“ zugleich, die Gegenwart Gottes wie die Schönheit des Irdischen gerade im Gewöhnlichen zu sehen.“ Genau darum aber geht’s. Denn das, was wir heute als außergewöhnlich betrachten, kann morgen schon wieder eingeholt sein. Jeder Rekord wird irgendwann eingestellt. Jeder von uns findet irgendwann seinen Meister. Wer täglich im Sternerestaurant speist, sehnt sich irgendwann wieder nach einem Teller von Mutters Linsensuppe. Irgendwann ist auch das Außergewöhnlichste etwas ziemlich Gewöhnliches. Wie gut, wie tröstend ist es da, dass Gott offenbar gar nicht das Außergewöhnliche von uns fordert. Sondern dass wir in seiner Gnade stehen, weil wir seine Geschöpfe sind. Unabhängig von dem, was wir

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leisten! Rabbi Sussja soll – an sein Ende kommend – gesagt haben: „In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?“ Genau das ist der Punkt: Wir sollen mehr wir selbst sein. Aber heißt das, dass wir deshalb unser Bemühen einstellen sollen? Gewiss nicht. Die folgenden Geschichten lenken den Blick auf das Gewöhnliche, das Alltägliche, hinter dem – wie so oft – das Besondere verborgen ist. Darin erweist sich Gottes Gegenwart. Und es kommt darauf an, sich dieser Gegenwart auch im eigenen Leben nicht zu verschließen – sie anzunehmen und sich von ihr leiten zu lassen. Im Alltäglichen und Gewöhnlichen. Heute und morgen.

Anstatt unser Leben lang auf außergewöhnliche Menschen zu warten, ist es besser, die Gewöhnlichen um uns herum zum Außergewöhnlichen zu befähigen.

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„Wenn ich auf meine Kunden gehört hätte, dann hätte ich schnellere Pferde gezüchtet, aber niemals Autos gebaut.“ Der Satz wird Henry Ford zugeschrieben – und er charakterisiert nicht nur diesen Pionier modernen Wirtschaftens. In ihm drückt sich auch all das aus, was unternehmerische Verantwortung auszeichnet: die Treue zu sich selbst an erster Stelle, die allzu oft eine Spur der Einsamkeit nach sich zieht. Die ständige Bereitschaft zum Aufbruch auch, von der jeder Unternehmer weiß, dass sie allein Verlässlichkeit zu sichern vermag. Dann vor allem das Wissen um den feinen Unterschied zwischen Tätigwerden und Getriebensein. Und gewiss auch die Fähigkeit, Brücken zu bauen zwischen Bewahrenswertem und Neuem.

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Kurzum: Ford hat es verstanden, mit nur einem Satz das Mantra eines Unternehmertums auf den Begriff zu bringen, das zunächst sich selbst und seinen Ideen und Visionen verpflichtet ist. Das guten Rat zu schätzen weiß – das noch mehr aber gelernt hat, der eigenen Intuition, dem eigenen Gespür zu vertrauen. In Fords Worten drücken sich mit Vergangenem brechende Schaffenskraft und schöpferische Zerstörung aus. Und der Mut, gegen alle Widerstände ein Ziel zu verfolgen. Und doch stellt sich die Frage, was für ein Mut das ist, den man als Unternehmer glaubt zu haben oder haben zu müssen. Glauben wir den Fernsehsendungen unserer Tage, dann ist es mutig, in Maden und Larven zu baden. Oder rohe Eingeweide zu essen. Glauben wir dem, was uns auf allen Kanälen zur besten Unternehmerische Sendezeit oder auf den TitelVerantwortung zeichblättern namhafter Klatschnet die Treue zu sich blätter präsentiert wird, dann selbst an erster Stelle aus, die allzu oft eine ist es mutig, waghalsig und Spur der Einsamkeit tollkühn, wenn schon nicht nach sich zieht. das Leben, so doch zumindest die Gesundheit und den guten Ruf für einen kurzen Moment medialer Aufmerksamkeit zu riskieren. Ein befreundeter Unternehmer hat einmal auf die Frage, wie er sein Christsein denn mit seinem Unternehmertum verbinde, geantwortet: „Indem ich mir

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meine Entscheidungen nicht „Was heißt meine von meinen Buchhaltern dikEntscheidung für tieren lasse. Und auch nicht die Menschen?“ von meinen Juristen oder meinen PR-Beratern. Sondern indem ich danach frage: Was heißt meine Entscheidung für die Menschen?“ Das kann dann bedeuten, Autos zu bauen, statt Pferde zu züchten. Und manchmal mag es sogar bedeuten, etwas zu tun, dessen Wert sich überhaupt nicht mit den üblichen Kategorien messen und ermessen lässt.

Wenn ich auf meine Kunden gehört hätte, dann hätte ich schnellere Pferde gezüchtet, aber niemals Autos gebaut.

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