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Arndt Elmar Schnepper

Brunnen fĂźr die Seele Die schĂśnsten Bibeltexte auswendig lernen

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Die verwendeten Bibeltexte sind entnommen aus: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

© 2010 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Umschlag: Marion Lüchtenborg, Oldenburg Umschlagfoto: istockphoto.com – enjoynz Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Druck: Golden House Products Company Limited ISBN 978-3-417-26342-8 Bestell-Nr. 226.342

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Inhalt EinfĂźhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 1 Leichter lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Bibeltexte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109

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Einführung Auswendiglernen ist »in«. Galt es seit den Siebzigerjahren meist als verpönt, wird es nun von Kirchen und Christen wiederentdeckt. Und trotzdem: Wenn ich mit anderen Menschen darüber spreche, stelle ich fest, dass es im Blick auf das Auswendiglernen immer noch Vorurteile gibt. Man hört, es sei »langweilig«, »überflüssig« oder gar »sinnlos«. Und das sind noch freund­ liche Kommentare. Frage ich weiter nach, merke ich, dass die Ur­sachen für diese negative Haltung meist aus der Schulzeit stammen. Und es stimmt ja. Wer erinnert sich nicht mit gemischten Gefühlen an die langen Listen der Vokabeln, die jede Woche neu aufgegeben wurden? Das war alles meist mit Mühe und Aufwand verbunden. Und oft genug geschah es auch unter Zwang und Druck. Bedauerlicherweise ist die Folge solcher Erlebnisse, dass viele Menschen mit dem Auswendiglernen ausschließlich ein unangenehmes Gefühl verbinden. Mit diesem kleinen Buch möchte ich eine neue Perspektive aufzeigen. Ja, ich möchte Sie für eine andere Sicht gewinnen, nämlich dass das Auswendiglernen von Bibeltexten – richtig verstanden – ein großer Gewinn für den Glauben werden kann. Verinnerlichte Texte können, so meine eigene Erfahrung, ein wahrer Brunnen für die Seele werden. Wie eine Oase in der Wüste geben uns die verinnerlichten Wörter Kraft und Leben. Keine Angst: Dabei geht es weiß Gott nicht um ein stupides Einpauken von sperrigen Bibelversen. Das englische »learning by heart« und das französische »apprendre par cœur« bringen 11


zum Ausdruck, worum es in Wahrheit geht: Texte in- und auswendig zu lernen, sie im Herzen zu bewahren, um später auf sie zurückgreifen zu können.

Brunnen für die Seele Auswendiglernen ist kein Selbstzweck. Ich selber habe für mich das Auswendiglernen der Bibeltexte erst recht spät entdeckt. Sicher, schon im Kindergottesdienst und später während der Konfirmation gab es immer etwas zu lernen. Meistens winkte dafür eine kleine Belohnung. Im Nachhinein erinnert mich das ein wenig an Mark Twains Roman »Die Abenteuer des Tom Sawyer«, wo es in der Sonntagsschule für jeden auswendig gelernten Vers einen Nachweisschein gab. Aber verstanden habe ich den Sinn des Lernens damals noch nicht. Das geschah erst später, und zwar an einem ganz und gar unkirchlichen Ort. Mein geistliches Aha-Erlebnis hatte ich während meiner Zeit bei der Bundeswehr. Dort zählte zu den Aufgaben auch immer wieder der Wachdienst. Für alle, denen hier die einschlägigen Erfahrungen fehlen, sei nur gesagt, dass dieser Wachdienst u. a. ein stundenlanges Stehen in der Einsamkeit einschloss. Mutterseelenallein stand ich dann zu allen erdenklichen Tages- und Nachtzeiten vor der Kaserne. Nur selten begegnete man einer anderen Person. Um die lange Zeit dann nicht nur mit dem Warten auf den Wachwechsel auszufüllen, legte ich mir ein schmales Neues Testament mit Psalmen zu. Und immer wenn sich die Möglichkeit ergab, las ich einen Psalm und lernte ihn dann Vers für Vers auswendig. Ohne dass ich mich näher mit der Methode des Lernens beschäftigte, merkte ich, wie sehr mir die einge12


prägten Sätze Kraft und Hoffnung vermittelten. Wo vorher die pure Langeweile herrschte, begann nun plötzlich ein geistliches Abenteuer. Und dieses Erlebnis hat mich nicht mehr losgelassen. Später wurde mir bewusst, dass das Auswendiglernen eigentlich schon immer Teil des christlichen Lebens gewesen ist. Manche Teile des Alten und Neuen Testaments wurden ja über lange Zeiträume memoriert und mündlich weitergegeben, bevor sie dann eine schriftliche Form fanden. Im Altertum zählte es üblicherweise zu den Grundvoraussetzungen der Mönche und Priester, sich den ganzen Psalter einzuprägen. Noch bei Martin Luther finden wir diese Ansicht, dass es zum Glauben dazugehöre, die Psalmen auswendig aufsagen zu können. In seiner Vorrede zum Psalter schrieb er 1545: »Billig sollte ein jeder Christ, der beten und andächtig sein will, den Psalter lassen sein tägliches Betbüchlein sein. Und auch wohl gut wäre, dass ein jeglicher Christ denselben so übete und so geläufig darinnen würde, dass er ihn von Wort zu Wort auswendig könnt.« Und worin liegt nun der Gewinn? Ich denke, der Nutzen liegt auf drei Ebenen. Zum einen ist es die alte Erfahrung, dass verinnerlichte Bibeltexte ein Brunnen des Glücks werden können. Wie oft geraten wir in unserem Leben in Dürrezeiten oder auf Durststrecken! Wenig vermag uns dann noch Kraft und geistliche Vitalität zu geben. Das Leben ähnelt dann einer ausgetrockneten Krume, die jedes Leben erstickt. Gerade dann werden auswendig gelernte Bibeltexte solche Stellen, an denen wir neue Energie tanken können. Die Wörter leben in unserer Seele und gleichen einem Strom, in den wir eintauchen können. Sie sind dann Brunnen und Lebenswasser für unseren inneren Menschen. 13


Einsicht in die Bibel Der zweite Nutzen liegt in einem vertieften Verständnis der gelernten Texte. Wie können wir die Bibel wirklich erfassen? Heute meinen wir, dies sei vor allem eine intellektuelle Angelegenheit. Wir fragen schnell nach den historischen Hintergründen und bemühen uns um die sprachlichen Feinheiten. Das alles geschah auch in früheren Zeiten. Aber damals – im Gegensatz zu heute – hatte man auch ein Gespür dafür, dass zum Verstehen der Bibel mehr als kluge Köpfe und Kommentare nötig sind. Die allgemeine Überzeugung war: Wer auf den Grund der biblischen Weisheit stoßen will, der muss ihre Worte inwendig erfassen. Wie Maria die Worte des Engels in ihrem Herzen bewahrte, so galt es, die biblischen Worte im Inneren zu wiegen. Die alten Kirchenlehrer nannten diese Form das Wiederkäuen bzw. das Wiederholen (lat. ruminatio) der göttlichen Worte. Im übertragenen Sinne deuteten sie die reinen, wiederkäuenden Tiere des Alten Testaments (3. Mose 11,3 und 5. Mose 14,6) auf die reinen Menschen, die die biblischen Texte immer neu wiederholten. Und so lernten im Altertum die Christen ihre Psalmen und Evangelien auswendig. Sie wiederholten sie in den Gottesdiensten, auf ihren Wanderungen oder bei der Arbeit. Sie taten das, was in Psalm 1 beschrieben wird: »Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt (wörtlich: murmelt) über seinem Gesetz Tag und Nacht!« Dabei ging es nicht um ein mechanisches Nachsprechen der Bibeltexte, sondern um ein »Verinnern«. Indem man die Worte auswendig lernte und wiederholte, eroberte man sich ihren inneren Kern. Ist es nicht so? 14


Das intellektuelle Verstehen berührt meist nur die Oberfläche der Bibelworte. Es kommt aber darauf an, dass sich unser Herz mit dem Wort verbindet. Wer sich nur mit dem Verstand den Bibeltexten nähert, wird niemals ihre Wahrheit erfassen. Eine kleine Geschichte mag das illustrieren: Ein junger Mönch suchte eines Tages seinen Abt auf und erklärte ihm mit ein wenig Stolz, er habe nun schon zum wiederholten Male die ganze Bibel durchwandert. Der Abt sah ihn freundlich an und fragte ihn: »Und wie viel ist von der Bibel durch dich hindurchgegangen?« Wir werden der Bibel nicht gerecht, wenn wir sie wie eine Zeitung oder einen Roman lesen. Sicher: Bibelwissen tut not. Aber das Vielwissen alleine macht es am Ende nicht. Vertiefung und Verwurzelung brauchen wir ebenso. Als Bibelleser stehen wir in der Gefahr, uns wie ungesunde Esser im Fast-Food-Restaurant zu benehmen: Innerhalb kurzer Zeit schlingen wir große Mengen hinunter. Gesund ist das nicht. Darum: Gottes heilige Schriften verstehen wir nicht nur durch unsere kühle Überlegung, sondern wenn wir beginnen, darin zu wohnen. Dann können wir uns einen inneren Schatz sammeln, der mehr wert ist als alle Reichtümer dieser Welt.

Leiter in den Himmel Das Auswendiglernen bietet aber auch noch eine dritte Chance, und zwar eine praktische Unterstützung beim Beten. »Herr, lehre uns beten« (Lukas 11,1) – so wandten sich die Jünger an Jesus. Und was tat er? Erstaunlich ist zunächst, was er nicht tat. Jesus hielt seinen Freunden keinen moralischen Spiegel vor. Er forderte sie nicht auf, in sich zu gehen, um etwa ihr persönliches Verhalten zu überprüfen. Er gab ihnen auch keine psycho15


logische Anleitung, wie sie ihre Motivation für das Beten klären könnten. Die Antwort Jesu war eine ganz andere. Sie klingt heute in unseren Ohren – vielleicht – ein wenig schlicht. Er gab ihnen ein Gebet, das sie auswendig lernen konnten. Als »Vaterunser« ist es in der Überlieferung bekannt geworden. Doch was auf den ersten Blick etwas anspruchslos scheint, ist in Wahrheit ein Königsweg des Betens. Sicher, es gibt viele Formen des Gebets. Und dieses kleine Buch soll sie keinesfalls madig machen. So erleben viele Christen es als einen echten Durchbruch, wenn sie anfangen, frei zu beten. Sie lassen die vorformulierten Gebete ihrer Kindheit hinter sich und beginnen, mit eigenen Worten zu beten. Das gleicht dann dem Erlernen einer neuen Sprache. Eine neue Welt öffnet sich ihnen. Darum wird das freie Gebet immer über einen besonderen Glanz verfügen. Aber wer die reine Freiheit zum Maßstab aller Dinge macht, wird ihr nicht gerecht. Denn geistliches Leben entspringt aus zwei Quellen: der Freiheit des Glaubens und der Bindung an Gottes Wort. Und ist das nicht gerade ein Problem vieler Christen? Wir beten so, wie es uns einfach in den Sinn kommt. Wir wählen unsere eigenen Sätze. Aber schon bald stoßen wir an unsere Grenzen: sprachlich, menschlich, geistlich. Unser Horizont ist meist viel zu klein, als dass wir immer die Worte fänden, die Gottes Gegenwart fassen könnten. »Nicht in der falschen und verworrenen Sprache unseres Herzens, sondern in der klaren und reinen Sprache, die Gott in Jesus zu uns gesprochen hat, sollen wir zu Gott reden und will er uns hören« (Dietrich Bonhoeffer). Dieses Buch ist von einer großen Grunderfahrung getragen: Es gibt für das Beten nichts Schöneres und nichts Befriedigen16


deres, als zu merken, dass die eigenen Worte auch Gottes Worte sind. Dann sind es nicht mehr meine Wßnsche und Ängste, mit denen ich versuche, den Himmel zu erklimmen. Es sind vielmehr Gottes Worte, die mir zur Leiter werden, um bei Gott anzuklopfen.

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Gewissheit des Heils Römer 8,28-39

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. 29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. 28

Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 31

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Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 37

Kommentar Juli

Diese Verse sind der eindrückliche Abschluss der ersten neun Kapitel des Römerbriefes, bevor Paulus sich im weiteren Text über den Weg Israels äußert. Es sind persönliche Worte, die aber einen beinah hymnischen Klang erhalten. Es ist ein Lobpreis auf die bleibende Verbundenheit mit Christus. Kinder lernen durch Fragen. Das könnte hier auch ein Weg für uns sein. In Vers 31 stellt Paulus seine erste von vier, wie wir sagen, rhetorischen Fragen. Darum: Rattern Sie den Text nicht einfach herunter, sondern geben Sie mit Ihrem Tonfall den Klang der Fragen wider. Das fördert die Merkbarkeit.

Erfahrung

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