Gerti Strauch
Das Gemeindekarussell In befreiten Beziehungen leben
Die Bibelzitate sind folgenden Übersetzungen entnommen: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (GNB) Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (LUT) Elberfelder Bibel, © 1985/1991/2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. (ELB) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. (EÜ) Neues Leben. Die Bibel, © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. (NLB)
© 2010 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Umschlaggestaltung: Miriam Gamper | Essen | www.dko-design.de Umschlagfoto: © Mtoome | Dreamstime.com Satz: Breklumer Print-Service, Breklum Druck: CPI–Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 978-3-417-26325-1 Bestell-Nr. 226.325
Inhalt
Was mich beim Lesen dieses Buches bewegt Ein Vorwort von Peter Strauch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Persönliche Worte vorweg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 1 Karussell und kein Ende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 2 Jesus und das Karussell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 3 Karussell-Musik – Musik der Kindheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 4 Innerer Applaus und Süßigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 5 Umkehr – aber nicht für das Falsche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 6 Das Leben »danach«: abenteuerlich und risikoreich . . . . . . . . . .
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Kapitel 7 Was habe ich schon erreicht? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Kapitel 8 Bloß runter vom Karussell! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 Kapitel 9 Ehre und Würde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Kapitel 10 Paulus geht auf Konfrontation: Der Einschüchterung widerstehen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 Kapitel 11 Die Freiheit, Jesus in allem nachzufolgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 Kapitel 12 Die eine Loyalität, die alle anderen übertrifft . . . . . . . . . . . . . . . . 174 3
Anhang 1. Korinther 13,4-8: Was sind die Eigenschaften reifer Liebe? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183 Ein Kapitel nur fßr Älteste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186 Das Drama-Dreieck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205 StandUp e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 Die Autorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208
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Persönliche Worte vorweg Ich bin überzeugt, dass wir in einer Umbruchs- und Übergangszeit leben. Es sieht in unserer Gesellschaft und international nicht nur nach Reform, sondern nach einer tief greifenden Veränderung, einem echten Paradigmenwechsel aus. Auch in den Gemeinden geht es nicht allein um neue Formen, nicht darum, auf neue Art Gemeindearbeit zu tun, auf neue Weise Gottesdienst zu feiern oder sich auch noch sozial zu engagieren. Gott scheint ganz entschieden andere Dinge vorzuhaben. Er will Neues und völlig Anderes ins Blickfeld rücken und fordert uns auf, einen bisher unbekannten Weg mit ihm zu gehen. Worauf das hinauslaufen wird? Das weiß ich nicht. Aber es begeistert mich. Gott kommt auf neue Weise und ermutigt uns aufzubrechen. Doch es könnte geschehen, dass wir auf dem Karussell der Abhängigkeit von Menschen sitzen bleiben und deshalb nicht folgen können. Wie furchtbar wäre das! So ist dies eines meiner Anliegen: Wir Christen und Gemeinden sollen uns auf die kommenden Zeiten vorbereiten. Ich lade dazu ein, nicht auf unseren alten Plätzen zu verharren, sondern aus den Abhängigkeitsmustern unseres Lebens und Gemeindelebens hinauszutreten. Und Jesus hinterherzulaufen, wohin auch immer er geht. Ich persönlich empfinde viel Hoffnung im Hinblick auf all die geistlichen Aufbrüche in unserem Land. Allerdings ereignen sich viele außerhalb der gemeindlichen und kirchlichen Strukturen. Und das macht mein Herz schwer. Ich bete darum, dass Gott auch den etablierten Gemeinden einen solchen frischen Wind schenkt. Dass dieses Neue willkommen geheißen wird – selbst wenn es nicht die alte Art Gemeinde fördert. Auch dazu will das Buch einen Beitrag leisten. Dies ist also kein Seelsorgebuch und auch kein psychologisches Werk trotz des psychologischen Ansatzes. Aber auch kein Gemeindebuch im engeren Sinn etwa mit der Fragestellung: »Wie können wir zu einer heilenden Gemeinschaft werden?« Oder: »Was können wir noch tun oder müssen wir beachten, damit unsere Gemeinde vorankommt?« Es geht mir gar nicht so sehr um unsere Gemeinden. Es geht vor allem darum, dass Jesus als der König in unserem ganzen Leben, in unseren Gemeinden und der Gesellschaft seinen rechtmäßigen 11
Platz als unser Regent bekommt. Dies ist deshalb ein Reich-GottesBuch! Das Thema des Buches wurde durch ein psychologisches Modell von Karpman angeregt, von dem inzwischen landauf, landab die Rede ist: dem Drama-Dreieck (siehe Anhang). In zahlreichen beruflichen Fortbildungsseminaren, Supervisionseinheiten und persönlichen Seelsorgegesprächen geht es um die Abhängigkeitsthematik, um das Drama-Dreieck, das ich das »Karussell« nenne. In den letzten Jahren erschien viel Literatur – christliche wie säkulare – über Beziehungsabhängigkeit. Allerdings wenden sich fast alle Publikationen an den Einzelnen, an berufliche oder kollegiale Teams oder an Ehepaare. Im Zusammenhang von Gemeinden gibt es darüber bisher nichts zu lesen. Das Beziehungsgeflecht von Gemeinden unter die Lupe zu nehmen ist ja auch ein gewagter Schritt. Im Gemeindezusammenhang sind wir es nicht gewohnt, einmal mit Abstand zu betrachten, was dort vor sich geht. Dort ist die Meta-Ebene eher ungewohnt. Aber nötig. Ein Buch mit solcher Thematik auf den Markt zu bringen, ist deswegen ebenso ein Wagnis wie es zu schreiben. Daher danke ich den Mitarbeitern des Verlags für ihren Anteil am Erscheinen des Karussellbuches, auch für die Erlaubnis zur Kopie und Verwendung der Karussellskizze (S. 21). Dieses Buch enthält mein 60. Lebensjahr. Um den Text zu schreiben, habe ich genau dieses Jahr gebraucht. Es enthält natürlich auch all die Jahre davor. In meinem Leben gab es einen langen Prozess des Heraustretens aus dem Karussellverhalten und des Trainings, auf Jesus zu hören und dann zu folgen. Dieser Prozess ist keineswegs zu Ende. Auch während des letzten Jahres arbeitete Gott an mir und fragte mich immer wieder: »Hast du eine Haltung, die mir entspricht, wenn du über ›Gemeinde‹ schreibst? Kann ich dir trauen?« So ist dieses Buch begleitet von einem intensiven persönlichen Weg mit Gott. In mir ist die Leidenschaft für das Reich Gottes enorm gewachsen. So habe ich nicht mit objektiver Distanz die »Fakten« betrachtet und beschrieben, sondern mein Herz in den Text gegeben. Das wird man merken: Er ist hin und wieder nicht so sehr sachlich, vielmehr recht emotional und manchmal mit spitzer Feder geschrieben. Betrachten Sie das als einen Ausdruck dieser inneren Leidenschaft für den An12
spruch des Königs Jesus. Er fordert seine Gemeinde zurück. Diese Leidenschaft wollte ich auf keinen Fall zähmen. Viele bereicherten dieses Buch mit ihren eigenen Erfahrungsberichten. Insofern ist es nicht mein, sondern unser Buch – abgesehen davon, dass es sowieso Gottes Buch ist. Euch allen sage ich Danke für eure große Bereitschaft, euch zu öffnen. Die meisten eurer Namen und die anderer Personen in diesem Buch sind geändert. Auch die Gegebenheiten sind zum großen Teil verfremdet – bis auf die erkennbaren Beiträge von Ille und Siegi Ochs. Ihr beide habt euch nicht nur geöffnet, sondern wurdet im eigentlichen Sinn öffentlich. Vielen Dank für euren mutigen Beitrag. Schon vor der Erstellung des Manuskripts haben mich zahllose Menschen über lange Zeit durch unseren Umgang miteinander viel über beide Arten von Beziehungen, über ein abhängiges und über ein gesundes Miteinander, gelehrt. Auch in anderen Bereichen meines Lebens gab es maßgeblichen Einfluss durch andere. Sie alle haben zu diesem Buch beigetragen. Ich kann ihnen allen gar nicht genug danken. Einige will ich namentlich nennen. Das tut man so. Stimmt. Das ist aber nicht der einzige Grund! Es soll deutlich werden, dass es ein Gott der Beziehungen ist, der uns miteinander auf den Weg unseres Lebens schickte und der uns nun als Leib »funktionieren« lässt. »Gemeinschaft« war seine Idee. Er wirkt mit seinem Geist gerade auch in Beziehungen. Er hat mich unglaublich beschenkt durch die, die mit mir unterwegs sind und waren. Diethelm und Peter, Ihr habt mich im Anfangsstadium meiner Lehrtätigkeit geprägt. Wenn Ihr Geschichten erzähltet, hing ich an euren Lippen. Eure biblischen Geschichten in der Sonntagsschule und eure Abenteuerstories auf den Kinderfreizeiten fesselten alle Zuhörer. Von euch habe ich als Teenager gelernt, Geschichten zu erzählen. (Du meine Güte, das ist jetzt 45 Jahre her!) Euer Vorbild hat bis heute und bis in dieses Buch hinein Auswirkungen. Kostproben davon finden sich auf den nächsten Seiten. Liebe Else Diehl! Als ich gerade Anfang zwanzig war, hast du mir Geschmack daran gemacht, Texte zu schreiben und zu bearbeiten. Ich bin in den Genuss gekommen – und wie ich das genossen habe! –, jedes Vierteljahr mit dir zusammen die Erklärungen im Bibelleseheft für Kinder »Guter Start« zu bearbeiten. Viele Stunden haben wir an den 13
Formulierungen gefeilt und die Inhalte diskutiert. Ich habe eine Menge von dir gelernt. Nicht nur »Texte bearbeiten«! Danke vielmals für deine Investition in mich! Ich bin speziell euch beiden, Catherine und Frank Fabiano, dankbar. Ihr habt mir und uns in der Bibelschule Bethanien, Solingen, das Drama-Dreieck erklärt. Euch hat Gott dazu benutzt, dass ich die Schritte aus dem Karussellmuster gehen konnte. Ihr habt mich das Gebet der Freiheit gelehrt. Ihr habt uns Hoffnung gemacht, dass Gemeinden eine Entwicklung nehmen können, in der sie immer mehr frei werden von ungesunden Abhängigkeiten. Auch in eurem Dienst ging und geht es darum, dass Christen beginnen können, Jesus wirklich zu folgen, weil Jesus de facto ihr König wird. Durch viele Referenten aus der Zeit der Bibelschule Bethanien bin ich sehr beschenkt worden. Sie haben Entscheidendes zu meinem Leben beigetragen und insofern auch zu diesem Buch. Insbesondere danke ich Roland und Elke Werner: Ihr habt mich gelehrt, Gottes Stimme zu hören. Und Wolfgang Simson: Du hast mir die Erlaubnis gegeben, außerhalb des »Gemeindekästchens« zu denken. Deine Anfragen an unsere Arbeit haben mir und uns Mut gemacht, Ungewöhnliches zu denken und neue Wege zu beschreiten. Mit euch beiden zusammen, Peter und Edelgard, starteten wir die Eheseminare in der Bibelschule Bethanien. Ihr wurdet auf diese Weise – ohne es zu ahnen – Geburtshelfer für standUp und wart so maßgeblich daran beteiligt, dass das Karussellthema seinen Weg in die Eheseminare fand. Danke für diese Zusammenarbeit! Martin Scharnowski, du warst schon in der Bibelschulzeit als Lehrer der Kurzbibelschule an unserer Seite. Auch jetzt noch unterstützt du uns mit deinem Rat. Vielen Dank dafür! Ich sehe in der Treffpunkt-LebenGemeinde, deren Pastor du bist, mit wie viel Freiheit und Großzügigkeit die Berufungen Gottes für die Einzelnen wahrgenommen und gefördert werden, auch und gerade dann, wenn sie nicht im engeren Gemeinderahmen ihren Platz finden. Danke für dieses lebendige Beispiel! Ihr, Keith und Marion Warrington, habt meine Hoffnungen mit einem neuen Verständnis von Gottes Königreich beflügelt und mich ermutigt, über Horizonte zu gehen. Wenn ihr bei uns wart, bekamen wir jeweils eine klarere Sicht für den nächsten Schritt und für das große Ganze. Ihr facht durch euer Dasein das Feuer für Jesus immer wieder 14
an. Danke für eure Begleitung. Ich freue mich besonders, dass dein Buch, Keith, über das Königreich Gottes ebenso jetzt erscheint. Könnte »Das Königreich Gottes« (oder wie immer der Titel sein wird) die Fortsetzung für »Das Gemeindekarussell« sein? Christa, du bist mir als eine Christin der Postmoderne ein Vorbild in Sachen Freiheit. Und wie begeistert bist du über Jesus! Ganz selbstverständlich wendest du seine Kraftgaben im normalen Alltag an. Du hast mich angesteckt mit einer Sehnsucht nach einem neuen, kraftvollen Wirken des Heiligen Geistes nicht nur in der Gemeinde, sondern jeweils dort, wo wir gerade sind. Deine kleine Kirche, wie du sie nennst, die vier, fünf Leute, die sich immer wieder mal in deinem Atelier treffen, versetzt mich in Erstaunen. Ich durfte miterleben, wie du trainierst, ohne »Karussell« und eng an Jesus gebunden zu leben. Und was Gott dann Großartiges in deiner Umgebung tut. Ich bin darüber genauso begeistert wie du! Ihr lieben standUp-Leute! Ihr seid ein sehr intensives Gewächshaus für mich. Ihr habt mich beständig herausgefordert. Und wie! Vieles davon ist in dieses Buch mit eingeflossen. So mancher Bericht stammt aus Erfahrungen mit euch. Ihr seid atemberaubend ehrlich und mehr als bereit, auch im Miteinander Risiken einzugehen. Ihr habt mich über Jahrzehnte herausgefordert, geliebt, konfrontiert, bestätigt und korrigiert. Was wäre ich ohne euch! Ich bin euch unglaublich dankbar. Ihr Leiter der unterschiedlichen Dienstbereiche habt das Karussellthema mit euren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen regelrecht durchgeackert. Wie viel von euch und euren Erfahrungen ist in diesem Buch zu finden! Euch sage ich ein ganz dickes Dankeschön. Gott hat mich mit treuen Betern für dies Buch gesegnet. Mehr als ein Jahr lang haben einige verpflichtete Fürbitter an jeweils »ihrem« Wochentag Gott für dieses Buch bestürmt. »Na ja«, werdet ihr sagen, »manchmal haben wir für das Buch einfach nur gebetet und nicht Gott bestürmt.« Ihr sollt wissen: Ihr wart es, die dieses Buch durch ihre große Treue im Gebet durchgebracht haben! Danke, Ihr lieben prophetisch Begabten, für die bildhaften Bestätigungen meines Auftrags, die ihr an mich weitergegeben habt. Es gab Zeiten, da musste ich mich entschließen – wieder und wieder, einfach aus Gehorsam Gott gegenüber – an diesem Buch weiterzuschreiben. Eure prophetischen Worte stärkten in mir die Fähigkeit durchzuhalten. 15
Einige haben mir praktische Hilfe gegeben. Ihr wart Gesprächspartner, Coach und »Vorkoster« während dieses Jahres. Ihr habt mir Rückmeldung gegeben, was euch schmeckte und was im Text zu sperrig war, um überhaupt in den »Mund« zu passen. Besonders du, Andrea, hast mir geholfen, die Hängepartie zu überwinden. Danke euch allen. Artur, dein Humor und deine manchmal zugespitzten Worte und Sätze in unseren Gesprächen über das Karussellthema haben mir immer wieder Auftrieb gegeben. Wie viel Vergnügen hat mir das schon als Kind bereitet, mit dir kleine Frechheiten auszutauschen und uns gegenseitig zu necken! »Es müssen ungezähmte Sätze sein, Sätze für morgen!« Das könnte von dir stammen. (Tut’s aber nicht! Schade!) Vielen Dank, Artur, für deine beständige Unterstützung und ehrliche Korrektur. Ich habe mich so gefreut, dass wir durch unsere Gespräche über das Manuskript noch einmal beim jeweils anderen diese brennende Leidenschaft für Jesus entdeckt haben. Allen Gemeinden, die uns zu diesem Thema eingeladen haben, danke ich von Herzen für ihr Vertrauen. Es war für mich ein Privileg dabei zu sein, als ihr Schritte hinunter vom Karussell wagtet und Gott an euch handeln ließet. Ich bete, dass Gott all das Gute, das er ausgesät hat, wachsen lässt, und das Menschliche, das auch dazwischen war, in seiner Gnade zudeckt. So im Blick auf die Seminare, so im Blick auch auf dieses Buch. Danke, Diethelm, für deine kontinuierliche Unterstützung. Dein gelber Post-it-Zettel mit der Aufschrift »Gutes Buch«, den du heimlich auf das ausgedruckte Manuskript geklebt hast, ist nur ein kleines Beispiel dafür. Danke für die vielen Stunden, in denen wir das Thema rückwärts und vorwärts durchdiskutiert haben. Und für das lange gemeinsame Leben, in dem Gott uns lehrte und lehrt, was reife Liebe ist und was es bedeutet, ohne »Karussellverhalten« ihm zu folgen. Du hast mich zutiefst beeinflusst. Und es ist immer noch spannend mit uns beiden, nicht wahr? Peter und Artur, danke für eure Beiträge am Anfang und im Anhang des Buches. Sie öffnen dem Karussellbuch die Tür. Möge dieses Buch dazu beitragen, dass dem König der rote Teppich ausgerollt wird. Juli 2009 Gerti Strauch 16
K APITEL 1
Karussell und kein Ende Ute ist glücklich! Ihre Arbeitskollegin Kathrin ist vor Kurzem Christin geworden. Ute erinnert sich gern an die gemeinsamen Gespräche, in denen Kathrin immer mehr von Jesus begriffen hatte. Nun ist es natürlich wichtig, dass Kathrin im Glauben weiterkommt. Darum trifft sich Ute regelmäßig mit ihr. Sie lesen gemeinsam Abschnitte aus der Bibel und beten miteinander. Und das Tollste: Seit zwei Wochen kommt Kathrin auch in die Gemeinde. Eigentlich hat Ute allen Grund sich so richtig zu freuen, wenn – ja wenn sie jetzt nicht in dieser Zwickmühle stecken würde. Sie ist hin und her gerissen. Also, in der Gemeinde wird für Silvester ein Treffen angeboten. Alle, die Lust dazu haben, sind eingeladen, gemeinsam im Gemeindehaus zu feiern. Schön und gut, aber Utes Kinder und ihr Mann planen eine Fete zu Hause. Kathrin würde am liebsten Silvester in Utes Familie verbringen, aber das lehnen die Kids von Ute ab. Ute weiß gar nicht, wie sie das Kathrin beibringen soll. Angelika aus dem Hauskreis, der sie sich anvertraut, bietet an, mal mit Utes Mann und ihren Kindern zu reden. Vielleicht lässt sich ja doch noch was machen. Als Ute Kathrin gegenüber andeutet, dass es bei ihr zu Hause an Silvester schwierig werden könnte, sagt Kathrin: »Ich gehe nicht allein zur Gemeindesilvesterfeier. Schließlich kenne ich die Leute noch nicht so richtig. Dann bleib ich eben allein in meiner Wohnung!« Was soll Ute tun? Sie kann doch Kathrin nicht im Stich lassen. Ute denkt über mögliche Lösungen nach. Sie bemüht sich, Kompromisse zu finden. Sie könnte ja erst mal zur Gemeinde gehen, damit Kathrin nicht so allein dort säße. Dann müsste Ute sich darum bemühen, dass Kathrin zu anderen Besuchern Kontakt findet. Wenn das erledigt ist – und das sollte doch möglich sein! –, ab nach Hause zur eigenen Familienfeier. Oder sollte sie nur zum Jahreswechsel in die Gemeinde gehen? Vielleicht von kurz vor bis kurz nach Mitternacht – sozusagen als 17
einen guten geistlichen Start in das neue Jahr? Dazu könnten auch alle übrigen Familienmitglieder erscheinen. Sie könnte ja auch Anke, ihrer Freundin, von dem Konflikt erzählen. Ankes Familie ist nicht so eng wie ihre eigene. Die Kinder sind auch noch kleiner und meckern nicht bei einem Gast. Ob Kathrin auf solch ein Angebot eingehen würde? Aber je länger Ute darüber nachdenkt, desto unangenehmer wird die ganze Situation. Sie windet sich und wird wütend. Auf die Kinder, auf ihren Mann, auf Kathrin. Es scheint keine Lösung zu geben. Sie fühlt sich, als würde sie in einer Falle sitzen. Kennen Sie solche Situationen? Für manche Leute gibt’s da gar keine Frage. Sie ziehen einfach ihren Stiefel durch. Aber viele von uns empfinden häufig diese Pattsituationen als sehr unangenehm. Egal, wie man sich entscheidet, irgendeiner bleibt auf der Strecke. Genau das ist das »Karussellgefühl«. Wir fühlen uns, als ob wir uns in einem Karussell befinden, das sich immer nur dreht und dreht. Nein, wir nehmen dieses »Karussellgefühl« nicht immer wahr. Die meiste Zeit sind wir ganz gut drauf: Wir haben einen wichtigen Platz auf dem Beziehungskarussell, wir hören die vertraute Musik und sind nicht allein. So viele gute Freunde sind um uns und fahren mit. Nur manchmal empfinden wir eine Hilflosigkeit und Ohnmacht, weil wir die aktuellen Probleme nicht lösen können. Nicht alle Beziehungen sind hilfreich oder gesund. Manchmal leben wir in schwierigen Beziehungen, die uns wie verknotet vorkommen. Das kann sogar ein durchgängiges Muster in all unseren Kontakten sein. Dieses Buch handelt von den Beziehungen innerhalb der Gemeinde. Dafür ist hier ein kurzer persönlicher Test, sodass Sie sich zunächst einmal, wenn Sie mögen, grob einordnen können.
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Gemeinde-Beziehungs-Test So empfinde ich am ehesten im Blick auf meine Gemeinde … (bitte ankreuzen): ist mein Zuhause, und so sollte es auch sein. Wenn esDiemirGemeinde schlecht geht, dann finde ich Leute, die mich verstehen und unterstützen. Die Leute im Hauskreis nehmen meine Probleme ernst und beten für mich. Oft geht es mir nicht gut. Aber ich habe ja eine Familie: meine Gemeinde. Meine Gemeinde macht mich unglücklich. Was meine Probleme betrifft, so höre ich zwar viele gute Ratschläge, die aber nicht im Alltag funktionieren. Einige machen mir auch Vorwürfe. So im Stil: »Wenn du bloß …!« Das hilft mir aber erst recht nicht. Ich fühle mich richtig hilflos und ohnmächtig, irgendetwas zu ändern. Ich helfe in der Gemeinde nach Kräften mit und investiere, so viel ich kann. Natürlich meinen Gaben entsprechend. Viele in der Gemeinde sind froh, mich dabeizuhaben, und sagen mir das auch: »Wenn wir dich nicht hätten…!« Ja, ich werde wirklich gebraucht. Weil ich Dinge sehr genau nehme und die Wahrheit klar ausspre che, finden mich einige Leute in der Gemeinde schwierig. Es kann sogar sein, dass sie mich lieber draußen hätten, dabei sage ich nur, wie es eben ist. Hätten sie mal auf meinen Rat gehört, dann wäre manches in der Gemeinde jetzt nicht so verfahren. Nachdem Sie diese Aussagen für sich selbst bewertet haben, denken Sie bitte darüber nach, welche Position Ute aus unserem Beispiel ankreuzen würde. Und was meinen Sie: Welche Position würde Kathrin entsprechen? Und dann bleibt noch die Frage: Welche Absichten hat Gott eigentlich mit uns? Was ist aus seiner Sicht die Aufgabe der Gemeinde? Welche »Rolle« spielt er in dem Ganzen? 19
Die Karussellgemeinde und Gottes Idee von Beziehungen Bei dem Gemeinde-Test geht’s nicht darum, ob unsere Gemeinde gewachsen ist, ob es gute Anbetung im Gottesdienst gibt oder der Pastor interessant predigt. Die Frage ist auch nicht, ob wir Gewicht auf Kleingruppen legen und welche Bedeutung die Kinder- und Jugendarbeit hat. Nein, hier geht es um die persönlichen Beziehungen innerhalb der Gemeinde und um die Frage, ob wir in diesen Beziehungen festgefahren sind oder ob uns diese Beziehungen ermutigen, Gottes Idee von Nachfolge zu leben; denn in vielen Gemeinden dreht sich ein Beziehungskarussell. Lassen Sie uns dieses Karussell näher betrachten!
Das Karussell und seine Fahrzeuge Auf dem Gemeindekarussell herrscht ein geschäftiges Treiben. Die bekannte Drehorgelmusik des Karussells gibt uns ein wohliges Gefühl. Es ist die Kindheitsmelodie. Alles ist in Bewegung. Viele Interessenten wollen aufsteigen und mitfahren. Per Lautsprecher wird dazu auch eingeladen. Eine ganze Reihe verschiedener Fahrzeuge laden zum Mitfahren ein. Diese Fahrzeuge sind die unterschiedlichen Beziehungsrollen in der Gemeinde. Es geht dabei nicht um die Aufgabe, die ich in der Gemeinde habe, oder das Amt, das ich ausfülle, sondern um mein Denken und mein Verhalten im Hinblick auf andere. Hier sind die verschiedenen Rollen: zuerst die Rettungsfahrzeuge, nämlich Feuerwehr und Krankenwagen, als Nächstes die Fahrräder und zum Schluss das Polizeiauto.
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