Martin Bühlmann, Marcus B. Hausner
wertvoll! Werte leben – Menschen stärken – Welt verändern
Gewidmet
… dir, lieber Leser, liebe Leserin, zur Ermutigung, Auferbauung und zur Herausforderung. Gott hat einen guten Plan für dein Leben. – Martin Bühlmann … meiner Frau Claudia, meiner mutigen und motivierenden Weggefährtin. Danke für alle Inspiration, für alle Zuversicht und für alle Klarheit, die du in mein Leben bringst. – Marcus B. Hausner
Die Bibelzitate entstammen folgenden Übersetzungen: Neues Leben. Die Bibel, © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten (NLB). Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart (EÜ). Hoffnung für alle® (Brunnen Verlag Basel und Gießen), Copyright © 1983, 1996, 2002 by International Bible Society®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags (HFA). Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (LUT). Das Buch. Neues Testament – übersetzt von Roland Werner. © 2009 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten (DBU) © 2011 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Umschlag: Provinzglück GmbH – www.provinzglueck.com Satz: Burkhard Lieverkus, Remscheid | www.factory-media.net Druck: SPI – Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 978-3-417-26315-2 Bestell-Nr. 226.315
Inhaltsverzeichnis Geleitwort von Roland Werner
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1. Willkommen in der Postmoderne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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1. Postmoderne
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2 Werte wirken
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3. Kernwerte
Bevor es losgeht
In welcher Zeit leben wir eigentlich? Was geht? – Die Zeichen der Zeit erkennen Was kommt? – Biotope der Hoffnung Was bleibt? – Die Gemeinde Jesu 2. Warum Werte wirklich wertvoll sind
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Wesen und Wirkung von Werten verstehen Wenn Werte dem Leben Richtung geben Werte als Motoren eines jesusmäßigen Lebensstils 3. Kernwerte einer Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Reich Gottes Gottes kraftvolle Gegenwart Barmherzigkeit Heilende Gemeinschaft Erneuerung von Kirche und Gesellschaft 4. Formen von Gemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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4. Gemeinschaft
Grundformen gemeinschaftlichen Lebens Beziehungen in einer Gemeinschaft Vision – Mit Gottes Perspektive die Welt sehen
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5. Biotope
5. Biotope der Hoffnung entwickeln
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Elemente einer Bewegung Der Auftrag einer Bewegung Die Prioritäten einer Bewegung und zwölf Gewohnheiten für einen jesusmäßigen Lebensstil Elemente des werteorientierten Gemeindebaus 6. Los geht’s!
6. Eine sich verschenkende Gemeinschaft
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Verschenken, ja, aber wohin? Der Auftrag Jesu ist der Auftrag der Kirche Die Kirche Jesu überwindet Furcht und verlässt die Komfortzone Die Kirche Jesu mischt sich ein und verändert die Welt 7. What’s next?
7. Anstiftungen für ein wertvolles Leben
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Lebe deinen Traum! Zehn Schritte in den Spuren des Auferstandenen Was wir dir wünschen …
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Geleitwort von Roland Werner
Geleitwort
… weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe … Jesaja 43,4 (LUT) Und ich sah auch die heilige, zu Gott gehörige Stadt, das neue Jerusalem, wie sie aus dem Himmel von Gott herabkam, bereitet wie eine Braut, die für ihren Ehemann geschmückt ist. Da hörte ich eine gewaltige Stimme, die vom Thron her kam. Sie sagte: »Sieh her! Das ist das Zelt Gottes, das bei den Menschen steht. Und er wird mitten unter ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein. Offenbarung 21,2-3 (DBU) Wertvoll – Das sind unsere Gemeinden. Auch wenn wir viel zu kritisieren haben. Gottes Augen sehen tiefer. Gottes Liebe durchschaut den Schein. Mit seinem Herzen sieht er wirklich gut. Und er sagt: Du bist wertvoll. Du Einzelner. Du Gemeinde. Du kleine Herde. Du große Versammlung. Du coole Kirche der Zukunft. Du traditionsbewusste Gemeinde. Du. Wertvoll – Wie ein Diamant. Auch der muss geschliffen werden. Auch der bleibt nicht, wie er war. Er soll heller strahlen. Schöner glitzern und glänzen. Deshalb ist es kein Widerspruch. Dieser Zuspruch. Und dieser Anspruch. Beide »Sprüche« sind wahr. 7
Wertvoll werden. Das soll Gemeinde heute. Für die, die »drin« sind. Und für andere. Für alle. Denn der Auftrag von Gemeinde ist nicht beschränkt. Frauen, Männer, Kinder, Erwachsene, Inländer, Ausländer. Alle Völker, alle Nationen sind im Fokus. Niemand ist ausgeschlossen. Auch nicht die Generation »Postmoderne«. Wertvoll – Das sind auch die Menschen um uns herum. Gewichtig ihre Hoffnungen und Träume. Ihre Sehnsucht und ihr Schmerz. Ihnen zu dienen ist Auftrag der Jesusmenschen. Deshalb heißt es hinschauen. Hinhören. Hingehen. Was weist uns dabei den Weg? Wertvoll – Das ist auch unsere Botschaft. Sie muss entdeckt werden. Entfaltet. Entschlüsselt für unsere Zeit. Das braucht Ausdauer. Liebe. Beständigkeit. Den langen Atem und das weite Herz. Den offenen Blick und die ausgestreckte Hand. Wertvoll – Ist dieses Buch. Denn es führt uns mitten hinein in die Fragen. Es benennt die Herausforderungen. Und beleuchtet die Weichenstellungen. Martin Bühlmann und Marcus Hausner haben es sich nicht leicht gemacht. Aber uns, den Lesern. Danke! Der Stoff ist hochgradig reflektiert. 8
Und zugleich voller Sprengkraft. Er kann uns hineinkatapultieren mitten in unsere Zeit. Da gehören wir ja hin. Als Freunde und Botschafter von Jesus. Wer sollte dieses Buch lesen? Alle, die Verantwortung übernehmen wollen. Für unsere Zeit. Für unsere Welt. Für unsere Kirche. Wertvoll – Kann ein Buch atmen? Dieses tut’s. Es atmet Liebe und Verstand. Barmherzigkeit und Klarheit. Seelsorge und Prophetie. Es ist der Atem des Gottesgeistes, der uns neu umwehen will. Für mich gibt es drei Arten von Büchern. Die, die ich so halb bis gar nicht lese. Die, die ich pflichtbewusst durchackere. Und die, die ich auch ein drittes Mal lese. Weil sie so wichtig und wertvoll sind. Dieses hier gehört zur dritten Kategorie. Dr. Roland Werner Prior Christus-Treff Gemeinschaften Marburg, Berlin, Jerusalem Design. Generalsekretär des CVJM Gesamtverbands Deutschland
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Bevor es losgeht
Hallo und guten Tag!
Glückwunsch zu einer guten Entscheidung!
Wir heißen dich herzlich willkommen auf den ersten Seiten. Wie gerne würden wir jetzt von dir erfahren, welche Erwartungen du an dieses Buch hast, ob du es selbst kaufen willst, es schon getan hast oder es vielleicht von einem guten Freund geschenkt bekommen hast. Oder, oder … Das alles wissen wir nicht. Was wir aber wissen, und daran wollen wir dir Anteil geben, ist, warum wir dieses Buch geschrieben haben.
Was bedeutet es heute, Christus nachzufolgen?
Christen einer jeden Generation stellen sich die Frage: Was bedeutet es heute, Christus nachzufolgen? Zum Beispiel haben sich Franziskus von Assisi, Johannes von Kronstadt, Philipp Jakob Spener oder Martin Luther King mit diesem Thema beschäftigt. Wir haben in der Vineyard-Bewegung einige Antworten gefunden, die uns helfen, persönlich und gemeinschaftlich Jesus nachzufolgen. Seit Jahren sind wir dazu in einem persönlichen Gespräch. Und zu diesem Gespräch und Austausch bist du eingeladen!
Wir sind zusammen – es geht uns gut.
Stell dir vor, es ist Abend. Wir sitzen in gemütlichen Ohrensesseln an einem Kamin. Das Feuer knistert friedlich, die Flammen lodern und tauchen das Zimmer in ein freundliches Licht. Du hast ein Glas deines Lieblingsgetränks vor dir. Bei mir (Marcus) wäre es ein Bowmore Islay Single Malt Whisky und bei mir (Martin) wäre es eine Tasse frischer Pfefferminztee. Was wäre es bei dir? Übrigens, ist es okay, wenn wir dich duzen? Am Kamin kommt das einfach besser ☺. Wir werden über unsere Zeit plaudern, die Postmoderne, über das Wesen und die Wirkung von Werten, wie man sie in Gemeinschaft ausleben kann, welche besonders wichtig sind, wie praktisches Leben vor Ort aussehen kann und welche Risiken es gibt. Außerdem haben wir viele, viele Geschichten von gewöhnlichen Menschen wie dir und mir gesammelt, die mit einem ungewöhnlichen Gott rechnen und in ihrer Welt Geschichte schreiben. Weil Menschen unterschiedlich sind, kannst du dieses Buch auf unterschiedliche Weise lesen. Schnell oder sorgfältig, emotional oder eher sachlich. Zur Orientierung findest du
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vier verschiedene Icons: Ausblick, Kurz gesagt, Story und Aktion.
Die Icons
Wenn du … … die Grundideen von wertvoll! verstehen und entdecken willst, wie Gott heute gemeinsam mit Menschen sein Reich ausbreitet, dann orientiere dich an den Storys. Lass dich inspirieren von Erlebnissen und Einsichten anderer.
Ich will was erleben!
Deine Meilensteine:
… dich für die Grundlagen werteorientierter Gemeindeentwicklung interessierst und diese verstehen willst, dann orientiere dich am Ausblick und den folgenden Inhaltsseiten.
Ich will was lernen!
Deine Meilensteine:
… du nach Ideen und Vorschlägen suchst, um die Inhalte in der eigenen Arbeit umzusetzen und auszuprobieren, dann orientiere dich an Kurz gesagt und Aktion.
Ich will was tun!
Deine Meilensteine:
Wir wollen dich mitnehmen auf eine Reise mit der Frage: Was bedeutet christliche Gemeinschaft in der Postmoderne? Die Schönheit einer Reise macht sich nicht daran fest, dass man alles gesehen hat, sondern an den Begegnungen und Einsichten, die man auf dem Weg gewonnen hat. So wird dieses Buch nicht alle Fragen beantworten. Es will jedoch Anteil an unserem Weg geben und ermutigen. Daher berichten wir von vielem aus der Vineyard-Welt. Wir sind jedoch
Wir wollen dich mitnehmen auf eine Reise.
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überzeugt, dass diese Ideen in vielen verschiedenen Kontexten – privat, beruflich sowie gemeindlich – anwendbar sind und erfahrbar werden können und daher nicht nur für Menschen und Leiter der Vineyard interessant und relevant sind. Wir wünschen uns und beten dafür, dass dich die Ideen und Geschichten inspirieren, deinen Weg zu finden, um Jesus gemeinsam mit anderen nachzufolgen, sein Reich auszubreiten und auf dem Wasser zu gehen. Für den König und sein Reich! Martin Bühlmann und Marcus B. Hausner im Frühjahr 2011
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1. Willkommen in der Postmoderne!
1. Postmoderne
Es ist gut, unterwegs zu lernen und sich nicht erst auf den Weg zu machen, nachdem man gelernt hat. Leslie Jeanne Shaler
Um was geht es in diesem Kapitel? In welcher Zeit leben wir eigentlich? Was geht? Die Zeichen der Zeit erkennen Was kommt? Biotope der Hoffnung – Räume für geistliches Leben im 21. Jahrhundert Was bleibt? Die Gemeinde Jesu – das Licht und das Salz der Erde
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IN WELCHER ZEIT LEBEN WIR EIGENTLICH? Verwirrung gehört zum Lebensgefühl.
Unschuldig am Wohnzimmertisch sitzend, schalte ich (Marcus) den Fernseher an, um »einfach mal zu sehen, was heute so passiert ist«. Erstaunt verfolge ich die TV-Beiträge von Gewohnheitsarbeitslosen in der zweiten Familiengeneration, die keinen realen Bezug zu Arbeit oder Leistung mehr haben. Ich höre von Politikern, die Milliarden Steuergelder in die Hand nehmen und keine Vorstellung davon haben, wie sie das jemals finanzieren können. Ich schalte einen Kanal weiter und muss ertragen, wie deutsche Kleinbürger sich in Wohncontainern prostituieren und Gammelfleisch über Nacht als frisches Döner-Frikassée präsentiert wird. Verwirrt schalte ich die Flimmerkiste ab und beruhige mich mit wohlmeinenden Worten: »Immer diese Medien – schlechte Nachrichten sind da eben gute Nachrichten …« Aber eben diese verstummen augenblicklich, sobald ich höre, wie meine Frau, die Lehrerin ist, die neuesten Storys über Leistungswahn aus der Grundschule erzählt. Kinder, die kleine Erwachsene sein sollen – dazu verdammt, die Defizite ihrer Erzeuger auszugleichen und an ihrer statt Anerkennung, Leistung und Bildung zu erlangen.
Überforderung ist Alltag.
Tagsüber – in meiner Arbeit als Unternehmensberater – begegnen mir zunehmend hysterische Manager, die alles schneller, besser, kürzer, perfekter abwickeln wollen und sich dabei selbst vergessen – von ihrer Familie ganz zu schweigen. Das Szenario des alltäglichen Wahns ließe sich beliebig verlängern. Es wird nur noch durch meine eigene Hilf- und Tatenlosigkeit übertroffen, die schweigend wahrnimmt, duldet und dann ... tja, wieder zur Tagesordnung zurückkehrt. »Was, der VW-Bus hat wieder falsch vor unserer Hauseinfahrt geparkt, das ist ja ungeheuerlich.« Denn was sind schon die 180 Hochwassertoten in Weit-weg-Land gegenüber dem doofen Falschparker vor meiner Haustür. Nicht mal böse Absicht. Es sind einfach zu viele Infos, zu schnell, und zu wenig Hirn, um alles zu packen. Wir halten also fest: Große Verwirrung, großes Tempo, Überforderung ist an der Tagesordnung. Vieles bleibt heute unklar. Tja, alles ganz düster und ganz schwierig, oder?
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Richtig! Wären da nicht immer wieder Menschen, die mit ihrer Biografie so völlig aus dem Rahmen fallen. Beispiele gefällig? Erster Aus-dem-Rahmen-Faller: Bono Vox – Leadsänger der Rockband U2. Das Leben einer der erfolgreichsten Musiker unserer Zeit erfuhr eine Wendung, als er in den 1980ern in hungernde, äthiopische Kinderaugen blickte. Seither baut er weltweit Netzwerke, um Armut und Aids zu bekämpfen. Danke, Bono! Zweiter Aus-dem-Rahmen-Faller: Claus Hipp. Völlig unscheinbar betreibt der bayerische Unternehmer ein ethisch wie wirtschaftlich einwandfreies Unternehmen. Der praktizierende Katholik lebt seinen Glauben nachvollziehbar in der Verantwortung gegenüber seinen Kunden, seiner Umwelt und seinen Mitarbeitern – Respekt, Herr Hipp. Dritter Aus-dem-Rahmen-Faller: Peter Hahne. Moderator beim ZDF, Journalist, Medienmacher, schreibt in seiner Freizeit Bücher über Gottes Liebe, hält überzeugende Reden auf christlichen Veranstaltungen und ermutigt Menschen durch seine Botschaft und seinen Namen zu einem Leben mit dem Gott der Bibel. Sehr mutig und weiter so, Herr Hahne!
Menschen machen den Unterschied.
Menschen bewegen etwas, wenn sie die bestehenden Bedingungen nicht akzeptieren, sondern neue schaffen. Welchen Weg nimmst du? Mit dem Strom? Oder gegen ihn? Für Menschen in der westlichen Welt ist es mehr eine Frage der Entscheidung als der Gelegenheit. Ich stelle dabei nicht in Abrede, dass viele Menschen, bedingt durch Lebensraum, Ausbildung, Gesundheit, nicht die Möglichkeit haben, eine Entscheidung zu treffen. Aber für 99 Prozent der in Zentraleuropa lebenden Christenmenschen ist es möglich. Wir wollen also von der Regel sprechen, nicht von der Ausnahme. In unserem Land stehen wir vor einer Zeit mit ungeahnten technologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Sie ist interessant: vielschichtig, temporeich, komplex. Das ist gefährlich für den Unbeweglichen – das ist ein Segen für alle, die ihre Nase in den Wind halten. Wie kann man unsere Zeit beschreiben? Wie »ticken« die Menschen heutzutage und wie können sie ein spirituelles Zuhause finden, das ihnen nicht nur Antworten gibt auf Fragen, die heute niemand mehr stellt?
Wir müssen uns entscheiden, ob wir etwas bewegen wollen.
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WAS GEHT? Die Zeichen der Zeit erkennen Unterschiede zwischen Prämoderne, Moderne und Postmoderne
Um die Welt von heute besser verstehen zu können, ist es hilfreich, sich die Geistesgeschichte der letzten Jahrhunderte einmal näher anzusehen. Wir gehen davon aus, dass die Zeit bis zum 15. Jahrhundert, also bis zum Mittelalter, geprägt ist von der Prämoderne. Die Moderne ist gekennzeichnet vom Zeitalter der Reformation, der Aufklärung, der Renaissance und geht bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Postmoderne nennen wir die Zeit, in der wir uns heute befinden.
Prämoderne bis 15. Jahrhundert
Moderne Postmoderne 15. Jahrhundert – 1960 seit 1960
Informationen werden mündlich weitergegeben
Informationen werden gedruckt (Buch)
Massenmedien
Autorität liegt bei den Institutionen (Kirche und Staat)
Autorität liegt beim Individuum (Vernunft)
Autorität liegt beim Individuum (Intuition)
Orientierung bietet die Religion
Orientierung bieten Wissenschaft, Technologie und Bildung
Grundfrage des Menschen: Kann ich überleben?
Grundfrage des Menschen: Kann ich einfacher leben?
Grundfrage des Menschen: Welchen Sinn hat das Leben?
Motto: »Ich glaube, um zu verstehen.« Anselm von Canterbury
Motto: »Ich denke, also bin ich.« René Descartes
Motto: »Macht es dich glücklich? Es wird dann nicht schlecht sein.« Cheryl Bowls
Gott im Zentrum
Menschen im Zentrum
Erfahrung im Zentrum, nichts Absolutes
Das Wissen wird umfassend demokratisiert.
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–?–
Das Wissen ... wurde in der Prämoderne vor allem mündlich weitergegeben. Im Mittelalter verbrachten Mönche ihr ganzes Leben damit, biblische Texte oder alte kirchliche Schriften abzuschreiben. Mit dem Buchdruck erfuhr die
Informationsweitergabe die erste Revolution. Wissen wurde schnell und preiswert multiplizierbar. Ideen waren nicht mehr in der Hand einer bestimmten Institution oder der Kirche, sondern konnten von vielen verbreitet werden. Heute leben wir im Zeitalter der Massenmedien, die alle Dimensionen von Raum und Zeit aufheben. Internet und TV ermöglichen zeitgleiche Berichterstattungen von unterschiedlichen Orten. Jede erdenkliche Information liegt nur einen Mausklick weit entfernt. Die Autorität ... lag in der Prämoderne in den Händen der Kirche und fester Institutionen. An einer Stelle wurde entschieden, was wahr und unwahr, was richtig und falsch ist. Die Institution gab Normen, Werte und Regeln vor, die der Mensch für sein Leben und sein Handeln übernahm. Die Moderne verlangte dann jedoch, dass jeder Mensch selbst Herr seines Lebens sein sollte. Wenn vorher die Kirche die höchste Autorität war, so war es nun die Vernunft, die eigene Erkenntnis, die eigenen Entscheidungen. Die Postmoderne ist geprägt von dem Wissen, dass allein die Vernunft die wirklichen Probleme der Menschheit nicht zu lösen scheint. Manche sagen sogar, dass die Probleme heute größer sind als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Die Vernunft wurde verdrängt zugunsten der Intuition. Das, was ich fühle, das, was ich empfinde, gilt als wahr und richtig.
Die Autorität verlagert sich von der Institution zur Person.
Der Glaube ... des Menschen war in der Prämoderne natürlicher Bestandteil seines Lebens. Es gab Unerklärliches, das den göttlichen oder übernatürlichen Welten zugeschrieben wurde. Im christlichen Abendland galt die christliche Religion als verbindlicher Maßstab für Leben und Handeln. Wunder, Unerklärbares waren akzeptiert. Genauso wie die Moderne die Vernunft über die Institution stellte, wurden über den Glauben die Wissenschaft, Technologie, der Fortschritt und die Bildung gestellt. Man war der Meinung, dass mit diesen Motoren echte Entwicklungen und echtes Fortkommen möglich seien. Spätestens jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg, nach den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, wurde es der Menschheit bewusst, dass sie mittlerweile die Mittel in der Hand hielt, sich selber
Der Glaube verliert sich und alles bleibt offen.
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zu vernichten. Eine neue Situation war geboren. Drängend stand die Frage im Raum: Kann die menschliche Vernunft dieser Aufgabe wirklich gewachsen sein? In der Postmoderne bleibt die Antwort nach Glaube offen, weil der Gott der Prämoderne verdrängt wurde und Wissenschaft, Technologie und Bildung sich als unzureichend entpuppten. Das Einzige, was der postmoderne Mensch weiß, ist, dass er darauf keine Antwort hat. Kennzeichen der Postmoderne Drei Kennzeichen der Postmoderne
Drei Phänomene prägen heute unter anderem das Denken und Handeln des Menschen. Es ist der Relativismus, der Individualismus und der Hedonismus. Erkennen und verstehen wir diese Phänomene, können wir die richtigen Schlüsse ziehen, wenn es darum geht, das Evangelium in unserer Zeit auszuleben.
Relativismus ist die Verehrung der Wirklichkeit.
Ein Kind der europäischen Aufklärung ist die relative Weltsicht. Alles, was der Mensch erlebt, setzt er zu sich oder zu anderen Ereignissen in Bezug. Es gibt keinen Fixpunkt mehr als den des eigenen Erkennens und Bewertens. Das hat grundlegende Folgen für den Wahrheitsbegriff: Er wird durch die eigene Wirklichkeit ersetzt. So kann der Mensch von heute sagen: »Jeder wird nach seiner Fasson selig.« »Wenn es für dich okay ist, dann ist es okay.« Wenn der Wahrheitsbegriff der relativen Wirklichkeit weicht, dann gibt es keine absoluten Aussagen, die ein richtig oder falsch zulassen, sondern nur ein »für mich richtig oder falsch«. Das Autoritätsverständnis von traditionellen Institutionen wie beispielsweise der Kirche oder des Staates wird vom modernen Menschen hinterfragt und unter Umständen verworfen. Unterordnung unter Autoritäten ist fremd und gilt als antiquiert.
Individualismus ist die Verehrung des eigenen Willens.
Ein Aspekt des Relativismus ist das Selbstverständnis, dass der moderne Mensch die eigentliche Instanz für sein Handeln und Leben ist. Das Erkennen der eigenen Persönlichkeit und die Verwirklichung der eigenen Wünsche und Vorstellungen ist das Ziel des Lebens. Von außen formulierte Werte und Normen werden nur dann übernommen, wenn
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sie in das eigene Konzept passen und dem eigenen Willen dienen. Übergeordnete Systeme wie Familie, Dorfgemeinschaft oder Nationalität verlieren an Bedeutung für das Handeln des Einzelnen. Die Selbstbestimmung ist Mittel und Zweck gleichzeitig. Der moderne Mensch will der wirklich freie Mensch sein. Freiheit wird dabei verstanden als Freiheit von Fremdbestimmung jeglicher Art, wie Regeln, Traditionen, Erwartungen oder Pflichten einer Gemeinschaft. So rückt als eigentlicher Lebensinhalt das »Erleben des Lebens« in den Vordergrund. In einer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten will der Mensch ALLES und SOFORT – auf Knopfdruck, unmittelbar und ohne Nebenwirkungen. Die eigenen Bedürfnisse sind der Maßstab dessen, was man will. Diese gilt es zu befriedigen – jetzt und umfassend. Die mediale Landschaft schafft künstlich neue Bedürfnisse, die der »freie« Mensch in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stellt. Die alte Frage: »Ist das richtig und nützlich?«, weicht der neuen: »Was bringt mir das?« Stephen Covey vergleicht diese Haltung mit einer Schule, in der ich mit Tricks und Schwindel ein Diplom bekommen kann, ohne die notwendigen Kenntnisse erworben zu haben. Da ich nicht die Fähigkeiten habe, die ich im Leben benötige, mündet Bedürfnisbefriedigung im Fernsehsessel. Dort lässt der moderne Mensch denken, anstatt selber aktiv zu werden. Genuss wird wichtiger als Glück und Erleben wichtiger als Reife.
Hedonismus ist die Verehrung der Emotion.
Zweifellos hat dieses postmoderne Denken positive Seiten. Die Errungenschaften der Aufklärung sind die Grundpfeiler der modernen Zivilisation, die Werte wie Toleranz und Menschenwürde schützen oder erst hervorgebracht haben. Wer will schon in einem autokratischen Staat leben, der einem vorschreibt, was man zu denken und wie man zu leben hat? Wir hängen keinen voraufklärerischen Fantasien nach. Wir sind Kinder unserer Zeit und suchen gleichzeitig nach jesusmäßigen (also Jesus Christus entsprechenden) Antworten:
Die Aufklärung hat die moderne Zivilisation hervorgebracht.
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• Wir begegnen einer relativen Weltsicht mit einem König und seinem Reich, das sich ausbreitet. • Wir begegnen dem Individualismus mit einer individuellen Lebensberufung, die sich der Mensch nicht selbst gibt, jedoch entdecken kann. • Wir begegnen dem Hedonismus mit dem Angebot, anhand göttlicher Lebensordnungen zu menschlicher Reife zu gelangen und ein Leben zu führen, das gelingt. Und damit zurück zur Ausgangsfrage: Wie sieht christliche Gemeinschaft in der Postmoderne aus? Wie können wir dem postmodernen Menschen einen Zugang zum Evangelium verschaffen, der nachvollziehbar und wirksam ist?
WAS KOMMT? Biotope der Hoffnung Drei Spannungsfelder
Es ist unsere Sehnsucht, dass Lebensräume entstehen, die den Menschen von heute Zugang zu der Person Jesus Christus verschaffen und sie in die Lage versetzen, ihm nachzufolgen. Welche Aufgaben gilt es hierbei zu berücksichtigen? Wir haben drei wesentliche Spannungsfelder entdeckt: • Wahrheit versus Erfahrung • Status versus Beziehung • Worte versus Taten Wahrheit versus Erfahrung
Wahrheit braucht Erfahrung, damit sie relevant wird.
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Wenn heute Wahrheit relativ verstanden wird und eben keine absolute Wahrheit geduldet wird, greift eine reine Vermittlung der Wahrheit zu kurz. Menschen werden die Wahrheit hören, vielleicht auch verstehen und im besten Falle als eine Option unter mehreren akzeptieren. Mit anderen Worten: Die Wahrheit Jesu Christi muss für den postmodernen Menschen erfahrbar sein. So und nur so kann sie Teil seiner Wirklichkeit werden. John Wimber formulierte es einmal so: »Wenn ihr zusammenkommt, dann sollte irgendetwas ›Erlösendes‹ passieren. Menschen werden gestärkt, geheilt, befreit oder ermutigt. Es geht nicht um Wahrheit oder Erfahrung,
jedoch braucht die Wahrheit das Transportmittel der Erfahrung, damit sie für den Einzelnen relevant wird.« Wir werden später (siehe Seite 153) von »UP«, der Bewegung hin zu Gott, sprechen. Ganz natürlich übernatürliche Erfahrungen sind möglich und schließen die Wahrheiten des Gottes der Bibel für den Menschen von heute auf. Status versus Beziehung Status verkörpert Autorität in einer Funktion. Ein Polizist, ein Richter, ein Lehrer bezieht seine Autorität nicht aus seiner Person, sondern aus einem externen Mandat, das er erhalten hat. Eben diese extern verliehenen Autoritäten verlieren an Gewicht. Dies ist ein Trend, den wir an dieser Stelle nicht bewerten wollen – es kann gut und gleichzeitig schlecht sein. Wenn Lehrer in zu großen Klassen täglich um die Durchsetzung ihres Willens kämpfen müssen, weil die Schüler keine Grenzen kennen, ist das eher problematisch, wenn jedoch die Presse ein gesundes Misstrauen hegt bei einem Politikerstatement: »Die Renten sind sicher!«, dann ist das nur zu begrüßen. So werden die Menschen einem Christen nicht glauben, nur weil er Christ ist, sondern weil sie ihm vertrauen. Vertrauen gestern war gespeist durch den Status. »Das ist wahr, weil es der Pfarrer sagt.« Heute speist sich Vertrauen aus Beziehung. »Ich kenne diese Person und deshalb glaube ich ihr.« Wenn ich als Jesusnachfolger von Jesus spreche, werden mir Menschen zuhören, wenn sie mich kennen und sie mir vertrauen. Mein Status also braucht die Nähe einer Beziehung, damit er seine Kraft entfaltet. Wir werden später (siehe Seite 156) von »IN«, der Bewegung zueinander, sprechen. Dort, wo Freundschaft und Familie gelebt werden, öffnen sich Menschen für Neues, weil sie vertrauen.
Vertrauen speist sich heute nicht aus Status, sondern aus Beziehung.
Worte versus Taten Schon von Franz von Assisi ist die Aussage überliefert: »Wir werden den Menschen mit allem, was wir haben, die Frohe Botschaft bringen. Zur Not auch mit Worten.« Aktion und Taten sind der praktische Ausdruck von dem, was wir wirklich
Wenn Jesusnachfolger die Taten Jesu ausleben, werden Menschen aufmerksam.
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glauben und wovon wir überzeugt sind. Dadurch, dass Informationen nicht mehr einigen wenigen, sondern jedem und überall verfügbar sind, haben Worte längst ihre Kraft verloren. Jede Zahnpasta verändert heute dein Leben und jeder Knusperkeks verspricht, dich in ungeahnte Glückshimmel zu entführen. Was also löst der Aufkleber »Jesus liebt dich« bei einem postmodernen Leser aus? Im besten Falle: »Ja, und?« Wenn Jesusnachfolger die Taten Jesu ausleben, den Armen dienen, sich für Entrechtete einsetzen, die Gefangenen befreien, den Hungrigen zu essen geben und die Nackten kleiden, dann werden andere aufhorchen und stutzen. Das passt nicht ins Weltbild. Warum machst du das? Einsichten, die wir weitergeben, sind dann getragen von einer gelebten Realität. Menschen werden uns zuhören, weil sie unser Leben sehen. Wir werden später (siehe Seite 160.) von »OUT«, der Bewegung in die Welt, sprechen. Dort, wo sich Jesusnachfolger einmischen, sich einsetzen für mehr soziale Gerechtigkeit, sich an Menschen verschenken, die Extrameile gehen, den Obdachlosen zu Hause aufnehmen, werden Menschen uns nicht nur interessiert zuhören, sondern sich mit uns auf den Weg machen.
WAS BLEIBT? Die Gemeinde Jesu – das Licht und das Salz der Erde Ob wir Salz und Licht sind, ist nicht unserer Entscheidung überlassen, sondern eines unserer Wesensmerkmale als Christen.
Biotope der Hoffnung könnten also Lebensräume sein, durch die Menschen: • Gottes Gegenwart, seine Kraft und sein Wesen erfahren, • Freunde finden, mit denen sie gemeinsam Jesus nachfolgen, • für die eigene Region Verantwortung übernehmen, indem sie sich für andere und mehr Gerechtigkeit einsetzen. Undenkbar? Im Gegenteil. Jesus ruft seinen Nachfolgern zu: »Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt!« (vgl. Matthäus 6). Das ist ein Zuspruch. Er sagt nicht: »Also, wenn ihr mal Zeit habt, dann könnt ihr euch entscheiden, ob ihr das sein wollt.« Es ist keine Frage unserer Entscheidung, sondern
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eines unserer Wesensmerkmale als Christen, weil wir zu seinem Reich gehören und er in uns lebt. Wir haben alle Voraussetzungen, um dieser Zusage nachzukommen. Gemeinde Jesu ist Salz und Licht – seit Pfingsten und bis an den Tag, an dem der König sein Reich wieder vollständig aufrichten wird. Salz verändert Schon ein wenig Salz in einer Suppe verändert vollständig ihren Charakter. Das Kleine, Wenige verändert das Ganze. Aus der Soziologie wissen wir, dass es nur wenige Menschen mit einem klaren Auftrag benötigt, um das Gefüge eines Landes zu prägen. Unsere Städte brauchen nicht unbedingt mehr Christen, sondern vielleicht brauchen wir Christen mehr Christus. Denn wenn das Salz nicht mehr salzt, ist es unnütz geworden.
Ihr seid das Salz der Erde!
Salz erhält In Zeiten ohne Tiefkühltruhe, Kühlschrank und Mikrowelle mussten Lebensmittel anders konserviert werden. Salz war neben dem Trocknen die übliche Methode, um Fleisch und Fisch länger haltbar zu machen. Studien belegen, dass geistliche Aufbrüche über Generationen hinweg zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gesundheit von bestimmten Regionen beigetragen haben. Salz bewahrt das Gute und das Heile. Es ermöglicht Menschen, in den Ordnungen Gottes zu leben und nicht zu »verderben«. Salz verzehrt sich Salz ist kein Wert in sich. Salz, lange gelagert, klumpt, wenn es mit Feuchtigkeit in Berührung kommt. Wenn man es dann verwenden will, kommt es ganz schlecht aus dem Salzstreuer heraus. Salz ist dazu da, dass man es verstreut. Sobald es jedoch verstreut ist, tritt es ganz in die zu salzende Substanz (Suppe, Soße …) ein. Salz verändert den Charakter der Suppe für immer, ist jedoch nicht mehr sichtbar, nachdem es einmal in ihr aufgegangen ist. Der Auftrag der Gemeinde ist es zu dienen und nicht zu herrschen. Wenn die Kirche versucht, sich selbst zu erhalten und Macht auszuüben, anstatt 23
sich zu verschenken, hat sie den Auftrag des Herrn an die Kirche falsch verstanden. Licht gibt Orientierung Ihr seid das Licht der Erde!
Der Leuchtturm an der Küste gibt den vorbeifahrenden Schiffen schon von Weitem Sicherheit, sodass sie gefährliche Stellen meiden und genügend Abstand zur Küste halten können. Ein Feuer in der Nacht zieht durch seine Wärme und seine Helligkeit an. Menschen werden sich an dem orientieren, was wir in Christus leben und verkörpern. Es gibt ihnen die Hoffnung an das Leben zurück. Licht ermöglicht Leben Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen das Licht wie die Luft und das Wasser, um zu leben. Blumen wachsen dem Licht entgegen. Dort wo es hell ist, werden Menschen aufblühen und zu dem werden, wozu Gott sie erschaffen hat. Wenn wir unser Licht leuchten lassen, wird Veränderung eintreten. Wenn du dir denkst, dass dein Licht zu schwach oder zu klein sein sollte, geh an dunkle Orte. Du wirst erkennen, wie hell dein Licht scheint. Besuche Menschen, die Ausländer in deinem Land sind. Tröste die Traurigen und engagiere dich für die Entrechteten. Lass dein Licht leuchten! Licht breitet sich aus Zum Wesen des Lichtes gehört, dass es sich ausbreitet. Es bleibt nicht bei sich selbst stehen. Es macht sich auf den Weg – so lange, bis es auf einen Körper trifft, der das Licht entweder reflektiert oder absorbiert. Wie Menschen auf uns reagieren, kann ganz unterschiedlich sein, wichtig ist jedoch, dass wir uns auf den Weg machen.
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WILLKOMMEN IN DER POSTMODERNE In welcher Zeit leben wir eigentlich? Unsere Welt ist komplex und dynamisch geworden. Verwirrung ist Teil des Lebensgefühls. Überforderung und Widersprüchlichkeit gehören zum Alltag vieler Menschen. Menschen können etwas bewirken, wenn sie sich dafür entscheiden. Was geht? – Die Zeichen der Zeit erkennen Wissen wird umfassend demokratisiert. Autorität verlagert sich von der Institution zur Person. Glaube verliert sich und bleibt offen. Kennzeichen der Postmoderne Relativismus – Alles ist okay. Individualismus – Ich bin der Maßstab. Hedonismus – Richtig ist, was mir gefällt. Was kommt? – Biotope der Hoffnung Wahrheit braucht Erfahrung, damit sie relevant wird. Vertrauen speist sich heute nicht aus Status, sondern aus Beziehung. Wenn Jesusnachfolger die Taten Jesu ausleben, werden Menschen aufmerksam werden. Was bleibt? – Die Gemeinde Jesu – das Licht und das Salz der Erde Wir haben eine Zusage, dass wir Salz und Licht sind. Salz verändert die zu salzende Substanz vollständig. Salz erhält und bewahrt und schützt so vor Verderben. Salz verzehrt sich und ist nicht mehr sichtbar. Licht gibt Orientierung und bewahrt vor Gefahr. Licht ermöglicht Leben, wo Dunkelheit ist. Licht breitet sich aus und bleibt nicht bei sich selbst.
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