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Helge Stadelmann / Thomas Richter: Bibelauslegung praktisch: In zehn Schritten den Text verstehen. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

Lösungsvorschläge zu den Aufgaben zur Einübung der Arbeitsschritte 1-10: Psalm 1,1-61 1

Zu gratulieren ist dem, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt, und nicht den Weg der Sünder betritt, und nicht im Kreis der Spötter sitzt, 2

sondern der in der Weisung des HERRN sein Wohlgefallen hat

und in seiner Weisung sinnt Tag und Nacht! 3

Er ist wie ein Baum, eingepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht gibt in seiner Zeit, und dessen Laub nicht welkt;

und alles, was er tut, gelingt. 4

Nicht so die Gottlosen; sondern wie Spreu, die der Wind wegweht. 5

Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht,

noch Sünder in der Gemeinde von Gerechten. 6

Fürwahr, es kennt der HERR den Weg der Gerechten,

aber der Weg der Gottlosen vergeht.

1

Diese Übersetzung der Autoren berücksichtigt bereits die Ergebnisse der exegetischen Analyse nach der 10-SchrittMethode und ist in diesem Sinne das Produkt einer "praktischen" Bibelauslegung.

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Lösungen zu Psalm 1 in Stadelmann / Richter: Bibelauslegung praktisch. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

SCHRITT 1: Mit dem Text vertraut werden Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 1.2 (S. 43): Den Gedankengang der Texteinheit aufnehmen Formulieren Sie in einem kurzen, vollständigen Satz den Hauptgedanken von Psalm 1! Erzählen Sie in eigenen Worten den Gedankengang von Psalm 1 kurz und prägnant nach, um den roten Faden zu beschreiben!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 1.2: a) Hauptgedanke als Arbeitshypothese: Der Psalm 1 beschreibt den unterschiedlichen Weg (= Lebensweise) des Gerechten (= Gottesfürchtigen; V. 1-3) und der Gottlosen (V. 4+5) und die sich daraus ergebenden Konsequenzen (V.6). b) Nacherzählung zum Erkennen des Gedankenganges: Der Psalmist eröffnet seinen Psalm, indem er den gottesfürchtigen Menschen glücklich preist. Dabei beschreibt er zunächst, was dieser Mensch nicht tut. Er meidet den Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder und den Kreis der Spötter. Stattdessen hat er Wohlgefallen am Gesetz Gottes, mit dem er sich intensiv beschäftigt. So findet er Halt und Versorgung, bringt Frucht und erlebt Beständigkeit. In diesem Sinne gelingt sein Leben. Im Gegensatz dazu findet der gottlose Mensch keinen Halt im Leben, weshalb er weder im Gericht noch in der Gemeinde bestehen kann. Aus diesem Grund erfährt der gottesfürchtige Mensch, dass Gott um sein Leben besorgt ist, während der Weg des gottlosen Menschen von selbst vergeht.

Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 1.3 (S. 46): Die Stolpersteine markieren Erstellen Sie anhand der im Buch aufgeführten (und ähnlicher) Fragen eine Liste von wenigstens fünf Problempunkten zu Psalm 1, die in der folgenden exegetischen Analyse geklärt werden sollten!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 1.3: a) Wie ist der Ausdruck "glückselig" zu verstehen? b) Warum werden in V. 1 verschiedene Begriffe verwendet: Gottloser - Sünder - Spötter? c) Wie ist der Vorgang des Forschens bzw. Sinnens über dem Gesetz des Herrn zu verstehen (V. 2)? Wie entsteht hierbei Freude am Gesetz? d) In V. 3 (Baum) und V. 4 (Spreu) werden unterschiedliche Bildreden verwendet? Welcher (evtl. gegensätzliche) Zusammenhang besteht zwischen den beiden Bildreden? Worin besteht der eigentliche Vergleichspunkt? e) Was wird im Alten Testament unter dem Begriff "kennen" (V. 6) verstanden?

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SCHRITT 2: Die Textbasis feststellen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 2 (S. 61): Wie ein Vergleich zeigt, sind sich hier die meisten Übersetzungen bis hin zum Wortlaut erstaunlich einig. Vergleichen Sie dennoch eine der in Klammern genannten Übersetzungen (Elberfelder, Menge, Schlachter, Gute Nachricht Bibel) mit einer „freien“ Übertragung wie z.B. Neues Leben [NLÜ] oder Bruns!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 2: Markante Unterschiede im Übersetzungsvergleich: Vers

rev. Elberfelder (2006)

Neues Leben (2005)

Problem der Textvariante (a) oder Übersetzungsweise (b) oder weitere Textprobleme (c)

Mann

Mensch

(b)

den Weg der Sünder nicht betritt

am Leben der Sünder kein Beispiel nimmt

(b)

2

Gesetz des Herrn

Wille des Herrn

(b)

3

gepflanzt an Wasserbächen

der am Flussufer wurzelt

(c)

4

-

-

-

5

Gemeinde der Gerechten

Platz unter den Gottesfürchtigen

(c)

6

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten;

Über die Wege der Gottesfürchtigen wacht der Herr,

(c)

aber der Gottlosen Weg vergeht

die Wege der Gottlosen aber führen ins Verderben

(b)

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SCHRITT 3: Die ursprüngliche Kommunikationssituation klären Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 3 (S. 76): Lesen Sie folgende Einleitungen zum Buch der Psalmen: - Den Artikel „Psalter“ von H. Egelkraut in Das große Bibellexikon, Hg. Burkhardt / Grünzweig / Maier, S. 1243-1249 und / oder - Die „Einführung und Gliederung“ zum Buch der Psalmen von A.P. Ross in Das Alte Testament erklärt und ausgelegt, Bd. 2, Hg. Walvoord / Zuck, Hänssler, S. 387-401. Welcher konkrete Vorgang steht hinter der Bildrede von der „Spreu, die der Wind verweht“ (V. 4)? Wie haben wir uns die entsprechende Tätigkeit im damaligen Israel vorzustellen?

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 3: "In der Erntezeit verlassen die Bauern häufig die Wohnung und wohnen in Zelten oder Höhlen in der Nähe des Feldes. Als Tenne findet ein ebener Platz Verwendung, dessen harter Boden manchmal noch planiert und verbessert wird, dessen Ränder man oft mit Steinen befestigt und der vor allem wegen des Worfelns unter dem Westwind liegen muß. Nur selten gehört die Tenne einem einzelnen (Rut 3,2; 2Sam 24,18), meist der Bauernschaft des Ortes gemeinsam. Die einzelnen Fruchtstapel werden rings um den Platz niedergelegt. Hülsenfrüchte und vielleicht auch etwas Getreide für den Familienbedarf drischt man zunächst mit dem Stock, sonst geschieht das Dreschen durch Tiere (5Mo 25,4; Hos 10,11), die man zu mehreren im Kreis über das auf der ganzen Tenne ausgebreitete Getreide treibt, dann aber auch mit Dreschschlitten (Am 1,3). Bei den Schlitten handelt es sich um zwei oder mehrere miteinander verbundene und vorne aufgebogene Bretter, unter denen meist noch Flintsteine, später auch Eisenmesser befestigt sind, um die Körner herauszulösen und die Halme zu zerschneiden. Später haben auch Dreschwagen (Jes 28,27f) Verwendung gefunden: ein Gestell mit mehreren teilweise gezackten Steinrädern oder Walzen, das wie der Schlitten von den Außenrändern her über den Getreidehaufen gefahren wird. Der Bauer steht dabei auf dem Schlitten bzw. Wagen. Nach dem Dreschen, wegen des dann stärkeren Windes gegen Abend, wird zunächst mit der mehrzinkigen hölzernen Wurfgabel die Spreu herausgenommen; dann wirft man Häcksel und Körner mit der Wurfschaufel hoch, wobei der Wind alles, was zu leicht ist, fortträgt. Den Rest siebt man (Am 9,9) mit einem Sieb aus Darmseiten, um auch noch die Steine zu entfernen, bevor man die Körner bis zum Mahlen (*Mühle) in Krügen oder Speichern aufbewahrt. Um solche Getreidespeicher, nicht also um Scheunen in unserem Sinne, handelt es sich wohl auch bei dem Gleichnis Lk 12,15ff."2 Mit der Bildrede von der "Spreu" ist somit der Gedanke der Halt- und Nutzlosigkeit und der Vergänglichkeit verbunden. Beachten Sie hierbei den Kontrast der damit zur Bildrede in V. 3 entsteht.

2

Auszug aus dem Artikel "Ackerbau" aus Das große Bibellexikon Bd. 1; Wuppertal: R. Brockhaus, S. 16. Der Artikel ist eine lediglich redaktionell bearbeitete Version aus Fritz Rienecker (Hg.). Lexikon zur Bibel; Wuppertal: R. Brockhaus, Sp. 28 [Hervorhebungen durch die Autoren].

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SCHRITT 4: Den Zusammenhang der Texteinheit erfassen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 4 (S. 88): Der Psalter wird heute in fünf Bücher aufgeteilt: Ps 1-41 / 42-72 / 73-89 / 90-106 / 107150. Was verbindet die einzelnen Psalmbücher je in sich? Lesen Sie dazu im Brockhaus Kommentar zur Bibel, Bd. 2, S. 537f., den Abschnitt über 'Die fünf Bücher'! Beachten Sie, dass Ps 3-41 und 51-72 als Davidspsalmen gekennzeichnet sind (vgl. Ps 72,20). Warum stehen Ps 1+2 dieser Sammlung voran? Könnte es mit dem Inhalt von Ps 1 zusammenhängen, dass genau dieser Psalm am Anfang des gesamten Psalters steht?

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 4: "Dieser Ps eignet sich ausgezeichnet als Einleitung in den Gesamtpsalter Er greift ein Thema auf, das den Psalmisten besonders am Herzen liegt: Gegensätzlicher menschlicher Charakter schlägt sich in gegensätzlichen Verhaltensweisen nieder und führt zu einem gegensätzlichen Lebensausgang. Er steht Ps 2 sehr nahe, der die gleiche Thematik auf nationaler Ebene verhandelt. Der Ps darf allerdings nicht so verstanden werden, als ob dem Frommen für alle Zeit ungefährdeter Wohlstand und Wohlergehen verheißen würde. Dazu kennt das AT das Leben zu gut. Interessanterweise beginnt das Zweite Buch des Psalters mit Psalmen, die den Frommen und Gottes Volk in äußerster Anfeindung zeigen (Ps 42 - 44; vgl. auch Ps 73; 74). Ps 1 ist in gewissem Sinn ein Credo, ein Bekenntnis. So wie wir bekennen: 'Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen ... '‚ obwohl wir gelegentlich Erfahrungen machen, die so aussehen, als wäre Gott weder Vater noch allmächtig, so hält Ps 1 im Glauben daran fest, daß der Fromme gesegnet ist, daß Gott ihn ans Ziel geleitet. Gerade der Schlußvers V. 6 unterstreicht dies nochmals."3 Der Psalm 1 ist in einem gewissen Sinne das "Eingangsportal zum Psalmenbuch", da er einleitend die beiden Lebensweisen als Wege vorstellt, die einem Menschen grundsätzlich offen stehen. Die Lebensweise als Gottesfürchtiger oder als Gottloser. So wird der Leser durch Psalm 1 bereits eingestimmt auf den zentralen Inhalt des gesamten Psalmenbuches mit seinen vielen Facetten. "Der eröffnende Psalm 1 als 'hermeneutische Brille' (N. Füglister) führt gleichsam in den meditierenden Gebrauch des Psalters ein. Die weisheitliche 'Imprägnierung' des Psalmenbuchs zeigt sich jedoch nicht nur in seinem Eröffnungspsalm, sondern setzt sich durch signifikant platzierte Weisheitspsalmen im Psalmenbuch fort. Dass die Fort-Lesung von Ps 1 bis Ps 150, d.h. von der Einweisung in die Beachtung der Tora (Ps 1) bis zum Lobpreis (Ps 150) durchaus beabsichtigt ist, zeigen u.a. psalmübergreifende Stichwortbezüge, Motivaufnahmen, 'Zwillingspsalmen' und anderes mehr. Sie leiten den Leser nicht nur weiter, sondern eröffnen ihm durch assoziative Verknüpfungen auch neue Sinndimensionen. Der Psalter eröffnet diese allerdings nur dem sorgfältigen Leser, der das Gehörte im Herzen bewegt, meditiert, nachbetet. Zugleich scheinen auch die Kleinkompositionen Ps 1 - 2 [doppeltes Eingangstor] und Ps 146 - 150 [Halleluja - Finale] aufeinander bezogen zu sein."4

3

Leslie S. McCaw, und J. Alec Motyer. "Die Psalmen." Brockhaus Kommentar zur Bibel. Bd. 2: Hiob - Hoheslied. Hg. Donald Guthrie und J. Alec Motyer. Wuppertal: R. Brockhaus, 1981. S. 543.

4

Beat Weber. Werkbuch Psalmen I: Die Psalmen 1-72. Stuttgart: W. Kohlhammer, 2001. S. 44f.

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SCHRITT 5: Die Textart der Texteinheit untersuchen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 5 (S. 120): Untersuchen Sie, welche Art von Parallelismus in den einzelnen Versen vorliegt!

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 5: Das Ps 1 zu der alttestamentlichen Literaturgattung der Psalmen gehört, bedarf eigentlich kaum der Erwähnung. Als Literaturform gehört Ps 1 zu den weisheitlichen Liedformen (vgl. S. 98). Folgende Stilfiguren finden sich in Ps 1: •

Merismus (vgl. S. 115) in Vers 2: "Tag und Nacht" = Die Beschäftigung mit dem Gesetz des Herrn soll beständig, kontinuierlich geschehen und nicht ohne Schlaf bzw. als einzige Beschäftigung des Menschen. Sehr wohl aber als die zentrale und bestimmende, da wegweisende Tätigkeit.

•

Hyperbel (vgl. S. 114f) in Vers 3: "alles was er tut, gelingt ihm". Hier soll deutlich gemacht werden, dass wer nach dem Gesetz Gottes lebt, in der Tat ein gelingendes Leben führt. Entscheidend ist allerdings, wie sich die Lebensumstände aus der Perspektive Gottes zusammenfügen ("zu seiner Zeit"). Verdeutlichen lässt sich diese "gelingende" Lebensweise z.B. sehr gut an den Höhen und Tiefen im Leben des Josef. Von Gott her kann man auch hier den Satz sagen: "alles was er tut, gelingt ihm" (vgl. 1Mose 50,20).

•

Metonymie (vgl. S. 115) der Ursache für die Wirkung in Vers 6a: "kennen" (hebr. yada). Der Begriff "kennen" bzw. "erkennen" ist im AT ein Ausdruck einer sehr engen bzw. intimen Beziehung, aus der heraus etwas Neues (z.B. "neues Leben") entsteht (vgl. 1Mose 4,1+25). Kennen oder Erkenntnis ist im AT mehr als ein rein intellektueller bzw. theoretischer Vorgang, es geht um ein ganzheitliches Einlassen, eine Begegnung, mit einer Sache bzw. Person und aus dieser Begegnung (= atl. 'kennen; erkennen') heraus entsteht dann z.B. neues Leben (Ps 1,6). Wer hier nur an "Wissen" denkt, greift zu kurz. An dieser Stelle greift die Übertragung der Neues Leben Übersetzung mit "wachen" also zu kurz, da die Formulierung "der Herr kennt den Weg der Gerechten" impliziert, dass aus dieser Begegnung des Gerechten, der sein Leben in der engen Beziehung mit dem Herrn lebt (V. 2+3a), neues Leben entsteht. Dies beginnt in der Gegenwart und hat ewig bleibenden und währenden Charakter (V. 3b).

•

Parallelismus (vgl. S. 116-118):

V. 1b: Synonymer und synthetischer dreigliedriger Parallelismus. synonym

synthetisch

synonym

synthetisch

der nicht

im Rat

der Gottlosen

wandelt,

und nicht

den Weg

der Sünder

betritt,

und nicht

im Kreis

der Spötter

sitzt.

Die Begriffe "Gottlosen - Sünder - Spötter" werden synonym verwendet um die Aufmerksamkeit der Hörer nicht zu verlieren, haben aber die gleiche Bedeutung. Allerdings Seite 6 / 15


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bringen die Verben eine Steigerung in die Aussage, da sie immer statischer werden: "wandeln - treten -sitzen". Die Verquickung in eine gottlose Lebensweise wird also immer fester. Das gleiche gilt auch für die Verbindung zu dieser Lebensweise, auch hier wird alles immer statischer und damit fester: Rat - Weg - Kreis. Der Vers enthält also ein Gefälle hin zum Negativen und warnt somit vor einer immer tiefer gehenden Verstrickung in die Gottlosigkeit. Im Gegensatz zu diesem sich ins negative steigernden Parallelismus in V. 1b, wird der V. 3 von einem positiven dreigliedrigen Parallelismus strukturiert: Er ist wie ein Baum, eingepflanzt

an Wasserbächen,

der seine Frucht gibt

in seiner Zeit,

und dessen Laub

nicht welkt;

Hier erfolgen drei positive (= motivierende) Aussagen als Kontrast zu V. 1. Ausgehend von der ersten Beschreibung werden die sich daraus weiter ergebenden Konsequenzen beschrieben. In V. 5 findet sich ein synthetischer Parallelismus, der die Auswirkungen in der Zukunft bereits in die Gegenwart hinein steigert. Darum bestehen Gottlose

nicht im Gericht

noch Sünder

in der Gemeinde der Gerechten

In V. 6 findet sich ein antithetischer Parallelismus, der den gottesfürchtigen Weg (V. 1-3) und den gottlosen Weg (V. 4+5) als abschließendes Fazit noch einmal kontrastierend gegenüberstellt und somit den Hörer / Leser zu einer Stellungnahme herausfordert (V. 6). Fürwahr, es kennt der Herr

den Weg der Gerechten

aber der Weg der Gottlosen

vergeht.

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SCHRITT 6: Die Begriffe und ihre Verbindung in der Texteinheit erkennen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 6.1 (S. 128): Die Wörter der Texteinheit wägen Finden Sie heraus, was konkret mit dem Begriff „die Gottlosen“ (V. 1 u. öfters) gemeint ist!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 6.1: Beachtet man den synonymen Parallelismus in V. 1 und die Häufigkeit des Ausdrucks "die Gottlosen" (V. 1.4.5.6), so wird deutlich, dass es sich hierbei um den zentralen Begriff handelt, der einen der beiden Menschen in Psalm 1 beschreibt, die auf unterschiedlichen Wegen gehen. Hier: der Mensch auf dem negativen Weg ins Verderben. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass in V. 1 eine Steigerung hin zum statischen, also eine negative Bindung beschrieben wird. Diese Bindung ist aber im Grunde eine Bindung an das "Haltlose" (V. 4), an das "Vergängliche" (V. 5), an das was keinen Bestand hat (V. 6). Berücksichtigt man diesen Gedankengang, dann kann man unter Beachtung der Intention von Psalm 1 formulieren: Der Gottlose ist der, der keinen Halt im Leben findet und deshalb vergeht, weil er keine Bindung an das Leben (= Gott) hat. In diesem Sinne ist er von Gott los, also gottlos. Diese Definition des Gottlosen, lässt sich z.B. auch an Hand von Jes 57,20f bestätigen (vgl. auch Sprüche 4,19; 10,25; 12,26): "- Aber die Gottlosen sind wie das aufgewühlte Meer. Denn es kann nicht ruhig sein, und sein Wasser wühlt Kot und Schlamm auf. Kein Friede den Gottlosen! spricht mein Gott. -"

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Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 6.2 (S. 132): Die Sätze der Texteinheit analysieren Analysieren Sie die verbindenden und einleitenden Wörter und stellen Sie somit fest, in welchem inhaltlichen Zusammenhang die verschiedenen Satzglieder der Texteinheit stehen! Welche Aussagen werden getätigt, welche Anordnungen Möglichkeiten erwogen und welche Wünsche geäußert?

getroffen,

welche

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 6.2: 1

Zu gratulieren ist dem,

Positiver Weg

und nicht den Weg der Sünder betritt, und nicht im Kreis der Spötter sitzt, 2

sondern der in der Weisung des HERRN sein Wohlgefallen hat

und in seiner Weisung sinnt Tag und Nacht! 3

Er ist wie ein Baum, eingepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht gibt in seiner Zeit, und dessen Laub nicht welkt;

und alles, was er tut, gelingt. 4

Nicht so die Gottlosen;

Kontrast zwischen V.1-3 und V. 4+5

der nicht im Rat der Gottlosen wandelt,

Negativer Weg

sondern wie Spreu, die der Wind wegweht. 5

Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht,

Schlussfolgerung aus V.4

noch Sünder in der Gemeinde von Gerechten. 6

Fürwahr, es kennt der HERR den Weg der Gerechten,

aber der Weg der Gottlosen vergeht.

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Fazit: Konsequenz der Wege


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SCHRITT 7: Den Gedankengang der Texteinheit entfalten Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 7 (S. 140): Erstellen Sie ein Textschaubild von Ps 1! Beachten Sie besonders, wie weit der 1. Sinnabschnitt geht, wo der 2. Sinnabschnitt beginnt und wie V. 6 einzuordnen ist. Leiten Sie aus dem Textschaubild die Struktur des Gedankenflusses der Texteinheit ab!

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 7: Textschaubild zu Psalm 1,1-6: 1

Zu gratulieren ist dem, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt, und nicht den Weg der Sünder betritt, und nicht im Kreis der Spötter sitzt,

2

sondern der in der Weisung des HERRN sein Wohlgefallen hat und in seiner Weisung sinnt Tag und Nacht!

3

Er ist wie ein Baum, eingepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht gibt in seiner Zeit, und dessen Laub nicht welkt; und alles, was er tut, gelingt.

4

Nicht so die Gottlosen; sondern wie Spreu, die der Wind wegweht.

5

Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde von Gerechten.

6

Fürwahr, es kennt der HERR den Weg der Gerechten, aber der Weg der Gottlosen vergeht.

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Zur Struktur von Psalm 1,1-6:5 "Der erste Abschnitt und damit der Psalm insgesamt beginnt mit einer Seligpreisung (1a), die 'dem Mann' gilt, der sich durch nachfolgend charakterisiertes Verhalten auszeichnet. Dieses wird zunächst im Sinne der via negationis von drei Verhaltensweisen abgegrenzt (1bcd), dann wird er als Tora-Liebender bzw. -Meditierender gezeichnet (2ab) und schliesslich wird sein gutes Ergehen in drei Facetten der Baum-Metapher ausgesagt (3abc). Die Schlusszeile 3d, mit der Anfangszeile korrespondierend, fasst das Ganze in das Fazit des gelingenden Lebens. Der zweite Abschnitt knüpft in seiner Eröffnungszeile an die Schlusszeile des ersten an und setzt ein Minus davor (4a). Es folgt - im Gegensatz zum positiven Baum-Bild von vorher - das negativ gefärbte Bild der wertlosen Spreu, die beim Worfeln vom Winde verweht wird (4bc). Darin liegt eine Gerichtsintention, die in 5ab explizit gemacht wird. Im dritten Abschnitt, der nur aus einem Vers besteht (6ab), wird bündelnd das Fazit ('für-wahr...') nach beiden Seiten hin gezogen. Ist beim Gerechten JHWH [= der HERR] um sein Wohlergehen besorgt, so läuft der Weg der Frevler [= Gottlosen] quasi von selbst (Tun-Ergehen-Zusammenhang) in den Abgrund." Zum Textaufbau von Psalm 1,1-6:

5

1.

Der Weg des Gottesfürchtigen

(V. 1-3)

2.

Der Weg der Gottlosen

(V. 4+5)

3.

Die Konsequenz des Weges

(V. 6)

Beat Weber. Werkbuch Psalmen I: Die Psalmen 1-72. Stuttgart: W. Kohlhammer, 2001. S. 49.

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SCHRITT 8: Verbleibende Probleme der Texteinheit lösen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 8 (S. 147): Verbleibende Probleme der Texteinheit lösen Welche theologischen Aussagen zur biblischen Lehre enthält die Texteinheit? Welche Aussagen zum schriftgemäßen Leben enthält die Texteinheit?

Lösungen zur Einübung des Arbeitsschritts 8: Psalm 1,1-6 führt den Leser / Hörer in eine Entscheidungssituation hinein. Es werden zwei Wege (= Lebensweisen) vorgestellt und ihr Ausgang (= Lebensende) beschrieben. Der Psalm kontrastiert die beiden Lebensausrichtungen sehr stark, indem das "Entweder - Oder" in den Vordergrund gestellt wird. Zu beachten ist hierbei, das der Weg des Gottesfürchtigen im Singular und der Weg der Gottlosen im Plural beschrieben wird. So steht der eine Gottesfürchtige den vielen Gottlosen gegenüber, was eine Aussage über die Anzahl derer impliziert, die den Weg ins Leben finden. Gesamtbiblisch tritt von daher das Gleichnis vom breiten und schmalen Weg in das Blickfeld des Auslegers (Mt 7,13f). "Der Psalter beginnt nicht zufällig mit Ps 1, ist dieser Psalm doch gewissermassen die 'Lesebrille', bietet das 'Leitmotto' dar, ja ist - mit Ps 2 zusammen als 'Eingangsportal' zum Psalmenbuch zu verstehen. [...]. Ps 1 begrüsst und beglückwünscht denjenigen, der an der 'Tora JHWHs' [= der HERR] Gefallen hat und sie stets neu memoriert. Mit der 'Tora' in 1,2 wird wohl in Anlehnung an die fünf Mose-Bücher hier (auch) das ebenfalls fünfteilige Psalmen-Buch gemeint sein, in das Ps 1 den Leser und Nachbeter einweisen will. Die weisheitliche Schlussredaktion des Psalters zeigt sich - abgesehen von Ps 1 - auch an der Platzierung anderer Weisheitspsalmen an Scharnierstellen (vgl. Ps 73; 90; 107; 145, ferner auch Ps 19; 119). Eröffnet Psalm 1 den Psalter mit einem weisheitlichen Makarismus auf den (gerechten) Menschen, so beschliesst Ps 150 ihn mit einem gottesdienstlichen Lobpreis auf JHWH [= der HERR]. [...]. Ps 1 hat über die Tora-Analogie und die Fünfteiligkeit hinaus Bezüge zum ersten Kanonteil, weist 1,1 doch auf die theologische Zentralstelle Dtn 6,(4-)6f. hin. Wie Jos 1,8 als Eröffnung des Kanonteils der 'Propheten' auf die Tora (Moses) zurückverweist, so tut dies Ps 1 als Eröffnung des Psalters (nach einem Teil der Überlieferung [vgl. LXX; Lk 24,44] eröffnet das Psalmenbuch zudem das weisheitliche Schrifttum, die 'Ketubim' [vgl. J.-M. Auwers]). Wie Josua als Nachfolger des Mose, quasi als erster der Propheten nach ihm, die Tora einprägen und sich von ihr leiten lassen soll, so gilt dies auch für den Gerechten und Weisen, der mit Ps 1 in den Psalter (und die Weisheitsschriften) eingewiesen wird. Aus der Tora atmet daher alles weisheitliche (und gottesdienstliche) Schrifttum, das in den Ketubim gesammelt ist. Dabei sind die Bezüge nicht nur zwischen Jos 1,8 und Ps 1,2 deutlich, sondern es liegen auch Berührungen zwischen Ps 1 und dem Schlusskapitel der 'Propheten', Mal 3, vor (vgl. 1,2/3,22; 1,4/3,19; 1,5f./3,18). Zu 3 vgl. auch Jer 17,7f.; Ez 47,12 sowie Ps 52,10; 92,13-15. Nach dem Matthäus-Evangelium (erstes Evangelium!) eröffnet auch die erste der fünf (!) Lehrreden Jesu, die Bergpredigt (ebenfalls weisheitlich geprägt!), mit Seligpreisungen wie Ps 1 und damit zugleich der Psalter insgesamt (Mt 5,3-12). Sowohl dort wird 'Lohn, Gelingen' versprochen wie hier (vgl. 1‚3d). Die Topik der beiden Wege findet sich bei Jesus aufgenommen (v.a. Mt 7,13f.). Schliesslich ist auch der Schluss der Bergpredigt mit dem Gleichnis der beiden Häuser (Mt 7,24-27) weisheitlich gestaltet und nicht ganz ohne Analogie zu Ps 1 (vgl. die Baum/Spreu-Bilder) Paulus zur Gestaltung des Eph auf das sich auch in Ps 1,1 findende Triplett 'sitzen' (vgl. Eph 2,6, Indikativ/Gottesbezug), 'wandeln' (vgl. Eph 4,1ff., Imperativ/Ethik/Weltbezug) und 'stehen' (Eph

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6,14, Imperativ/Bezug gegen Teufel und böse Mächte) zurückgegriffen - wenn vielleicht auch nicht direkt aus Ps 1, so doch möglicherweise aus der jüdischen Tradition hat (B. Weber)." 6 "Gesetz des Herrn" (V. 2a): Im dt. löst der Ausdruck Gesetz meistens Assoziationen wie 'Reglementierung - sture Paragraphenreiterei - Enge - Rechthaberei' aus. Im Hebr. haben wir in V. 2a den Ausdruck "tora", der im dt. unglücklicherweise mit "Gesetz" übersetzt wird. Im Gegensatz zum dt. schwingt im hebr. bei dem Ausdruck "tora" eine ganz tiefe Dankbarkeit und Freude mit, denn hier wird die "tora" nicht als Gesetz, sondern als Weisung empfunden. Die "tora" hat das Volk Gottes in der Wüste erhalten (vgl. 2Mose 19ff), in einer Situation, wo es den Weg nicht mehr erkennen konnte, es orientierungslos wurde. In diese Situation hinein gibt Gott seinem Volk die tora, seine Weisung und sagt damit: Hier gehts lang, hier ist der Weg ins Leben, hier gehts zu mir! Auf diesem Hintergrund wird auch der Beginn von Psalm 1 verständlich, denn zu gratulieren ist dem, der Wegweisung hat, wenn er in der Wüste unterwegs ist und seinen Lebensweg nicht mehr erkennen kann. Wer das verstanden und erfahren hat, der findet Gefallen / Lust / Freude an der Wegweisung Gottes. Aber damit stellt sich die Frage, wie man diese Weisung Gottes (= tora) erhält, erkennt und versteht? Wie ist das "Forschen" bzw. "Sinnen" zu verstehen(V. 2b)? Eigentlich gehört das hebräische Verb hagah, das hier für das Schriftstudium (= forschen bzw. sinnen) gebraucht wird in zwei ganz andere Kontexte. Zum einen bezeichnet hagah das Gurren der Taube. In Jes 38 fleht der kranke König Hiskia Gott inständig um Hilfe an, und dieser flehentliche Hilferuf wird verglichen mit dem Gurren der Taube, die nach der dringend benötigten Nahrung sucht (Jes 38,14). Zum anderen bezeichnet hagah das zufriedene Knurren des Löwen, der Beute gemacht hat (Jes 31,4). Berücksichtigen wir diesen Zusammenhang, so geht es beim Betrachten der Weisung Gottes um ein hungerndes Verlangen nach einem klärenden, hilfreichen, wegweisenden Wort Gottes - das Gurren der Taube. Und dann folgt das zufriedene Genießen - das Knurren des Löwen, der sich seine Beute von niemandem streitig machen lässt und sich deshalb nicht erschrecken lässt. Das ist der Spannungsbogen, den es beim Studium der Schrift auszuhalten gilt. Das Studieren der Schrift ist ein "raunen", das leise, murmelnde "Sich-selbst-Vorlesen" der Schrift, das hingegebene, leidenschaftliche und sehnsüchtige Brummeln und Murmeln eines Menschen, der in seiner "Schriftrolle" mühsam Wort um Wort entziffert und mit halblauter Stimme ausspricht, um dann das Gelesene zu wiederholen, es sich klarzumachen und einzuprägen. Die Weisung Gottes ist lesbar, vorlesbar, verstehbar und damit erfahrbar. Wir können die Weisung vor uns hersagen, können das Wort genießen, verzehren. Doch es ist wie beim Essen. Man kann satt werden, wird ernährt. Aber man kann nie ein für allemal gegessen haben. Man kann nicht satt bleiben. So hat man das Wort nie ein für allemal, wie der Löwe auch nicht seine Beute nur einmal erlegt. Darum müssen wir suchend herumgehen wie eine Taube. Beides gehört zusammen, die Wonne am Vorhandenen und das Begehren dessen, was da, aber noch keineswegs einverleibt ist. Die Freude am Genießen kommt dabei durch das Verdauen des leidenschaftlich und sehnsüchtig gesuchten Wortes. So gilt: Das Wiederherholen der Stimme Gottes erfolgt durch das Wiederholen des Wortes.7

6

Beat Weber. Werkbuch Psalmen I: Die Psalmen 1-72. Stuttgart: W. Kohlhammer, 2001. S. 50. Vgl. auch ders. "Der Beitrag von Psalm 1 zu einer 'Theologie der Schrift'." Jahrbuch für evangelikale Theologie 20 (2006): S. 83-113.

7

Zum Vorhergehenden siehe Rudolf Bohren. Predigtlehre. 6. Aufl. Gütersloh: Chr. Kaiser, 1993. S. 349f und Michael Herbst, und Matthias Schreiber. ... wir predigen nicht uns selbst: Ein Arbeitsbuch für Predigt und Gottesdienst. Neukirchen-Vluyn: Aussaat, 2001. S. 49.

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SCHRITT 9: Die Aussage der Texteinheit präzise zusammenfassen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 9.1 (S. 154): Das Textthema formulieren Formulieren Sie das Textthema zu Ps 1: a) Worum geht es zentral in diesem Psalm (Was wird hier durchgängig behandelt?)? b) Was wird in diesem Psalm über den zentralen Gegenstand ausgesagt?

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 9.1: Textgegenstand (TG): Die Lebensweise auf Grund der ein Mensch zu beglückwünschen ist. Textaussage (TA): Diese Lebensweise orientiert sich an der beständigen Wegweisung Gottes und nicht an den vergänglichen Ratschlägen der Gottlosen. Textthema (TT = TG + TA): Die Lebensweise auf Grund der ein Mensch zu beglückwünschen ist, orientiert sich an der beständigen Wegweisung Gottes und nicht an den vergänglichen Ratschlägen der Gottlosen.

Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 9.2 (S. 160): Die Textgliederung erstellen Erstellen Sie unter Berücksichtigung der Leitlinien und unter Beachtung des von Ihnen angefertigten Textschaubildes eine Textgliederung von Ps 1 nach dem alphanumerischen Gliederungssystem!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 9.2: I.

Der Psalmist beschreibt den Lebensweg des Gottesfürchtigen A. Der Gottesfürchtige lebe nicht unter dem Einfluss und in enger Gesellschaft der Gottlosen B. Der Gottesfürchtige orientiert sich beständig an der Weisung Gottes C. Der Gottesfürchtige gleicht einem beständig fruchtbringendem Baum D. Der Gottesfürchtige führt ein gelingendes Leben

(V. 1) (V. 2) (V. 3a-c) (V. 3d)

II.

Der Psalmist beschreibt den Lebensweg des Gottlosen A. Der Lebensweg des Gottlosen ist wie Spreu im Wind B. Darum hat der Lebensweges des Gottlosen keinen Bestand 1. Der Gottlose besteht nicht im Gericht Gottes 2. Der Gottlose besteht nicht in der Gemeinde der Gerechten

(V. 4+5) (V. 4) (V. 5) (V. 5a) (V. 5b)

III.

Der Psalmist beschreibt die Konsequenzen der beiden Lebenswege A. Der Weg des Gottesfürchtigen führt zur Anerkennung Gottes B. Der Weg des Gottlosen führt ins Verderben

(V. 6) (V. 6a) (V. 6b)

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(V. 1-3)


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SCHRITT 10: Sich der Bedeutung der Texteinheit für heute stellen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 10 (S. 171): Lässt der Geltungs- und Gültigkeitsbereich der heilsgeschichtlichen Epoche eine direkte Übertragung und Anwendung zu? Wird ein theologisches Prinzip in verschiedenen Zeiten und Situationen in der Bibel übernommen bzw. fortgeführt? Bestehen Parallelen zwischen der damaligen und der gegenwärtigen Situation? Gibt es Hinweise, die ausschließlich mit der damaligen kulturellen Praxis zu erklären sind?

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 10: Der Psalm 1 wird im NT nicht direkt zitiert bzw. ausgelegt und angewendet. Im Hinblick auf die Auslegung und Anwendung des AT, besonders der Psalmen, gibt der Apostel dem heutigen Ausleger folgenden Grundsatz mit auf den Weg: "Denn alles, was in früherer Zeit geschrieben wurde, wurde zu unserer Unterweisung geschrieben, damit wir durch die Standhaftigkeit und durch die Seelsorge der Schriften die Hoffnung festhalten" (Römer 15,4; beachte den Zusammenhang von V. 3-7 in Römer 15). "Die 'Schwarz-weiss-Malerei' einer weisheitlichen Theologie, wie sie sich in Ps 1 (und andern Psalmen) zeigt, hat ihren Platz nicht nur in der Bibel, sondern auch in der heutigen Verkündigung. Anders als etwa in der Seelsorge, wo verschiedene 'Graustufen', d.h. Zwischentöne, gefragt und gefordert sind, liebt die Weisheit mit ihrer pädagogischen Ausrichtung das 'Entweder-Oder', kontrastiert zwei gegensätzliche Lebensweisen in grundsätzlicher Art: die Lebensweise des einen Gerechten und diejenige der (vielen) Gottlosen bzw. Frevler. Dabei geht es nicht um eine 'Schubladisierung' der Menschen - die Trennlinie verläuft ja nicht selten durch das eigene Herz! Mit der 'Glücklich-Preisung' verbindet sich keine Einengung, sondern eine Einweisung in dem Sinn, als der deutliche Gegensatz von Gerechtem und Frevlern klärend dazu helfen kann, aus relativierendem Abwehrverhalten und der Beliebigkeit des 'Sowohl-als-Auch' herauszutreten, an der 'Weisung Gottes' (und damit auch am Psalmenbuch als Wort Gottes) Mass zu nehmen und zu einer (Neu-) Verpflichtung gegenüber Gott und seinem Wort zu kommen. Die Weisheit als 'pädagogische Theologie' will also aus dem verschleiernden Sowohl-als-Auch im Sinne der unheilvollen Vermischung von Motiven und Handlungsweisen herausführen und Klärungen initiieren im Lichte dessen, der 'klar', gerecht und ganz Licht ist. Das aber geht nicht ohne Abgrenzungen, nicht gegen Menschen, sondern gegen deren Verhaltensweisen (die Abgrenzung geschieht vom 'Weg der Sünder', nicht vom 'Sünder'!). Das aber kann nur in guter Weise gelingen durch die Meditierung, ja die 'Einverleibung' der (Weg-) Weisung bzw. der Heiligen Schrift (die Übersetzung von [...] 'Tora' mit 'Gesetz' assoziiert falsche Vorstellungen und ist zu meiden!). 'Ps 1 und Ps 2 ‘begrüssen‘ den Psalmenbuchleser und Ps 149 und Ps 150 ‘verabschieden‘ ihn. Beides geschieht programmatisch. Diese ‘Eckpsalmen‘ sind wie zwei Portale, die der Psalmenbeter durchschreiten soll, um die einzelnen Psalmen ‘recht‘ zu beten und aus ihnen ‘gerecht‘ hinauszugehen - in das Leben! Ps 1 und Ps 2 sind von den Redaktoren mit Bedacht an den Anfang gesetzt. Sie stellen das Psalmenbuch in das Licht der Torafrömmigkeit (Ps 1) und der Messiashoffnung (Ps 2) - beides jedoch unter dem übergreifenden Vertrauen auf die Jahweherrschaft (1,6; 2,l1).'(E. Zenger)."8

8

Beat Weber. Werkbuch Psalmen I: Die Psalmen 1-72. Stuttgart: W. Kohlhammer, 2001. S. 51.

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Helge Stadelmann / Thomas Richter: Bibelauslegung praktisch: In zehn Schritten den Text verstehen. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

Lösungsvorschläge zu den Aufgaben zur Einübung der Arbeitsschritte 1-10: Epheser 4,1-61 1

Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn, euer Leben würdig der

Berufung zu führen, zu der ihr berufen wurdet, 2

mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragend,

3

wobei ihr euch eifrig dafür einsetzt, die Einheit, die vom Geist [gewirkt ist], zu

bewahren durch das Friedensband: 4

ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer

Berufung; 5

ein Herr, ein Glaube, eine Taufe;

6

ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.

1

Diese Übersetzung (= Helge Stadelmann: Epheserbrief. Edition C Bibelkommentar 14, S. 150. Neuhausen: Hänssler, 1993) berücksichtigt bereits die Ergebnisse der exegetischen Analyse nach der 10-Schritt-Methode und ist in diesem Sinne das Produkt einer "praktischen" Bibelauslegung.

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Lösungen zu Eph 4, 1-6 in Stadelmann / Richter: Bibelauslegung praktisch. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

SCHRITT 1: Mit dem Text vertraut werden Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 1.2 (S. 43): Den Gedankengang der Texteinheit aufnehmen Formulieren Sie in einem kurzen, vollständigen Satz den Hauptgedanken dieses Textes! Erzählen Sie in eigenen Worten den Gedankengang von Eph 4,1-6 kurz und prägnant nach, um den roten Faden zu beschreiben!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 1.2: a) Hauptgedanke als Arbeitshypothese: Epheser 4,1-6 fordert von den Adressaten die Bewahrung der vom Heiligen Geist vorgegebenen Einheit. b) Nacherzählung zum Erkennen des Gedankenganges: Paulus fordert die Adressaten auf, sich für die Einheit einzusetzen (V. 1-3), indem er sie zuerst daran erinnert (vgl. Eph 1-3) wozu Gott sie berufen hat (V. 1) und ihnen dann aufzeigt, wie dieser Einsatz für die Einheit konkret aussieht: Die Einheit wird in Demut, Sanftmut und langmütigen und liebevollem Ertragen bewahrt (V. 2-3). Da die Einheit nur zu bewahren und nicht erst zu erschaffen ist, nennt Paulus auch die Vorgaben Gottes für die Einheit (V. 4-6). Paulus führt hier dreimal drei Fakten an. Die ersten drei Einheitsfakten sind 'ein Leib', 'ein Geist' und 'eine Hoffnung' (V. 4), dann folgen 'ein Herr', 'ein Glaube' und 'eine Taufe' (V. 5) und abschließend ist die Rede von dem einen 'Gott und Vater', der 'über allen', 'durch alle' und 'in allen' ist (V. 6).

Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 1.3 (S. 46): Die Stolpersteine markieren Erstellen Sie anhand der im Buch aufgeführten (und ähnlicher) Fragen eine Liste von wenigstens fünf Problempunkten zu Eph 4,1-6, die in der folgenden exegetischen Analyse geklärt werden sollten!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 1.3: a) Wie haben wir uns die Situation eines Gefangenen in der damaligen Zeit vorzustellen (V. 1)? b) Wieso beginnt unsere Texteinheit mit einer "Ermahnung" (V. 1)? c) Was ist mit dem Begriff 'Liebe' von Paulus konkret gemeint (V. 2)? d) Mit welcher Literaturform haben wir es in den Versen 2 und 3 zu tun? e) Was ist mit der Aussage gemeint, dass Gott unser Vater „durch alle“ ist (V. 6)?

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Lösungen zu Eph 4, 1-6 in Stadelmann / Richter: Bibelauslegung praktisch. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

SCHRITT 2: Die Textbasis feststellen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 2 (S. 61): Vergleichen Sie genau drei Übersetzungen miteinander (wobei zumindest eine wortgetreu und eine sinngetreu sein soll)! Am besten führen Sie den Übersetzungsvergleich durch, indem Sie sich die Übersetzungen in drei Kolumnen auf einem Blatt gegenüberstellen. Stellen Sie größere Abweichungen fest, die nicht durch den Unterschied von wort- und sinngetreuer Übersetzung erklärt werden können? Notieren sie sich drei bis vier Punkte, bei denen die gleiche Sache unterschiedlich ausgedrückt wird!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 2: Markante Unterschiede im Übersetzungsvergleich der Elberfelder Bibel, der Hoffnung für alle und der Übersetzung aus dem Kommentar zum Epheserbrief von Helge Stadelmann: V. 1: Die Elberfelder Bibel und Stadelmann verwenden den Fachbegriff 'berufen', der von der Hfa erklären, aber eingrenzend übertragen wird ('zu seinen Kindern gemacht'). V. 3: Die Elberfelder Bibel und Stadelmann sprechen von der Bewahrung der Einheit durch das Band des Friedens bzw. Friedensband, während die Hfa dazu auffordert alles daran zu setzen, die Einheit nicht durch Unfrieden zu zerstören. V. 3: Stadelmann und Hfa geben den Ausdruck 'Einheit des Geistes' erklärend wieder: "Einheit die vom Geist gewirkt bzw. geschenkt ist. V. 4: Die Hfa beginnt mit dem erklärenden Zusatz: 'Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum ...'. V.6: Die Hfa übersetzt den Vers bereits erklärend, während bei Elb + Stadelmann zunächst offen bleibt, was mit dem Ausdruck 'durch alle' gemeint ist.

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SCHRITT 3: Die ursprüngliche Kommunikationssituation klären Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 3 (S. 76): Lesen Sie die Artikel - „Ephesus“ von E.M.B. Green und C.J. Hemer in Das große Bibellexikon, Hg. Burkhardt / Grünzweig / Maier, S. 318-321 und - Die „Einführung und Gliederung“ zum Epheserbrief von H.W. Hoehner in Das Neue Testament erklärt und ausgelegt, Bd. 5, Hg. Walvoord / Zuck, Hänssler, S. 147-150! Wie haben wir uns die Situation eines Gefangenen in der damaligen Zeit vorzustellen (V. 1)? Was ist mit der Aussage in V. 6 gemeint, dass Gott unser Vater „durch alle“ ist?

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 3: a) Wie haben wir uns die Situation eines Gefangenen in der damaligen Zeit vorzustellen (V. 1)? Vgl. hierzu Eph 4,1 mit Eph 3,1; 6,20; Phil 1,12-14; Kol 4,18; Phlm 9 Zur Situation eines Gefangenen siehe z.B. Apg 16,22-24.35-40 (= Phil 1,7); 24,23; 28,16f.23.30. b) Was ist mit der Aussage in V. 6 gemeint, dass Gott unser Vater „durch alle“ ist? "Ähnlich wie in 3,14f wird Gott vertrauensvoll als Vater genannt, aber eben als der über alles erhabene, allwirksame und allgegenwärtige Vater. Er ist 'über allen', d.h. hoch erhoben über alle seine Kinder. Keiner steht in privilegierter Sonderstellung neben ihm. Gleichermaßen unterstehen sie alle dem einen Herrn - Zugleich ist er 'durch alle' am Werk, d.h. seine Kinder sind Werkzeuge seines Wirkens. Keiner kann sich rühmen, allein von Gott gebraucht zu sein. Gleichermaßen sind sie zu seinem Dienst berufen; und was immer an Frucht im Dienst des einzelnen sichtbar wird, es ist Wirkung des einen himmlischen Vaters. - Schließlich ist er auch 'in allen', d.h. er wohnt aufgrund des Glaubens durch seinen Geist in jedem Gläubigen. Kein Kind Gottes kann beanspruchen, Gott sei nur in ihm. Gleichermaßen empfangen alle Menschen, die sich im Glauben zu Jesus bekennen, den Geist und damit die Gegenwart Gottes, die sich lebensverändernd - etwa in einem von der Liebe geprägten Leben - äußert (vgl. 1Joh 4,15+16b)."2

2

Stadelmann, Epheserbrief, S. 157.

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SCHRITT 4: Den Zusammenhang der Texteinheit erfassen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 4 (S. 88): Nehmen Sie eine Gliederung des Epheserbriefes zur Hand (Menge-Bibel, Bibellexikon, Kommentar o.ä.) und lesen Sie den ganzen Brief unter ständigem Vergleich mit dieser Gliederung! Konzentrieren Sie sich zuerst auf Kap. 1-3 (Worum geht es hier?), dann auf Kap. 4-6 (Worum geht es hier?). Was ist das zentrale Thema des Epheserbriefes? Was bedeutet es, dass Kap. 4 mit "Ich ermahne euch nun" beginnt? (Beachten Sie dabei, dass Kap. 3 mit einem Lobpreis schließt). Welche Themen werden in Kap. 4-6 nacheinander behandelt? Bestimmen Sie Thema und Funktion von Eph 4,1-6 in seinem unmittelbaren Kontext!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 4: Der Epheserbrief ist in 4 Hauptabschnitte zu unterteilen. Paulus beginnt den Brief mit einer Einleitung (1,1-2) und beendet ihn mit einem Schlusswort (6,21-24). Dazwischen müssen 2 Gedankengänge die aufeinander aufbauen unterschieden werden. Der Hauptteil des Briefes beginnt mit einem dogmatischen Teil, indem der Heilsplan Gottes mit der Gemeinde als Lehre entfaltet wird (1,3-3,21). Der Gedankengang von Paulus wechselt dann von der Theorie zur Praxis, indem er an den dogmatischen Teil einige ethische Anweisungen (Ermahnungen) anschließt, die verdeutlichen sollen, wie die Lehre von der Gemeinde im alltäglichen Leben umgesetzt werden soll (4,1-6,20). Wie Gemeinde nach dem Willen Gottes entsteht und wirkt ist somit ein Ziel des Briefes. In Kap 1-3 geht es um die theologische Entfaltung des göttlichen Heilsplans mit der Gemeinde: Gemeindelehre nach dem Willen Gottes. In diesem lehrhafte Teilen des Briefes geht es also darum, dass nach Gottes Plan aus geretteten Juden und Heiden die Gemeinde gebildet wird. In Kap 4-6 geht es um die praktische Umsetzung des göttlichen Heilsplans in der Gemeinde: Gemeindeleben nach dem Willen Gottes. In diesem praktischen Teil des Briefes geht es also darum, dass das Leben der Gemeinde nun auch diesem neuen Heilsstand entsprechen soll. Die Formulierung des Thema des Epheserbriefes erfolgt in Analogie zur Formulierung des 'Textthemas' (vgl. S. 150-154): Damit kann als Gegenstand des Briefes formuliert werden: Der göttliche Heilsplan mit der Gemeinde. Die zentrale Aussage des Briefes lautet: Dieser Wille Gottes soll im alltäglichen Leben verwirklicht werden. Daraus ergibt sich nun als Thema des Briefes: Der göttliche Heilsplan mit der Gemeinde und dessen Verwirklichung im alltäglichen Leben! In 4,1 beginnt Paulus nun mit der Schilderung des praktischen Gemeindelebens nach dem Willen Gottes. Das zweite Gebet von Paulus (3,14-21), leitet von der Gemeindetheorie zur Gemeindepraxis über. In dieser Fürbitte erbittet Paulus die Grundlagen für die praktische Umsetzung des Gemeindelebens und bespricht 4 grundlegende Themen mit der Gemeinde. Er nimmt das Thema von der Einheit der Gemeinde noch einmal auf und erklärt so zuerst wie die praktische Umsetzung erfolgen soll (4,1-16). In einer zweiten Einheit spricht er den neuen Wandel der Gemeinde ganz allgemein an (4,17-5,20) und konkretisiert dieses Thema an Hand der Beziehungen in der Seite 5 / 16


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Gemeinde (5,21-6,9). Zum Abschluss widmet er sich dann dem Thema des geistlichen Kampfes. Die Gemeinde soll vorbereitet werden, denn sie muss mit Widerstand durch den Widersacher rechnen (6,10-20). Das Gemeindeleben ist immer von Gefahren von innen und außen bedroht, welchen es zu widerstehen gilt. In 4,1-16 kommt Paulus zur praktischen Verwirklichung der von Gott gewollten Einheit in der Gemeinde. Da die Einheit von Juden und Heiden ein ewiger Vorsatz Gottes war, stellt Paulus dieses Thema "nun" (4,1) auch an den Anfang. Bei der Umsetzung der Einheit muss zwischen den Gemeinsamkeiten (4,1-6) und der Vielfalt (4,7-16) innerhalb der Gemeinde unterschieden werden. Die Gemeinsamkeiten sind ein Zeichen der Einheit, während die Vielfalt zur Umsetzung des gemeinsamen Auftrages dient. Die Gemeinsamkeiten in der Gemeinde dienen als Zeichen der Einheit (4,1-6), denn die Gemeinden haben zum einen, eine gemeinsame Berufung zum würdigen Wandel in Demut, Sanftmut, Langmut und ertragender Liebe (4,1-3) und zum anderen eine gemeinsame Berufung zur Bewahrung der Einheit. Hierbei handelt es sich um die 7-fache Einheit durch einen Leib, einen Geist, eine Hoffnung, einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe und einen Gott und Vater (4,4-6). Die Vielfalt in der Gemeinde dient dem gemeinsamen Auftrag (4,7-16), denn nach dem Wesen der Gemeinde kommt Paulus auf den Auftrag zu sprechen. Gott hat eine Vielfalt von Gaben geschenkt zur Verwirklichung des gemeinsamen Auftrages. Es gibt zwar Vielfalt in der Zuteilung von Gaben, aber es gibt nur einen gemeinsamen Geber (4,7-10). Es gibt zwar Vielfalt in der Verteilung von Diensten, aber alles dient dem gemeinsamen Auftrag (4,11-14). So gibt Gott die verschiedenen Dienste der Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer, aber dies dient zur gemeinsamen "Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes" (4,12). Und schließlich gibt es eine Vielfalt in der Aufteilung der Aufgaben, aber es gibt ein gemeinsames Ziel (4,15-16).

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SCHRITT 5: Die Textart der Texteinheit untersuchen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 5 (S. 120): Lesen Sie nochmals nach, was wir im Schritt 5 über die Briefgattung (S. 94f) und ihre Formen geschrieben haben, als wir verschiedene neutestamentliche Literaturgattungen behandelten (S. 104-107)! Sehen Sie unter der Bezeichnung „Paränetische Formen“ nach (S. 107), mit welcher Literaturform wir es in Eph 4,2f. zu tun haben!

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 5: Eph 4,2-3 gehört von der Literaturform her zu den Tugendkatalogen. "Der moderne Mensch empfindet Aufzählungen im allgemeinen als langweilig. Die Griechen und Orientalen des Altertums dagegen kannten 'eine vom Gegenstand unabhängige Wonne des Aufzählens'. [...] Im übrigen finden wir katalogartige Reihen und Aufzählungen im Neuen Testament vor allem in der Briefliteratur. Sie nehmen in den Tugend- und Lasterkatalogen festere Formen an. [] Sie dienen zumeist der Paränese [= Ermahnung]."3 "Die Kataloge beschreiben Taten, nicht Personen im ganzen, sondern bestenfalls 'Täter' und sind damit sehr typenhaft ausgerichtet. Gerade darin aber wird ihr paränetischer Sinn erkennbar: Sie wollen vor Einzeltaten warnen (und nicht Außenstehende im einzelnen charakterisieren). Weil jede Liste unvollständig sein muß, haben die Kataloge die Funktion einer Grenzabsteckung. Ziel ist vor allem, vor einem Rückfall in das Stadium vor der Bekehrung ('Heidentum') zu bewahren. Dieses tun diese Kataloge zeichenhaft und beispielhaft."4

3

4

Marius Reiser: Sprache und literarische Formen des Neuen Testaments: Eine Einführung, S. 164-167. UTB 2197. Paderborn: Schöningh, 2001. Klaus Berger: Formen und Gattungen im Neuen Testament, S. 208f. UTB 2532. Tübingen: A. Francke, 2005.

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SCHRITT 6: Die Begriffe und ihre Verbindung in der Texteinheit erkennen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 6.1 (S. 128): Die Wörter der Texteinheit wägen Was ist mit dem Begriff „Liebe“ (V. 2) im Neuen Testament und hier bei Paulus gemeint? (Im Grunde müsste hier ein gründliches Wortstudium aller in V. 4-6 gebrauchten Begriffe erfolgen).

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 6.1: "Wie kann man so 'in Langmut einander ertragen'? Nur mittels der 'Liebe' (griech.: der Agape), die den anderen nicht um seiner Vorzüge willen liebt und ihn nicht nur liebt, solange er sich wohlverhält. Vielmehr tut die Agape auf Vorschuß hin Liebes, auch wenn noch kein Wohlverhalten sichtbar wird - und das immer wieder. Aus dieser ausdauernd geduldigen und liebevollen Haltung heraus soll es zu einem eifrigen Einsatz für die Einheit der Gemeinde kommen."5 Ausführlich Informationen zur "Agape" finden sie bei M. Tilly / T. Söding: "Liebe/Haß: agapaō." Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament, S. 1318-1326. Hg. Lothar Coenen und Klaus Haacker. Neubearbeitete Sonderauflage Wuppertal: R. Brockhaus, 2005 [leider wird hier aus einer historisch-kritischen Sichtweise heraus von der Existenz von "Deuteropaulinen" ausgegangen, eine Sichtweise, die wir nicht teilen]. und Heiko Krimmer: "Liebe." Das große Bibellexikon. Bd. 2: S. 890f. Hg. Helmut Burkhardt u.a. Wuppertal: R. Brockhaus, 1988.

5

Stadelmann, Epheserbrief, S. 152.

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Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 6.2 (S. 132): Die Sätze der Texteinheit analysieren Analysieren Sie die verbindenden und einleitenden Wörter und stellen Sie somit fest, in welchem inhaltlichen Zusammenhang die verschiedenen Satzglieder der Texteinheit stehen! Welche Aussagen werden getätigt, welche Anordnungen Möglichkeiten erwogen und welche Wünsche geäußert?

getroffen,

welche

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 6.2: "'Nun' [V. 1], nachdem den Lesern von Eph 1-3 her klar vor Augen steht, was Gott zum Bau seiner Gemeinde geplant und verwirklicht hat, und deutlich ist, daß sie selbst an diesem Heil Anteil bekommen haben und mit Gottes Hilfe darin wachsen - 'nun' ist die Zeit gekommen, ihnen zu sagen, was sie auf dieser Grundlage ihrerseits tun sollen. Zu diesem Zweck 'ermahnt' sie Paulus. Das Wort, das wir hier mit 'ermahnen' übersetzt haben (parakaleo), hat ein breites Bedeutungsspektrum: 'ermahnen, ermuntern, trösten' kann es heißen. Dieses Ermahnen hat also weniger mit Drohen zu tun; vielmehr mit ernstem Zureden, mit Motivieren Alles, was im folgenden bis Eph 6 gesagt werden wird, ist solch eine 'Paraklese', ein eindringliches Aufmuntern zu ganz konkreten, von Gott ermöglichten Verhaltensweisen. Dieser Ermahnung verleiht der Apostel durch den Hinweis auf seine Gefangenschaft (V. 1b) noch persönlichen Nachdruck; denn von 3,1 her ist ja klar, daß er als ein Gefangener um Christi willen leidet. Die Ermahnung kommt also von jemandem, der sich selbst unter Einsatz seines Lebens als Christ bewährt und nicht nur bloße Worte macht. Ganz allgemein geht es bei der Ermahnung (bis Kap. 6!) darum, daß die Gemeindeglieder 'ein Leben würdig der Berufung' führen, 'zu der (sie) berufen' wurden (V. 1c). Adel verpflichtet Gotteskindschaft und die Berufung als Glied der neutestamentlichen Gemeinde verpflichten auch. Denken wir nur an 1,4 und 1,12, wo deutlich wurde, daß es die Berufung der Kinder Gottes ist, als 'Heilige und Untadelige vor ihm' zu leben und da zu sein 'zum Lob seiner Herrlichkeit'. Gerade dort in 1,3-14 hatte Paulus im einzelnen entfaltet, wozu Gott seine Erwählten berufen hat (s. dort den Kommentar; vgl. auch 2,15-21; 3,6.10.16-19). Im ganzen Eph spielt die Frage nach der Lebensführung - negativ und positiv - eine wichtige Rolle (vgl. 2,2+10; 4,1+17; 5,1.8.15). Das macht deutlich, daß der Brief kein bloßes Idealbild der Gemeinde zeichnen will: es geht um den konkreten Wandel der Gemeindeglieder, früher und jetzt! In den Vv. 2-3 nennt der Apostel nun die ersten Elemente, die zu einem würdigen Wandel gehören. Sie alle haben mit einem Verhalten zu tun, das die Einheit in der Gemeinde fördert. Würdig zu wandeln - das heißt erstens, 'mit aller Demut und Sanftmut' mit den Glaubensgeschwistern umgehen (V. 2a). [...] Das zweite Element eines würdigen Wandels ist: 'mit Langmut einander in Liebe ertragend, wobei ihr euch eifrig dafür einsetzt, die Einheit, die vom Geist (gewirkt ist), zu bewahren durch das Friedensband' (Vv. 2b-3). [...]. Was Paulus im einzelnen mit dieser 'Einheit', die vom Geist (gewirkt bzw. vorgegeben ist)', meint, sagt er in den Vv. 4-6. Diese Verse erklären näher, wie die vom Geist vorgegebene Einheit (V. 3b) zustande kommt. Sieben 'Einheitsfaktoren' begründen diese geistliche Einheit, die Menschen nicht machen, sondern nur bewahren können: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott (V. 4-6)."6

6

Stadelmann, Epheserbrief, S. 150-153.

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Lösungen zu Eph 4, 1-6 in Stadelmann / Richter: Bibelauslegung praktisch. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

SCHRITT 7: Den Gedankengang der Texteinheit entfalten Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 7 (S. 140): Erstellen Sie ein Textschaubild von Eph 4,1-6! Beachten Sie besonders, wie V. 4-6 strukturell einzuordnen sind! Woran knüpft die Aufzählung dieser Verse inhaltlich an? Leiten Sie aus dem Textschaubild die Struktur des Gedankenflusses der Texteinheit ab!

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 7: Textschaubild zu Epheser 4,1-6: 1

Ich ermahne euch nun, ich der Gefangene im Herrn, euer Leben würdig der Berufung zu führen, zu der ihr berufen wurdet,

2

mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragend,

3

wobei ihr euch eifrig dafür einsetzt, die Einheit, die vom Geist [gewirkt ist], zu bewahren durch das Friedensband:

4

ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung;

5

ein Herr, ein Glaube, eine Taufe;

6

ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.

Zur Struktur von Epheser 4,1-6: 1.

Unser Einsatz für die Einheit (V. 1-3)

2.

Gottes Vorgaben für die Einheit (V. 4-6)

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SCHRITT 8: Verbleibende Probleme der Texteinheit lösen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 8 (S. 147): Verbleibende Probleme der Texteinheit lösen Welche theologischen Aussagen zur biblischen Lehre enthält die Texteinheit? Welche Aussagen zum schriftgemäßen Leben enthält die Texteinheit?

Lösungen zur Einübung des Arbeitsschritts 8: "Sieben 'Einheitsfaktoren' begründen diese geistliche Einheit, die Menschen nicht machen, sondern nur bewahren können: ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott (Vv. 4-6). Paulus wird dies alles nicht umsonst so betonen. Das religiöse Klima damals, auch in der Provinz Asia, war von einer starken Tendenz zur Religionsvermischung (= Synkretismus) bestimmt. Im totalen Gegensatz dazu läßt sich der Glaube der christlichen Gemeinde aber nicht viele Wege offen. Es gibt für ihn jeweils nur eine Wahrheit, nicht viele. Die eine Heilswirklichkeit, zu der die Gemeinde sich bekennt, ist ihre Basis und ihr Einheitsband. Daran festzuhalten gehört zu dem 'würdigen Wandel' (V. 1) eines Christen. In der Aufzählung der Vv. 4-6 herrscht, wie wir gleich sehen werden, Dreigliedrigkeit vor. Die ersten drei Begriffe, die zusammengehören, sind 'ein Leib', 'ein Geist' und 'eine Hoffnung' (V 4). Diese Begriffe tauchten schon in 2,11-22 auf - einem Abschnitt, in dem die Einheit der Gemeinde behandelt wurde: gerettete Juden und Heiden wurden in dem einen Leib zusammengefügt, haben in dem einen Geist Zugang zum Vater und haben nun die gleiche Hoffnung. Der 'eine Leib' ist der Leib Christi, d.h. die aus der Gesamtheit aller Glaubenden gebildete universale Gemeinde (1,2223). Es gibt nur diese Gemeinde, keine andere! - Der 'eine Geist' ist der Heilige Geist, den jedes Glied der Gemeinde empfangen hat, als es gläubig wurde (1, 13). Und jedem Glaubenden wurde dieser Geist bei seiner Berufung als Christ als ein Angeld der kommenden Herrlichkeit - und damit als Vergewisserung der christlichen Hoffnung - verliehen (1,13-14). Das eint! Alle haben das gleiche Ziel, alle gehören zu der gleichen universalen Gemeinde, und alle haben den gleichen Geist empfangen, durch den sie (nach 1Kor 12,13) in den Leib Christi hineingetauft wurden, und der nun Garant ihrer Hoffnung ist. Die nächsten drei Begriffe, die zusammengehören, sind 'ein Herr', 'ein Glaube', 'eine Taufe' (V. 5). Der eine 'Herr', den die Gemeinde kennt und dem sie gehört, ist Jesus. Er ist der Kyrios (= griech. Wort für 'Herr'). Der Kyrios-Titel hatte für die apostolischen Gemeinden in doppelter Hinsicht eine besondere Bedeutung: a) In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments wurde der Gottesname 'Jahwe' in der Regel mit 'Kyrios' übersetzt. Da die ersten Christen das griechische Alte Testament als ihre Bibel hatten, schwang für sie im Bekenntnis zu Jesus als dem Kyrios immer das Bekenntnis zu seiner Gottheit mit. b) Zugleich war ihnen bewußt, daß der Kaiser in Rom sich als 'Kyrios und Gott' bezeichnete. Für sie als Christen war es aber völlig klar, daß es nur einen Kyrios gibt: Jesus! Sie bekannten: Auch wenn es in der Welt 'viele Götter und viele Herren gibt, so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, ... und einen Herrn, Jesus Christus' (1Kor 8,5 f). Und: 'Niemand kann Jesus als Kyrios bekennen, außer durch den Heiligen Geist' (1Kor 12,3). - Dem einen 'Herrn' entspricht der eine 'Glaube' an diesen Herrn. Nach apostolischem Verständnis glaubt nicht einfach jeder, was er will. Es gibt nur das eine Evangelium, daß der Mensch durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus gerechtfertigt wird vor Gott. Wer etwas anderes glaubt, steht unter Gottes Fluch (Gal 1,8f u. 3, 1ff). Diesen Glauben - oder, wie man auch übersetzen könnte, dieses Vertrauen auf Jesus bzw. diese Treuebindung an ihn - wirkt der Heilige Geist (Gal 5,22) durch die Verkündigung des Wortes Gottes (Rö 10,17). - Und so, wie es nur einen 'Herrn' gibt und den einen 'Glauben' an ihn, gibt es - biblisch gesehen - auch nur 'eine Taufe'. Es ist die Taufe auf den Namen des Herrn Jesus Christus bzw. den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Seite 11 / 16


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Geistes (Apg 2,38; Mt 28,19; vgl. 1Kor 1,13-16), die alle anderen Taufriten - wie etwa die der dort und damals verbreiteten Mysterienreligionen - ausschloß und selbst an die Stelle der Johannestaufe trat (vgl. Apg 19,1-5). Zu neutestamentlichen Zeiten finden wir folgende Praxis sicher bezeugt: Wer durch das Evangelium zum Glauben an den Herrn Jesus Christus kam, wurde auf seinen Namen getauft (Mk 16,16; Apg2,37-41; 8,35-38; 9,17f; 10,44-48; 18,8; 19, 1-5). Glaube und Taufe gehörten zusammen. Eine Taufe ohne Glauben wäre auch angesichts dessen, was die Taufe inhaltlich ausdrücken will, schwer zu verstehen. Denn in der Taufe auf den Namen des Herrn sollte unter anderem bezeugt werden, daß dieser Täufling diesem Herrn als sein Eigentum zugehörte Vom Evangelium her kann diese Zugehörigkeit zu Christus aber weder die Abstammung von gläubigen Eltern garantieren noch irgendeine wirkkräftige heilige Handlung, sondern mir der Glaube, der aus einem verlorenen, von Gott getrennten Sünder ein gerechtfertigtes Gotteskind macht, das mit allen auf den Namen des gleichen Herrn getauften Gläubigen in Einheit verbunden ist. Manche Ausleger des Neuen Testaments haben allerdings gefragt, ob es zu neutestamentlicher Zeit nicht eine Ausnahme von der Gläubigentaufe gab, nämlich die 'Haustaufen', die in der Apostelgeschichte verschiedentlich erwähnt werden (Apg 16,14-15 + 31-33). Wurden zu diesen Anlässen möglicherweise auch die kleinen Kinder der Gläubigen getauft? Die Frage ist aber, ob dies inhaltlich die gleiche 'eine Taufe' mit der gleichen Bedeutung wäre wie die Taufe von Gläubigen. Zu beachten ist zudem, daß im Zusammenhang der 'Haustaufen' nie ausdrücklich von einer Taufe von Kleinkindern die Rede ist. (In Apg 16,31ff wird sogar ausdrücklich die Taufe mit dem Glauben verbunden: Allen 'im Hause' des Kerkermeisters wurde das Evangelium verkündigt, V.32; er und sein 'Haus' wurden getauft, V. 33; und er 'samt allen in seinem Haus' freute sich, daß er zum Glauben gekommen war. - Und auch in Apg 10 ist von einer 'Hausbekehrung' die Rede: alle im Haus sind fromm und gottesfürchtig, V. 2; allen wird das Evangelium verkündigt, V.34ff; alle, die das Wort hören, werden gläubig, V. 44f; und schließlich werden alle, die den Geist empfangen haben, getauft, V.47-48.) Kann man, wenn man dies sieht, mit Zuversicht sagen, daß die 'Haustaufen' in der Bibel ein zweites Modell der Taufe darstellen, das nicht den Glauben der zu Taufenden voraussetzt, sondern auf Hoffnung hin tauft oder gar Heil ohne persönlichen Glauben vermittelt? Andererseits ist sicher, daß es in der Kirchengeschichte nicht bei der Taufe der Glaubenden geblieben ist. Dies macht es in der Christenheit heute schwer, mit Paulus von der einen Taufe zu sprechen. Es bleibt daher die Aufgabe, darum zu ringen, was die eine Taufe nach dem Neuen Testament ist. Schließlich kommt es zu einem dritten Dreiklang (V. 6). Die Rede ist von dem einen 'Gott und Vater', von dem gesagt wird, daß er 1. 'über allen', 2. 'durch alle' und 3. 'in allen' ist. Daß es nur einen Gott gibt, war schon inmitten einer heidnischen Umwelt mit ihrer Vielgötterei das unerschütterliche Zeugnis des alttestamentlichen Bundesvolkes. 'Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der eine Herr!' (5Mo 6,4). Dieses Bekenntnis sprach jeder Israelit täglich aus. Auch die gesamte neutestamentliche Gemeinde bekennt sich zu dem einen Gott. Dieses gemeinsame Bekenntnis eint sie. - Wenn er hier als Gott-Vater angesprochen wird, dann an dieser Stelle nicht im Sinn von: 'der Vater Jesu Christi' (wie etwa in Rö 15,6); sondern er wird als der 'Vater aller' bezeichnet. Bei dem jüdischen Philosophen Philo ist dieser Ausdruck häufig die Bezeichnung für Gott als den Schöpfer aller Menschen (spec leg 1, 13f; ebr 81; u.ö.; vgl. im AT auch Mal 2,10). Hier ist damit aber wohl gemeint: Vater aller Gläubigen, denn von diesen 'allen' wird im gleichen Vers gesagt, daß er 'in' ihnen ist. Und (im Gegensatz zu allen pantheistischen Vorstellungen hellenistischer Philosophen) ist nach dem Neuen Testament die Innewohnung Gottes ja nicht etwas, das für alle Menschen zutrifft, sondern etwas, das dem Glaubenden geschenkt ist, indem Gott durch seinen Geist in dem einzelnen Wohnung nimmt (vgl. Hes 36,27; Joh 14, 17+23; Rö 8,9; 1Kor 3,16; Eph 2,22). Manche Ausleger beziehen das Wort 'alle' in V. 6b auf unterschiedliche Menschen: zunächst sei von Gott als dem Vater aller Menschen die Rede, insofern er als ihr Schöpfer über allen steht (vgl. 3, 9+15); dann aber sei von allen Gläubigen die Rede, da Gott speziell durch die Glieder der Gemeinde in die Welt hinein wirke und durch den Glauben in ihnen wohne. Diese Auslegung sieht in V. 6 eine Steigerung von außen nach innen: gewissermaßen am Rand ist Gott der Vater aller, insbesondere aber ist er der Vater derer, die zu seiner Gemeinde gehören (vgl. 1Tim 4,10). Bleibt die Schwierigkeit bei dieser Seite 12 / 16


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Auslegung, daß - ohne nähere Hinweise im Text selbst - das Wort 'alle' im gleichen Halbvers Unterschiedliches bedeuten müßte, was mir hier nicht naheliegend zu sein scheint. - Ähnlich wie in 3,14f wird Gott vertrauensvoll als Vater genannt, aber eben als der über alles erhabene, allwirksame und allgegenwärtige Vater. Er ist 'über allen', d.h. hoch erhoben über alle seine Kinder. Keiner steht in privilegierter Sonderstellung neben ihm. Gleichermaßen unterstehen sie alle dem einen Herrn. Zugleich ist er 'durch alle' am Werk, d.h. seine Kinder sind Werkzeuge seines Wirkens. Keiner kann sich rühmen, allein von Gott gebraucht zu sein. Gleichermaßen sind sie zu seinem Dienst berufen; und was immer an Frucht im Dienst des einzelnen sichtbar wird, es ist Wirkung des einen himmlischen Vaters. - Schließlich ist er auch 'in allen', d.h. er wohnt aufgrund des Glaubens durch seinen Geist in jedem Gläubigen. Kein Kind Gottes kann beanspruchen, Gott sei nur in ihm. Gleichermaßen empfangen alle Menschen, die sich im Glauben zu Jesus bekennen, den Geist und damit die Gegenwart Gottes, die sich lebensverändernd - etwa in einem von der Liebe geprägten Leben - äußert (vgl. 1Joh 4,15+16b). All dies ist die vom Geist der Gemeinde vorgegebene Grundlage der Einheit. Und dieses Geschenk der Einheit gilt es zu bewahren."7

7

Stadelmann, Epheserbrief, S. 153-157.

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SCHRITT 9: Die Aussage der Texteinheit präzise zusammenfassen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 9.1 (S. 154): Das Textthema formulieren Formulieren Sie das Textthema zu Eph 4,1-6: a) Worum geht es zentral in diesem Abschnitt? (Welcher Gegenstand wird hier durchgängig behandelt?) b) Was wird in diesem Abschnitt über den zentralen Gegenstand ausgesagt?

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 9.1: Textgegenstand (TG): Die Einheit der Gemeinde ist vom Heiligen Geist vorgegeben Textaussage (TA): Diese Einheit der Gemeinde soll gewahrt werden. Textthema (TT = TG + TA):8 Die vom Heiligen Geist vorgegebene Einheit der Gemeinde soll gewahrt werden

8

Stadelmann, Epheserbrief, S. 150.

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Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 9.2 (S. 160): Die Textgliederung erstellen Erstellen Sie unter Berücksichtigung obiger Regeln und unter Beachtung des von Ihnen angefertigten Textschaubildes eine Textgliederung von Eph 4,1-6 nach dem DezimalGliederungssystem!

Lösungsvorschläge zur Einübung des Arbeitsschritts 9.2: 1.

2.

Die Berufung zur Bewahrung der Einheit der Gemeinde 1.1 Die Begründung zur Bewahrung der Einheit der Gemeinde 1.2 Die Lebensweise zur Bewahrung der Einheit der Gemeinde 1.2.1 Zur Bewahrung der Einheit ist eine demütige und sanftmütige Lebensweise nötig 1.2.2 Zur Bewahrung der Einheit ist eine langmütige einander in Liebe ertragende Lebensweise nötig 1.3 Die Aufforderung zur Bewahrung der Einheit der Gemeinde

(V. 1-3) (V. 1) (V. 2)

Die Vorgaben zur Begründung der Einheit der Gemeinde 2.1 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch den einen gemeinsamen Leib 2.2 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch den einen gemeinsamen Geist 2.3 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch die eine gemeinsame Hoffnung 2.4 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch den einen gemeinsamen Herrn 2.5 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch den einen gemeinsamen Glauben 2.6 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch die eine gemeinsame Taufe 2.7 Die Einheit der Gemeinde ist vorgegeben durch den einen gemeinsamen Gott und Vater aller

(V. 4-6) (V. 4a) (V. 4b)

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(V. 2a) (V. 2b) (V. 3)

(V. 4c) (V. 5a) (V. 5b) (V. 5c) (V. 6)


Lösungen zu Eph 4, 1-6 in Stadelmann / Richter: Bibelauslegung praktisch. Wuppertal: R. Brockhaus, 2006.

SCHRITT 10: Sich der Bedeutung der Texteinheit für heute stellen Aufgaben zur Einübung des Arbeitsschritts 10 (S. 171): Lässt der Geltungs- und Gültigkeitsbereich der heilsgeschichtlichen Epoche eine direkte Übertragung und Anwendung zu? Wird ein theologisches Prinzip in verschiedenen Zeiten und Situationen in der Bibel übernommen bzw. fortgeführt? Bestehen Parallelen zwischen der damaligen und der gegenwärtigen Situation? Gibt es Hinweise, die ausschließlich mit der damaligen kulturellen Praxis zu erklären sind?

Lösungsbeispiele zur Einübung des Arbeitsschritts 10:9 Denken wir einmal an die christlichen Kreise und Gemeinden, die wir kennen. Wie oft sind uns da schon Beispiele von Unfrieden und Uneinigkeit begegnet!? Man ist voneinander enttäuscht, redet nicht mehr miteinander (dafür aber übereinander!), es gibt Gruppierungen, Konflikte, vielleicht Spaltungen. In dieses Problemfeld spricht das Thema dieser Verse. Es wird hilfreich sein, diesen Problemhorizont zunächst ganz konkret und realistisch vor den Hörern aufzurollen. a)

Unser Einsatz für die Einheit (Vv. 1-3)

Das Problem der Uneinigkeit unter Christen sollen wir nicht nur allgemein bedauern. Spannungsreiche Beziehungen, in denen wir mit Mitchristen stehen, dürfen wir nicht einfach in Kauf nehmen. Wir würden sonst unserer Berufung als Christen nicht gerecht. Warum? V. 1 weist in diesem Zusammenhang zurück auf Eph 1-3. Was hat Gott getan? Wozu hat er uns berufen? Angesichts der Zerrissenheit und der vielen unnötigen Spannungen unter Christen ist unser Einsatz gefragt. Wie soll dieser Einsatz aussehen? Vv.2-3 geben die Antwort. Demut, Sanftmut, langmütiges und liebevolles Ertragen werden als Einheitsvitamine genannt. Was jeder dieser Begriffe bedeutet, ist oben in der Erklärung ausgeführt. Für jede dieser Verhaltensweisen sollten Sie jetzt ein Beispiel finden, das Ihre Hörer motiviert, sich auch so zu verhalten. Über diese Verse darf nicht nur lehrhaft gesprochen werden. Wenn Sie diese Verse auslegen, müssen Sie ein Anstifter zum Frieden und zur Einigkeit werden! b)

Gottes Vorgaben für die Einheit (Vv. 4-6)

Die christliche Einheit zu bewahren ist schwer genug. Wir müssen zum Glück die Einheit der Gemeinde nicht erst schaffen. Das hat Gott durch seinen Geist längst getan. Wenn wir uns für die Einheit einsetzen, ist es allerdings nützlich, daß wir uns selbst und unseren Hörern in Erinnerung rufen, was Christen trotz aller Probleme grundlegend verbindet. In den Vv. 4-6 werden uns dreimal drei Fakten genannt, die uns Christen in viel tieferer Weise einen als menschliche Schwächen und Fehler uns trennen können. Diese Bindeglieder müssen wir Punkt für Punkt betonen. Wo diese gemeinsamen Grundlagen da sind, lohnt es sich, alles für die Einheit zu tun. Es lohnt sich aber auch, darüber nachzudenken, wie es um die 'christliche Einheit' bestellt ist, wenn diese Punkte fehlen. Dann wird es vielleicht noch eine menschlich organisierte Einheit geben, aber nicht mehr die 'Einheit des Geistes'.

9

Stadelmann, Epheserbrief, S. 158f.

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