Einführung
Während meiner bisherigen Lebenszeit wurden mir nicht nur vier biologische Nachkommen geboren – ich brachte auch geistige, theologische Kinder hervor. Mehrfach wurde ich durch meinen »intimen« Umgang mit Gott und seinem Wort schwanger. Etwas regte sich in mir, begann zu wachsen und erblickte schließlich das Licht der Welt. Verschiedene Wahrheiten, Themen und Einsichten trug ich lange unter dem Herzen, bis ich sie schließlich gebar, in Form von Artikeln, Vorträgen und Büchern.
Drei dieser Kinder wuchsen besonders stark und kamen in intensiven Geburtsprozessen zur Welt: Die Themen »Gericht Gottes«, »Hölle« und »Himmel«.
Vor einigen Jahren, ich war schon weit über sechzig Jahre alt, nahm eine innere Unruhe zu und mahnte mich: Schicke deine Kinder hinaus in die Welt. Behalte sie nicht bei dir. So entschloss ich mich, dieses Buch zu schreiben: »Großer Himmel – kleine Hölle? Wie das Gericht Gottes uns Hoffnung macht.«
Entstehung des Buches – eine lange Geschichte
Ich wuchs in einem konsequent säkularen Elternhaus auf, wurde weder getauft noch konfirmiert und hatte keine Ahnung vom christlichen Glauben oder von der Bibel. Knapp vor meinem 18. Geburtstag klingelten zwei Mormonenmissionare1 an unserer Tür, die mich wie eine reife Frucht für ihre Glaubensgemeinschaft pflückten. Ich war offen für und
1 Der offizielle Name lautet: Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage. Der Name Mormonen leitet sich vom Buch Mormon ab, das nach mormonischem Glauben dem jungen Amerikaner Joseph Smith 1820 in Form von beschriebenen Goldplatten von einem Engel gezeigt worden sei und das er mit »übernatürlicher Hilfe« übersetzt habe. Es gilt als zweite Heilige Schrift neben der Bibel und dieser ebenbürtig.
Einführung
hungrig nach Gott. Sie erzählten mir, es gäbe im Himmel drei Herrlichkeitsstufen. In der höchsten wären Gott und Jesus präsent u nd dort könnte man mithilfe einer (Mormonen-)Frau geistige Kinder zeugen, für diese Planeten bauen und selbst ein Gott werden. In der zweiten Stufe gäbe es nur Jesus und ewige Vermehrung wäre dort nicht möglich. In der dritten wäre es immer noch wunderschön, aber ohne Jesus und ohne den Vater.
Ich kann mich noch gut an meine damalige Reaktion erinnern: Wenn ich nicht in die höchste Stufe gelange, wo der Vater ist, ist das für mich wie eine Hölle. Ausschluss vom Vater, Abwesenheit des Vaters – das ist Hölle. Hölle heißt ohne Gott sein. Das war meine erste Höllenerkenntnis und ich lag damit gar nicht so falsch!
Nach drei Jahren lernte ich den ersten echten Christen kennen, der mit Jesus vertraut war und ihn liebte. Er vertrat ihn glaubwürdig. Nach einigen Monaten des »Aufgeweichtwerdens« und starken inneren Kämpfen trennte ich mich radikal von den Mormonen und wurde ein Jesusnachfolger. Von Anfang an las ich viel in der Bibel und in anderen christlichen Büchern. Es folgten eine Zeit als christlicher Hippie in der Jesus-People-Bewegung 2, eine Ausbildung zum Krankenpfleger und ein Theologiestudium an einer evangelikalen, sogenannt »bibeltreuen«
Ausbildungsstätte mit akademischem Charakter3. Mein entscheidender Beweggrund zum Glauben war nicht die Angst vor irgendeiner Hölle, sondern die Sehnsucht nach Gott und Jesus. Im Unterschied zu den Mormonen ist für mich bis heute das Wesentliche des christlichen Glaubens, es nicht mit einem System, sondern mit einer Person z u tun zu haben.
Als Christ übernahm ich schnell die vorherrschende Lehre der nie endenden bewussten Qual für alle, die nicht an Jesus glauben. Allerdings hatte ich früh einige Allversöhner kennengelernt, die auf mich den Eindruck glaubwürdiger Christen machten. Lange Jahre dachte ich
2 »Jesus People« war der Name einer starken geistlichen Aufbruchsbewegung unter jungen Leuten in den USA Ende der Sechziger- und Anfang der Siebzigerjahre, die an der Westküste der USA als christliche Ausprägung der Hippiebewegung entstand. Sie schwappte auch nach Deutschland über.
3 Damals FETA, Freie evangelisch-theologische Akademie, heute STH, Staatsunabhängige Theologische Hochschule (Riehen bei Basel).
Entstehung des Buches – eine lange Geschichte
nicht besonders über die Hölle nach, steckte sie in die unterste Schublade meiner »Glaubenskommode« und machte diese Schublade selten auf, und wenn, dann nur ganz kurz. Doch weil ich über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren jährlich einmal die ganze Bibel betend, forschend und fragend durchlas, kam ich natürlich immer wieder bei den »Höllenstellen« vorbei – aber noch mehr bei den »Himmelsstellen«. Für sie verwendete ich eine größere Schublade in meiner Kommode, die immer voller wurde. Irgendwann war es dann so weit, auch die unterste Schublade wieder einmal aufzuziehen, zu inspizieren und ihren Inhalt einer genauen Untersuchung zu würdigen.
Das war zwar nicht gerade so wie bei der Büchse der Pandora4, erwies sich aber doch als sehr unangenehm, zwar nicht in dem Sinne, dass die traditionelle Lehre von der Hölle mir plötzlich falsch erschien – sie wurde mir schrecklich. Entsetzlich. Monströs. Mir wurden zum ersten Mal die grauenhaften Konsequenzen der klassischen Höllenlehre bewusst. Gott lässt die Ungläubigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, ohne dass jemals ein Ende abzusehen wäre, in einem Zustand leiden, der einem Verbranntwerden ohne sterben zu können gleicht, und dies leiblich, seelisch und geistlich! Die sympathische Allversöhnung mit ihrer zeitlich begrenzten Hölle schien mir keine Lösung, denn ich fand sie biblisch zu wenig begründet – auch wenn ich es sehr gerne so gehabt hätte.
In einem neueren Buch über die Hölle stieß ich auf eine Bemerku ng, die mir aus dem Herzen sprach, mich aber auch in ihrer schonungslosen Stimmigkeit erschütterte.
»Von allen Höllen, die man seit Urbeginn erdacht hat, ist die vollständigste, die systematischste, die hoffnungsloseste, die des Christentums – so sehr, daß sie zum Archetyp geworden ist. Sie ist absolutes Leiden, das zugleich die fünf Sinne – und durch Gewissensbisse und das Bewußtsein von der Ewigkeit der Qualen – den Geist erfüllt. […] bestimmt für die Verdammten, das Gegenteil einer Heilsreligion, die
4 Die Büchse der Pandora kommt in einer griechischen Sage vor. Pandora war auf Befehl des Zeus geschaffen worden, um die Menschen herauszufordern. Er befahl ihr, den Menschen die Büchse zu schenken mit der Warnung, sie auf keinen Fall zu öffnen. Doch sie öffnete die Büchse selbst und alle Laster, Untugenden und Leiden strömten heraus und ergossen sich auf die Welt.
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die menschliche Freiheit respektieren möchte: Sie wird zum Schicksal jener, die sich von der Quelle des absolut Guten trennen. Das ist ihre Einzigartigkeit und ihre Macht.«5
Der Glaube an diese Hölle wurde mir schwer und bedrückend. Diese Schwere wurde noch gesteigert durch tiefere Einsichten in andere Wahrheiten, sowohl der Bibel als auch meiner mittlerweile langjährigen Lebenserfahrung als Mensch und Christ. Gott war für mich zu einer Vertrauensperson geworden, die mein Leben ausfüllte und bestimmte. Ich war sowohl in der Bibel als auch in meinem Leben beständig einem Gott begegnet, der barmherzig, versöhnend, liebevoll, nicht nachtragend, geduldig und gerecht ist, so wie ihn die folgenden Verse beschreiben:
»Barmherzig und gnädig ist der HERR, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Er wird nicht immer rechten, nicht ewig zürnen. Er hat uns nicht getan nach unseren Vergehen, nach unseren Sünden uns nicht vergolten … Denn er kennt unser Gebilde, gedenkt, dass wir Staub sind.«6
Dieses Bild von Gott stand für mich nicht nur in der Bibel, es war meine Lebenswirklichkeit geworden. Es schien jedoch nicht zur herkömmlichen Lehre von der Hölle zu passen! Zunehmend empfand ich eine furchtbare Spannung zwischen dem barmherzigen Wesen Gottes und der Lehre, dass er viele Menschen in die Hölle wirft und dort ewig leiden lässt.
Hinzu trat auch die Begegnung mit der Gebrochenheit, Blindheit, Verletzung und Verzauberung so vieler Menschen, Christen wie Nichtchristen, obwohl sie die besten Absichten hatten. Ich nahm bei ihnen keine solch ausschließlich böse, hartnäckige Verstockung und Verhärtung wahr, die eine ewige Bestrafung rechtfertigen könnten. Ich traf so viele Menschen, Christen und Nichtchristen, die neben ihrer Bosheit auch andere Seiten hatten. Ich selbst stehe inmitten einer großen »ungläubigen« Verwandtschaft, von denen ich einige ehrlich für ihre
5 Georges Minois, Hölle, Kleine Kulturgeschichte der Unterwelt, Freiburg 2000, S.7.
6 Ps 103,8-14 ( ).
Entstehung des Buches – eine lange Geschichte
Hingabe und Treue für andere bewundere – aber meinem Zeugnis über Jesus haben sie bis heute keinen Glauben geschenkt. Nach klassischer Lehre kommen sie alle in eine ewige Hölle. Dabei war mir auch die Mahnung keine Hilfe, niemanden zu richten, sondern die Entscheidung Gott zu überlassen. Denn es erschien mir allzu wahrscheinlich: Die allermeisten kommen in die Hölle.
Zudem hat Gott mir eine »Berufungskombination« gegeben, die es nicht leichter macht, das klassische Höllenverständnis zu vertreten. Ich wuchs hinein in zwei »Berufungslinien«: Prediger/Lehrer und Seelsorger/Berater. Man fand mich am Schreibtisch, auf der Kanzel und in seelsorgerlichen Gesprächen. Nach vielen Jahren der Tätigkeit als Pastor machte ich mich 1998 selbstständig und gründete einen Dienst mit der Bezeichnung »Lehr- und Beratungsdienste«. Ich habe unzä hlige Vorträge und Seminare zu diversen Themen gehalten und war als Dozent tätig. Ich habe aber auch unzähligen Menschen und Paaren in Beratungsgesprächen gedient und dabei etliche Menschen begleitet, die nach dem klassischen Verständnis eigentlich in der Hölle landen müssten.
Diese doppelte Berufung hat dazu geführt, mir vielleicht mehr als andere die Frage zu stellen, welche Folgen eine bestimmte Lehre für einen konkreten Menschen hätte. Ich darf ein wenig provozieren und wechsle kurz zu einem anderen äußerst umstrittenen Thema mit Spaltungstendenz in der Christenheit: homosexuell aktive Christen. Es ist leichter, vom Schreibtisch aus homosexuell aktiven Christen pauschal und anonym das Heil abzusprechen7, als den eigenen jungen erwachsenen Sohn hinauszuwerfen, weil er sich als homosexuell aktiv geoutet hat, aber tatsächlich noch an Jesus glaubt und auch sonst vorbildlich lebt.8
Ich blieb mit Gott im Gespräch über die Hölle und betete oft in dieser Weise: »Vater, ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich komme an eine
7 »Muss ich euch daran erinnern, dass die, die Unrecht tun, keinen Anteil am Reich Gottes bekommen werden, dem Erbe, das Gott für uns bereithält? Macht euch nichts vor: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, Götzen anbetet, die Ehe bricht, homosexuelle Beziehungen eingeht, stiehlt, geldgierig ist, trinkt, Verleumdungen verbreitet oder andere beraubt, wird an Gottes Reich teilhaben« (1Kor 6,9-10 [ ]).
8 Das geschieht immer wieder, genau so. Mir selbst sind mehrere Fälle bekannt.
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Glaubensgrenze. Ich kann das so nicht mehr glauben. Vater, was soll ich tun?! Hilf mir! Wenn das wirklich wahr ist, hilf mir, damit zu leben, es zu glauben, es so weit zu verstehen, dass ich es von dir annehmen kann!«
Bei Mitchristen stellte ich fest, dass sie sich darüber noch keine Gedanken gemacht oder diese Wahrheit einfach verdrängt hatten – oft in die unterste Schublade oder gar ins Geheimfach –, oder dass ihnen diese Lehre viel weniger ausmachte als mir.
Beginn einer Forschungsreise
Aus meiner Not heraus begann ich zu forschen, zum Thema zu lesen, Bibelstellen genauer auszulegen und mir die griechischen und hebräischen Ausdrücke anzuschauen. Dabei stieß ich auf eine alternative Möglichkeit, die Hölle zu verstehen: Als Ort endgültiger Vernichtung des Bösen und nicht der Verewigung der Strafe. Das wird auch An nihilation genannt, die Auffassung trägt den Namen Annihilationstheorie. Ich prüfte diese Sicht und stellte fest: Sie ist gut begründet, aber nicht gut genug, um die alte Sicht völlig und widerspruchsfrei abzulösen. Einige Bibelstellen standen quer dazu und ließen sich nicht ohne Weiteres anders verstehen.9
Meine Sympathie für die Annihilation war jedoch geweckt. Im Laufe der Zeit wurde sie für mich immer wahrscheinlicher. Für andere Christen in meinem Umfeld war sie längst die richtige Auffassung. So weit wollte ich nicht gehen. Im Zuge einer langen intensiven Auseinandersetzung10 verstand ich auch die Position der Allversöhnung besser, und zwar als Gegenreaktion, als Notwehrmaßnahme gegen die traditionelle Lehre der unendlichen bewussten Qual. Mir scheint, Allversöhnung und unendliche bewusste Qual sind zwei Extrempositionen, die sich immer wieder gegenseitig aufschaukeln und am Leben erhalten.
9 Z.B. Offb 20,10 ( ): »Und der Teufel, der sie verführt hatte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, in dem sich schon das Tier und der falsche Prophet befanden. Dort werden sie Tag und Nacht Qualen erleiden –für immer und ewig.«
10 Man mag sich fragen: Lohnt sich solch ein Aufwand für eine solche Frage? Hier antworte ich: Auf jeden Fall! Die Frage betrifft uns alle, sie betrifft unsere nahe und unsere ferne und die ganz ferne Zukunft.
Entstehung des Buches – eine lange Geschichte
Solange es Menschen gibt, die von einer unendlichen, qualvollen Bestrafung in der Hölle sprechen, wird es auch Menschen geben, die sich mit dem Gedankengut einer Allversöhnung dagegen wehren.
Langsam reifte der Entschluss, das Thema einzubetten in ein gan zes Buch über das Gericht Gottes. Sie halten es in den Händen. Ich bat ein Missionsteam, mit dem mich seit 25 Jahren eine fruchtbare Zusam menarbeit und Gemeinschaft verbindet, mich für dieses Projekt zu segnen und zu senden. Einer der Hauptleiter, eine echte geistliche Größe, zu dem ich wirklich aufschaue, sagte: »Jens, wenn du in dem Buch lehrst, dass in der Hölle nicht ewig bestraft wird, bete ich nicht für dich.«
Meine Antwort: »Doch, du kannst für mich beten, ich verspreche dir, dass ich jede Position nochmals überprüfe, gründlich.« – »In dem Fall bete ich für dich«, antwortete er.
Ich habe mein Versprechen gehalten und nochmals »eine Runde gedreht«, sogar mehrere, weitere, gründlichere als die ersten Runden. Ich habe neue Bücher gelesen und neue Argumente für die jeweiligen Sichtwesen unter die Lupe genommen. Dabei begann ich mit einem Buch, das leidenschaftlich und sorgfältig für die klassische Sicht eintritt.11 Mehrere anerkannte amerikanische Theologen argumentieren darin gegen die Lehren der Allversöhnung und der Annihilation, die sie als »Ausverkauf der Hölle« betrachten, und machen ihre Ansicht zu einem Zentralpunkt des christlichen Glaubens, der in unmittelbarer und engster Verbindung zur Lehre von Kreuz und Auferstehung Christi steht. Durch die Lektüre dieses Buches tauchte ich nochmals tief in diese noch immer weitgehend vorherrschende Denktradition ein und erlebte wieder, wie eine große Schwere und Bedrückung über mich kamen.
So geriet ich mit meinen 68 Jahren ungeplant in eine echte Glaubensnot, als ich feststellen musste: All diese Aussagen mögen wahr sein, aber ich schaffe es nicht, mich dieser Wahrheit zu beugen. Eine Wolke schob sich zwischen Gott und mich, die ganz und gar nicht harmlos war, denn ich konnte Gott an diesem Punkt sozusagen nicht folgen und sagte ihm das auch. Wiederholt betete ich: »Vater, ich will diese Wah rheit annehmen. Sie scheint mir doch die biblisch am stärksten belegte zu
11 Morgan/Peterson (Hrsg.): Hell Under Fire.
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sein. Aber ich kann es zurzeit nicht, noch nicht. Meine Glaubens- und Vertrauensfähigkeit ist da an eine Grenze gekommen.« So erlebte ich erneut eine tiefe Glaubenskrise, obwohl ich bereits zahlreiche Abenteuer mit Gott erlebt und in einigen sehr tiefen Talsohlen meines Lebens Gottvertrauen hatte lernen müssen und auch gelernt hatte.
Die Auseinandersetzung ging weiter. Andere Deutungsmöglichkeiten gewisser Bibelstellen leuchteten wieder neu auf. Besonders wichtig waren mir schon lange Zeit die letzten beiden Kapitel der Bibel geworden. Sie erweckten bei mir den Eindruck, dass der Himmel, bz w. die neue Erde riesig ist – von sehr vielen Menschen bevölkert. Auch eine systematische und gründliche Untersuchung der biblischen Aussagen zum Gericht Gottes war erhellend. Sie wurde zur wesentlichen Grundlage einer neuen Annäherung an das Thema Hölle und Himmel. Langsam wurde aus einer Drohbotschaft eine Frohbotschaft.
Das Gericht Gottes wird in diesem Buch in einem positiven, hoffnungsvollen Licht aufstrahlen, auch wenn es keinesfalls verharmlost wird.
Ich möchte dazu beitragen, die klar bezeugte, aber häufig missverstandene Lehre von der Hölle vom namenlosen Grauen zu befreien, das ihr anhaftet. Es hat dazu geführt, sie zu tabuisieren – im Herz des einzelnen Christen sowie in Lehre und Verkündigung. Daher will ich die Hölle als einen möglichen Ausgang des Gerichts weniger einseitig und traditionsbehaftet darstellen, indem ich die traditionellen Vorstellungen durch alternative Erklärungen ergänze. Ich freue mich, wenn meine Ausführungen zu einer Enttabuisierung der Hölle verhelfen.
Dagegen soll der Himmel als zweiter möglicher Ausgang des Gerichts an Strahlkraft gewinnen, indem ich einerseits seine Herrlichkeit konkret beschreibe und andererseits seinen Umfang und seine Weite aufzeige. In meinen Ausführungen wird deutlich werden, dass dort wesentlich mehr Menschen wohnen, als oft von gläubigen Christen angenommen wird.
So will das Buch dazu beitragen, im Herzen der Leser Glanz und Größe des Himmels aufstrahlen zu lassen, damit die Schrecklichkeit der Hölle auf ein angemessenes, sinnvolles Maß reduziert wird. So kann die Vorfreude auf die kommende Welt wachsen und unser Leben bis in den Alltag hinein beschwingen.
Wie das Buch aufgebaut ist
Im Laufe dieser langen Forschungsreise und vielem Nachdenken über Gott, die Schrift und mich selbst, merkte ich aber mit wachsender Deutlichkeit:
Eine objektive, rein sachliche, emotionsfreie und vorurteilsfreie Lehre über die Hölle gibt es nicht! Jeder ist bei der Auseinandersetzung mit diesen letzten großen Fragen, bei denen es wirklich um alles geht, mit seiner ganzen Person beteiligt, mit seiner Lebenserfahrung, seiner Biografie und seinem Charakter.
Wie das Buch aufgebaut ist
In Teil I, »Das gerechte Gericht«, wird das Gericht Gottes ausf ührlicher beschrieben, als wir es gewohnt sind. Ein Schwerpunkt liegt hier auf den Maßstäben, die Gott anwendet, wenn er unser komplexes Leben und Sein auf dieser Erde abschließend bewertet und ein gerechtes Urteil fällt. Dieser Teil legt die Grundlage für Teil II, »Die kleine Hölle«, und Teil III, »Der große Himmel«.
Bei der Erklärung der Hölle gehe ich auf die drei unter gläubigen Christen am meisten verbreiteten Höllenvorstellungen ein und wäge sie im Spiegel der Bibel gegeneinander ab.
Bei der Beschreibung des Himmels entfalte ich die entsprechenden biblischen Aussagen und betone dabei unter anderem einen oft vernachlässigten Aspekt: Neben der Gemeinde Christi wird es noch andere Völker auf der neuen Erde, die Gott schaffen wird, geben.
Wie das Buch zu lesen ist
Auch wenn sich das Buch mit einem komplexen Thema auseinandersetzt, verspreche ich Ihnen: Es ist leicht verständlich. Dazu empfehle ich, das Buch regelmäßig und langsam in kleineren Abschnitten über einen längeren Zeitraum hin zu lesen, z. B. an jedem Tag für nu r 15 bis 20 Minuten – dann ist man in einem Monat fertig. Man kann es auch wegen der einfachen und logischen Gliederung als Begleiter für die Stille Zeit verwenden.
Einführung
Zwar bauen die drei Teile aufeinander auf, dennoch kann auch jeder von ihnen für sich allein gelesen werden. Sie halten sozusagen drei Bücher in den Händen, jedes zu seinem eigenen interessanten und wichtigen Thema. Fühlen Sie sich also frei, mit dem Teil zu beginnen, der sie im Moment am meisten interessiert – sei es das Thema Hölle oder das Thema Himmel. Sie können auch z. B. mit den Ausführungen über das Gericht Gottes beginnen und dann entscheiden, wann Sie die anderen Teile noch dazulesen wollen.
Das Buch enthält viele Bibelzitate. Versuchen Sie, diese Stellen nicht einfach zu überfliegen, sondern als Teil des Textes bewusst zu lesen.