Skip to main content

223569

Page 1

Eine Weihnachtsgeschichte

Elisabeth Vollmer

Nina Dulleck


Es war einmal ein kleiner Stern.

Unter den vielen Sternen am Himmel bekommen die ganz großen von den Sternforschern einen Namen. Die kleineren, weniger wichtigen, tragen immerhin eine eigene Nummer. Aber unser kleiner Stern war so klein, dass er noch gar nicht entdeckt worden war.

Dabei hätte der kleine Stern so gerne einmal etwas Wichtiges oder Spannendes erlebt. Er stellte sich gern vor, wie er einem Seefahrer den Weg aus dem Sturm zeigte oder ein Kind mit seinem Schein tröstete, wenn es nicht einschlafen konnte. Am liebsten aber malte er sich aus, wie es wäre, bei der Geburt eines Prinzen zu leuchten.


Er steckte wieder einmal tief in seinen Träumen, als alle anderen Sterne um ihn herum aufgeregt zu tuscheln begannen. Ein groĂ&#x;er, strahlender Engel schritt die Reihe der Sterne ab. Noch nie zuvor war in diese Himmelsgegend ein Engel gekommen.


Was mochte er nur vorhaben? Keiner wagte es zu fragen und alle hielten den Atem an, als der Engel ausgerechnet vor dem kleinen Stern stehen blieb und ihn ansah.


Der kleine Stern traute seinen

Augen kaum. Er hatte noch nie einen Engel aus der Nähe gesehen.

Wie groß er war! Strahlend schön und auch ein wenig Furcht einflößend sah er aus. Der Engel begann mit dem kleinen Stern zu reden. Die anderen Sterne spitzten die Ohren, aber keiner konnte verstehen, was die beiden miteinander sprachen. Da wandte sich der Engel an die anderen Sterne und sagte: »Ihr Sterne, bedeckt euren Schein. Der kleine Stern hat einen wichtigen Auftrag und wird drei Männern den Weg leuchten. Nur ihn darf man jetzt auf der Erde sehen.«


Während die größeren Sterne sich verdunkelten, rätselten sie, was es

mit diesem Auftrag wohl auf sich haben mochte. Der kleine Stern aber zog langsam und hell strahlend am Himmel entlang. Dabei schaute er stets auf die drei Männer, die unten auf der Erde ihren Weg suchten. Er war so aufgeregt. Endlich war es passiert: Er ganz allein durfte einen wichtigen, geheimen und spannenden Auftrag erledigen. Er hatte gar nicht gewusst, dass er so hell leuchten konnte. »Ich werde es gut machen«, dachte er. »Die anderen Sterne werden staunen, wenn ich ihnen später erzähle, dass ich drei weise Sterndeuter zum neugeborenen König der Welt geführt habe!«

Viele Nächte wanderte er so am Himmel entlang. Das war nicht nur schön, sondern auch anstrengend. Er durfte nicht zu schnell ziehen, sonst kamen die Männer nicht hinterher. Aber zu langsam durfte er auch nicht sein; sie mussten ja rechtzeitig an ihr Ziel gelangen! Der kleine Stern wurde allmählich ungeduldig mit den Männern. Sie sollten sich beeilen! Die Geburt des Königskindes würde bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
223569 by Fontis-Shop - Issuu